Patienten-News

Zahnpasta: vielfältige Inhaltsstoffe

Zahnpasta dürfte sich weitgehend in jedem Haushalt in Deutschland befinden – und steht auf langen Regalen weitgehend in jedem Super- oder Drogerie-Markt. Dass das Angebot so breit ist, hat auch etwas mit den unterschiedlichen Inhaltsstoffen zu tun, die sehr verschiedene Erwartungen ansprechen: Von mehr Schutz bei sensiblen Zähnen über weißere Zähne bis hin zu biologisch-ökologischem Inhalt reicht die Bandbreite. Die Informationsstelle für Kariesprophylaxe hat kürzlich eine Übersicht veröffentlicht, welche Inhaltsstoffe Sinn machen und wo man nachdenklich werden sollte. Ein wichtiges Kriterium aus zahnmedizinischer Sicht: Fluorid muss enthalten sein. Da dies bei manchen Produkten fehlt, fallen sie durch das Raster der Empfehlung. Auch Produkte, die mit einer dem Fluorid vergleichbaren Wirkung werben, kommen nicht durch: Während es für die karieshemmende Wirkung von Fluorid eine schier endlose Anzahl an Studien-Belegen gibt, können die „Alternativen" wenig Wirksamkeits-Nachweis dagegensetzen. Kritisch betrachten sollte man auch Zahnweißer-Zahnpasten – nicht jede ist zahnschmelzfreundlich: Manche schmirgelt auch zuviel von der Oberfläche ab. Ein guter Wegweiser zum Auffinden der individuell richtigen Zahnpasta ist die Zahnarztpraxis, die ihren Patienten und seine spezifischen Zahnprobleme kennt: Eine entsprechende Beratung hilft durch den Angebots-Dschungel.

Bonusheft: schon bei der Kontrolle gewesen?

Vermutlich wird es jetzt gegen Jahresende nicht mehr so einfach, einen Kontrolltermin in seiner Zahnarztpraxis zu bekommen: Trotzdem sollten das alle Patienten, die das Angebot in diesem Jahr noch nicht wahrgenommen haben, noch versuchen. Ein solcher Termin sichert nicht nur die Patienten selbst ab, dass ihre Mundgesundheit auf einem guten Weg ist, sondern dient darüber hinaus auch als eine „Vorbeugemaßnahme" für Kosten einer eventuell notwendigen Zahnersatz-Behandlung. Darauf wies kürzlich der Verband medizinischer Fachberufe hin. Der Stempel im „Bonusheft" sei ein Nachweis für die Krankenkasse, dass einem ein erhöhter Festzuschuss zusteht, wenn eine Brücke oder Krone notwendig werden sollte. Für diesen erhöhten Zuschuss (über die genauen individuellen Konditionen informiert die eigene Krankenkasse) sollte das „Bonus-Heft" lückenlos geführt sein.

Schwangerschaft: zahnmedizinische Begleitung

Die zahnmedizinische Prophylaxe sei ein wichtiger Baustein für die gute allgemeinmedizinische und zahngesundheitliche Situation der werdenden Mütter, sagte kürzlich Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Ernährungsberatung, häusliche Mundpflege und eine auf Vorbeugung ausgerichtete Betreuung unterstütze die Schwangeren dabei, für das Kind und auch selbst in dieser wichtigen Zeit gesund zu bleiben. In einer von allerlei Aufregungen und Unsicherheiten geprägten Lebensphase könne die Mundgesundheit schon mal aus dem Blickfeld geraten. Gerade in der Schwangerschaft sei aber, aufgrund hormoneller Auswirkungen auch im Mund, eine gute Mundhygiene und Mundgesundheit besonders wichtig. Infektionen wie eine Parodontitis gelte es zu vermeiden, da die Keime über die Blutbahn auch andere Regionen des Körpers erreichten. Wer bisher noch nicht so gut mit Zahnseide oder anderen Utensilien für die Zahnzwischenraum-Pflege umgehen konnte, sollte das jetzt lernen und zur täglichen Routine machen. Sinnvoll sei auch die Professionelle Zahnreinigung – je nach Situation möglicherweise auch öfter als einmal. Zusammen mit regelmäßigen Kontollterminen können so sich anbahnende Zahnbett-Entzündungen frühzeitig erkannt und zurückgedrängt werden.

Fruchtsäfte: lieber verdünnen?

Fruchtsäfte sind vor allem lecker – dass sie aber auch problematische Aspekte haben, spricht sich langsam herum. Unter anderem erinnern Ärzte, die sich mit Übergewicht befassen, an die kritische Rolle von Fruchtzucker: Zuviel Fruchtzucker kann über verschiedene Stoffwechselwege zu höherem Gewicht führen. Diese Zuckerart, auch Fructose genannt, ist natürlich in Obst zu finden, entsprechend in Obstsäften – wird aber auch anderen Nahrungsmitteln gern als Geschmacksverstärker zugesetzt. In der Zahnmedizin gilt Obstsäften schon seit Jahrzehnten ein sehr kritischer Blick, insbesondere als Getränk in Nuckelfläschchen: Auf das Konto der angeblich gesunden Säfte geht ein nicht geringer Anteil verfaulter zerstörter Kleinkinderzähne. Und auch bei Größeren wirken sich Säure und Fructose auf die Zahngesundheit aus, wenn man gern und viel Fruchtsaft trinkt und nicht wirklich sorgfältig den Zahnschmelzschäden vorbeugt. Da stellt sich die Frage, wie man die leckeren Fruchtsäfte vielleicht Zahn-verträglicher machen kann. Ob das beispielsweise durch Verdünnen mit Wasser gelingt, haben jetzt Wissenschaftler der Universität Zürich untersucht. Die Tests ergaben beispielsweise, dass handelsüblicher Apfelsaft sogar dreimal zahnschmelz-schädlicher ist als Orangensaft. Aber Apfelsaft ist auch am besten durch Verdünnen „zahnfreundlicher" zu machen: Die Belastungen für den Zahnschmelz gingen deutlich zurück – wenn auch nicht komplett. Es zeigte sich, dass Verdünnen nicht bei jedem Saft so viel bringt, bei Orangensaft beispielsweise eher wenig. Die Zusammenhänge zwischen Gesundheitsbelastung und Verdünnen sind komplexer als erwartet.

Zucker: viele Namen, gleiche Schäden

Nicht nur viele Kinder wissen, dass Zucker nicht gut für die Zähne ist: Die auf den Zähnen und am Zahnfleischrand im Zahnbelag („Plaque" oder „Biofilm") lebenden Bakterien ernähren sich von Zucker in all seinen Varianten und scheiden beim „Verdauen" Säuren aus, die den Zahnschmelz zerstören. Zucker kommt aber nicht nur in der bekannten Form als weißer Streuzucker oder als Zuckerwürfel vor, sondern auch in vielerlei anderer Bezeichnung, die weniger Sachkundige oft gar nicht als Zucker erkennen: Wie Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten-Herdecke, Vorsitzender der Aktion zahnfreundlich, kürzlich klar stellte, sind Lebensmittel mit „anderen Zuckerarten" für die Mundgesundheit nicht weniger schädlich als der klassische weiße Haushaltszucker. Insbesondere bei Fertigprodukten werde oft Zucker zugesetzt, um das Geschmackserlebnis zu verbessern – besonders oft beispielsweise „Fructose". Hierbei handelt es sich, wie der Mundinformationsdienst proDente berichtet, um nichts anderes als Fruchtzucker. Auch „Süßmolkepulver" sei letztlich Zucker, Glukose ebenfalls, und der beliebte Honig mache in Sachen Zahnschmelz-Risiko hier leider keine gesunde Ausnahme. Auch sei brauner Zucker nicht gesünder für die Zähne als weißer. Auch Traubenzucker sei bei Fertiggerichten nicht hilfreich: Da er weniger süßt als Haushaltszucker, sei oft sogar mehr von diesem enthalten als bei Vergleichsprodukten. Der Handel werbe mit vielen Begriffen, die auf Zuckerreduzierung verweisen: Gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte gebe es aber nur für die Begriffe zuckerfrei, zuckerarm und zuckerreduziert. „Ohne Zuckerzusatz" dagegen besage nicht, dass das Produkt tatsächlich keinen Zucker enthält.

Mundgeruch: Zungenrücken im Blick

Mundgeruch möchte niemand – bei anderen, aber auch bei sich selbst nicht. Gründe für Mundgeruch gibt es vielfältige, die meisten stehen in Verbindung mit nicht ausreichend intensiver Mundreinigung. Es reicht oft schon ein kleines Restchen Fleisch, das irgendwo an einer versteckten Stelle an einem Zahn fest hängt, um nach vergleichsweise kurzer Zeit zu Fäulnisgeruch zu führen. Eine andere Ursache hat jetzt eine internationale Forschergruppe aus deutschen, schweizer und italienischen Wissenschaftlern in den Blick genommen: Beläge auf dem Zungenrücken. Dabei haben sie Menschen mit Mundgeruch und solche ohne Mundgeruch verglichen. Was sich zeigte: Menschen mit Mundgeruch (Halitosis) haben nicht nur teilweise andere Bakterien auf der Zunge als die Mitglieder der gesunden Gruppe, sondern die Forscher fanden sogar bislang unbekannte Bakterienarten. Wie eine zahnärztliche Fachzeitung berichtete, bestand die Kontrollgruppe aus Patienten ohne Parodontitis. In der Halitosis-Gruppe zeigten sich dagegen erste Anzeichen dieser Zahnbettentzündung, zwei Mitglieder hatten Reflux (Sodbrennen, saures Aufstoßen) und einer gehörte zu den Rauchern. Keiner von ihnen reinigte im Rahmen der Mundhygiene auch seine Zunge. Der Zunge gelte im Hinblick auf Mundgesundheit und Mundgeruchsvermeidung ein größeres Gewicht, Patienten sollten sich im Rahmen der Prophylaxetermine entsprechend instruieren lassen.

