Patienten-News

7. Alte Patienten: Medikation beachten

Einem wichtigen Thema widmete sich Anfang des Jahres ein Symposium an der Universitätsklinik Köln: der angemessenen Behandlung von älteren und alten Patienten. Diese stellen nicht zuletzt aufgrund der häufig größeren Anzahl an regelmäßig eingenommenen Tabletten eine besondere Herausforderung an eine anstehende zahnärztliche Behandlung. Wie Prof. Dr. Petra Thürmann (Wuppertal) in ihrem Vortrag deutlich machte, sind insbesondere Medikamente aus der Gruppe der Antibiotika, vor allem aber aus dem Feld der Bisphosphonate ( Medikamente gegen Krebs oder Osteoporose) und Antikoagulantien (Blutgerinnungshemmer) in den Blick zu nehmen. Nicht nur im Hinblick auf die weitgehend bekannten Nebenwirkungen: Viele ältere und alte Patienten sind erstens nicht richtig eingestellt und erhalten, was Untersuchungen zeigten, manche Medikamente von ihren unterschiedlichen Ärzten auch doppelt, manche dagegen gar nicht, obwohl sie in diesem Fall verschrieben werden sollten. Die Folgen unkontrollierter Medikation (Behandlung mit Arzneimitteln) können zu verschiedensten Ausfällen körperlicher Funktionen führen, zu Stürzen, zu Benommenheit, zu weiteren Erkrankungen und in besonders schweren Fällen auch zum Tod. Die Referentin appellierte an die Praxisteams, aber auch an die Familien und Betreuer von älteren und alten Menschen, sich dem Thema Medikation aufmerksamer zu widmen und nicht zuletzt vor einer zahnärztlichen Behandlung die Arznei-Liste mit dem Zahnarzt bzw. der Zahnärztin durchzusprechen. Möglicherweise bedarf es danach auch einer Abstimmung mit dem Hausarzt des Patienten / der Patientin.

6. Psoriasis: auch gute Mundpflege wichtig

Schuppenflechte („Psoriasis") ist eine Hauterkrankung, die vererbbar ist – ob sie bei einem Patienten auch ausbricht, hängt nicht zuletzt von äußeren Umständen ab wie einer Verletzung der Haut, von einer hohen Belastung durch Stress oder auch durch eine Infektion. Die Schuppenflechte gehört zu den Autoimmunerkrankungen, der Körper richtet Abwehrstoffe gegen seine eigenen Zellen. Das Immunsystem arbeitet also nicht wie vorgesehen. Beim Stichwort Risiko durch eine Infektion kommt auch die Mundgesundheit ins Spiel. Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie von Hautärzten der Ohio State University (USA) zeigt, kann zumindest der Verlauf durch optimale Mundhygiene und Vorbeugung von Zahnbettinfektionen (Parodontitis) verbessert werden. Es zeigte sich, dass der Heilungserfolg von Psoriasis offensichtlich in einem Zusammenhang steht mit dem Gesundheitszustand des Mundes: Die Erkrankung konnte um so besser ausheilen, wenn das Zahnfleisch und das Zahnbett entzündungsfrei waren. Auch wenn die Ergebnisse dieser ersten Beobachtung noch durch weitere Patienten-Studien untermauert werden müssen, so die Wissenschaftlergruppe, zeige sich doch ein Hinweis darauf, dass eine Zahnbett-Entzündungen verhindernde Mundpflege einen positiven Effekt auf das Heilungsgeschehen haben kann.

5. Ärzte: keine optischen Vorurteile

Ein Schweizer Ärzteteam aus einem größeren Klinikum wollte wissen, ob sich Patienten besser oder schlechter behandelt fühlten je nach Optik des Arztes: Sie fragten einen Monat nach Behandlungsende bei rund 18.000 Patienten nach und erkundeten, ob Haarfarbe, Geschlecht oder etwa eine Brille eine Rolle bei der Arztbewertung spielen könnte.

Das vor wenigen Wochen veröffentlichte Ergebnis war letztlich beruhigend: Es gab weder nach oben (gute Bewertung) noch nach unten (schlechte Bewertung) ein typisches Merkmal aus der genannten Auswahl. Trotzdem ergab sich ein interessantes Ergebnis: Als die Kriterien mit Mortalität (Anzahl an Sterbefällen) der Patienten in Verbindung gebracht wurden, lagen Ärzte mit grauem Haar an der Spitze der Ärzteliste: Bei ihnen gab es die wenigsten Todesfälle. Das Schweizer Ärzteteam führt dieses Ergebnis aber nicht auf die Haarfarbe, sondern auf das in der Regel mit der Haarfarbe verbundene Lebensalter und die entsprechend höhere Erfahrung zurück. In wieweit die Erkenntnisse auch auf Zahnärztinnen und Zahnärzte in den ambulanten Zahnarztpraxen zutrifft, war nicht Gegenstand und Auslegung der Untersuchung.

3. Würgereiz: verschiedene Ursachen

Studien belegen, dass nicht wenige Patienten bei zahnärztlichen Maßnahmen zu Würgereiz neigen. Genaue Daten dazu gibt es nicht, wie eine aktuelle Veröffentlichung einer Wissenschaftler-Gruppe in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift zeigen, da jeweils nach unterschiedlichen Kriterien gewertet wurde: Unter anderem wurde unterschieden zwischen Würgereiz und extremem Würgereiz unterschieden. Was sich aber zeigte, ist, dass erstens recht viele Patienten betroffen sind, zumal Patienten mit Zahnprothesen, und es zweitens auch sehr unterschiedliche Gründe für diesen Würgereiz gibt. Einerseits reagieren Menschen mit Würgereiz auf physikalische Reize, zum Beispiel Druck auf bestimmte empfindliche Stellen im Mund, auch gibt es Zusammenhänge mit Störungen der Magen-Darm-Gesundheit. Andererseits ist diese Gruppe deutlich niedriger als diejenige, die psychosomatisch mit Würgereiz reagiert. Zumeist hatten Patienten eine unangenehme Erfahrung in der Vergangenheit gemacht, beispielsweise mit einem ungünstigen sogenannten „Abdrucklöffel": Diese Erfahrung ist quasi gespeichert und wird bei der nächsten Situation unbewusst wieder „abgerufen" aus dem Hirn. Auch ungünstige Saugerhaltung kann nachhaltige „Speicherung" im Hirn bedingen und bei der nächsten Behandlung sozusagen automatisch einen Würgereiz auslösen. In der Zahnarztpraxis sollte, so das Wissenschaftler-Team, die Ursache für zumal den extremen Würgereiz erkundet und dann entsprechend gehandelt werden. Beispielsweise gibt es Übungen, die das „gelernte Verhalten" im Hirn überschreiben und so zur Entspannung beitragen. Auch Akupressur auf spezielle Druckpunkte kann den Würgereiz ausschalten.

4. Studien: elektrische Zahnbürsten vorn

Wie Studien aus den letzten Monaten zeigen, sind elektrische Zahnbürsten für die nachhaltige Mundgesundheit effektiver als Handzahnbürsten: Rund ein Fünftel weniger Zahnverlust konnte festgestellt werden. Das nahm der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, kürzlich zum Anlass, auf diese Ergebnisse noch einmal gesondert hinzuweisen und die Patienten entsprechend zu informieren. Das Interessante: Verglichen wurde bei den Studien die Wirkung bei vergleichbarer Ausgangslage, also dem gleich häufigen Gebrauch der elektrischen beziehungsweise der manuellen Zahnbürste. Die besseren Werte sind also nicht auf häufigere Nutzung zurückzuführen, sondern, wie Professor Oesterreich betonte, auf die optimalere Putzleistung. Auch mit Handzahnbürsten ließen sich sehr gute Ergebnisse erzielen, aber nur bei korrekter Putztechnik – und diese könne nicht jeder Patient leisten. Elektrische Zahnbürsten seien hier eine gute Unterstützung, um solche Putztechnik-Defizite besser auszugleichen. Insbesondere bei Patienten mit Einschränkungen im Bewegungsablauf seien elektrische Zahnbürsten eine große Hilfe. Noch wichtiger als das richtige Mundhygiene-Hilfsmittel sei aber die mentale Einstellung: ein positives Mundgesundheitsbewusstsein als Motivation für regelmäßige häusliche Zahnpflege.

2. Zahnschmelz: hart durch Bauplan

Schon Kinder lernen im Biologie-Unterricht, dass der Zahnschmelz das härteste Material im Körper ist. Was sich aber erst langsam durch Fortschritte in den Untersuchungsmethoden erklärt, ist der Grund für diese Stabilität. Bisher ging man davon aus, dass das Material selbst, also die Zusammensetzung des Zahnschmelzes, für diese Widerstandskraft verantwortlich ist. Wie sich inzwischen zeigt, liegt es aber nicht allein an dieser besonderen Material-Konstellation, sondern vor allem an der Anordnung der Teilchen dieser Stoffe. Über 95 % des Zahnschmelzes bestehen, so eine aktuelle Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Nature Communications", aus Hydroxylapatit-Nanokristallen, die in verschiedenen Verbindungen zueinander „aufgestellt" sind. Wie sich zeigte, ist es aber nicht die große geradlinige Ordnung der Kristalle, die für die eindrucksvolle Härte sorgen, sondern im Gegenteil ihre leicht chaotisch anmutende unperfekte Positionierung. Das macht den Zahnschmelz auch widerstandsfähig gegen Druckschäden von allen Seiten: Durch die schräg liegenden Kristalle wird auch Belastungen von der Seite Widerstand entgegengesetzt.

1. Seltene Erkrankungen: Symptome auch im Mund

Wie Prof. Dr. Jochen Jackowski von der Universität Witten/Herdecke kürzlich in einer Presseinformation des Mundgesundheitsinformationsdienstes proDente berichtete, leben in Deutschland  rund 4 Millionen Menschen mit einer sogenannten „Seltenen Erkrankung", das bedeutet: Weniger als fünf von 10.000 Menschen sind von ihr betroffen. Über 7000 solche Krankheiten sind bekannt, die meisten sind erblich bedingt. Aufgrund des seltenen Vorkommens ist das Wissen um solche Erkrankungen rar. Oft langwierig ist entsprechend auch die zu treffende Diagnose, die einer zielgerichteten Behandlung zugrunde liegt. Dass auch Zahnärzte bei der Diagnose hilfreich sein können, erklärte Professor Jackowski in dem genannten Pressedienst: Rund jede sechste seltene Erkrankung weist auch Anzeichen im Mund oder im Gesicht auf. Zu den möglichen Symptomen können Zahnanomalien im Kindesalter (von Zahnform über Zahnfarbe bis Zahnschmelz) gehören, die aber auch vielfältige andere Ursachen haben können – diese gilt es differenziert abzuklären. Auch das Zungenbändchen kann Signale für eine seltene Erkrankung geben – ist es verkürzt und verdickt, könnte eine Sklerodermie dahinterstecken. Auch wenn in der Regel andere als „seltene Erkrankungen" hinter Wachstumsentwicklungen in Mund und Gesicht stehen, sollte bei Kontrolluntersuchungen auch an solche eher raren Störungen gedacht werden: Der Anteil an Menschen, die an seltenen Erkrankungen leiden, wird Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren noch deutlich ansteigen.

Schleimhauterkrankungen: Folgen von Medikamenten-Mix

Wie eine große deutsche zahnärztliche Wochenzeitung kürzlich berichtete, sollten vor allem ältere Patienten, aber auch die behandelnden Praxisteams intensiv auf den Medikamenten-Mix achten, der für viele ältere Patienten zum Alltag gehört und dessen genaue Zusammensetzung sie daher manchmal vergessen. Prof. Dr. Michael Bornstein (Hongkong) berichtete bei einer Fortbildungsveranstaltung beispielsweise über die nicht selten beobachtete Wucherung von Zahnfleisch bei Dauereinnahme von Kalziumkanalblockern, wie sie bei Bluthochdruck oft verordnet werden. Organ-transplantierte Menschen wiederum bekommen zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen Immunreaktionen unterdrückende Medikamente (Immunsupressiva), die ebenfalls zu Mundgewebe-Wucherungen führen können. Patienten sollten auch bei Veränderungen im Medikamenten-Mix die Zahnarztpraxis informieren beziehungsweise am besten dem Praxisteam einen aktuellen Medikamenten-Plan aushändigen. Auch viele weitere Arzneimittel führen zu Veränderungen in der Mundgesundheit – daher ist es wichtig, dass die Zahnarztpraxis immer auf dem aktuellen Stand der Medikamentenliste ist.

Amalgamfüllungen: raus oder liegen lassen?

Seit Jahren wird, mal mehr, mal weniger ideologisch, auch in den Medien über die Frage diskutiert, ob man bestehende und zum Teil schon alte Amalgam-Füllungen vielleicht prophylaktisch entfernen sollte, weil davon eine Gesundheitsgefährdung ausgehen könnte. Klare Positionen dazu hat vor einigen Tagen die FDA (U.S. Food & DRUG Administration, das amerikanische Amt für Lebens- und Arzneimittel) veröffentlicht: 1. Die Forschung ist weiter gefordert, manche Fragen sind noch ohne endgültige Antwort. 2. Die vor rund zehn Jahren veröffentlichte Empfehlung, Amalgam eher nicht einzusetzen bei schwangeren Frauen, stillenden Müttern (und deren Säuglingen) sowie bei Kindern unter sechs Jahren muss neu geprüft werden: Es ist aufgrund aktuellerer Untersuchungen nicht eindeutig belegt, woher das in Körperflüssigkeiten gefundene Quecksilber stammt – ob aus der Zahnversorgung oder aus der Ernährung. Die bisherige Untersuchungsmethode über Urin-Test sei zudem zu ungenau, wenn es um derart geringe Mengen gehe, wie sie bei einer Amalgamversorgung auftreten könnten. Auch bei Berücksichtigung weiterer umfangreicher Studien habe sich kein Beleg dafür gefunden, dass von Amalgam ein Gesundheitsrisiko ausgeht. Hieraus ergebe sich, so die FDA, dass es keine Empfehlung gibt für das Verbot von Amalgam als Zahnfüllungsmaterial und auch nicht für eine prophylaktische Entfernung. Zudem sei auch noch zu klären, welche tatsächlichen Konsequenzen das im Körper umgewandelte „Quecksilber" auf den Organismus habe. Das gehöre zu den Aspekten, die noch weiterer Abklärung bedürften.

Knirschen: Sind Implantate möglich?

Wer unter Zahn-Überbelastungen wie Knirschen oder Zähnepressen leidet, weiß um die Folgen: Die Zähne selbst leiden, der Kiefer und das Gewebe um den Zahn wird überlastet und kann zurückweichen. Um so mehr stellt sich die Frage, wie sich solche Fehlbelastungen auf Kiefer und Zahnbett auswirken, wenn anstelle des natürlichen Zahnes ein implantat-getragener Zahnersatz betroffen ist. Eine Forscher-Gruppe veröffentlichte dazu kürzlich in der Mitglieder-Fachzeitschrift der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) eine Auswertung von Untersuchungen zu diesem Thema und kam zu dem Schluss, dass es keine eindeutige Handlungsempfehlung geben kann, weil die Voraussetzungen und Umstände von Patient zu Patient unterschiedlich sein können. Es muss also im Einzelfall abgewogen werden, was geht und was eher nicht oder noch nicht. Klar wurde: Es gibt ein gewisses Risiko, dass die übermäßige Belastung negative Auswirkungen auf die Implantat-Versorgung hat – insofern ist es wichtig, mit dem Patienten vor der Planung der Behandlung darüber zu reden, um eine individuell richtige Lösung zu finden. Auf jeden Fall sinnvoll ist es, das Knirschen und Pressen grundsätzlich zu reduzieren, um mögliche unerwünschte Folgen nicht zuletzt auf Implantat und Zahnersatz zu vermeiden.

Gesunder Biofilm: Rolle von Mundspülungen untersucht

Wie einer kürzlich veröffentlichen Nachricht der beteiligten Universitäten Regensburg und Freiburg zu entnehmen ist, interessiert sich eine Forschergruppe derzeit für die Auswirkungen von Mund-Desinfektionsmitteln wie beispielsweise Chlorhexidin. Im Blickpunkt steht dabei die Frage der Resistenz-Bildung. Dabei interessiert die Forscher nicht zuletzt, ob die Entwicklung einer Resistenz gegen das antibakteriell wirksame Chlorhexidin möglicherweise auch zu einer Resistenz gegenüber Antibiotika führen könnte (Kreuzresistenz). Ziel der nun begonnenen Untersuchung ist, Zusammenhänge besser zu verstehen, wie sich solche Resistenzen entwickeln und damit vor allem: wie sie sich vermeiden lassen. Und ob und wann man auf Alternativpräparate zurückgreifen sollte, um eine Antibiotika-Resistenz zu vermeiden. Die Herausforderung dabei ist, dass Produkte wie Chlorhexidin derzeit in der Zahnmedizin zu den wichtigsten Arzneimitteln zählen, um Infektionen im Mund zu begegnen. Neben diesen Erkenntnissen ist – je nach Ergebnis – also eine weitere Aufgabe für Wissenschaft und Forschung, neue Antworten für die Bekämpfung bakterieller Infektionen im Mund zu finden.

Statistik: weniger Zahnfüllungen

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), kurz gesagt: zuständig für die Kostenaspekte der zahnmedizinischen Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten, wertet alljährlich anhand der Abrechnungsdaten aus, was sich im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. Das aktuelle Jahrbuch 2019 beispielsweise zeigt, dass die Anzahl der Zahnfüllungs-Behandlungen um 1,7 % zurückgegangen ist. Das klingt eher wenig – wenn man aber bedenkt, dass es insgesamt um inzwischen „nur noch" fast 50 Millionen Zahnfüllungen geht, ist das nicht zuletzt eine große Anzahl an Fällen und für die betroffenen Patienten eine sehr erfreuliche Entwicklung. Zurückgeführt wird diese auf das bessere Mundhygiene-Verhalten der Patienten und vor allem die immer mehr auf Prävention ausgerichteten Angebote in der Zahnarztpraxis. Schon zurückliegende Erhebungen haben gezeigt, dass beispielsweise die Professionelle Zahnreinigung von immer mehr Patienten zum selbstverständlichen Gesundheitsverhalten gehört.

