Patienten-News

Schlucken: 26 Muskelgruppen beteiligt

Wer macht sich schon Gedanken darüber, wie das Schlucken funktioniert – außer, es ist durch eine Erkrankung eingeschränkt? Fachzahnärzte für Kieferorthopädie beispielsweise blicken mit wissenschaftlichem Interesse auf solche alltäglichen Körperfunktionen. In einem Fachbeitrag für ein zahnärztliches Journal stellte eine Forschergruppe der Universität Gießen spannende Daten rund um das Schlucken zusammen. Demnach sind 26 Muskelgruppen für das gesunde Schlucken verantwortlich. Fünf Hirnnerven steuern sie und sorgen dafür, dass die Muskelgruppen passgenau zusammenarbeiten. Rund 2000-mal pro Tag schluckt ein Mensch, und mit 700 bis 900 Schluckakten pro Nacht ist Schlucken die häufigste Bewegung, die der schlafende Körper macht.

Wasser: gut für die Mundgesundheit

Gemeinsam mit Zahnmedizinern hat vor wenigen Wochen ein Frauen-Journal auf die wichtige Rolle von Wasser für die Mundgesundheit hingewiesen: Die Zeitschrift nahm die Ergebnisse zum Anlass, ihre Leserinnen und Leser zu ausreichend Flüssigkeitsaufnahme, zumal von Wasser, zu motivieren. Werde nicht ausreichend Wasser getrunken, könne dies zu Mundgeruch führen. Grund: Es wird nicht ausreichend Speichel produziert, der im Mund auch eine Reinigungs- und Entsorgungsfunktion für Nahrungsreste hat. Zudem könne die Zunge trockener werden und sich pelzig anfühlen – dies ließe sich nicht mit einem kurzen Schluck Wasser beheben, sondern benötige über den Tag verteilt eine ausgleichende Flüssigkeitsaufnahme. Auch die Lippen können austrocknen und rissig werden, wenn der Körper nicht auf ausreichend Flüssigkeitsreserve zurückgreifen kann.

Lippen: wichtig für die Frontzähne

Wie in einem Fachbeitrag für eine zahnärztliche Zeitschrift kürzlich dargestellt, spielen die Lippen eine große Rolle für die Position – und den Schutz – der Oberkiefer-Frontzähne. Eine Schutzfunktion haben die Lippen dann, wenn sie die Zähne voll bedecken. In diesem Fall wirken sie wie ein Schutzmantel im Fall eines Sturzes. Sind die Zähne nicht durch eine natürlich funktionierende Lippe geschützt, erleiden die Frontzähne erheblich mehr Zahnverletzungen und Schmelzabbrüche als bei Vergleichs-Patienten. Es macht also Sinn, die Lippen während des Wachstums nicht daran zu hindern, sich naturgemäß zu entwickeln. Was diese gesunde Entwicklung stören kann: Angewohnheiten wie Lippensaugen, Nägelkauen, Daumen- oder Nuckeltuchlutschen, Zusammenpressen der Zähne und anderes. Eine natürliche Lage haben die Lippen dann, wenn man den Mund entspannt schließt, ohne dass man die Wangenmuskeln dafür anspannen muss. Zieht das Kind die Unterlippe unter die oberen Vorderzähne, entwickelt sich leicht eine Frontzahnstufe und damit eine auch für die Gesundheit der Zähne riskante Fehlstellung. Solange das betroffene Kind noch nicht fünf Jahre alt ist und die schädlichen Angewohnheiten abgewöhnt werden konnten, ist meist mit einem Selbstheilungseffekt für einen gesunden Mundschluss zu rechnen – halten die Angewohnheiten an, steigt das Risiko erheblich für die Entwicklung einer behandlungsbedürftigen Zahn- und Kieferfehlstellung.

Digitalisierung: Zahn-Implantate mit „Navi“

Auf die wachsende Rolle der Digitalisierung in der Zahnmedizin, speziell im Bereich der Zahn-Implantate, hat kürzlich Prof. Dr. Dr. Jörg Wiltfang, Direktor der Kieler Uniklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in einem Beitrag in den Kieler Nachrichten hingewiesen. Unabhängig von den Gründen für das Zahn-Implantat oder seine Position im Mund gelte: Das Implantat muss so exakt wie möglich an seinem vorbestimmten Platz „sitzen". Kieferknochen könne, je nach Ort und fortgeschrittener Knochenzerstörung, sehr dünnwandig sein. Das Klinikteam nutzt inzwischen eine Weiterentwicklung der digitalisierten Operationsabläufe: Wie von einem Navigationsgerät gesteuert, bohrt ein OP-Gerät genau an der Stelle im Kiefer, die als idealer Platz zuvor ausgerechnet worden war, den Zugang für das Implantat – aber nicht ganz automatisch: Gewissermaßen am Steuer sitzt der Chirurg, der vom Computer grünes Licht erhält, wenn der exakte Bohrpunkt angesteuert ist. Trotz der hervorragenden Studienergebnisse zu diesem Verfahren warnte der Wissenschaftler vor zuviel Euphorie:  Es sei bei jeder Implantation mit Komplikationen zu rechnen. Insbesondere wenn vor Einsetzen des Implantates bereits eine Zahnbettentzündung im Mund vorliege, könne es zu einer unerwünschten Infektion des Implantatbereiches kommen. Professor Wiltfang appellierte an alle Patienten, rechtzeitig auf ein gesundes Zahnbett zu achten und sehr sorgfältige Mundhygiene zu betreiben. Auch Rauchen sei ein klarer Feind der Mundgesundheit. Ein eigener Zahn sei nach wie vor immer noch besser als ein Zahn-Implantat.

Kieferfehlstellungen: angeboren oder erworben?

Nur rund 20 % aller Kieferfehlstellungen sind genetisch bedingt, also angeboren. Solche angeborenen unnatürlichen Formen und Funktionen des Kiefers (Dysgnathien) sind beispielsweise Zähne in einer nicht üblichen Anzahl oder auch Zahnformen, die nicht der Norm entsprechen. Auch das Wachstum des Unterkiefers kann genetisch bedingt unnatürlich verlaufen. Rund 30 – 50 % aller weiteren Dysgnathien sind Folge von Unfällen und Zahnverletzungen, auch von zu früh ausgefallenen Milchzähnen – und von ungesunden Angewohnheiten wie Atmen mit offenem Mund, unnatürlicher Kopfhaltung oder anderen Haltungsanomalien. Die restlichen Prozent an Dysgnathien sind oft kombiniert aus angeborener Fehlentwicklung und dadurch bedingten Fehlfunktionen. Man könne festhalten, so die Gießener Wissenschaftlerin Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner, dass 4 von 5 Fehlentwicklungen (Dysgnathien) des Kiefers auf Fehlfunktionen (Dysfunktionen) zurückgehen. Es mache also Sinn, die Ursachen der Fehlfunktion genau zu prüfen und die Behandlung exakt auf diese auszurichten. Nur dann könne das Ergebnis der Behandlung ein nachhaltiger Erfolg sein.

Adipositas: Zusammenhang mit Parodontitis

Wie ein Forscherteam in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift vor einigen Wochen berichtete, gibt es einen Zusammenhang von erheblichem Übergewicht (Adipositas) und Zahnbettentzündung (Parodontitis). Was beide verbindet: Es handelt sich jeweils um eine chronische Entzündung, die Störungen im Stoffwechsel mit sich bringt. Im Tierversuch zeigte sich, dass dann, wenn beide Erkrankungen gleichzeitig vorliegen, das Immunsystem gebremster arbeitet als bei einer dieser Störungen allein. Gab man den erkrankten Tieren das Hormon Melatonin, besserte sich der Zustand der Parodontitis insbesondere in dem Fall, wenn die Tiere gleichzeitig adipös waren. Melatonin zeigte im Vergleich mit antibiotischen Mundspülungen bessere Ergebnisse bei dieser Patientengruppe.

Kinder: Nicht alle nutzen Kontrolluntersuchungen

Eigentlich ist das eine schöne Zahl, die das Robert-Koch-Institut kürzlich zum Zahngesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen veröffentlichte: Laut der KiGGS-Studie zu Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland haben in den Jahren zwischen 2014 und 2017 rund 80 % aller Kinder die Chance erhalten und auch genutzt, ihre Zahn- und Mundgesundheit bei einem Kontrolltermin in der Zahnarztpraxis prüfen zu lassen. Die Schattenseite der erfreulichen Zahl: Fast 20 % aller Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren nehmen die ihnen zustehenden Vorsorgeuntersuchungen zu selten oder gar nicht wahr. Unter denen, die als besonders gefährdet gelten, Karies und andere Mundgesundheitsstörungen zu erleiden, machen Kinder und Jugendliche aus den alten Bundesländern und in Städten wohnend den größten Anteil aus. Kerngruppen unter den Gefährdeten sind Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status und solche mit einseitigem, besonders aber mit zweiseitigem Migrationshintergrund.

Knochen: Er bildet sich gemäß Aufgabe

Viele Menschen meinen, das Arbeitsfeld des Zahnarztes beschränke sich auf Zähne, Kiefer und Mundschleimhaut. Das sei genaugenommen überholt, meinte Kieferorthopädin Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner von der Universität Gießen in einem wissenschaftlichen Beitrag für ein Fachjournal: Indirekt stehe diese Region in Wechselwirkungen mit der Atmung, der Wirbelsäule, der Muskulatur. Das mache deutlich, dass Störungen im Mundwachstum Auswirkungen auf den ganzen Körper haben. Knochen bildet sich, auch im Kieferbereich, entsprechend seiner Aufgabe und seiner Belastung. Findet keine Belastung statt, verkümmert das Knochenwachstum – ist die Belastung unnatürlich, wächst der Knochen nicht so wie er soll. Gab es in der Zeit des Kieferknochenwachstums in deutlichem Ausmaß ungesunde Angewohnheiten wie beispielsweise Daumenlutschen, erhält der Knochen die Information, sich entsprechend zu formen. Ist eine Kieferfehlstellung entstanden, können sich deren Folgen auf den ganzen Körper auswirken. Im Mundbereich auftretende Funktionsstörungen setzen sich durch die Interaktion mit Atmung, Muskulatur und Wirbelsäule in andere Bereiche des Körpers fort. Derartige Funktionsstörungen sollten daher in der Entstehung verhindert bzw. so früh wie möglich behandelt werden, um solche Folge-Schäden zu verhindern.
 

Parodontitis: Neue Wege in der Therapie

Als Ursache einer Zahnbettentzündung (Parodontitis) gilt eine gestörte Balance aus krankmachenden Keimen und einer entsprechenden Antwort des Immunsystems. Der Weg, der bei der Behandlung traditionell gegangen wird, ist vor allem die möglichst weitgehende Entfernung der bakteriellen Belastung: Ist der Bereich gereinigt, kann das Immunsystem wieder Oberhand gewinnen. Wie gut das Gewebe heilt, also auf das Immunsystem anspricht, hängt von verschiedenen immunologischen Faktoren ab: Wissenschaftler setzen mit neuen Wegen an genau diesem Punkt an. Zwei Forscher von der Praxishochschule in Köln veröffentlichten kürzlich eine Übersichtsarbeit über den Zusammenhang von Melatonin („Schlafhormon") und der Reaktionsfähigkeit des Immunsystems. Schlafmangel hat vielfältige negative Wirkungen auf die Gesundheit – und er beeinträchtigt die Arbeitsleistung des Immunsystems. Wie sich anhand verschiedener Studien zeigte, konnte die unterstützende Gabe von Melatonin die Entzündungsausheilung verbessern. Die Wissenschaftler sehen hier eine mögliche Alternative zu antibakteriell wirkendem Chlorhexidin, das verschiedene Nebenwirkungen zeigt. Die Wirkweise des Melatonins müsse aber noch weiter geprüft werden, um vorhersagbare Ergebnisse zu erzielen.

Kinderbehandlung: Schmerzen nach Narkose

Bei manchen Kindern ist die Zahnzerstörung schon im jungen Alter so weit fortgeschritten, dass die Zähne einer umfangsreiche Behandlung bedürfen. Je nach Aufwand erfolgt diese unter Narkose. Wie eine Wissenschaftlergruppe einer Universität in Taiwan berichtete, hatten ihre Studien ergeben, dass vier von fünf Kindern nach der Operation deutliche Schmerzen hatten – wenn sie während der Behandlung keine Schmerzmedikamente erhielten. Die Wissenschaftler, so ein Zahnärztejournal vor ein paar Wochen, ziehen daraus den Schluss, dass bei der operativen zahnärztlichen Kinderbehandlung mehr als bisher auf eine ausreichende Schmerzabschirmung geachtet werden muss. Ihr Vorschlag: Gegen Ende der oft langwierigen Operationsphase unter Vollnarkose könnte bereits ein Schmerzen senkendes Medikament gespritzt werden. Auch die Eltern sollten fachgerecht informiert und angeleitet werden, den Kindern Schmerzen nach der Operation weitgehend zu ersparen. 

 

Penicillinallergie: seltener als gemeint

Ist der Einsatz eines Antibiotikums notwendig, hören Patienten oft die Frage, ob sie eine Allergie gegen Penicillin haben. Antibiotika haben eine große Vielfalt an Zusammensetzungen – manche Produkte sind speziell gegen eine bestimmte Bakterienfamilie ausgerichtet. Penicillin gilt nach wie vor als einer der zuverlässigsten Arzneimittelstoffe und wird daher gern eingesetzt. Häufiger als gemeint liegt bei Patienten, die sich als allergisch auf Penicillin reagierend bezeichnen, aber gar keine entsprechende Immunreaktion vor – darauf wiesen vor einigen Wochen Wissenschaftler in einem Beitrag im renommierten internationalen Fachjournal JAMA (Journal ofthe American Medical Association) hin. Auch die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie schloss sich den Ergebnissen der Forscher an und empfahl zu einer verstärkten Überprüfung einer tatsächlich vorhandenen Allergie auf Penicillin. Es wäre fatal, wenn ohne Notwendigkeit weniger wirksame Antibiotika eingesetzt und sich dadurch Resistenzen gegen die Medikamentenfamilie entwickeln würden. Beispielsweise gäbe es die Möglichkeit, auf ein anderes Penicillin auszuweichen. Auch in der Zahnmedizin werden Penicilline zur Behandlung von Infektionen eingesetzt. 

Bakterielle Zahnentzündung: Risiko für Infekte

Die Zähne sind über ein vielfältiges System aus Nerven und Blutbahnen und anderen Geweben mit dem gesamten Körper verbunden – das macht deutlich, warum im Falle einer Zahn-Erkrankung eine frühzeitige Behandlung erfolgen muss. Die Keime sollen nicht streuen. Vor allem bei einer tiefsitzenden Karies, aber auch bei bakteriell belasteten Zahnfleischtaschen ist das Risiko groß, dass die Mundkeime nicht nur den Kieferknochen infizieren: Eitererreger belasten Mundbogen, Mundschleimhaut und Rachen. Schwellen diese Bereiche aufgrund der Entzündung an, kann das bedrohlich werden für das Atmen, darauf wies kürzlich DDr. Christa Eder, Fachärztin für Mikrobiologie in Wien, in einem Beitrag für eine Zahnärzte-Zeitung hin. Zudem können Entzündungen am Herzen auftreten, in der Lunge, und eine Blutvergiftung (Sepsis) kann sich entwickeln. Sie hat bei ihren Forschungsarbeiten vor allem die Lebenswelt der Keime im Blick und stellte fest, dass sich manche Bakterien besonders gut entwickeln, wenn sie von den Stoffwechselprodukten anderer Bakterienfamilien leben konnten. In der Zahnarztpraxis werden solchen tiefgehenden Zahnschäden und Infektionen des ganzen Körpers durch rechtzeitige Diagnose und gegebenenfalls antibiotische Medikamente vorgebeugt. 

Kreidezähne: Suche nach der Ursache

Dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland unter sogenannten Kreidezähnen (MIH/Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation) leiden, ist bekannt – nach wie vor ist aber nicht eindeutig geklärt, was Ursache dieser Entwicklung ist. Kreidezähne bedeutet, dass die betroffenen Zähne, zumeist Frontzähne (Inzisivi), mit einer Schmelzbildungsstörung herauskommen, meist weißlich, aber auch bräunlich verfärbt sind. Zudem ist der Zahnschmelz nicht fest, sondern porös, was die Zähne enorm anfällig für Zahnfäule (Karies) macht. In den letzten Jahren fanden Forscher immer mehr mögliche Auslöser, vielleicht – so eine häufig geäußerte Meinung – kommen bei den betroffenen Kindern auch mehrere Faktoren zusammen. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein wies kürzlich auf diese unterschiedlichen Erkenntnisse im Bereich der MIH-Ursachenforschung hin: Während Wissenschaftler-Kreise aus den USA Anzeichen eines Zusammenhangs von MIH und Bisphenol-A (Chemikalie, die in vielen Haushaltsprodukten enthalten ist) entdeckten, bezweifelt das hiesige Bundesinstitut für Risikobewertung einen solchen ursächlichen Zusammenhang. Die Frage nach einem eindeutigen Zusammenhang von Auslöser und Kreidezähnen ist also nach wie vor noch offen. 