Corona-Zeit: Zahnarzttermine weiter nutzen

Was sich inzwischen zeigt: Die Corona-Belastung mag sich hierzulande im Vergleich zum Beginn der Pandemie im Frühjahr abgeschwächt haben, aber sie ist nach wie vor vorhanden: Das zeigt sich an immer wieder aufflammenden Infektions-Hotspots und daran, dass es nach wie vor Corona-Patienten gibt, die in der Klinik und auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Da stellen sich manche Patienten die Frage, ob Arztbesuche und auch Zahnarztbesuche heute nicht doch ein Risiko darstellen, sich mit den Viren zu infizieren. So berechtigt es ist, sich eine kritische Grundhaltung zu bewahren, so wenig sinnvoll ist sie allerdings im Bereich Krankheitsbehandlung und –vermeidung. Manche Ärzte weisen bereits darauf hin, dass es auch indirekte Corona-Opfer gibt, die an ihrer nicht weiter behandelten Krankheit verstorben sind. Auch wenn Munderkrankungen in der Regel nicht ursächlich für solch schwere Verläufe sind, sind sie doch manchmal verstärkend, und sie können die Lebensqualität erheblich einschränken. Der Mundgesundheitsinformationsdienst proDente empfahl deshalb kürzlich eindringlich, dass Zahnarztbesuche wegen beginnender Karies oder Zahnfleischerkrankungen nicht aufgeschoben werden sollten. Beachtet werden müsse beim Besuch der Zahnarztpraxen nur, dass das Praxisteam rechtzeitig über Infektanzeichen informiert wird, also beispielsweise, ob Husten, Schnupfen, Fieber bestehen. Wie dann verfahren wird, richtet sich nach dem Grund für den Praxisbesuch – eventuell wird der Termin einfach verschoben, oder es wird, wie im Fall eines akuten Behandlungsbedarfs, gemäß Notfall-Plan der jeweiligen Praxis verfahren. Bei einer nachgewiesenen Corona-Infektion treten ebenfalls spezielle Abläufe in Kraft, dazu kann auch die Überweisung an eine Zahnklinik gehören.

Mundschleimhautentzündung: Probiotika im Blick

Letztlich haben die Darmschleimhaut und die Mundschleimhaut vieles, was sie verbindet: Es ist also nicht verwunderlich, wenn ein Produkt, das nachweislich gut für die Arbeit der Darmschleimhaut ist, auch hinsichtlich seiner Effekte für die Mundschleimhaut untersucht wird. Zu solchen Produkten gehören die sogenannten „Probiotika". Dabei handelt es sich um Mikroorganismen, die dem vorhandenen Biofilm auf den Schleimhäuten helfen, mit stressigen Belastungen besser umzugehen. Ziel ist: das biologische Gleichgewicht wieder herzustellen. Wissenschaftler einer chinesischen Universität haben, so berichtete kürzlich eine Fachzeitschrift, nun untersucht, ob und wenn ja, wie solche Probiotika auch im Mund nützlich sein könnten. Insbesondere im Rahmen einer Strahlentherapie leidet die Mundschleimhaut oft sehr unter den Folgen. Das Ergebnis war eindeutig: Diejenigen Patienten, deren Behandlung durch Probiotika unterstützt worden war, hatten deutlich leichtere Mundschleimhautentzündungen als die Vergleichsgruppe. Auch die Anzahl relevanter Immunzellen war bei den Patienten mit Probiotika-Unterstützung höher.

Bonusheft: bald auch digital

Das kleine zahnärztliche Bonusheft, in dem die Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt eingetragen und dort abgestempelt werden, hat bei manchen Patienten im Laufe der genutzten Jahre seine anfängliche Sauberkeit eingebüßt oder ist, auch das war nicht so selten, verlorengegangen. Dann war es mühsam, die Untersuchungen nachtragen zu lassen, zumal, wenn sie in unterschiedlichen Zahnarztpraxen erfolgten. Bekanntermaßen führt ein gut und regelmäßig geführtes Bonus-Heft zu erhöhtem Zuschuss der Krankenkasse, falls einmal Zahnersatz-Leistungen notwendig sind. Nun bricht bald eine neue Ära an – jedenfalls sind entsprechende Pläne verabschiedet. Wie die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung im Sommer mitteilte, könnte das Bonus-Heft ab dem Jahr 2022 Teil der Elektronischen Patientenakte sein beziehungsweise werden. Weniger Papier ist einer der Vorteile, leichtere Übersicht für Patienten und Zahnärzte ebenfalls. Das Nachtragen von Kontrollterminen, weil man sein Bonus-Heft vergessen hat, entfällt. Zudem könnte das neue Programm auch an anstehende nächste Kontrolluntersuchungen erinnern. Bis dahin gilt: gut auf das Bonus-Heft aufpassen – es ist bares Geld wert!

Immunsystem: Speichel hilft

Für manche Menschen ist Speichel schlicht „Spucke" – für andere: ein hochspannendes Forschungsgebiet. Zu letzteren gehört eine Gruppe chinesischer zahnmedizinischer Wissenschaftler. Sie haben den Gedanken weiterverfolgt, dass der Mund letztlich das „Einfalltor" für Nahrung, Flüssigkeiten und auch zahlreiche Keime aller Art ist. Für Letztere bildet der Speichel mit seinen Inhaltsstoffen eine Art allererste Schranke – er ist lokaler Partner des Immunsystems, das für die Krankheitsabwehr zuständig ist. Ein Inhaltsstoff namens Histatin-5, der zu der Peptid-Gruppe der Histatine gehört (Peptide sind eine Art Eiweiß(Protein)-Verbindung), hat bei den Studien sein Potential gezeigt bei der Abwehr von Pilzen und Bakterien. Nicht so erfolgreich wie gewünscht war das Forscherteam bei dem Versuch, dieses Histatin-5, das auch gut auf dem Zahnschmelz andockt, so zu verändern, dass es gegen Karies hilft. Aber, so das Resümee eines Beitrags in einer zahnmedizinischen Fachzeitschrift: Es erwies sich als nützlich vor allem gegen Bakterien und ihre Anhaftung am Zahnschmelz. Unterm Strich sagten die Wissenschaftler: Schon jetzt ist der Speichel sehr hilfreich bei der Gesunderhaltung der Zahnoberflächen. Seine Leistung könne in Zukunft aber vielleicht noch getoppt werden, wenn das untersuchte Speichel-Protein in Form einer Lösung auf die Zähne aufgetragen werden kann.

Kinderzahngesundheit: besser – aber nicht überall

Nicht nur die Zahnärzteschaft und ihre wissenschaftlichen Einrichtungen beobachten die Entwicklung der Zahngesundheit insbesondere der Kinder alljährlich mit besonderer Aufmerksamkeit: Auch Krankenkassen werten ihre entsprechenden Daten aus. Das macht auch deutlich, warum die Ergebnisse nicht immer übereinstimmend sind: Die untersuchten Kinder machen bei Krankenkassen-Daten immer nur eine Teilgruppe aus der Gesamtzahl der Kinder aus. Im Juli beispielsweise veröffentlichte die AOK Nordost solche Zahlen aus ihren Mitglieder-Datenbanken. Sie untermauern, dass die Zahngesundheit der Kinder zwar grundsätzlich auf einem sehr guten Weg ist – aber nicht überall gleichermaßen. So stellte die Kasse fest, dass in Mecklenburg-Vorpommern die Anzahl der Zahnfüllungen bei Kindern gesunken ist, im Land Brandenburg gleich blieb – und in Berlin leicht anstieg. Ein erfreulicher Aspekt, der sich in allen Nordost-Bundesländern zeigte: Die Eltern nutzen Vorsorgeangebote heute mehr als früher. Die Kasse begrüßte das dezidiert, weil früh erkannte Zahnschäden auch frühzeitig behandelt werden könnten. Früherkennungsuntersuchungen sind seit 1. Juli 2019 auch für Kleinkinder zwischen 6. und 33. Lebensmonat „Kassenleistung" – damit soll vor allem das Auftreten der sogenannten frühkindlichen Karies eingedämmt werden.

Zahnfleischtaschen: Viren-Reservoir?

Nicht zuletzt durch die intensive Forschung rund um den Auslöser der Corona-Krankheit Covid-19 sind Viren noch intensiver in das Blickfeld der Wissenschaft geraten.

Dass dabei auch der Mund – ein Weg, durch den die Viren in den Körper gelangen – eine wichtige Rolle spielt, verwundert daher nicht. Französische Wissenschaftler beispielsweise haben untersucht, welche Rolle Zahnfleischtaschen in der Infektionskette spielen. Über die noch junge und gerade anlaufende Studie berichtete kürzlich eine große Zahnärzte-Fachzeitschrift. Untersucht wurde der sogenannte Biofilm in diesen Taschen: Der Biofilm ist ein Mix aus verschiedenen Bakterien und anderen Keimen, die zum Infektionsgeschehen rund um das Zahnbett beitragen – und durch dessen Anbindung an die Blutgefäße auch zu einer Kontamination, einer Belastung, des gesamten Körpers, führen können. Während im Allgemeinwissen die Präsenz von Bakterien im Biofilm gut verankert ist, ist das Vorhandensein von Viren im Biofilm und in der Gewebeflüssigkeit rund um das Zahnbett für Manche noch eher neu. Bestätigt ist mittlerweile, dass sich die für Corona relevanten Sars-CoV-2-Viren auch im Speichel nachweisen lassen. Nicht zuletzt deshalb vermutet man im Hinblick auf ein erneutes Ausbrechen der Erkrankung nach einer bereits erfolgten Genesung, dass es im Mund „Reservoire" geben könnte, wo die Viren überleben und zur erneuten Erkrankung führen: Solche Verstecke könnten Zahnfleischtaschen sein. Die Studien sind insofern interessant, weil es für die Zukunft auch darum gehen muss,  ein Wiederaufflackern einer Infektion bei bereits genesenen Menschen zu vermeiden.

