Patienten-News

Zahnwurzeln: Vielfalt an Kanälen

Bei Veröffentlichungen in der Laienpresse werden Zähne, die zur Dekoration eines Beitrags dargestellt werden, zumeist mit zwei Wurzeln gezeigt – der „typische Backenzahn". Das allerdings ist eine an der Realität weit vorbeizielende Darstellung, wie ein Fachartikel in einer zahnärztlichen /eitschrift kürzlich aufzeigte. Abgesehen davon, dass Frontzähne, also die sichtbarsten im Mund, in der Regel einwurzelig sind, können Seitenzähne sehr viele und zudem verdrehte und miteinander in Verbindung stehende Zahnwurzeln haben. Das Thema wird für Patienten und Zahnärzte spätestens in dem Moment relevant, wenn aufgrund einer tiefen Zahnentzündung eine Wurzelbehandlung ansteht. Eine Zahnärztegruppe hat nun untersucht, wie viele Wurzelgänge Zähne im Oberkiefer haben können. Anlass war die Feststellung, dass gelegentlich ein Seitenarm übersehen und damit nicht antientzündlich behandelt worden war. Dabei ist zu bedenken, dass Röntgenaufnahmen in „nicht notwendigen Fällen" unterbleiben müssen – Wurzelbehandlungen gehören nicht zwingend zu den „notwendigen Indikationen" für eine Strahlenbelastung. Die Studie hat ergeben, dass nicht nur die üblicherweise erwarteten drei, sondern auch vier und fünf (oft schwer auffindbare) Wurzelkanäle bei den Backenzähnen häufiger vorkommen als erwartet. Erschwert wird das Auffinden durch gelegentliche Vereinigung von Kanälen oder auch Abtrennungen kleiner Abzweige von Hauptkanälen. Vermieden werden muss bei der Behandlung auch, dass die Bearbeitung einer Vielzahl von dünnen Zahnwurzeln zu einer Schwächung der Zahnwurzel-Substanz insgesamt führt. Es hat sich gezeigt, dass es nach wie vor eine Abwägung bleibt, wieviel Behandlung einem Zahn zumutbar ist – oder sein muss, um den Entzündungsquell vollständig zu entfernen.

Zahnbettentzündung: erblich?

Bekannt ist, dass sich einerseits bei Erkrankungen, die mit Immunbelastungen einhergehen, Zahnbettentzündungen (Parodontitis) eher entwickeln, und auch, dass Gewebe- und Gefäß-schädigendes Verhalten wie Rauchen solche Entzündungen fördern können. Nun hat sich gezeigt, dass bei machen Patienten auch ein erblicher Risikofaktor vorliegt. Wie eine Ende Juli veröffentlichte Auswertung internationaler Studien an insgesamt rund 50.000 Patienten zeigt, können genetische Bedingungen bei fast einem Drittel der Patienten mit Zahnbettentzündung vorliegen. Demnach gibt es bei einigen Patienten erbliche Vorbelastungen hinsichtlich des Knochenabbaus und der Zahnbettgewebe-Empfindsamkeit. Es hat sich zudem gezeigt, dass diese erblichen Risiken noch zunahmen, wenn diese Personen rauchten – nicht ausgeschlossen ist, dass auch die Neigung zum Rauchen eine Ererbungs-Komponente hat. Erbliche Hintergründe zeigten sich offenbar vor allem bei frühen und besonders schweren Zahnbettentzündungen.

Amalgam: Wie geht es weiter?

Während bei vielen Patienten der Zahnfüll-Werkstoff Amalgam keinen guten Ruf hat, gibt es nach wie vor auch wissenschaftlich orientierte Zahnärzte, die Amalgam für einen der best-erforschten, flexibelsten und für die verschiedensten Zahnschmelz-Defekte am haltbarsten Füllwerkstoff erachten. Genauer: einen, für den es nach ihrer Einschätzung nach wie vor kein vergleichbar erfolgreiches und bezahlbares Alternativ-Material gibt. Deshalb tun sich nationale und internationale Gesundheits-Organisationen auch so schwer, Dental-Amalgam einfach zu verbieten. Derzeit gelten für besondere Patientengruppen Einschränkungsempfehlungen in der Anwendung. Nun steht ein neuer Klärungstermin zu der Frage an, ob ein vollständiger Ausstieg aus der Amalgamversorgung realistisch ist: Sowohl das Bundeskabinett im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes als auch die EU-Kommission wollen hier bis Ende Juni kommenden Jahres Klarheit zur Zukunft des Dental-Amalgams gewinnen, wie eine aktuelle Presseinformation berichtet. Grundlage ist das sogenannte Minamata-Abkommen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit vor Freisetzungen von Quecksilber und Quecksilberverbindungen. Zum Aktionsplan gehört auch eine intensivierte Prävention, um die Zahngesundheit noch besser zu erhalten und „Reparaturbehandlungen" weiter reduzieren zu können.

Stress: Folgen im Gebiss

Durch Auswertung der Daten ihrer rund 9,4 Millionen Versicherten hat die BARMER einen Zahngesundheitsatlas entwickelt und diesen im Sommer der Öffentlichkeit vorgestellt. Darunter finden sich auch Erkenntnisse zum Zusammenhang von Stress und Veränderungen der Mundgesundheit. Es hat sich gezeigt, dass deutlich mehr Menschen, die in einer Stadt leben, eine sogenannte „Aufbissschiene" verordnet bekamen als Bewohner in ländlicher Region. Auffällig war, dass hier manche Metropolen sogar noch „stressiger" zu sein scheinen als andere große Städte: Patienten in Berlin und Hamburg erhielten rund doppelt so oft Aufbissschienen wie Patienten beispielsweise in einem Flächenland wie Thüringen. Aufbissschienen schützen die Zähne vor Zerstörung durch Knirschen oder kraftvolles Zusammenpressen, in der Regel ist Anspannung im Körper der Grund für diese Fehlfunktion von Kiefer und Zähnen. Zahnärzte, die sich auf „Funktion" spezialisiert haben und sich mit solchen Fehlfunktionen gut auskennen, sehen Knirschen und Pressen als eine natürliche Entlastungs-Maßnahme des Körpers an, so wie manch anderen Menschen der Stress auf den Bauch schlägt oder in den Rücken geht. Eine Aufbissschiene ist daher ein anerkannter Weg, vorrübergehende Anspannung abbaubar zu machen, ohne die Zähne zu beschädigen.

Herausforderung: Implantate nach Unfallverletzungen

Während Zahnersatz auf Implantat-Stütze für die Patienten immer selbstverständlicher wird, gibt es Situationen, wo auch versierte Implantologen vor größeren Herausforderungen stehen: dann, wenn beispielsweise aufgrund eines Unfalls oder auch einer Tumorerkrankung in der Mund-Kiefer-Region größere Verluste an stabilem Knochen vorliegen. Hinzu kommt, dass nicht problemlos aus anderen Körperregionen eigener Knochen entnommen und als Unterstützung in den Mundbereich transplantiert werden kann. Wie die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) kürzlich darstellte, bietet die Weiterentwicklung der Medizintechnik hier allerdings immer mehr Möglichkeiten, eine solche Herausforderung erfolgreich zu behandeln – beispielsweise durch den Einsatz von dreidimensionalen bildgebenden Programmen, wie sie oft in größeren Praxen und Zentren zur Verfügung stehen. Hier können bereits digital der verloren gegangene Knochen und das Weichgewebe wieder „aufgebaut" werden, die gewonnenen Daten liefern – herausgestellt – eine Art Schablone, wie das zu transplantierende Gewebe geformt sein muss. In einzelnen Kliniken gibt es zudem bereits erste Verbindungen zu Implantatherstellern, die aufgrund der Daten individuell hergestellte Implantate produzieren. Die Innovationen verbessern schwerst erkrankten oder verletzten Menschen die Chancen, in absehbarer Zeit wieder essen und besser sprechen zu können.

Weltbevölkerung: Zahnprobleme ohne Gesundheitsvorsorge

Rund 3,5 Milliarden Menschen weltweit, so eine aktuelle Veröffentlichung einer Gruppe internationaler Wissenschaftler, leiden demnach unter verschiedenen Zahn- und Munderkrankungen von Karies bis Mundkrebs. Es gebe keine weltweit agierende Gesundheitspolitik, die sie davor bewahre. In vielen Ländern stünde zudem eher die Behandlung im Fokus der Zahnärzteschaft und der regionalen politischen Konzepte und weniger die Vorbeugung. Gebe es vorbeugende Angebote seitens der Gesundheitspolitik, seien diese meist auch noch von allgemeiner Gesundheitsvorsorge abgekoppelt, wie die Ärzte Zeitung vor wenigen Wochen berichtete. In den Blickpunkt genommen wurden auch Produkte: Während die Menschen zum Schutz ihrer Zähne eine Vielzahl von Produkten einkaufe, reduziere sie keineswegs gleichermaßen den Einkauf zahnschädigender Produkte wie Zucker und kohlenhydratreiche Lebensmittel bzw. zahnschmelzschädigende Säuren. Der hohe und ansteigende Zuckerkonsum sei gerade in weniger entwickelten Regionen der Erde ein stark ansteigendes Problem. Die Wissenschaftler merkten an, dass viel in Hightech investiert werde – aber viel zu wenig in effektive Vorsorge.

Immer wieder ein Thema: Fluorid-Tabletten

Seit vielen Jahren diskutieren Kinderärzte und Zahnärzte, aber auch viele Eltern, welcher Weg der Fluoridierung der richtige ist: Ziel ist, die Milchzähne durch Fluorid-Gaben gegen Karies widerstandsfähiger zu machen. Zur Auswahl stehen Fluorid-Tabletten, die systemisch wirken (also über die Aufnahme durch den Körper – ein Weg, den vor allem Kinderärzte bevorzugen), und Fluorid-Zahnpasten, die lokal wirken (also an Ort und Stelle direkt auf dem Zahn – der richtige Weg aus Sicht der Zahnärzte). Beides zu kombinieren wäre zuviel – da sind sich alle Fachexperten einig. Auch darin, dass Fluoride wirken und in der normalerweise aufgenommenen Konzentration nicht giftig sind. Wer sich für die Tabletten-Variante entscheidet, hat dabei die Qual der Wahl – eine Herausforderung, der sich kürzlich die Zeitschrift Ökotest widmete. Sechs der getesteten Präparate schnitten mit „sehr gut" ab und drei mit „mangelhaft". Die empfehlenswerten weisen die altersgemäß empfohlene Menge Fluorid auf und geben in den Hinweisen auch an, bis zu welchem Alter die Gabe den Empfehlungen der Kinderärzte entspricht. Ab drei Jahren, so Ökotest, sei ohnehin Schluss mit Tabletten und der Wechsel zur fluoridhaltigen Zahnpasta angezeigt. Ein Switch, den Eltern gar nicht erst machen müssen, die von Anfang an der zahnärztlichen Empfehlung zu altersgerechter „lokaler Fluoridierung" über die Kinderzahnpasta folgen.

Pubertät: auch für die Zähne eine Herausforderung

Wie die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) vor wenigen Tagen mitteilte, ist die Lebensphase Pubertät oft eine Belastung für die Mundgesundheit – und das in einem Alter, in dem die bleibenden Zähne oft gerade erst herausgekommen sind. Die noch eher neuen „Bleibenden" stehen recht eng zusammen, viele der Jugendlichen tragen zudem kieferorthopädische Geräte (z.B. Zahnspangen) – und sie ernähren sich oft zahn-ungesund mit Chips, Softdrinks, Zwischendurch-Snacks und Süßigkeiten. Die Bundeszahnärztekammer weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch Burger & Pizza mit ihrem hohen Kohlenhydrate-Anteil von den Mund-Bakterien in zahnschädigende Säuren umgewandelt werden: Werden die entsprechend belasteten Zahnbeläge, auch zwischen den Zähnen, nicht regelmäßig entfernt, entwickeln sich schnell Vorstufen von Karies und weitergehende Zahn- und Zahnfleischzerstörungen. Problematisch sei auch, so BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, dass in der Zeit der Pubertät das Interesse vieler Jugendlicher an „gewissenhafter Pflegeroutine" gering ausgeprägt sei. Die Zahnärzteschaft hoffe, die Präventionserfolge aus dem Kindesalter (vier von fünf 12-Jährigen sind völlig kariesfrei) ins Erwachsenenalter hinüberretten zu können und motiviert Jugendliche und ihr Umfeld, bei aller „Pubertät" die Zahngesundheit im Blick zu behalten.

Implantate: immer selbstverständlicher

Um rund eine Million ist die Anzahl der jährlich gesetzten Zahn-Implantate in den letzten 20 Jahren angestiegen –von damals etwa 380.000 auf mittlerweile 1,3 Millionen, wie Prof. Dr. Frank Schwarz, Past-Präsident der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) laut einem aktuellen Zeitungsbeitrag sagte. Genau ermitteln lassen sich die Implantatzahlen nicht, aber hochrechnen aus den Veröffentlichungen entsprechender Hersteller. In diesem Zeitraum, so die genannten Experten in dem Zeitungsbeitrag, ist die Implantologie als selbstverständliche Zahnersatz-Variante bei der Bevölkerung „angekommen", auch deshalb, weil sich Verfahren und Materialien kontinuierlich verbessert haben und auch weiterhin optimieren: Einerseits stehen für Patienten mit Titan-Problematik inzwischen auch immer bessere Keramikimplantate als Alternative zur Verfügung, für nicht ganz so optimalen Platz im Mund auchverschiedene Größen und Formen –und andererseits ist auch die Erfahrung der Implantologen um ein Vielfaches gestiegen, so dass heute auch Patienten versorgt werden können, für die das vor 20 Jahren noch als eher riskant galt. Nach wie vor gibt es aber gesundheitliche Einschränkungen, wann Zahnersatz lieber anders als implantatgetragen geplant werden sollte: Deshalb, das betont auch die DGI immer wieder, ist die Beratung und Behandlung in einer implantologisch erfahrenen Praxis der richtige Weg

Schlaf-Atem-Störung: Zungenschrittmacher kann helfen

Wer nachts nicht nur schnarcht, sondern auch Atem-Aussetzer (Schlaf-Apnoe) hat, trägt ein großes Gesundheitsrisiko in sich: der Blutdruck steigt meist an, es drohen oft Herzinfarkt und Schlaganfall und auch eine Verschlechterung des Diabetes. Um so wichtiger also, dass die Atemstörung durch technische Lösungen gelindert wird. Laut einem Kongress von Ärzten aus dem Bereich Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Kopf-und-Hals-Chirurgie leiden rund zweieinhalb Millionen Menschen hierzulande unter einer Schlaf-Apnoe. Bemerkenswert gute Ergebnisse zeigten, so die Wissenschaftler bei der Tagung, sogenannte Zungenschrittmacher. Sie werden implantiert, unter die Haut im Brustbereich. Über ein Kabel ist das Gerät mit einem speziellen Nerven verbunden, der die Bewegungen der Zunge kontrolliert. Das Gerät wird nur für die Schlafzeit eingeschaltet. Dabei aktiviert der Schrittmacher die Zunge und hindert sie daran, bei schlafbedingtem Erschlaffen der Muskulatur in den Rachen zu rutschen. Die Studie zeigte nicht nur eine Verbesserung der Insulinwerte bei den untersuchten Patienten, sondern auch eine positive Auswirkung auf das Tagesverhalten: Der oft bei Schlaf-Apnoe einhergehende Hunger, eigentlich eher der psychologische Bedarf der Patienten nach Essen, wurde deutlich gemindert. Da viele Schlaf-Apnoe-Patienten auch übergewichtig bis stark übergewichtig sind, erhoffen sich die Wissenschaftler auch gesundheitsförderliche Wirkungen auf das Ernährungsverhalten und das Gewicht. Ob und wie der Zungenschrittmacher zum allgemeinen Einsatz über Studienphasen hinausgelangt, ist noch nicht geklärt – diesbezüglich laufen weitere Untersuchungen.

Kinderzahnpasta: von Reiskorn bis Erbse

Nachdem in den USA und in anderen europäischen Staaten aufgrund von entsprechenden Studien der Anteil an zahnschützendem Fluorid in Kinderzahnpasten längst erhöht ist, steht jetzt auch Deutschland vor dieser Umstellung. Hinter dieser Entwicklung steht die präventionsorientierte zahnmedizinische Wissenschaft, die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde, die Bundeszahnärztekammer und die Zahnärzteschaft im öffentlichen Dienst. Grund sind Untersuchungsergebnisse, die zeigen, dass die bisher niedrige Fluoridkonzentration bei den Milchzähnen im Vergleich zu Fluorid-Wirkung in Zahnpasten bei bleibenden Zähnen zu gering ausfällt. Neu ist die Empfehlung, dass mit der neu dosierten Kinderzahnpasta (Fluorid 1.000 ppm statt bisher 500 ppm) ab „Durchbruch des ersten Milchzahnes bis zum 2. Geburtstag zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge geputzt werden" soll, so die aktuelle Presseinformation, „danach mit einer erbsengroßen Menge." Ab 6. Geburtstag sei dann auf eine sogenannte Junior-Zahnpasta umzusteigen. Tipp der Experten: Mit Zahnputzliedern oder Zahnputzuhr steige der Spaßfaktor fürs Zähneputzen bei den Kindern (in jungen Jahren müssen die Eltern putzen, die Kinder dürfen nachputzen). Auch auf eine gesunde und zuckerarme Ernährung sei zu achten.