„MMH/MIH“: weltweit zunehmende Entwicklung

Die Dachgesellschaft der zahnärztlichen Wissenschaft in Deutschland, die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) hat bei einer Pressekonferenz vor wenigen Monaten dargestellt, dass die immer häufiger registrierte sogenannte MIH nicht nur hierzulande, sondern weltweit registriert wird. MMH bedeutet Milch-Molaren-Hypermineralisation, MIH Molaren-Inzisiven-Hypermineralisation, hier mit dem Fokus auf die „Inzisivi", die Schneidezähne. Hypermineralisation bedeutet, dass die gesunde Zahnschmelzentwicklung gestört ist – die betroffenen Zähne scheinen sich geradezu aufzulösen mit der Zeit und sehen aufgrund einer deutlichen Farbveränderung auch unschön aus. Die Wissenschaftler, hier vor allem Prof. Dr. Norbert Krämer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde, wies darauf hin, dass diese weltweite Verbreitung der Zahnentwicklungsstörung zu erhöhtem Forschungsaufwand führen müsse. Zwar gebe es bisher Vermutungen über Zusammenhänge, beispielsweise mit Kunststoffen und hier besonders den Bestandteilen Bisphenol-A und PCB. Aber auch ganz andere Faktoren könnten eine Rolle spielen. Entsprechend sei die zahnmedizinische Wissenschaft derzeit nicht in der Lage, Empfehlung zur Vermeidung dieser Entwicklung auszusprechen. Möglicherweise könnte eine erhöhte Fluorid-Dosis vorbeugend hilfreich sein, so Prof. Dr. Stefan Zimmer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin.

Bluthochdruck bei Frauen: Zusammenhang mit Zahnverlust?

Bereits vielfach belegt sind Zusammenhänge von bakteriellen Zahnbetterkrankungen und Herzerkrankungen: Die wichtigsten bei der Mundinfektion beteiligten Keime wurden auch bei Herz-Entzündungen entdeckt. Nun stellte sich eine Wissenschaftlergruppe an der Universität Buffalo die Frage, welche Zusammenhänge es – hier fokussiert auf Frauen nach der Menopause – mit dem Risiko der Entwicklung eines Bluthochdruckes geben könnte. Das Ergebnis ihrer Forschung unter Nutzung von Daten von über 36.000 Frauen haben sie kürzlich in einem renommierten ärztlichen Fachjournal zu Bluthochdruck veröffentlicht. Es zeigte sich, dass das Risiko, einen Bluthochdruck zu entwickeln, bei Frauen mit Zahnverlust um 20 % höher lag als bei Vergleichs-Frauen, und noch deutlicher, wenn diese älteren Frauen schlank und in der Vergleichsgruppe eher jünger waren. Fraglich ist derzeit der konkrete Zusammenhang. Möglich ist beispielsweise, so die Forscher, dass Betroffene bei Zahnverlust die Ernährung auf eher weiche Kost umstellen und dies, über Umwege im Stoffwechsel, die Entwicklung von Bluthochdruck fördern könnte.

Zahnfehlstellung: Zusammenhang mit Parodontitis?

Ein Forscherteam der Universität Greifswald ist der Frage nachgegangen, ob der oft vermutete Zusammenhang von Zahnfehlstellungen und Zahnfleischerkrankungen belegt ist. Das Ergebnis ihrer Arbeit haben sie vor wenigen Wochen veröffentlicht. Dabei stand die Frage der bakteriellen Belastung im Fokus. Es heißt, dass gerade stehende Zähne leichter zu reinigen seien, sich an schief und verwinkelt stehenden Zähnen Zahnbeläge eher „verstecken" können und entsprechend schwerer zu entfernen sind – und dass eben diese Zahnbeläge ein hohes Risiko für die Entwicklung von Zahnfleischerkrankungen darstellen. Es zeigte sich nun, dass negative Folgen von Zahnengstand auf die Zahnfleischgesundheit möglich sind, aber weniger als vermutet. Andere Zahn-, zumal Kieferfehlstellungen wie in der Position nicht zusammenpassende Ober- und Unterkiefer („Überbiss" und andere) hatten riskantere Effekte. Klar schädigende Auswirkungen zeigten solche Zahnfehlstellungen, die aufgrund ihrer Position direkt oder indirekt zu Schäden am Zahn oder am Zahnfleisch führen (Beispiel Kreuzbiss oder tiefer Biss mit Zahnfleischkontakt). Zahnfehlstellungen zeigten leichte bis große Effekte auf den Zahnhalteapparat, so Prof. Dr. Olaf Bernhardt, Universität Greifswald. Es gebe weiteren Forschungsbedarf.

Neu: Zahnschmelzhärtung für die Kleinsten

In das neue Zahngesundheits-Vorsorgepaket, dass der Gemeinsame Bundesausschuss auf Empfehlung nicht zuletzt der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) zu Jahresbeginn in das Leistungspaket der Gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen hat, gehört auch der über die Zahnkontrolle hinausgehende Zahnschutz: Kleinkinder bis zum 33. Lebensmonat haben ab Juli 2019 zusätzlich Anspruch auf eine Zahnschmelzhärtung mit Fluoridlack zweimal je Kalenderhalbjahr in der Zahnarztpraxis. Damit, so die KZBV in einer aktuellen Presseerklärung, wird dem Entstehen der sogenannten Nuckelflaschenkaries und bereits entstandener Initialkaries effektiv vorgebeugt. Frühkindliche Karies gilt als häufigste chronische Krankheit bei Kindern im Vorschulalter. Annähernd die Hälfte der kariösen Defekte, die bei der Einschulung festgestellt werden, entstünden in den ersten drei Lebensjähren.

Umfrage: Mundgesundheitsbewusstsein erkundet

Ein Versicherungsunternehmen hat über das Meinungsforschungsinstitut forsa vor wenigen Wochen erkunden lassen, wie die Deutschen zur Mundgesundheit stehen – und wie sie es mit dem Zähneputzen halten. Dass die Mundhygiene einen vergleichsweise großen Stellenwert genießt, mag auch mit der Rolle des Mundes im zwischenmenschlichen Umgang zu tun haben: 34 % aller Befragten achten laut eigener Aussage beim ersten Treffen zuallererst auf die Zähne des Gegenübers. Drei von vier Bundesbürgern putzen – auch nach eigenen Angaben – zweimal täglich die Zähne (etwas mehr Frauen als Männer sagten dies aus). Rund jeder Zehnte ist mit der Optik seiner Zähne sehr zufrieden, fast 70 % sind allgemein zufrieden, und rund 20 % mehr oder weniger gar nicht. Mehr als jeder Dritte beklagt, dass ein Zahn oder mehrere Zähne nicht geradestehen.

Urmenschen: Milchzähne gab es auch damals

Wie Wissenschaftler der Ohio State University kürzlich berichteten, hatten auch die Kinder von Urmenschen schon Milchzähne wie die Kinder heutzutage. Zähne eines vor rund 40 Jahren gefunden rund sechsjährigen Kindes, das vor etwas über 100.000 Jahren in Nordchina lebte, wurden neu untersucht. Besonders interessant war für die Forscher, dass diese archaischen Hominiden, die nicht richtig in bestehende Erkenntnisse der Evolution passen, zwar Milchzähne hatten wie sie heute üblich sind – der restliche Schädel aber nicht demjenigen moderner Menschen nahekommt. Dass die Milchzähne bei dieser Urmenschen-Gruppe solange im Mund blieben, verwunderte die Forscher, da man von einer vergleichsweise kurzen Lebensdauer dieser Hominiden ausgegangen war. Die vergleichsweise lange Lebensdauer der Milchzähne lasse vermuten, dass das Kind nach einem Zeitplan aufgewachsen sei, der demjenigen heutiger Kinder ähnele.

4. Langzeitimplantate: Was man beachten sollte

Der große Erfolg der Zahnimplantate hat auch Neben-Aspekte, die einer besonderen Beobachtung bedürfen, darauf wies Prof. Dr. Frauke Müller, Universität Genf, im Rahmen des Jahreskongresses der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) Ende 2018 hin. Während es hocherfreulich sei, dass für Implantate mittlerweile eine 30jährige Überlebensdauer nicht mehr selten ist, müsse bedacht werden, dass der Patient selbst in dieser Zeit auch biologisch altere. Unter anderem verändere sich Form und Stabilität des Kieferknochens, was zu Veränderungen im Zusammenspiel von Zähnen und Ober-/Unterkiefer führe. Hier müsse Zahnersatz, auch implantatgetragener, entsprechend überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Sinnvoll seien, so die Empfehlung an die Kollegen, veränderbare Lösungen, die die Alterung des Patienten „mitmachen" und beispielsweise später in eine herausnehmbare Zahnersatz-Lösung umgewandelt werden können. Dies mache auch dann Sinn, wenn die Knochen des Patienten zwar noch eine gute Stütze für das Implantat darstellen – der Patient aber nicht mehr fähig ist, die anspruchsvolle Mundhygiene bei einer auf einem Implantat festsitzenden Prothetikversorgung zu meistern.

3. Jetzt neu: bessere Zahnvorsorge für Kleinkinder

Drei zusätzliche zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen können ab 1. Juli 2019 die gesetzlich versicherten Eltern von Kleinkindern nutzen: Betroffen sind Kinder im Alter von 0 – 3 Jahren. Die verbesserte Vorsorge sei hoch wünschenswert, so Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Deutschlandweit seien rund 15 % der Kinder unter 3 Jahren bereits von Karies betroffen, hier insbesondere von der sogenannten „Nuckelflaschenkaries". Die Zahnärzte hatten diese verstärkte Vorsorge schon seit vielen Jahren gefordert und den Bedarf auch wissenschaftlich untermauert – der notwendige Beschluss seitens des Gemeinsamen Bundesausschusses, der gewissermaßen das Spektrum der zu bezahlenden Leistungen aus dem Bereich der Gesetzlichen Krankenkassen festlegt, ist dieser Empfehlung nun endlich gefolgt. Eine Verbesserung gab es bereits im zurückliegenden Jahr: Seither gibt es im „Gelben Heft", dem ärztlichen Untersuchungsheft, auch Hinweise auf jeweils anstehende notwendige zahnärztliche Vorsorge-Untersuchungen.

2. Schwangerschaft: Zahnreinigung sinnvoll

Auf die Notwendigkeit für Schwangere, ihrer Mundgesundheit in dieser Phase besondere Aufmerksamkeit zu schenken, wies zu Jahresbeginn das Apothekenmagazin „Baby und Familie" hin. Besonders empfohlen wurde den werdenden Müttern eine mindestens zweimalige „Professionelle Zahnreinigung". Grund ist der geänderte Hormonhaushalt, der bei Schwangeren meist zu gerötetem und geschwollen Zahnfleisch führt, das leichter zu Blutungen neigt. Daher sei es hilfreich, entzündungsförderliche Zahnbeläge, auch in versteckten Mundregionen, sorgfältig entfernen zu lassen. Nicht sinnvoll sei dagegen ein Zahnbleaching: Es sei bisher nicht ausreichend nachgewiesen, dass die für das Zähne-Bleichen notwendigen Bleichmittel (Wasserstoffperoxid, Carbamidperoxid) sich nicht riskant auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes auswirken.

1. Ganzheitlich: Mundbakterien und Alzheimer-Demenz

Wie einem soeben veröffentlichen Artikel in dem Fachjournal „Science Advances" zu entnehmen ist, hat ein internationales Forscherteam Zusammenhänge von Alzheimer-Demenz und einer „Infektion" im Gehirn entdeckt. Der infektionsähnliche Effekt führe dazu, dass die von den verursachenden Bakterien per Stoffwechsel ausgeschiedenen Enzyme das Absterben von Hirnzellen zur Folge haben. Auch um welche Bakterien es sich handelt, haben die Wissenschaftler eingegrenzt: Die Keime namens „Porphyromonas Gingivalis" gehören zu den Erregern von Parodontitis (Zahnbettentzündung). Was die Forscher ebenfalls herausfanden: Gibt man – in diesem Fall im Mäuseversuch – den infizierten Probanden ein Medikament, dass die schädliche Enzymproduktion stoppt, konnte das Fortschreiten der Degeneration von Hirnzellen gebremst werden. Das in den Blickpunkt genommene Parodontitis-Bakterium kommt, wie sich schon früher zeigte, nicht nur im Hirn vor, sondern auch in anderen Körperbereichen. Nun stehen Tests an, ob über diesen Weg eine Behandlung für Menschen mit Alzheimer-Demenz möglich ist.

18. Mundflora: Signal für späteres Übergewicht

Eine amerikanische Wissenschaftlergruppe hat entdeckt, dass man das Risiko, ob ein Kind später einmal Übergewicht oder gar Adipositas entwickeln könnte, bereits im Alter von zwei Jahren anhand der mikrobiellen Zusammensetzung seiner Mundflora erkennen kann. Wie ein wissenschaftlicher Nachrichtendienst vor Kurzem übermittelte, zeige jedes Kind eine andere individuelle Keimflora. Demnach haben Kinder mit einem Übermaß an zwei Bakterienfamilien (Firmicuten und Bacteroideten) ein größeres Risiko für ungesunde Gewichtsentwicklung wie Vergleichskinder. Entdeckt haben die Forscher diesen Zusammenhang, weil sie Kinder untersuchten, die nach der Geburt besonders schnell und viel zunahmen. Dabei stießen sie auf das Ungleichgewicht der Bakterienflora und die geringere Bakterienvielfalt im Vergleich zu sich normal entwickelnden Kindern. Die identifizierten Bakterien sind Adipositas-Forschern bereits bekannt: Sie finden sich ebenfalls in überhöhter Konzentration im Darm betroffener erwachsener Patienten. Nach den Erkenntnissen müsse nun weiter geforscht werden, wie das Ungleichgewicht entsteht – und wie man dieser Entwicklung sowie späterem krankhaften Übergewicht früh vorbeugen kann.

Zahnfehlstellung: Zusammenhang mit Parodontitis?

Ein Forscherteam der Universität Greifswald ist der Frage nachgegangen, ob der oft vermutete Zusammenhang von Zahnfehlstellungen und Zahnfleischerkrankungen belegt ist. Das Ergebnis ihrer Arbeit haben sie vor wenigen Wochen veröffentlicht. Dabei stand die Frage der bakteriellen Belastung im Fokus. Es heißt, dass gerade stehende Zähne leichter zu reinigen seien, sich an schief und verwinkelt stehenden Zähnen Zahnbeläge eher „verstecken" können und entsprechend schwerer zu entfernen sind – und dass eben diese Zahnbeläge ein hohes Risiko für die Entwicklung von Zahnfleischerkrankungen darstellen. Es zeigte sich nun, dass negative Folgen von Zahnengstand auf die Zahnfleischgesundheit möglich sind, aber weniger als vermutet. Andere Zahn-, zumal Kieferfehlstellungen wie in der Position nicht zusammenpassende Ober- und Unterkiefer („Überbiss" und andere) hatten riskantere Effekte. Klar schädigende Auswirkungen zeigten solche Zahnfehlstellungen, die aufgrund ihrer Position direkt oder indirekt zu Schäden am Zahn oder am Zahnfleisch führen (Beispiel Kreuzbiss oder tiefer Biss mit Zahnfleischkontakt). Zahnfehlstellungen zeigten leichte bis große Effekte auf den Zahnhalteapparat, so Prof. Dr. Olaf Bernhardt, Universität Greifswald. Es gebe weiteren Forschungsbedarf.

Zahnfehlstellung: Zusammenhang mit Parodontitis?

Ein Forscherteam der Universität Greifswald ist der Frage nachgegangen, ob der oft vermutete Zusammenhang von Zahnfehlstellungen und Zahnfleischerkrankungen belegt ist. Das Ergebnis ihrer Arbeit haben sie vor wenigen Wochen veröffentlicht. Dabei stand die Frage der bakteriellen Belastung im Fokus. Es heißt, dass gerade stehende Zähne leichter zu reinigen seien, sich an schief und verwinkelt stehenden Zähnen Zahnbeläge eher „verstecken" können und entsprechend schwerer zu entfernen sind – und dass eben diese Zahnbeläge ein hohes Risiko für die Entwicklung von Zahnfleischerkrankungen darstellen. Es zeigte sich nun, dass negative Folgen von Zahnengstand auf die Zahnfleischgesundheit möglich sind, aber weniger als vermutet. Andere Zahn-, zumal Kieferfehlstellungen wie in der Position nicht zusammenpassende Ober- und Unterkiefer („Überbiss" und andere) hatten riskantere Effekte. Klar schädigende Auswirkungen zeigten solche Zahnfehlstellungen, die aufgrund ihrer Position direkt oder indirekt zu Schäden am Zahn oder am Zahnfleisch führen (Beispiel Kreuzbiss oder tiefer Biss mit Zahnfleischkontakt). Zahnfehlstellungen zeigten leichte bis große Effekte auf den Zahnhalteapparat, so Prof. Dr. Olaf Bernhardt, Universität Greifswald. Es gebe weiteren Forschungsbedarf.