Kleben in der Zahnmedizin: Trocken muss es sein

Wenn eine Zahnfüllung oder eine Teilkrone notwendig wird, wird das entsprechende „Teil" in der modernen Zahnmedizin häufig „geklebt". Spezielle Verbundstoffe sorgen dafür, dass unterschiedliche Füllungswerkstoffe und das natürliche Zahnhartgewebe fest miteinander in Verbindung treten und beispielsweise Bakterien keine Lücke finden, um sich dort einzunisten und auszubreiten. Damit das so dicht wird, gibt es eine Grundvoraussetzung: Beide Seiten, die zusammengeklebt werden sollen, müssen absolut trocken sein. Nun ist der Arbeitsplatz, die Behandlungsstelle, im Mund und damit in einem Bereich, der überall feucht ist und auch feucht sein muss. Ein Weg, Flüssigkeit zu vermeiden, ist beispielsweise die Blutstillung, wenn in tieferen Zahnbereichen „geklebt" werden muss. Diesem Thema hat sich kürzlich eine renommierte zahnärztliche Fachzeitschrift gewidmet. Einerseits sei der etablierte „Kofferdam" insbesondere in Bereichen nahe dem Zahnfleischrand notwendig – eine Art Abdeckungsfolie, die nur die zu behandelnde Region herausschauen lässt. Andererseits gelte zu Recht den Blutstillungsmedikamenten Aufmerksamkeit: Sie sind eine gute Hilfe – aber nicht perfekt. Je nach Produktart dieser Medikamente können beispielsweise die kleinen Kanälchen im Zahnhartgewebe so verändert werden, dass sie mit dem Adhäsiv, dem Klebstoff, nicht mehr zusammenarbeiten. Wie die Untersuchung der Schweizer Wissenschaftler ergab, gibt es derzeit noch keine sinnvolle Möglichkeit, in jedem Fall Feuchtigkeit im Verbund vollständig zu vermeiden. Der abschließenden Reinigung der Behandlungsstelle gilt insofern, so die Autoren der Arbeit, ein großes Gewicht, und die Auswahl passender Produkte dafür sei vielfältig.

Metaanalyse: Parodontitis und Lungenkrebs

Es wird viel geforscht auf der Welt – wenn Wissenschaftler wissen wollen, was zu einem ganz bestimmten Aspekt in den vielen Studien herausgekommen ist, machen sie eine sogenannte Meta-Analyse: Sie erforschen, zu welchen übereinstimmenden Aussagen die entsprechenden Studien gekommen sind. Eine Forschergruppe in China hat nun eine Metaanalyse zum Thema Lungenkrebs und Parodontitis gemacht – genaugenommen eine weitere, bei der sie im Vergleich zu Vorgänger-Metaanalysen Störfaktoren ausklammerten, die das Studienergebnis hätten beeinflussen können. Warum überhaupt nach einer Verbindung gesucht wurde, ist mittlerweile belegt: Die chronifizierte Zahnbettentzündung Parodontitis steht mit allgemeinem Krebsgeschehen in Verbindung. Wie eine große zahnärztliche Fachzeitschrift gerade berichtete, hat sich nach Ausklammern gemeinsamer Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes und erhöhter Alkoholkonsum gezeigt, dass es über diese Risikofaktoren hinaus tatsächlich direkte Verbindungen von Parodontitis und Lungenkrebs gibt: Ein spezielles Mikrobiom, das bei Parodontitis-Patienten auch im Mund nachweisbar ist, findet sich auch in der Lunge und gilt als ein „Trigger", ein Förderer der Krebsentwicklung. Ob tatsächlich eine Ursache-Wirkung-Verbindung besteht, ist noch nicht abschließend geklärt – die Wissenschaftler empfehlen aber, sicherheitshalber eine Parodontitis zu verhindern bzw. sie so früh wie möglich behandeln zu lassen.

Lebensmittel: gute Auswahl für gute Mundgesundheit

Wie der Aktionskreis zum Tag der Zahngesundheit 2020 berichtet, gibt es eine ganze Reihe von Lebensmitteln, die für die Mundgesundheit direkt oder indirekt förderlich sind. Das beginnt bei kalziumhaltigen Nahrungsmitteln wie Käse und Milch, wobei fettarme Käsesorten zu bevorzugen seien. Da Fluoride ohnehin gut für die Stabilität des Zahnschmelzes sind, sind auch solche aus der Ernährung empfehlenswert: Neben fluoridiertem Speisesalz bieten auch grüne und schwarze Tees sowie unterschiedliche Fische Fluoride für die Zahngesundheit. Der Aktionskreis weist allerdings darauf hin, dass über die Ernährung aufgenommene Fluoride nicht die zahnschützenden Effekte von fluoridierter Zahnpasta ersetzen können. Nahrungsmittel mit Vitamin A (in gelben beziehungsweise orangefarbenen Gemüse- und Obstsorten) fördern die Gesundheit von Zahnfleisch und Mundschleimhaut, ebenso das Vitamin C (Zitrusfrüchte, Brokkoli, Spinat u.a.), das zudem das Immunsystem und damit die Abwehrkräfte unterstützt. Wer seine Zähne, vor allem seine Knochen und damit auch seine Kieferknochen stärken möchte, nutzt Zeit an der frischen Luft: Sonnenlicht, auch durch Wolken hindurch, bildet im Körper das notendige Vitamin D. Um das Zahnfleisch vor Erkrankungen zu schützen, sind auch Omega-3-Fettsäuren hilfreich, die sich in fettem Fisch wie Hering oder Lachs finden, aber auch in Walnüssen. Nicht zuletzt: Kauen ist gesund, auch für den Mund, da dabei Speichel produziert wird, der auf vielfältige Weise Zähne und Mund fit hält – insofern gehören feste Lebensmittel, die man kräftig kauen muss, wie beispielsweise Vollkornbrot oder Gemüsesticks, mit auf den Einkaufszettel.

Corona: Zahnbehandlungen nicht verschieben!

Für Irritation sorgte kürzlich eine Meldung der Weltgesundheitsorganisation WHO, in der Corona-Zeit sollten nicht dringliche Zahnbehandlung besser verschoben werden. Die Bundeszahnärztekammer macht, ebenso wie andere zahnärztliche Organisationen, allerdings deutlich, dass diese Position nicht für alle Regionen der Welt gelte. Zwar gebe es Länder mit erheblichen Corona-Infektionszahlen und auch -Erkrankungen wie beispielsweise Brasilien, die Zustände dort seien mit denen in Ländern wie Deutschland allerdings nicht vergleichbar. Nicht nur lägen aufgrund vielfältiger Maßnahmen die Infektionszahlen im eigenen Land auf eher niedrigem Niveau – vor allem aber seien die deutschen Praxen wegen der hiesigen strengen Hygienevorschriften und nicht zuletzt aufgrund moderner Praxisausstattung „hervorragend aufgestellt". Schon immer seien die Hygienevorgaben in unserem Land besonders vielfältig gewesen und hätten zu einem hohen Schutzniveau in den Praxen beigetragen. Die Vorgaben für die Zahnarztpraxen seinen in verschiedenen Leitfäden zusammengestellt und würden bei Praxiskontrollbesuchen überprüft. Dazu gehören auch Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim RKI. Aktuelle wissenschaftliche Studien zu Corona-Effekten machten deutlich, dass die Zahnmedizin weder Infektionen weiterverbreitet noch ein erhöhtes Risiko für das Praxisteam und die Patienten besteht. Patienten sollten sich deshalb auch von Prophylaxeterminen nicht abhalten lassen und wie bisher die Routine ihrer Mundgesundheitsvorsorge beibehalten.

Zimt: Antibakterielle Wirkung

Wie sich bereits bei zurückliegenden Studien und Tests gezeigt hat, gibt es Gewürze, die eine gewisse antibakterielle Wirkung haben. Ägyptische Wissenschaftler haben nun das Gewürz Zimt etwas näher betrachtet – und stellten fest: Potential ist hier vorhanden! Zimt erwies sich im Laborversuch als unterstützend hilfreich gegen Kariesbakterien, gegen bestimmte Mund-Pilze, und es verbesserte die Fluoridfreisetzung. Nun wird überlegt, wie diese Erkenntnis genutzt werden könnte. Dabei bietet sich Zimtöl in bestimmter Konzentration bei einer noch jungen Behandlungsform von Karies an: Dabei wird nicht bis zum letzten kariösen Kern der defekten Stelle alles zerstörte Gewebe herausgebohrt, sondern nur bis zu einer gewissen Tiefe, um die empfindliche Pulpa, das gefäßführende Zahninnere, nicht zu stressen. Über diese Rest-Karies wird eine Abdeckschicht gegeben, die die Bakterien in der Rest-Karies einschließt und sie im Verlauf einiger weniger Monate an der weiteren Zahngewebe-Zerstörung endgültig hindert. Die Forscher überlegen nun, ob es Sinn machen könnte, dieser Verschluss-Schicht antibakterielles Zimtöl beizufügen. Auch mit Thymian-Öl sind bereits erfolgreiche Versuche bekannt geworden. Man geht davon aus, dass die Inaktivierung der Bakterien in der Rest-Karies erfolgreicher und zeitlich beschleunigter erfolgen könnte. Dabei muss das Endprodukt seine Druckfestigkeit behalten, was derzeit noch weitere wissenschaftliche Tests erfordert.

Zähneputzen: Kann man übertreiben?