Krafteinwirkung im Mund: Unterschiede von Zahn und Implantat

Für die Langlebigkeit eines Implantates ist es wichtig, dass die Kraft, bei beim Beißen und Kauen auf den Kieferknochen und sein Gewebe ausgelöst wird, möglichst derjenigen eines gesunden natürlichen Zahnes gleicht. Zu den biologischen Unterschieden von natürlicher Zahnwurzel und Ersatz-Zahnwurzel (Implantat) gehört, dass unter dem natürlichen Zahn eine Art hochempfindlicher Sensor dem Hirn meldet, wenn ein Druck zu groß ist. Oder auch, wenn ein Haar zwischen den Zähnen liegt. Eine solche „Meldestelle" gibt es unter einem Implantat nicht. Das Gewebe ist also etwas gefährdeter als bei einem natürlichen Zahn, durch zu starken Kaudruck belastet zu werden. Gut also, dass eine Wissenschaftlergruppe aus dem Umfeld der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) relevante Studien geprüft und ausgewertet und das Ergebnis kürzlich in der DGI-Mitglieder-Fachzeitschrift „ZZI" veröffentlicht hat. Unterschieden wurde zwischen Belastungs-Folgen bei einem Einzelimplantat oder bei größerer implantat-getragener Zahnersatzversorgung. Zudem wurde auch der Effekt bei statischer beziehungsweise dynamischer Belastung untersucht. In ihrer Zusammenfassung stellen die Wissenschaftler fest, dass weitere Forschung in diesem Bereich möglicherweise hilfreich wäre – aber vermutlich kaum dazu beitragen werde, die insgesamt schon enorm hohe Langzeiterfolgsrate von implantatgetragenem Zahnersatz noch weiter zu erhöhen. Allerdings könnte eine entsprechende Nachsorge-Kontrolle möglicherweise Implantat-Verlust in dem einen oder anderen Fall vermeiden helfen.
 

Zunge: Infektions-Check über Kaugummi

Immer neue Möglichkeiten zeigen sich aufgrund intensiver Forschung, wie das sensible Gewebe-System im Mund bei der Diagnostik von Erkrankungen helfen kann: Die manchmal „einfach" wirkenden Lösungen könnten aufwändige ersetzen, die das Gesundheitssystem viel Geld kosten, oder als unkompliziertes Frühwarnsystem fungieren. Aktuell geht es um die Entwicklung eines Kaugummis, das Hinweise auf ein gestörtes Bakterien-Gleichgewicht und eine bakterielle Infektion gibt. Nicht das Kaugummi zeigt dabei die ungesunde Entwicklung an, sondern es lässt die Zunge „sprechen": Liegt eine krankheitsrelevante bakterielle Besiedelung vor, meldet die Zunge einen bitteren Geschmack. Wie ein Beitrag in einer zahnärztlichen Wochenzeitung vor wenigen Wochen zeigt, sind sowohl Entzündungen im Mund als auch solche im erweiterten Rachenraum, beispielsweise eine Mandelentzündung, frühzeitig erkennbar – und der behandelnde Arzt kann weitergehende Untersuchungen einleiten. Aufgabe für Wissenschaft und Produktentwicklung: Für jede Bakteriengruppe muss ein spezieller Marker eingesetzt werden, der die Keimbelastung „erkennt". Möglich werden könnte dann auch ein Vor-Test, ob ein Patient, für den ein Implantat vorgesehen ist, komplizierende Bakterienkulturen hat. Noch ist vieles nicht geklärt – aber, so die Wissenschaftler, es tut sich ein spannender Weg auf.

Weisheitszähne: Wann sollten sie raus?

Weisheitszähne scheinen sich manchmal ohne „Abstimmung" mit den Nachbarzähnen zu entwickeln: Sie drücken und schieben so kraftvoll, dass sie die Gesundheit der ganzen Zahnreihe bedrohen. Der Name dieser hintersten Zähne rührt daher, dass sie sich erst später und nicht schon gleich nach dem Zahnwechsel in der Jugend zeigen. Manche Weisheitszähne bleiben ohne erhebliche Weiterentwicklung einfach im Kieferknochen stecken. Wenn sie sichtbar werden, beispielsweise auf einem Röntgenbild, wird entschieden, ob sie bleiben können oder lieber entfernt werden sollten. Das ist anders als früher: Vor einigen Jahren wurden Weisheitszähne auch sicherheitshalber entfernt, was dem damaligen Kenntnisstand entsprach. Gezogen wird dagegen heute nur noch, wenn gesundheitliche Probleme bereits vorhanden oder absehbar sind – und davon gibt es zahlreiche, wie Privatdozent Dr. Frank Strietzel von der Charité/Berlin in einem aktuellen Fachzeitschriften-Bericht berichtet. Es werde heute aber individuell abgewogen, welche Risiken die Weisheitszahnentfernung für den Patienten bedeuten könnte – aber ebenso, welche Risiken mit einem Verbleib der Zähne verbunden wären. Eine von mehreren Fachgesellschaften unterzeichnete neue Leitlinie empfiehlt als besten Zeitpunkt für eine Weisheitszahn-Entfernung die Zeit, in der dieser Zahn noch wächst, also in der Regel rund um den 25. Geburtstag.

Implantologie: Patientenwünsche im Blickpunkt

Mehr denn je kann die zahnärztliche Implantologie die Wünsche der Patienten berücksichtigen und entsprechende Lösungen anbieten: Das war klares Ergebnis einer Diskussion unter Fachexperten im Rahmen des letztjährigen Kongresses der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) im vergangenen November in Hamburg. Zu diesen Patientenwünschen gehört das Zeitfenster zwischen Behandlungsstart und Versorgung mit dem neuen Zahn, der den verlorenen ersetzt. Sollte das Implantat erst einmal in Ruhe ausheilen, oder soll sofort „versorgt", das Implantat also mit der neuen Zahnkrone verbunden werden? Beide Verfahren haben ihre eigenen Vorteile – und Nachteile, jeweils im Hinblick auf die Voraussetzungen, aber auch Wünsche des Patienten. Mit Blick auf den nachhaltigen Behandlungserfolg zeigt sich, dass letztlich beide Vorgehensweisen, nach unterschiedlichen Start-Bedingungen, bei normalgesunden Patienten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen. Unterm Strich liegt die sogenannte „Überlebensrate" des Implantates bei verzögerter Versorgung nur minimal etwas über derjenigen bei Sofortversorgung. Worauf alle Experten Wert legten: Erfolg ist insbesondere abhängig von den gesundheitlichen Umständen des Patienten und nicht zuletzt der mundgesundheitlichen Situation am geplanten Implantat-Platz.

Kieferorthopädie: wann sie eher wenig Sinn macht

In der kieferorthopädischen Wissenschaft sind schon seit langen Faktoren bekannt, die eine Behandlung erschweren können. Hier stehen vor allem das übermäßige Rauchen und auch stark entzündete Zahnbett-Situationen (Parodontitis) im Fokus. Beide Aspekte behindern das, was die Kieferorthopädie ausmacht: Durch „Ziehen und Schieben" wird ein Zahn an seinem Standort zum Wandern an einen anderen Platz gedrängt. Dabei werden durch den Druck auf dem Weg zu der Stelle, wo der Zahn hinwandern soll, Zellen von Knochen und Weichgewebe zerstört, dafür werden dort, wo der Zahn herkommt, neue Zellen für den Kiefer und das Zahnbett und Zahnfleisch gebildet. Während einerseits übermäßiges Rauchen und entzündete Gewebe diesen biologischen Ab- und Aufbauprozess der Zellen stören, können auch beispielsweise Medikamente Einfluss auf den geplanten „Umzugsfortschritt" nehmen. Beim zurückliegenden Deutschen Zahnärztetag im letzten November wurde Privatdozent Dr. Dr. Christian Kirschneck, Universität Regensburg, mit dem höchsten Wissenschaftspreis der Zahnheilkunde in Deutschland, dem „Miller-Preis" ausgezeichnet: Er hat die zellbezogenen und molekularen Zusammenhänge zwischen kieferorthopädischem Vorgehen und problematischen Umständen wie Rauchen und akute Infektion im Zahnbett erforscht und der Zahnmedizin wichtige Empfehlungen mit auf den Weg gegeben.

Anamnesebogen: Wichtige Informationen für die Behandlung

Die wissenschaftliche Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) wies im Rahmen einer Veröffentlichung kürzlich auf die besondere Bedeutung des sogenannten Anamnesebogens in der Zahnarztpraxis hin: Hier geben Patienten auch über ihre Allgemeingesundheit Auskünfte, da sie die geplante zahnärztliche Behandlung beeinflussen könnten. Ein solcher Anamnesebogen solle auch in bestimmten Abständen und bei neuen Erkrankungen, aber auch bei weiteren relevanten Entwicklungen aktualisiert werden. Ein wichtiger Hinweis beispielsweise ist die Neigung zum Erbrechen, wenn bestimmte Bereiche im Mund berührt werden. Wichtig ist auch, so die DGZMK, ein Hinweis auf eine bestehende Angst vor der Behandlung. Mittlerweile gibt es speziell für diese nicht nur für die Patienten schwierige Situation spezifische Fragenkataloge, die beim Einsortieren ebenso helfen wie bei der Entwicklung angepasster Behandlungsschritte. Viele Angst-Formen lassen sich durch entsprechende Verfahren in der Zahnarztpraxis beheben oder umgehen, nur in besonders schweren Fällen, die Krankheitswert haben, sollte in Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten Ursachenbehebung oder zumindest eine Entspannung entwickelt werden. Die Vermeidung rechtzeitiger zahnärztlicher Behandlung kann für die Patienten mund- und allgemeingesundheitlich erhebliche Risiken mit sich bringen.

Knirschen: der Aspekt der Seele

Auf ein spannendes Thema wurde beim zurückliegenden Deutschen Zahnärztetag im November in Frankfurt aufmerksam gemacht: Welche Rolle spielt die Seele beim Knirschen mit den Zähnen oder Zusammenpressen der Kiefer? Renommierte Expertin in diesem Thema ist Privatdozentin Dr. Anne Wolowski von der Universität Münster. Sie berichtete von Patienten, die manchmal über Jahre mit von ihnen als schmerzend empfundenen Zähnen von Praxis zu Praxis laufen – und manchmal auch erfahren, dass „um des lieben Friedens willen" ein Zahn gezogen wird. Dies sei in der Regel weder für die Patienten noch für die involvierten Zahnarztpraxen eine befriedigende Lösung. Allerdings seien es oft sehr versteckte Beschwerden, denen man mit detektivischer Suche auf die Spur kommen müsse: Manchmal seien die Lebensumstände Schmerzauslöser, den Patienten sei gar nicht bewusst, dass Schmerzzustände und Überforderung im Alltag oder in einer bestimmten Situation in enger Verbindung stehen. Wobei der empfundene Schmerz „echt" und daher ernst zu nehmen sei.

Die Ursache herauszufinden, erfordere von beiden Seiten – Zahnarzt und Patient – durchaus Geduld, lohne sich aber: PD Dr. Wolowski zeigte neben vielen weiteren Beispielen den Fall einer Patientin, die allein durch den Wechsel auf andere Arbeitszeiten von dem Druck befreit wurde, der sich über das Knirschen und Pressen auf die Zähne entladen hatte. Stress suche sich seinen Weg. Bei dem einen Menschen schlage er auf den Magen, bei den anderen auf die Zähne und die Kiefer.

Zahnimplantate: Formwandel

In verschiedenen Vorträgen im Rahmen des letztjährigen Kongresses der DGI, der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie, Ende November 2019 in Hamburg wurde darauf hingewiesen, dass die Form der Implantate sich in den zurückliegenden Jahren gewandelt hat und auch in Zukunft weiter verändern wird. Während es in den Anfangsjahren der Implantologie bis zuletzt um schraubenähnliche und zylinderförmige Formen, mit unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen und aus unterschiedlichen Materialien gegangen sei, gehe der Weg nun in eine andere Richtung. Die Digitalisierung der Zahnmedizin erlaube es, zukünftig Implantate nach individuellem Bedarf und (weitgehend) in Zahnwurzelform herzustellen. Bis diese Entwicklung allerdings überall in den Praxen ankommen kann, müssen noch weitere Verbesserungen im Herstellungsprozess erfolgen: Wie in vielen anderen Bereichen auch, sei die Individualisierung in der Implantologie deutlich kostenintensiver als „Konfektion". Auch hier könnte die Digitalisierung eine Optimierung ermöglichen.

Kinder: viele ohne Zähneputzen ins Bett

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Eltern hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder oft die Zügel aus der Hand geben: Demnach lassen sie es durchgehen, dass ihre Kinder die notwendige Zahnpflege vor dem Zubettgehen ausfallen lassen. Die von einem Zahnpflegemittel-Hersteller unterstützte Umfrage unter britischen Eltern ergab, dass Kinder im Alter unter zwölf Jahren durchschnittlich nur neunmal pro Woche ihre Zähne reinigen. Zudem putzen sie, wenn sie denn putzen, nur oberflächlich und viel zu kurz. Insbesondere abends arte, so die Eltern in der Umfrage, das Zähneputzen in unerfreuliches „Theater" aus – fast zehn Minuten durchschnittlich dauert der Motivationsversuch der Eltern, es doch und dann auch noch halbwegs richtig zu machen. Fast drei von vier Eltern gaben an, dass sie hier aufgeben, um insbesondere bei den kleineren Kindern Wutanfälle vor dem Zubettgehen zu vermeiden. Dabei ist es der überwiegenden Anzahl der Eltern bewusst, dass der Zuckerkonsum ihrer Kinder zu hoch sei. Der Wunsch der Eltern: Zähneputzen sollte fester Bestandteil im Schulalltag werden.

Aktuelle Implantologie: immer mehr Individualisierung

Im Rahmen einer Pressekonferenz zum zurückliegenden Kongress der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) Ende November in Hamburg wurde deutlich, wie sehr sich das Fach zuletzt weiterentwickelt hat. Der Präsident der Fachgesellschaft, Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, berichtete, dass es heute keine allgemeine, auf Gruppen wie „Raucher" oder chronisch Erkrankte ausgerichtete Kontraindikation für eine Implantatversorgung mehr gibt, sondern jeweils patientenindividuell entschieden werde, ob das chirurgische Einsetzen eines Implantates sinnvoll ist und mit einem guten Einheilen gerechnet werden kann. Dabei sei – je nach Patientensituation – auch eine unterschiedliche Vorbehandlung und auch Nachbetreuung notwendig, zudem werde je nach Fall entschieden, welche Form und welche Art an Zahnimplantat zur Wiederherstellung von Funktion und Optik des Mundes ausgewählt werden. Das sei ein weiterer Schritt zu mehr individueller Behandlung und Patientensicherheit

Zahnpasten: Aluminiumbestandteile im Blickpunkt

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat zum Jahresende 2019 mitgeteilt, dass eine Reihe von Zahnpasten Aluminium enthalten. Hier sind insbesondere solche Produkte aufgefallen, die zahnbleichend beziehungsweise zahnaufhellend wirken sollen. Das Aluminium wirkt in diesen Fällen als Schleifmittel, um Beläge abzutragen. Während es hinsichtlich der weiteren Zahnpasten keines nennenswerten Warnhinweises bedarf, seien diese Bleaching-Produkte durchaus kritisch zu sehen. Insbesondere junge Menschen nähmen, wenn sie solche Zahnpasten nutzen, bereits damit die gesamte in einer Woche als „zu duldend" klassifizierte Menge an Aluminium auf, wobei eine Aufnahme zudem durch weitere Produkte wie Kosmetik, Alufolie oder entsprechende Kochutensilien festzustellen ist. Die Empfehlung: die Anwendung solcher Produkte reduzieren. Dass die BfR-Studie aber nicht bedeutet, dass man von diesen Produkten nun ganz die Finger lassen sollte, besagt eine Reaktion des Wissenschaftlichen Ausschusses für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission, wie die größte zahnärztliche Zeitschrift in Deutschland klarstellt: Die in Deutschland festgestellte Menge an Aluminium in Zahnpasten läge ganz deutlich unter gesundheitsrelevantem Anteil. Toxikologen fordern mehr Forschung, da der Umgang des Körpers mit Aluminium noch nicht abschließend geklärt sei.

Leitlinie: Zahnbehandlungsangst bei Erwachsenen

Eine neue Leitlinie gibt Zahnärzten – und Patienten – aktuelles Wissen und Empfehlungen zum Thema Zahnbehandlungsangst bei Erwachsenen. Herausgegeben hat sie die Dachgesellschaft der zahnmedizinischen Wissenschaft, die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Patienten mit solchen Behandlungsängsten schaden sich selbst durch zu langes Warten auf die unvermeidliche Behandlung. Die Gesundheitsschäden nehmen zwischenzeitlich zu und die notwendige Behandlung wird, je länger man wartet, um so aufwändiger und, je nach Vorgehen, auch invasiver und daher oft schmerzhafter. Ungünstigerweise, so die Fachgesellschaft in ihrer Erklärung zur Veröffentlichung kurz vor Weihnachten, sind gerade diese Patienten auch nicht für Vorsorgemaßnahmen wie regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen und bedarfsgerechte professionelle Zahnreinigung erreichbar. Viele dieser Patienten wissen auch gar nicht, wie weit sich die Zahnmedizin inzwischen hinsichtlich Erleichterungen von Behandlungsverfahren entwickelt hat. Die neue Leitlinie listet verschiedene Faktoren auf, die solche Patienten für den Zahnarzt erkennbar machen und welche Therapiemöglichkeiten sinnvoll sind. Fast zwei Drittel der deutschen Patienten haben mindestens Unwohlsein, wenn sie an eine zahnärztliche Behandlung denken, rund jeder zehnte Patient hat, so ergab eine Umfrage, sogar große Angst.

Krankheitsbedingte Zahnlosigkeit: Anspruch auf Implanta

Eine Entscheidung des Sozialgerichts Hannover wirft einen neuen Blick auf Zahn-Implantate: Demnach hat ein gesetzlich versicherter Patient, der krankheitsbedingt (in diesem Fall aufgrund einer schweren Parodontitis) einen zahnlosen Unterkiefer hat, Anspruch auf implantat-getragenen Zahnersatz (SG Hannover S 89 KR 434/18).Zahnlosigkeit wurde als „regelwidriger Körperzustand" gesehen und sei daher, so eine große Zahnärzte-Zeitschrift kurz vor demJahreswechsel, als behandlungsbedürftigbezeichnet worden. Dieser ähnlich einer Behinderung eingestufte Gesundheitszustand gehöre zu den Ausnahme-Fällen für die Kostenübernahme durch die Gesetzliche Krankenversicherung, eine Implantatversorgung sei für einen solchen Fallgemäß den Richtlinien eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Leistung. Eine ausreichende Kaufunktion müsse ermöglicht werden, was bei konventioneller Prothese in Verbindung mit Haftcreme nicht realisiertwerden konnte. Zahnimplantate, so die Hannoveraner Richter, seien nicht nur medizinisch, sondern auch für die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft notwendig.