17. Statistik: Häufigste Zahn-Operationen

Das Statistische Bundesamt hat herausgefunden, dass im Jahr 2017 in deutschen Krankenhäusern – also nicht in allen Zahnarztpraxen und Kliniken addiert – fast 70.000 Zahn-Operationen stattfanden. Zumeist wurden Zähne gezogen, manchmal wurden sie auch transplantiert. Genauer: In rund 50.000 Fällen wurde in verschiedenen Verfahren ein Zahn gezogen, entweder „klassisch" oder „herausoperiert". Rund 11.500 Mal wurde eine umfangreiche chirurgische Behandlung des Zahnfleisches vorgenommen, beispielsweise vor oder nach einer Behandlung wie einer Implantation, wenn verloren gegangenes Gewebe wieder aufgebaut werden musste. Zu den Operationen gehörten auch solche Fälle, wo erkranktes Gewebe, beispielsweise bei Infektionen oder Krebs, entfernt werden musste. Auch Operationen am Kiefer gehören – neben weiteren Maßnahmen – in die Gesamtliste, beispielsweise wenn eine kieferorthopädische Apparatur an speziellen Implantaten „angebunden" werden musste oder eine Kieferverlagerung notwendig war, um das Atmen zu erleichtern.

16. Zahnzwischenraum: Tipps für die Reinigung

Wer eine ausgeglichene Mundgesundheit und ein stabiles Zahnbett haben möchte, kommt an der Zahnzwischenraumpflege nicht vorbei. Wie Umfragen zeigen, ist vor allem die Handhabung für viele Menschen ein Hinderungsgrund. Wie zwei Wissenschaftlerinnen vor ein paar Wochen in einem Beitrag in einer Fachzeitschrift deutlich machten, gebe es heute eine derart große Auswahl an Zahnzwischenraum(Interdental)-Hygienehilfsmitteln, dass eigentlich jeder Patient das passende Produkt finden könne. Während der eine gern Fäden um den Finger wickele, nutze der andere lieber Halter mit bereits fertig eingespanntem Faden. Diese seien allerdings nicht ausreichend geeignet, um die Zahnfleischränder auch „um die Ecke vom Zahn" noch sorgfältig zu reinigen – den Umgang damit solle man sich daher auf jeden Fall von den Prophylaxe-Experten der Hauszahnarztpraxis zeigen lassen. Bessere Erfolge erreiche man mit Zahnzwischenraumbürstchen, die in vielen Größen und Formen erhältlich seien. Auch hier hinge der Effekt mit Form, Größe und Anwendung zusammen und erfordere im Vorfeld eine Beratung. Die beliebten metallfreien Bürstchen wirkten eher wie Zahnzwischen-Zahnstocher und erwiesen sich als nützlich, auch hier wird wegen der Erreichbarkeit der hinteren Zahnrandflächen eine Beratung empfohlen. Ebenfalls erhältlich ist eine Vielzahl elektrischer Alternativen – zwar lägen keine ausreichenden klinischen Studien vor, erste Beobachtungen zeigten aber keine Gründe, sie nicht einzusetzen. Aber auch sie erforderten Einweisung, Training und gelegentliche Erfolgskontrolle in der Zahnarztpraxis.

Einfluss auf die Zahnwurzel

Das amerikanische Fachjournal für Endodontie (Wurzelbehandlung) hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die den Zusammenhang von Rauchen und Wurzelkanalbehandlungen zum Inhalt hatte. Die Ergebnisse wurden danach in Kurzform auch in einem deutschen Fachjournal veröffentlicht. Es zeigte sich, dass ebenso wie beim Zahnbett das Rauchen zu einer Schwächung des Abwehrsystems führt – hier im Bereich der Pulpa, des inneren Zahn-Kanals, der mit Blutgefäßen und Nerven den Zahn mit dem ganzen Körper verbindet. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Raucher rund doppelt so oft Wurzelkanalprobleme haben, die einer Behandlung bedürfen, wie Nicht-Raucher.  Das Abwehrsystem zeigte einen deutlich erniedrigten Spiegel an wichtigen Immunzellen. Was die Wissenschaftler ebenso entdeckten: Auch die Pulpa regeneriert sich wieder, wenn der Raucher konsequent zum Nichtraucher wird.

14. Milchzahnverlust: Freude nach langem Wackeln

Einer interessanten Frage ging ein interdisziplinäres Forscherteam aus Zürich nach: Was empfinden Kinder eigentlich, wenn sie ihre Milchzähne verlieren? Freut sie das? Finden sie das schlimm? Ersteres, wie die entsprechende Studie ergab. Insbesondere wenn das Wackeln des Zahnes früh bemerkt und länger begleitend beobachtet wurde, stieg die Freude über den Zahnverlust. Es sei auch eine Erleichterung für die Kinder, wenn der Wackelzahn endlich ausfalle. Für viele Kinder ist das ein spannender Moment, den sie damit verbinden, ein bisschen erwachsener zu werden. Es sei, so die Wissenschaftler, für Kinder oft der erste spürbare Körper-Veränderungsprozess. Allerdings gebe es auch Kinder, der Studie nach etwa jedes Fünfte, die mit dem Verlust des Wackelzahnes auch Angstgefühle verbinden: Für sie ist es der Verlust eines Körperteils. Sehr oft hing die Frage, ob das Kind positiv oder negativ auf den anstehenden Zahnverlust reagiert, mit früheren ersten Erfahrungen in der Zahnarztpraxis zusammen. Hatte das Kind beim Erstbesuch einer Zahnarztpraxis behandlungsbedürftige Karies, Schmerzen und eventuell auch Scham, war das Milchzahnverlust-Erlebnis eher negativ geprägt. War der Anlass eine Kontrolluntersuchung oder ein Zahnunfall nach Sturz, wirkte sich das nicht negativ auf das Gefühl beim Wackelzahn-Ausfall aus.

13. Wichtiger Arbeitgeber: Berufe in der Zahnmedizin

Auf der Grundlage ihrer regelmäßig erhobenen statistischen Daten ermittelte die Bundeszahnärztekammer kürzlich die Situation der Zahnarztpraxen hinsichtlich ihrer Rolle als Arbeitgeber und die Zahnmedizin selbst als Quelle von Arbeitsplätzen. Demnach hängen in Deutschland 878.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit der zahnmedizinischen Versorgung der Bevölkerung zusammen. Zudem wirke sich der mit der Gesamt-Branche geschaffene Umsatz erheblich auf das Bruttoinlandsprodukt aus: Es würde ohne den Bereich Zahnmedizin um rund 46 Milliarden Euro niedriger liegen. Fast 400.000 Menschen arbeiten in Praxen, Kliniken oder dem Öffentlichen Dienst direkt in der zahnärztlichen Patientenversorgung. Addiere man die Bruttowertschöpfung des gesamten zahnärztlichen Systems, also aus Praxen, Kliniken, aus Zahntechnik, Industrie und Versicherung, käme man auf eine Gesamtsumme von 21,4 Milliarden Euro, so die Bundeszahnärztekammer.

12. Mundgesundheit: Tabletten oder Zahnbürste?

Obwohl Studien ergaben, dass Probiotika in Lutsch- oder Kautablettenform die Mundgesundheit verbessern können und bei der Heilung bestehender Infektionen nützlich sind, sei die Zahnbürste doch allen solchen „Zusatz-Hilfsmitteln" an Wirksamkeit überlegen – so Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf bei einem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin. Eine zahnärztliche Fachzeitschrift wies vor ein paar Wochen darauf hin, dass bei allen Erfolgsmeldungen für die Wirksamkeit solcher Tabletten die wissenschaftlichen Belege bei weitem nicht ausreichten derzeit, um von Zahnbürste auf solche Medikamente umzusteigen. Nach wie vor seien Zahnbürste und Zahnseide die erwiesenermaßen besten Utensilien, um einer Zahnbettentzündung vorzubeugen. Aber es gäbe durchaus Patienten, da seien die pro- beziehungsweise präbiotischen Tabletten ergänzend nützlich: So habe ein Test bei Schwangeren ergeben, dass die durch die Schwangerschaft sensibler gewordene Mundgesundheit bei regelmäßiger Nutzung von Probiotika ganz deutlich an Gesundheit gewann und widerstandsfähiger gegen Infektionen war.
 

11. Medikamentöse Krebstherapie: Folgen für den Mundraum

Menschen, die aufgrund ihrer Krebserkrankung mit aggressiven Medikamenten behandelt werden, leiden auch im Mundraum oft unter belastenden Folgen. Dazu zähle, so Wissenschaftler Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie kürzlich beim Kongress der Fachgesellschaft in Wiesbaden, auch eine schmerzhafte entzündete Mundschleimhaut, die für die betroffenen Patienten sehr quälend sein könne. Eine solcherart belastete Mundschleimhaut vertrage keinen Stress durch eine klassische Prothese, so Grötz. Dagegen könne eine Implantat-Versorgung für eine Erleichterung durch Entlastung von Störmomenten nützen. Auch bei der Behandlung mit sogenannten Bisphosphonaten seien Implantate nicht mehr automatisch kritisch zu sehen: Zwar träfe es zu, dass manche Menschen unter Bisphosphonat-Behandlung zu Kieferknochen-Auflösungen neigten, es gebe aber auch weitere ungünstige Belastungen des Mund-Systems durch Zahnbettentzündungen und Druck durch eine (möglicherweise inzwischen) falsch sitzende Prothese. Es sei also immer individuell abzuwägen, ob eine stabile Implantatversorgung die zusätzlich belastenden Faktoren minimieren und die Kiefer- und Mundgesundheit längerfristig verbessern oder zumindest erhalten könnten.

10. Probiotika: nützlich bei Parodontitis?

Die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) diskutierte auf ihrem diesjährigen Kongress auch das Zusammenwirken von Probiotika und Parodontitis. Probiotika werden mittlerweile verschiedene positive Wirkungen zugeschrieben, nicht immer sind die Zusammenhänge wissenschaftlich belegt, manchmal eher Marketing-Aussagen von Herstellern oder speziellen Interessenverbänden. Aber auch die DGPZM kam zu einem positiven Gesamtergebnis, wie eine zahnärztliche Fachzeitschrift vor ein paar Wochen berichtete: Demnach haben sowohl Probiotika als auch Präbiotika positiven Einfluss auf ein Entzündungsgeschehen im Mund. So unterstützten die entsprechenden Lutschtabletten eine gesund vielfältige Keimbesiedelung im Mund und begrenzten das Überhandnehmen von Bakterienfamilien, die für Entzündungen maßgeblich sind. Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf, Universität Würzburg, machte deutlich, dass die regelmäßige Nutzung probiotischer Lutschtabletten auch die Wundheilung im Mund fördern könne.
 

9. Chronische Erkrankungen: Implantat-Risiko minimiert

Während man vor einigen Jahren noch davon ausging, dass für Menschen mit chronischen Erkrankungen und/oder regelmäßiger Einnahme von Medikamenten mit Auswirkungen auf die Mundgesundheit implantatgetragener Zahnersatz eher nicht sinnvoll ist, sieht die zahnmedizinische Wissenschaft dies inzwischen anders. Wie Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie, im Rahmen eines Pressegespräches Ende November betonte, lässt sich auch für solche Patienten eine individuell passende Implantatlösung entwickeln – auch wenn solche Patienten als ‚Risikopatienten' besonders beachtet und sowohl Versorgung als auch pflegende Nachsorge besonders gut abgewogen werden müssten. Während beispielsweise medikamentös gut eingestellte Diabetes-Patienten kaum besondere Herausforderungen an die zahnärztliche Implantatversorgung stellten, müsse das erhöhte Risiko von Entzündungen und die Folgen der Erkrankung auf die Blutgefäße immer im Blick bleiben und unter intensivierter zahnärztlicher Kontrolle, um ungünstige Entwicklungen frühzeitig in den Griff zu bekommen.

8. Ökotest bestätigt: Fluoridlack schützt Milchzähne

Die Diskussion führt vor allem zwischen alternativ-kritischen Eltern und auf wissenschaftlich basierter Grundlage argumentierenden Zahnärzten immer wieder zu Unstimmigkeiten: Kann Fluoridlack zur Versiegelung der Milchzähne wirklich gut und gesund sein? In diese Diskussion brachte sich kürzlich auch die Zeitschrift „Ökotest" ein und bezog klar Stellung: „Eine Behandlung der Milchzähne mit Fluoridlack schützt Kinderzähne effektiv vor Karies." Damit untermauerte Ökotest das entsprechende Ergebnis der Untersuchungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Zugleich stellte die Zeitschrift klar, dass man auf die Gesamtmenge der aufgenommenen Fluoride achten müsse. Zuviel sei auch hier wie immer im Leben zuviel. Gesicherte Erkenntnis sei, so Ökotest an seine Leserschaft: „Wenn Fluorid in die Zahnschmelzstruktur eingelagert wird, wird der Zahn widerstandsfähiger gegen die Säure aus unserer Nahrung." Ob die Fluoridzufuhr ausreichend oder zu hoch ist, dazu können die Prophylaxeexperten in der Zahnarztpraxis genauer Auskunft geben – auch der Fluoridgehalt des örtlichen Trinkwassers ist hier zu berücksichtigen.
 

7. Seelische Belastung: mit Implantaten erst einmal warten

Liegen bei einem Patienten seelische Belastungen vor, die sich auch in verändertem Empfinden seiner Mundgesundheit und in unnatürlichen Belastungen der biologischen Strukturen zeigen, könne es sinnvoll sein, mit einer Implantatversorgung – wenn möglich – abzuwarten, bis es dem Patienten besser geht: Das empfahl Prof. Dr. Peter Rammelsberg, ärztlicher Direktor der Heidelberger Zahnklinik, vor wenigen Tagen in einem Vortrag im Rahmen des Jahreskongresses der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie in Wiesbaden. Einheilung und Funktion sollten nicht durch eventuelle psychologisch bedingte Abwehrhaltungen beziehungsweise unbewusste Überlastungen gefährdet werden. Sinnvoller sei es, die „Hochspannung" durch entsprechende fachtherapeutische Behandlung erst einmal in den Griff zu bekommen. Wünsche von Patienten, die sich durch eine Implantatversorgung eine Verbesserung ihrer belasteten Situation im Mund erhoffen, seien in der Regel nicht erfüllbar: Zumeist liege der Kern der Problematik eben nicht im Mund, sondern auf der Seele, daher seien zahnärztliche Eingriffe mit großer Vorsicht zu planen.

6. Mundpflege: welche Reihenfolge?

Sie stehen im Bad bereit: Zahnbürste, Zahnseide, vielleicht noch weitere Mundhygiene-Hilfsmittel. Sicher haben sich schon viele Menschen gefragt, in welcher Reihenfolge man sie eigentlich am besten anwendet: erst die Zahnseide, dann die Zahnbüste – oder umgekehrt? Dieser Frage haben sich kürzlich amerikanische Forscher gewidmet und für Antworten gesorgt. Zwei Versuchs-Gruppen wurden gebildet: Die eine nutzte zuerst die Zahnbürste und danach die Zahnseide, die andere machte es umgekehrt. Das Ergebnis: Die Gruppe, die mit Zahnseide begann, hatte die besseren Hygiene- und Fluorid-Werte. Offenbar macht es Sinn, vor dem Zähneputzen schon mal die Zahnzwischenräume von Bakterien und Anlagerungen zu befreien, die beim Putzen gleich mit weggewischt und beim Mundspülen wegbefördert werden. Auch das Fluorid aus der Zahnpasta verlieb besser im Mund, wenn zuerst die Zahnseide benutzt wurde.
 

5. Implantate: auch bei Kiefergelenkproblemen

Nicht wenige Patienten kennen den Schmerz, den das Mundöffnen auslöst: Ihr Kiefergelenk ist in seiner Funktion eingeschränkt, beispielsweise, weil der „Diskus", die Knorpelscheibe, aus seiner natürlichen Position gerutscht ist. Eine Implantatversorgung sei bei solchen Patienten durchaus möglich, sagte der Heidelberger Professor Dr. Peter Rammelsberg beim wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie kürzlich in Wiesbaden. Während mit negativen Auswirkungen auf die Kieferfunktionsstörung nicht gerechnet werden müsse, könnten sogar positive Wirkungen möglich sein. Sei der Seitenzahnbereich mit einer stabil sitzenden Zahnersatzversorgung, beispielsweise auf Implantaten, versorgt, könnte dies zu einer Entlastung des Kiefergelenks bei entsprechender Indikation führen. Dabei gelte es, mit möglichst verschleißarmen Materialien für ein langfristig stabiles Zusammenspiel von Oberkiefer und Unterkiefer zu sorgen – „weiche" Lösungen erwiesen sich hier eher als hinderlich. Beheben könne aber auch der stabilste Zahnersatz in der Regel das Kiefergelenkproblem nicht: Hier stelle sich die Aufgabe für ein gutes Team aus entsprechenden Spezialisten.

4. Knirschen: Stress für das Zahnbett

Dass Knirschen für die Zähne belastend ist, wissen viele Menschen – nicht zuletzt die Betroffenen selbst, die immer mal wieder Abplatzungen an ihren Zähnen feststellen. Manchmal bemerkt man sie an einer scharfen Stelle, die plötzlich an einem Zahn, zum Beispiel an den Beißkanten der Frontzähne, spürbar wird. Weniger bekannt ist, darauf wies ein Fachbeitrag in einem zahnärztlichen Fachjournal hin, dass Knirschen auch das Zahnbett überlastet. Wissenschaftler der Okayama Universität/Japan haben kürzlich in einer umfangreichen Studie nachgewiesen, dass die enormen Kräfte, die beim Knirschen und Zähnepressen entstehen, Auswirkungen auf den Blutfluss und den Sauerstofftransport haben, die die Zellen mit Energie versorgen. Es zeigte sich, dass die muskuläre Belastung, vor allem die der Mundbeweger-Muskeln, bei den belasteten Patienten deutlich intensiver war als bei Vergleichspatienten. In der Gruppe der Patienten mit solchen Fehlfunktionen war der Anteil an mittelschwerer und schwerer Parodontitis größer als in der Vergleichsgruppe. Die Wissenschaftler sahen mehrere Anhaltspunkte dafür, dass Knirschen und Zähnepressen auch Schäden am Zahnbett nach sich ziehen.