Zu wenig Zähneputzen ist bekanntermaßen nicht gesund: Es werden dann zu spät Zahnbeläge entfernt, in denen Bakterien leben und durch ihre Stoffwechselprozesse zahnschädigende Säuren ausscheiden. Bleibt der Zahnbelag, die Plaque, noch länger vor Ort, bildet sich fester Zahnstein, der mit der Zahnbürste gar nicht mehr entfernbar ist. Dass zuviel Zähneputzen allerdings auch nicht zahngesund sein kann, darauf verwies kürzlich Prof. Dr. Stefan Zimmer, Präventivzahnmediziner an der Universität Witten-Herdecke, in einem Zeitungsartikel. Vor allem die Intensität des Zähneputzens geriet dabei in den Fokus: Zahnärzte sähen immer öfter Putzdefekte. Rillen oder dünner werdender Zahnschmelz seien die Folge von zu kräftigem Andruck der Zahnbürste, insbesondere beim Schrubben kann es zu Schmelzschäden kommen. Wie man es individuell richtig macht, kann man in der Zahnarztpraxis lernen. Professor Zimmer kommt es dabei vor allem darauf an, dass jeder Mensch andere Voraussetzungen mitbringt und insofern auch anders als beispielsweise seine Familienmitglieder Zahnpflege betreiben muss. Wie eine Studie unter seiner Leitung ergab, kann auch eine weiche Zahnbürste zu starkem Abrieb führen, man kann sich also nicht schützen, in dem man selbst einfach von einer harten zu einer weichen Zahnbürste wechselt. Insbesondere kommt es auf Druck und Führung der Zahnbürste an. Jeder könne selbst testen, wie lang eine optimale Zahnreinigung bei einem selbst dauern sollte: mit einer Färbetablette, die nicht erreichte Zahnbeläge anzeigt.

Autoimmunerkrankungen: Belastungen für den Mund

Bei einer Autoimmunerkrankung bekämpfen die Antikörper keine Fremdstoffe, sondern Stoffe aus dem eigenen Körper – mit erheblichen bis lebensbedrohlichen Konsequenzen. In der Regel entwickeln sich bei solchen Autoimmunerkrankungen chronische Entzündungen. Diese führen je nach Art der Erkrankung im ganzen Körper oder in einzelnen Organen zu Zerstörungsprozessen, denen mit entsprechenden Medikamenten Einhalt oder zumindest Abschwächung geboten werden kann. Auch im Mund zeigen sich vielfältige Folgen, wie ein Fachbeitrag von DDr. Christa Eder in einer zahnärztlichen Zeitschrift zeigte. Folgen im Mund können sehr vielfältig sein: Sowohl der Kieferknochen, der Zahnhalteapparat, das Zahnfleisch als auch die Mundschleimhaut können betroffen sein – und zwar sowohl direkt durch die Erkrankung selbst als auch indirekt durch die bei Autoimmunerkrankungen oft eingesetzten Medikamente, die die Immunreaktionen „herunterfahren". Je nach gesundheitlichen Einschränkungen des an einer Autoimmunerkrankung leidenden Patienten bieten die Zahnarztpraxen viele Möglichkeiten für Mundpflege und Zahngesundheit von speziellen Mundhygienehilfsmitteln bis hin zu begleitenden Vorsorgebehandlungen. Diese Angebote sollten frühzeitig genutzt und mit der Entwicklung der Erkrankung angepasst werden.

Anti-Viren-Hilfe: Mundspüllösungen

Es klingt zu schön, um wahr zu sein – und doch ist offensichtlich etwas dran an der Idee: mit Mundspüllösungen etwas gegen Corona-Virenbelastung tun zu können. Sogar das Deutsche Ärzteblatt hat bereits darüber berichtet. Demnach hat ein Zahnärzte-Wissenschaftler-Team an deutschen Universitäten im Laborversuch bestätigen können,dass drei der getesteten acht Mundspüllösungen die Infektkraft der Viren sogar ganz erheblich reduzieren konnten. Insgesamt hatten sich die Sars-CoV-2-Viren-Stämme als sehr empfindlich gegenüber den Mundspülungen gezeigt. Das ist insofern eine bemerkenswerte Erfahrung, als der Mund, hier vor allem die Speicheldrüsen und der Rachen, zu den ganz zentralen „Einfalltoren" des Virus in den Körper gehören. Nun geht es daran, diese Laborversuche auch „in vivo", also an Patienten, gegenzutesten. Wenn dies erfolgreich ausgeht, könnten Virusübertragungen sowohl bei Patienten als auch bei Mitarbeitern in der medizinischen Versorgung deutlich reduziert werden.

Knirschen: Wann man etwas tun muss

Zunächst einmal ist Knirschen und Pressen eine der normalen Reaktionen des Körpers, um Anspannung abzubauen. Manchen Menschen schlägt der Stress auf den Magen, anderen auf den Rücken – und nicht wenigen auf die Kiefer. Leidtragende in solchen Fällen sind dann oft die Zähne, die bei angespanntem Kiefer aufeinander gepresst werden oder durch Knirschbewegungen ihre Substanz abreiben. Wenn sich solche Stress-Zustände häufen, ist allerdings Vorsicht angebracht, wie Prof. Dr. Ingrid Peroz von der Berliner Charité kürzlich in einem Fachbeitrag berichtete: Überbelastung durch Pressen oder Knirschen kann den Zahn so unter Druck setzen, dass er Absplitterungen erfährt. Zahnfleisch und Kieferknochen können so belastet sein, dass sie zurückweichen. Das Kiefergelenk kann so verspannt sein, dass es zu Kopfschmerzen und Mundöffnungsproblemen führt. Bei Implantaträgern können solche Fehlbelastungen noch folgenreicher sein: Während der natürliche Zahn über Rezeptoren die Überlastung ans Gehirn weitermeldet, ist diese „Meldekette" bei Trägern von implantatgestütztem Zahnersatz nicht mehr aktiv, man merkt die Gefahr meist gar nicht. Bei Dauerbelastung kann sich das Implantat lockern. Es sei daher wichtig, so früh wie möglich zur zahnärztlichen Untersuchung zu gehen, um Lösungsmöglichkeiten zu finden. Dabei kann, wie es in dem Beitrag heißt, auch Physiotherapie ergänzend sinnvoll sein.

Tag der Zahngesundheit 2020: Ernährung

Jedes Jahr am 25. September findet der Tag der Zahngesundheit statt. In diesem Jahr hat er als Schwerpunkt den Aspekt „Ernährung", wie der entsprechende Aktionskreis mitteilt. Ein zahngesunder Speiseplan könne Zähne und Mund vor Erkrankungen schützen. Dazu gehöre, Zucker deutlich zu reduzieren. Aber auch Saures habe das Potential für Zahnschäden, es greife den Zahnschmelz an. Ein guter Durstlöscher sei Wasser. Wenn es denn mal zucker- oder säurehaltige Getränke sein sollen, solle man zu Light-Varianten greifen, auch wenn diese ebenfalls säurehaltig seien: Auch in diesem Fall sei es sinnvoll, den Mund danach mit einem Schluck Wasser auszuspülen. Wer Süßes mag, aber auf Zucker verzichten möchte, habe mittlerweile viel Auswahl unter zahnfreundlichen Produkten, die in der Regel an dem Siegel „Zahnmännchen" erkennbar seien. Wichtig seien Ernährungspausen, vor allem: Zuckerpausen. Sonst würden die Kariesbakterien quasi ständig „gefüttert". Worauf man achten muss: Auch Wurst, Ketchup und saure Gurken enthalten oft viel Zucker – und klebriges Gebäck haftet an Zähnen und in den Zahnzwischenräumen und bietet damit eine Dauernahrungsquelle für die Kariesbaktieren.

Hygiene: Desinfektion über alles?

Der Volksmund hat ein schönes Bild für eine Situation, die nicht wenige Patienten auch von sich selbst kennen: Man solle das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Was so viel bedeutet wie: Man kann es auch übertreiben mit seiner Aktivität. Auf die Zahnmedizin angewandt, richtet sich der Blick hier auf die Hygiene und „Desinfektion" des Mundes. Aus Sorge vor einem Übermaß an krankheitsverursachenden Bakterien nutzen manche Patienten nicht nur einfache Mundwässer, sondern antiseptische Produkte mit dem Wirkstoff Chlorhexidin (CHX). Wie eine aktuelle Studie britischer Forscher zeigt, kann das zwar sinnvoll sein, wenn man eine diagnostizierte übermäßige Keimbelastung mit schädlichen Bakterien hat. Genau das Gegenteil erreicht man allerdings, wenn man vorbeugend solche Präparate nutzt: Der an sich auf große Vielfalt angelegte Biofilm, dessen „Bewohner" sich gegenseitig in Grenzen halten, reduziert sich durch die antibakterielle Wirkung dieser Produkte und gerät so leichter aus dem Gleichgewicht – mit dem Effekt, dass mögliche Schädigungen der Mundgesundheit durch ein Übergewicht an schädlichen Keimen nicht ausgeschlossen werden können.

Handzahnbürste: kleiner oder großer Kopf?