Zahnersatz: regional unterschiedliche Inanspruchnahme

Wie sich dem aktuellen BARMER ZAHNREPORT entnehmen lässt, gibt es in Deutschland deutliche Unterschiede bei der Inanspruchnahme des Angebotes. Während beispielsweise im Saarland rund 65 % der in die Studie einbezogenen Patienten Prothetik anfertigen ließen, waren es in Sachsen rund 77 %. Auch bei den Kosten für den Zahnersatz zeigten sich Unterschiede: Im Schnitt lagen die mittleren Kosten im Saarland bei rund 171 Euro und in Berlin bei rund 205 Euro. In allen neuen Bundesländern liegt die Inanspruchnahme von Zahnersatzleistungen im Mittel höher (76,1 %) als in den alten Bundesländern (70,4 %).

Implantat-Nachsorge: Teamarbeit

Zahnersatz soll möglichst lange halten und gut aussehen, ist der Wunsch der meisten Patienten – was sie bei entsprechenden Umfragen leicht aus dem Blick verlieren, hat Dentalhygienikerin Christin Damman in einer Artikelserie für eine zahnärztliche Wochenzeitung herausgearbeitet: die biologische Mundgesundheit der Region, in der der Zahnersatz seinen Dienst tut. Besonders betrifft dies implantatgestützte Prothetik. Hier müssen Patient und Praxisteam gemeinsam darauf achten, dass der natürliche Biofilm, das Zusammenspiel verschiedener Bakterienfamilien auf der Mundschleimhaut, am Zahnfleisch und in möglichen Zahnfleischtaschen möglichst ausgewogen und gesund bleibt und nicht in einen infektionsauslösenden Status kippt. Dazu sind in mit der Praxis abgestimmten Zeitabständen Kontrolluntersuchungen notwendig, die auch zeitintensiv sein können, bis alle notwendigen Untersuchungen erfolgt, notiert und ausgewertet sind. Unter anderem muss berücksichtigt werden, ob es beim Patienten eine neue Erkrankung gibt oder eine bestehende wie ein Diabetes mellitus sich verschlechtert hat. Auch neue Medikamente können einen Einfluss haben, beispielsweise die Menge an Speichel reduzieren und damit das Gleichgewicht des Biofilms stören. Überprüft werden muss auch, da die Entwicklung meist unsichtbar und schmerzfrei verläuft, ob sich „Zahntaschen" neu gebildet oder bestehende in ihrem Ausmaß vergrößert haben. Entsprechend richtet sich die Behandlung aus. Die biologische Gesundheit des Mundes hat, so die Autorin des Beitrags, einen erheblichen Einfluss auf die Haltbarkeit des Zahnersatzes.

Zähneknirschen: Krankheit oder nicht?

Rund 20 % aller Deutschen knirschen mit den Zähnen oder pressen die Kiefer zu fest aufeinander. Das hat Folgen für die Gesundheit von Zähnen, Zahnfleisch, Kieferknochen, Muskulatur und Kiefergelenke. Die wissenschaftliche Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) stellte in einer Pressemitteilung kürzlich dar, dass die Funktionsstörung Bruxen, also das Knirschen, Pressen und andere Fehlfunktionen, nicht selbst als Krankheit gewertet wird, allerdings zu Folgen führt, die zur Bezeichnung Krankheit durchaus berechtigen und insofern einer intensiven Behandlung bedürfen. Zusammen mit rund 30 anderen Fachgesellschaften hat die DGFDT aktuell eine modernisierte Behandlungsleitlinie herausgegeben. Der ist auch zu entnehmen, dass in manchen Fällen das Bruxen auch gesundheitsförderlich ist – gewisserweise als Ventil für Angst und Stress und weitere Belastungen. Manchmal ist Bruxen auch Folge von übermäßigem Einsatz von Alkohol und Drogen. Entsprechende Behandlungsangebote in der Zahnarztpraxen können die Zähne und die biologischen Strukturen im Mund bei belastenden Funktionsstörungen schützen beziehungsweise entlasten.

Zahnpasten: Fluorid und Inhaltsstoffe

Fluorid in der Zahnpasta verträgt sich nicht unbedingt mit allen Inhalts- und Hilfsstoffen, die einer Zahnpasta zugefügt werden: Zu diesem Schluss kommt ein Wissenschaftler-Team am Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten-Herdecke in einem Artikel für eine große deutsche zahnärztliche Wochenzeitung. Zahnpasten seien bis zu einem Maximalanteil an Fluorid Kosmetika und nicht Arzneimittel. Bei Kosmetika könnten viele verschiedene Zusatzstoffe zugefügt werden, diese sind auf der Verpackung aufgeführt. Solche Inhaltsstoffe sorgen dafür, dass die Zahnpasta cremig ist, gut schmeckt und eventuell auch noch gut aussieht (Farbstoffe) sowie haltbar ist (Konservierungsstoffe). Manche Inhaltsstoffe wie Zinksalze dienen der Vorbeugung von Infektionen und Mundgeruch. Darauf geachtet werden muss allerdings, dass alle hilfreichen oder die Anwendung fördernden Inhaltsstoffe den wichtigsten Bestandteil einer Zahnpasta nicht deaktivieren: das Fluorid. Kalziumcarbonat beispielsweise gehöre zu den diesbezüglich als kritisch zu wertenden Inhaltsstoffen. Dass die richtige Zusammensetzung eine „Wissenschaft für sich" ist, zeigt sich beim Inhaltsstoff Arginin. Hier komme es, so die Forscher, darauf an, was außer Arginin noch in der Zahnpasta enthalten ist: Von sehr guter Wirkung bei sehr empfindlichen Zähnen bis zu einer Wirkungseinschränkung des Fluorids haben sich viele Varianten gezeigt. Zudem können Zahnpasten mit sogenannten anionischen Tensiden die Wirksamkeit einer antibakteriellen Mundspülung mit Chlorhexidin reduzieren. Art und Verwendung von Zahnpasten sollte am besten mit dem Zahnarzt und dem Prophylaxe-Team der Praxis besprochen werden.

Zahnersatz: Regelversorgung bewährt, aber seltener

Wie die BARMER nach Auswertung ihres diesjährigen „Zahn-Reports" vor Kurzem mitteilte, ist der Anteil der Bevölkerung in Deutschland über 18 Jahre, der mit neuem Zahnersatz versorgt wird, in den letzten drei Jahren um 8 % zurückgegangen. Grund dafür sei die bessere Mundgesundheit der Menschen hierzulande. Deutlich wurde aber auch, dass der Anteil der sogenannten „Regelversorgung" an der Gesamtversorgung mit Zahnersatz sinke. Das mache deutlich, dass der Gemeinsame Bundesausschuss, der für die Übernahme von Behandlungen seitens der gesetzlichen Krankenkassen die Vorgaben entwickelt, die Regelversorgung überprüfen und an moderne Kriterien anpassen müsse. Patienten bräuchten eine zeitgemäße Grundlage für die Wahl ihrer Zahnersatz-Versorgung. Während die Kosten für die Regelversorgung (Behandlung gemäß Leistungskatalog der Kassen) am geringsten anstiegen, wuchs der Bedarf an Zahnersatz in Form einer „gleichartigen Versorgung".  Hier gäbe es Unterschiede nur in Feinheiten. Zu den Auswahlmöglichkeiten gehört noch die „andersartige Versorgung" (zum Beispiel implantatgestützter Zahnersatz), für die es einen Festzuschuss seitens der Kasse gibt, während die Restkosten vom Patienten oder einer Zahnzusatzversicherung beglichen werden. Wer Haltbarkeit und Kostenaspekte in den Vordergrund stelle, so das Expertenteam der Kasse, für den sei beispielsweise bei Zahnkronen und bestimmten Zahnersatzvorstellungen die Regelversorgung eine sinnvolle Lösung.

Elektrische Zahnbürsten: Sieger im Test

Ein zahnmedizinisches Wissenschaftlerteam an der Universität Greifswald hat sich der vieldiskutierten Frage angenommen, ob eine elektrische Zahnbürste oder eine Handzahnbüste besser ist für die langjährige Mundgesundheit. Über einen Zeitraum von 11 Jahren wurde bei über 2800 Studienteilnehmern ein Zusammenhang von Mundhygieneverhalten und Mundgesundheit überprüft. Das Ergebnis: Elektrische Zahnbürsten sorgten für rund ein Fünftel weniger Zahnverlust bei den Probanden. Dabei zeigte sich, dass der Anteil der elektrischen Zahnbürsten im Untersuchungszeitraum bei den Studienteilnehmern deutlich stieg – von 18 % am Studienanfang auf 37 % bei Studienende. Elektrische Zahnbürsten seien bei der Bevölkerung zwischenzeitlich deutlich beliebter geworden, so die Wissenschaftler. Für diesen Trend sprächen auch die Ergebnisse der Studie: Nutzer elektrischer Zahnbürsten wiesen weniger riskante Zahnfleischtaschen auf und hatten einen gesünderen Zahnhalteapparat. Zudem eigneten sich elektrische Zahnbürsten auch besonders gut für Menschen in höherem Alter beziehungsweise bei eingeschränkter Fähigkeit, eine Handzahnbürste sorgfältig einzusetzen. Was sich dagegen nicht zeigte: ein Effekt auf die Vermeidung von Karies. Das Resümee der Forscher dazu: Hier sei vor allem das Fluorid aus der Zahnpasta hilfreich – nicht die Art der verwendeten Zahnbüste.

Mundschutz: lieber Individuell

Bei Kampf- und Gruppensportarten wie Boxen oder Fußball, aber auch bei Rennsportarten durch Stürze kann es schnell zu riskanten Zahnverletzungen kommen. Nicht zuletzt für Kinder wird im Handel eine Anzahl vorgefertigter Mundschutz-Schienen angeboten. Dass man diese besser individuell anfertigen lassen sollte, dazu informierte kürzlich der Mundgesundheitsinformationsdienst „proDente". Rund 15 % aller Zahnunfälle ereignen sich demnach beim Sport. Wie Untersuchungen zeigen, kann individuell gefertigter Mundschutz die Verletzungsrate um 60 % reduzieren. Schlechtsitzender konfektionierter Mundschutz erschwert oft das Atmen und Sprechen und senkt die Leistungsfähigkeit. Dabei geht es nicht nur um den Schutz vor Schäden an den Zähnen: Eine maßgefertigte Schiene schützt auch Lippen, Zunge, Ober- und Unterkiefer und nicht zuletzt die Kiefergelenke. Angefertigt wird der individuelle Zahnschutz in Zusammenarbeit von Zahnarzt (Abdruck und Einsetzen/eventuelles Anpassen) und Dentallabor (Schienenfertigung). Eine entsprechend angefertigte Schiene besteht aus dem Verbund verschiedener Materialien, die einerseits elastisch genug sind, um Stöße abzufedern, andererseits fest genug, um die bei Aufprall entstehenden Kräfte auf eine größere Fläche zu verteilen. Auf Wunsch kann das Dentallabor auch ein Vereinslogo, einen Namen oder Bilder einarbeiten. Ob der individuelle Mundschutz noch immer gut passt oder angeglichen werden muss, sollte bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in der Zahnarztpraxis geprüft werden.

Mundhygiene: zwischen Information und PZR

Viel beachtet und in den Medien diskutiert wurde eine aktuelle Veröffentlichung der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Parodontologie, die angeblich eine professionelle Zahnreinigung (PZR) als überflüssig dargestellt habe. Dem Eindruck widersprach die Fachgesellschaft entschieden mit einer Klarstellung im Frühsommer. Demnach gebe es zwar in der Tat eine Personengruppe, die eher von einer sorgfältigen Mundhygieneanleitung als von einer PZR profitiert: junge Menschen mit gesundem Zahnfleisch und Zahnbett, die in der Lage sind, eine sorgfältige Mundhygiene selbst durchzuführen. Eine PZR bringe dieser Personengruppe keine weitere zusätzliche Verbesserung. Da nach dem 18. Lebensjahr die Kosten für eine PZR in der Regel selbst zu tragen sind, sei hier für diesen Personenkreis die Maßnahme zu hinterfragen. Generell sei eine immer wieder aufgefrischte Mundhygiene-Instruktion in allen Lebensphasen wichtig, da sich gelegentlich Umstände ergeben, die Auswirkungen auf die Mundgesundheit haben. Für alle Patienten, die mit Zahnfleisch- und Zahnbetterkrankungen zu tun haben – und das betrifft laut Fünfter Deutscher Mundgesundheitsstudie rund zwei Drittel der Menschen im Erwachsenenalter – sind sowohl Instruktion als auch PZR mindestens einmal jährlich sinnvoll sowie in Fällen höhergradiger Erkrankung zudem eine reguläre systematische Therapie.  Aufgrund der mittlerweile vielfältig erkannten Zusammenhänge zwischen parodontalen Infektionen und Allgemeinerkrankungen kommt einer professionellen Mundhygiene im Gegenteil zur medialen Darstellung sogar eine erhöhte Bedeutung zu.

Schulkakao: Zahnärzte begrüßen Einschränkungen

Insbesondere Zwischenmahlzeiten, nach denen keine Mundhygiene erfolgen kann, sind für die Zähne eine größere Belastung: Enthalten die Snacks in flüssiger oder fester Form Säuren oder Zucker, haben diese ausreichend Zeit, den Zahnschmelz anzugreifen. Zu solchen Zwischenmahlzeiten gehören auch die Lebensmittel, die in den Schulpausen verzehrt werden. Nun hat auch das Verbraucherschutz-Ministerium in Nordrhein-Westfalen als letztem Bundesland beschlossen, dass zu Beginn des neuen Schuljahres zuckerhaltige Milchprodukte nicht mehr finanziell bezuschusst werden. Die Zahnärzteschaft in Nordrhein begrüßt diesen Schritt sehr, wie sie in einer kürzlich versandten Presseinformation mitteilte. Der Berufsstand fordere bereits seit langem eine gesündere und hier vor allem zuckerreduzierte Verpflegung der Kinder in Kitas und Schulen. Es sei eine weitere Aufgabe, auch die Eltern entsprechend zu überzeugen, die ihren Kindern Pausensnacks mit auf den Weg geben – oder Geld für Gebäck oder Brötchen. Die Ernährung von Kleinkindern und Kindern sei größtenteils fremdbestimmt – hier müssten zum Schutz der Kindergesundheit noch weitere Anstrengungen erfolgen.

Gurgeln: Zeitbedarf beachten

Wer nicht zur Erfrischung und zur Unterstützung der Mundhygiene Mundwässer benutzt, sondern zur Keimreduktion und Entzündungs-Vorbeugung oder -Behandlung medizinisch wirksam Mundspüllösungen, sollte diese ausreichend langen einwirken lassen – so das Apotheken-Journal „Apotheken Umschau" in seiner Juni-Ausgabe. Die Fachexperten empfehlen dabei eine Wirkdauer von mindestens einer Minute, damit sich die entzündungshemmende bzw. desinfizierende Wirkung überhaupt entfalten kann. Diese notwendige Mundspüldauer fiele, so das Journal, insbesondere Kindern oft nicht leicht. Es sei daher sinnvoll, die Einwirkzeit mit einer Stoppuhr zu kontrollieren. Damit die Wirkung nicht gleich wieder zerstört wird, ist es wichtig, nach der Mundspüllösung nicht gleich den Mund mit Wasser auszuspülen oder die Zähne zu putzen. Auch Essen und Trinken direkt im Anschluss an das Gurgeln oder Mundspülen sollte man lassen.  Weitere Hinweise zur Nutzung erhält man in seiner Apotheke oder seiner Zahnarztpraxis.

Zahnunfall: Tipps für verbreitetes Risiko

Fast jedes zweite Kind erlebt in den ersten 15 Lebensjahren einen Zahnunfall, teilte der Mundgesundheitsinformationsdienst „proDente" vor wenigen Tagen mit.  Zumeist passiert der Zahnschaden bei Sport oder einfach Herumtoben in Freizeit, Schule oder Verein. Die Folgen von Stürzen oder Stößen reichen demnach von leichten Rissen im Zahnschmelz bis hin zu abgebrochenen Zahnecken oder gar dem Verlust des ganzen Zahnes. Während bei kleineren Kindern den verletzten Milchzähnen – bei entsprechender Behandlung durch den Zahnarzt – meist gesunde „Zweite" folgen, müssen ältere Kinder und Jugendliche mit den Folgen solcher Zahnschäden an ihren „Bleibenden" ins Erwachsenenleben gehen. Da insbesondere die oberen Schneidezähne betroffen sind, hat der Unfall auch ästhetische und damit oft auch seelische Konsequenzen. Insofern macht es Sinn, wenigstens zu versuchen, einen ausgeschlagenen Zahn wieder zurück an seinen Platz zu bringen: ihn zu re-implantieren. Das kann gelingen, wenn der ausgeschlagene Zahn gefunden und möglichst schnell in einer sogenannten Zahnrettungsbox aufbewahrt wird und das verunfallte Kind rasch zu einem Zahnarzt gebracht werden kann. Hat man keine Zahnrettungsbox dabei, erhält man sie in der Regel in der nächst erreichbaren Apotheke, zudem sind Standorte unter https://toothrescueconcept.info aufgelistet. Wichtige Verhaltenstipps: nicht die Zahnwurzel berühren, den Zahn nicht sauberwaschen oder trocken lagern.  In einer Zahnrettungsbox bleiben die fürs Wiedereinsetzen wichtigen Zellen rund 48 Stunden lang erhalten. Steht keine zur Verfügung, kann notfalls kalte Milch, Frischhaltefolie oder eine Kochalzlösung aus der Apotheke helfen, die Zellen zu erhalten. Problem: Die Alternativen helfen nur ein Zeitfenster von rund einer halben Stunde zu überbrücken.