3. Knirschen: kein Hinderungsgrund für Implantate

Von der früheren Lehrmeinung, dass Implantate bei knirschenden Patienten nicht angewendet werden sollen, sind Wissenschaft und Technik inzwischen abgewichen. Prof. Dr. Peter Rammelsberger, an der Heidelberger Universität insbesondere für Prothetik zuständig, betonte in seinem Eröffnungsvortrag zum diesjährigen Kongress der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie vor wenigen Tagen in Wiesbaden, dass Implantatversorgung mit Kiefergelenkproblemen vereinbar sei. Auch wenn der Patient mit den Zähnen knirsche, was eine erhebliche Belastung für die Strukturen im Mund darstelle, könnten mit den heute bestehenden Materialien und Systemen individuell passende Lösungen entwickelt werden. Auch für die Auswahl des Materials für den Zahnersatz im Bereich der Zahnkrone müsste aus den Möglichkeiten, die es auf dem Markt gebe, gezielt nach Passendem gesucht werden. So wie die natürlichen Zähne mit Schäden auf das Knirschen reagierten, seien auch die prothetischen Zahnkronen erhöhter Belastung ausgesetzt – hier steht die Standhaftigkeit des Zahnersatzes über alternativen und belastungsempfindlichen Lösungen. So seien beispielsweise Versorgungen aus Metall oder aus Hochleistungskeramik widerstandsfähiger als andere Möglichkeiten.

2. Lebensverlauf: Implantate müssen passen

Im Zuge des Älterwerdendes verändert sich im Körper sehr viel, darunter oft die Stabilität der Knochen und, insbesondere im Mund, das mögliche Zurückweichen von Zahnfleisch. Prof. Dr. Frauke Müller, Universität Genf, die sich spezialisiert hat auf Alterszahnmedizin, wies in einer großen deutschen zahnärztlichen Fachzeitschrift Anfang Dezember darauf hin, dass Implantate sich nicht veränderten mit der Zeit – aber das Gewebe um das Implantat herum. Zudem würden bei vielen älteren und alten Menschen die Fähigkeiten abnehmen, bei der Zahn- und Mundpflege noch ausreichend gut sehen zu können, auch verlören viele alte und hochbetagte Menschen ihren Tastsinn. Da nicht alle auf eine sehr gute Pflege-Betreuung bauen könnten, sei es wichtig, dass die Menschen nicht nur ihre eigenen verbliebenen Zähne, sondern beispielsweise auch ihren auf Implantaten ruhenden Zahnersatz selbst ausreichend reinigen könnten. Zahnersatz müsse am besten so konstruiert sein, dass er bei gesundheitlichen Veränderungen im Lebenslauf angepasst werden könne. Ältere und hochbetagte Menschen beispielsweise würden durch festsitzenden Zahnersatz eher gestresst. Diese Entwicklung müssten Zahnarzt und Patient rechtzeitig bei der Zahnersatz-Planung mitbedenken.

Männergesicht: Lächeln zählt

Eine spannende Untersuchung, die kürzlich in einem amerikanischen zahnärztlichen Fachjournal veröffentlicht wurde, zeigt, dass bei der Einschätzung der Attraktivität eines jungen Mannes vor allem der Mund eine große Rolle spielt. Geblickt wurde auf Ausschnitte des Gesichts, also Augen, Nase und Mund – und hier führt der Mund als wichtigster Faktor die Liste an: Das Lächeln wurde von keinem anderen „Gesichtsteil" als Attraktivitätsfaktor (nicht im Sinne von Schönheit, sondern von ansprechendem Äußerem) getoppt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es nicht der Mund selbst ist, sondern seine Muskulatur, die – anders als bei Auge und Nase – die meisten Veränderungen des Gesichtsausdrucks hervorruft. Wenn der Mund redet oder lacht, ist das ganze Gesicht mit einbezogen. Er sei, gewisserweise, tatsächlich das Kommunikationszentrum des Menschen.

Zahnunfälle: Schweizer Kinder immer öfter betroffen

Die Datenanalyse einer Schweizer Krankenkasse hat ergeben, dass die Anzahl an Zahnverletzungen (hier wurden nur die bleibenden Zähne betrachtet) bei Schweizer Kindern unter 18 Jahre in den letzten vier Jahren – so der Auswertungszeitraum – erheblich angestiegen sei. Zwar sei es nicht unerwartbar, dass Kinder bei Sport und Spiel auch Zahnunfälle erlitten – die Steigerung sei aber bemerkenswert. Der Blick auf die betroffenen Kinder ergab, dass insbesondere Jungen Zahnunfälle erleiden, rund zwei von drei Kindern mit Zahnschäden dieser Art waren Jungen. Besonders häufig kommt es bei Stürzen zu Zahnverletzungen. Auch Wettkampf-Sportarten wie Handball sind besonders riskant, ebenso die Nutzung der neuerdings wieder sehr beliebten Tretroller. Die Problematik wird deutlich dadurch, dass hier nicht Milchzähne betrachtet wurden, die einen „bleibenden Zahn" als Nachfolger haben, sondern die bleibenden Zähne selbst, die nur durch Zahnersatz behandelt werden können. Das sei, so die Krankenkassen, ein steigender Kostenaspekt, der durch die Kasse geleistet werden müsse.

Interdentalraumpflege: Wichtig oder nicht?

Zahnärztliche Wissenschaftler sind sich einig, wie eine neue Veröffentlichung in einer großen zahnmedizinischen Fachzeitschrift zeigt: Auch wenn keine sogenannte „Evidenz" vorliegt, also ein durch viele Daten unterstützter eindeutiger Beleg, ist die Zahnzwischenraumreinigung, die „Interdentalraumpflege" auf jeden Fall sinnvoll. Bleibe sie aus, könnten die nicht entfernten bakteriellen Beläge zu einem Risiko für spezielle, keimbezogene Erkrankungen werden. Untersuchungen zeigten zudem einen Gewebeschwund rund um den Zahn, der seinerseits zu Belastungen für das Zahnbett und die Gesundheit des Zahnumfeldes führen kann. Zwar sei es fraglich, ob die Bevölkerung mit den nicht auf Anhieb leicht einzusetzenden Interdentalraumpflege-Hilfsmitteln umgehen könne, da sich Untersuchungen zufolge schon Probleme bei der sachgerechten Handhabung der Zahnbürste zeigten – andererseits sei der Sinn der Zahnzwischenraumpflege so deutlich, dass ein Training beispielsweise im Rahmen einer Professionellen Zahnreinigung (PZR) empfehlenswert wäre, ein Angebot an die Patienten, das auch wiederholt gemacht werden müsse, um den Fortschritt zu verfestigen. Die Autoren des Fachbeitrages weisen aber darauf hin, dass eine kontinuierliche Anwendung notwendig sei und nicht eine vierteljährliche oder einmalige im Vorfeld einer PZR.

Einzelzahnimplantat: Inzwischen Standardversorgung?

Implantologisch erfahrene Zahnärzte aus verschiedenen Ländern diskutierten bei einem Fachkongress im Oktober dieses Jahres in München die Frage, welche Rolle das Einzelzahnimplantat bei der Zahnersatz-Versorgung der Patienten heute spielt. Die Statistik zeigt, dass die Einzelzahnversorgung die mit Abstand häufigste Aufgabe ist, die mit einem implantatgetragenen Zahnersatz gelöst wird. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es auch bei implantatgetragenen Brücken zu neuen Vorgehensweisen kommen wird: Anstelle einer Brücke, also einer miteinander in fester Verbindung stehenden Anzahl von prothetischen Zahnkronen, könnte sich mehr und mehr die Addition von Einzelzahn-Implantaten durchsetzen. Vorteil unter anderem: Der Zahnersatz ist noch mehr an die natürliche Aufgabe der Einzelzähne angepasst und kann Belastungen individueller aufnehmen und aushalten. Und sollte es an einem Zahn zu Problemen kommen wie einer Reparatur oder Neufertigung, ist nur dieser Zahn und nicht die ganze Brücke betroffen. Zudem könne eine solche Einzelzahnlösung unproblematisch durch zusätzliche Einzelzahnimplantate erweitert werden, ohne dass eine bestehende Brücke erneuert bzw. die Belastung neu angeglichen werden muss. Letztlich entscheide die individuelle Situation des Patienten über die Art der Versorgung.

Morbus Alzheimer: Rolle der Mundgesundheit

Einer aktuellen Veröffentlichung in einer Zahnärzte-Zeitschrift zufolge leiden weltweit 24 Millionen Menschen unter der Alzheimer-Erkrankung – kein Wunder also, wenn ebenfalls weltweit nach Ursachen für diese degenerative Entwicklung gesucht wird, denn ein klarer Ursache-Folge-Zusammenhang ist derzeit noch nicht gefunden.  Möglicherweise gibt es auch nicht die eine Ursache: Schon jetzt zeigen sich verschiedene Risikofaktoren wie beispielsweise genetische Besonderheiten.  Auch entzündliche Prozesse und ihre Auswirkungen auf das Immunsystem werden als Faktoren für die Alzheimer-Entstehung diskutiert – und hier kommen auch entzündliche Prozesse im Mund in den Blickpunkt. Einige der an Parodontitis beteiligten Keime sind gewebeinvasiv, dringen also unter anderem in die Blutbahn ein und rufen aggressive Abwehrzellen auf den Plan. Problematisch ist, dass diese Keime offenbar auch über Nervenbahnen die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Bei einer Testgruppe an verstorbenen Alzheimer-Patienten konnten bei fast allen Parodontitis-Keime im Hirn nachgewiesen werden. Auch wenn letzte Beweise noch ausstehen, dürfte – so die Studiengruppe – ein Zusammenhang von Parodontitis und Alzheimer belegt sein. Die Reduktion der chronischen Parodontitis kann daher auch für die Vorbeugung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer eine relevante Rolle spielen.

Lebensraum Mund: Rolle des Zuckers

Der Mund ist ein Lebensraum, ein Biotop – besiedelt von Millionen unterschiedlicher Keime, gesundheitsförderlichen und gesundheitsschädlichen, die sich meist gegenseitig in Schach halten. An der Universität Freiburg wurde nun untersucht, was sich in diesem Biotop verändert, wenn Zucker gegessen oder getrunken wird, zum Beispiel über ein Glas Apfelschorle. Insbesondere über anhaltenden Zuckerkonsum und die Folgen für die biologische Vielfalt im Mund wurden Erhebungen durchgeführt und es hat sich dabei gezeigt, dass die Vielfalt der Keime im Mund bei Zuckernutzung zurückgeht. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Zusammensetzung und die Stabilität der Keim-Flora im Mund: Es vermehrten sich ausgerechnet solche Bakterienfamilien, die als Hauptverursacher von Karies gesehen werden.  Insbesondere solche zuckerhaltigen Lebensmittel, die lange im Mund verbleiben wie Bonbons oder Fruchtdrinks für Kinder verändern das Biotop nachhaltig zuungunsten der Mundgesundheit, betonte Studienleiter Prof. Dr. Elmar Hellwig, Universität Freiburg.

Mundgesundheit: Zusammenhang mit Bluthochdruck?

Immer neue Studien widmen sich der Frage, welche Zusammenhänge es zwischen Mundgesundheit und verbreiteten allgemeinen Erkrankungen es geben könnte. Aktuell veröffentlicht ist eine Untersuchung an einer italienischen Universität, die Zusammenhänge mit Blick auf Bluthochdruck geprüft hat. Rund 40 % der Bevölkerung, so die Veröffentlichung der Studienergebnisse vor ein paar Wochen, leiden unter relevanter Parodontitis (Zahnbettentzündung), einer chronischen Infektion, deren Keime über die Blutbahn auch andere Bereiche des Körpers in Mitleidenschaft ziehen. Demnach haben Patienten ohne Parodontitis seltener Bluthochdruck – und sie reagieren, wenn sie doch betroffen sind, besser auf die entsprechenden Medikamente. Bei Menschen mit Zahnbettentzündungen wird die Wirkweise der Arzneimittel abgeschwächt, in etwa in gleicher Intensität, wie die klassischerweise empfohlene Reduktion des Salz-Verbrauchs zu Buche schlägt. Die Forscher halten dazu fest, dass Bluthochdruckpatienten nicht nur bei Hausarzt und Kardiologen, sondern auch bei Zahnärzten regelmäßig ihren Gesundheitszustand prüfen lassen sollten. Werde die eventuell bestehende Parodontitis erfolgreich behandelt, gehe oft auch die Belastung für das Herz-Kreislauf-System zurück.

Babys: Stillen ist beste Vorsorge

In einer neuen Patienteninformation zum Thema Schwangerschaft und Mundgesundheit informieren Landeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen werdende und junge Mütter zur richtigen Vorgehensweise, um Zahn- und Kieferschäden zu vermeiden. Unter anderem wird verdeutlicht, dass Stillen neben den bekannten wichtigen positiven Wirkungen für Wachsen und Immungesundheit des Kindes auch Vorsorge ist gegen Zahn- und Kieferfehlstellungen: Die Saugbewegungen beim Stillen formen den Mund auf natürliche Weise in die richtige Richtung. Gewarnt wird auch vor dem übermäßigen Einsatz von Nuckelfläschchen mit dem bekannt hohen Karies-Risiko: Früher als viele Eltern denken, könnten Babys bereits feste und flüssige Nahrung über Löffelchen oder auch kleine Becher aufnehmen.  Mundpflege, so der Appell der Herausgeber, sei fester Bestandteil der Körperpflege der kleinen Kinder und gehöre zu den Fürsorge-Aufgaben der Eltern.

Zahnimplantate aus Keramik: Stand der Diskussion

In einem ausführlichen Beitrag in einer der zentralen Fachzeitschriften der deutschen Zahnärzteschaft diskutierten kürzlich erfahrene Wissenschaftler, darunter Prof. Dr. Florian Beuer vom Vorstand der DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie, die Frage, ob Implantate aus Keramik die lang und erfolgreich genutzten Implantate aus Titan ersetzen könnten. Manche Patienten mögen eine „metallfreie" Behandlung, und auch die Farbe dieser Implantate spielt eine Rolle: Das Weiß verhindert ein möglicherweise dunkles Schimmern, wie es bei zarter Mundschleimhaut nach Titanimplantat-Versorgung vorkommen kann. Neu ist Keramik als Werkstoff für Implantate nicht: Mit ihm wurde vor rund 50 Jahren fast zeitgleich mit Titan experimentiert, wobei damals Keramik Probleme bereitete, die heute so nicht mehr existieren. Mittlerweile gibt es Hochleitungskeramik, die – so der Expertenkreis – „stahlhart" ist. Studien haben gezeigt, dass sogenannte einteilige Keramikimplantate insbesondere bei Einzelzahnversorgung oder dreigliedrigen Brücken den Titan-Lösungen inzwischen ebenbürtig sind.

Pilze: Positiver Effekt gegen Karies

Pilzfreunde dürfen sich freuen – zumal, wenn sie den Pilz Shiitake mögen: Wie verschiedene Forscherteams in den zurückliegenden Jahren entdeckt haben, haben sie offenbar eine antibakterielle Wirkung und können dazu beitragen, Karies zu verhindern. Eine aktuelle Presseinformationen der Ernährungsorganisation „food watch" verweist auf gleich mehrere Studien: Im Jahr 2011 ergab eine Londonder Forschungsarbeit, dass die antibakterielle Wirkung von entsprechenden Mundspüllösungen gleich wirksam war wie eine hergestellte Mundspülung aus Shiitake-Pilzen. Im laufenden Jahr wurden Bestandteile der Pilze wie Chinasäure, OxalsäureAdenosin und andere als natürliche Helfer gegen schädliche Mundbakterien identifiziert. Die Veröffentlichung spricht von 90 % Hemmung des Bakterienwachstums und bis zu 60 % erfolgreiche Abtötung der Bakterienansammlungen. Ein Teil des Erfolges geht offenbar darauf zurück, dass die Wirkstoffe des Pilzes die Verdichtung der Zahnbeläge und so die Anhaftung der Plaque erschweren. Weitere Studien zeigten der Veröffentlichung zufolge eine differenzierte Wirkung gegen Bakterien im Vergleich zu chemischen Mundspülungen, die auf die gesamte Mundflora wirken. Da es Shiitake-Mundspülungen derzeit noch nicht gebe, könne man schon mit regelmäßigen Pilzmahlzeiten etwas Gutes für die Zahngesundheit tun.