„Kreidezähne“: viel Forschung, wenig Antworten

Letztlich ein Rätsel bleibt die Ursache der Entstehung sogenannter „Kreidezähne": Dabei entwickeln die bleibenden Zähne der Kinder weißlich-gelbliche Flecken und werden porös. Das führt auch zu Schmerzen, unter der die betroffenen Kinder sehr leiden können. Nachvollziehbar also, dass die zahnmedizinische Wissenschaft sich dem offenbar noch jungen,aber längst nicht mehr ganz neuen Thema intensiv widmet. Bisher liegen, wie ein Fachbericht in einer großen Tageszeitung kürzlich darstellte, keine eindeutig überzeugenden Erkenntnisse zu Entstehung und damit auch erwartungsgemäß zur Vermeidung solcher Entwicklungsstörungen vor. In der Fachwelt wird diese Zahnsubstanz-Veränderung als MIH/Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation bezeichnet. Sowohl die Backenzähne (Molaren) als auch die Schneidezähne (Inzisivi) sind von Unter(hypo)-Mineralisation betroffen. Heilend behandeln kann man die Erkrankung oder Störung bisher noch nicht, aber das Leben der betroffenen Kinder erleichtern: Da das Zähneputzen schmerzhaft ist, wird es oft unterlassen mit der Folge, dass sich insbesondere indem ohnehin schon geschwächten Zahnschmelz Karies bildet. Das Risiko kann, so die zitierten Wissenschaftler, mit einer vorbeugenden „Versiegelung" mit Fluoridlack minimiert werden. Manche Zähne seien allerdings so geschädigt, dass dem Kind nur durch Zahnziehen geholfen werden können. Alle drei Monate sollten die Kinder zahnärztlich kontrolliert werden, und wenn die optische Belastung gar zu groß ist, können beispielsweise Zahnkronen den Eindruck und das Lebensgefühl verbessern.

Sjörgen - Syndrom: Früherkennung möglicherweise beim Zahnarzt

Das Sjörgen-Syndrom gehört zu den rheumatischen, von Entzündungen begleiteten Erkrankungen und führt, als Autoimmunreaktion, vor allem zu Folgen rund um die Augen (Tränendrüsen) und den Mund (Speicheldrüsen). Viele weitere Gesundheitsschädenwie solche bei Nieren und Atemwegen sind bekannt, neueren Erkenntnissen zufolge gehören auch vielfältige Nervenschädigungen (Polyneuropathien) zu den Folgen der Erkrankung. Behandelt werden die Patienten oft je nach betroffener Region in unterschiedlich ausgerichtetenKliniken, wobei aktuelle Studien, über die eine zahnmedizinische Fachzeitschrift berichtete, zeigen: Hier gibt es Optimierungsbedarf insbesondere dann, wenn Patienten Lähmungen zeigen. Nicht wenige Ärzte hielten die vor allem bei älteren Patienten auftretenden Bewegungseinschränkungen für altersbedingt. Nicht bedacht wird dabei das mögliche Vorhandensein dieser Autoimmunerkrankung, die aufgrund der erkrankten Nerven zu Bewegungseinschränkungen der Muskulatur führt.Zahnärzte können Störungen der Arbeit der Speicheldrüsen erkennen –für die es allerdings viele unterschiedliche Ursachen geben kann. Gibt es einen entsprechenden Verdacht auf das Vorhandensein eines Sjören-Syndroms, sollten Zahnärzte und Patienten die weiterführende Diagnostik bei einem Rheumatologen nutzen. Ziel: mit passgenauen Medikamenten die Belastungen durch die Erkrankung vermindern.

Naturheilmittel: Beeren und Zähne

Die Suche nach Naturheilmitteln zur Gesundheitsförderung oder gar Krankheitsvermeidung und –behandlung gehört auch in das Themengebiet zahnmedizinsicher Wissenschaftler. Immer wieder gibt es Studien, welche positiven Wirkungen bestimmte Pflanzen oder Früchte haben können. Neu sind entsprechende Studien zu möglichen Einsatzgebieten von Moosbeeren (Cranberrys). Wie eine große bundesweite zahnärztliche Fachzeitschrift vor wenigen Wochen berichtete,hat sich jetzt ein Forscherteam aus Großbritannien und Australien damit befasst. Die Wissenschaftler entwickelten eine Tinktur aus Moosbeeren-Extrakten und gaben diese zweimal täglich auf herangezüchteten typischen Zahnbelag. Wie sich zeigte, ging die Menge des behandelten Zahnbelages deutlich zurück und auch der Gehalt der schmelzschädigenden Säuren nahm erheblich ab. Vor allem aber sank die Anzahl der Bakterienkolonien fast um die Hälfte. Die Bilanz der Wissenschaftler: Cranberry-Tinkturen reduzieren die Mundgesundheitsbelastung durch bakterielle Zahnbeläge –auch dadurch, dass sich ein besseres biologisches Gleichgewicht einstellt. Zurückzuführen sind die auch bei Kindern überprüften Ergebnisse auf die in den Beeren enthaltenen sogenannten Polyphenole, die bereits bei anderen Studien ihre allgemeine antioxidative (vereinfacht: entzündungshemmende) Wirkung gezeigt hatten.

Zahnarztwahl: Umfrage unter Patienten

Warum geht ein Patient gerade in diese Zahnarztpraxis und nicht in eine andere, vielleicht in die ein Haus weiter? Das interessierte eine Gruppe wissenschaftlicherZahnmedizinerin Großbritannien, die eine entsprechende Umfrage auf den Weg brachten. Wie eine große deutsche Zahnmedizinische Fachzeitschrift kürzlich berichtete, gab es eine Vielzahl an Gründen, die vermutlich auch hierzulande die Wahl der Patienten beeinflusst. Ganz oben auf der Liste standen Vertrauen in die Hygiene der Praxis, die Erwartung, dass sowohl Zahnfleisch als auch Zähne gesund erhalten werden, und wichtig war den Patienten, dass sie ihrem Zahnarzt/ihrer Zahnärztin vertrauen. Gute Erklärungenund gute Betreuung waren ebenfalls relevant. Die Forscher gingen mit ihren Fragen aber noch weiter: Unter anderem fragten sie, welche persönlichen Konsequenzen die Umfrageteilnehmerim Falle einer Diagnose einer schweren Allgemein-Erkrankung (zumal einer solchen, die mit Zahnbettentzündungen in Verbindung stehen)für ihren Alltag gezogen hätten. Vier von zehn Patienten antworteten: nichts. Immerhin gaben 60 % der Betroffenen an, sich selbst und in Verbindung mit der Zahnarztpraxis mehr um die Mundgesundheit zu kümmern. Vielen der Befragten waren Zusammenhänge von Mund-und Allgemeinerkrankungen bekannt, insofern gingen sie davon aus, dass ihr Zahnarzt diese auch erkennen könne

Periimplantitis: im Vorfeld Risiken betrachten

Zahnimplantate gehören heute zu der Standardversorgung, wenn eigene Zähne verloren gegangen sind oder der bisherige Zahnersatz nicht mehr ausreichend seine Aufgabe erfüllen kann –und Zahnimplantate weisen eine hohe klinische Verlässlichkeit und Vorhersagbarkeit auf: Das betonte Prof. Dr. Ralf Rössler vor wenigen Wochen in einem Fachbeitrag für eine große zahnärztliche Zeitschrift. Beides gerät in Gefahr, wenn sich eine Entzündung im inneren Bereich um das Implantat entwickelt, eine Periimplantitis –entwickelt sich die Entzündungrund um die Zahnfleisch-Austrittstelle der Implantatversorgung,spricht man von einer Mukositis. Solche Entzündungen seien allerdings oft vermeidbar. Viele Patienten mitPeriimplantitis hatten vor der Implantation bereits eine entzündliche Parodontitis, und es finden sich viele Raucher unter diesen Patienten. Beide Risikofaktoren sind bekannt –gehören heute aber nicht mehr zu den Kontraindikationen, da sie in der Regel und bei entsprechender Mitarbeit derPatienten gut in den Griff zu bekommen sind. In allen Fällen ist eine wirklich gute Sauberhaltung des ganzen Mundes notwendig, was bedeutet: Bakterielle Zahnbeläge (Plaque) müssen sehr sorgfältig und regelmäßig entfernt werden. Das gilt vor der Behandlung, aber mindestens genauso auch für die Zeit mit dem neuen Implantat. Mit dem Zahnarzt besprochen werden müssen auch neu auftretende Allgemeinerkrankungenmit eventuell notwendig werdenden Arzneimitteln, die das biologische Gleichgewicht im Mund stören könnten. Bei guter Zusammenarbeit von Zahnarztpraxis und Patient seien viele Risiken, die die Langlebigkeit des Implantates gefährden könnten, gut in den Griff zu bekommen

Fluoride: weltweit unterschiedliche Aufnahme

Fluoride, wie sie in vielen Mundpflege-Produkten enthalten sind und der Stärkung des Zahnschmelzes dienen, gehören zu den natürlich vorkommenden Stoffen auf der ganzen Erde. Nur kommen sie, wie viele andere Stoffe, nicht überall gleich stark vor. So gibt es auf der Welt Regionen, in denen der Fluorid-Anteil, der die Bevölkerung über das Leitungswasser erreicht, höher ist als in anderen Regionen, wie beispielsweise Deutschland: Hier gibt es spezielle Produkte wie beispielsweise fluoridiertes Salz, um das vonWissenschaftlern als nicht ausreichend bezeichnete natürliche Vorkommen auszugleichen. Unnötigerweise zu Irritationen, so die Wissenschaftler der Informationsstelle für Kariesprophylaxe(IfK),führten daherStudien aus Kanada und den USA: Hier wurdenZusammenhänge von systemischer Fluoridaufnahme (durch Trinkwasser)bei Schwangeren und dem Intelligenzlevel der geborenen Kinder untersucht, beiJungen erkannten die Forscher einen leichten Abfall. Nicht nur seien die Studien ungenau aufgrund fehlerhafter Verfahren, so das IfK, sondern auch vom Ansatz her auf Deutschland nicht übertragbar: Sogar dann, wenn fluoridiertes Salz zusätzlich genutzt werde, entspreche die Fluorid-Aufnahme hierzulande nicht einmal dem Anteil, der in Kanada natürlicherweise vorkommt, und schon gar nicht den um ein Mehrfaches erhöhten Dosen im Rahmen der Studie. Nach wie vor gelte daher für Deutschland, dass fluoridiertes Salz einen guten Ausgleich zum hier bestehenden natürlichen Fluoridmangel biete

Viren: Chancen bislang unterbeachtet

Ein Herz für Viren hat Prof. Dr. Karin Mölling, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik –jedenfalls aus wissenschaftlicher Sicht. Sie erforscht das Potential, das in Viren steckt und zu einerVerbesserung der Gesunderhaltung, aber auch der Krankheitenbehandlung führen könnte. Viren, berichtete sie beim zurückliegenden Deutschen Zahnärztetag, seien ebenso Teil des winzigen menschlichen Erbgutes wie auch Mitbewohner in den weltumspannenden Ozeanen, sie seien überall –und manche Viren bekämpften auch solche, die dem Menschen schaden würden. Es sei an der Zeit, Viren neu zu betrachten. Das genau ist ihr Forschungsthema. Dabei hat sie nicht zuletzt die Frage im Blick, welche Möglichkeiten wir für die Bekämpfung krankmachender Bakterienhaben, wenn die bislang erfolgreichen Antibiotika nicht mehr ausreichend wirken. Hier kommt eine spezielle Virengruppe in den Fokus: die sogenannten Bakteriophagen. Das ist kein neuer Gedankenansatz: Schon vor hundert Jahren gab es dazu erste Überlegungen. Nun wird genau hier weitergeforscht, da Bakteriophagen offenbar erhebliches Potential haben. Von dieser Entwicklung wird dann, wenn sie als erfolgreich „freigegeben" ist für die Patientenbehandlung, auch die Zahnmedizin profitieren, zu deren Aufgaben eine Vielfalt an Entzündungen rund um Kiefer, Knochen und Zahnbett gehört

Zahnfleischentzündung: Zahnseide als „Diagnose-Instrument“

Wenn der Verdacht auf eine Gingivits (Zahnfleichentzünduung) besteht, wird in den Zahnarztpraxen üblicherweise mit einer speziellen Sonde getestet, ob so eine Gewebe-Infektion vorliegt und wie schwer das Zahnfleisch geschädigt ist. Das könnte sich in Zukunft ändern: Wie eine vor wenigen Wochen veröffentliche klinische Studie brasilianischer Wissenschaftler zeigt, ist die handelsübliche Zahnseide ein noch besserer Marker. Das „Fädeln" erbrachte noch zuverlässigere Hinweise auf eine Entzündung als die zum Vergleich eingesetzten klassischen Sonden. Der besondere Vorteil: Auch noch sehr frühe Stadien einer Gingivits konnte nach Zahnseiden-Test erkannt werden. Das verbessert die Chance auf eine rasche Intervention: Wird früh genug gegen die Zahnfleischentzündung und ihre Ursachen vorgegangen, kann ein Fortschreiten und ein sich Ausbreiten deutlich leichter erreicht werden.

Wenn Kinder zahnen: lieber Beißring nutzen

Wie eine britische Forschergruppe kürzlich veröffentlichte, ergab ihre Studie zu Zahnungsgels und vergleichbaren Produkten Hinweise darauf, den Einsatz dieser Artikel zur Minderung von Zahnungsbeschwerden bei Babys und Kleinkindern gut zu überdenken. Nicht nur hätten die getesteten Produkte ihr Versprechen, die Zeit des Zahnen zu erleichtern, nicht wirklich erfüllt – sie enthielten auch Inhaltsstoffe, die für die Babys und Kleinkinder als riskant erachtet werden. Unter anderem wurde in Zahnungshilfen Lidocain entdeckt, ein örtlich wirkendes Betäubungsmittel, das schwere Gesundheitsschäden bei Überdosierung hervorrufen kann. Manches Produkt enthielt Zucker und damit einen Karies-fördernden Stoff. Auch Alkohol wurde in einigen der untersuchten Hilfsmittel entdeckt, wiewohl Alkohol – abgesehen von potentiellen Gesundheitsrisiken – selbst in geringen Mengen eher schlafstörend und beunruhigend, also nicht entspannend wirke. Der Verband der britischen Zahnärzte empfiehlt daher den klassischen gekühlten Beißring als sinnvollere Lösung. Einige der in Großbritannien getesteten Produkte gibt es auch in Deutschland. Es macht daher Sinn, sich zusammen mit den Apothekern über die Inhaltsstoffe eventueller arzneiähnlicher Zahnungshilfen zu informieren.

Lebensqualität: welche Rolle spielt Zahnersatz?

Das Thema Lebensqualität stand im Zentrum der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für AlterszahnMedizin. Dass Implantate zu dieser Lebensqualität beitragen können, daran gab es seitens der Experten keine Zweifel – wenn sie denn richtig geplant und für die richtigen Patienten ausgewählt wurden. So müsse beachtet werden, dass eine Implantatversorgung nicht für fitte Senioren geplant werde, dann aber von gebrechlichen Senioren getragen werden müsse: Bei Patienten in fortgeschrittenem Alter könnten sich die Lebensumstände und ihre motorischen Fähigkeiten in kurzem Zeitraum erheblich verändern. Die Planung müsse dies berücksichtigen und flexible Veränderungen mitbedenken. So sei es bei der schwierigen Pflegesituation kaum möglich, in Heimen lebende Pflegebedürftige mit festsitzender Implantat-Prothetik bedarfsgemäß intensiv mundhygienisch zu versorgen. Unabhängig von der Art der Prothetik müsse das Material und die Handhabung eine leichte Mundpflege ermöglichen. Funktion sei wichtiger als Ästhetik, die Versorgung müsse so geplant werden, dass in den bevorstehenden Lebensjahren möglichst keine weiteren aufwändigen Maßnahmen zumal in Narkose nötig werden.

Aphten: Was kann man tun?

Apthen sind kleinere oder größere, in der Regel schmerzhafte und von Entzündungen begleitet Hautschäden – innen im Mund meist an der Mundschleimhaut oder der Zunge, außen vor allem im Bereich der Lippen. Sie werden als störend bis belastend empfunden – und das schon seit über 2000 Jahren: Bereits Hippokrates hat sie als lästige Erscheinung beschrieben. Insbesondere junge Menschen sind betroffen. Auf die Frage, woher die Aphten kommen, kann die Wissenschaft bis heute keine eindeutige Antwort geben. Vermutlich kommen verschiedene Umstände zusammen. Heute geht man davon aus, dass auch das individuelle Immunsystem dabei mitbeteiligt ist. Dafür haben Bakterien oder Viren als mögliche Auslöser „ausgedient" – diese Infektions-Vorstellung scheint überholt zu sein. Nach wie vor aber relevant ist die Frage der richtigen Therapie – dass hier ein Bedarf besteht, zeigen die vielen „Mittelchen", die es freiverkäuflich in den Apotheken gibt: Da die Ursachen nicht eindeutig geklärt sind, ist auch die Behandlung nicht festgelegt. Die Autoren eines Fachartikels zum Thema Aphten, der kürzlich in einer renommierten Fachzeitschrift erschien, empfehlen eine symptombezogene Therapie: Die Entzündungen sollen eingedämmt und die Schmerzen gemildert werden. Eingesetzt werden dafür antibakterielle, desinfizierende, anästhesierende und antientzündliche medizinische Mundspüllösungen – die richtige Anwendung muss unbedingt geübt werden. Oft noch hilfreicher sind Kortisonpräparate von Gel-Form bis Spray-Dosierungen. Mittlerweile zeigen auch Behandlungen mit speziellem Laser gute Erfolge.

Zahnprothesen: oft ungepflegt

In einem längeren Beitrag in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift berichtete kürzlich ein Zahntechniker über seine Erkenntnisse zu der Frage, warum so viele Zahnprothesen in einem stark ungepflegten Zustand in seinem Labor zur Überholung eingereicht werden. Dabei fokussierte er seine Nachforschungen auf den Bereich der Zahnprothesen von in Heimen lebenden Pflegebedürftigen – das sind ein Viertel aller rund 3,4 Millionen Pflegebedürftigen. Für diese Bewohner gilt: Es gibt zu wenig Pfleger, diese sind zudem überlastet und haben für die etwas zeitaufwändige regelmäßige Zahnpflege eigentlich gar keine Zeit. Keine Neuigkeit ist, dass eine sorgfältige Mundhygiene das Risiko für die Entwicklung einer riskanten Lungenentzündung um rund 40 % mildern kann. Werde die Prothese auch nachts getragen, sei es daher wichtig, dass sie ebenso wie der Mundraum vor dem Zubettgehen sorgfältig gereinigt werde. Eine gut sitzende Zahnersatzversorgung sei kein Luxus, sondern führe über das ermöglichte Kauen auch zu wünschenswerten positiven Entwicklungen im Gehirn. Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, so der Autor, machten überdeutlich, dass man ältere und alte Patienten nicht „abschreiben" dürfe, sondern beispielsweise über einen Mundpflegeplan im Heim bei der Erhaltung der Kaufähigkeit und der Einhaltung von Hygiene unterstützen müsse. Derzeit haben rund 32 % aller Pflegeeinrichtungen Kooperationsvereinbarungen mit Zahnärzten.