Bei der schon fast unübersichtlichen Auswahl an Handzahnbürsten in den Regalen von Drogerie- und Supermärkten stellen sich viele Patienten die Frage, nach welchen Kriterien sie eigentlich die für sie richtige wählen sollen. Antworten hat der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente eingeholt bei Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke und kürzlich veröffentlicht. Demnach putzen größere Zahnbürstenköpfe die gleiche Zahnregion zwar schneller als kleine Köpfe – diese erreichen aber jeden einzelnen Zahn besser und reinigen daher oft intensiver. Gut seien Zahnbürsten mit einem etwas höheren äußeren Borsten-Rand, da die Zähne selbst keine ebenen Flächen bieten und die verschiedenen Borstenhöhen hier mehr Zahnfläche erwischen als Bürsten mit ebenmäßigen Borsten. Der erhöhte Rand erreicht auch eher den Zahnsaum am Zahnfleisch und reicht zudem wenigstens ein bisschen in den Zahnzwischenraum hinein. Wer keine Probleme mit empfindlichem Zahnfleisch habe, könne zu harten Borsten greifen: Für die Schäden am Zahnschmelz seien in der Regel nicht die Zahnbürsten, sondern die Schmirgelstoffe aus der Zahnpasta verantwortlich. Weil weiche Borsten sich umbiegen und die Schmirgelstoffe mehr über die Zahnfläche verbreiten, arbeiteten die harten Borsten nur mit ihrer Spitze und seien daher auch bei freiliegenden Zahnhälsen die bessere Wahl – zusammen mit einer sanft reinigenden Zahnpasta. Wer sich unsicher sei, sei mit einer Zahnbürste mit Bostengrad „mittel" gut bedient: Hier werde ausreichend Putzleistung mit ausreichend Schonung verbunden.

Freiliegende Zahnhälse: was tun?

Den meisten Menschen, die über freiliegende Zahnhälse klagen, sind vor allem zwei Folgen bewusst: Die Zähne sind deutlich schmerzempfindlich – und sie sehen nicht mehr so schön aus wie „früher". Grund ist: Das Weichgewebe, das den Zahnhals bisher bedeckt hat, ist zurückgewichen. Dafür gibt es viele verschiedene mögliche Ursachen, wie ein kürzlich veröffentlichter Fachartikel verdeutlicht: Knirschen und Zahnpressen beispielsweise kann zum Rückzug des gestressten Gewebes führen ebenso wie zu heftiges Schrubben mit der Zahnbürste. Eine Zahnbettentzündung kann das Gewebe zerstören. Und es kann sein, dass sich der Kieferknochen, der Zahn und Weichgewebe stützt, zurückentwickelt hat, weil er durch Fehlbelastung „gestört" wurde in seiner natürlichen Regeneration. Hinzu kommen weitere Belastungen des Gewebes wie beispielsweise durch Piercing oder Lippen-/Wangen-Bändchen. Die Liste der möglichen Ursachen für freiliegende Zahnhälse ist also sehr umfangreich, insofern ist es nicht verwunderlich, dass auch die Suche nach dem Grund anspruchsvoll ist – es gilt, eine der Ursachen angemessene Behandlung zu finden und die schädigenden Zustände möglichst zu beseitigen. Ob sich freiliegende Zahnhälse optisch „verstecken" lassen unter einer Weichgewebe-Auflagerung, muss im Einzelfall abgewogen werden. Wichtiger ist, dass sich ein Voranschreiten des unerwünschten Prozesses und auch die Schmerzbelastung stoppen lassen.

Bruxismus: Wo kommt er her?

Der Volksmund kennt viele Faktoren, die für Knirschen und Zähne pressen (Bruxismus) verantwortlich sind: „Beiß die Zähne zusammen" heißt es beispielsweise bei Überforderung und „auf einem Problem herumkauen" bei – nicht zuletzt seelischen – Belastungen. Dabei ist das Spektrum der Auslöser deutlich größer, wie ein aktueller Beitrag in einer zahnärztlichen Zeitschrift zeigt. Mitverantwortlich können angeborene Faktoren sein, Allgemeinerkrankungen, Schlafstörungen, Medikamente, aber auch Alkohol und andere Suchtstoffe. Eine vergleichsweise unerhebliche Rolle spielen sogenannte okklusale Faktoren, wenn also die Kiefer leicht verschoben gegenüber stehen und sich keine harmonische Mundentspannung erreichen lässt. Die Wissenschaft sagt heute, dass die Zähne die Gegenstände sind, an denen der Bruxismus sich gewissermaßen auslebt, aber nicht dessen Ursache. Die Folgen solcher falschen „Zahn-Arbeit" sind vielfältig: Nicht nur führen sie zu Schäden am Zahn selbst und machen ihn oft überempfindlich, sondern sie belasten auch die Aktivität der Mund-Muskulatur und die Kiefergelenke. Bruxende Menschen neigen zudem zu Schlafstörungen, Kopf- und Nackenschmerzen. Welche zahnmedizinische Behandlung und mögliche Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen notwendig ist, ergibt sich aus der genauen Diagnostik.

Papillom-Viren: mehr Kopf-Hals-Karzinome

Wie schwierig die Behandlung von Viruserkrankungen ist, hat die Bevölkerung aktuell bei der Bekämpfung des Sars-CoV-2-Virus erlebt. Das ist aber nicht das einzige, mit dem der Organismus zu kämpfen hat. Wie ein aktueller Beitrag in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift darstellt, nehmen beispielsweise Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich, zumal im Rachen, zu – mitbeteiligt sind hier die sogenannten humanen Papillomviren (HPV).  Man kennt sie aus anderen Körperregionen: Sie werden üblicherweise in Verbindung gebracht mit Gebärmutterhalskrebs und Krebs in der Anal-Region. Was diese Bereiche mit dem Mund-Rachen-Raum verbindet: Es handelt sich um Schleimhautregionen. HPV ist sexuell übertragbar. Entsprechend verursachte Karzinome im Rachenbereich nehmen weltweit immer mehr zu, während ähnliche Karzinome im Kopf-Hals-Bereich, die auf zuviel Alkohol, Rauchen oder Stress zurückzuführend sind, eher eine sinkende Rate zeigen. Klar bestätigt hat die aktuelle Studie den Zusammenhang von HPV und Rachenkrebs. Erfreulich ist, dass die Behandlungsmöglichkeiten heute deutlich besser sind als in den zurückliegenden Jahren – und man heute besser vorhersehen kann, wann eine Behandlung eher erfolgreich sein wird und wann möglicherweise mit einem Rückfall gerechnet werden muss.

Zahnreport: Kinderzahngesundheit gut

Auch wenn es immer nur die Daten sind, die die BARMER Krankenkasse aus ihrem eigenen Mitgliederbestand erheben kann: Alljährlich setzt die Kasse mit ihrem „Zahnreport" einen spannenden Fokus auf einen speziellen Aspekt der Mundgesundheit. In diesem Jahr stand bei dem im Mai veröffentlichen Ergebnis die Kinderzahngesundheit im Blickpunkt. Dabei wichen die Daten bezüglich der Zahngesundheit der 12-Jährigen von denen ab, die das wissenschaftliche Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) in epidemiologischen Großstudien erhoben hat: Während die Krankenkasse bei zwei Dritteln der 12-Jährigen ein zahngesundes Gebiss vorfand, lagen die Studienergebnisse beim IDZ bei vier Fünftel. Auch seien die Faktoren, die bei den Studien erhoben worden seien, nicht ganz vergleichbar, betonte die Bundeszahnärztekammer. Erfreulich sei allerdings, ergänzte die Zahnärzte-Organisation, dass die insgesamt positive Entwicklung hin zu mehr Kariesfreiheit unter Kindern und Jugendlichen sich auch bei eher niedrigem Sozialstatus zeige. Erfolgsfaktoren seien die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in den Zahnarztpraxen und vielfältige Vorbeugemaßnahmen wie Zahnversiegelungen. Rund 70 % aller Zwölfjährigen seien durch eine Fissurenversiegelung vor Karies weitgehend geschützt – Kinder ohne eine solche Versiegelung weisen eine dreimal so hohe Karieserfahrung aus. Das noch junge Konzept „Frühkindliche Karies vermeiden" ziehe ein engmaschiges Netz um die Kinderzahngesundheit in Sachen Vorbeugung.

Geschädigter Zahn: Wurzelbehandlung oder Implantat:

Ist ein Zahn aufgrund einer Schädigung seines lebendigen Innenlebens (Gefäße in der Pulpa) so zerstört, dass er als „abgestorben" gilt, stellt sich immer mal wieder die Frage: Ziehen und beispielsweise durch ein Implantat ersetzen – oder die Wurzel behandeln und füllen und den natürlichen Zahn an seinem Platz erhalten? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort, weil ganz maßgeblich der individuelle Patient, seine Mundsituation, aber auch seine Allgemeingesundheit beachtet werden muss. Beide Lösungen können also, jeweils individuell gesehen, die richtige sein. Was „richtig" ist, richtet sich auch nach den Anforderungen: Wie lange wird der erreichte Zustand gesund und stabil funktionieren? Dazu hat die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Endodontologie (Zahnwurzelbehandlung) nun eigene Daten veröffentlicht. Demnach haben heutzutage Wurzelbehandlungen eine sehr hohe Erfolgsrate von 85 – 95 % innerhalb von fünf Jahren nach der Behandlung. Nicht ganz auszuschließen sind allerdings Infektionen, die den wurzelbehandelten Zahn gefährden. Wird die Wurzelbehandlung dann noch einmal wiederholt, sieht es mit dem Erfolg schon nicht mehr ganz so gut aus. Ist der Zahn nicht mehr zu retten, seien Implantate ein hervorragendes Angebot im Bereich der möglichen Behandlungsalternativen.