Weiße Zähne: Vorsicht vor Hausmitteln

Vor einigen Wochen hat sich die Apotheken Umschau gemeinsam mit Wissenschaftlern einem Thema gewidmet, das viele Patienten interessiert: Wie bekommt man am besten weiße Zähne, und was ist von den in den Zeitschriften oft gepriesenen Hausmittelchen zu halten? Von Zitronensaft und Backpulver beispielsweise rieten die befragten Experten ganz klar ab – diese Stoffe griffen den Zahnschmelz an und könnten daher zu Karies führen. Bei „dritten" Zähnen, an der Zahnprothese, könnte Backpulver aber wenig schaden. Das aktuelles Trendprodukt Kokos-Öl, das für viele Effekte gehandelt werde, habe eine leichte antibakterielle Wirkung, so die befragten Experten, so könnten Zahnbeläge etwas minimiert werden, das natürliche Zahnweiss werde dann deutlicher sichtbar. Kritisch zu sehen seien Bleaching-Schienen für den Hausgebrauch – die Wirkstoff-Mischung arbeite in der Regel mit Wasserstoffperoxid, welches in kleinen Mengen über den Speichel auch in den Magen gelangen und diesen reizen könne. Die Zahnärzte empfehlen Bleaching-Behandlungen in der Zahnarztpraxis – hir werde mit Produkten und Techniken gearbeitet, die für die Behandlung von Patienten freigegeben sind.

Chemotherapie: Oft belastet Mundtrockenheit

Spanische Wissenschaftler haben Krebs-Patienten unter Chemotherapie befragt, welche Nebenwirkungen ihnen besonders zu schaffen machen. Die Ergebnisse dieser Erhebung an rund 150 Patienten haben sie kürzlich veröffentlicht. Demnach ist Mundtrockenheit ganz besonders belastend: Fast zwei Drittel der Patienten nannten sie als unangenehme Begleiterscheinung. Die Mundtrockenheit stand für die meisten zudem in engem Zusammenhang mit zwei anderen belastenden Effekten: Etwa gleich viele Patienten beklagten zudem eine Änderung ihres Geschmackssinnes, und fast jeder Zweite stellte eine Änderung des Geruchssinnes fest. Die Wissenschaftler interessierte hier als weiteren Schritt die Frage, ob alle Chemo-Therapie-Medikamente zu gleichen Nebenwirkungen führen oder unterschiedliche Ergebnisse bringen. Dabei zeigte sich, dass Präparate wie Cisplatin und 5-Fluororuacil hinsichtlich der Geschmacksveränderungen am wenigsten belasteten. Bei Produkten wie Carboplatin und Docetaxel fanden die spanischen Forscher dagegen eher höhere Effekte auf das Geschmacksempfinden. Sie regten an, die Auswahl der Medikamente auch hinsichtlich ihrer Effekte auf den Mund zu beachten – Krebspatienten sollten durch gestörte Empfindungen nicht von einer gesunden Ernährung abgehalten werden.

Rheuma: Bedeutung für Implantatbehandlungen

Im Vorfeld des Jahreskongresses der DGI, der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Implantologie, berichtete die Gesellschaft vor wenigen Tagen über aktuelle Diskussionen zum Thema Rheuma und Zahn-Implantate. Wie Dr. Stephan Acham aus Graz mitteilte, seien die Innovationen im Bereich Medikamententwicklung für Rheumapatienten erheblich – die Zahnarztpraxis sei hier herausgefordert, weil die meisten der Produkte auch Auswirkungen auf die biologischen Rahmenbedingungen bei einer aufwendigen Zahnbehandlung wie einer implantologischen Versorgung haben. Hier gelte es kontinuierlich am Ball zu bleiben, was die Nebenwirkungen neuer Medikamente für eine chirurgische Mundbehandlung betrifft. Viele der langjährig rheumakranken Patienten erhielten beispielsweise Antiresorptiva, die den Abbau von Knochenzellen reduzieren – eine bekannte Gruppe solcher Arzneimittel sind Bisphosphonate, aber auch Östrogene und andere Präparate zeigen ein solches Verhalten. Implantate dagegen brauchen Gewebebildung-fördernde Rahmenbedingungen, damit sie gut einheilen und anwachsen. Auch sogenannte „Biologika", also biologisch in Krankheitsgeschehen und Ausbreitung eingreifende Medikamente, zum Beispiel aus in Hightech-Verfahren bearbeiteten Eiweißstoffen, sind nicht risikofrei: Auch sie können zu Nebenwirkungen an der Mundschleimhaut und auch am Gewebe des Kieferknochens führen. Krankheiten des Patienten und seine regelmäßigen Medikamente spielen – nicht nur bei Rheuma – eine große Rolle in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Vorsorge: Umfrage zum Nutzungsverhalten

Eine aktuelle Studie der pronova BKK zum Wahrnehmungsverhalten der Bevölkerung an Vorsorgeangeboten hat, wie eine kürzlich erschienene Pressemitteilung darstellt, einige überraschende Ergebnisse geliefert. An erster Stelle aller Präventionsleistungen steht bei 90 % der Männer und 80 % der Frauen die Zahnvorsorge – damit nimmt sie mit Abstand den vordersten Platz bei allen zahn/ärztlichen Präventionsangeboten ein. 63 % der Frauen und 56 % der Männer nehmen alle oder fast alle der für sie empfohlenen verschiedenen Angebote war – wobei Männer bei der Auswahl eher mit Blick auf Fitness und Aussehen entscheiden. Frauen haben bei Volkskrankheiten und Krebs mehr Angst als Männer: Jede Dritte fürchtet sich vor einer Krebserkrankung, fast zwei Dritten haben Angst vor Schlaganfall oder Demenz und 56 % vor einem Herzinfarkt, Männer kommen hier auf einen Angst-Wert von 50 %. Die Krankenkasse zieht als Resümee ihrer Gesamtuntersuchung, dass Männer im Alltag Gesundheitsrisiken eher verdrängen als Frauen. Offenbar spielt die Sorge vor Darmkrebs hier eine Ausnahmerolle: Mit 62 % gehen mehr Männer zur Darmkrebsvorsorge als Frauen (56 %). Fitness und Attraktivität stehen vor allem bei jungen Männern hoch im Kurs – und damit auch die Vorsorge von Munderkrankungen und Zahnproblemen.

Zähne: Botschafter der Menschheitsgeschichte

Nicht wenige Erkenntnisse rund um die Geschichte der Entwicklung des Menschen sind verbunden mit Spuren an Zähnen – sie sind aus extrem widerstandsfähigem Material und erzählen auch tausende Jahre später, wie sich die Menschen damals ernährt haben. Das lässt Schlüsse darauf zu, ob es sich um Jäger- oder Ackerbau-Sippen handelte und wann welche Ernährungs- bzw. Lebensform wo existent war. Kürzlich gab es eine weitere Untersuchung zu diesem Thema: Eine internationale Forschergruppe aus Chile, Leipzig und Oxford hat mit Hilfe computertomographischer Daten erkundet, wie die Zahnwurzeln verschiedener Ur-Menschen gestaltet waren – und welche Kau-Bewegungen diese Menschen machten. Dabei zeigten sich erhebliche Unterschiede bei den in verschiedenen Teilen der Welt entdeckten Zahn-Funden von Frühmenschen. Die Belastungen des Ober- und Unterkiefers beim Kauen sind mitbeteiligt an der Entwicklung der Form des Schädels. Die Wissenschaftler interessieren die Erkenntnisse auch für die heutige Zahnmedizin: So könnten Zahnfehlstellungen und krankhafte Strukturveränderungen in Gesicht und Gesicht besser verstanden werden, wenn man ihre Geschichte kennt und welche Kaubewegungen zu welchen Veränderungen an den Zähnen, Zahnwurzeln und am Kiefer führen.

Mundhygiene bei Pflegebedürftigen: Rituale entwickeln

Der diesjährige bundesweite Tag der Zahngesundheit widmete sich vor allem dem Aspekt der Förderung beziehungsweise Erhaltung der Mundgesundheit von Patienten, die pflegebedürftig sind – unabhängig von ihrem Alter. Wie die Zahnärztekammer Niedersachsen in einer aktuellen Presseinformation dazu übermittelt, erweisen sich schon kleine Tricks als hilfreich, um die Bereitschaft dieser Patienten für die Mundpflege zu verbessern: So sollte ein passender Zeitpunkt im Tagesablauf des jeweiligen Patienten gefunden werden, der zu einem Ritual werden könnte. Hilfreich sind auch Zahnpasten, die dem jeweiligen Patienten/der jeweiligen Patientin auch schmecken. Bei Kindern helfe oft ein Zahnputzlied – eine motivationsfördernde Musik kann auch bei älteren, nicht zuletzt dementen Patienten die Bereitschaft zum Mitmachen oder Zulassen erhöhen. Für die Mundpflege der pflegebedürftigen Menschen, zumal bei einem Handicap, steht eine große Vielfalt an speziellen Mundhygienehilfsmitteln, zum Beispiel Dreikopf-Zahnbürsten, zur Verfügung. Wird der Patient/die Patientin in einem Pflegeheim versorgt, solle man darauf achten, ob das Heim eine Kooperationsvereinbarung mit einem niedergelassenen Zahnarzt hat – dann sei die Chance groß, dass die Bewohner auch fachgerecht mundgesundheitlich versorgt werden.

Aktuelle Umfrage: Wie unterstützen Krankenkassen bei PZR?

Für immer mehr Bürger in unserem Land hat die PZR, die „Professionelle Zahnreinigung", einen festen Platz im Jahreskalender – je nach individuellem Bedarf steht sie zweimal oder mehrfach auf dem Plan. Mit den technischen Möglichkeiten einer Zahnarztpraxis und entsprechend gut trainierten Teams lassen sich deutlich mehr kritische Zahnbeläge entfernen als man selbst dies zuhause leisten könnte. Die Zahnärzte sehen einen hohen Gewinn für die Zahngesundheit ihrer Patienten, zumal bei solchen mit erschwerten Möglichkeiten der eigenen Zahnpflege oder auch bei chronischen Erkrankungen. Ob die Krankenkassen diese Privatleistung in den Zahnarztpraxen finanziell unterstützen, hat die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung/KZBV im Vorfeld des diesjährigen Tages der Zahngesundheit am 25. September erhoben. Demnach gewähren die meisten der befragten gesetzlichen Krankenkassen ihren Mitgliedern Zuschüsse oder bieten über ihr Bonus-Programm unterstützende Leistungen. Empfohlen wird, sich diesbezüglich bei der eigenen Krankenkasse zu erkundigen.

Angst vor der Behandlung: Hilft Akupunktur?

Gegen Angst vor der zahnärztlichen Behandlung gibt es inzwischen viele hilfreiche Vorgehensweisen, die Praxisteams nicht zuletzt in fachlichen Fortbildungsveranstaltungen lernen. Unter den Wegen, wie man Patienten helfen kann, wird auch ein Vorgehen mit Akupunktur diskutiert. Bei Befürwortern und Kritikern komplementärer Verfahren finden solche Techniken unterschiedliche Resonanz. Nun hat sich die Wissenschaft dieser Frage angenommen: Ein Forscherteam der Universität York hat, wie aktuell eine zahnärztliche Zeitschrift berichtet, anhand einer enormen Anzahl bereits veröffentlichter Studien herausgearbeitet, ob Akupunktur bei typischen Angst-Symptomen wie Schweißausbruch und Beklemmung helfen kann. Da es zu diesem spezifischen Thema bisher kaum verwertbare Studien gibt, ist das Ergebnis nur als Trend zu sehen und liefert keine harten Fakten. Gezeigt hat sich allerdings eine deutliche Angstreduzierung bei der Anwendung entsprechender Akupunktur-Techniken – allerdings wirkte auch ein Placebo, eine „angebliche" Akupunktur, ähnlich gut im Vergleich zur Behandlung ohne Begleitbehandlung. Hier wird also weiter geforscht werden müssen.

Zahnbehandlung im Ausland: Gründe und Probleme

Die schweizerische Zahnärztegesellschaft hat, wie ein Fachjournal vor einigen Wochen berichtete, Gründe und Erfahrungen erkundet, warum Menschen sich ihre Zahnprobleme nicht im Inland, sondern im Ausland behandeln lassen. Dabei stellten sich vier Hauptgruppen heraus, darunter – neben der Notfallbehandlung im Urlaub – vor allem Menschen, die an der Grenze zu einem Nachbarland leben, Migranten und Dentaltouristen. Bei den Gründen wurde deutlich, dass der Anteil derjenigen Befragten in der Schweiz, die einen Preisvorteil bei Behandlung im Ausland sehen, seit der ersten Befragung im Jahr 2000 deutlich gestiegen ist – von 37 % auf 52 %. Eher gesunken ist der Grund „Notfall". Deutlich angestiegen ist aber auch der Aspekt Qualität: Demnach ist für Schweizer heute mit 22 % der Qualitätsaspekt bei Auslandsbehandlung deutlich größer als noch im Jahr 2000 (14 %).  Wenn sich Schweizer im Ausland behandeln lassen, fahren sie am ehesten nach Deutschland (22 % der Ziele) oder nach Frankreich (16 %), nach Ungarn reisen nur 9 %, nach Italien und Portugal 6 %.  Während mehr als jeder zweite mit Auslandszahnbehandlungserfahrung sehr zufrieden ist, gab es bei rund jedem Sechsten Klagen über derart schlechte Behandlungsqualität, dass in der Schweiz nachbehandelt erden musste. Nicht zuletzt auch wegen Hygienemängel würde jeder dritte im Ausland behandelte Schweizer das nicht noch einmal machen. Welche Mängel in welchem besuchten Land besonders problematisch empfunden wurden, wurde nicht herausgearbeitet.

Zähneknirschen: neue Beobachtungen

Viele Menschen, auch Zahnärzte, sind der Meinung, dass das Knirschen oder auch starke Zusammenpressen der Zähne (Bruxismus) vor allem im Schlaf passieren, wie ein italienischer Wissenschaftler in einem Fachbeitrag für eine Bruxismus-Zeitschrift kürzlich berichtete. Auch das aus vielerlei Ursache ungünstige Zusammenspiel der Zähne wurde als Faktor erachtet. Mittlerweile werden aber eher neurologische Aspekte mitbedacht, also Rolle und Störungen des zentralen Nervensystems. Insbesondere der Schlaf-Bruxismus stand bei der wissenschaftlichen Arbeit im Fokus, hier steuern auch Schlaflabore spannende Erkenntnisse bei. Dazu gehört, dass man bruxendes Verhalten wohl als eine Stufe der verschiedenen natürlichen „Weckmanöver" sehen muss: rhythmische Kaubewegungen am Ende einer Aufweckphase. Wer häufiger pro Nacht solche Knirsch- oder Pressmomente bei nächtlichen Aufwachphasen aus dem Tiefschlaf hat, zeigt weitaus mehr Zahnschäden oder auch Zahnbettschäden als Menschen mit weniger oder weniger intensiven Kaumuskelaktivitäten in den Schlaf-Wach-Phasen. Das Bruxen ist insofern keine Störung, sondern ein an sich natürliches Verhalten, das aber unter bestimmten Bedingungen zu einem Risiko insbesondere, aber nicht nur, für die Mundgesundheit werden kann

Schnabel: Warum haben Vögel keine Zähne?

Viele Jahre hat Wissenschaftler die Frage beschäftigt, warum Vögel keine Zähne haben. Was bisher diskutiert wurde und wie man heute denkt, beschrieb vor ein paar Wochen ein Beitrag in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift. Während man demnach bisher davon ausging, dass die zahnlosen Schnäbel bei der Nahrungsaufnahme von Vorteil seien, zudem wurde gemutmaßt, Vögel könnten ohne Zähne im Schnabel besser fliegen, wird nach neueren Studien eines paläontologischen Forscherteams an der Universität Bonn eine andere Antwort favorisiert: Das Team geht davon aus, dass die Entwicklung im Ei und das Schlüpfen aus dem Ei ohne Zähne einfacher sei. Ein Großteil der Zeit, die der Embryo für seine Entwicklung brauche, werde für die „Herstellung" der Zähne benötigt. Werden keine Zähne gebraucht, kann der Embryo früher schlüpfen. Das trage auch zur Sicherheit es Jungtiers bei, denn solange es im Ei eingeschlossen sei, könne es leichter gefressen werden: Anders als bei Säugetieren leben Jungvögel nicht im schützenden Leib der Mutter. Aufgefallen ist den Wissenschaftlern diese Zahnentwicklungsthese bei der Erforschung der Entwicklung von Dinosauriern, die ebenfalls aus dem Ei schlüpften. Nun soll der Ansatz durch Entwicklungsbiologen und Paläontologen weiter geprüft werden.

Weltweite Umfrage: Wie steht es um die Mundgesundheit?

Zu interessanten Daten kam die vom Unternehmen Philips weltweit erhobene Studie zu Wissen und Verhalten von Patienten rund um die Mundgesundheit. Die für Deutschland relevanten Antworten (rund 2100 Befragte ab 18 Jahren) wurden kürzlich in einem Artikel in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift vorgestellt. Demnach finden es in Deutschland erheblich weniger Eltern (35 %) als in den USA (50 %) oder in Australien (59 %) schwierig, ihre Kinder zu regelmäßiger Zahnpflege anzuhalten. Für Deutsche ist der Zusammenhang von Mundhygiene und Zahnschäden sehr vertraut, rund 72 % meinen, wenn die Zahnpflege nachlässt, steigt das Risiko von Zahnverlust. Zähneputzen wird aber auch bei aufgeklärten Patienten manchmal vergessen, vor allem vor dem Schlafengehen (43 %) oder gleich nach dem Aufstehen (36 %) und von Männern (41 %) eher als von Frauen (31 %). Während in vielen anderen Ländern Menschen auf der Suche nach Gesundheitsempfehlungen eher die Familie oder das Internet befragen, nutzen die Deutschen eher Ärzte (77 %), Zahnärzte (64 %) und Apotheker (39 %). Drei von vier Deutschen legen großen Wert darauf, bei besonderen Anlässen auch ein besonders gesund aussehendes Lächeln zeigen zu können. Welche Rolle Ernährung und Mundhygiene für „weiße Zähne" spielen, wissen zwei von fünf Deutschen dagegen nicht. Und rund ein Sechstel der Befragten wusste nicht, wie man seine Mundgesundheit verbessern kann. Wenn ein bisschen Geld übrig wäre, würden 27 % der Befragten eine Massage buchen, 24 % einen Haarschnitt – und 19 % eine professionelle Zahnreinigung.