„Quetschies“: Riskant für die Kinderzähne

Wie das Bundeszentrum für Ernährung kürzlich mitteilte, erweisen sich Untersuchungen zufolge die Fruchtbrei-Angebote in „Quetschbeuteln" als Risiko für die Entwicklung einer Milchzahnkaries. Einerseits ist die Aufnahme des enthaltenen Früchte-Muses über die zentrale Öffnung der Tütchen eine ebenso große Belastung insbesondere für die Frontzähne wie eine übermäßige Nutzung von Nuckelflaschen: Die aufgenommene Nahrung bzw. Flüssigkeit berührt konzentriert vor allem die Vorderzähne. Andererseits ist der Inhalt selbst relevant: Die Fruchtmasse greift über den enthaltenen Fruchtzucker den empfindlichen Zahnschmelz der Milchzähne an. Weiterhin wird, so der Informationsdienst, beim Nuckeln an Fläschchen und „Quetschies" anders als beim Essen und Kauen von Obst in seiner natürlichen Form die Kaumuskulatur nicht ausreichend trainiert. Dies ist aber wichtig, um eine natürliche Zahn- und Kieferform mit gesunder Muskulatur zu entwickeln. Auch das Sprechen hängt mit der Mundmuskulatur zusammen. All diese natürlichen Entwicklungen werden ausgebremst, wenn der Mund nicht wie vorgesehen Essen, Kauen und Beißen muss, sondern flüssige und breiförmige Nahrung nur noch geschluckt wird.

Schlaganfall: die Rolle guter Mundhygiene

Anlässlich des diesjährigen bundesweiten „Tag gegen den Schlaganfall" gab die Deutsche Schlaganfall-Hilfe der Bevölkerung zahlreiche Informationen, wie ein Hirninfarkt vermieden werden könnte. Dazu gehörte auch der Hinweis, dass eine gute Mundgesundheit das Auftreten eines Schlaganfalls verhindern können. Insbesondere, so zeige eine aktuelle amerikanische Studie, spielt die Zahnbettentzündung (Parodontitis) eine Kern-Rolle: Die bakterielle Infektion des Zahnbettes bleibt nicht vor Ort, sondern die Entzündungskeime wandern über die Blutbahn durch den ganzen Körper. Der Studie zufolge hatten Patienten mit Parodontitis in fortgeschrittenem Zustand im Studienzeitraum von 15 Jahren häufiger einen Schlaganfall als Vergleichs-Patienten ohne Zahnbettentzündung. Vermutlich zeigt sich der Zusammenhang von Parodontitis und Schlaganfall durch die bereits bekannte Beschleunigung von Gefäßbelastungen wie Arteriosklerose durch die wandernden Zahntaschen-Bakterien: Sie forcieren die Entwicklung von Gefäßverengungen und können im weiteren Verlauf zu einem Verschluss des Gefäßes führen. Damit gehört nachgewiesen die Mundgesundheit neben anderen Faktoren wie beispielsweise Bluthochdruck und Diabetes zu den Risiken, die einer regelmäßigen Kontrolle bedürfen. Entsprechend auch das Resümee der Schlaganfall-Hilfe: Sie rät zu regelmäßiger professioneller Zahnreinigung (PZR), die das Schlaganfall-Risiko um 50 Prozent reduzieren könne.

 

Wettkampfsport: gute Zähne wichtig

Wie der Weltzahnärzteverband FDI kürzlich in einer Informationsreihe veröffentlichte, sollten Wettkampf-Sportler intensiv auf ihre Zahn- und Mundgesundheit achten. Beispielsweise kann ein akutes Kariesproblem oder ein Zahnfleischabszess nicht nur die Leistung des Sportlers erheblich beeinträchtigen, sondern auch zu einer Verhinderung der Teilnahme am Wettkampf führen. Die FDI erinnert auch daran, dass Stress zu Mundtrockenheit und einem erhöhten Risiko für eine Karieserkrankung führt ebenso wie die erhöhte Aufnahme zucker- und säurehaltiger Energie-Getränke, die bestehende leichte Zahnschäden in kurzer Zeit vergrößern können. Insbesondere bakterielle Mundinfektionen belasten das Immunsystem und auch das Wohlbefinden, das für Leistungserfolge wesentlich ist.  Bei manchen Sportarten sollte auf Mundschutz nicht verzichtet werden, um dem Abbruch des Wettkampfes durch Zahnverletzungen vorzubeugen. Insbesondere  Wettkampfsportler sollten die ohnehin geltenden Regeln für regelmäßige Zahnkontrolluntersuchungen und die fundierte Mundhygiene zuhause mit ausreichend Fluorid-Zufuhr zum Beispiel über Zahnpasta dringend einhalten, so die FDI, und die Gelegenheit wahrnehmen, mit zahnärztlicher Unterstützung mögliche Leistungseinschränkungen zu vermeiden.

Studie: Amalgam und Schwangerschaft

Bereits seit dem 1. Juli 2018 empfiehlt eine entsprechende EU-Verordnung, das Zahnfüllungsmaterial Amalgam bei Schwangeren und Stillenden, bei Milchzähnen und bei Kindern unter 15 Jahren besser zu vermeiden und durch eine Alternative zu ersetzen. Dem Thema mit Fokus auf Schwangerschaft hat sich eine Studie in Norwegen gewidmet, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden. Demnach ist vor allem die Anzahl der Füllungen bei Schwangeren im Zeitraum rund um die Geburt ein Risiko für Gesundheitsbelastungen. Spürbare Folgen zeigten sich bei einer Gesamtzahl an Amalgam-Füllungen bei 13 behandelten Zähnen. Weitere mögliche Risiken wie Übergewicht, Rauchen, Alkohol und andere waren zuvor ausgeblendet worden. Während sich diese Studie den Folgen für die Schwangere selbst widmete und erstmals einen direkten Zusammenhang darstellte, zeigten andere Studien schon früher einen möglicherweise belastenden Einfluss auf die Gesundheit des werdenden Kindes. Alternative Füllungsmaterialien stehen heutzutage in größerer Vielfalt zur Verfügung – was im individuellen Fall das Beste für Mutter und Kind ist, können Patienten in ihrer Zahnarztpraxis erfragen.

Umfrage: Mundgeruch besonders peinlich

Bei einer ärztlich ausgerichteten online-Umfrage zum Thema Peinlichkeiten zeigte sich, so eine aktuelle Veröffentlichung der Ergebnisse in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift, dass den befragten Menschen starker Mundgeruch, ebenso wie Achselgeruch, am peinlichsten ist. Auch an zweiter Stelle kommt der Mund vor: sogenannte „schlechte Zähne" und Zahnbetterkrankungen wie schwindendes Zahnfleisch stören fast ebenso viele Menschen. Auf den weiteren Plätzen landeten übermäßiges Schwitzen, Blähungen und Läuse. Der Umfrage zufolge sind Frauen solche „Peinlichkeiten" deutlich unangenehmer als Männern (Frauen: 42 %, Männer: 28 %). Es zeigte sich auch, dass als peinlich empfundene Gesundheitsstörungen nicht selten Einfluss auf das Berufsleben und die Lebensqualität haben, so gab eine Befragte auch an, ihre Gesangskarriere aufgrund der „schlechten Zähne" aufgegeben zu haben. Es zeigte sich zudem, dass das Gespräch darüber sowohl mit dem Partner/der Partnerin als auch mit dem Arzt/der Ärztin fast jedem zweiten Befragten schwer fiel – im Gegensatz zu einem Gespräch mit Praxismitarbeitern wie beispielsweise einer Zahnmedizinischen Fachangestellten oder auch den Apothekern.  

Mundtrockenheit: komplizierte Diagnostik

Fühlt sich der Mund trocken an, ist das nicht nur lästig: Der mangelnde Speichelfluss gefährdet beispielsweise die Gesundheit des Zahnschmelzes und erhöht das Karies-Risiko. Patienten sollten daher, wenn sie erste Anzeichen dafür bemerken, ihren Zahnarzt darauf ansprechen. Wie ein Fachbeitrag in der Rheinischen Post vor wenigen Wochen deutlich machte, kann die Ursachensuche mühevoll werden und auch die Einbeziehung der Erfahrung anderer Fachärzte, im Fall gestörter Nasenatmung beispielsweise aus dem Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, notwendig machen. Etwas detektivisches Gespür ist bei der Suche nach dem Grund durchaus nötig, denn nicht nur körperliche Erkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente können zu Mundtrockenheit führen, sondern auch die Seele. Bekannt ist, dass Stress bei einer Rede vor Publikum den Speichelfluss im Mund reduzieren kann – der Redner muss dann etwas trinken, damit er richtig sprechen kann. Die Frage, ob man selbst öfter etwas trinken muss, damit sich der Mund normal anfühlt, ist deshalb eine, die man sich hin und wieder stellen sollte: Ist das der Fall, wäre dies ein Hinweis auf ein zu planendes Gespräch mit dem Zahnarzt.

„Kreidezähne“: Bisphenol A vermutlich nicht Auslöser

Seit die ersten und sich erheblich häufenden Fälle an „Kreidezähnen" bei den Kindern auftraten, wird intensiv nach den zuständigen Ursachen geforscht. Dabei geraten auch immer wieder sogenannte Umwelt-Chemikalien in den Blickpunkt, die in der Alltagswelt der Kinder eine Rolle spielen. Lange Zeit stand diesbezüglich „Bisphenol A" auf der Liste der potentiellen Auslöser. Die Ursachensuche hat Relevanz: Derzeit ist fast jedes dritte 12-jährige Kind von MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, „Kreidezähne") betroffen. Während man nach wie vor keine direkten Auslöser der Zahnbildungsstörung hat festmachen können, rutschen erste „Hauptverdächtige" aufgrund weiterer Untersuchungen gerade wieder eher aus dem Zentrum des Verdachts: Wie eine Antwort der Bundesregierung von Mitte Mai 2019 auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/die Grünen darstellte, werde ein direkter Zusammenhang von Bisphenol A und MIH derzeit als eher „unwahrscheinlich" erachtet. Die Bundesregierung bezieht sich dabei auf eine entsprechende Ausarbeitung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BFR). Einig sind sich alle Seiten, dass weitere Forschungsanstrengungen zwingend seien.

Zähne bleichen: auch nach Wurzelkanalbehandlung?

Wissenschaftler der Stockton Universität in New Jersey (USA) sind der Frage nachgegangen, welche Folgen Zähnebleichen (Bleaching) für die Zahngesundheit hat – insbesondere dann, wenn vor dem Bleachen eine Wurzelbehandlung erfolgte. Im Fokus steht dabei Wasserstoffperoxid, das bei der überwiegenden Anzahl an Bleaching-Produkten für die Aufhellungswirkung zuständig ist. Was sich zeigte: Wasserstoffperoxid durchdringt alle Schichten eines Zahnes und lässt Kollagene zerfallen, die zu den Bausteinen des Dentins gehören. Je öfter der Zahn gebleicht wird, umso größer die Anzahl der zerstörten Kollagene. Was sich dabei auch zeigte: Ist der Zahn gesund, ist er in der Lage, über die Zellwachstum steuernde Pulpa (Zahnwurzelgefäße) die Zerstörung mehr oder weniger auszugleichen und den Schaden zu reduzieren. Anders sieht das aus, wenn der Zahn wurzelbehandelt ist: Dann fällt diese Möglichkeit der Regeneration weg. Die Wissenschaftler legen damit die zu bedenkenden Konsequenzen auf den Tisch: Bei wurzelbehandelten Zähnen muss Art und Umfang des Zähnebleichens intensiver bedacht werden.

Frauenärzte warnen Schwangere: Zahngesundheit ernstnehmen

Nicht nur die Zahnärzte, sondern beispielsweise auch die Frauenärzte erachten sorgfältige Mundhygiene und auch intensivierte Kontrolltermine im Zeitraum der Schwangerschaft als notwendig. Wie die Initiative „Frauenärzte im Netz" kürzlich in einer Meldung herausstellte, birgt die hormonell spezielle Situation der werdenden Mütter ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Zahnfleisch- und Zahnbettentzündungen. Die Hormonumstellung führt zu einer Lockerung des Bindegewebes, die Schleimhaut wird durchlässiger, meist sind die Blutgefäße erweitert: Das kann dazu führen, dass Keime leichter in das Gewebe eindringen können. Umso wichtiger ist es, gerade in dieser Lebensphase dafür zu sorgen, dass keimhaltige Zahnbeläge so rasch wie möglich entfernt werden – durch sorgfältige Zahn- und Zahnfleischrand-Reinigung, am besten mit einer weichen Zahnbürste. Etwa im 4. und im 8. Monat mindestens ist eine Zahngesundheitskontrolle empfehlenswert, so die Frauenärzte-Organisation.

Zahnschmerzen: strahlender Schmerz

Wer jemals Zahnschmerzen hatte, weiß: Der Schmerz kann ausstrahlen. Manchmal sind nur Ober- oder Unterkiefer betroffen, manchmal zieht er bis hinauf in die Schläfenregion. Es kann aber auch sein, dass die Ursache des Zahnschmerzes gar nicht im Zahn selbst, in Form einer Karies beispielsweise, zu finden ist: Wie die Initiative proDente, ein zahnmedizinischer Informationsservice, vor Kurzem berichtete, können auch Schmerzen als Begleitsymptome anderer Erkrankungen bis in den Mund ausstrahlen. Es ist demnach gar nicht so selten, dass Brustschmerzen bei Herzinfarkt auch im Kiefer zu spüren sind. Ist die Nasennebenhöhle entzündet, kann der Infekt die Backenzahnwurzeln im Oberkiefer tangieren. Kopfschmerzen, Ohrenentzündung, Gürtelrose, Migräne: Die Liste der Allgemeinerkrankungen, die auch im Mund zu Schmerzen führen können, ist recht lang. Was auch bedeutet: Ein Zahnarzt braucht, wenn zahnbezogene Defekte nicht ganz offensichtlich sind, auch allgemeingesundheitliches Wissen, um die Ursachen des Zahnschmerzes herauszufinden und entsprechend andere Fachkollegen einzubeziehen.

Zahnbettentzündung: kann Ernährung helfen?

Mit einer interessanten Frage befasste sich ein Wissenschaftlerteam des Universitätsklinikums Freiburg: Können Parodontitis-Patienten durch eine Änderung des Ernährungsverhaltens die Entzündung reduzieren und die Heilung der infizierten Bereiche verbessern? Um dies zu prüfen, werteten sie vielfältige Studien aus und veröffentlichten ihr Resümee in einem Fachzeitungs-Artikel. Zu den Empfehlungen gehört demnach der möglichst weitgehende Verzicht auf sogenannte „einfache Kohlenhydrate" (Zucker, Gebäck etc.), da diese auf Umwegen Entzündungen eher fördern. Reduzieren sollte man „gesättigte Fettsäuren" (Frittierfette, Margarine, Wurst etc.), ausbauen dagegen die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren (Seefisch, Leinöl, Walnüsse etc.). Gesundheitsförderlich sind demnach neben ausreichend Ballaststoffen vor allem auch Mikronährstoffe (Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Obst etc.) aus der Nahrung, bei Bedarf ergänzt um zusätzliches Vitamin D (z.B. durch Nahrungsergänzungsmittel). Geachtet werden muss dabei auf eine ausreichende Aufnahme von Vitamin B12, denn ein Mangel steht in Zusammenhang mit Zahnbettentzündungen. Gesunder Tipp der Wissenschaftler für den Sommer: Blaubeeren!

Gute Zähne: guter Schlaf?

Wie eine jüngst veröffentlichte Studie einer japanischen Forschergruppe ergab, liegt ein Zusammenhang von der Anzahl eigener Zähne und gesundem Schlaf nahe. Die Wissenschaftler hatten eine sehr große Anzahl an Senioren (weit über 20.000 Teilnehmer, Durchschnittsalter rund 75 Jahre) mit Blick auf deren Schlafqualität untersucht, da Schlafstörungen in Zusammenhang stehen beispielsweise mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen. Dabei zeigte sich, dass Studienteilnehmer mit weniger als zehn eigenen Zähnen auf deutlich weniger erholsame Schlafzeit kamen als die Vergleichs-Senioren, die Schlafzeit-Differenz lag bei zwei bis drei Stunden. Warum die fehlenden Zähne Einfluss auf die Schlafqualität und –dauer haben, ist bisher nicht erkannt, vermutet wird, dass die fehlenden Zähne Mund und Kiefer beim Schlaf in eine unnatürliche Position bringen und möglicherweise dadurch die Atmung verändern.

Kleinkinder: Fluoridlack zur Prophylaxe

Anfang des Jahres haben Krankenkassen und die Kassenzahnärztliche Vereinigung eine Vereinbarung unterzeichnet, die die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen nunmehr auch für Kleinkinder ermöglicht: Die Krankenkassen tragen dafür die Kosten. Dabei geht es nicht nur um die reine Untersuchung, wie Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung kürzlich in einem Beitrag in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift darstellte, sondern auch um Vorsorgemaßnehmen, die die Zahngesundheit der Kleinkinder schützen. Als Beispiel nannte er die wiederholte Anwendung von Fluoridlack zur Schmelzhärtung. Das Ziel: der Entstehung einer sogenannten „Nuckelflaschenkaries" vorzubeugen. Ein sinnvoller Nebeneffekt des Schmelzschutzes ist, dass auch bereits entstandene erste leichte Schmelzschädigungen quasi wieder „repariert" werden können. So kann ohne Bohren eine beginnende Karies verhindert oder wenigstens deutlich hinausgezögert werden. Ein Anliegen der Zahnärzte ist nicht zuletzt, den Kindern eine Behandlung in Vollnarkose zu ersparen, weil mehrere verfaulte Zähne gezogen werden müssen: Notwendig sei es daher, solchen Entwicklungen durch regelmäßige Kontrolle, richtige Zahnpflege und schützenden Fluoridlack vorzubeugen.