Den Wettbewerb nutzen: Bakterien gegen Bakterien

Der Mund ist, genaugenommen, ein Biotop: Verschiedene Bakterienkulturen und andere Keime leben, wenn sie im Gleichgewicht sind, friedlich miteinander und erledigen die ihnen zugewiesenen Aufgaben. Ins Ungleichgewicht kommt dieses Biotop immer dann, wenn eine Bakterienart überhand nimmt und nicht mehr von „natürlichen Gegnern" in Schach gehalten werden kann: Dann muss das Immunsystem des Menschen die sich entwickelnden Entzündungen von innen bekämpfen. Kein Wunder also, wenn Wissenschaftler immer wieder darüber forschen, wie man eine solche aus dem Ruder laufende Entwicklung bei einer Bakterienfamilie durch einen „natürlichen Bakterien-Wettbewerb" eindämmen kann. Amerikanische Mikrobiologen sind jetzt einem solchen Ansatz auf der Spur: Sie fanden in einer speziellen Streptokokken-Art einen Partner, um eine Parodontitis-Keim-Familie einzudämmen. Ob, und wenn ja wie, sich daraus eine zahnärztliche Parodontitis- oder gar eine Vorbeugebehandlung ergibt, ist derzeit noch nicht absehbar – zeigt aber einen spannenden Ansatz, der sicher weiter verfolgt wird.

Zahnpflege: Vom Auf und Ab und Hin und Her

Die beste Zahnbürste ist die, die man auch benutzt – an dieser alten Weisheit hat sich auch durch die neueste Forschung nichts verändert. Was sich aber zeigt, ist, dass man dieses Mundhygiene-Hilfsmittel je nach Einsatz mehr oder weniger erfolgreich einsetzt. Auch wenn es Grundregeln gibt wie „zweimal täglich drei Minuten": Letztlich ist jeder Mund anders, jeder Patient auch und insofern auch das individuelle Vorgehen bei der Zahnpflege. Wie der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente kürzlich berichtete, benötigt man mit einer Handzahnbürste für das gleiche Putzergebnis mehr Zeit als mit einer elektrischen Zahnbürste. Auch beim Führen der Handzahnbürste gibt es einiges Grundsätzliches zu beachten: Es sollte immer gewischt und nicht geschrubbt werden. Wer täglich seine Zahnbeläge entfernt (wie man sich ja auch seine Hände wäscht, wenn sie schmutzig sind), wird es mit einem sehr weichen Belag-Brei zu tun haben, der mit Wischen gut zu beseitigen ist. Starkes Schrubben kann zu Abnutzungserscheinungen am Zahnschmelz und auch am mitberührten Zahnfleischrand führen. Zuerst werden die Kauflächen geputzt, dann die Außenflächen, dann die Innenflächen – und auch die Zahnzwischenräume dürfen nicht vergessen werden, für die es gesonderte Interdentalraumbürstchen gibt oder eben Zahnseide. Die Auswahl an elektrischen Zahnbürsten ist groß und es stehen verschiedene Putz-Systeme zur Verfügung: Um hier den größtmöglichen Effekt zu erzielen, sind entsprechend die unterschiedlichen Bedienungsanleitungen der Hersteller zu beachten. Individuelle Empfehlungen erhält man in seiner Zahnarztpraxis.

Zukunft: immer weniger Zahnlosigkeit

Wie entwickelt sich die Mundgesundheit in den nächsten Jahren – und welche Konsequenzen hat das für die zahnmedizinische Versorgung? Diese Frage stellten sich deutsche Wissenschaftler, die vor wenigen Wochen das Ergebnis ihrer Arbeit in einem wissenschaftlichen internationalen Fachjournal veröffentlichten. Bereits zuvor hatte sich gezeigt, dass sich die Zahnlosigkeit zwischen 1997 und 2014 halbiert hat, wie eine zahnärztliche Zeitschrift berichtete: Nicht mehr jeder Vierte, sondern nur noch rund jeder Sechste der Untersuchten in der Altersgruppe 65 bis 74 Jahre litt unter Zahnlosigkeit. Festzustellen war auch: Zahnlosigkeit zeigte sich im Oberkiefer häufiger als im Unterkiefer und häufiger bei Frauen als bei Männern und auch häufiger in eher bildungsfernen Schichten. Die aktuellen Berechnungen der Wissenschaftlergruppe zeigen nun: Bis zum Jahr 2030 dürfte der Anteil an Patienten mit Zahnlosigkeit noch weiter deutlich sinken, auf dann nur noch rund 4 % der Bevölkerung. Was für eine Veränderung hinter dieser kleinen Zahl steht, wird deutlich, wenn man sie in Relation zur Gesamtentwicklung der Bevölkerung in diesem Alter setzt: Im Jahr 2030 werden dann rund 80 % weniger Menschen von Zahnlosigkeit betroffen sein als 1997. Das bedeutet aber auch: Rund 20 % bleiben behandlungsbedürftig, vermutlich nicht zuletzt, weil sie vorbeugende Mundgesundheitsmaßnahmen aus verschiedenen Gründen nicht ausreichend nutzen oder nutzen können. Zahnärztliche und zahntechnische Expertise in Prothetik bleibt also weiterhin gefragt.

Diabetes: Zahnimplantate möglich?

Die Frage, ob Zahnimplantate auch eine für Diabetiker sinnvolle Zahnersatz-Lösung darstellen, ist eigentlich schon länger beantwortet: Ja, das sind sie. Die Frage stellte sich, weil Diabetes mellitus eine Stoffwechsel-Erkrankung ist, bei der das Heilungsgeschehen negativ beeinflusst sein kann. Eine gute Einheilung ist für in den Kieferknochen eingesetzte Implantate aber überlebenswichtig. Es hat sich gezeigt, dass vor allem ein gut eingestellter Diabetes einer erfolgreichen Implantation nicht im Wege steht. Neueste Erkenntnisse gehen sogar noch weiter: Selbst dann, wenn ein Diabetes nicht ganz so perfekt austariert ist, heilen, wenn auch etwas langsamer, Implantate bei verzögerten Verfahren (ohne Sofort-/Frühbelastung) in der Regel gut ein. Was alles beachtet werden muss, hat jetzt eine neue Leitlinie zusammengestellt, die in der Mitgliederzeitschrift der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) veröffentlich wurde. An die Patienten geht hier die Empfehlung, hinsichtlich ihrer Diabetes-Situation gut vorbereitet den Zahnarzt zu informieren – nicht nur über ihre Erkrankung selbst, sondern, wenn möglich, auch über ihren aktuellen HbA1c-Wert, also den durchschnittlichen Gehalt an „Zucker" im Blut. Worauf zu achten ist:  Diabetes-Patienten haben offenbar eine leicht höheres Risiko, eine Periimplantitis (Entzündung des Gewebes um das Implantat) zu entwickeln und bedürfen eines engeren Recalls als gesunde Patienten.

Zähnepressen: bei Tag und bei Nacht

Der Mund ist ein sehr austariertes System von Kraft und Empfindlichkeit: Kommen beim Kauen die Zähne aufeinander, arbeiten sie so zusammen, dass die Kraft die Nahrung zerkleinert – und die Empfindlichkeit der unter den Zähnen liegenden „Druck-Sensoren" die natürliche Belastung ans Gehirn meldet. Und auch die unnatürliche, wenn man beispielsweise unerwartet auf einen Kirschkern beißt: Dann stoppt der Kauprozess sofort. Belastet werden bei manchen Menschen die Zähne und die Kiefer aber nicht nur beim Essen: Während der Mund im Ruhezustand normalerweise entspannt ist und Ober- und Unterkiefer locker und kontaktlos bleiben und die Zunge eher am Gaumen ruht, pressen unter Stress stehende Menschen die Kiefer aufeinander oder reiben sie auf unnatürliche Weise: Sie knirschen. Wie aktuelle wissenschaftliche Arbeiten zeigen, die kürzlich in einem Fachjournal veröffentlich wurden, ist es keineswegs so, dass man nachts eher knirscht und tagsüber eher presst: Sie fanden heraus, dass Knirschen und Pressen (Parafunktionen, Bruxismus) während der Schlafzeit sogar abwechseln können, je nach Schlafphase. Und während man annahm, dass Knirschen, Pressen und Schnarchen irgendwie zeitlich zusammengehören könnten, weiß man heute, dass das eher nicht der Fall ist: Die Parafunktionen finden in unterschiedlichen Schlafphasen statt. Aber es zeigte sich auch: Vier von fünf Schnarchern zeigten Folgen von Bruxismus. Je nach Ursache und Umfang der Parafunktionen arbeiten Zahnärzte, Kieferorthopäden und andere Fachdisziplinen bei der Behandlung zusammen.

Rauchen: Auch Dampfen ist riskant

Wer von Zigaretten auf andere Formen des Rauchens ausweicht, schützt sich nicht vor den bekannten Schäden, die Tabakkonsum auf die Mundgesundheit hat: Darauf verwies kürzlich der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, in einem Beitrag für einen Fachinformationsdienst. Wer E-Zigaretten nutze, inhaliere dessen Inhaltsstoffe ebenfalls durch den Mund. Besonders relevant ist hier neben Nikotin ein Mix aus Chemikalien, darunter Aromastoffe und auch Glyzerin. Untersuchungen hätten gezeigt, dass der „Dampf" krebserregende Stoffe enthalte. Spezifische Aromastoffe könnten für Zellschädigungen mitverantwortlich sein. Zwar habe eine Untersuchung des Bundesinstitutes für Risikobewertung ergeben, dass die Schadstoffmenge bei E-Zigaretten unter derjenigen der üblichen liegt – für die Gesundheit wichtiger ist aber, dass diese Dampf-Zigaretten zu mehr Belastung des Körpers mit schädlichen Stoffen führen. Zudem sei das Suchtpotential keineswegs geringer. Auch Patienten, die „dampfen" statt „rauchen", müssen vor Schäden an der Mundschleimhaut bis hin zu Mundhöhlenkrebs bewahrt werden, zudem vor intensiven Zahnbettentzündungen. Sie sollten also noch häufiger als Nichtraucher ihre Mundgesundheit bei Kontrollterminen in der Zahnarztpraxis prüfen lassen.