Immunsystem: Geschmacksstoffe können stimulieren

Wie eine kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentliche Studie zeigt, haben bestimmte Geschmacksstoffe aus der Nahrung das Potential, das Immunsystem zu stimulieren. Das geschieht über den menschlichen Speichel. Dieser enthält in seinen wenigen festen Bestandteilen auch antibakteriell wirkende Moleküle. Wie die Wissenschaftler an der TU München herausfanden, verändert aufgenommene Nahrung die Zusammensetzung des Speichels und insbesondere hier diejenige der verschiedenen Moleküle. Bei wurde deutlich, dass insbesondere Zitronensäure und scharfe Ingwer-Stoffe das über Moleküle gesteuerte Abwehrsystemsehr deutlich aktivierten. Diese bisher als eher gering eingeschätzte Rolle der Speichel-Moleküle reichte allerdings aus, um das Wachstum spezieller Krankheitskeime fast vollständig zu unterbinden. Geschmacksgebende Stoffe, so die Wissenschaftler, besitzen also biologische Wirkungen, die über die rein geschmacklichen weit hinausgehen.

Urlaub: auch für den Zahnersatz?

Steht eine größere Reise an, empfiehlt das Kuratorium perfekter Zahnersatz die Beachtung einiger Empfehlungen – diese haben sie vor wenigen Wochen der Fachöffentlichkeit übermittelt. Dazu gehört, den Zahnersatz, die Prothese, regelmäßig reinigen zu lassen, insbesondere rechtzeitig vor Reiseantritt. Auch die Zahngesundheit sollte dabei überprüft werden. Zeigten sich erste Störungen oder Verletzungen, kann dies oft noch vor Reisebeginn korrigiert werden.  Je intensiver man von seinem Zahnersatz abhängig ist, umso wichtiger wäre es zudem, über eine „Zweitprothese" für den Notfall nachzudenken – so kann der Urlaub gerettet werden, wenn beim Frühstücksbrötchen der Zahnersatz bricht. In der Regel sei es günstiger, gleich bei Anfertigung der Hauptprothese eine zweite herstellen zu lassen – so wie nicht wenige Brillenträger auch eine Zweitbrille zur Sicherheit dabeihaben. Nach Rückkehr könne die Hauptprothese dann fachgerecht repariert werden.  Dass eine sachgerechte Reinigung von Zähnen und auch Zahnersatz niemals „Urlaub" hat, sei selbstverständlich.

Noch in Prüfung: Parodontitis und Krebs

Immer mehr allgemeinmedizinische Forschergruppen widmen sich bei der Suche nach Ursachen für Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Infektionen oder Rheuma auch der Frage nach Zusammenhängen mit chronischen Infektionen im Mund, also Parodontitis-Erkrankungen. Anlass dafür ist die Feststellung, dass klassische Parodontitis-Keime vermehrt bei solchen allgemeinmedizinischen Erkrankungen entdeckt wurden und vor allem in deutlicher höherer Konzentration als bei gesunden Vergleichspatienten. Nun haben auch Krebs-Forscher den Zusammenhang von Parodontitis-Keimen und Krebserkrankungen untersucht. Bei einer Studie an rund 7500 Patienten zeigte sich ein um 24 % höheres Risiko, eine Krebserkrankung zu entwickeln, bei denjenigen Patienten, die zugleich eine schwere Parodontitis hatten. Insbesondere bei Lungen- und Darmkrebs fielen solche Zusammenhänge auf, wie vor wenigen Wochen ein zahnärztliches Fachjournal berichtete. Derzeit gibt es nur diese Daten – nicht untersucht ist bislang, ob es einen direkten Zusammenhang gibt oder eine gemeinsame ungesunde Grund-Situation des Patienten. So ist Rauchen als Risikofaktor für beide Erkrankungen, insbesondere Lungenkrebs, längst identifiziert. Ob es darüber hinaus noch weitere Verbindungen gibt und eine Parodontitis-Behandlung das Risiko, einen Krebs zu entwickeln, senken kann, ist Gegenstand weiterer Forschung.

Parodontitis: Zusammenhang mit Piercing

Wie ein Parodontologie-Wissenschaftler an der Universität Basel herausfand und kürzlich berichtete, haben Zungen- und Lippen-Piercings direkte und auch lokal sichtbare Folgen auf die Gesundheit des Zahnbettes. Es zeigte sich, dass insbesondere an den Stellen, wo das Zahnfleisch mit dem Piercing in Kontakt kam, deutlich erhöhte Entzündungswerte vorlagen. Die betroffenen Zähne in dieser Region waren im Vergleich zu den übrigen Zähnen im Mund entzündungsbedingt teilweise stark gelockert, die Zahnbettentzündung (Parodontitis) an diesen Zähnen war stärker, und es blutete bei der Untersuchung intensiver. Weitere Beobachtungen bestätigen die Entdeckung: Während ansonsten die Zahn- und Zahnbettgesundheit in Ordnung war, war das Gewebe im Kontaktbereich mit dem Piercing entzündet und teilweise bereits zerstört. Grund ist die „Fehlbelastung", der chronische Druck durch die unnatürlichen Kontakte. Auch sehr aufwändige und belastende zahnmedizinische Verfahren, nach Entfernen des Piercings den Zustand des Zahngewebes wieder zu verbessern, führen gerade im ästhetisch wichtigen Frontzahnbereich zu oft nicht wirklich befriedigenden Ergebnissen. Die Wissenschaftler wollen diese (und weitere) Erkenntnisse noch ausführlicher der Öffentlichkeit vorstellen, um vor Piercings im Mund eindringlich zu warnen.

Zahnimplantate: Gleiche Pflege wie natürliche Zähne

Eine von Patienten oft gestellte Frage hat Prof. Dr. Frank Schwarz, Präsident der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Implantologie, DGI, kürzlich mit einer entsprechenden Empfehlung beantwortet. Wie rund um natürliche Zähne kann sich auch rund um Implantate das Mund-Gewebe entzünden. Eine aktuelle Studie zeigte, dass neun Jahre nach Einsetzen des Implantates bei rund jedem dritten Patienten eine oberflächliche Zahnfleischentzündung festgestellt wurde. Bei fast jedem Zweiten aus dieser Gruppe hatte sich die oberflächlich begonnene Entzündung bereits weiter in den Kieferknochen ausgebreitet und dort zu beginnendem Knochenabbau geführt. Verhindern kann man dies mit den gleichen Mitteln, wie auch solchen Entwicklungen um natürliche Zähne vorgebeugt werden kann: mit ausreichend intensiver Mundhygiene. Der Zahnbelag rund um das Implantat ist der gleiche wie der rund um den Zahn – und ebenso, wie man durch eine verstärkte Mundhygiene, zumal mit professioneller Begleitung in der Zahnarztpraxis, auch eine Infektion rund um den natürlichen Zahn wieder zur Abheilung bringen kann, kann dies auch bei einem Implantat gelingen. Meist zeigen sich erste Anzeichen einer Zahnfleischbelastung schon nach zwei oder drei Jahren mit dem neuen Implantat. Optimierte Mundhygiene kann manchmal das Fortschreiten der tiefergehenden Entzündung und damit auch das Risiko des Implantatverlustes reduzieren oder stoppen.

Bundeszahnärztekammer: Zuckerkonsum muss gesenkt werden

Nur, wer sich auskennt, wieviel Zucker in welchen Lebensmitteln enthalten ist, kann einschätzen, wann er die von der WHO geforderte Maximalmenge an Zucker erreicht hat: Rund 8 Zuckerwürfel sind seitens der Weltgesundheitsorganisation als Maximalverbrauch pro Tag definiert. Ein Glas handelsüblicher Apfel- oder Orangensaft erfüllt diesen Wert bereits und liegt damit gleichauf mit zuckerhaltiger Limonade. Um insbesondere die Kinder und bei ihnen nicht zuletzt deren Milchzähne vor zuviel Zuckerbelastung zu schützen, unterstützt die Bundeszahnärztekammer (BZÄK), wie eine entsprechende Information Mitte Juli zeigt, Empfehlungen, den Zuckerkonsum insgesamt zu reduzieren. Insbesondere in Kindertagesstätten und Schulen solle auf eine gesunde Ernährung geachtet werden, zudem sollten die Eltern noch intensiver aufgeklärt werden, welche Rolle Zucker in Speisen und Getränken spielt und welche Auswirkungen Zucker insbesondere auf das Risiko zahnmedizinischer Erkrankungen hat.  Unausgewogene Ernährung und übermäßiger Zuckerkonsum schadeten, so BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, sowohl der Allgemeingesundheit als auch der Mundgesundheit. Im Kleinkindalter würden die Grundlagen für die Gesundheit von Körper und auch Mund gelegt, hier sei der richtige Zeitpunkt, notwendige Maßnahmen zum Schutz vor zuviel Zucker zu starten.

Parodontitis: Lebenslange Nachsorge empfohlen

Ende Juni dieses Jahres tagte der weltgrößte Parodontologenkongress EuroPerio in Amsterdam.  Teilnehmer aus 111 Nationen kamen zusammen, um aktuelles Wissen um Entstehung und Behandlung von Parodontitis und weiteren Erkrankungen rund um das Zahnbett auszutauschen und aufzufrischen. Zu den Themen gehörte auch die regelmäßige Nachsorge bei Parodontitis-Patienten. Während hierzulande auf der politischen Bühne dafür eine nicht ausreichende Evidenz unterstellt wurde, waren sich die Fachleute aller Nationen einig, dass methodische Mängel zu dieser Kritik geführt hatten und sie nicht aufrechterhalten werden kann. Bei einem speziellen Workshop im Rahmen des Kongresses hielten die Experten aller Länder fest, dass Parodontitis-Patienten lebenslanger Nachsorgebetreuung bedürfen. Studien zeigten, dass bei Bedarf engmaschige Intervalle bei der Nachsorge sehr deutlich Zahnverlusten vorbeugen konnten. Zahnverluste sind eine häufige Folge von fortgeschrittener Parodontitis; kann der durch Behandlung erreichte gesundete Zustand aufgrund regelmäßiger Nachsorge erhalten werden, sinkt das Zahnverlustrisiko erheblich.

Bundesgesundheitsministerium: Risiken von Amalgamfüllungen

Der Bundestag beschäftigte sich im Juli mit der EU-Verordnung zur Reduzierung des Verbrauchs von Quecksilber aus Umweltschutzgründen.  Hier nahm das Bundesgesundheitsministerium (BMG) auch Stellung zu der Frage der Belastungen von Mensch und Umwelt durch das Dental-Amalgam. Einerseits, so das BMG, werde die EU-Richtlinie zum Schutz der Abwässer vor Amalgamresten in Deutschland schon seit 1993 weitestgehend umgesetzt. Andererseits sei das Personal in Zahnarztpraxen, die Amalgam verwenden, um ein Vielfaches derjenigen Belastung ausgesetzt, die Patienten betreffen könnte – dabei konnte aber, so das BMG, „keine der ausgewerteten Studien einen Zusammenhang zwischen Amalgamfüllungen und schweren Gesundheitsrisiken nachweisen." Es habe in einem Zeitraum zwischen 2002 und 2016 rund 25 Fälle von Erkrankungen durch Quecksilber oder seine Verbindungen bei Zahnärzten bzw. ihren Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen gegeben, aber keinen Anlass, diese Erkrankungen als „Berufskrankheit" einzustufen. Das BMG betonte, bei Amalgam handele es sich „um ein anerkanntes und wissenschaftlich gut untersuchtes Füllungsmaterial" mit einer „hohen Lebensdauer". Derzeit betrage der Anteil an Amalgamfüllungen an allen Füllungsarten nur noch rund 1 % und sinke weiter. Bis zum 1. Juni 2019 muss die Bundesregierung einen Plan vorlegen für die schrittweise Verringerung des Einsatzes von Dentalamalgam.

Zucker: Schweizer kennen kariogene Wirkung nicht

Wie ein zahnärztliches Fachjournal kürzlich berichtete, hat die Schweizerische Zahnärztegesellschaft in einer Umfrage unter der dortigen Bevölkerung den Kenntnisstand zur Vorbeugung von Karies erfragt. Dabei zeigte sich, dass insbesondere die Bedeutung von Mundhygiene und Fluoridanwendungen sowie die Kontrolltermine in der Zahnarztpraxis zum etablierten Wissen gehörten. Die Anwendung der Handzahnbürste ist am meisten verbreitet, erweiterte Mundhygienehilfsmittel wie Zahnseide nutzen vor allem Frauen und besser Gebildete. Fast jeder fünfte Befragte Schweizer – in manchen Regionen mehr als jeder Dritte – wusste allerdings nicht, dass man einer Karies auch vorbeugen kann durch das richtige Verhalten. Was die Schweizer Zahnärztegesellschaft dann aber doch überraschte, war, dass fast jeder Zweite der Befragten keinen Zusammenhang von Karies und Zucker kannte – hier zeige sich, so die Leiter der Studie, doch ein erheblicher Informations- und Aufklärungsbedarf.

Implantate: Titan und Keramik kombiniert

Die Forschungsarbeiten an der weiteren Verbesserung der Nachhaltigkeit einer Versorgung mit Zahn-Implantaten drehen sich derzeit besonders um die Optimierung der Oberflächen der meist aus biokompatiblem Titan bestehenden „Schraube". Während die Einheilerfolge von Implantaten kaum noch zu verbessern sind, geht manches Implantat im Laufe seines „Lebens" im Mund des Patienten aufgrund von Gewebeentzündungen verloren.  So, wie sich bei Parodontitis um den natürlichen Zahnhals eine entzündungsbedingte „Zahnfleischtasche" bildet, die zu einer Lockerung des Zahnes führt, kann sich auch rund um den „Implantathals" eine infizierte Situation entwickeln. In fortgeschrittenem Stadium kann das zu einer Explantation des Implantates führen, die entzündete Region muss ausgeheilen. Forscher arbeiten auf verschiedenen Ebenen daran, dass Infektionen verhindert oder abgebremst werden. Ein Weg, der derzeit getestet wird: die besten Seiten der beiden Erfolgsmaterialien Titan und Keramik zusammenzuführen. Die Deutsche Gesellschaft für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie berichtete kürzlich über solche Studien. Dabei wird das stabile Titan-Implantat, als „Gold-Standard" bezeichnet, mit einer ebenso biokompatiblen hauchdünnen Keramikschicht umgeben, die die Titanoberfläche vor einer eventuellen Korrosion und damit vor einer möglichen Belastung des natürlichen Gewebes schützen könnte.

Pferdezahnmedizin: über 3000 Jahre alt

Wie ein kürzlich in dem Fachjournal „Zahnärztliche Mitteilungen" veröffentlichter Beitrag zeigt, ist die sogenannte Pferdezahnmedizin bereits über 3000 Jahre alt.  Wissenschaftler entdeckten in rund 30 historischen Stätten aus mongolischer, vorchristlicher Natur Schädel von mehreren Pferden. An diesen zeigten sich eindeutige Behandlungsspuren. Vermutet wird, dass die Pferdehirten vor allem Zähne entfernten – beispielsweise, wenn sie den Tieren Schmerzen bereiteten oder das Fressen störten. Die neuen Erkenntnisse untermauern, dass die Tiermedizin nicht, wie manchmal vermutet, im Mittelmeerraum und in sesshaften Zivilisationen Chinas ihren Ursprung hatte, sondern bei den Nomadenvölkern zu finden sein könnte.

Amalgam: Seit 1. Juli Anwendungseinschränkungen

Auch wenn viele Zahnärzte der Meinung sind, dass Dental-Amalgam nach wie vor durch kein alternatives Material vollwertig ersetzt werden kann, ist das Amalgam auf dem Rückzug aus den Praxen. Eine Position, der auch die Wissenschaft folgt und nicht zuletzt das BfArM, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Kritiker dagegen sehen im Werkstoff Amalgam gesundheitliches Risiko-Potential. Dass das Europäische Parlament nun vor wenigen Wochen die Anwendung von Amalgam in der Zahnbehandlung einschränkt, hat dagegen vor allem Umweltschutz-Gründe:  Im Jahr 2013 haben die Vereinten Nationen beschlossen, Quecksilber, das auch bei der Anwendung von Amalgamfüllungen eine Rolle spielt, so wenig wie möglich einzusetzen. Das bedeutet für einen bestimmten Kreis an Patienten in Deutschland, dass sie in der Regel (Ausnahmen bleiben weiterhin möglich) anderweitig als mit Amalgam versorgt werden: Für Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren soll Komposit, landläufig „Kunststoff-Füllung", genutzt werden. Für diesen Kreis galt in Deutschland allerdings schon immer eine besondere Vorsichtshaltung. Aus der bisherigen Empfehlung wurde nun eine rechtliche Vorgabe. Die Krankenkassenverbände haben inzwischen bestätigt, dass sie nun auch Kompositfüllungen im Seitenzahnbereich bei dieser Patientengruppe als „Kassenleistung", also ohne Zuzahlung, bezahlen.