Implantate: Nachsorge immer mit einplanen

Für manche Patienten ist mit dem Einsetzen des implantatgetragenen Zahnersatzes die Behandlung abgeschlossen – eine riskante Haltung, denn das Zahnimplantat ersetzt zwar die verloren gegangene Zahnwurzel in vielerlei Hinsicht, ist aber anders als die natürlichen Zähne eher einer Infektion ausgesetzt. Ist das Gewebe rund um das Implantat entzündet, spricht man von einer „Periimplantitis". Je mehr Implantate pro Jahr in Deutschland gesetzt werden – die DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie geht von rund 1 Millionen eingesetzter Implantate pro Jahr aus – desto größer ist natürlicherweise auch die Anzahl der Patienten, die mit dieser Zahnersatz-Form versorgt wurden. Und damit steigt auch der Kreis der Patienten, die periimplantär erkrankt sind oder ein Risiko für diese Infektion haben. Wie ein Beitrag in einem Fachjournal für zahnärztliche Mitarbeiter kürzlich darstellte, ist vielen Patienten nicht bewusst, dass sie schon vor der Implantation die regelmäßige Nachsorge mit ihrem Zahnarzt besprechen sollten – in welchem Zeitabstand sie notwendig ist, zeigt sich nach der Behandlung und unter Berücksichtigung der individuellen Gesundheitsvoraussetzungen. Es sei, so die Bilanz des Beitrags, auch finanziell erheblich günstiger, einer Infektion vorzubeugen als später aufwändig eine mögliche Korrektur der Implantate vornehmen zu müssen.

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten: genetisch bedingt?

Viel spricht für einen genetischen Hintergrund bei der Entwicklung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte: Das zeigen Forschungsarbeiten einer international zusammengesetzten Arbeitsgruppe, die sich mit der Ursachenerkundung dieser Fehlentwicklung beim Kopfwachstum des ungeborenen Kindes befasst hat. Wie sich bei entsprechenden Versuchen zeigte, stehen Veränderungen (Mutationen) eines speziellen Gens auch mit – allerdings eher seltenen – Fehlbildungen an anderen Körperregionen in Zusammenhang. Hierzulande ist etwa eines von 700 Neugeborenen betroffen, wie eine zahnärztliche Fachzeitschrift Anfang Mai berichtete. Die Folge der Fehlfunktion der spezifischen Gene ist eine Minder-Produktion an Proteinen, die für eine gesunde Entwicklung von Knochen und Weichgewebe und die entsprechende Wachstumsabfolge im Kopfbereich benötigt werden. Da man inzwischen auch weiß, dass Umwelteinflüsse die Funktion dieser speziellen Gene verändern können, erhoffen sich die Wissenschaftler Hinweise darauf, wie der Bildung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten in Zukunft besser vorgebeugt werden kann.

Milchzähne: Pflege zwingend

Immer wieder berichtet die Presse über Fälle, in denen schon sehr kleinen Kindern unter belastender Vollnarkose viele oder alle Milchzähne gezogen werden müssen, weil sie bis zu den Wurzeln abgefault sind. Fachleute wissen: Dahinter steht mangelnde Fürsorge seitens der Erziehungsberechtigten. Diese verweisen oft auf andere „Auslöser", wie gerade erst wieder an einem Fall deutlich wurde, den vor ein paar Tagen ein zahnärztliches Fachjournal aufgriff. Die Mutter eines vierjährigen Jungen, beide in Großbritannien lebend, wurde mit den Worten zitiert, die Zähne ihres Sohnes seien aufgrund seines hohen Konsums an Sojamilch verfault. Immerhin gab sie zu, sich um die Mundhygiene keine Gedanken gemacht zu haben: Milchzähne fielen ja ohnehin aus. Die Zahnärzte wiesen diese Mutter und damit zur Erinnerung auch gleich alle Eltern darauf hin, dass sie Verantwortung tragen für ein möglichst gesundes Aufwachsen ihres Kindes, dazu gehört auch die Mundgesundheit. Eine gesunde Ernährung ebenso wie bedarfs- und altersgerechte Mundhygiene sind zwingend, damit das Kind, das sich nicht selbst helfen kann, umsorgt groß wird. Dem kleinen britischen Jungen wurden 18 Milchzähne gezogen. Eine Katastrophe für seine weitere Zahnentwicklung, denn den bleibenden Zähnen fehlen nun alle „Leitzähne", nach denen sie sich richten.

Implantate: gute Planung Basis des Erfolgs

Mit der Frage der Relevanz der Planung einer zahnärztlichen Implantatbehandlung auf den späteren Behandlungserfolg befasste sich vor wenigen Monaten ein spezielles Forum im Rahmen des Kongresses der DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie. Dabei setzten die Referenten vor die Planung noch eine wesentliche Vorstufe: die genaue Diagnose des Patienten und damit das Erkunden all seiner gesundheitlichen „Rahmenbedingungen". Hier spielte die Frage mit hinein, ob moderne digitale Diagnostikverfahren die „Rahmenbedingungen" vor Ort, an der Stelle des geplanten Implantates, durch dreidimensionale Darstellung besser demonstrieren können als klassische bildgebende Verfahren (spezielles zweidimensionales Röntgen). Wie die Diskussion unter den Fachexperten ergab, macht es Sinn, den Einsatz solcher aufwändigen und dadurch auch kostspieligen 3D-Verfahren abhängig zu machen von der zahnärztlichen Aufgabenstellung und der erkennbaren Ausgangslage im Mund des Patienten. Nach wie vor, so das Ergebnis, ist das zahnärztliche Wissen des Behandlerteams der wichtigste Faktor für den Behandlungserfolg, moderne Technik kann eine erhebliche Unterstützer-Rolle einnehmen, Wissen, Können und Erfahrung der Zahnärzte aber nicht ersetzen.

Zucker: Neues zu seiner Rolle bei Karies

Dass Ernährung (hier nicht zuletzt Zucker) und Munderkrankungen zusammenhängen, das wissen inzwischen die meisten Patienten. Bei einem Fachkongress zu Ernährung und Mundgesundheit vor ein paar Wochen in Stuttgart erklärten Wissenschaftler, wie sich Bestandteile der Ernährung auf das biologische Gleichgewicht im Mund auswirken. Dabei wurde deutlich: Je nachdem, was genau beispielsweise ein Kind isst, ändert sich auch der Biofilm im Mund – also die Zusammensetzung der Bakterien in den Mundbelägen. Auch deutlich wurde: Würde der Zucker allein mit Löffel gegessen, wären die schädlichen Auswirkungen nicht ganz so erheblich wie die Aufnahme einer Kombination von Zucker und sogenannter „Stärke", beispielsweise ein Weißbrot mit Marmelade oder ein Stück Kuchen. Wenn schon Brot, dann erweist sich Vollkornbrot als gesünder, weil dessen Stärke langsamer zu Zucker umgewandelt wird. Der Fruchtzucker aus Obst ist zwar auch ein „Störenfried" für den gesunden Biofilm – aber da Obst viele gesundheitsförderliche Effekte, auch auf das Immunsystem, hat und der Anteil an Fruchtzucker eher gering ist, befürworten die Wissenschaftler Obst. In seiner natürlichen Form – nicht als aufbereitete Säfte.

Erfolgreiche Prävention: jetzt auch für Kleinkinder

Bisher haben ältere Kinder und Erwachsene von den neuen Erkenntnissen der zahnmedizinischen Wissenschaft profiziert, wenn es darum ging, die Mundgesundheit zu erhalten und Zahnschäden vorzubeugen. Wer bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, hat Anspruch auf solche Vorbeugemaßnahmen, die die Krankenkassen in ihrem „Leistungsangebot" zur Verfügung stellen. Ausgeklammert waren davon bisher Kinder im Alter von 0 – 3 Jahren – also diejenigen, bei denen der Grundstein für die Mundgesundheit gelegt wird. So hat sich in den Zahnarztpraxen gezeigt, dass nicht selten schon dreijährige Kinder über ein fast völlig zerstörtes Milchgebiss verfügen. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. Dr. Wolfgang Eßer, erklärte kürzlich in einem Fachbeitrag einer zahnärztlichen Zeitschrift den Grund: „Frühkindliche Karies kann aufgrund des weniger widerstandsfähigen Zahnschmelzes der Milchzähne bei entsprechender kariogener Exposition sehr schnell entstehen und zu gravierenden Schäden führen." Inzwischen hat sich die Chance für die Kleinsten erheblich verbessert, auch zahnärztlich gut betreut groß zu werden: Nach entsprechenden Vereinbarungen zwischen den Zahnärzten und den Krankenkassen stehen nun auch den ganz kleinen Kindern regelmäßige Maßnahmen im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen zu.

Sprachstörungen: Logopäden trainieren Mundbewegungen

Manches Kind hat, beispielsweise, Probleme mit dem Aussprechen des Buchstaben „S". Möglicherweise lispelt es. Dahinter steht eine Funktionsstörung: Der natürliche Ablauf beim Sprechen, das von Zunge, Zähnen, Lippen- und Wangenmuskeln gesteuert wird, ist an irgendeiner Stelle geblockt oder fehlgelenkt. Das Fachgebiet, das sich mit der Bildung von Lauten befasst und bei Sprechstörungen hilft, ist die Logopädie, Logopäden sind also Sprecherzieher. Liegt eine Lautstörung vor, arbeiten Zahnärzte, Kieferorthopäden und Logopäden gemeinsam an der Auflösung der Ursache und dem „Umlernen" der richtigen Mundbewegungsabläufe. Eine solche Behandlung verhindert auch die Weiterentwicklung einer bestehenden kleineren Sprechstörung zu einer Fehlentwicklung der Kiefer und Zahnfehlstellungen. Die zahnmedizinische Aufklärungsorganisation „proDente" veröffentlichte vor wenigen Wochen Empfehlungen für Eltern und auch Anregungen für Zahnärzte und Kieferorthopäden zur Zusammenarbeit mit Logopäden: „Zähne sind nicht nur zum Essen da. Auch zum Sprechen sind sie unentbehrlich", so Dirk Kropp, Geschäftsführer von proDente.

Mundspülungen: ätherische Lösungen erfolgreich

Wenn wissenschaftliche Fachgesellschaften einen Konsens unter den Forschern erreicht haben, wie eine Erkrankung nach heutigem Wissen am besten behandelt oder wie ihr vorgebeugt werden kann, veröffentlichen sie sogenannte „Leitlinien". Eine solche Leitlinie wurde kürzlich zur Vorbeugung von Munderkrankungen erstellt. Im Blickpunkt steht hier die Vorbeugung zuhause, das „Biofilm-Management", was so viel bedeutet wie das erfolgreiche Vorgehen gegen bakterielle Beläge auf den Zähnen und an den Zahnfleischrändern. Dabei gingen die Forscher auch der Frage nach, ob das richtige Zähneputzen beispielsweise mit Mundspüllösungen unterstützt werden kann. Es hat sich gezeigt, dass eher kosmetische Mundspülungen dabei keine relevanten Erfolge zeigen – Mundspüllösungen (also intensiver wirkende Präparate durch Zusatz von antibakteriellen Wirkstoffen) dagegen schon, zumal wenn sie ätherische Öle enthalten. Wie die Studien zeigen, verändern solche Mundspüllösungen auch bei Nutzung über mehrere Monate nicht das biologische Gleichgewicht der Bakterienfamilien in der Mundhöhle.

Karies bei Kindern: Risiko für Atherosklerose

Finnische Wissenschaftler haben kürzlich in einem renommierten Fachjournal Ergebnisse einer Langzeit-Studie veröffentlicht, die einen neuen Blick auf die Bedeutung von Karies und Zahnbetterkrankungen bei Kindern auf deren spätere Allgemeingesundheit wirft: Über einen Zeitraum von 27 Jahren wurden Kinder daraufhin untersucht, wie sich ihre Gesundheit entwickelt – und es wurde abgeglichen, ob es bei ungesunden Entwicklungen vielleicht gemeinsame Erkrankungen in der Kindheit gab. Dabei stellte sich heraus, dass die Erwachsenen, bei denen Risikofaktoren wie beispielsweise Atherosklerose für eine Herz-Kreislauferkrankung diagnostiziert wurden, in ihrer Kindheit verschiedene Munderkrankungen hatten – je mehr, desto größer das Risiko für eine Gefäßerkrankung. Hintergrund: Das Immunsystem gerät bei Mundinfektionen aus der Balance. Über eine ganze Kaskade an Folgen entsteht schließlich die Verdichtung der Blutgefäße durch Ablagerungen (Atherosklerose) und damit steigt das Risiko für eine Störung der Durchblutung. Es hat sich aber auch gezeigt, dass insbesondere bei Behandlung der Parodontalerkrankung eine Verbesserung der Situation auch der Blutgefäße erreicht werden konnte. Intensive Mundhygiene beugt demnach auch solchen entfernt erscheinenden ungesunden Entwicklungen wie einer Atherosklerose vor.

Bösartige Mundschleimhauterkrankungen: Vorstufen erkennbar

Bösartige Mundschleimhauterkrankungen: Vorstufen erkennbar

 

Eine sehr gute Nachricht für Patienten mit dem Risiko einer Krebserkrankung im Mundbereich: Die vielen wissenschaftlichen Erkenntnis-Fortschritte ermöglichen es den Zahnärzten heute, in einem früher nicht denkbaren Ausmaß Vorschädigungen zu erkennen und damit unerwünschten Entwicklungen vorbeugen zu können. Wie eine aktuelle Studie der Universität Toronto/Kanada gezeigt hat, wird heute Veränderungen an der Mundschleimhaut eine größere Beachtung geschenkt, und die entdeckten möglichen Krebsvorstufen werden genauer untersucht und entsprechend behandelt. Die Wissenschaftler führen die Tatsache, dass im Beobachtungszeitraum der zurückliegenden zehn Jahre mehr Mundkrebs-Fälle diagnostiziert wurden als zu Beginn der Erhebungen nicht auf eine gestiegene Anzahl von erkrankten Patienten zurück: Sie sehen die ebenfalls gestiegene Aufmerksamkeit in den Zahnarztpraxen als wesentlichen Grund an. Für die Patienten bedeutet das: Im Fall einer unerwünschten Gewebeveränderung erhalten sie schneller und fokussierter fachliche Hilfe.

Zähne unter der Lupe: Was erzählen sie alles?

Ein Wissenschaftlerteam des Massachusetts General Hospital in Boston (USA) hat sich die Aufgabe gestellt herauszufinden, ob und was Zähne alles über ihren (früheren) Besitzer berichten. Sie gehen sogar so weit zu vermuten, dass man anhand entsprechender Anzeichen in herausgefallenen Milchzähnen ablesen können müsste, ob ein Kind später als Erwachsener einmal unter einer psychischen Krankheit leiden wird. Wie sie bei einem Kongress der „American Association for the Advancement of Science" im März dieses Jahres darstellten, lasse sich an Milchzähnen gut ablesen, ob das Kind in seinen ersten Lebensjahren unter deutlichem Stress gelitten hat. In diesem Fall sind, so die Forscher, die Schmelzschichten im Zahn dünner als bei Vergleichskindern und nicht ganz so dicht – beides Risiken für die Entwicklung einer frühen Karies. Ohnehin ist der Mund ein deutlicher Signalgeber für erhöhte Belastungen des Menschen, ganz abgesehen von sichtbaren Folgen wie Knirschen oder Zähnepressen: Die bei Stress erhöhte Konzentration des Hormons Cortisol lässt sich nicht nur im Blut, sondern auch im Speichel messen. Was sich zeigte: Cortisol beeinflusst offenbar auch die Zahnentwicklung. Zu den Detailergebnissen gehörte, dass Kinder mit gestörtem Sozialverhalten und beispielsweise ADHS dünneren Zahnschmelz als Vergleichskinder hatten und auch ein kleineres inneres Zahnmark. Zähne seien durchaus nützliche Biomarker für psychische Erkrankungen.

Biofilm: „Familienbanden“ gegen Mundgesundheit

Millionen von Bakterien leben im Mund – viele weitere in anderen Körperregionen. Wenn die Bakterien in ausgeglichener Harmonie untereinander leben und „arbeiten", bleibt der Mund gesund, weil sich die verschiedenen Bakterienfamilien gegenseitig in Schach halten. Diese Bakterienwelt nennt man Biofilm. Wie die Bakterienfamilien miteinander leben und wann das System aus dem Lot gerät, das hat der Physiker und Mikrobiologie Prof. Dr. Knut Drescher vom Max-Planck-Institut / Philipps-Universität in Marburg untersucht und für seine Arbeit vor wenigen Wochen einen Forschungspreis der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) erhalten. Die Forschungsarbeit hat unter anderem Relevanz für die Lösung der sich ausbreitenden Antibiotika-Resistenz krankmachender Bakterienfamilien. Es werden Wege gesucht, zielgerichtet in die Bakterien-Gemeinschaften einzugreifen und sie derart in Schach zu halten, dass sie nicht mehr gesundheitsgefährdende Folgen mit sich bringen. Als spannend bezeichnete die Wissenschaftlergruppe auch das Schwarmverhalten von Bakterien und damit das Bewegungsverhalten, das ohne eine Steuerung durch eine Art Gehirn funktioniere. Dieserart Grundlagenforschung trägt deutlich zum weiteren Erkenntnisgewinn bei, wie auch im Mund Biofilm besser unter Kontrolle gehalten werden kann und damit Zahnbelag-bedingte Karies oder infektiöse Zahnbettentzündungen zu verhindern beziehungsweise noch ergebnisbesser zu behandeln sind.
 