Implantate: mit 18 zu jung?

Ein großes Thema seit Erfindung der Implantologie ist die Frage, ob Implantate schon im Kindes- oder Jugendalter Sinn machen oder erst nach vollendetem Wachstum eingesetzt werden sollten. Ein Argument: Während Kiefer und Zahnbogen in der Kindheit und Jugend noch wachsen, wächst das Implantat nicht mit, die entstehende „Fehlstellung" muss später nachjustiert werden. Herausfordernd wird eine solche Altersbeschränkung beispielsweise bei Unfall-Patienten im jüngeren Erwachsenenalter, denn auch mit 31 Jahren, so Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden, ehemaliger Präsident der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) in einem Zeitschriften-Fachartikel, kann das Wachstum heute nicht als abgeschlossen bezeichnet werden. Bei Überprüfung der Erfolgschancen von Implantaten bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigte sich, dass bei Kindern nur in besonderen Einzelfällen zu einer Implantatlösung gegriffen werden sollte, bei Jugendlichen und auch jungen Erwachsenen (bis 31 Jahre) gebe es zwar eine gute Erfolgsquote – aber keine vollständige Therapiesicherheit. Dies, so Terheyden, müssten die Patienten und ihre Eltern wissen. Die bisher „traditionelle" Altersgrenze von 18 Jahren sei keine, an der man sich orientieren könne, zumal bei Männern und im oberen Frontzahnbereich. Hier müsse jeweils individuell entschieden und Auswirkungen auf eine nicht mehr harmonische Okklusion (Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer-Zähnen) mitbedacht werden. Betrifft die Okklusionsstörung nur die Kronenlänge, kann hier nachgearbeitet werden.

Zahnersatz: demnächst aus eigenen Zahnkeimen?

Ein bisschen klingt es nach einem Menschheitstraum: Geht ein Zahn verloren, muss man sich nicht um Zahnersatz aus dem Dentallabor oder der zahnärztlichen Fräs- oder Druckmaschine bemühen, sondern es wächst ein „eigener" Zahn nach. Aus körpereigenen Zellen. Genau das testen derzeit Wissenschaftler der Technischen Universität (TU) Berlin. Dazu nutzen sie Zellen von gezogenen Zähnen und zwar aus der dort noch vorhandenen Pulpa, dem „lebendigen" Innenleben der Zahnwurzel. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch der menschliche Kiefer, wie viele andere Stellen des Körpers, selbst „nachwachsendes Gewebe" herstellen kann. Spannend wird es, wie die Zellen lernen, was sie alles bilden müssen – vom harten Zahnschmelz über seine komplette Struktur bis hin zu seiner Form, ob Frontzahn oder Backenzahn beispielsweise. Bisher geht man davon aus, dass die Zellen diese Informationen aus dem umliegenden harten und weichen Kiefergewebe erhalten. Die ersten Versuche sind durchaus vielversprechend. Allerdings ist unumgänglich, dass man ausreichend Geduld aufbringt, den Wachstumsprozess abzuwarten. Es könnte sich lohnen: Der neue Zahn ist nicht „Ersatz" mit Fremd-Material, sondern Eigen-Material, eventuelle Abstoßungsreaktionen gehen daher voraussichtlich gegen Null.

Kieferhöhle: Entzündung durch Zähne

Auf jedem Röntgenbild eines Mundes ist die Nähe deutlich zu erkennen: Kieferhöhle und Mundhöhle sind eng benachbart. Insofern wundert es auch nicht, dass sich bei Entzündungen ein Austausch entwickeln kann. Für den Fall, dass eine zahnbezogene Entzündung oder eine zahnärztliche Behandlung zu einer „Ansteckung" der Kieferhöhle geführt hat, haben Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie kürzlich die Leitlinie aktualisiert, die Empfehlungen für die Behandlung solcher Fälle auflistet. Eine aus der Mundhöhle in die Kieferhöhle übergehende Entzündung sei sowohl hinsichtlich der Rolle der Ursachen, der Art der Diagnostik als auch bei der Wahl der Behandlung von einer Sinusitis, einer „klassischen" Nasennebenhöhlenentzündung, abzugrenzen. Die Aktualisierung dieser Leitlinie mit ihren Querverweisen auf ähnliche Erkrankungen und weitere Auslöser ist insofern kein Nebenschauplatz der Zahnmedizin, als rund 10 – 40 % aller Fälle akuter Kieferhöhlenentzündungen eine mögliche Verbindung zu Zahn-/Mundinfektionen und Folgen zahnärztlicher Behandlung zeigen.

Suchtpatienten: Rolle der Zahngesundheit

Das Aussehen der Zähne spielt für den ersten Eindruck, den ein Mensch bei einem anderen hinterlässt, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Drogenabhängige haben oft einen eher desolaten Zahn-Zustand, wie die Ärzte Zeitung kürzlich in einem Beitrag zu notwendiger Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Disziplinen berichtete. Helfen könnte Drogenabhängigen, zumal denjenigen, die an ein Zurück in ein geregeltes Leben denken, am besten ein solches Zusammengehen von Fachärzten für Suchterkrankungen, Allgemeinärzten, Psychotherapeuten und eben auch Zahnärzten. Bei einem Kongress für Suchtmedizin wurde gerade auf diesen Aspekt besonders hingewiesen und die große Bedeutung, die einer gesund wirkenden Zahnreihe bei diesem Schritt zukommt. Die in Suchtbehandlung besonders erfahrene Berliner Zahnärztin Kirsten Falk betonte die strategische Komponente beim Beginn einer solchen Behandlung: Die einzelnen Schritten müssten demnach der zumutbaren Belastung angemessen sein, diese Patienten seien besonders konsequent zu führen – und eine wichtige Rolle käme einem gut geschulten Personal zu. Nicht wenige dieser Patienten litten zudem unter erheblicher Zahnbehandlungsangst und auch unter Scham. Eine nachhaltige Behandlung ziehe sich über eine gewisse Vorbereitungsdauer hin und es könne nicht sofort mit Zahnersatz das optische und funktionale Problem gelöst werden.
Es zeigte sich aber, dass eine gute und „vorzeigbare" Zahnsituation beim Weg zurück in geregelte Lebenswege eine stark unterstützende und motivierende Wirkung habe.

 

Deutschland: Zahnmedizin international führend

Mit erfreulichen Daten aufwarten kann die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) schon seit Jahren, wenn die jeweils aktuellen Auswertungen der großen bundesweiten Mundgesundheitsstudien veröffentlicht werden: In weitgehend allen Bereichen und bei fast allen Patientengruppen geht die Mundgesundheit und die Anzahl der eigenen Zähne stetig weiter nach oben. Wie einem Fachartikel in den „Zahnärztlichen Mitteilungen" von Ende Juli zu entnehmen ist, steht die Zahnmedizin in Deutschland auch international auf den Spitzenplätzen. Grund sei der vergleichsweise niedrigschwellige Zugang im deutschen Gesundheitssystem, der es der Bevölkerung erleichtere, zahnmedizinische Beratung und Behandlung in Anspruch zu nehmen. Heute seien 81 Prozent der Zwölfjährigen kariesfrei, und bei den Erwachsenen sei die Karies in den letzten 20 Jahren um rund 30 Prozent gesunken. Die noch bestehenden „Baustellen" seien der Zahnärzteschaft durchaus bewusst, wie beispielsweise das schichtenabhängige Karies-Erkrankungsrisiko, die frühkindliche Karies oder auch die Vorbeugung bei Menschen mit unterschiedlichem Pflegebedarf. Ebenso wie internationale Wissenschaftler kritisiert auch die BZÄK Bereiche der Ernährungsindustrie: Nicht zuletzt müsse es verbindliche Maßnahmen beispielsweise zur Zuckerreduktion geben.

Parodontitis: Kann Ernährung helfen?

Ein wachsendes Thema in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ist die Rolle der Ernährung. Während sie beim Thema Karies-Auslösung auch in der Öffentlichkeit schon recht gut bekannt ist, spielen weitere Aspekte derzeit noch eher in der Fachwelt eine Rolle. So nehmen sich zahnmedizinische Wissenschaftler Erkenntnisse aus anderen Medizinbereichen vor und prüfen sie daraufhin ab, ob die hier gewonnen Erkenntnisse auch für die Mundgesundheit Relevanz haben. Ein Beispiel dafür ist die Rolle der Ernährung bei chronischen Entzündungen wie beispielsweise der Parodontitis. Hier hat sich gezeigt, so Wissenschaftler der Berliner Charité in einem Beitrag für den „Senioren Ratbeber", dass bei Rheuma-Patienten eine Ernährung reich an Gemüse und Obst und arm an Fleischprodukten zu einer Verbesserung der rheumatischen Entzündungswerte führte. Auch die Folgen einer Osteoporose könnten sich bei einer gemüse-obst-fokussierten Ernährung verbessern – diese Knochenerkrankung hat ebenfalls Relevanz für die Gesundheit von Mund und Kieferknochen. Im Fokus der ungesunden Entwicklungen stehen insbesondere ungesättigte Fette und sogenannte Transfette. Aus solchen und weiteren ungünstigen Fetten produziert der Körper entzündungsfördernde Gewebshormone. Auch Zucker treibt diese Entzündungs-Hormone nach oben. Vollkorn, Obst und Gemüse seien insofern nicht nur allgemein, sondern auch für chronische Entzündungen wie die Parodontitis die bessere Ernährungsauswahl.

Zahnwurzeln: Vielfalt an Kanälen

Bei Veröffentlichungen in der Laienpresse werden Zähne, die zur Dekoration eines Beitrags dargestellt werden, zumeist mit zwei Wurzeln gezeigt – der „typische Backenzahn". Das allerdings ist eine an der Realität weit vorbeizielende Darstellung, wie ein Fachartikel in einer zahnärztlichen /eitschrift kürzlich aufzeigte. Abgesehen davon, dass Frontzähne, also die sichtbarsten im Mund, in der Regel einwurzelig sind, können Seitenzähne sehr viele und zudem verdrehte und miteinander in Verbindung stehende Zahnwurzeln haben. Das Thema wird für Patienten und Zahnärzte spätestens in dem Moment relevant, wenn aufgrund einer tiefen Zahnentzündung eine Wurzelbehandlung ansteht. Eine Zahnärztegruppe hat nun untersucht, wie viele Wurzelgänge Zähne im Oberkiefer haben können. Anlass war die Feststellung, dass gelegentlich ein Seitenarm übersehen und damit nicht antientzündlich behandelt worden war. Dabei ist zu bedenken, dass Röntgenaufnahmen in „nicht notwendigen Fällen" unterbleiben müssen – Wurzelbehandlungen gehören nicht zwingend zu den „notwendigen Indikationen" für eine Strahlenbelastung. Die Studie hat ergeben, dass nicht nur die üblicherweise erwarteten drei, sondern auch vier und fünf (oft schwer auffindbare) Wurzelkanäle bei den Backenzähnen häufiger vorkommen als erwartet. Erschwert wird das Auffinden durch gelegentliche Vereinigung von Kanälen oder auch Abtrennungen kleiner Abzweige von Hauptkanälen. Vermieden werden muss bei der Behandlung auch, dass die Bearbeitung einer Vielzahl von dünnen Zahnwurzeln zu einer Schwächung der Zahnwurzel-Substanz insgesamt führt. Es hat sich gezeigt, dass es nach wie vor eine Abwägung bleibt, wieviel Behandlung einem Zahn zumutbar ist – oder sein muss, um den Entzündungsquell vollständig zu entfernen.

Zahnbettentzündung: erblich?

Bekannt ist, dass sich einerseits bei Erkrankungen, die mit Immunbelastungen einhergehen, Zahnbettentzündungen (Parodontitis) eher entwickeln, und auch, dass Gewebe- und Gefäß-schädigendes Verhalten wie Rauchen solche Entzündungen fördern können. Nun hat sich gezeigt, dass bei machen Patienten auch ein erblicher Risikofaktor vorliegt. Wie eine Ende Juli veröffentlichte Auswertung internationaler Studien an insgesamt rund 50.000 Patienten zeigt, können genetische Bedingungen bei fast einem Drittel der Patienten mit Zahnbettentzündung vorliegen. Demnach gibt es bei einigen Patienten erbliche Vorbelastungen hinsichtlich des Knochenabbaus und der Zahnbettgewebe-Empfindsamkeit. Es hat sich zudem gezeigt, dass diese erblichen Risiken noch zunahmen, wenn diese Personen rauchten – nicht ausgeschlossen ist, dass auch die Neigung zum Rauchen eine Ererbungs-Komponente hat. Erbliche Hintergründe zeigten sich offenbar vor allem bei frühen und besonders schweren Zahnbettentzündungen.

Amalgam: Wie geht es weiter?

Während bei vielen Patienten der Zahnfüll-Werkstoff Amalgam keinen guten Ruf hat, gibt es nach wie vor auch wissenschaftlich orientierte Zahnärzte, die Amalgam für einen der best-erforschten, flexibelsten und für die verschiedensten Zahnschmelz-Defekte am haltbarsten Füllwerkstoff erachten. Genauer: einen, für den es nach ihrer Einschätzung nach wie vor kein vergleichbar erfolgreiches und bezahlbares Alternativ-Material gibt. Deshalb tun sich nationale und internationale Gesundheits-Organisationen auch so schwer, Dental-Amalgam einfach zu verbieten. Derzeit gelten für besondere Patientengruppen Einschränkungsempfehlungen in der Anwendung. Nun steht ein neuer Klärungstermin zu der Frage an, ob ein vollständiger Ausstieg aus der Amalgamversorgung realistisch ist: Sowohl das Bundeskabinett im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes als auch die EU-Kommission wollen hier bis Ende Juni kommenden Jahres Klarheit zur Zukunft des Dental-Amalgams gewinnen, wie eine aktuelle Presseinformation berichtet. Grundlage ist das sogenannte Minamata-Abkommen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit vor Freisetzungen von Quecksilber und Quecksilberverbindungen. Zum Aktionsplan gehört auch eine intensivierte Prävention, um die Zahngesundheit noch besser zu erhalten und „Reparaturbehandlungen" weiter reduzieren zu können.

Stress: Folgen im Gebiss

Durch Auswertung der Daten ihrer rund 9,4 Millionen Versicherten hat die BARMER einen Zahngesundheitsatlas entwickelt und diesen im Sommer der Öffentlichkeit vorgestellt. Darunter finden sich auch Erkenntnisse zum Zusammenhang von Stress und Veränderungen der Mundgesundheit. Es hat sich gezeigt, dass deutlich mehr Menschen, die in einer Stadt leben, eine sogenannte „Aufbissschiene" verordnet bekamen als Bewohner in ländlicher Region. Auffällig war, dass hier manche Metropolen sogar noch „stressiger" zu sein scheinen als andere große Städte: Patienten in Berlin und Hamburg erhielten rund doppelt so oft Aufbissschienen wie Patienten beispielsweise in einem Flächenland wie Thüringen. Aufbissschienen schützen die Zähne vor Zerstörung durch Knirschen oder kraftvolles Zusammenpressen, in der Regel ist Anspannung im Körper der Grund für diese Fehlfunktion von Kiefer und Zähnen. Zahnärzte, die sich auf „Funktion" spezialisiert haben und sich mit solchen Fehlfunktionen gut auskennen, sehen Knirschen und Pressen als eine natürliche Entlastungs-Maßnahme des Körpers an, so wie manch anderen Menschen der Stress auf den Bauch schlägt oder in den Rücken geht. Eine Aufbissschiene ist daher ein anerkannter Weg, vorrübergehende Anspannung abbaubar zu machen, ohne die Zähne zu beschädigen.

Herausforderung: Implantate nach Unfallverletzungen

Während Zahnersatz auf Implantat-Stütze für die Patienten immer selbstverständlicher wird, gibt es Situationen, wo auch versierte Implantologen vor größeren Herausforderungen stehen: dann, wenn beispielsweise aufgrund eines Unfalls oder auch einer Tumorerkrankung in der Mund-Kiefer-Region größere Verluste an stabilem Knochen vorliegen. Hinzu kommt, dass nicht problemlos aus anderen Körperregionen eigener Knochen entnommen und als Unterstützung in den Mundbereich transplantiert werden kann. Wie die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) kürzlich darstellte, bietet die Weiterentwicklung der Medizintechnik hier allerdings immer mehr Möglichkeiten, eine solche Herausforderung erfolgreich zu behandeln – beispielsweise durch den Einsatz von dreidimensionalen bildgebenden Programmen, wie sie oft in größeren Praxen und Zentren zur Verfügung stehen. Hier können bereits digital der verloren gegangene Knochen und das Weichgewebe wieder „aufgebaut" werden, die gewonnenen Daten liefern – herausgestellt – eine Art Schablone, wie das zu transplantierende Gewebe geformt sein muss. In einzelnen Kliniken gibt es zudem bereits erste Verbindungen zu Implantatherstellern, die aufgrund der Daten individuell hergestellte Implantate produzieren. Die Innovationen verbessern schwerst erkrankten oder verletzten Menschen die Chancen, in absehbarer Zeit wieder essen und besser sprechen zu können.

Weltbevölkerung: Zahnprobleme ohne Gesundheitsvorsorge

Rund 3,5 Milliarden Menschen weltweit, so eine aktuelle Veröffentlichung einer Gruppe internationaler Wissenschaftler, leiden demnach unter verschiedenen Zahn- und Munderkrankungen von Karies bis Mundkrebs. Es gebe keine weltweit agierende Gesundheitspolitik, die sie davor bewahre. In vielen Ländern stünde zudem eher die Behandlung im Fokus der Zahnärzteschaft und der regionalen politischen Konzepte und weniger die Vorbeugung. Gebe es vorbeugende Angebote seitens der Gesundheitspolitik, seien diese meist auch noch von allgemeiner Gesundheitsvorsorge abgekoppelt, wie die Ärzte Zeitung vor wenigen Wochen berichtete. In den Blickpunkt genommen wurden auch Produkte: Während die Menschen zum Schutz ihrer Zähne eine Vielzahl von Produkten einkaufe, reduziere sie keineswegs gleichermaßen den Einkauf zahnschädigender Produkte wie Zucker und kohlenhydratreiche Lebensmittel bzw. zahnschmelzschädigende Säuren. Der hohe und ansteigende Zuckerkonsum sei gerade in weniger entwickelten Regionen der Erde ein stark ansteigendes Problem. Die Wissenschaftler merkten an, dass viel in Hightech investiert werde – aber viel zu wenig in effektive Vorsorge.