 

Forschung: Mikrotechnik für noch mehr Implantaterfolg

Auch wenn heute schon die Erfolgsrate von Zahn-Implantaten hocheindrucksvoll ist, bleibt immer noch ein wenig Luft nach oben, wie Wissenschaftler des Instituts für Technologie in Karlsruhe meinen: Eine Forschergruppe zum Thema „Biomedizinische Mikrostrukturtechnik" prüft derzeit Oberflächenbearbeitungen der biokompatiblen Titan-Implantate, die dazu beitragen sollen, eventuell aufkeimende Entzündungen rund um das eingesetzte Implantat zu verhindern. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Abutment, dem Verbindungsstück zwischen der eingesetzten „Schraube" und der aufgesetzten Zahnkrone. Das Abutment ist auch von Zahnfleisch umgeben und befindet sich hier in einer Zone, die infektionsanfällig ist – insbesondere dann, wenn sich das Zahnfleisch nicht dicht um das Abutment herum anlagert. Einerseits forschen die Wissenschaftler nach einer noch besseren Nanooberfläche als sie die jetzt schon marktüblichen Implantate aufweisen, andererseits versuchen sie, über winzige Rillen den Wachstumszellen sozusagen eine Art Weg zu bereiten, wie das „Zusammenwachsen" optimiert und verdichtet werden kann. Die Forschungsarbeit wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und soll auch bei vergleichbaren Körper-Implantaten Anwendung finden.

Organe und Mund: vermutete Zusammenhänge

Erkrankungen im Mund betreffen nicht nur die Zähne oder das Zahnfleisch bzw. das Zahnbett, sondern können sich auch an der Mundschleimhaut zeigen. Eine solche Erkrankung ist beispielsweise der so genannte„Lichen planus", eine entzündliche Hauterkrankung, die neben dem Mundbereich auch die Schleimhäute an anderen Körperstellen befallen kann. Besonders häufig betroffen sind Frauen mittleren Alters. Es besteht das Risiko, dass die Erkrankung eine bösartige Entwicklung nimmt. Vermutet wird als Auslöser eine Autoimmunreaktion: Die Abwehrstoffe richten sich gegen Zellen des eigenen Körpers. Seit einiger Zeit, so berichtete vor wenigen Wochen ein Beitrag in einer zahnmedizinischen Fachzeitschrift, wird auch eine Verbindung zur Leber beobachtet und untersucht. Es fanden sich Zusammenhänge einer Hepatitis-C-Infektion und einem Oralen Lichen planus. Die infektiöse Lebererkrankung führt vermutlich zu einem Ungleichgewicht im Immunsystem und befördert auf diese Weise eine Abwehrstörung, die sich in Angriffen auf die eigenen Körperzellen äußert. Die Konstellation ist nicht sehr weit verbreitet, aber doch so relevant, dass sie in der Untersuchung und Behandlungsplanung mit bedacht werden sollte, so die Fachzeitschrift.

Weiße Zähne: Was man wissen muss

Dass saubere Zähne weißer sind als solche mit Pigment-Auflagerungen von Nikotin, Rotwein oder Tee, wissen alle Patienten, die regelmäßig die Angebote der professionellen Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis nutzen. Manchen Patienten ist das dabei erreichte„Weiß" aber nicht weiß genug – sie möchten die Zähne gebleicht bekommen(Bleaching). In einer aktuellen Patienteninformation weist die Arbeitsgemeinschaft proDente, ein Zusammenschluss von Zahnärzten und weiteren Experten aus dem Bereich der Dentalwelt, auf die Möglichkeiten und Grenzen von solchen Bleaching-Verfahren hin. Was beispielsweise nicht vergessen werden darf: Gebleicht werden können nur natürliche Zähne – ist an einer Stelle eine Zahnfüllung oder eine Teilkrone, wird dieser Bereich nicht mit aufgehellt und es gibt später ein„zweifarbiges" Ergebnis. Auch sollten die Zähne gesund sein und keine Schmelzschäden durch Vorstufen einer Karies aufweisen. Was die chemischen Aufheller erreichen können, ist ein hellerer Ton der persönlichen Zahnfarbe – aus einem eher gelblichen Weiß wird also ein helleres gelbliches Weiß und keines mit anderem Grundton. Soll die Zahngrundfarbe verändert werden, beispielsweise ein sehr helles reines Weiß erreicht werden, ist dies meist nur mit sogenannten Veneers(aufgeklebte Verblendschalen) möglich. 

Gebiss: Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit

Inzwischen gibt es viele nachweisliche Zusammenhänge von Parodontitis(Zahnbettentzündung) und Erkrankungen des ganzen Körpers, beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes – hier weisen mittlerweile auch die entsprechenden Fachärzte auf die Relevanz der Mundgesundheit bzw. Folgen parodontaler Entzündungen hin. Warum die Mundbakterien an so vielen Stellen des Körpers auftauchen und hier ihr entzündungsförderndes Potential zeigen, erklärte kürzlich Prof. Dr. Roland Frankenberger, Präsident der Dachgesellschaft der zahnärztlichen Wissenschaft DGZMK, in einem Interview mit einer Presseagentur. Der Mund sei, so der Wissenschaftler, besonders gut durchblutet. Bakterien aus der Mundhöhle finden über kleinste Verletzungen recht schnell Zugang zu einer Blutbahn und gelangen auf diesem Weg an viele verschiedene Stellen und damit auch in Organe des Körpers. Ist das Mund-Gewebe entzündet, sind Durchblutung und Verletzungsrisiken noch deutlich erhöht. Eine sorgsame Mundhygiene und regelmäßige Mundgesundheitskontrolle(sowie nach individuell notwendigen Abständen eine professionelle Zahnreinigung) können dazu beitragen, solche Infektionen und damit allgemeingesundheitliche Gefahrenbereiche zu vermeiden. Zudem kann früh eingegriffen werden, wenn sich erste Anzeichen wie Rötung oder Schwellung zeigen.

Asthma: Bedeutung für die Mundgesundheit

Eine Asthma-Erkrankung wird in der Regel mit Inhalations-Medikamenten behandelt. Dass eine solche Inhalation, die auf dem Weg über den Mund die Atemwege erreicht, zu Belastungen für die Mundgesundheit führen kann, ist nachvollziehbar: Nur ein Teil des Arzneimittels erreicht die unteren Atemwege, ein größerer Teil bleibt im Mund zurück. Das ist vielen Ärzten und auch Betroffenen bekannt. Aber auch die Erkrankung selbst hat Einfluss auf den Mundraum, wie ein Fachbeitrag in einer zahnärztlichen Zeitung vor wenigen Wochen darstellte. Die Abwehr-Überreaktion des Körpers lässt auch im Speichel und in den Flüssigkeiten unter dem Zahnfleischrand die Konzentration von Abwehrstoffen ansteigen. Dadurch kommt es zu einer aggressiven Reaktion mit dem umliegenden Gewebe und entsprechenden Zerstörungen. Da Asthmatiker oft durch den Mund atmen, trocknet dieser eher aus als bei gesunden Patienten, zumal wenn auch die notwendigen Arzneimittel diese Entwicklung noch befördern. Die Zusammensetzung des Speichels verändert sich ungünstig und führt zu mehr Zahnstein und einem größeren Risiko für Entzündungen. Manche Medikamente enthalten zudem Inhaltsstoffe, die, wenn sie systemisch aufgenommen werden, auch den Knochenstoffwechsel stören können – mit Folgen auch auf die Kieferknochen. Grundsätzlich soll nach der Anwendung eines Inhalators der Mund kräftig ausgespült werden.

Charité: Rauchen und Parodontitis

In einer aktuellen Presseinformation teilt die Charité mit, dass eine gemeinsame Studie mit Wissenschaftlern anderer Universitäten beleuchtet hat, wie viele Fälle von Parodontitis weltweit allein auf das Rauchen und seine schädlichen Auswirkungen auf das Zahnbett-Gewebe und dessen Durchblutung zurückzuführen sind. Demnach gehen rund 40 Millionen Parodontitis-Fälle auf den Gebrauch von Nikotinprodukten zurück. Es zeigten sich auch verschiedene unterschiedliche Facetten in der Auswirkung: So ist die Zahnbettentzündung aufgrund des Rauchens vor allem bei Männern in mittlerem Lebensalter ausgeprägt. Interessant ist auch, dass der Anteil der auf Rauchen zurückzuführenden Parodontitis in Deutschland bei 10 % lag, in vielen Regionen Afrikas und auch in Spanien dagegen deutlich darunter. Wie die Wissenschaftler betonten, seien Rauchen und auch Parodontitis-Erkrankungen für viele weitere Allgemeinerkrankungen eine Bedrohung, Patienten müssten zu den Zusammenhängen gut aufgeklärt werden und wissen, dass sie ihrem gesundheitlichen Wohlbefinden mit einem Rauchstopp und einer Parodontitis-Behandlung auf vielerlei Ebenen Gutes tun.

Antidepressiva: Knirschen möglich

Viele mundbezogene Nebenwirkungen von Antidepressiva(Medikamente gegen depressive Verstimmungen) sind inzwischen in der Fachwelt bekannt, dazu gehört nicht zuletzt die typische Mundtrockenheit. Sie kann unangenehm sein und sie führt oft auch zu Zahnschäden, da der säureausgleichende Speichel nicht mehr ausreichend fließt und auch seine Zahnoberflächen-Rückmineralisation nicht leisten kann an solchen Stellen, wo die Säuren Bausteinchen aus dem Zahnschmelz herausgelöst haben. Nun hat eine umfangreiche Studienauswertung einen weiteren Aspekt dargestellt, der bei Patienten mit entsprechenden Symptomen mitbedacht werden sollte: Offenbar können die speziellen Arzneimittel(Fachbegriffe: SSRI und SNRI) auch zu Knirschen und Kieferschmerzen führen. Solche Zusammenhänge zeigten sich bei betroffenen Patienten(zumeist Frauen) rund drei bis vier Wochen nach Start der Therapie. Für die Behandlung stehen verschiedene Wege zur Verfügung – vom Absetzen der Antidepressiva bis hin zum Umsteigen auf eine andere Medikamenten-Gruppe.

Kinderzahn-Karies: Mix aus Bakterien und Pilzen

Viele Eltern wissen, dass an der Entstehung von Karies an Kinderzähnen bakterielle Beläge schuld sind – sie bilden sich auf den Zähnen und vermehren sich, wenn die Bakterien Nahrung bekommen. Die Bakterienfamilien bevorzugen zucker- und stärkehaltige Lebensmittel, ob flüssig oder fest, und es macht für die Karies-Keime keinen Unterschied, ob der Zucker aus dem Würfel kommt, aus der Schokolade, aus Honig oder aus Limonade. Wie eine neue Studie eines Wissenschaftler-Teams der Universität Pennsylvania zeigt, gibt es aber noch einen weiteren Begleiter im Zahnbelag, der mit dafür sorgt, dass die Plaque fester anhaftet und daher schwerer wegzuputzen ist: Pilze. Spezielle Pilze und Karies-Bakterien schützen sich gegenseitig vor antibakteriellen Medikamenten oder Zusätzen zur Mundhygiene und machen die Zahnbeläge widerstandfähiger. Daher empfehlen die Wissenschaftler, nicht nur die Keime, sondern auch die Pilze zu bekämpfen. Zusammen mit Zucker bildet sich eine Art Klebstoff, mit dem Pilze und Bakterien fester am Zahn anhaften können. Ein solcher„arzneiabfangender" Schutzschild ließe sich nur durch spezielle Medikamente aufbrechen. Noch ist kein spezifisches Mundhygiene-Produkt marktreif, aber allein das Verständnis für die Zusammenhänge erklärt, warum Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel möglichst zu vermeiden sind.

Alter: nichts als eine Entzündung?

Mit einem spannenden Thema befasste sich vor wenigen Wochen die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin: Welche Rolle spielen chronische Entzündungen beim Alterungsprozess? Forschungsarbeiten zeigen, dass das Immunsystem im Verlauf des üblichen Alterungsprozesses eine wachsende Anzahl an entzündungsförderlichen Botenstoffen freisetzt. Damit verändert sich die ausgeglichene Zusammensetzung der Zellen im Immunsystem. Was abnimmt bei dieser Veränderung, ist die Abwehrkraft gegen spezifische Krankheitserreger wie bei klassischen Infekten. Dagegen nimmt die Aktivität von Abwehrmechanismen zu, die eher unspezifisch reagieren. Ausgelöst wird dadurch eine Kettenreaktion von mehr entzündungsförderlichen Zellen und einer Bildung von„Freien Radikalen", also belastenden Sauerstoff-Verbindungen, die als gewebeschädigend bekannt sind. Inzwischen werden viele typische Alterserkrankungen mit solchem Entzündungsgeschehen in Verbindung gebracht. Möglicherweise könnte dieser Aspekt auch bei chronischer Parodontitis eine Rolle spielen und die Empfehlungen, die die Mediziner geben, auch bei der unterstützenden Behandlung in der Zahnarztpraxis hilfreich sein: Alles, was oxidativen Stress begrenzt, könnte Entzündungsentwicklungen herunterfahren, dazu gehört eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse und entsprechend Antioxidantien, ausreichend Bewegung und ein ausgeglichenes Leben mit sozialen Kontakten.

Hobbytaucher: Zahn-Check nicht vergessen

Bei vielen Sportarten ist eine regelmäßige Kontrolle der Mundgesundheit wichtig – bei Leistungssportlern beispielsweise können schwelende Zahnbettentzündungen zu Leistungsbegrenzung führen. Auf ein anderes Sport-Thema wies kürzlich im Journal Apotheken Umschau der Tauchmediziner Dr. Konrad Meyne hin: Tauchfreunde könnten aufgrund der anderen Druckverhältnisse unter Wasser Zahnprobleme bekommen. Beispielsweise sei es möglich, dass die unter Wasser komprimierte Luft in kleine, bisher unbemerkte Löcher im Zahn oder auch unter undichte Füllungen eindringen kann – taucht der Wassersportler dann wieder auf, können diese Lufteinlagerungen nicht entweichen, die zuvor komprimierten Luftbläschen dehnen sich wieder aus und führen zu starken Zahnschmerzen. Empfohlen wird allen Tauchern, ihre Zahn- und Mundgesundheit daher regelmäßig prüfen zu lassen. Im Zeitraum einer Wurzelbehandlung empfehlen Experten, zeitweilig auf das Tauchen lieber ganz zu verzichten, ebenso einige Zeit nach chirurgischen Eingriffen. Welche Pausierungs-Zeiträume hier sinnvoll sind, erklärt der Zahnarzt bzw. ein Tauchmediziner.

Kopf- und Gesichtsschmerz: komplizierte Diagnostik

Schon wer gelegentlich unter normalen Kopfschmerzen leidet, weiß, dass dieser Schmerz besonders intensiv ist. Während die Schmerzausschaltung in einem solchen Fall noch eher leicht ist und manchmal auch Entspannung hilft, ist dies bei undeutlichen und teilweise massiven Schmerzen im Kopf- oder Gesichtsbereich vergleichsweise eine erhebliche Herausforderung. Ort und Intensität der Schmerzen können stark wechseln und machen die Ursachensuche, die einer spezifischen Therapie vorangeht, schwierig. Manchmal breitet sich ein Schmerz, der an einer bestimmten Stelle im Kopf entsteht, über das ganze Gesicht aus und neigt dazu, chronisch zu werden. Es kann auch vorkommen, so eine aktuelle Information in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift, dass chirurgische Eingriffe, auch im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, die die Situation entlasten sollen, diese sogar eher verstärken. Nicht selten finden sich die ursächlichen Auslöser in stressbedingten, manchmal auch in Depressions-bedingten nervlichen Störungen, die sich ausweiten und„Schmerzbahnen" verursachen. Die Autoren des Fachbeitrages empfehlen, in solchen Fällen von Kopf- und Gesichtsschmerz auch die Expertise von Neurologen oder anderen Experten für den Kopfbereich einzubeziehen, ehe therapeutisch am„empfundenen" Ort des Schmerzes, dem Zahn, behandelnd gearbeitet wird.

Verbindung entdeckt: Zahnbetterkrankungen und Sehvermögen

Offenbar gibt es neben den vielen bereits bekannten Zusammenhängen von Zahnbettinfektionen(Parodontitis) und verschiedenen Störungen oder Erkrankungen des Körpers noch eine weitere: Wie eine vor wenigen Wochen im einem amerikanischen Fachjournal veröffentliche Studie zeigt, finden sich typische Parodontitis-Keime auch bei älteren Patienten, die an einer Makuladegeneration und damit an einer starken Sehbehinderung leiden. Bisher wurde noch nicht genauer untersucht, wie sich die über das Immunsystem im Körper ausbreitenden Parodontitis-Keime im Sehzentrum auswirken. Nun hat man entdeckt, bisher in einer Studie an Mäusen, dass die Keime bestimmte Zellen im Augenbereich angreifen und schädigen und so die Sehfähigkeit beeinträchtigen. Die bisher veröffentlichen ersten Ergebnisse sollen weitere Studien nach sich ziehen, die den entdeckten Zusammenhang noch genauer überprüfen.