 

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Hormone: Auswirkungen auf Mundgesundheit

Dass Hormone und Mundgesundheit eine Verbindung haben, weiß man nicht zuletzt durch schwangerschaftsbezogene Veränderungen an der Mundschleimhaut. Wie eine aktuelle Veröffentlichung in einem internationalen gynäkologischen Fachjournal zeigt, gibt es weitere Zusammenhänge, die zu beachten sind. So hat sich gezeigt,  dass Veränderungen im Stoffwechsel und hier besonders im Hormonhaushalt nicht nur zu Zyklusstörungen und Bildung von Eierstock-Zysten und auch Unfruchtbarkeit führen können: Frauen mit entsprechender Gesundheitsstörung im jüngeren gebärfähigen Alter hatten, so die Wissenschaftler der entsprechenden Studie an einer türkischen Universität, auch deutlich tiefere Zahnfleischtaschen, die auf Entzündungen im Zahnhalteapparat zurückgehen. Die Forscher empfehlen daher, Patientinnen mit einer bekannten Hormonstörung noch intensiver vorbeugend in die zahnärztliche Betreuung einzubeziehen und hier auf die Zahnbettgesundheit besonders zu achten. Weitere Einflüsse der hormonellen Stoffwechselstörung auf die Mundgesundheit sind bei dieser fokussiert angelegten Studie nicht entdeckt worden.

Im Blick der Zahnmediziner: das Essen

Eigentlich ist es erstaunlich, dass sich erst in vergleichsweise jüngerer Zeit Zahnärzte nicht nur mit den Zähnen, den Kieferknochen, der Mundmuskulatur und der Mundschleimhaut befassen, sondern auch mit dem, wofür diese ganzen Körperteile zuständig sind: dem Essen. Schließlich hat auch die Art der Ernährung die Zähne geformt, und anhand verschiedener Zahnformen kann selbst Jahrtausende nach dem Tod eines Lebenswesens erkannt werden, wovon es sich hauptsächlich ernährt hat. Vor wenigen Wochen veröffentlichten nun führende deutsche zahnmedizinische Wissenschaftler eine Übersicht zum Thema Ernährung in einem renommierten zahnärztlichen Fachjournal. Ernährung habe eine erhebliche zahn/medizinische, wissenschaftliche, ökonomische, ökologische und auch eine politische Bedeutung, so ihre Bilanz. Ihr Blick galt vor allem solchen Bestandteilen der Nahrungsaufnahme, die auch zahnärztlich weit vorne im Blickpunkt liegen, hier insbesondere der Zucker, aber auch Mikronährstoffe und Vitamine. Ihre Bilanz: Was im Mund schadet, wie beispielsweise Zucker, hat weit über den Mund hinaus Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit – Ernährung müsse daher noch mehr als heute schon aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, dazu gehöre auch der zahnmedizinische. Insofern erweitere sich auch das zahnärztliche Behandlungsspektrum um den Aspekt Ernährungsberatung, beispielsweise um Hinweise rund um Chancen und Risiken von Diäten.

 

Mundbakterien: Manche bauen Häuser

Moderne bildgebende Verfahren erlauben heute immer weiter gehende Blicke auf mikroskopisches Geschehen im Körper – und führen daher dazu, dass man immer mehr über Zusammenhänge weiß und bei kritischer Entwicklung sinnvolle Lösungsansätze findet. Auch rund um das Kariesgeschehen gibt es immer mal wieder neue Erkenntnisse. Vor wenigen Wochen veröffentlichten Wissenschaftler einer US-amerikanischen Universität Ergebnisse ihrer Beobachtung des Mund-Biofilms, also der Bakterienkultur, die als „Plaque" auf den Zähnen liegt. Längst identifiziert als Verursacher von Karies ist das Bakterium Streptococcus mutans (S.mutans). Diesmal interessierte die Wissenschaftler, wie diese Plaque eigentlich aufgebaut ist, ob sie eine Struktur hat und wenn ja, welche. Was sie fanden, sieht so ähnlich aus wie das Corona-Virus: im Kern davon S.mutans. Außen herum angelagert: eine Schicht anderer Mikroben. Bei vertiefenden Tests wurde nun auch erkennbar, warum S.mutans zu Recht als Kernproblem für Zahnschmelzschäden erachtet wird: Während alle anderen Bakterienarten im Zahnbelag sich zahnschmelz-neutral verhielten, gab es da, wo Kontakt von Zahn und S.mutans bestand, säurebedingte Schmelzauflösungen. Mit einer Art Haus, einer Hülle, baut sich das Bakterium einen Schutz gegen Angriffe von außen. Behandlungskonzepte, die den Keim im Mund reduzieren sollen, müssen also erst einmal die Tür dieses Hauses öffnen. Dass es Sinn macht, den Belag so komplett wie möglich durch Mundhygiene zu entfernen, wird durch die Studienergebnisse weiter untermauert.

Kieferfehlstellungen: komplexe Behandlung

Wenn Ober- und Unterkiefer nicht passgenau gegenüberstehen, kommt es zu Kontaktproblemen: Es ist leicht nachvollziehbar, dass mit einem derartigen Problem auch verschiedene Schmerzen einhergehen. Treffen zwei Zähne unnatürlich aufeinander, kann dies zu heftigem Druckschmerz führen, zu Kopfschmerzen, zu einer Störung der Kiefermuskulatur und auch der Kieferbewegungen. Aber bei körperlichen Beschwerden bleibt es oft nicht, wie verschiedene Studien zeigen, über die kürzlich ein zahnärztliches Journal berichtete: Manche Menschen werden durch ihre Kieferfehlstellung dermaßen belastet, dass sie eine Depression entwickeln. Wie die Studien zeigen, ist zwar – bei leichteren Zahnfehlstellungen – mit einer Zahnschutzschiene oft bereits eine erste leichte Besserung erreicht, an sich aber muss meist verschiedene Fachexpertise in die Behandlung einbezogen werden. Dabei geht es darum, nicht nur den Grund der individuellen Fehlstellung zu erkennen, um ansatzgerecht medizinisch behandeln zu können, sondern auch den Grund für die seelische Belastung. Insofern empfehlen die Wissenschaftler eine interdisziplinäre Behandlung, bei der Kieferorthopäden steuernd mitwirken und ihre spezifische Erfahrung einbringen, die Zusammenarbeit mit Pharmakologen hinsichtlich einer passgenauen medikamentösen Begleitung, möglicherweise auch die Einbeziehung von Kieferchirurgen für anpassende Eingriffe, von Psychotherapeuten für das Einüben von Verhaltensänderungen und von Akupunktur-Experten, die beispielsweise begleitende Verspannungen lockern könnten. Der Aufwand ist groß, der Bedarf aber auch: Für viele Patienten ist die Lebensqualität erheblich eingeschränkt mit nachhaltigen Folgen auch für ihre weitere Gesundheit.

 

Gesunde Mundhöhle: Schutz vor Corona

Auch die Dachgesellschaft der deutschen zahnmedizinischen Wissenschaft, die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen (DGZMK), hat sich mit Corona, Ursachen und Folgen befasst. Ihr Resümee, das sie vor Kurzem in einer großen zahnärztlichen Fachzeitschrift veröffentlichte: Eine gesunde Mundhöhle ist eine gute Barriere gegen Krankheiten ganz allgemein und auch gegen den Corona-Virus Sars-CoV-2. Ein gesunder Mund biete eine starke Abwehrkraft am relevanten Ort der Entstehung der Erkrankung: im Mund- und Rachenraum. Die Infektion könne durch gesundes und intaktes Mundgewebe reduziert und ihr Verlauf abgeschwächt werden. Liegt dagegen eine Parodontitis vor, also eine Zahnbettentzündung mit vielen offenen Schnittstellen zu Blutgefäßen, öffne dies den Viren „Tür und Tor" zum Eindringen in den Körper. Für Patienten bedeute ein gesunder Mund daher auch hinsichtlich der Infektionsabwehr ein großes Plus – Präventionsangebote in der Zahnarztpraxis sollten daher auch aus Infektionsschutzgründen angenommen werden. Erste Studien zeigten zudem, dass der Nachweis einer Infektion mit dem Corona-Virus über einen Speicheltest besser erkennbar sei als über den heute noch üblichen Rachenabstrich. Hier müsse weiter an praxisnahen Angeboten geforscht werden.

Osteoporose: Diagnose in der Zahnarztpraxis

Insbesondere in chirurgisch ausgerichteten Zahnarztpraxen gehört der Blick auf den Knochen (in diesem Fall: im Kiefer) zum Arbeitsalltag. Ehe dort therapeutisch gearbeitet wird, wird in der Regel ein Röntgenbild bzw. ein OPG (Orthopantomogramm, auch „Panoramaschichtaufnahme" genannt) angefertigt. Ziel ist: Ehe man in dieser Region arbeitet, muss man wissen, in welchem Zustand sich der Kieferknochen befindet. Kann man beispielsweise ein Implantat setzen, ist der Knochen stabil genug – oder ist er porös und weist auf eine bisher nicht erkannte Erkrankung hin? Genau diesen Punkt arbeitete eine Wissenschaftlergruppe heraus und stellte, wie eine Veröffentlichung in einer Zahnärzte-Zeitschrift vor wenigen Wochen zeigte, fest: Die bildgebenden Verfahren in der Zahnarztpraxis, darunter auch das DVT (Digitaler High-Tech Volumentomograph), können sehr gut darstellen, ob die Konsistenz des Knochens fest oder angegriffen ist. Und wenn die Situation gut erkennbar ist, können Zahnärzte auch bei der Früherkennung von dünner und poröser werdendem Knochen (Osteoporose) helfen: Nicht selten sind Patienten öfter und früher bei ihrem Zahnarzt als dass sie mit ihrem Hausarzt über solche Symptome reden. Sind Zahnärzte darin geschult, diese Knochen-Veränderungen auf den Bilden zu erkennen, können sie dazu beitragen, dass Osteoporose-Patienten frühzeitiger in fachgerechte Behandlung kommen.