Immer wieder ein Thema: Fluorid-Tabletten

Seit vielen Jahren diskutieren Kinderärzte und Zahnärzte, aber auch viele Eltern, welcher Weg der Fluoridierung der richtige ist: Ziel ist, die Milchzähne durch Fluorid-Gaben gegen Karies widerstandsfähiger zu machen. Zur Auswahl stehen Fluorid-Tabletten, die systemisch wirken (also über die Aufnahme durch den Körper – ein Weg, den vor allem Kinderärzte bevorzugen), und Fluorid-Zahnpasten, die lokal wirken (also an Ort und Stelle direkt auf dem Zahn – der richtige Weg aus Sicht der Zahnärzte). Beides zu kombinieren wäre zuviel – da sind sich alle Fachexperten einig. Auch darin, dass Fluoride wirken und in der normalerweise aufgenommenen Konzentration nicht giftig sind. Wer sich für die Tabletten-Variante entscheidet, hat dabei die Qual der Wahl – eine Herausforderung, der sich kürzlich die Zeitschrift Ökotest widmete. Sechs der getesteten Präparate schnitten mit „sehr gut" ab und drei mit „mangelhaft". Die empfehlenswerten weisen die altersgemäß empfohlene Menge Fluorid auf und geben in den Hinweisen auch an, bis zu welchem Alter die Gabe den Empfehlungen der Kinderärzte entspricht. Ab drei Jahren, so Ökotest, sei ohnehin Schluss mit Tabletten und der Wechsel zur fluoridhaltigen Zahnpasta angezeigt. Ein Switch, den Eltern gar nicht erst machen müssen, die von Anfang an der zahnärztlichen Empfehlung zu altersgerechter „lokaler Fluoridierung" über die Kinderzahnpasta folgen.

Pubertät: auch für die Zähne eine Herausforderung

Wie die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) vor wenigen Tagen mitteilte, ist die Lebensphase Pubertät oft eine Belastung für die Mundgesundheit – und das in einem Alter, in dem die bleibenden Zähne oft gerade erst herausgekommen sind. Die noch eher neuen „Bleibenden" stehen recht eng zusammen, viele der Jugendlichen tragen zudem kieferorthopädische Geräte (z.B. Zahnspangen) – und sie ernähren sich oft zahn-ungesund mit Chips, Softdrinks, Zwischendurch-Snacks und Süßigkeiten. Die Bundeszahnärztekammer weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch Burger & Pizza mit ihrem hohen Kohlenhydrate-Anteil von den Mund-Bakterien in zahnschädigende Säuren umgewandelt werden: Werden die entsprechend belasteten Zahnbeläge, auch zwischen den Zähnen, nicht regelmäßig entfernt, entwickeln sich schnell Vorstufen von Karies und weitergehende Zahn- und Zahnfleischzerstörungen. Problematisch sei auch, so BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, dass in der Zeit der Pubertät das Interesse vieler Jugendlicher an „gewissenhafter Pflegeroutine" gering ausgeprägt sei. Die Zahnärzteschaft hoffe, die Präventionserfolge aus dem Kindesalter (vier von fünf 12-Jährigen sind völlig kariesfrei) ins Erwachsenenalter hinüberretten zu können und motiviert Jugendliche und ihr Umfeld, bei aller „Pubertät" die Zahngesundheit im Blick zu behalten.

Implantate: immer selbstverständlicher

Um rund eine Million ist die Anzahl der jährlich gesetzten Zahn-Implantate in den letzten 20 Jahren angestiegen –von damals etwa 380.000 auf mittlerweile 1,3 Millionen, wie Prof. Dr. Frank Schwarz, Past-Präsident der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) laut einem aktuellen Zeitungsbeitrag sagte. Genau ermitteln lassen sich die Implantatzahlen nicht, aber hochrechnen aus den Veröffentlichungen entsprechender Hersteller. In diesem Zeitraum, so die genannten Experten in dem Zeitungsbeitrag, ist die Implantologie als selbstverständliche Zahnersatz-Variante bei der Bevölkerung „angekommen", auch deshalb, weil sich Verfahren und Materialien kontinuierlich verbessert haben und auch weiterhin optimieren: Einerseits stehen für Patienten mit Titan-Problematik inzwischen auch immer bessere Keramikimplantate als Alternative zur Verfügung, für nicht ganz so optimalen Platz im Mund auchverschiedene Größen und Formen –und andererseits ist auch die Erfahrung der Implantologen um ein Vielfaches gestiegen, so dass heute auch Patienten versorgt werden können, für die das vor 20 Jahren noch als eher riskant galt. Nach wie vor gibt es aber gesundheitliche Einschränkungen, wann Zahnersatz lieber anders als implantatgetragen geplant werden sollte: Deshalb, das betont auch die DGI immer wieder, ist die Beratung und Behandlung in einer implantologisch erfahrenen Praxis der richtige Weg

Schlaf-Atem-Störung: Zungenschrittmacher kann helfen

Wer nachts nicht nur schnarcht, sondern auch Atem-Aussetzer (Schlaf-Apnoe) hat, trägt ein großes Gesundheitsrisiko in sich: der Blutdruck steigt meist an, es drohen oft Herzinfarkt und Schlaganfall und auch eine Verschlechterung des Diabetes. Um so wichtiger also, dass die Atemstörung durch technische Lösungen gelindert wird. Laut einem Kongress von Ärzten aus dem Bereich Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Kopf-und-Hals-Chirurgie leiden rund zweieinhalb Millionen Menschen hierzulande unter einer Schlaf-Apnoe. Bemerkenswert gute Ergebnisse zeigten, so die Wissenschaftler bei der Tagung, sogenannte Zungenschrittmacher. Sie werden implantiert, unter die Haut im Brustbereich. Über ein Kabel ist das Gerät mit einem speziellen Nerven verbunden, der die Bewegungen der Zunge kontrolliert. Das Gerät wird nur für die Schlafzeit eingeschaltet. Dabei aktiviert der Schrittmacher die Zunge und hindert sie daran, bei schlafbedingtem Erschlaffen der Muskulatur in den Rachen zu rutschen. Die Studie zeigte nicht nur eine Verbesserung der Insulinwerte bei den untersuchten Patienten, sondern auch eine positive Auswirkung auf das Tagesverhalten: Der oft bei Schlaf-Apnoe einhergehende Hunger, eigentlich eher der psychologische Bedarf der Patienten nach Essen, wurde deutlich gemindert. Da viele Schlaf-Apnoe-Patienten auch übergewichtig bis stark übergewichtig sind, erhoffen sich die Wissenschaftler auch gesundheitsförderliche Wirkungen auf das Ernährungsverhalten und das Gewicht. Ob und wie der Zungenschrittmacher zum allgemeinen Einsatz über Studienphasen hinausgelangt, ist noch nicht geklärt – diesbezüglich laufen weitere Untersuchungen.

Kinderzahnpasta: von Reiskorn bis Erbse

Nachdem in den USA und in anderen europäischen Staaten aufgrund von entsprechenden Studien der Anteil an zahnschützendem Fluorid in Kinderzahnpasten längst erhöht ist, steht jetzt auch Deutschland vor dieser Umstellung. Hinter dieser Entwicklung steht die präventionsorientierte zahnmedizinische Wissenschaft, die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde, die Bundeszahnärztekammer und die Zahnärzteschaft im öffentlichen Dienst. Grund sind Untersuchungsergebnisse, die zeigen, dass die bisher niedrige Fluoridkonzentration bei den Milchzähnen im Vergleich zu Fluorid-Wirkung in Zahnpasten bei bleibenden Zähnen zu gering ausfällt. Neu ist die Empfehlung, dass mit der neu dosierten Kinderzahnpasta (Fluorid 1.000 ppm statt bisher 500 ppm) ab „Durchbruch des ersten Milchzahnes bis zum 2. Geburtstag zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge geputzt werden" soll, so die aktuelle Presseinformation, „danach mit einer erbsengroßen Menge." Ab 6. Geburtstag sei dann auf eine sogenannte Junior-Zahnpasta umzusteigen. Tipp der Experten: Mit Zahnputzliedern oder Zahnputzuhr steige der Spaßfaktor fürs Zähneputzen bei den Kindern (in jungen Jahren müssen die Eltern putzen, die Kinder dürfen nachputzen). Auch auf eine gesunde und zuckerarme Ernährung sei zu achten.

Zahnersatz: regional unterschiedliche Inanspruchnahme

Wie sich dem aktuellen BARMER ZAHNREPORT entnehmen lässt, gibt es in Deutschland deutliche Unterschiede bei der Inanspruchnahme des Angebotes. Während beispielsweise im Saarland rund 65 % der in die Studie einbezogenen Patienten Prothetik anfertigen ließen, waren es in Sachsen rund 77 %. Auch bei den Kosten für den Zahnersatz zeigten sich Unterschiede: Im Schnitt lagen die mittleren Kosten im Saarland bei rund 171 Euro und in Berlin bei rund 205 Euro. In allen neuen Bundesländern liegt die Inanspruchnahme von Zahnersatzleistungen im Mittel höher (76,1 %) als in den alten Bundesländern (70,4 %).

Implantat-Nachsorge: Teamarbeit

Zahnersatz soll möglichst lange halten und gut aussehen, ist der Wunsch der meisten Patienten – was sie bei entsprechenden Umfragen leicht aus dem Blick verlieren, hat Dentalhygienikerin Christin Damman in einer Artikelserie für eine zahnärztliche Wochenzeitung herausgearbeitet: die biologische Mundgesundheit der Region, in der der Zahnersatz seinen Dienst tut. Besonders betrifft dies implantatgestützte Prothetik. Hier müssen Patient und Praxisteam gemeinsam darauf achten, dass der natürliche Biofilm, das Zusammenspiel verschiedener Bakterienfamilien auf der Mundschleimhaut, am Zahnfleisch und in möglichen Zahnfleischtaschen möglichst ausgewogen und gesund bleibt und nicht in einen infektionsauslösenden Status kippt. Dazu sind in mit der Praxis abgestimmten Zeitabständen Kontrolluntersuchungen notwendig, die auch zeitintensiv sein können, bis alle notwendigen Untersuchungen erfolgt, notiert und ausgewertet sind. Unter anderem muss berücksichtigt werden, ob es beim Patienten eine neue Erkrankung gibt oder eine bestehende wie ein Diabetes mellitus sich verschlechtert hat. Auch neue Medikamente können einen Einfluss haben, beispielsweise die Menge an Speichel reduzieren und damit das Gleichgewicht des Biofilms stören. Überprüft werden muss auch, da die Entwicklung meist unsichtbar und schmerzfrei verläuft, ob sich „Zahntaschen" neu gebildet oder bestehende in ihrem Ausmaß vergrößert haben. Entsprechend richtet sich die Behandlung aus. Die biologische Gesundheit des Mundes hat, so die Autorin des Beitrags, einen erheblichen Einfluss auf die Haltbarkeit des Zahnersatzes.

Zähneknirschen: Krankheit oder nicht?

Rund 20 % aller Deutschen knirschen mit den Zähnen oder pressen die Kiefer zu fest aufeinander. Das hat Folgen für die Gesundheit von Zähnen, Zahnfleisch, Kieferknochen, Muskulatur und Kiefergelenke. Die wissenschaftliche Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) stellte in einer Pressemitteilung kürzlich dar, dass die Funktionsstörung Bruxen, also das Knirschen, Pressen und andere Fehlfunktionen, nicht selbst als Krankheit gewertet wird, allerdings zu Folgen führt, die zur Bezeichnung Krankheit durchaus berechtigen und insofern einer intensiven Behandlung bedürfen. Zusammen mit rund 30 anderen Fachgesellschaften hat die DGFDT aktuell eine modernisierte Behandlungsleitlinie herausgegeben. Der ist auch zu entnehmen, dass in manchen Fällen das Bruxen auch gesundheitsförderlich ist – gewisserweise als Ventil für Angst und Stress und weitere Belastungen. Manchmal ist Bruxen auch Folge von übermäßigem Einsatz von Alkohol und Drogen. Entsprechende Behandlungsangebote in der Zahnarztpraxen können die Zähne und die biologischen Strukturen im Mund bei belastenden Funktionsstörungen schützen beziehungsweise entlasten.

Zahnpasten: Fluorid und Inhaltsstoffe

Fluorid in der Zahnpasta verträgt sich nicht unbedingt mit allen Inhalts- und Hilfsstoffen, die einer Zahnpasta zugefügt werden: Zu diesem Schluss kommt ein Wissenschaftler-Team am Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten-Herdecke in einem Artikel für eine große deutsche zahnärztliche Wochenzeitung. Zahnpasten seien bis zu einem Maximalanteil an Fluorid Kosmetika und nicht Arzneimittel. Bei Kosmetika könnten viele verschiedene Zusatzstoffe zugefügt werden, diese sind auf der Verpackung aufgeführt. Solche Inhaltsstoffe sorgen dafür, dass die Zahnpasta cremig ist, gut schmeckt und eventuell auch noch gut aussieht (Farbstoffe) sowie haltbar ist (Konservierungsstoffe). Manche Inhaltsstoffe wie Zinksalze dienen der Vorbeugung von Infektionen und Mundgeruch. Darauf geachtet werden muss allerdings, dass alle hilfreichen oder die Anwendung fördernden Inhaltsstoffe den wichtigsten Bestandteil einer Zahnpasta nicht deaktivieren: das Fluorid. Kalziumcarbonat beispielsweise gehöre zu den diesbezüglich als kritisch zu wertenden Inhaltsstoffen. Dass die richtige Zusammensetzung eine „Wissenschaft für sich" ist, zeigt sich beim Inhaltsstoff Arginin. Hier komme es, so die Forscher, darauf an, was außer Arginin noch in der Zahnpasta enthalten ist: Von sehr guter Wirkung bei sehr empfindlichen Zähnen bis zu einer Wirkungseinschränkung des Fluorids haben sich viele Varianten gezeigt. Zudem können Zahnpasten mit sogenannten anionischen Tensiden die Wirksamkeit einer antibakteriellen Mundspülung mit Chlorhexidin reduzieren. Art und Verwendung von Zahnpasten sollte am besten mit dem Zahnarzt und dem Prophylaxe-Team der Praxis besprochen werden.

Zahnersatz: Regelversorgung bewährt, aber seltener

Wie die BARMER nach Auswertung ihres diesjährigen „Zahn-Reports" vor Kurzem mitteilte, ist der Anteil der Bevölkerung in Deutschland über 18 Jahre, der mit neuem Zahnersatz versorgt wird, in den letzten drei Jahren um 8 % zurückgegangen. Grund dafür sei die bessere Mundgesundheit der Menschen hierzulande. Deutlich wurde aber auch, dass der Anteil der sogenannten „Regelversorgung" an der Gesamtversorgung mit Zahnersatz sinke. Das mache deutlich, dass der Gemeinsame Bundesausschuss, der für die Übernahme von Behandlungen seitens der gesetzlichen Krankenkassen die Vorgaben entwickelt, die Regelversorgung überprüfen und an moderne Kriterien anpassen müsse. Patienten bräuchten eine zeitgemäße Grundlage für die Wahl ihrer Zahnersatz-Versorgung. Während die Kosten für die Regelversorgung (Behandlung gemäß Leistungskatalog der Kassen) am geringsten anstiegen, wuchs der Bedarf an Zahnersatz in Form einer „gleichartigen Versorgung".  Hier gäbe es Unterschiede nur in Feinheiten. Zu den Auswahlmöglichkeiten gehört noch die „andersartige Versorgung" (zum Beispiel implantatgestützter Zahnersatz), für die es einen Festzuschuss seitens der Kasse gibt, während die Restkosten vom Patienten oder einer Zahnzusatzversicherung beglichen werden. Wer Haltbarkeit und Kostenaspekte in den Vordergrund stelle, so das Expertenteam der Kasse, für den sei beispielsweise bei Zahnkronen und bestimmten Zahnersatzvorstellungen die Regelversorgung eine sinnvolle Lösung.

Elektrische Zahnbürsten: Sieger im Test

Ein zahnmedizinisches Wissenschaftlerteam an der Universität Greifswald hat sich der vieldiskutierten Frage angenommen, ob eine elektrische Zahnbürste oder eine Handzahnbüste besser ist für die langjährige Mundgesundheit. Über einen Zeitraum von 11 Jahren wurde bei über 2800 Studienteilnehmern ein Zusammenhang von Mundhygieneverhalten und Mundgesundheit überprüft. Das Ergebnis: Elektrische Zahnbürsten sorgten für rund ein Fünftel weniger Zahnverlust bei den Probanden. Dabei zeigte sich, dass der Anteil der elektrischen Zahnbürsten im Untersuchungszeitraum bei den Studienteilnehmern deutlich stieg – von 18 % am Studienanfang auf 37 % bei Studienende. Elektrische Zahnbürsten seien bei der Bevölkerung zwischenzeitlich deutlich beliebter geworden, so die Wissenschaftler. Für diesen Trend sprächen auch die Ergebnisse der Studie: Nutzer elektrischer Zahnbürsten wiesen weniger riskante Zahnfleischtaschen auf und hatten einen gesünderen Zahnhalteapparat. Zudem eigneten sich elektrische Zahnbürsten auch besonders gut für Menschen in höherem Alter beziehungsweise bei eingeschränkter Fähigkeit, eine Handzahnbürste sorgfältig einzusetzen. Was sich dagegen nicht zeigte: ein Effekt auf die Vermeidung von Karies. Das Resümee der Forscher dazu: Hier sei vor allem das Fluorid aus der Zahnpasta hilfreich – nicht die Art der verwendeten Zahnbüste.

Mundschutz: lieber Individuell

Bei Kampf- und Gruppensportarten wie Boxen oder Fußball, aber auch bei Rennsportarten durch Stürze kann es schnell zu riskanten Zahnverletzungen kommen. Nicht zuletzt für Kinder wird im Handel eine Anzahl vorgefertigter Mundschutz-Schienen angeboten. Dass man diese besser individuell anfertigen lassen sollte, dazu informierte kürzlich der Mundgesundheitsinformationsdienst „proDente". Rund 15 % aller Zahnunfälle ereignen sich demnach beim Sport. Wie Untersuchungen zeigen, kann individuell gefertigter Mundschutz die Verletzungsrate um 60 % reduzieren. Schlechtsitzender konfektionierter Mundschutz erschwert oft das Atmen und Sprechen und senkt die Leistungsfähigkeit. Dabei geht es nicht nur um den Schutz vor Schäden an den Zähnen: Eine maßgefertigte Schiene schützt auch Lippen, Zunge, Ober- und Unterkiefer und nicht zuletzt die Kiefergelenke. Angefertigt wird der individuelle Zahnschutz in Zusammenarbeit von Zahnarzt (Abdruck und Einsetzen/eventuelles Anpassen) und Dentallabor (Schienenfertigung). Eine entsprechend angefertigte Schiene besteht aus dem Verbund verschiedener Materialien, die einerseits elastisch genug sind, um Stöße abzufedern, andererseits fest genug, um die bei Aufprall entstehenden Kräfte auf eine größere Fläche zu verteilen. Auf Wunsch kann das Dentallabor auch ein Vereinslogo, einen Namen oder Bilder einarbeiten. Ob der individuelle Mundschutz noch immer gut passt oder angeglichen werden muss, sollte bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in der Zahnarztpraxis geprüft werden.