Mundatmung: was ist natürlich?

 

Natürlicherweise erfolgt das Atmen über die Nase, sie ist auch entsprechend darauf ausgerichtet, die Atemluft mit Filterhärchen zu reinigen. In manchen Fällen aber funktioniert die Nase nicht richtig und der Mensch atmet über den Mund. Beispiel: Die Nase ist übergangsweise durch Schnupfen oder dauerhaft durch Polypen oder andere Fehlbildungen am ausreichenden Luftaustausch gehindert. Atmung durch den Mund ist aber von der Natur nicht vorgesehen und nur als Not-Lösung gedacht: Beim Atmen durch den Mund trocknet die Mundschleimhaut aus, ein trockener Mund führt oft zu mehr Karies, weil die Zähne nicht ausreichend durch Speichel umspült werden, und krankheitsauslösende Infektionen können nicht ausreichend verhindert werden. Rund ein Drittel aller Menschen, die hauptsächlich oder sehr oft über den Mund atmen, haben organische Ursachen. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass zwei Drittel aller Mund-Atmer verhaltensbedingt nicht die Nase zum Luftaustausch nutzen. Bei den meisten hat sich eine Funktionsstörung im Mund entwickelt, die – wenn man früh genug, schon im Kleinkindalter eingreift – behandelt werden kann und sollte. Fachleute erkennen Mundatmer oft schon beim ersten Blick aufs Gesicht: Die gestörte Atmungsfunktion führt, so ein zahnmedizinischer Beitrag in einem Fachzeitjournal, oft zu einem typisch verlängerten Gesicht. Hinter den Lippen zeigt sich dann ein ausgeprägt schmaler Oberkiefer. Mundatmung ist also immer ein Signal dafür, dass etwas nicht stimmt und ursachenbezogen behandelt werden sollte.

Schlucken: 26 Muskelgruppen beteiligt

Wer macht sich schon Gedanken darüber, wie das Schlucken funktioniert – außer, es ist durch eine Erkrankung eingeschränkt? Fachzahnärzte für Kieferorthopädie beispielsweise blicken mit wissenschaftlichem Interesse auf solche alltäglichen Körperfunktionen. In einem Fachbeitrag für ein zahnärztliches Journal stellte eine Forschergruppe der Universität Gießen spannende Daten rund um das Schlucken zusammen. Demnach sind 26 Muskelgruppen für das gesunde Schlucken verantwortlich. Fünf Hirnnerven steuern sie und sorgen dafür, dass die Muskelgruppen passgenau zusammenarbeiten. Rund 2000-mal pro Tag schluckt ein Mensch, und mit 700 bis 900 Schluckakten pro Nacht ist Schlucken die häufigste Bewegung, die der schlafende Körper macht.

Wasser: gut für die Mundgesundheit

Gemeinsam mit Zahnmedizinern hat vor wenigen Wochen ein Frauen-Journal auf die wichtige Rolle von Wasser für die Mundgesundheit hingewiesen: Die Zeitschrift nahm die Ergebnisse zum Anlass, ihre Leserinnen und Leser zu ausreichend Flüssigkeitsaufnahme, zumal von Wasser, zu motivieren. Werde nicht ausreichend Wasser getrunken, könne dies zu Mundgeruch führen. Grund: Es wird nicht ausreichend Speichel produziert, der im Mund auch eine Reinigungs- und Entsorgungsfunktion für Nahrungsreste hat. Zudem könne die Zunge trockener werden und sich pelzig anfühlen – dies ließe sich nicht mit einem kurzen Schluck Wasser beheben, sondern benötige über den Tag verteilt eine ausgleichende Flüssigkeitsaufnahme. Auch die Lippen können austrocknen und rissig werden, wenn der Körper nicht auf ausreichend Flüssigkeitsreserve zurückgreifen kann.

Lippen: wichtig für die Frontzähne

Wie in einem Fachbeitrag für eine zahnärztliche Zeitschrift kürzlich dargestellt, spielen die Lippen eine große Rolle für die Position – und den Schutz – der Oberkiefer-Frontzähne. Eine Schutzfunktion haben die Lippen dann, wenn sie die Zähne voll bedecken. In diesem Fall wirken sie wie ein Schutzmantel im Fall eines Sturzes. Sind die Zähne nicht durch eine natürlich funktionierende Lippe geschützt, erleiden die Frontzähne erheblich mehr Zahnverletzungen und Schmelzabbrüche als bei Vergleichs-Patienten. Es macht also Sinn, die Lippen während des Wachstums nicht daran zu hindern, sich naturgemäß zu entwickeln. Was diese gesunde Entwicklung stören kann: Angewohnheiten wie Lippensaugen, Nägelkauen, Daumen- oder Nuckeltuchlutschen, Zusammenpressen der Zähne und anderes. Eine natürliche Lage haben die Lippen dann, wenn man den Mund entspannt schließt, ohne dass man die Wangenmuskeln dafür anspannen muss. Zieht das Kind die Unterlippe unter die oberen Vorderzähne, entwickelt sich leicht eine Frontzahnstufe und damit eine auch für die Gesundheit der Zähne riskante Fehlstellung. Solange das betroffene Kind noch nicht fünf Jahre alt ist und die schädlichen Angewohnheiten abgewöhnt werden konnten, ist meist mit einem Selbstheilungseffekt für einen gesunden Mundschluss zu rechnen – halten die Angewohnheiten an, steigt das Risiko erheblich für die Entwicklung einer behandlungsbedürftigen Zahn- und Kieferfehlstellung.

Digitalisierung: Zahn-Implantate mit „Navi“

Auf die wachsende Rolle der Digitalisierung in der Zahnmedizin, speziell im Bereich der Zahn-Implantate, hat kürzlich Prof. Dr. Dr. Jörg Wiltfang, Direktor der Kieler Uniklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in einem Beitrag in den Kieler Nachrichten hingewiesen. Unabhängig von den Gründen für das Zahn-Implantat oder seine Position im Mund gelte: Das Implantat muss so exakt wie möglich an seinem vorbestimmten Platz „sitzen". Kieferknochen könne, je nach Ort und fortgeschrittener Knochenzerstörung, sehr dünnwandig sein. Das Klinikteam nutzt inzwischen eine Weiterentwicklung der digitalisierten Operationsabläufe: Wie von einem Navigationsgerät gesteuert, bohrt ein OP-Gerät genau an der Stelle im Kiefer, die als idealer Platz zuvor ausgerechnet worden war, den Zugang für das Implantat – aber nicht ganz automatisch: Gewissermaßen am Steuer sitzt der Chirurg, der vom Computer grünes Licht erhält, wenn der exakte Bohrpunkt angesteuert ist. Trotz der hervorragenden Studienergebnisse zu diesem Verfahren warnte der Wissenschaftler vor zuviel Euphorie:  Es sei bei jeder Implantation mit Komplikationen zu rechnen. Insbesondere wenn vor Einsetzen des Implantates bereits eine Zahnbettentzündung im Mund vorliege, könne es zu einer unerwünschten Infektion des Implantatbereiches kommen. Professor Wiltfang appellierte an alle Patienten, rechtzeitig auf ein gesundes Zahnbett zu achten und sehr sorgfältige Mundhygiene zu betreiben. Auch Rauchen sei ein klarer Feind der Mundgesundheit. Ein eigener Zahn sei nach wie vor immer noch besser als ein Zahn-Implantat.

Kieferfehlstellungen: angeboren oder erworben?

Nur rund 20 % aller Kieferfehlstellungen sind genetisch bedingt, also angeboren. Solche angeborenen unnatürlichen Formen und Funktionen des Kiefers (Dysgnathien) sind beispielsweise Zähne in einer nicht üblichen Anzahl oder auch Zahnformen, die nicht der Norm entsprechen. Auch das Wachstum des Unterkiefers kann genetisch bedingt unnatürlich verlaufen. Rund 30 – 50 % aller weiteren Dysgnathien sind Folge von Unfällen und Zahnverletzungen, auch von zu früh ausgefallenen Milchzähnen – und von ungesunden Angewohnheiten wie Atmen mit offenem Mund, unnatürlicher Kopfhaltung oder anderen Haltungsanomalien. Die restlichen Prozent an Dysgnathien sind oft kombiniert aus angeborener Fehlentwicklung und dadurch bedingten Fehlfunktionen. Man könne festhalten, so die Gießener Wissenschaftlerin Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner, dass 4 von 5 Fehlentwicklungen (Dysgnathien) des Kiefers auf Fehlfunktionen (Dysfunktionen) zurückgehen. Es mache also Sinn, die Ursachen der Fehlfunktion genau zu prüfen und die Behandlung exakt auf diese auszurichten. Nur dann könne das Ergebnis der Behandlung ein nachhaltiger Erfolg sein.

Adipositas: Zusammenhang mit Parodontitis

Wie ein Forscherteam in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift vor einigen Wochen berichtete, gibt es einen Zusammenhang von erheblichem Übergewicht (Adipositas) und Zahnbettentzündung (Parodontitis). Was beide verbindet: Es handelt sich jeweils um eine chronische Entzündung, die Störungen im Stoffwechsel mit sich bringt. Im Tierversuch zeigte sich, dass dann, wenn beide Erkrankungen gleichzeitig vorliegen, das Immunsystem gebremster arbeitet als bei einer dieser Störungen allein. Gab man den erkrankten Tieren das Hormon Melatonin, besserte sich der Zustand der Parodontitis insbesondere in dem Fall, wenn die Tiere gleichzeitig adipös waren. Melatonin zeigte im Vergleich mit antibiotischen Mundspülungen bessere Ergebnisse bei dieser Patientengruppe.

Kinder: Nicht alle nutzen Kontrolluntersuchungen

Eigentlich ist das eine schöne Zahl, die das Robert-Koch-Institut kürzlich zum Zahngesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen veröffentlichte: Laut der KiGGS-Studie zu Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland haben in den Jahren zwischen 2014 und 2017 rund 80 % aller Kinder die Chance erhalten und auch genutzt, ihre Zahn- und Mundgesundheit bei einem Kontrolltermin in der Zahnarztpraxis prüfen zu lassen. Die Schattenseite der erfreulichen Zahl: Fast 20 % aller Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren nehmen die ihnen zustehenden Vorsorgeuntersuchungen zu selten oder gar nicht wahr. Unter denen, die als besonders gefährdet gelten, Karies und andere Mundgesundheitsstörungen zu erleiden, machen Kinder und Jugendliche aus den alten Bundesländern und in Städten wohnend den größten Anteil aus. Kerngruppen unter den Gefährdeten sind Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status und solche mit einseitigem, besonders aber mit zweiseitigem Migrationshintergrund.

Knochen: Er bildet sich gemäß Aufgabe

Viele Menschen meinen, das Arbeitsfeld des Zahnarztes beschränke sich auf Zähne, Kiefer und Mundschleimhaut. Das sei genaugenommen überholt, meinte Kieferorthopädin Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner von der Universität Gießen in einem wissenschaftlichen Beitrag für ein Fachjournal: Indirekt stehe diese Region in Wechselwirkungen mit der Atmung, der Wirbelsäule, der Muskulatur. Das mache deutlich, dass Störungen im Mundwachstum Auswirkungen auf den ganzen Körper haben. Knochen bildet sich, auch im Kieferbereich, entsprechend seiner Aufgabe und seiner Belastung. Findet keine Belastung statt, verkümmert das Knochenwachstum – ist die Belastung unnatürlich, wächst der Knochen nicht so wie er soll. Gab es in der Zeit des Kieferknochenwachstums in deutlichem Ausmaß ungesunde Angewohnheiten wie beispielsweise Daumenlutschen, erhält der Knochen die Information, sich entsprechend zu formen. Ist eine Kieferfehlstellung entstanden, können sich deren Folgen auf den ganzen Körper auswirken. Im Mundbereich auftretende Funktionsstörungen setzen sich durch die Interaktion mit Atmung, Muskulatur und Wirbelsäule in andere Bereiche des Körpers fort. Derartige Funktionsstörungen sollten daher in der Entstehung verhindert bzw. so früh wie möglich behandelt werden, um solche Folge-Schäden zu verhindern.
 

Parodontitis: Neue Wege in der Therapie

Als Ursache einer Zahnbettentzündung (Parodontitis) gilt eine gestörte Balance aus krankmachenden Keimen und einer entsprechenden Antwort des Immunsystems. Der Weg, der bei der Behandlung traditionell gegangen wird, ist vor allem die möglichst weitgehende Entfernung der bakteriellen Belastung: Ist der Bereich gereinigt, kann das Immunsystem wieder Oberhand gewinnen. Wie gut das Gewebe heilt, also auf das Immunsystem anspricht, hängt von verschiedenen immunologischen Faktoren ab: Wissenschaftler setzen mit neuen Wegen an genau diesem Punkt an. Zwei Forscher von der Praxishochschule in Köln veröffentlichten kürzlich eine Übersichtsarbeit über den Zusammenhang von Melatonin („Schlafhormon") und der Reaktionsfähigkeit des Immunsystems. Schlafmangel hat vielfältige negative Wirkungen auf die Gesundheit – und er beeinträchtigt die Arbeitsleistung des Immunsystems. Wie sich anhand verschiedener Studien zeigte, konnte die unterstützende Gabe von Melatonin die Entzündungsausheilung verbessern. Die Wissenschaftler sehen hier eine mögliche Alternative zu antibakteriell wirkendem Chlorhexidin, das verschiedene Nebenwirkungen zeigt. Die Wirkweise des Melatonins müsse aber noch weiter geprüft werden, um vorhersagbare Ergebnisse zu erzielen.

Kinderbehandlung: Schmerzen nach Narkose

Bei manchen Kindern ist die Zahnzerstörung schon im jungen Alter so weit fortgeschritten, dass die Zähne einer umfangsreiche Behandlung bedürfen. Je nach Aufwand erfolgt diese unter Narkose. Wie eine Wissenschaftlergruppe einer Universität in Taiwan berichtete, hatten ihre Studien ergeben, dass vier von fünf Kindern nach der Operation deutliche Schmerzen hatten – wenn sie während der Behandlung keine Schmerzmedikamente erhielten. Die Wissenschaftler, so ein Zahnärztejournal vor ein paar Wochen, ziehen daraus den Schluss, dass bei der operativen zahnärztlichen Kinderbehandlung mehr als bisher auf eine ausreichende Schmerzabschirmung geachtet werden muss. Ihr Vorschlag: Gegen Ende der oft langwierigen Operationsphase unter Vollnarkose könnte bereits ein Schmerzen senkendes Medikament gespritzt werden. Auch die Eltern sollten fachgerecht informiert und angeleitet werden, den Kindern Schmerzen nach der Operation weitgehend zu ersparen. 

 

Penicillinallergie: seltener als gemeint

Ist der Einsatz eines Antibiotikums notwendig, hören Patienten oft die Frage, ob sie eine Allergie gegen Penicillin haben. Antibiotika haben eine große Vielfalt an Zusammensetzungen – manche Produkte sind speziell gegen eine bestimmte Bakterienfamilie ausgerichtet. Penicillin gilt nach wie vor als einer der zuverlässigsten Arzneimittelstoffe und wird daher gern eingesetzt. Häufiger als gemeint liegt bei Patienten, die sich als allergisch auf Penicillin reagierend bezeichnen, aber gar keine entsprechende Immunreaktion vor – darauf wiesen vor einigen Wochen Wissenschaftler in einem Beitrag im renommierten internationalen Fachjournal JAMA (Journal ofthe American Medical Association) hin. Auch die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie schloss sich den Ergebnissen der Forscher an und empfahl zu einer verstärkten Überprüfung einer tatsächlich vorhandenen Allergie auf Penicillin. Es wäre fatal, wenn ohne Notwendigkeit weniger wirksame Antibiotika eingesetzt und sich dadurch Resistenzen gegen die Medikamentenfamilie entwickeln würden. Beispielsweise gäbe es die Möglichkeit, auf ein anderes Penicillin auszuweichen. Auch in der Zahnmedizin werden Penicilline zur Behandlung von Infektionen eingesetzt. 

Bakterielle Zahnentzündung: Risiko für Infekte

Die Zähne sind über ein vielfältiges System aus Nerven und Blutbahnen und anderen Geweben mit dem gesamten Körper verbunden – das macht deutlich, warum im Falle einer Zahn-Erkrankung eine frühzeitige Behandlung erfolgen muss. Die Keime sollen nicht streuen. Vor allem bei einer tiefsitzenden Karies, aber auch bei bakteriell belasteten Zahnfleischtaschen ist das Risiko groß, dass die Mundkeime nicht nur den Kieferknochen infizieren: Eitererreger belasten Mundbogen, Mundschleimhaut und Rachen. Schwellen diese Bereiche aufgrund der Entzündung an, kann das bedrohlich werden für das Atmen, darauf wies kürzlich DDr. Christa Eder, Fachärztin für Mikrobiologie in Wien, in einem Beitrag für eine Zahnärzte-Zeitung hin. Zudem können Entzündungen am Herzen auftreten, in der Lunge, und eine Blutvergiftung (Sepsis) kann sich entwickeln. Sie hat bei ihren Forschungsarbeiten vor allem die Lebenswelt der Keime im Blick und stellte fest, dass sich manche Bakterien besonders gut entwickeln, wenn sie von den Stoffwechselprodukten anderer Bakterienfamilien leben konnten. In der Zahnarztpraxis werden solchen tiefgehenden Zahnschäden und Infektionen des ganzen Körpers durch rechtzeitige Diagnose und gegebenenfalls antibiotische Medikamente vorgebeugt. 