Knirschen: Stress sitzt meist nicht „im Zahn“

Zwar mag es auch Fälle geben, wo ein ungünstiges Zahnprofil zu Kaustörungen und entsprechend Aufbiss-Stress führt – meist aber sitzt der Stress nicht im Zahn selbst, wie kürzlich beim Zahnheilkunde-Kongress der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz betont wurde. Demnach sind in den letzten 30 Jahren sowohl Anzahl als auch Intensität solcher Zahnbeschwerden enorm angestiegen, die auf„Lebenswelt-Stress" des Patienten zurückzuführend sind. Solche Belastungen weiten sich nicht selten auf die nervlichen Strukturen im Gesicht aus und erreichen auch den Mund und die Zähne. Werde hier mit einer Knirscherschiene gearbeitet, um die Zähne vor zerstörendem Knirschen oder Zahndruck zu entlasten, könne dies zwar in vorübergehenden Anspannungen sehr hilfreich sein – hielten die stressenden Belastungen aber über lange Zeit an, würden nicht die ursächlichen Auslöser der Schmerzen behoben, sondern nur Folgen gemildert. Manchmal stecke auch eine Form der Depression hinter den Anspannungen – psychosoziale Erkrankungen könnten aber nicht in der Zahnarztpraxis behandelt werden, sondern benötigten entsprechende fachliche Expertise.

Professionelle Prothesen- und Spangenreinigung: Selbstzahlerleistung

Patienten mit herausnehmbaren Versorgungen wie beispielsweise Zahnersatz, kieferorthopädischen Geräten oder auch Knirscherschienen können in der Zahnarztpraxis oder dem Dentallabor eine professionelle Reinigung ihrer Therapie-Produkte erhalten – dabei werden sowohl härtere Beläge als auch Verfärbungen ebenso intensiv wie auch schonend durch entsprechende Geräte entfernt, die Oberflächen werden anschließend fachgerecht poliert. Saubere und geglättete Produkte bieten Bakterien weniger Anhaft-Möglichkeiten als es raue Oberflächen ermöglichen würden. Dies reduziert auch die Keimbelastung im Mund. Während der Pflege der herausnehmbaren Versorgung ist auch ein prüfender Blick dahingehend möglich, ob das„Gerät" noch einwandfrei in Ordnung ist oder sich erste Anzeichen für beispielsweise einen Sprung oder andere Nutzungsschäden zeigen. So wertvoll diese spezielle Pflege der Prothesen oder kieferorthopädischen Geräte ist, so wenig übernehmen gesetzliche oder private Krankenversicherungsträger die entsprechenden Reinigungs-Kosten – sie gelten als reine Selbstzahlerleistung und werden in der Regel den Patienten daher direkt in Rechnung gestellt.

Diabetiker: Weniger Zahnarztbesuche als nötig

Eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie seitens der Universität in New York zeigte auf, dass ausgerechnet diejenigen Menschen, die aufgrund einer chronischen Diabetes-Erkrankung am ehesten regelmäßige zahnärztliche Unterstützung benötigen, vergleichsweise eher selten zum Zahnarzt gehen. Das zeigte eine Umfrage unter rund 2,5 Millionen US-Bürgern. Etwas häufiger, aber immer noch zu wenig, zumal im Vergleich mit gesunden Befragten, nutzten Patienten mit einer Diabetes-Vorstufe die zahnärztlichen Begleitbehandlungen. Unsicher sind sich die Wissenschaftler hinsichtlich möglicher Gründe: Sie halten sowohl Kostenaspekte für möglich als auch mangelndes Bewusstsein für den besonderen Bedarf nach regelmäßiger mundgesundheitlicher Kontrolle. Unter anderem müsse der Zugang zu zahnärztlichen Leistungen in den USA optimiert werden. In Deutschland ist dieser aufgrund entsprechender Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen erheblich leichter und bietet bedarfsgemäß individuell benötigte Leistungen von kassenfinanzierten Kontrolluntersuchungen bis hin zu spezifischen Behandlungsschritten im Privatleistungsbereich.

Herpesviren: Auch an Parodontitis beteiligt?

Wie ein jüngst veröffentlichter Fachbeitrag in einer zahnärztlichen Zeitschrift darstellt, könnten Herpes-Viren am entzündlichen Geschehen einer Parodontitis beteiligt sein. Mit Herpesviren sind rund 80 % der Bevölkerung infiziert – mit regionalen Unterschieden in der Ausprägung. Bei den meisten zeigt sich kein akutes Krankheitsgeschehen – bei Erstinfektion kann kaum etwas zu spüren sein, während andere, vor allem immungeschwächte Personen und Schwangere unter erheblichen bis gefährlichen Folgen leiden können. Herpesviren bleiben lebenslang ruhend im Körper und können unerwartet in einer Erkrankung ausbrechen. Forscher haben nun entdeckt, dass auch im Speichel unter dem Zahnfleischrand und sogar im Zahnfleisch selbst Herpesviren zu finden waren – und zwar dort am meisten, wo auch eine Zahnbettentzündung(Parodontitis) weit fortgeschritten war. Dagegen fand man bei mundgesunden Patienten in dieser Region kaum Hinweise auf virale Belastung. Die Untersuchungen zeigen, dass in Verbindung mit Herpesviren auch schädliche bakterielle Keime um ein vielfaches aggressiver wirken. Auch auf einen nicht unproblematischen Aspekt weisen die Wissenschaftler hin: Da sich aggressive Viren und Keime in der Speichelflüssigkeit unter dem Zahnfleischrand befinden, ist eine direkte Übertragung zwischen Personen möglich. Hilfreich sind vor allem zahnärztliche Behandlungen, die die bakterielle-Belastung reduzieren: Sinkt diese, reduziert sich gleichermaßen das virale Risiko.

Milchzähne: Fluorid-Lack nützt

Unterstützung für diese Form des Milchzahn-Schutzes kam kürzlich von höchster Stelle: Das IQWIG(Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen), das für seine meist kritischen Positionen zu verschiedenen Behandlungsmaßnahmen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen bekannt ist, gab für Fluorid-Lack zur Kariesvorbeugung bei Milchzähnen grünes Licht. In der Stellungnahme machte das IQWIG deutlich, dass es bei der Zahngesundheit der unter drei Jahre alten Kinder kaum Verbesserungen gebe: Während bei den älteren Kindern und den Erwachsenen die Kariesfreiheit erheblich gestiegen ist, ist sie bei den kleinen Kindern unverändert auf bedenklichem Niveau. Zitat aus der Stellungnahme:„Kinder sind besonders anfällig für Karies, denn bei den ersten Zähnen ist der Zahnschmelz empfindlicher als bei bleibenden Zähnen." Insbesondere bei kleinen Kindern könne die Mundhygiene und damit die Vorbeugung von Karies eine Herausforderung sein. Klare Botschaft des IQWIG:„Fluoridlack trägt wirksam zur Remineralisierung der Zahnoberfläche bei und verhindert die Entstehung und das Fortschreiten von Karies. Speziell bei kleinen Kindern bietet der Einsatz von Fluoridlack Vorteile, weil er schnell aushärtet."

BARMER-Studie: Frauen gehen öfter zum Zahnarzt

In ihrem diesjährigen sogenannten„Zahnreport", den die BARMER alljährlich auf ihrer Datenbasis erstellt, ist ablesbar, dass offenbar Frauen häufiger die zahnärztliche Praxis aufsuchen als Männer. Während im Jahr 2016 rund zwei Drittel aller Männer mindestens einmal die Zahnarztpraxis aufgesucht hatten, waren es drei Viertel aller Frauen. Die kürzlich veröffentlichten Daten zeigen auch, dass Frauen – es geht bei dieser Studie einer gesetzlichen Krankenkasse nur um„Kassenleistungen" beim Zahnarzt–auch mehr zahnärztliche Leistungen in Anspruch nehmen als Männer. Entsprechend sind die durchschnittlichen Kosten, die die BARMER für die zahnärztliche Behandlung ihrer männlichen Mitglieder bezahlt, auch deutlich niedriger(177 Euro/Männer gegenüber 196 Euro/Frauen). Das wird auch an einem Detail deutlich: Doppelt so viele Frauen wie Männer erhalten eine Aufbiss-Schiene(z.B. gegen stressbedingtes Knirschen). Frauen nehmen zudem etwas häufiger als Männer an Parodontitis-Diagnostik teil. Die Krankenkasse sieht dies als Bestätigung für das„nachweislich höhere Gesundheitsbewusstsein von Frauen."

Parodontitis: Behandlungs-Kontinuität hilft

Eine aktuelle Studie unter Leitung von Prof. Dr. Renate Deinzer, Universität Gießen, ist der Frage nachgegangen, wie eine Parodontitis-Behandlung noch erfolgreicher, vor allem aber nachhaltiger Besserung bringt. Unter anderem hat sich dabei gezeigt, dass diejenigen Patienten, die in Parodontitis-bezogener Mundhygiene immer wieder geschult als nur einmalig unterwiesen wurden, deutlich bessere Mundpflegeergebnisse hatten. Ebenfalls wenig erstaunlich, aber nun immerhin bestätigt ist der Effekt der Therapie-Treue: Diejenigen Patienten, die über Jahre hinweg die Angebote einer so genannten unterstützenden Parodontitis-Behandlung nutzen, hatten im Verlauf der Beobachtungsjahre deutlich weniger Zähne verloren als die Vergleichsgruppe. Es hat sich allerdings auch gezeigt, dass es weiteren Forschungsbedarf gibt, um direkte Zusammenhänge zu überprüfen – die Wissenschaftler bedauerten entsprechend, dass es keine finanziell ausreichenden Forschungsgelder für eine über mehrere Jahre laufende komplexe Studie gebe, hier sei auch Unterstützung im Sinne der öffentlichen Gesundheitsvorsorge notwendig.

Parodontitis: Zusammenhang mit Magenkrebs

Immer mehr Studien lassen einen Zusammenhang von Parodontitis mit teilweise schweren Allgemeinerkrankungen, auch chronischen Erkrankungen erkennen. Typische Mundbakterien finden sich beispielsweise bei entzündlichen Herzerkrankungen, sie erschweren einen Diabetes mellitus und stehen in Verdacht, bei weiteren Erkrankungen belastend zu wirken. Wie nun eine aktuelle Studie der Zahnklinik der New Yorker Universität zeigt, sind die Mundbakterien offenbar auch ein Risikofaktor für die Entwicklung von Magenkrebs. Bei Patienten mit Krebs-Vorstufen fanden sich im Vergleich zu gesunden Menschen deutlich mehr Keime, die zu den klassischen „Bewohnern" der Parodontitis-Zahntaschen gehören. Auch war der Biofilm nicht mehr durch eine Vielfalt sich gegenseitig in Schach haltender Bakterienfamilien stabil, sondern durch teilweise ganz fehlende Bakteriengruppen aus dem Lot geraten. Erneut zeigt sich daher, welche bedeutende Rolle ein „gesunder Mund" für die Allgemeingesundheit spielt: Sorgfältige Mundhygiene pflegt das biologische Gleichgewicht und tut damit nicht nur Zähnen und Zahnfleisch Gutes.

Lange Zähne: Was tun gegen die Empfindlichkeit?

Gut geschützt im oberen Bereich vom harten Zahnschmelz und im unteren Bereich vom Zahnfleisch liegt der Zahnhals. Hier finden sich winzigste Kanäle, die über Nervenfasern an das Nervensystem angebunden sind. Ist der Schutz beispielsweise über das Zahnfleisch nicht mehr gegeben, werden Reize wie Kälte oder Säure über diese Kanäle direkt an den Zahnnerv weitergeleitet, es entstehen kurz- oder längerfristige teilweise heftige Schmerzen. Zwar ist es möglich, die Empfindlichkeit dieser Zahnbereich dadurch zu lindern, dass man solche Stellen mit einem fluoridhaltigen Lack oder speziellem Kunststoff quasi versiegelt. Die Beschichtung hält aber nicht für immer und führt auch nur zu einer Desensibilisierung, nicht zu einer nachhaltigen Lösung des Problems. Wiewohl dies für betroffene Patienten schon eine große Hilfe darstellt, ist der beste Weg, wie eine Veröffentlichung vor einigen Wochen in einer Fachzeitschrift zeigt, das Zurückweichen des Zahnfleisches möglichst zu vermeiden. Bei den Prophylaxe-Terminen sollte man daher auch den Gesundheitszustand des Zahnfleisches prüfen und bei ersten Anzeichen einer Rückbildung nach den Ursachen suchen lassen. Infrage kommen hier beispielsweise zu kräftiges Zähneputzen („Schrubben"), Fehlbelastungen wie Zähne pressen beziehungsweise Knirschen oder auch eine beginnende Zahnbettentzündung. Ist die Ursache erkannt, lässt sich im Frühstadium viel tun, um das Zurückweichen des Zahnfleisches zu stoppen oder zumindest deutlich zu verlangsamen.

Partnersuche: Blick auf die Zähne

Wie eine jüngst auf der Statistikseite statista.de veröffentlichte Studie zeigt, schauen Menschen auf der Suche nach einem Partner zuallererst in dessen Gesicht. Während sich hier Männer und Frauen noch einig sind, driften ihre Ansprüche bei Punkt zwei etwas auseinander. Der Umfrage unter rund 3000 Singles zufolge achten Männer als zweitwichtigsten Aspekt auf die Augen der Frau – die Frauen dagegen auf die Zähne des Mannes. Das Aussehen der Zähne landete bei den äußeren Werten, die Männer beachten, erst auf Platz drei. Vergleichbar ist aber der Anteil der Personen, die Zähne als relevant für die Attraktivität erachten: Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen betrachteten rund zwei Drittel der Befragten die Zähne als wichtig für den Gesamteindruck. Das „Drumherum", die Lippen und der Mund insgesamt, spielten dagegen eine deutlich kleinere Rolle. Viele weitere Studien bestätigen die gewichtige Rolle der Zähne für die Attraktivität – nicht nur für den privaten Erfolg, sondern auch für den beruflichen. Eine Langzeitstudie der Universität Hamburg ergab, dass fast 90 % der Bundesbürger davon ausgehen, dass schöne Zähne auch bei der Karriere helfen.

 

Neue Studie: Zahngesundheit Zwölfjähriger hervorragend

Regelmäßig erhebt die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) den Mundgesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen hierzulande. Die vor wenigen Wochen veröffentlichten Daten der jüngsten Studie zeigen, dass immerhin vier von fünf Kindern im Alter von 12 Jahren kariesfreie bleibende Zähne haben. Zusammen mit Dänemark liegt Deutschland mit diesen Werten auf dem internationalen Spitzenplatz. Grund für die naturgesunden Zähne dieser großen Anzahl an jungen Jugendlichen sind nicht zuletzt die vielfältigen Prophylaxe-Maßnahmen in Familie, Schule und Zahnarztpraxis. Allerdings wies die DAJ auch darauf hin, dass erneut ein deutlich zu hoher Wert für zerstörte Milchzähne notiert werden musste, auch wenn insgesamt die erhobenen Werte für eine gestiegene Mundgesundheit im Milchzahnalter sprächen: Im Alter von 6 – 7 Jahren hatten gerade einmal knapp 54 % aller Kinder naturgesunde Zähne. Im Alter von 3 Jahren zeigten bereits fast 14 % aller Kinder karieszerstörte Milchzähne. Die Studienergebnisse zeigen erneut, dass eine kleine Gruppe von Kindern besonders viele geschädigte Zähne haben, nicht selten handelt es sich hier um Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Der Vorstand der DAJ betonte daher, dass es weiterhin und verstärkt Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft sei, die mundgesundheitliche Chancengleichheit in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen.

Zahn ausgeschlagen: was tun?

Wenn bei einem Sturz oder Unfall ein Zahn ausgeschlagen wurde oder ein Teil abgebrochen ist, muss das nicht zwingend bedeuten, dass keine Reparatur mehr möglich ist. Wird das abgebrochene oder herausgebrochene Zahnstück richtig aufbewahrt, kann es in der Zahnarztpraxis nicht selten wieder an- bzw. eingesetzt werden – vorausgesetzt, es wird zeitnah eine Zahnarztpraxis aufgesucht und der Zahn bzw. der abgebrochene Teil sofort richtig „aufbewahrt". Am besten eignen sich dafür sogenannte Zahnrettungsboxen, sagte kürzlich Prof. Dr. Wolfgang Buchalla, Universitätsklinik Regensburg, in der Zeitschrift Apotheken Umschau. Diese fänden sich in vielen Sporthallen, aber auch in vielen Schulen und Schwimmbädern. Ist keine Zahnrettungsbox verfügbar, geht auch kühle H-Milch. Notfalls nutzt auch gesammelter Speichel. Auch wenn es letztlich darum geht, dass der Zahn bzw. das Zahnstück feucht bleibt, kommt es doch darauf an, dass die feuchthaltende Flüssigkeit den Bedürfnissen des Zahnes entspricht – ihn in Wasser zu legen, ist hier der falsche Weg: Es würde alles weggespült, was das Wiedereinsetzen erleichtern soll. Ziel bei einem ausgeschlagenen Zahn ist der Erhalt der wichtigen faserbildenden Zellen an der Zahnwurzel – nur sie können das Wiedereinwachsen des Zahnes ermöglichen.

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