Mundhygiene: zwischen Information und PZR

Viel beachtet und in den Medien diskutiert wurde eine aktuelle Veröffentlichung der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Parodontologie, die angeblich eine professionelle Zahnreinigung (PZR) als überflüssig dargestellt habe. Dem Eindruck widersprach die Fachgesellschaft entschieden mit einer Klarstellung im Frühsommer. Demnach gebe es zwar in der Tat eine Personengruppe, die eher von einer sorgfältigen Mundhygieneanleitung als von einer PZR profitiert: junge Menschen mit gesundem Zahnfleisch und Zahnbett, die in der Lage sind, eine sorgfältige Mundhygiene selbst durchzuführen. Eine PZR bringe dieser Personengruppe keine weitere zusätzliche Verbesserung. Da nach dem 18. Lebensjahr die Kosten für eine PZR in der Regel selbst zu tragen sind, sei hier für diesen Personenkreis die Maßnahme zu hinterfragen. Generell sei eine immer wieder aufgefrischte Mundhygiene-Instruktion in allen Lebensphasen wichtig, da sich gelegentlich Umstände ergeben, die Auswirkungen auf die Mundgesundheit haben. Für alle Patienten, die mit Zahnfleisch- und Zahnbetterkrankungen zu tun haben – und das betrifft laut Fünfter Deutscher Mundgesundheitsstudie rund zwei Drittel der Menschen im Erwachsenenalter – sind sowohl Instruktion als auch PZR mindestens einmal jährlich sinnvoll sowie in Fällen höhergradiger Erkrankung zudem eine reguläre systematische Therapie.  Aufgrund der mittlerweile vielfältig erkannten Zusammenhänge zwischen parodontalen Infektionen und Allgemeinerkrankungen kommt einer professionellen Mundhygiene im Gegenteil zur medialen Darstellung sogar eine erhöhte Bedeutung zu.

Schulkakao: Zahnärzte begrüßen Einschränkungen

Insbesondere Zwischenmahlzeiten, nach denen keine Mundhygiene erfolgen kann, sind für die Zähne eine größere Belastung: Enthalten die Snacks in flüssiger oder fester Form Säuren oder Zucker, haben diese ausreichend Zeit, den Zahnschmelz anzugreifen. Zu solchen Zwischenmahlzeiten gehören auch die Lebensmittel, die in den Schulpausen verzehrt werden. Nun hat auch das Verbraucherschutz-Ministerium in Nordrhein-Westfalen als letztem Bundesland beschlossen, dass zu Beginn des neuen Schuljahres zuckerhaltige Milchprodukte nicht mehr finanziell bezuschusst werden. Die Zahnärzteschaft in Nordrhein begrüßt diesen Schritt sehr, wie sie in einer kürzlich versandten Presseinformation mitteilte. Der Berufsstand fordere bereits seit langem eine gesündere und hier vor allem zuckerreduzierte Verpflegung der Kinder in Kitas und Schulen. Es sei eine weitere Aufgabe, auch die Eltern entsprechend zu überzeugen, die ihren Kindern Pausensnacks mit auf den Weg geben – oder Geld für Gebäck oder Brötchen. Die Ernährung von Kleinkindern und Kindern sei größtenteils fremdbestimmt – hier müssten zum Schutz der Kindergesundheit noch weitere Anstrengungen erfolgen.

Gurgeln: Zeitbedarf beachten

Wer nicht zur Erfrischung und zur Unterstützung der Mundhygiene Mundwässer benutzt, sondern zur Keimreduktion und Entzündungs-Vorbeugung oder -Behandlung medizinisch wirksam Mundspüllösungen, sollte diese ausreichend langen einwirken lassen – so das Apotheken-Journal „Apotheken Umschau" in seiner Juni-Ausgabe. Die Fachexperten empfehlen dabei eine Wirkdauer von mindestens einer Minute, damit sich die entzündungshemmende bzw. desinfizierende Wirkung überhaupt entfalten kann. Diese notwendige Mundspüldauer fiele, so das Journal, insbesondere Kindern oft nicht leicht. Es sei daher sinnvoll, die Einwirkzeit mit einer Stoppuhr zu kontrollieren. Damit die Wirkung nicht gleich wieder zerstört wird, ist es wichtig, nach der Mundspüllösung nicht gleich den Mund mit Wasser auszuspülen oder die Zähne zu putzen. Auch Essen und Trinken direkt im Anschluss an das Gurgeln oder Mundspülen sollte man lassen.  Weitere Hinweise zur Nutzung erhält man in seiner Apotheke oder seiner Zahnarztpraxis.

Zahnunfall: Tipps für verbreitetes Risiko

Fast jedes zweite Kind erlebt in den ersten 15 Lebensjahren einen Zahnunfall, teilte der Mundgesundheitsinformationsdienst „proDente" vor wenigen Tagen mit.  Zumeist passiert der Zahnschaden bei Sport oder einfach Herumtoben in Freizeit, Schule oder Verein. Die Folgen von Stürzen oder Stößen reichen demnach von leichten Rissen im Zahnschmelz bis hin zu abgebrochenen Zahnecken oder gar dem Verlust des ganzen Zahnes. Während bei kleineren Kindern den verletzten Milchzähnen – bei entsprechender Behandlung durch den Zahnarzt – meist gesunde „Zweite" folgen, müssen ältere Kinder und Jugendliche mit den Folgen solcher Zahnschäden an ihren „Bleibenden" ins Erwachsenenleben gehen. Da insbesondere die oberen Schneidezähne betroffen sind, hat der Unfall auch ästhetische und damit oft auch seelische Konsequenzen. Insofern macht es Sinn, wenigstens zu versuchen, einen ausgeschlagenen Zahn wieder zurück an seinen Platz zu bringen: ihn zu re-implantieren. Das kann gelingen, wenn der ausgeschlagene Zahn gefunden und möglichst schnell in einer sogenannten Zahnrettungsbox aufbewahrt wird und das verunfallte Kind rasch zu einem Zahnarzt gebracht werden kann. Hat man keine Zahnrettungsbox dabei, erhält man sie in der Regel in der nächst erreichbaren Apotheke, zudem sind Standorte unter https://toothrescueconcept.info aufgelistet. Wichtige Verhaltenstipps: nicht die Zahnwurzel berühren, den Zahn nicht sauberwaschen oder trocken lagern.  In einer Zahnrettungsbox bleiben die fürs Wiedereinsetzen wichtigen Zellen rund 48 Stunden lang erhalten. Steht keine zur Verfügung, kann notfalls kalte Milch, Frischhaltefolie oder eine Kochalzlösung aus der Apotheke helfen, die Zellen zu erhalten. Problem: Die Alternativen helfen nur ein Zeitfenster von rund einer halben Stunde zu überbrücken.

„Quetschies“: Riskant für die Kinderzähne

Wie das Bundeszentrum für Ernährung kürzlich mitteilte, erweisen sich Untersuchungen zufolge die Fruchtbrei-Angebote in „Quetschbeuteln" als Risiko für die Entwicklung einer Milchzahnkaries. Einerseits ist die Aufnahme des enthaltenen Früchte-Muses über die zentrale Öffnung der Tütchen eine ebenso große Belastung insbesondere für die Frontzähne wie eine übermäßige Nutzung von Nuckelflaschen: Die aufgenommene Nahrung bzw. Flüssigkeit berührt konzentriert vor allem die Vorderzähne. Andererseits ist der Inhalt selbst relevant: Die Fruchtmasse greift über den enthaltenen Fruchtzucker den empfindlichen Zahnschmelz der Milchzähne an. Weiterhin wird, so der Informationsdienst, beim Nuckeln an Fläschchen und „Quetschies" anders als beim Essen und Kauen von Obst in seiner natürlichen Form die Kaumuskulatur nicht ausreichend trainiert. Dies ist aber wichtig, um eine natürliche Zahn- und Kieferform mit gesunder Muskulatur zu entwickeln. Auch das Sprechen hängt mit der Mundmuskulatur zusammen. All diese natürlichen Entwicklungen werden ausgebremst, wenn der Mund nicht wie vorgesehen Essen, Kauen und Beißen muss, sondern flüssige und breiförmige Nahrung nur noch geschluckt wird.

Schlaganfall: die Rolle guter Mundhygiene

Anlässlich des diesjährigen bundesweiten „Tag gegen den Schlaganfall" gab die Deutsche Schlaganfall-Hilfe der Bevölkerung zahlreiche Informationen, wie ein Hirninfarkt vermieden werden könnte. Dazu gehörte auch der Hinweis, dass eine gute Mundgesundheit das Auftreten eines Schlaganfalls verhindern können. Insbesondere, so zeige eine aktuelle amerikanische Studie, spielt die Zahnbettentzündung (Parodontitis) eine Kern-Rolle: Die bakterielle Infektion des Zahnbettes bleibt nicht vor Ort, sondern die Entzündungskeime wandern über die Blutbahn durch den ganzen Körper. Der Studie zufolge hatten Patienten mit Parodontitis in fortgeschrittenem Zustand im Studienzeitraum von 15 Jahren häufiger einen Schlaganfall als Vergleichs-Patienten ohne Zahnbettentzündung. Vermutlich zeigt sich der Zusammenhang von Parodontitis und Schlaganfall durch die bereits bekannte Beschleunigung von Gefäßbelastungen wie Arteriosklerose durch die wandernden Zahntaschen-Bakterien: Sie forcieren die Entwicklung von Gefäßverengungen und können im weiteren Verlauf zu einem Verschluss des Gefäßes führen. Damit gehört nachgewiesen die Mundgesundheit neben anderen Faktoren wie beispielsweise Bluthochdruck und Diabetes zu den Risiken, die einer regelmäßigen Kontrolle bedürfen. Entsprechend auch das Resümee der Schlaganfall-Hilfe: Sie rät zu regelmäßiger professioneller Zahnreinigung (PZR), die das Schlaganfall-Risiko um 50 Prozent reduzieren könne.

 

Wettkampfsport: gute Zähne wichtig

Wie der Weltzahnärzteverband FDI kürzlich in einer Informationsreihe veröffentlichte, sollten Wettkampf-Sportler intensiv auf ihre Zahn- und Mundgesundheit achten. Beispielsweise kann ein akutes Kariesproblem oder ein Zahnfleischabszess nicht nur die Leistung des Sportlers erheblich beeinträchtigen, sondern auch zu einer Verhinderung der Teilnahme am Wettkampf führen. Die FDI erinnert auch daran, dass Stress zu Mundtrockenheit und einem erhöhten Risiko für eine Karieserkrankung führt ebenso wie die erhöhte Aufnahme zucker- und säurehaltiger Energie-Getränke, die bestehende leichte Zahnschäden in kurzer Zeit vergrößern können. Insbesondere bakterielle Mundinfektionen belasten das Immunsystem und auch das Wohlbefinden, das für Leistungserfolge wesentlich ist.  Bei manchen Sportarten sollte auf Mundschutz nicht verzichtet werden, um dem Abbruch des Wettkampfes durch Zahnverletzungen vorzubeugen. Insbesondere  Wettkampfsportler sollten die ohnehin geltenden Regeln für regelmäßige Zahnkontrolluntersuchungen und die fundierte Mundhygiene zuhause mit ausreichend Fluorid-Zufuhr zum Beispiel über Zahnpasta dringend einhalten, so die FDI, und die Gelegenheit wahrnehmen, mit zahnärztlicher Unterstützung mögliche Leistungseinschränkungen zu vermeiden.

Studie: Amalgam und Schwangerschaft

Bereits seit dem 1. Juli 2018 empfiehlt eine entsprechende EU-Verordnung, das Zahnfüllungsmaterial Amalgam bei Schwangeren und Stillenden, bei Milchzähnen und bei Kindern unter 15 Jahren besser zu vermeiden und durch eine Alternative zu ersetzen. Dem Thema mit Fokus auf Schwangerschaft hat sich eine Studie in Norwegen gewidmet, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden. Demnach ist vor allem die Anzahl der Füllungen bei Schwangeren im Zeitraum rund um die Geburt ein Risiko für Gesundheitsbelastungen. Spürbare Folgen zeigten sich bei einer Gesamtzahl an Amalgam-Füllungen bei 13 behandelten Zähnen. Weitere mögliche Risiken wie Übergewicht, Rauchen, Alkohol und andere waren zuvor ausgeblendet worden. Während sich diese Studie den Folgen für die Schwangere selbst widmete und erstmals einen direkten Zusammenhang darstellte, zeigten andere Studien schon früher einen möglicherweise belastenden Einfluss auf die Gesundheit des werdenden Kindes. Alternative Füllungsmaterialien stehen heutzutage in größerer Vielfalt zur Verfügung – was im individuellen Fall das Beste für Mutter und Kind ist, können Patienten in ihrer Zahnarztpraxis erfragen.

Umfrage: Mundgeruch besonders peinlich

Bei einer ärztlich ausgerichteten online-Umfrage zum Thema Peinlichkeiten zeigte sich, so eine aktuelle Veröffentlichung der Ergebnisse in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift, dass den befragten Menschen starker Mundgeruch, ebenso wie Achselgeruch, am peinlichsten ist. Auch an zweiter Stelle kommt der Mund vor: sogenannte „schlechte Zähne" und Zahnbetterkrankungen wie schwindendes Zahnfleisch stören fast ebenso viele Menschen. Auf den weiteren Plätzen landeten übermäßiges Schwitzen, Blähungen und Läuse. Der Umfrage zufolge sind Frauen solche „Peinlichkeiten" deutlich unangenehmer als Männern (Frauen: 42 %, Männer: 28 %). Es zeigte sich auch, dass als peinlich empfundene Gesundheitsstörungen nicht selten Einfluss auf das Berufsleben und die Lebensqualität haben, so gab eine Befragte auch an, ihre Gesangskarriere aufgrund der „schlechten Zähne" aufgegeben zu haben. Es zeigte sich zudem, dass das Gespräch darüber sowohl mit dem Partner/der Partnerin als auch mit dem Arzt/der Ärztin fast jedem zweiten Befragten schwer fiel – im Gegensatz zu einem Gespräch mit Praxismitarbeitern wie beispielsweise einer Zahnmedizinischen Fachangestellten oder auch den Apothekern.  

Mundtrockenheit: komplizierte Diagnostik

Fühlt sich der Mund trocken an, ist das nicht nur lästig: Der mangelnde Speichelfluss gefährdet beispielsweise die Gesundheit des Zahnschmelzes und erhöht das Karies-Risiko. Patienten sollten daher, wenn sie erste Anzeichen dafür bemerken, ihren Zahnarzt darauf ansprechen. Wie ein Fachbeitrag in der Rheinischen Post vor wenigen Wochen deutlich machte, kann die Ursachensuche mühevoll werden und auch die Einbeziehung der Erfahrung anderer Fachärzte, im Fall gestörter Nasenatmung beispielsweise aus dem Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, notwendig machen. Etwas detektivisches Gespür ist bei der Suche nach dem Grund durchaus nötig, denn nicht nur körperliche Erkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente können zu Mundtrockenheit führen, sondern auch die Seele. Bekannt ist, dass Stress bei einer Rede vor Publikum den Speichelfluss im Mund reduzieren kann – der Redner muss dann etwas trinken, damit er richtig sprechen kann. Die Frage, ob man selbst öfter etwas trinken muss, damit sich der Mund normal anfühlt, ist deshalb eine, die man sich hin und wieder stellen sollte: Ist das der Fall, wäre dies ein Hinweis auf ein zu planendes Gespräch mit dem Zahnarzt.

„Kreidezähne“: Bisphenol A vermutlich nicht Auslöser

Seit die ersten und sich erheblich häufenden Fälle an „Kreidezähnen" bei den Kindern auftraten, wird intensiv nach den zuständigen Ursachen geforscht. Dabei geraten auch immer wieder sogenannte Umwelt-Chemikalien in den Blickpunkt, die in der Alltagswelt der Kinder eine Rolle spielen. Lange Zeit stand diesbezüglich „Bisphenol A" auf der Liste der potentiellen Auslöser. Die Ursachensuche hat Relevanz: Derzeit ist fast jedes dritte 12-jährige Kind von MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, „Kreidezähne") betroffen. Während man nach wie vor keine direkten Auslöser der Zahnbildungsstörung hat festmachen können, rutschen erste „Hauptverdächtige" aufgrund weiterer Untersuchungen gerade wieder eher aus dem Zentrum des Verdachts: Wie eine Antwort der Bundesregierung von Mitte Mai 2019 auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/die Grünen darstellte, werde ein direkter Zusammenhang von Bisphenol A und MIH derzeit als eher „unwahrscheinlich" erachtet. Die Bundesregierung bezieht sich dabei auf eine entsprechende Ausarbeitung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BFR). Einig sind sich alle Seiten, dass weitere Forschungsanstrengungen zwingend seien.

Zähne bleichen: auch nach Wurzelkanalbehandlung?

Wissenschaftler der Stockton Universität in New Jersey (USA) sind der Frage nachgegangen, welche Folgen Zähnebleichen (Bleaching) für die Zahngesundheit hat – insbesondere dann, wenn vor dem Bleachen eine Wurzelbehandlung erfolgte. Im Fokus steht dabei Wasserstoffperoxid, das bei der überwiegenden Anzahl an Bleaching-Produkten für die Aufhellungswirkung zuständig ist. Was sich zeigte: Wasserstoffperoxid durchdringt alle Schichten eines Zahnes und lässt Kollagene zerfallen, die zu den Bausteinen des Dentins gehören. Je öfter der Zahn gebleicht wird, umso größer die Anzahl der zerstörten Kollagene. Was sich dabei auch zeigte: Ist der Zahn gesund, ist er in der Lage, über die Zellwachstum steuernde Pulpa (Zahnwurzelgefäße) die Zerstörung mehr oder weniger auszugleichen und den Schaden zu reduzieren. Anders sieht das aus, wenn der Zahn wurzelbehandelt ist: Dann fällt diese Möglichkeit der Regeneration weg. Die Wissenschaftler legen damit die zu bedenkenden Konsequenzen auf den Tisch: Bei wurzelbehandelten Zähnen muss Art und Umfang des Zähnebleichens intensiver bedacht werden.