Kreidezähne: Suche nach der Ursache

Dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland unter sogenannten Kreidezähnen (MIH/Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation) leiden, ist bekannt – nach wie vor ist aber nicht eindeutig geklärt, was Ursache dieser Entwicklung ist. Kreidezähne bedeutet, dass die betroffenen Zähne, zumeist Frontzähne (Inzisivi), mit einer Schmelzbildungsstörung herauskommen, meist weißlich, aber auch bräunlich verfärbt sind. Zudem ist der Zahnschmelz nicht fest, sondern porös, was die Zähne enorm anfällig für Zahnfäule (Karies) macht. In den letzten Jahren fanden Forscher immer mehr mögliche Auslöser, vielleicht – so eine häufig geäußerte Meinung – kommen bei den betroffenen Kindern auch mehrere Faktoren zusammen. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein wies kürzlich auf diese unterschiedlichen Erkenntnisse im Bereich der MIH-Ursachenforschung hin: Während Wissenschaftler-Kreise aus den USA Anzeichen eines Zusammenhangs von MIH und Bisphenol-A (Chemikalie, die in vielen Haushaltsprodukten enthalten ist) entdeckten, bezweifelt das hiesige Bundesinstitut für Risikobewertung einen solchen ursächlichen Zusammenhang. Die Frage nach einem eindeutigen Zusammenhang von Auslöser und Kreidezähnen ist also nach wie vor noch offen. 

„MMH/MIH“: weltweit zunehmende Entwicklung

Die Dachgesellschaft der zahnärztlichen Wissenschaft in Deutschland, die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) hat bei einer Pressekonferenz vor wenigen Monaten dargestellt, dass die immer häufiger registrierte sogenannte MIH nicht nur hierzulande, sondern weltweit registriert wird. MMH bedeutet Milch-Molaren-Hypermineralisation, MIH Molaren-Inzisiven-Hypermineralisation, hier mit dem Fokus auf die „Inzisivi", die Schneidezähne. Hypermineralisation bedeutet, dass die gesunde Zahnschmelzentwicklung gestört ist – die betroffenen Zähne scheinen sich geradezu aufzulösen mit der Zeit und sehen aufgrund einer deutlichen Farbveränderung auch unschön aus. Die Wissenschaftler, hier vor allem Prof. Dr. Norbert Krämer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde, wies darauf hin, dass diese weltweite Verbreitung der Zahnentwicklungsstörung zu erhöhtem Forschungsaufwand führen müsse. Zwar gebe es bisher Vermutungen über Zusammenhänge, beispielsweise mit Kunststoffen und hier besonders den Bestandteilen Bisphenol-A und PCB. Aber auch ganz andere Faktoren könnten eine Rolle spielen. Entsprechend sei die zahnmedizinische Wissenschaft derzeit nicht in der Lage, Empfehlung zur Vermeidung dieser Entwicklung auszusprechen. Möglicherweise könnte eine erhöhte Fluorid-Dosis vorbeugend hilfreich sein, so Prof. Dr. Stefan Zimmer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin.

Bluthochdruck bei Frauen: Zusammenhang mit Zahnverlust?

Bereits vielfach belegt sind Zusammenhänge von bakteriellen Zahnbetterkrankungen und Herzerkrankungen: Die wichtigsten bei der Mundinfektion beteiligten Keime wurden auch bei Herz-Entzündungen entdeckt. Nun stellte sich eine Wissenschaftlergruppe an der Universität Buffalo die Frage, welche Zusammenhänge es – hier fokussiert auf Frauen nach der Menopause – mit dem Risiko der Entwicklung eines Bluthochdruckes geben könnte. Das Ergebnis ihrer Forschung unter Nutzung von Daten von über 36.000 Frauen haben sie kürzlich in einem renommierten ärztlichen Fachjournal zu Bluthochdruck veröffentlicht. Es zeigte sich, dass das Risiko, einen Bluthochdruck zu entwickeln, bei Frauen mit Zahnverlust um 20 % höher lag als bei Vergleichs-Frauen, und noch deutlicher, wenn diese älteren Frauen schlank und in der Vergleichsgruppe eher jünger waren. Fraglich ist derzeit der konkrete Zusammenhang. Möglich ist beispielsweise, so die Forscher, dass Betroffene bei Zahnverlust die Ernährung auf eher weiche Kost umstellen und dies, über Umwege im Stoffwechsel, die Entwicklung von Bluthochdruck fördern könnte.

Zahnfehlstellung: Zusammenhang mit Parodontitis?

Ein Forscherteam der Universität Greifswald ist der Frage nachgegangen, ob der oft vermutete Zusammenhang von Zahnfehlstellungen und Zahnfleischerkrankungen belegt ist. Das Ergebnis ihrer Arbeit haben sie vor wenigen Wochen veröffentlicht. Dabei stand die Frage der bakteriellen Belastung im Fokus. Es heißt, dass gerade stehende Zähne leichter zu reinigen seien, sich an schief und verwinkelt stehenden Zähnen Zahnbeläge eher „verstecken" können und entsprechend schwerer zu entfernen sind – und dass eben diese Zahnbeläge ein hohes Risiko für die Entwicklung von Zahnfleischerkrankungen darstellen. Es zeigte sich nun, dass negative Folgen von Zahnengstand auf die Zahnfleischgesundheit möglich sind, aber weniger als vermutet. Andere Zahn-, zumal Kieferfehlstellungen wie in der Position nicht zusammenpassende Ober- und Unterkiefer („Überbiss" und andere) hatten riskantere Effekte. Klar schädigende Auswirkungen zeigten solche Zahnfehlstellungen, die aufgrund ihrer Position direkt oder indirekt zu Schäden am Zahn oder am Zahnfleisch führen (Beispiel Kreuzbiss oder tiefer Biss mit Zahnfleischkontakt). Zahnfehlstellungen zeigten leichte bis große Effekte auf den Zahnhalteapparat, so Prof. Dr. Olaf Bernhardt, Universität Greifswald. Es gebe weiteren Forschungsbedarf.

Neu: Zahnschmelzhärtung für die Kleinsten

In das neue Zahngesundheits-Vorsorgepaket, dass der Gemeinsame Bundesausschuss auf Empfehlung nicht zuletzt der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) zu Jahresbeginn in das Leistungspaket der Gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen hat, gehört auch der über die Zahnkontrolle hinausgehende Zahnschutz: Kleinkinder bis zum 33. Lebensmonat haben ab Juli 2019 zusätzlich Anspruch auf eine Zahnschmelzhärtung mit Fluoridlack zweimal je Kalenderhalbjahr in der Zahnarztpraxis. Damit, so die KZBV in einer aktuellen Presseerklärung, wird dem Entstehen der sogenannten Nuckelflaschenkaries und bereits entstandener Initialkaries effektiv vorgebeugt. Frühkindliche Karies gilt als häufigste chronische Krankheit bei Kindern im Vorschulalter. Annähernd die Hälfte der kariösen Defekte, die bei der Einschulung festgestellt werden, entstünden in den ersten drei Lebensjähren.

Umfrage: Mundgesundheitsbewusstsein erkundet

Ein Versicherungsunternehmen hat über das Meinungsforschungsinstitut forsa vor wenigen Wochen erkunden lassen, wie die Deutschen zur Mundgesundheit stehen – und wie sie es mit dem Zähneputzen halten. Dass die Mundhygiene einen vergleichsweise großen Stellenwert genießt, mag auch mit der Rolle des Mundes im zwischenmenschlichen Umgang zu tun haben: 34 % aller Befragten achten laut eigener Aussage beim ersten Treffen zuallererst auf die Zähne des Gegenübers. Drei von vier Bundesbürgern putzen – auch nach eigenen Angaben – zweimal täglich die Zähne (etwas mehr Frauen als Männer sagten dies aus). Rund jeder Zehnte ist mit der Optik seiner Zähne sehr zufrieden, fast 70 % sind allgemein zufrieden, und rund 20 % mehr oder weniger gar nicht. Mehr als jeder Dritte beklagt, dass ein Zahn oder mehrere Zähne nicht geradestehen.

Urmenschen: Milchzähne gab es auch damals

Wie Wissenschaftler der Ohio State University kürzlich berichteten, hatten auch die Kinder von Urmenschen schon Milchzähne wie die Kinder heutzutage. Zähne eines vor rund 40 Jahren gefunden rund sechsjährigen Kindes, das vor etwas über 100.000 Jahren in Nordchina lebte, wurden neu untersucht. Besonders interessant war für die Forscher, dass diese archaischen Hominiden, die nicht richtig in bestehende Erkenntnisse der Evolution passen, zwar Milchzähne hatten wie sie heute üblich sind – der restliche Schädel aber nicht demjenigen moderner Menschen nahekommt. Dass die Milchzähne bei dieser Urmenschen-Gruppe solange im Mund blieben, verwunderte die Forscher, da man von einer vergleichsweise kurzen Lebensdauer dieser Hominiden ausgegangen war. Die vergleichsweise lange Lebensdauer der Milchzähne lasse vermuten, dass das Kind nach einem Zeitplan aufgewachsen sei, der demjenigen heutiger Kinder ähnele.

4. Langzeitimplantate: Was man beachten sollte

Der große Erfolg der Zahnimplantate hat auch Neben-Aspekte, die einer besonderen Beobachtung bedürfen, darauf wies Prof. Dr. Frauke Müller, Universität Genf, im Rahmen des Jahreskongresses der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) Ende 2018 hin. Während es hocherfreulich sei, dass für Implantate mittlerweile eine 30jährige Überlebensdauer nicht mehr selten ist, müsse bedacht werden, dass der Patient selbst in dieser Zeit auch biologisch altere. Unter anderem verändere sich Form und Stabilität des Kieferknochens, was zu Veränderungen im Zusammenspiel von Zähnen und Ober-/Unterkiefer führe. Hier müsse Zahnersatz, auch implantatgetragener, entsprechend überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Sinnvoll seien, so die Empfehlung an die Kollegen, veränderbare Lösungen, die die Alterung des Patienten „mitmachen" und beispielsweise später in eine herausnehmbare Zahnersatz-Lösung umgewandelt werden können. Dies mache auch dann Sinn, wenn die Knochen des Patienten zwar noch eine gute Stütze für das Implantat darstellen – der Patient aber nicht mehr fähig ist, die anspruchsvolle Mundhygiene bei einer auf einem Implantat festsitzenden Prothetikversorgung zu meistern.

3. Jetzt neu: bessere Zahnvorsorge für Kleinkinder

Drei zusätzliche zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen können ab 1. Juli 2019 die gesetzlich versicherten Eltern von Kleinkindern nutzen: Betroffen sind Kinder im Alter von 0 – 3 Jahren. Die verbesserte Vorsorge sei hoch wünschenswert, so Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Deutschlandweit seien rund 15 % der Kinder unter 3 Jahren bereits von Karies betroffen, hier insbesondere von der sogenannten „Nuckelflaschenkaries". Die Zahnärzte hatten diese verstärkte Vorsorge schon seit vielen Jahren gefordert und den Bedarf auch wissenschaftlich untermauert – der notwendige Beschluss seitens des Gemeinsamen Bundesausschusses, der gewissermaßen das Spektrum der zu bezahlenden Leistungen aus dem Bereich der Gesetzlichen Krankenkassen festlegt, ist dieser Empfehlung nun endlich gefolgt. Eine Verbesserung gab es bereits im zurückliegenden Jahr: Seither gibt es im „Gelben Heft", dem ärztlichen Untersuchungsheft, auch Hinweise auf jeweils anstehende notwendige zahnärztliche Vorsorge-Untersuchungen.

2. Schwangerschaft: Zahnreinigung sinnvoll

Auf die Notwendigkeit für Schwangere, ihrer Mundgesundheit in dieser Phase besondere Aufmerksamkeit zu schenken, wies zu Jahresbeginn das Apothekenmagazin „Baby und Familie" hin. Besonders empfohlen wurde den werdenden Müttern eine mindestens zweimalige „Professionelle Zahnreinigung". Grund ist der geänderte Hormonhaushalt, der bei Schwangeren meist zu gerötetem und geschwollen Zahnfleisch führt, das leichter zu Blutungen neigt. Daher sei es hilfreich, entzündungsförderliche Zahnbeläge, auch in versteckten Mundregionen, sorgfältig entfernen zu lassen. Nicht sinnvoll sei dagegen ein Zahnbleaching: Es sei bisher nicht ausreichend nachgewiesen, dass die für das Zähne-Bleichen notwendigen Bleichmittel (Wasserstoffperoxid, Carbamidperoxid) sich nicht riskant auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes auswirken.

1. Ganzheitlich: Mundbakterien und Alzheimer-Demenz

Wie einem soeben veröffentlichen Artikel in dem Fachjournal „Science Advances" zu entnehmen ist, hat ein internationales Forscherteam Zusammenhänge von Alzheimer-Demenz und einer „Infektion" im Gehirn entdeckt. Der infektionsähnliche Effekt führe dazu, dass die von den verursachenden Bakterien per Stoffwechsel ausgeschiedenen Enzyme das Absterben von Hirnzellen zur Folge haben. Auch um welche Bakterien es sich handelt, haben die Wissenschaftler eingegrenzt: Die Keime namens „Porphyromonas Gingivalis" gehören zu den Erregern von Parodontitis (Zahnbettentzündung). Was die Forscher ebenfalls herausfanden: Gibt man – in diesem Fall im Mäuseversuch – den infizierten Probanden ein Medikament, dass die schädliche Enzymproduktion stoppt, konnte das Fortschreiten der Degeneration von Hirnzellen gebremst werden. Das in den Blickpunkt genommene Parodontitis-Bakterium kommt, wie sich schon früher zeigte, nicht nur im Hirn vor, sondern auch in anderen Körperbereichen. Nun stehen Tests an, ob über diesen Weg eine Behandlung für Menschen mit Alzheimer-Demenz möglich ist.

18. Mundflora: Signal für späteres Übergewicht

Eine amerikanische Wissenschaftlergruppe hat entdeckt, dass man das Risiko, ob ein Kind später einmal Übergewicht oder gar Adipositas entwickeln könnte, bereits im Alter von zwei Jahren anhand der mikrobiellen Zusammensetzung seiner Mundflora erkennen kann. Wie ein wissenschaftlicher Nachrichtendienst vor Kurzem übermittelte, zeige jedes Kind eine andere individuelle Keimflora. Demnach haben Kinder mit einem Übermaß an zwei Bakterienfamilien (Firmicuten und Bacteroideten) ein größeres Risiko für ungesunde Gewichtsentwicklung wie Vergleichskinder. Entdeckt haben die Forscher diesen Zusammenhang, weil sie Kinder untersuchten, die nach der Geburt besonders schnell und viel zunahmen. Dabei stießen sie auf das Ungleichgewicht der Bakterienflora und die geringere Bakterienvielfalt im Vergleich zu sich normal entwickelnden Kindern. Die identifizierten Bakterien sind Adipositas-Forschern bereits bekannt: Sie finden sich ebenfalls in überhöhter Konzentration im Darm betroffener erwachsener Patienten. Nach den Erkenntnissen müsse nun weiter geforscht werden, wie das Ungleichgewicht entsteht – und wie man dieser Entwicklung sowie späterem krankhaften Übergewicht früh vorbeugen kann.

Zahnfehlstellung: Zusammenhang mit Parodontitis?

Ein Forscherteam der Universität Greifswald ist der Frage nachgegangen, ob der oft vermutete Zusammenhang von Zahnfehlstellungen und Zahnfleischerkrankungen belegt ist. Das Ergebnis ihrer Arbeit haben sie vor wenigen Wochen veröffentlicht. Dabei stand die Frage der bakteriellen Belastung im Fokus. Es heißt, dass gerade stehende Zähne leichter zu reinigen seien, sich an schief und verwinkelt stehenden Zähnen Zahnbeläge eher „verstecken" können und entsprechend schwerer zu entfernen sind – und dass eben diese Zahnbeläge ein hohes Risiko für die Entwicklung von Zahnfleischerkrankungen darstellen. Es zeigte sich nun, dass negative Folgen von Zahnengstand auf die Zahnfleischgesundheit möglich sind, aber weniger als vermutet. Andere Zahn-, zumal Kieferfehlstellungen wie in der Position nicht zusammenpassende Ober- und Unterkiefer („Überbiss" und andere) hatten riskantere Effekte. Klar schädigende Auswirkungen zeigten solche Zahnfehlstellungen, die aufgrund ihrer Position direkt oder indirekt zu Schäden am Zahn oder am Zahnfleisch führen (Beispiel Kreuzbiss oder tiefer Biss mit Zahnfleischkontakt). Zahnfehlstellungen zeigten leichte bis große Effekte auf den Zahnhalteapparat, so Prof. Dr. Olaf Bernhardt, Universität Greifswald. Es gebe weiteren Forschungsbedarf.

Zahnfehlstellung: Zusammenhang mit Parodontitis?

Ein Forscherteam der Universität Greifswald ist der Frage nachgegangen, ob der oft vermutete Zusammenhang von Zahnfehlstellungen und Zahnfleischerkrankungen belegt ist. Das Ergebnis ihrer Arbeit haben sie vor wenigen Wochen veröffentlicht. Dabei stand die Frage der bakteriellen Belastung im Fokus. Es heißt, dass gerade stehende Zähne leichter zu reinigen seien, sich an schief und verwinkelt stehenden Zähnen Zahnbeläge eher „verstecken" können und entsprechend schwerer zu entfernen sind – und dass eben diese Zahnbeläge ein hohes Risiko für die Entwicklung von Zahnfleischerkrankungen darstellen. Es zeigte sich nun, dass negative Folgen von Zahnengstand auf die Zahnfleischgesundheit möglich sind, aber weniger als vermutet. Andere Zahn-, zumal Kieferfehlstellungen wie in der Position nicht zusammenpassende Ober- und Unterkiefer („Überbiss" und andere) hatten riskantere Effekte. Klar schädigende Auswirkungen zeigten solche Zahnfehlstellungen, die aufgrund ihrer Position direkt oder indirekt zu Schäden am Zahn oder am Zahnfleisch führen (Beispiel Kreuzbiss oder tiefer Biss mit Zahnfleischkontakt). Zahnfehlstellungen zeigten leichte bis große Effekte auf den Zahnhalteapparat, so Prof. Dr. Olaf Bernhardt, Universität Greifswald. Es gebe weiteren Forschungsbedarf.