Frauenärzte warnen Schwangere: Zahngesundheit ernstnehmen

Nicht nur die Zahnärzte, sondern beispielsweise auch die Frauenärzte erachten sorgfältige Mundhygiene und auch intensivierte Kontrolltermine im Zeitraum der Schwangerschaft als notwendig. Wie die Initiative „Frauenärzte im Netz" kürzlich in einer Meldung herausstellte, birgt die hormonell spezielle Situation der werdenden Mütter ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Zahnfleisch- und Zahnbettentzündungen. Die Hormonumstellung führt zu einer Lockerung des Bindegewebes, die Schleimhaut wird durchlässiger, meist sind die Blutgefäße erweitert: Das kann dazu führen, dass Keime leichter in das Gewebe eindringen können. Umso wichtiger ist es, gerade in dieser Lebensphase dafür zu sorgen, dass keimhaltige Zahnbeläge so rasch wie möglich entfernt werden – durch sorgfältige Zahn- und Zahnfleischrand-Reinigung, am besten mit einer weichen Zahnbürste. Etwa im 4. und im 8. Monat mindestens ist eine Zahngesundheitskontrolle empfehlenswert, so die Frauenärzte-Organisation.

Zahnschmerzen: strahlender Schmerz

Wer jemals Zahnschmerzen hatte, weiß: Der Schmerz kann ausstrahlen. Manchmal sind nur Ober- oder Unterkiefer betroffen, manchmal zieht er bis hinauf in die Schläfenregion. Es kann aber auch sein, dass die Ursache des Zahnschmerzes gar nicht im Zahn selbst, in Form einer Karies beispielsweise, zu finden ist: Wie die Initiative proDente, ein zahnmedizinischer Informationsservice, vor Kurzem berichtete, können auch Schmerzen als Begleitsymptome anderer Erkrankungen bis in den Mund ausstrahlen. Es ist demnach gar nicht so selten, dass Brustschmerzen bei Herzinfarkt auch im Kiefer zu spüren sind. Ist die Nasennebenhöhle entzündet, kann der Infekt die Backenzahnwurzeln im Oberkiefer tangieren. Kopfschmerzen, Ohrenentzündung, Gürtelrose, Migräne: Die Liste der Allgemeinerkrankungen, die auch im Mund zu Schmerzen führen können, ist recht lang. Was auch bedeutet: Ein Zahnarzt braucht, wenn zahnbezogene Defekte nicht ganz offensichtlich sind, auch allgemeingesundheitliches Wissen, um die Ursachen des Zahnschmerzes herauszufinden und entsprechend andere Fachkollegen einzubeziehen.

Zahnbettentzündung: kann Ernährung helfen?

Mit einer interessanten Frage befasste sich ein Wissenschaftlerteam des Universitätsklinikums Freiburg: Können Parodontitis-Patienten durch eine Änderung des Ernährungsverhaltens die Entzündung reduzieren und die Heilung der infizierten Bereiche verbessern? Um dies zu prüfen, werteten sie vielfältige Studien aus und veröffentlichten ihr Resümee in einem Fachzeitungs-Artikel. Zu den Empfehlungen gehört demnach der möglichst weitgehende Verzicht auf sogenannte „einfache Kohlenhydrate" (Zucker, Gebäck etc.), da diese auf Umwegen Entzündungen eher fördern. Reduzieren sollte man „gesättigte Fettsäuren" (Frittierfette, Margarine, Wurst etc.), ausbauen dagegen die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren (Seefisch, Leinöl, Walnüsse etc.). Gesundheitsförderlich sind demnach neben ausreichend Ballaststoffen vor allem auch Mikronährstoffe (Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Obst etc.) aus der Nahrung, bei Bedarf ergänzt um zusätzliches Vitamin D (z.B. durch Nahrungsergänzungsmittel). Geachtet werden muss dabei auf eine ausreichende Aufnahme von Vitamin B12, denn ein Mangel steht in Zusammenhang mit Zahnbettentzündungen. Gesunder Tipp der Wissenschaftler für den Sommer: Blaubeeren!

Gute Zähne: guter Schlaf?

Wie eine jüngst veröffentlichte Studie einer japanischen Forschergruppe ergab, liegt ein Zusammenhang von der Anzahl eigener Zähne und gesundem Schlaf nahe. Die Wissenschaftler hatten eine sehr große Anzahl an Senioren (weit über 20.000 Teilnehmer, Durchschnittsalter rund 75 Jahre) mit Blick auf deren Schlafqualität untersucht, da Schlafstörungen in Zusammenhang stehen beispielsweise mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen. Dabei zeigte sich, dass Studienteilnehmer mit weniger als zehn eigenen Zähnen auf deutlich weniger erholsame Schlafzeit kamen als die Vergleichs-Senioren, die Schlafzeit-Differenz lag bei zwei bis drei Stunden. Warum die fehlenden Zähne Einfluss auf die Schlafqualität und –dauer haben, ist bisher nicht erkannt, vermutet wird, dass die fehlenden Zähne Mund und Kiefer beim Schlaf in eine unnatürliche Position bringen und möglicherweise dadurch die Atmung verändern.

Kleinkinder: Fluoridlack zur Prophylaxe

Anfang des Jahres haben Krankenkassen und die Kassenzahnärztliche Vereinigung eine Vereinbarung unterzeichnet, die die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen nunmehr auch für Kleinkinder ermöglicht: Die Krankenkassen tragen dafür die Kosten. Dabei geht es nicht nur um die reine Untersuchung, wie Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung kürzlich in einem Beitrag in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift darstellte, sondern auch um Vorsorgemaßnehmen, die die Zahngesundheit der Kleinkinder schützen. Als Beispiel nannte er die wiederholte Anwendung von Fluoridlack zur Schmelzhärtung. Das Ziel: der Entstehung einer sogenannten „Nuckelflaschenkaries" vorzubeugen. Ein sinnvoller Nebeneffekt des Schmelzschutzes ist, dass auch bereits entstandene erste leichte Schmelzschädigungen quasi wieder „repariert" werden können. So kann ohne Bohren eine beginnende Karies verhindert oder wenigstens deutlich hinausgezögert werden. Ein Anliegen der Zahnärzte ist nicht zuletzt, den Kindern eine Behandlung in Vollnarkose zu ersparen, weil mehrere verfaulte Zähne gezogen werden müssen: Notwendig sei es daher, solchen Entwicklungen durch regelmäßige Kontrolle, richtige Zahnpflege und schützenden Fluoridlack vorzubeugen.

Implantate: Nachsorge immer mit einplanen

Für manche Patienten ist mit dem Einsetzen des implantatgetragenen Zahnersatzes die Behandlung abgeschlossen – eine riskante Haltung, denn das Zahnimplantat ersetzt zwar die verloren gegangene Zahnwurzel in vielerlei Hinsicht, ist aber anders als die natürlichen Zähne eher einer Infektion ausgesetzt. Ist das Gewebe rund um das Implantat entzündet, spricht man von einer „Periimplantitis". Je mehr Implantate pro Jahr in Deutschland gesetzt werden – die DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie geht von rund 1 Millionen eingesetzter Implantate pro Jahr aus – desto größer ist natürlicherweise auch die Anzahl der Patienten, die mit dieser Zahnersatz-Form versorgt wurden. Und damit steigt auch der Kreis der Patienten, die periimplantär erkrankt sind oder ein Risiko für diese Infektion haben. Wie ein Beitrag in einem Fachjournal für zahnärztliche Mitarbeiter kürzlich darstellte, ist vielen Patienten nicht bewusst, dass sie schon vor der Implantation die regelmäßige Nachsorge mit ihrem Zahnarzt besprechen sollten – in welchem Zeitabstand sie notwendig ist, zeigt sich nach der Behandlung und unter Berücksichtigung der individuellen Gesundheitsvoraussetzungen. Es sei, so die Bilanz des Beitrags, auch finanziell erheblich günstiger, einer Infektion vorzubeugen als später aufwändig eine mögliche Korrektur der Implantate vornehmen zu müssen.

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten: genetisch bedingt?

Viel spricht für einen genetischen Hintergrund bei der Entwicklung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte: Das zeigen Forschungsarbeiten einer international zusammengesetzten Arbeitsgruppe, die sich mit der Ursachenerkundung dieser Fehlentwicklung beim Kopfwachstum des ungeborenen Kindes befasst hat. Wie sich bei entsprechenden Versuchen zeigte, stehen Veränderungen (Mutationen) eines speziellen Gens auch mit – allerdings eher seltenen – Fehlbildungen an anderen Körperregionen in Zusammenhang. Hierzulande ist etwa eines von 700 Neugeborenen betroffen, wie eine zahnärztliche Fachzeitschrift Anfang Mai berichtete. Die Folge der Fehlfunktion der spezifischen Gene ist eine Minder-Produktion an Proteinen, die für eine gesunde Entwicklung von Knochen und Weichgewebe und die entsprechende Wachstumsabfolge im Kopfbereich benötigt werden. Da man inzwischen auch weiß, dass Umwelteinflüsse die Funktion dieser speziellen Gene verändern können, erhoffen sich die Wissenschaftler Hinweise darauf, wie der Bildung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten in Zukunft besser vorgebeugt werden kann.

Milchzähne: Pflege zwingend

Immer wieder berichtet die Presse über Fälle, in denen schon sehr kleinen Kindern unter belastender Vollnarkose viele oder alle Milchzähne gezogen werden müssen, weil sie bis zu den Wurzeln abgefault sind. Fachleute wissen: Dahinter steht mangelnde Fürsorge seitens der Erziehungsberechtigten. Diese verweisen oft auf andere „Auslöser", wie gerade erst wieder an einem Fall deutlich wurde, den vor ein paar Tagen ein zahnärztliches Fachjournal aufgriff. Die Mutter eines vierjährigen Jungen, beide in Großbritannien lebend, wurde mit den Worten zitiert, die Zähne ihres Sohnes seien aufgrund seines hohen Konsums an Sojamilch verfault. Immerhin gab sie zu, sich um die Mundhygiene keine Gedanken gemacht zu haben: Milchzähne fielen ja ohnehin aus. Die Zahnärzte wiesen diese Mutter und damit zur Erinnerung auch gleich alle Eltern darauf hin, dass sie Verantwortung tragen für ein möglichst gesundes Aufwachsen ihres Kindes, dazu gehört auch die Mundgesundheit. Eine gesunde Ernährung ebenso wie bedarfs- und altersgerechte Mundhygiene sind zwingend, damit das Kind, das sich nicht selbst helfen kann, umsorgt groß wird. Dem kleinen britischen Jungen wurden 18 Milchzähne gezogen. Eine Katastrophe für seine weitere Zahnentwicklung, denn den bleibenden Zähnen fehlen nun alle „Leitzähne", nach denen sie sich richten.

Implantate: gute Planung Basis des Erfolgs

Mit der Frage der Relevanz der Planung einer zahnärztlichen Implantatbehandlung auf den späteren Behandlungserfolg befasste sich vor wenigen Monaten ein spezielles Forum im Rahmen des Kongresses der DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie. Dabei setzten die Referenten vor die Planung noch eine wesentliche Vorstufe: die genaue Diagnose des Patienten und damit das Erkunden all seiner gesundheitlichen „Rahmenbedingungen". Hier spielte die Frage mit hinein, ob moderne digitale Diagnostikverfahren die „Rahmenbedingungen" vor Ort, an der Stelle des geplanten Implantates, durch dreidimensionale Darstellung besser demonstrieren können als klassische bildgebende Verfahren (spezielles zweidimensionales Röntgen). Wie die Diskussion unter den Fachexperten ergab, macht es Sinn, den Einsatz solcher aufwändigen und dadurch auch kostspieligen 3D-Verfahren abhängig zu machen von der zahnärztlichen Aufgabenstellung und der erkennbaren Ausgangslage im Mund des Patienten. Nach wie vor, so das Ergebnis, ist das zahnärztliche Wissen des Behandlerteams der wichtigste Faktor für den Behandlungserfolg, moderne Technik kann eine erhebliche Unterstützer-Rolle einnehmen, Wissen, Können und Erfahrung der Zahnärzte aber nicht ersetzen.

Zucker: Neues zu seiner Rolle bei Karies

Dass Ernährung (hier nicht zuletzt Zucker) und Munderkrankungen zusammenhängen, das wissen inzwischen die meisten Patienten. Bei einem Fachkongress zu Ernährung und Mundgesundheit vor ein paar Wochen in Stuttgart erklärten Wissenschaftler, wie sich Bestandteile der Ernährung auf das biologische Gleichgewicht im Mund auswirken. Dabei wurde deutlich: Je nachdem, was genau beispielsweise ein Kind isst, ändert sich auch der Biofilm im Mund – also die Zusammensetzung der Bakterien in den Mundbelägen. Auch deutlich wurde: Würde der Zucker allein mit Löffel gegessen, wären die schädlichen Auswirkungen nicht ganz so erheblich wie die Aufnahme einer Kombination von Zucker und sogenannter „Stärke", beispielsweise ein Weißbrot mit Marmelade oder ein Stück Kuchen. Wenn schon Brot, dann erweist sich Vollkornbrot als gesünder, weil dessen Stärke langsamer zu Zucker umgewandelt wird. Der Fruchtzucker aus Obst ist zwar auch ein „Störenfried" für den gesunden Biofilm – aber da Obst viele gesundheitsförderliche Effekte, auch auf das Immunsystem, hat und der Anteil an Fruchtzucker eher gering ist, befürworten die Wissenschaftler Obst. In seiner natürlichen Form – nicht als aufbereitete Säfte.

Erfolgreiche Prävention: jetzt auch für Kleinkinder

Bisher haben ältere Kinder und Erwachsene von den neuen Erkenntnissen der zahnmedizinischen Wissenschaft profiziert, wenn es darum ging, die Mundgesundheit zu erhalten und Zahnschäden vorzubeugen. Wer bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, hat Anspruch auf solche Vorbeugemaßnahmen, die die Krankenkassen in ihrem „Leistungsangebot" zur Verfügung stellen. Ausgeklammert waren davon bisher Kinder im Alter von 0 – 3 Jahren – also diejenigen, bei denen der Grundstein für die Mundgesundheit gelegt wird. So hat sich in den Zahnarztpraxen gezeigt, dass nicht selten schon dreijährige Kinder über ein fast völlig zerstörtes Milchgebiss verfügen. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung. Dr. Wolfgang Eßer, erklärte kürzlich in einem Fachbeitrag einer zahnärztlichen Zeitschrift den Grund: „Frühkindliche Karies kann aufgrund des weniger widerstandsfähigen Zahnschmelzes der Milchzähne bei entsprechender kariogener Exposition sehr schnell entstehen und zu gravierenden Schäden führen." Inzwischen hat sich die Chance für die Kleinsten erheblich verbessert, auch zahnärztlich gut betreut groß zu werden: Nach entsprechenden Vereinbarungen zwischen den Zahnärzten und den Krankenkassen stehen nun auch den ganz kleinen Kindern regelmäßige Maßnahmen im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen zu.

Sprachstörungen: Logopäden trainieren Mundbewegungen

Manches Kind hat, beispielsweise, Probleme mit dem Aussprechen des Buchstaben „S". Möglicherweise lispelt es. Dahinter steht eine Funktionsstörung: Der natürliche Ablauf beim Sprechen, das von Zunge, Zähnen, Lippen- und Wangenmuskeln gesteuert wird, ist an irgendeiner Stelle geblockt oder fehlgelenkt. Das Fachgebiet, das sich mit der Bildung von Lauten befasst und bei Sprechstörungen hilft, ist die Logopädie, Logopäden sind also Sprecherzieher. Liegt eine Lautstörung vor, arbeiten Zahnärzte, Kieferorthopäden und Logopäden gemeinsam an der Auflösung der Ursache und dem „Umlernen" der richtigen Mundbewegungsabläufe. Eine solche Behandlung verhindert auch die Weiterentwicklung einer bestehenden kleineren Sprechstörung zu einer Fehlentwicklung der Kiefer und Zahnfehlstellungen. Die zahnmedizinische Aufklärungsorganisation „proDente" veröffentlichte vor wenigen Wochen Empfehlungen für Eltern und auch Anregungen für Zahnärzte und Kieferorthopäden zur Zusammenarbeit mit Logopäden: „Zähne sind nicht nur zum Essen da. Auch zum Sprechen sind sie unentbehrlich", so Dirk Kropp, Geschäftsführer von proDente.

Mundspülungen: ätherische Lösungen erfolgreich

Wenn wissenschaftliche Fachgesellschaften einen Konsens unter den Forschern erreicht haben, wie eine Erkrankung nach heutigem Wissen am besten behandelt oder wie ihr vorgebeugt werden kann, veröffentlichen sie sogenannte „Leitlinien". Eine solche Leitlinie wurde kürzlich zur Vorbeugung von Munderkrankungen erstellt. Im Blickpunkt steht hier die Vorbeugung zuhause, das „Biofilm-Management", was so viel bedeutet wie das erfolgreiche Vorgehen gegen bakterielle Beläge auf den Zähnen und an den Zahnfleischrändern. Dabei gingen die Forscher auch der Frage nach, ob das richtige Zähneputzen beispielsweise mit Mundspüllösungen unterstützt werden kann. Es hat sich gezeigt, dass eher kosmetische Mundspülungen dabei keine relevanten Erfolge zeigen – Mundspüllösungen (also intensiver wirkende Präparate durch Zusatz von antibakteriellen Wirkstoffen) dagegen schon, zumal wenn sie ätherische Öle enthalten. Wie die Studien zeigen, verändern solche Mundspüllösungen auch bei Nutzung über mehrere Monate nicht das biologische Gleichgewicht der Bakterienfamilien in der Mundhöhle.

Karies bei Kindern: Risiko für Atherosklerose

Finnische Wissenschaftler haben kürzlich in einem renommierten Fachjournal Ergebnisse einer Langzeit-Studie veröffentlicht, die einen neuen Blick auf die Bedeutung von Karies und Zahnbetterkrankungen bei Kindern auf deren spätere Allgemeingesundheit wirft: Über einen Zeitraum von 27 Jahren wurden Kinder daraufhin untersucht, wie sich ihre Gesundheit entwickelt – und es wurde abgeglichen, ob es bei ungesunden Entwicklungen vielleicht gemeinsame Erkrankungen in der Kindheit gab. Dabei stellte sich heraus, dass die Erwachsenen, bei denen Risikofaktoren wie beispielsweise Atherosklerose für eine Herz-Kreislauferkrankung diagnostiziert wurden, in ihrer Kindheit verschiedene Munderkrankungen hatten – je mehr, desto größer das Risiko für eine Gefäßerkrankung. Hintergrund: Das Immunsystem gerät bei Mundinfektionen aus der Balance. Über eine ganze Kaskade an Folgen entsteht schließlich die Verdichtung der Blutgefäße durch Ablagerungen (Atherosklerose) und damit steigt das Risiko für eine Störung der Durchblutung. Es hat sich aber auch gezeigt, dass insbesondere bei Behandlung der Parodontalerkrankung eine Verbesserung der Situation auch der Blutgefäße erreicht werden konnte. Intensive Mundhygiene beugt demnach auch solchen entfernt erscheinenden ungesunden Entwicklungen wie einer Atherosklerose vor.