17. Statistik: Häufigste Zahn-Operationen

Das Statistische Bundesamt hat herausgefunden, dass im Jahr 2017 in deutschen Krankenhäusern – also nicht in allen Zahnarztpraxen und Kliniken addiert – fast 70.000 Zahn-Operationen stattfanden. Zumeist wurden Zähne gezogen, manchmal wurden sie auch transplantiert. Genauer: In rund 50.000 Fällen wurde in verschiedenen Verfahren ein Zahn gezogen, entweder „klassisch" oder „herausoperiert". Rund 11.500 Mal wurde eine umfangreiche chirurgische Behandlung des Zahnfleisches vorgenommen, beispielsweise vor oder nach einer Behandlung wie einer Implantation, wenn verloren gegangenes Gewebe wieder aufgebaut werden musste. Zu den Operationen gehörten auch solche Fälle, wo erkranktes Gewebe, beispielsweise bei Infektionen oder Krebs, entfernt werden musste. Auch Operationen am Kiefer gehören – neben weiteren Maßnahmen – in die Gesamtliste, beispielsweise wenn eine kieferorthopädische Apparatur an speziellen Implantaten „angebunden" werden musste oder eine Kieferverlagerung notwendig war, um das Atmen zu erleichtern.

16. Zahnzwischenraum: Tipps für die Reinigung

Wer eine ausgeglichene Mundgesundheit und ein stabiles Zahnbett haben möchte, kommt an der Zahnzwischenraumpflege nicht vorbei. Wie Umfragen zeigen, ist vor allem die Handhabung für viele Menschen ein Hinderungsgrund. Wie zwei Wissenschaftlerinnen vor ein paar Wochen in einem Beitrag in einer Fachzeitschrift deutlich machten, gebe es heute eine derart große Auswahl an Zahnzwischenraum(Interdental)-Hygienehilfsmitteln, dass eigentlich jeder Patient das passende Produkt finden könne. Während der eine gern Fäden um den Finger wickele, nutze der andere lieber Halter mit bereits fertig eingespanntem Faden. Diese seien allerdings nicht ausreichend geeignet, um die Zahnfleischränder auch „um die Ecke vom Zahn" noch sorgfältig zu reinigen – den Umgang damit solle man sich daher auf jeden Fall von den Prophylaxe-Experten der Hauszahnarztpraxis zeigen lassen. Bessere Erfolge erreiche man mit Zahnzwischenraumbürstchen, die in vielen Größen und Formen erhältlich seien. Auch hier hinge der Effekt mit Form, Größe und Anwendung zusammen und erfordere im Vorfeld eine Beratung. Die beliebten metallfreien Bürstchen wirkten eher wie Zahnzwischen-Zahnstocher und erwiesen sich als nützlich, auch hier wird wegen der Erreichbarkeit der hinteren Zahnrandflächen eine Beratung empfohlen. Ebenfalls erhältlich ist eine Vielzahl elektrischer Alternativen – zwar lägen keine ausreichenden klinischen Studien vor, erste Beobachtungen zeigten aber keine Gründe, sie nicht einzusetzen. Aber auch sie erforderten Einweisung, Training und gelegentliche Erfolgskontrolle in der Zahnarztpraxis.

Einfluss auf die Zahnwurzel

Das amerikanische Fachjournal für Endodontie (Wurzelbehandlung) hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die den Zusammenhang von Rauchen und Wurzelkanalbehandlungen zum Inhalt hatte. Die Ergebnisse wurden danach in Kurzform auch in einem deutschen Fachjournal veröffentlicht. Es zeigte sich, dass ebenso wie beim Zahnbett das Rauchen zu einer Schwächung des Abwehrsystems führt – hier im Bereich der Pulpa, des inneren Zahn-Kanals, der mit Blutgefäßen und Nerven den Zahn mit dem ganzen Körper verbindet. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Raucher rund doppelt so oft Wurzelkanalprobleme haben, die einer Behandlung bedürfen, wie Nicht-Raucher.  Das Abwehrsystem zeigte einen deutlich erniedrigten Spiegel an wichtigen Immunzellen. Was die Wissenschaftler ebenso entdeckten: Auch die Pulpa regeneriert sich wieder, wenn der Raucher konsequent zum Nichtraucher wird.

14. Milchzahnverlust: Freude nach langem Wackeln

Einer interessanten Frage ging ein interdisziplinäres Forscherteam aus Zürich nach: Was empfinden Kinder eigentlich, wenn sie ihre Milchzähne verlieren? Freut sie das? Finden sie das schlimm? Ersteres, wie die entsprechende Studie ergab. Insbesondere wenn das Wackeln des Zahnes früh bemerkt und länger begleitend beobachtet wurde, stieg die Freude über den Zahnverlust. Es sei auch eine Erleichterung für die Kinder, wenn der Wackelzahn endlich ausfalle. Für viele Kinder ist das ein spannender Moment, den sie damit verbinden, ein bisschen erwachsener zu werden. Es sei, so die Wissenschaftler, für Kinder oft der erste spürbare Körper-Veränderungsprozess. Allerdings gebe es auch Kinder, der Studie nach etwa jedes Fünfte, die mit dem Verlust des Wackelzahnes auch Angstgefühle verbinden: Für sie ist es der Verlust eines Körperteils. Sehr oft hing die Frage, ob das Kind positiv oder negativ auf den anstehenden Zahnverlust reagiert, mit früheren ersten Erfahrungen in der Zahnarztpraxis zusammen. Hatte das Kind beim Erstbesuch einer Zahnarztpraxis behandlungsbedürftige Karies, Schmerzen und eventuell auch Scham, war das Milchzahnverlust-Erlebnis eher negativ geprägt. War der Anlass eine Kontrolluntersuchung oder ein Zahnunfall nach Sturz, wirkte sich das nicht negativ auf das Gefühl beim Wackelzahn-Ausfall aus.

13. Wichtiger Arbeitgeber: Berufe in der Zahnmedizin

Auf der Grundlage ihrer regelmäßig erhobenen statistischen Daten ermittelte die Bundeszahnärztekammer kürzlich die Situation der Zahnarztpraxen hinsichtlich ihrer Rolle als Arbeitgeber und die Zahnmedizin selbst als Quelle von Arbeitsplätzen. Demnach hängen in Deutschland 878.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit der zahnmedizinischen Versorgung der Bevölkerung zusammen. Zudem wirke sich der mit der Gesamt-Branche geschaffene Umsatz erheblich auf das Bruttoinlandsprodukt aus: Es würde ohne den Bereich Zahnmedizin um rund 46 Milliarden Euro niedriger liegen. Fast 400.000 Menschen arbeiten in Praxen, Kliniken oder dem Öffentlichen Dienst direkt in der zahnärztlichen Patientenversorgung. Addiere man die Bruttowertschöpfung des gesamten zahnärztlichen Systems, also aus Praxen, Kliniken, aus Zahntechnik, Industrie und Versicherung, käme man auf eine Gesamtsumme von 21,4 Milliarden Euro, so die Bundeszahnärztekammer.

12. Mundgesundheit: Tabletten oder Zahnbürste?

Obwohl Studien ergaben, dass Probiotika in Lutsch- oder Kautablettenform die Mundgesundheit verbessern können und bei der Heilung bestehender Infektionen nützlich sind, sei die Zahnbürste doch allen solchen „Zusatz-Hilfsmitteln" an Wirksamkeit überlegen – so Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf bei einem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin. Eine zahnärztliche Fachzeitschrift wies vor ein paar Wochen darauf hin, dass bei allen Erfolgsmeldungen für die Wirksamkeit solcher Tabletten die wissenschaftlichen Belege bei weitem nicht ausreichten derzeit, um von Zahnbürste auf solche Medikamente umzusteigen. Nach wie vor seien Zahnbürste und Zahnseide die erwiesenermaßen besten Utensilien, um einer Zahnbettentzündung vorzubeugen. Aber es gäbe durchaus Patienten, da seien die pro- beziehungsweise präbiotischen Tabletten ergänzend nützlich: So habe ein Test bei Schwangeren ergeben, dass die durch die Schwangerschaft sensibler gewordene Mundgesundheit bei regelmäßiger Nutzung von Probiotika ganz deutlich an Gesundheit gewann und widerstandsfähiger gegen Infektionen war.
 

11. Medikamentöse Krebstherapie: Folgen für den Mundraum

Menschen, die aufgrund ihrer Krebserkrankung mit aggressiven Medikamenten behandelt werden, leiden auch im Mundraum oft unter belastenden Folgen. Dazu zähle, so Wissenschaftler Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie kürzlich beim Kongress der Fachgesellschaft in Wiesbaden, auch eine schmerzhafte entzündete Mundschleimhaut, die für die betroffenen Patienten sehr quälend sein könne. Eine solcherart belastete Mundschleimhaut vertrage keinen Stress durch eine klassische Prothese, so Grötz. Dagegen könne eine Implantat-Versorgung für eine Erleichterung durch Entlastung von Störmomenten nützen. Auch bei der Behandlung mit sogenannten Bisphosphonaten seien Implantate nicht mehr automatisch kritisch zu sehen: Zwar träfe es zu, dass manche Menschen unter Bisphosphonat-Behandlung zu Kieferknochen-Auflösungen neigten, es gebe aber auch weitere ungünstige Belastungen des Mund-Systems durch Zahnbettentzündungen und Druck durch eine (möglicherweise inzwischen) falsch sitzende Prothese. Es sei also immer individuell abzuwägen, ob eine stabile Implantatversorgung die zusätzlich belastenden Faktoren minimieren und die Kiefer- und Mundgesundheit längerfristig verbessern oder zumindest erhalten könnten.

10. Probiotika: nützlich bei Parodontitis?

Die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) diskutierte auf ihrem diesjährigen Kongress auch das Zusammenwirken von Probiotika und Parodontitis. Probiotika werden mittlerweile verschiedene positive Wirkungen zugeschrieben, nicht immer sind die Zusammenhänge wissenschaftlich belegt, manchmal eher Marketing-Aussagen von Herstellern oder speziellen Interessenverbänden. Aber auch die DGPZM kam zu einem positiven Gesamtergebnis, wie eine zahnärztliche Fachzeitschrift vor ein paar Wochen berichtete: Demnach haben sowohl Probiotika als auch Präbiotika positiven Einfluss auf ein Entzündungsgeschehen im Mund. So unterstützten die entsprechenden Lutschtabletten eine gesund vielfältige Keimbesiedelung im Mund und begrenzten das Überhandnehmen von Bakterienfamilien, die für Entzündungen maßgeblich sind. Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf, Universität Würzburg, machte deutlich, dass die regelmäßige Nutzung probiotischer Lutschtabletten auch die Wundheilung im Mund fördern könne.
 

9. Chronische Erkrankungen: Implantat-Risiko minimiert

Während man vor einigen Jahren noch davon ausging, dass für Menschen mit chronischen Erkrankungen und/oder regelmäßiger Einnahme von Medikamenten mit Auswirkungen auf die Mundgesundheit implantatgetragener Zahnersatz eher nicht sinnvoll ist, sieht die zahnmedizinische Wissenschaft dies inzwischen anders. Wie Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie, im Rahmen eines Pressegespräches Ende November betonte, lässt sich auch für solche Patienten eine individuell passende Implantatlösung entwickeln – auch wenn solche Patienten als ‚Risikopatienten' besonders beachtet und sowohl Versorgung als auch pflegende Nachsorge besonders gut abgewogen werden müssten. Während beispielsweise medikamentös gut eingestellte Diabetes-Patienten kaum besondere Herausforderungen an die zahnärztliche Implantatversorgung stellten, müsse das erhöhte Risiko von Entzündungen und die Folgen der Erkrankung auf die Blutgefäße immer im Blick bleiben und unter intensivierter zahnärztlicher Kontrolle, um ungünstige Entwicklungen frühzeitig in den Griff zu bekommen.

8. Ökotest bestätigt: Fluoridlack schützt Milchzähne

Die Diskussion führt vor allem zwischen alternativ-kritischen Eltern und auf wissenschaftlich basierter Grundlage argumentierenden Zahnärzten immer wieder zu Unstimmigkeiten: Kann Fluoridlack zur Versiegelung der Milchzähne wirklich gut und gesund sein? In diese Diskussion brachte sich kürzlich auch die Zeitschrift „Ökotest" ein und bezog klar Stellung: „Eine Behandlung der Milchzähne mit Fluoridlack schützt Kinderzähne effektiv vor Karies." Damit untermauerte Ökotest das entsprechende Ergebnis der Untersuchungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Zugleich stellte die Zeitschrift klar, dass man auf die Gesamtmenge der aufgenommenen Fluoride achten müsse. Zuviel sei auch hier wie immer im Leben zuviel. Gesicherte Erkenntnis sei, so Ökotest an seine Leserschaft: „Wenn Fluorid in die Zahnschmelzstruktur eingelagert wird, wird der Zahn widerstandsfähiger gegen die Säure aus unserer Nahrung." Ob die Fluoridzufuhr ausreichend oder zu hoch ist, dazu können die Prophylaxeexperten in der Zahnarztpraxis genauer Auskunft geben – auch der Fluoridgehalt des örtlichen Trinkwassers ist hier zu berücksichtigen.
 

7. Seelische Belastung: mit Implantaten erst einmal warten

Liegen bei einem Patienten seelische Belastungen vor, die sich auch in verändertem Empfinden seiner Mundgesundheit und in unnatürlichen Belastungen der biologischen Strukturen zeigen, könne es sinnvoll sein, mit einer Implantatversorgung – wenn möglich – abzuwarten, bis es dem Patienten besser geht: Das empfahl Prof. Dr. Peter Rammelsberg, ärztlicher Direktor der Heidelberger Zahnklinik, vor wenigen Tagen in einem Vortrag im Rahmen des Jahreskongresses der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie in Wiesbaden. Einheilung und Funktion sollten nicht durch eventuelle psychologisch bedingte Abwehrhaltungen beziehungsweise unbewusste Überlastungen gefährdet werden. Sinnvoller sei es, die „Hochspannung" durch entsprechende fachtherapeutische Behandlung erst einmal in den Griff zu bekommen. Wünsche von Patienten, die sich durch eine Implantatversorgung eine Verbesserung ihrer belasteten Situation im Mund erhoffen, seien in der Regel nicht erfüllbar: Zumeist liege der Kern der Problematik eben nicht im Mund, sondern auf der Seele, daher seien zahnärztliche Eingriffe mit großer Vorsicht zu planen.

6. Mundpflege: welche Reihenfolge?

Sie stehen im Bad bereit: Zahnbürste, Zahnseide, vielleicht noch weitere Mundhygiene-Hilfsmittel. Sicher haben sich schon viele Menschen gefragt, in welcher Reihenfolge man sie eigentlich am besten anwendet: erst die Zahnseide, dann die Zahnbüste – oder umgekehrt? Dieser Frage haben sich kürzlich amerikanische Forscher gewidmet und für Antworten gesorgt. Zwei Versuchs-Gruppen wurden gebildet: Die eine nutzte zuerst die Zahnbürste und danach die Zahnseide, die andere machte es umgekehrt. Das Ergebnis: Die Gruppe, die mit Zahnseide begann, hatte die besseren Hygiene- und Fluorid-Werte. Offenbar macht es Sinn, vor dem Zähneputzen schon mal die Zahnzwischenräume von Bakterien und Anlagerungen zu befreien, die beim Putzen gleich mit weggewischt und beim Mundspülen wegbefördert werden. Auch das Fluorid aus der Zahnpasta verlieb besser im Mund, wenn zuerst die Zahnseide benutzt wurde.
 

5. Implantate: auch bei Kiefergelenkproblemen

Nicht wenige Patienten kennen den Schmerz, den das Mundöffnen auslöst: Ihr Kiefergelenk ist in seiner Funktion eingeschränkt, beispielsweise, weil der „Diskus", die Knorpelscheibe, aus seiner natürlichen Position gerutscht ist. Eine Implantatversorgung sei bei solchen Patienten durchaus möglich, sagte der Heidelberger Professor Dr. Peter Rammelsberg beim wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie kürzlich in Wiesbaden. Während mit negativen Auswirkungen auf die Kieferfunktionsstörung nicht gerechnet werden müsse, könnten sogar positive Wirkungen möglich sein. Sei der Seitenzahnbereich mit einer stabil sitzenden Zahnersatzversorgung, beispielsweise auf Implantaten, versorgt, könnte dies zu einer Entlastung des Kiefergelenks bei entsprechender Indikation führen. Dabei gelte es, mit möglichst verschleißarmen Materialien für ein langfristig stabiles Zusammenspiel von Oberkiefer und Unterkiefer zu sorgen – „weiche" Lösungen erwiesen sich hier eher als hinderlich. Beheben könne aber auch der stabilste Zahnersatz in der Regel das Kiefergelenkproblem nicht: Hier stelle sich die Aufgabe für ein gutes Team aus entsprechenden Spezialisten.