Bösartige Mundschleimhauterkrankungen: Vorstufen erkennbar

Bösartige Mundschleimhauterkrankungen: Vorstufen erkennbar

 

Eine sehr gute Nachricht für Patienten mit dem Risiko einer Krebserkrankung im Mundbereich: Die vielen wissenschaftlichen Erkenntnis-Fortschritte ermöglichen es den Zahnärzten heute, in einem früher nicht denkbaren Ausmaß Vorschädigungen zu erkennen und damit unerwünschten Entwicklungen vorbeugen zu können. Wie eine aktuelle Studie der Universität Toronto/Kanada gezeigt hat, wird heute Veränderungen an der Mundschleimhaut eine größere Beachtung geschenkt, und die entdeckten möglichen Krebsvorstufen werden genauer untersucht und entsprechend behandelt. Die Wissenschaftler führen die Tatsache, dass im Beobachtungszeitraum der zurückliegenden zehn Jahre mehr Mundkrebs-Fälle diagnostiziert wurden als zu Beginn der Erhebungen nicht auf eine gestiegene Anzahl von erkrankten Patienten zurück: Sie sehen die ebenfalls gestiegene Aufmerksamkeit in den Zahnarztpraxen als wesentlichen Grund an. Für die Patienten bedeutet das: Im Fall einer unerwünschten Gewebeveränderung erhalten sie schneller und fokussierter fachliche Hilfe.

Zähne unter der Lupe: Was erzählen sie alles?

Ein Wissenschaftlerteam des Massachusetts General Hospital in Boston (USA) hat sich die Aufgabe gestellt herauszufinden, ob und was Zähne alles über ihren (früheren) Besitzer berichten. Sie gehen sogar so weit zu vermuten, dass man anhand entsprechender Anzeichen in herausgefallenen Milchzähnen ablesen können müsste, ob ein Kind später als Erwachsener einmal unter einer psychischen Krankheit leiden wird. Wie sie bei einem Kongress der „American Association for the Advancement of Science" im März dieses Jahres darstellten, lasse sich an Milchzähnen gut ablesen, ob das Kind in seinen ersten Lebensjahren unter deutlichem Stress gelitten hat. In diesem Fall sind, so die Forscher, die Schmelzschichten im Zahn dünner als bei Vergleichskindern und nicht ganz so dicht – beides Risiken für die Entwicklung einer frühen Karies. Ohnehin ist der Mund ein deutlicher Signalgeber für erhöhte Belastungen des Menschen, ganz abgesehen von sichtbaren Folgen wie Knirschen oder Zähnepressen: Die bei Stress erhöhte Konzentration des Hormons Cortisol lässt sich nicht nur im Blut, sondern auch im Speichel messen. Was sich zeigte: Cortisol beeinflusst offenbar auch die Zahnentwicklung. Zu den Detailergebnissen gehörte, dass Kinder mit gestörtem Sozialverhalten und beispielsweise ADHS dünneren Zahnschmelz als Vergleichskinder hatten und auch ein kleineres inneres Zahnmark. Zähne seien durchaus nützliche Biomarker für psychische Erkrankungen.

Biofilm: „Familienbanden“ gegen Mundgesundheit

Millionen von Bakterien leben im Mund – viele weitere in anderen Körperregionen. Wenn die Bakterien in ausgeglichener Harmonie untereinander leben und „arbeiten", bleibt der Mund gesund, weil sich die verschiedenen Bakterienfamilien gegenseitig in Schach halten. Diese Bakterienwelt nennt man Biofilm. Wie die Bakterienfamilien miteinander leben und wann das System aus dem Lot gerät, das hat der Physiker und Mikrobiologie Prof. Dr. Knut Drescher vom Max-Planck-Institut / Philipps-Universität in Marburg untersucht und für seine Arbeit vor wenigen Wochen einen Forschungspreis der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) erhalten. Die Forschungsarbeit hat unter anderem Relevanz für die Lösung der sich ausbreitenden Antibiotika-Resistenz krankmachender Bakterienfamilien. Es werden Wege gesucht, zielgerichtet in die Bakterien-Gemeinschaften einzugreifen und sie derart in Schach zu halten, dass sie nicht mehr gesundheitsgefährdende Folgen mit sich bringen. Als spannend bezeichnete die Wissenschaftlergruppe auch das Schwarmverhalten von Bakterien und damit das Bewegungsverhalten, das ohne eine Steuerung durch eine Art Gehirn funktioniere. Dieserart Grundlagenforschung trägt deutlich zum weiteren Erkenntnisgewinn bei, wie auch im Mund Biofilm besser unter Kontrolle gehalten werden kann und damit Zahnbelag-bedingte Karies oder infektiöse Zahnbettentzündungen zu verhindern beziehungsweise noch ergebnisbesser zu behandeln sind.
 

Mundatmung: was ist natürlich?

 

Natürlicherweise erfolgt das Atmen über die Nase, sie ist auch entsprechend darauf ausgerichtet, die Atemluft mit Filterhärchen zu reinigen. In manchen Fällen aber funktioniert die Nase nicht richtig und der Mensch atmet über den Mund. Beispiel: Die Nase ist übergangsweise durch Schnupfen oder dauerhaft durch Polypen oder andere Fehlbildungen am ausreichenden Luftaustausch gehindert. Atmung durch den Mund ist aber von der Natur nicht vorgesehen und nur als Not-Lösung gedacht: Beim Atmen durch den Mund trocknet die Mundschleimhaut aus, ein trockener Mund führt oft zu mehr Karies, weil die Zähne nicht ausreichend durch Speichel umspült werden, und krankheitsauslösende Infektionen können nicht ausreichend verhindert werden. Rund ein Drittel aller Menschen, die hauptsächlich oder sehr oft über den Mund atmen, haben organische Ursachen. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass zwei Drittel aller Mund-Atmer verhaltensbedingt nicht die Nase zum Luftaustausch nutzen. Bei den meisten hat sich eine Funktionsstörung im Mund entwickelt, die – wenn man früh genug, schon im Kleinkindalter eingreift – behandelt werden kann und sollte. Fachleute erkennen Mundatmer oft schon beim ersten Blick aufs Gesicht: Die gestörte Atmungsfunktion führt, so ein zahnmedizinischer Beitrag in einem Fachzeitjournal, oft zu einem typisch verlängerten Gesicht. Hinter den Lippen zeigt sich dann ein ausgeprägt schmaler Oberkiefer. Mundatmung ist also immer ein Signal dafür, dass etwas nicht stimmt und ursachenbezogen behandelt werden sollte.

Schlucken: 26 Muskelgruppen beteiligt

Wer macht sich schon Gedanken darüber, wie das Schlucken funktioniert – außer, es ist durch eine Erkrankung eingeschränkt? Fachzahnärzte für Kieferorthopädie beispielsweise blicken mit wissenschaftlichem Interesse auf solche alltäglichen Körperfunktionen. In einem Fachbeitrag für ein zahnärztliches Journal stellte eine Forschergruppe der Universität Gießen spannende Daten rund um das Schlucken zusammen. Demnach sind 26 Muskelgruppen für das gesunde Schlucken verantwortlich. Fünf Hirnnerven steuern sie und sorgen dafür, dass die Muskelgruppen passgenau zusammenarbeiten. Rund 2000-mal pro Tag schluckt ein Mensch, und mit 700 bis 900 Schluckakten pro Nacht ist Schlucken die häufigste Bewegung, die der schlafende Körper macht.

Wasser: gut für die Mundgesundheit

Gemeinsam mit Zahnmedizinern hat vor wenigen Wochen ein Frauen-Journal auf die wichtige Rolle von Wasser für die Mundgesundheit hingewiesen: Die Zeitschrift nahm die Ergebnisse zum Anlass, ihre Leserinnen und Leser zu ausreichend Flüssigkeitsaufnahme, zumal von Wasser, zu motivieren. Werde nicht ausreichend Wasser getrunken, könne dies zu Mundgeruch führen. Grund: Es wird nicht ausreichend Speichel produziert, der im Mund auch eine Reinigungs- und Entsorgungsfunktion für Nahrungsreste hat. Zudem könne die Zunge trockener werden und sich pelzig anfühlen – dies ließe sich nicht mit einem kurzen Schluck Wasser beheben, sondern benötige über den Tag verteilt eine ausgleichende Flüssigkeitsaufnahme. Auch die Lippen können austrocknen und rissig werden, wenn der Körper nicht auf ausreichend Flüssigkeitsreserve zurückgreifen kann.

Lippen: wichtig für die Frontzähne

Wie in einem Fachbeitrag für eine zahnärztliche Zeitschrift kürzlich dargestellt, spielen die Lippen eine große Rolle für die Position – und den Schutz – der Oberkiefer-Frontzähne. Eine Schutzfunktion haben die Lippen dann, wenn sie die Zähne voll bedecken. In diesem Fall wirken sie wie ein Schutzmantel im Fall eines Sturzes. Sind die Zähne nicht durch eine natürlich funktionierende Lippe geschützt, erleiden die Frontzähne erheblich mehr Zahnverletzungen und Schmelzabbrüche als bei Vergleichs-Patienten. Es macht also Sinn, die Lippen während des Wachstums nicht daran zu hindern, sich naturgemäß zu entwickeln. Was diese gesunde Entwicklung stören kann: Angewohnheiten wie Lippensaugen, Nägelkauen, Daumen- oder Nuckeltuchlutschen, Zusammenpressen der Zähne und anderes. Eine natürliche Lage haben die Lippen dann, wenn man den Mund entspannt schließt, ohne dass man die Wangenmuskeln dafür anspannen muss. Zieht das Kind die Unterlippe unter die oberen Vorderzähne, entwickelt sich leicht eine Frontzahnstufe und damit eine auch für die Gesundheit der Zähne riskante Fehlstellung. Solange das betroffene Kind noch nicht fünf Jahre alt ist und die schädlichen Angewohnheiten abgewöhnt werden konnten, ist meist mit einem Selbstheilungseffekt für einen gesunden Mundschluss zu rechnen – halten die Angewohnheiten an, steigt das Risiko erheblich für die Entwicklung einer behandlungsbedürftigen Zahn- und Kieferfehlstellung.

Digitalisierung: Zahn-Implantate mit „Navi“

Auf die wachsende Rolle der Digitalisierung in der Zahnmedizin, speziell im Bereich der Zahn-Implantate, hat kürzlich Prof. Dr. Dr. Jörg Wiltfang, Direktor der Kieler Uniklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in einem Beitrag in den Kieler Nachrichten hingewiesen. Unabhängig von den Gründen für das Zahn-Implantat oder seine Position im Mund gelte: Das Implantat muss so exakt wie möglich an seinem vorbestimmten Platz „sitzen". Kieferknochen könne, je nach Ort und fortgeschrittener Knochenzerstörung, sehr dünnwandig sein. Das Klinikteam nutzt inzwischen eine Weiterentwicklung der digitalisierten Operationsabläufe: Wie von einem Navigationsgerät gesteuert, bohrt ein OP-Gerät genau an der Stelle im Kiefer, die als idealer Platz zuvor ausgerechnet worden war, den Zugang für das Implantat – aber nicht ganz automatisch: Gewissermaßen am Steuer sitzt der Chirurg, der vom Computer grünes Licht erhält, wenn der exakte Bohrpunkt angesteuert ist. Trotz der hervorragenden Studienergebnisse zu diesem Verfahren warnte der Wissenschaftler vor zuviel Euphorie:  Es sei bei jeder Implantation mit Komplikationen zu rechnen. Insbesondere wenn vor Einsetzen des Implantates bereits eine Zahnbettentzündung im Mund vorliege, könne es zu einer unerwünschten Infektion des Implantatbereiches kommen. Professor Wiltfang appellierte an alle Patienten, rechtzeitig auf ein gesundes Zahnbett zu achten und sehr sorgfältige Mundhygiene zu betreiben. Auch Rauchen sei ein klarer Feind der Mundgesundheit. Ein eigener Zahn sei nach wie vor immer noch besser als ein Zahn-Implantat.

Kieferfehlstellungen: angeboren oder erworben?

Nur rund 20 % aller Kieferfehlstellungen sind genetisch bedingt, also angeboren. Solche angeborenen unnatürlichen Formen und Funktionen des Kiefers (Dysgnathien) sind beispielsweise Zähne in einer nicht üblichen Anzahl oder auch Zahnformen, die nicht der Norm entsprechen. Auch das Wachstum des Unterkiefers kann genetisch bedingt unnatürlich verlaufen. Rund 30 – 50 % aller weiteren Dysgnathien sind Folge von Unfällen und Zahnverletzungen, auch von zu früh ausgefallenen Milchzähnen – und von ungesunden Angewohnheiten wie Atmen mit offenem Mund, unnatürlicher Kopfhaltung oder anderen Haltungsanomalien. Die restlichen Prozent an Dysgnathien sind oft kombiniert aus angeborener Fehlentwicklung und dadurch bedingten Fehlfunktionen. Man könne festhalten, so die Gießener Wissenschaftlerin Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner, dass 4 von 5 Fehlentwicklungen (Dysgnathien) des Kiefers auf Fehlfunktionen (Dysfunktionen) zurückgehen. Es mache also Sinn, die Ursachen der Fehlfunktion genau zu prüfen und die Behandlung exakt auf diese auszurichten. Nur dann könne das Ergebnis der Behandlung ein nachhaltiger Erfolg sein.

Adipositas: Zusammenhang mit Parodontitis

Wie ein Forscherteam in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift vor einigen Wochen berichtete, gibt es einen Zusammenhang von erheblichem Übergewicht (Adipositas) und Zahnbettentzündung (Parodontitis). Was beide verbindet: Es handelt sich jeweils um eine chronische Entzündung, die Störungen im Stoffwechsel mit sich bringt. Im Tierversuch zeigte sich, dass dann, wenn beide Erkrankungen gleichzeitig vorliegen, das Immunsystem gebremster arbeitet als bei einer dieser Störungen allein. Gab man den erkrankten Tieren das Hormon Melatonin, besserte sich der Zustand der Parodontitis insbesondere in dem Fall, wenn die Tiere gleichzeitig adipös waren. Melatonin zeigte im Vergleich mit antibiotischen Mundspülungen bessere Ergebnisse bei dieser Patientengruppe.

Kinder: Nicht alle nutzen Kontrolluntersuchungen

Eigentlich ist das eine schöne Zahl, die das Robert-Koch-Institut kürzlich zum Zahngesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen veröffentlichte: Laut der KiGGS-Studie zu Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland haben in den Jahren zwischen 2014 und 2017 rund 80 % aller Kinder die Chance erhalten und auch genutzt, ihre Zahn- und Mundgesundheit bei einem Kontrolltermin in der Zahnarztpraxis prüfen zu lassen. Die Schattenseite der erfreulichen Zahl: Fast 20 % aller Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren nehmen die ihnen zustehenden Vorsorgeuntersuchungen zu selten oder gar nicht wahr. Unter denen, die als besonders gefährdet gelten, Karies und andere Mundgesundheitsstörungen zu erleiden, machen Kinder und Jugendliche aus den alten Bundesländern und in Städten wohnend den größten Anteil aus. Kerngruppen unter den Gefährdeten sind Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status und solche mit einseitigem, besonders aber mit zweiseitigem Migrationshintergrund.

Knochen: Er bildet sich gemäß Aufgabe

Viele Menschen meinen, das Arbeitsfeld des Zahnarztes beschränke sich auf Zähne, Kiefer und Mundschleimhaut. Das sei genaugenommen überholt, meinte Kieferorthopädin Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner von der Universität Gießen in einem wissenschaftlichen Beitrag für ein Fachjournal: Indirekt stehe diese Region in Wechselwirkungen mit der Atmung, der Wirbelsäule, der Muskulatur. Das mache deutlich, dass Störungen im Mundwachstum Auswirkungen auf den ganzen Körper haben. Knochen bildet sich, auch im Kieferbereich, entsprechend seiner Aufgabe und seiner Belastung. Findet keine Belastung statt, verkümmert das Knochenwachstum – ist die Belastung unnatürlich, wächst der Knochen nicht so wie er soll. Gab es in der Zeit des Kieferknochenwachstums in deutlichem Ausmaß ungesunde Angewohnheiten wie beispielsweise Daumenlutschen, erhält der Knochen die Information, sich entsprechend zu formen. Ist eine Kieferfehlstellung entstanden, können sich deren Folgen auf den ganzen Körper auswirken. Im Mundbereich auftretende Funktionsstörungen setzen sich durch die Interaktion mit Atmung, Muskulatur und Wirbelsäule in andere Bereiche des Körpers fort. Derartige Funktionsstörungen sollten daher in der Entstehung verhindert bzw. so früh wie möglich behandelt werden, um solche Folge-Schäden zu verhindern.
 

Parodontitis: Neue Wege in der Therapie

Als Ursache einer Zahnbettentzündung (Parodontitis) gilt eine gestörte Balance aus krankmachenden Keimen und einer entsprechenden Antwort des Immunsystems. Der Weg, der bei der Behandlung traditionell gegangen wird, ist vor allem die möglichst weitgehende Entfernung der bakteriellen Belastung: Ist der Bereich gereinigt, kann das Immunsystem wieder Oberhand gewinnen. Wie gut das Gewebe heilt, also auf das Immunsystem anspricht, hängt von verschiedenen immunologischen Faktoren ab: Wissenschaftler setzen mit neuen Wegen an genau diesem Punkt an. Zwei Forscher von der Praxishochschule in Köln veröffentlichten kürzlich eine Übersichtsarbeit über den Zusammenhang von Melatonin („Schlafhormon") und der Reaktionsfähigkeit des Immunsystems. Schlafmangel hat vielfältige negative Wirkungen auf die Gesundheit – und er beeinträchtigt die Arbeitsleistung des Immunsystems. Wie sich anhand verschiedener Studien zeigte, konnte die unterstützende Gabe von Melatonin die Entzündungsausheilung verbessern. Die Wissenschaftler sehen hier eine mögliche Alternative zu antibakteriell wirkendem Chlorhexidin, das verschiedene Nebenwirkungen zeigt. Die Wirkweise des Melatonins müsse aber noch weiter geprüft werden, um vorhersagbare Ergebnisse zu erzielen.

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