4. Knirschen: Stress für das Zahnbett

Dass Knirschen für die Zähne belastend ist, wissen viele Menschen – nicht zuletzt die Betroffenen selbst, die immer mal wieder Abplatzungen an ihren Zähnen feststellen. Manchmal bemerkt man sie an einer scharfen Stelle, die plötzlich an einem Zahn, zum Beispiel an den Beißkanten der Frontzähne, spürbar wird. Weniger bekannt ist, darauf wies ein Fachbeitrag in einem zahnärztlichen Fachjournal hin, dass Knirschen auch das Zahnbett überlastet. Wissenschaftler der Okayama Universität/Japan haben kürzlich in einer umfangreichen Studie nachgewiesen, dass die enormen Kräfte, die beim Knirschen und Zähnepressen entstehen, Auswirkungen auf den Blutfluss und den Sauerstofftransport haben, die die Zellen mit Energie versorgen. Es zeigte sich, dass die muskuläre Belastung, vor allem die der Mundbeweger-Muskeln, bei den belasteten Patienten deutlich intensiver war als bei Vergleichspatienten. In der Gruppe der Patienten mit solchen Fehlfunktionen war der Anteil an mittelschwerer und schwerer Parodontitis größer als in der Vergleichsgruppe. Die Wissenschaftler sahen mehrere Anhaltspunkte dafür, dass Knirschen und Zähnepressen auch Schäden am Zahnbett nach sich ziehen.

3. Knirschen: kein Hinderungsgrund für Implantate

Von der früheren Lehrmeinung, dass Implantate bei knirschenden Patienten nicht angewendet werden sollen, sind Wissenschaft und Technik inzwischen abgewichen. Prof. Dr. Peter Rammelsberger, an der Heidelberger Universität insbesondere für Prothetik zuständig, betonte in seinem Eröffnungsvortrag zum diesjährigen Kongress der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie vor wenigen Tagen in Wiesbaden, dass Implantatversorgung mit Kiefergelenkproblemen vereinbar sei. Auch wenn der Patient mit den Zähnen knirsche, was eine erhebliche Belastung für die Strukturen im Mund darstelle, könnten mit den heute bestehenden Materialien und Systemen individuell passende Lösungen entwickelt werden. Auch für die Auswahl des Materials für den Zahnersatz im Bereich der Zahnkrone müsste aus den Möglichkeiten, die es auf dem Markt gebe, gezielt nach Passendem gesucht werden. So wie die natürlichen Zähne mit Schäden auf das Knirschen reagierten, seien auch die prothetischen Zahnkronen erhöhter Belastung ausgesetzt – hier steht die Standhaftigkeit des Zahnersatzes über alternativen und belastungsempfindlichen Lösungen. So seien beispielsweise Versorgungen aus Metall oder aus Hochleistungskeramik widerstandsfähiger als andere Möglichkeiten.

2. Lebensverlauf: Implantate müssen passen

Im Zuge des Älterwerdendes verändert sich im Körper sehr viel, darunter oft die Stabilität der Knochen und, insbesondere im Mund, das mögliche Zurückweichen von Zahnfleisch. Prof. Dr. Frauke Müller, Universität Genf, die sich spezialisiert hat auf Alterszahnmedizin, wies in einer großen deutschen zahnärztlichen Fachzeitschrift Anfang Dezember darauf hin, dass Implantate sich nicht veränderten mit der Zeit – aber das Gewebe um das Implantat herum. Zudem würden bei vielen älteren und alten Menschen die Fähigkeiten abnehmen, bei der Zahn- und Mundpflege noch ausreichend gut sehen zu können, auch verlören viele alte und hochbetagte Menschen ihren Tastsinn. Da nicht alle auf eine sehr gute Pflege-Betreuung bauen könnten, sei es wichtig, dass die Menschen nicht nur ihre eigenen verbliebenen Zähne, sondern beispielsweise auch ihren auf Implantaten ruhenden Zahnersatz selbst ausreichend reinigen könnten. Zahnersatz müsse am besten so konstruiert sein, dass er bei gesundheitlichen Veränderungen im Lebenslauf angepasst werden könne. Ältere und hochbetagte Menschen beispielsweise würden durch festsitzenden Zahnersatz eher gestresst. Diese Entwicklung müssten Zahnarzt und Patient rechtzeitig bei der Zahnersatz-Planung mitbedenken.

Männergesicht: Lächeln zählt

Eine spannende Untersuchung, die kürzlich in einem amerikanischen zahnärztlichen Fachjournal veröffentlicht wurde, zeigt, dass bei der Einschätzung der Attraktivität eines jungen Mannes vor allem der Mund eine große Rolle spielt. Geblickt wurde auf Ausschnitte des Gesichts, also Augen, Nase und Mund – und hier führt der Mund als wichtigster Faktor die Liste an: Das Lächeln wurde von keinem anderen „Gesichtsteil" als Attraktivitätsfaktor (nicht im Sinne von Schönheit, sondern von ansprechendem Äußerem) getoppt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es nicht der Mund selbst ist, sondern seine Muskulatur, die – anders als bei Auge und Nase – die meisten Veränderungen des Gesichtsausdrucks hervorruft. Wenn der Mund redet oder lacht, ist das ganze Gesicht mit einbezogen. Er sei, gewisserweise, tatsächlich das Kommunikationszentrum des Menschen.

Zahnunfälle: Schweizer Kinder immer öfter betroffen

Die Datenanalyse einer Schweizer Krankenkasse hat ergeben, dass die Anzahl an Zahnverletzungen (hier wurden nur die bleibenden Zähne betrachtet) bei Schweizer Kindern unter 18 Jahre in den letzten vier Jahren – so der Auswertungszeitraum – erheblich angestiegen sei. Zwar sei es nicht unerwartbar, dass Kinder bei Sport und Spiel auch Zahnunfälle erlitten – die Steigerung sei aber bemerkenswert. Der Blick auf die betroffenen Kinder ergab, dass insbesondere Jungen Zahnunfälle erleiden, rund zwei von drei Kindern mit Zahnschäden dieser Art waren Jungen. Besonders häufig kommt es bei Stürzen zu Zahnverletzungen. Auch Wettkampf-Sportarten wie Handball sind besonders riskant, ebenso die Nutzung der neuerdings wieder sehr beliebten Tretroller. Die Problematik wird deutlich dadurch, dass hier nicht Milchzähne betrachtet wurden, die einen „bleibenden Zahn" als Nachfolger haben, sondern die bleibenden Zähne selbst, die nur durch Zahnersatz behandelt werden können. Das sei, so die Krankenkassen, ein steigender Kostenaspekt, der durch die Kasse geleistet werden müsse.

Interdentalraumpflege: Wichtig oder nicht?

Zahnärztliche Wissenschaftler sind sich einig, wie eine neue Veröffentlichung in einer großen zahnmedizinischen Fachzeitschrift zeigt: Auch wenn keine sogenannte „Evidenz" vorliegt, also ein durch viele Daten unterstützter eindeutiger Beleg, ist die Zahnzwischenraumreinigung, die „Interdentalraumpflege" auf jeden Fall sinnvoll. Bleibe sie aus, könnten die nicht entfernten bakteriellen Beläge zu einem Risiko für spezielle, keimbezogene Erkrankungen werden. Untersuchungen zeigten zudem einen Gewebeschwund rund um den Zahn, der seinerseits zu Belastungen für das Zahnbett und die Gesundheit des Zahnumfeldes führen kann. Zwar sei es fraglich, ob die Bevölkerung mit den nicht auf Anhieb leicht einzusetzenden Interdentalraumpflege-Hilfsmitteln umgehen könne, da sich Untersuchungen zufolge schon Probleme bei der sachgerechten Handhabung der Zahnbürste zeigten – andererseits sei der Sinn der Zahnzwischenraumpflege so deutlich, dass ein Training beispielsweise im Rahmen einer Professionellen Zahnreinigung (PZR) empfehlenswert wäre, ein Angebot an die Patienten, das auch wiederholt gemacht werden müsse, um den Fortschritt zu verfestigen. Die Autoren des Fachbeitrages weisen aber darauf hin, dass eine kontinuierliche Anwendung notwendig sei und nicht eine vierteljährliche oder einmalige im Vorfeld einer PZR.

Einzelzahnimplantat: Inzwischen Standardversorgung?

Implantologisch erfahrene Zahnärzte aus verschiedenen Ländern diskutierten bei einem Fachkongress im Oktober dieses Jahres in München die Frage, welche Rolle das Einzelzahnimplantat bei der Zahnersatz-Versorgung der Patienten heute spielt. Die Statistik zeigt, dass die Einzelzahnversorgung die mit Abstand häufigste Aufgabe ist, die mit einem implantatgetragenen Zahnersatz gelöst wird. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es auch bei implantatgetragenen Brücken zu neuen Vorgehensweisen kommen wird: Anstelle einer Brücke, also einer miteinander in fester Verbindung stehenden Anzahl von prothetischen Zahnkronen, könnte sich mehr und mehr die Addition von Einzelzahn-Implantaten durchsetzen. Vorteil unter anderem: Der Zahnersatz ist noch mehr an die natürliche Aufgabe der Einzelzähne angepasst und kann Belastungen individueller aufnehmen und aushalten. Und sollte es an einem Zahn zu Problemen kommen wie einer Reparatur oder Neufertigung, ist nur dieser Zahn und nicht die ganze Brücke betroffen. Zudem könne eine solche Einzelzahnlösung unproblematisch durch zusätzliche Einzelzahnimplantate erweitert werden, ohne dass eine bestehende Brücke erneuert bzw. die Belastung neu angeglichen werden muss. Letztlich entscheide die individuelle Situation des Patienten über die Art der Versorgung.

Morbus Alzheimer: Rolle der Mundgesundheit

Einer aktuellen Veröffentlichung in einer Zahnärzte-Zeitschrift zufolge leiden weltweit 24 Millionen Menschen unter der Alzheimer-Erkrankung – kein Wunder also, wenn ebenfalls weltweit nach Ursachen für diese degenerative Entwicklung gesucht wird, denn ein klarer Ursache-Folge-Zusammenhang ist derzeit noch nicht gefunden.  Möglicherweise gibt es auch nicht die eine Ursache: Schon jetzt zeigen sich verschiedene Risikofaktoren wie beispielsweise genetische Besonderheiten.  Auch entzündliche Prozesse und ihre Auswirkungen auf das Immunsystem werden als Faktoren für die Alzheimer-Entstehung diskutiert – und hier kommen auch entzündliche Prozesse im Mund in den Blickpunkt. Einige der an Parodontitis beteiligten Keime sind gewebeinvasiv, dringen also unter anderem in die Blutbahn ein und rufen aggressive Abwehrzellen auf den Plan. Problematisch ist, dass diese Keime offenbar auch über Nervenbahnen die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Bei einer Testgruppe an verstorbenen Alzheimer-Patienten konnten bei fast allen Parodontitis-Keime im Hirn nachgewiesen werden. Auch wenn letzte Beweise noch ausstehen, dürfte – so die Studiengruppe – ein Zusammenhang von Parodontitis und Alzheimer belegt sein. Die Reduktion der chronischen Parodontitis kann daher auch für die Vorbeugung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer eine relevante Rolle spielen.

Lebensraum Mund: Rolle des Zuckers

Der Mund ist ein Lebensraum, ein Biotop – besiedelt von Millionen unterschiedlicher Keime, gesundheitsförderlichen und gesundheitsschädlichen, die sich meist gegenseitig in Schach halten. An der Universität Freiburg wurde nun untersucht, was sich in diesem Biotop verändert, wenn Zucker gegessen oder getrunken wird, zum Beispiel über ein Glas Apfelschorle. Insbesondere über anhaltenden Zuckerkonsum und die Folgen für die biologische Vielfalt im Mund wurden Erhebungen durchgeführt und es hat sich dabei gezeigt, dass die Vielfalt der Keime im Mund bei Zuckernutzung zurückgeht. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Zusammensetzung und die Stabilität der Keim-Flora im Mund: Es vermehrten sich ausgerechnet solche Bakterienfamilien, die als Hauptverursacher von Karies gesehen werden.  Insbesondere solche zuckerhaltigen Lebensmittel, die lange im Mund verbleiben wie Bonbons oder Fruchtdrinks für Kinder verändern das Biotop nachhaltig zuungunsten der Mundgesundheit, betonte Studienleiter Prof. Dr. Elmar Hellwig, Universität Freiburg.

Mundgesundheit: Zusammenhang mit Bluthochdruck?

Immer neue Studien widmen sich der Frage, welche Zusammenhänge es zwischen Mundgesundheit und verbreiteten allgemeinen Erkrankungen es geben könnte. Aktuell veröffentlicht ist eine Untersuchung an einer italienischen Universität, die Zusammenhänge mit Blick auf Bluthochdruck geprüft hat. Rund 40 % der Bevölkerung, so die Veröffentlichung der Studienergebnisse vor ein paar Wochen, leiden unter relevanter Parodontitis (Zahnbettentzündung), einer chronischen Infektion, deren Keime über die Blutbahn auch andere Bereiche des Körpers in Mitleidenschaft ziehen. Demnach haben Patienten ohne Parodontitis seltener Bluthochdruck – und sie reagieren, wenn sie doch betroffen sind, besser auf die entsprechenden Medikamente. Bei Menschen mit Zahnbettentzündungen wird die Wirkweise der Arzneimittel abgeschwächt, in etwa in gleicher Intensität, wie die klassischerweise empfohlene Reduktion des Salz-Verbrauchs zu Buche schlägt. Die Forscher halten dazu fest, dass Bluthochdruckpatienten nicht nur bei Hausarzt und Kardiologen, sondern auch bei Zahnärzten regelmäßig ihren Gesundheitszustand prüfen lassen sollten. Werde die eventuell bestehende Parodontitis erfolgreich behandelt, gehe oft auch die Belastung für das Herz-Kreislauf-System zurück.

Babys: Stillen ist beste Vorsorge

In einer neuen Patienteninformation zum Thema Schwangerschaft und Mundgesundheit informieren Landeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen werdende und junge Mütter zur richtigen Vorgehensweise, um Zahn- und Kieferschäden zu vermeiden. Unter anderem wird verdeutlicht, dass Stillen neben den bekannten wichtigen positiven Wirkungen für Wachsen und Immungesundheit des Kindes auch Vorsorge ist gegen Zahn- und Kieferfehlstellungen: Die Saugbewegungen beim Stillen formen den Mund auf natürliche Weise in die richtige Richtung. Gewarnt wird auch vor dem übermäßigen Einsatz von Nuckelfläschchen mit dem bekannt hohen Karies-Risiko: Früher als viele Eltern denken, könnten Babys bereits feste und flüssige Nahrung über Löffelchen oder auch kleine Becher aufnehmen.  Mundpflege, so der Appell der Herausgeber, sei fester Bestandteil der Körperpflege der kleinen Kinder und gehöre zu den Fürsorge-Aufgaben der Eltern.

Zahnimplantate aus Keramik: Stand der Diskussion

In einem ausführlichen Beitrag in einer der zentralen Fachzeitschriften der deutschen Zahnärzteschaft diskutierten kürzlich erfahrene Wissenschaftler, darunter Prof. Dr. Florian Beuer vom Vorstand der DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie, die Frage, ob Implantate aus Keramik die lang und erfolgreich genutzten Implantate aus Titan ersetzen könnten. Manche Patienten mögen eine „metallfreie" Behandlung, und auch die Farbe dieser Implantate spielt eine Rolle: Das Weiß verhindert ein möglicherweise dunkles Schimmern, wie es bei zarter Mundschleimhaut nach Titanimplantat-Versorgung vorkommen kann. Neu ist Keramik als Werkstoff für Implantate nicht: Mit ihm wurde vor rund 50 Jahren fast zeitgleich mit Titan experimentiert, wobei damals Keramik Probleme bereitete, die heute so nicht mehr existieren. Mittlerweile gibt es Hochleitungskeramik, die – so der Expertenkreis – „stahlhart" ist. Studien haben gezeigt, dass sogenannte einteilige Keramikimplantate insbesondere bei Einzelzahnversorgung oder dreigliedrigen Brücken den Titan-Lösungen inzwischen ebenbürtig sind.

Pilze: Positiver Effekt gegen Karies

Pilzfreunde dürfen sich freuen – zumal, wenn sie den Pilz Shiitake mögen: Wie verschiedene Forscherteams in den zurückliegenden Jahren entdeckt haben, haben sie offenbar eine antibakterielle Wirkung und können dazu beitragen, Karies zu verhindern. Eine aktuelle Presseinformationen der Ernährungsorganisation „food watch" verweist auf gleich mehrere Studien: Im Jahr 2011 ergab eine Londonder Forschungsarbeit, dass die antibakterielle Wirkung von entsprechenden Mundspüllösungen gleich wirksam war wie eine hergestellte Mundspülung aus Shiitake-Pilzen. Im laufenden Jahr wurden Bestandteile der Pilze wie Chinasäure, OxalsäureAdenosin und andere als natürliche Helfer gegen schädliche Mundbakterien identifiziert. Die Veröffentlichung spricht von 90 % Hemmung des Bakterienwachstums und bis zu 60 % erfolgreiche Abtötung der Bakterienansammlungen. Ein Teil des Erfolges geht offenbar darauf zurück, dass die Wirkstoffe des Pilzes die Verdichtung der Zahnbeläge und so die Anhaftung der Plaque erschweren. Weitere Studien zeigten der Veröffentlichung zufolge eine differenzierte Wirkung gegen Bakterien im Vergleich zu chemischen Mundspülungen, die auf die gesamte Mundflora wirken. Da es Shiitake-Mundspülungen derzeit noch nicht gebe, könne man schon mit regelmäßigen Pilzmahlzeiten etwas Gutes für die Zahngesundheit tun.

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