Probiotika: für gesunden Biofilm

Genaugenommen ist der Mund ein ziemlich gut austariertes Biotop: Eine kaum überschaubare Menge an nützlichen und auch weniger nützlichen, bis hin zu Munderkrankungen fördernden Bakterien sorgt dafür, dass das Gleichgewicht gewahrt bleibt: Bakterienfamilien bekämpfen sich untereinander, und solange „die Guten" dabei gewinnen, stehen die Zeichen für die Mundgesundheit auf grün. Was viele Patienten nicht wissen: Man kann mit bestimmten Lebensmitteln „den Guten" die Arbeit erleichtern. In einer zahnmedizinischen Zeitung erschien kürzlich dazu ein interessanter Beitrag. Demnach haben Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie bei einer Tagung darüber berichtet, dass sogenannte Probiotika eine nützliche Rolle für die Lebensgemeinschaft der Bakterien spielen. Beispielsweise können offenbar entsprechende Milchpulver-Produkte die Anzahl kariesbildender Bakterien reduzieren und das Kariesgeschehen bremsen. Und auch, wenn man noch nicht genau belegen konnte, warum das so ist, zeigte sich doch, dass probiotische Medikamente bei Parodontitis dazu beitragen, das Ausmaß der entzündeten Zahntaschen zu mildern – ähnlich stark wie bei lokalen Antibiotika-Gaben.

Bröckelzähne: Das Wissen um diese Störung wächst

Am besten wäre es, man könnte heute schon genau sagen, warum es manchmal zu einer Zahnbildungsstörung bei Kindern kommt und die Zähne zu bröckeln scheinen: Dann hätte man auch einen besseren Ansatz, um diese „MIH" genannte Entwicklung zu verhindern. Was genau eine MIH („Molaren-Inzisiven-Hypermineralisation") auslöst, dazu gibt es nach wie vor keine eindeutigen gesicherten Erkenntnisse, nur eine derzeit noch wachsende Liste an möglichen Ursachen. Dafür ist man aber bei der Frage, wie man diese Bröckelzähne am besten behandelt, inzwischen einen deutlichen Schritt weiter. Wie ein vor wenigen Wochen veröffentlichter Fachartikel in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift deutlich macht, haben Münchner Wissenschaftler beobachtet, dass sogenannte adhäsive („klebende") Komposit-Füllungen die bisher am zufriedenstellendsten Ergebnisse lieferten. Komposite sind weiche Füllmaterialien mit einer Art Netz aus Kunststoff und darin eingebauten anorganischen Füllkörpern. Dieses Material passt sich den Löchern und Absprengungen auf dem Zahnschmelz an und gleicht diese aus.

Risikopatienten: Was ist mit Implantaten?

Längere Zeit war das fast eine Grundregel in der Implantologie: Patienten mit bestimmten Erkrankungen, bei denen eine Implantation als riskant erachtet wurde, wurden eher in Ausnahmefällen mit implantatgestütztem Zahnersatz versorgt. Das hat sich inzwischen geändert: Wie Prof. Dr. Dr. Stefan Schultze-Mosgau bei einer Fortbildungsveranstaltung der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) kürzlich berichtete, sind Implantate heute auch bei Patienten mit beispielsweise Diabetes mellitus, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose einsetzbar. Es sei wichtig, dass man nicht nur bei neuen Patienten in der Praxis auf dem Anamnesebogen erfasst, welche weiteren Erkrankungen der Patient aufweist, sondern auch bestehende Patienten müssten nach gesundheitlichen Veränderungen befragt werden bzw. diese dem Praxisteam mitteilen. Je nach gesundheitlicher Belastung des Patienten und verordneten Medikamenten muss das Vorgehen für eine Implantatversorgung individuell geplant werden, in einigen Fälle ist es auch sinnvoll, wenn das Implantologie-Team den Hausarzt in die Planung mit einbezieht. Für bestimmte Erkrankungen, die beispielsweise zu Heilungsstörungen führen können, hat die DGI zusammen mit weiteren Experten Behandlungsleitlinien erstellt, auf die das Praxisteam zurückgreifen kann. So ist es heute weitgehend gut fachlich abgesichert möglich, einen zahnlosen Patienten auch dann mit festen Zahnwurzeln (Implantaten) zu versorgen, wenn er aufgrund seines Diabetes mellitus bisher auf diese komfortable Zahnersatzlösung verzichten musste.

Ernährung: Hilft sie bei Parodontitis?

Eine Parodontitis ist eine Zahnbett-Infektion, eine Entzündung des Gewebes rund um den Zahn. Und genau um diesen Punkt „Entzündung" geht es bei der Frage, ob eine spezielle Ernährung sich positiv auf das Heilen dieser Infektion auswirken kann, ob die Nahrungsbestandteile also „antientzündlich" wirken. Denn genau darum geht es, wenn die bereits bestehende Parodontitis zum stoppen gebracht werden soll. In der Tat gibt es, wie der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente vor Kurzem aufzeigte, Möglichkeiten, die Abwehrkräfte des Immunsystems mit entsprechender Ernährung zu verstärken. Dabei haben auch verschiedene Studien gezeigt, dass eine gesunde, ausgewogene Kost die Abwehrkräfte des Körpers stärkt. In Obst und Gemüse finden sich viele sogenannte Mikronährstoffe, die das Immunsystem stärken und bei seiner Arbeit unterstützen. Auch eine Ernährung, die einen positiven Effekt auf den Blutzuckerspiegel hat, ist sinnvoll, denn erwiesenermaßen neigen Menschen mit Diabetes zur Entwicklung einer Parodontitis – und die Schwere der beiden Erkrankungen wird durch gegenseitige Einflüsse noch erhöht. Die Bedeutung der Ernährung beginnt aber schon früher: Zahnbelag ist quasi ein Schlemmerland für Bakterien und andere Keime. Eine Zucker-reduzierte Ernährung (vor allem Haushaltszucker), verbunden mit sorgfältiger Mundhygiene, sorgt dafür, dass diese Keime keine ausreichende Nahrung und keinen Lebensraum erhalten. Auch sinnvoll: Omega-3-haltige Lebensmittel wie in fettem Fisch. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte dies beim nächsten Besuch in der Zahnarztpraxis ansprechen.

Weltgeschichte: Zähne verraten Entwicklungen

Forscher aus dem Bereich der Geowissenschaften und der Entwicklung der Welt, wie wir sie kennen, sind begeistert: Wie die Universität Bonn kürzlich berichtete, konnte ein Sensationsfund in Madagaskar weitere Antworten auf entwicklungsrelevante Fragen geben. Ein dort gefundenes Säugetier-Fossil war fast gänzlich erhalten und wies mit dem kompletten Skelett und knorpeligen Teilen der Rippen auch gut erhaltene Zahnreihen auf. Erste elektronenmikroskopische Untersuchungen zeigten, dass die Säugetier-Zähne einen eher einfach aufgebauten Schmelz hatten, der keine bemerkenswerten Besonderheiten erkennen ließ. Aber genau das war letztlich dennoch spannend, denn anders als die Zähne waren beispielsweise die Ohren im Vergleich zum damaligen Entwicklungsstadium sehr modern entwickelt: Was man heute als Ohrenschnecke kennt, war vor rund 70 Millionen Jahren (etwa aus dieser Zeit stammt das Fossil) gar nicht verbreitet – da war die „Schnecke" eher ein gerade Schlauch. Bei diesem Madagaskar-Fossil aber zeigen sich erste Aufroll-Formen. Insgesamt war das Tier eine herausfordernde Kombination aus eher rückständigen und eher weit fortgeschrittenen Entwicklungen, was die Wissenschaftler vor weitere Fragen und Aufgaben stellt. Deutlich ist derzeit nur: Offenbar waren die Zähne damals für dieses Tier weniger relevant als beispielsweise das Gehör.

Zahnpasten: Warum sie Fluorid enthalten

Die Vielfalt an Zahnpasten ist heute beinahe endlos: In meterlangen Regalen finden sich beispielsweise Produkte für sensible Zähne, zur Vorbeugung von Zahnfleischerkrankungen, zum Abschmirgeln von Pigmenten auf der Zahnoberfläche, für Kinderzähne und für Prothesenträger. Was die meisten neben den Reinigungs-Inhaltsstoffen verbindet: Sie enthalten Fluorid, ein in der Natur vorkommendes Salz. Seine Aufgabe: Zahnschmelz wieder zu reparieren. Spezielle Mundbakterien ernähren sich von Zucker und Kohlenhydraten und scheiden dabei Säure aus. Diese Säure ist in der Lage, das an sich härteste Material im Körper, den Zahnschmelz, anzugreifen: Sie löst kleinste Bestandteile aus dem Zahnschmelz heraus und schafft damit winzige Nischen, in denen die Bakterien vor der oberflächlich reinigenden Zahnbürste geschützt sind. So setzt sich die Säure-bedingte Zerstörung des Zahnes immer weiter fort. Einhalt bietet das Fluorid: Es hilft dabei, Mineralstoffe aus dem Speichel schon in kleinste erste Auflösungsstellen hineinzubringen und die angegriffene Zahnschmelz-Stelle sozusagen wieder zu verschließen. Wie der Mundgesundheits-Informationsdienst pro Dente vor wenigen Tagen berichtete, kommt es auf das Alter der Zahnputzenden an, wieviel Fluorid in einer Zahnpasta enthalten sein sollte. Auch ist es wichtig, ob schon anderweitig Fluorid aufgenommen wird, durch Mineralwasser oder Kochsalz. Am besten lässt an sich in seiner Zahnarztpraxis individuell beraten, worauf man beim Kauf seiner Zahnpasta achten sollte.

Implantate: gleich nach der Zahn-OP?

Auf der Suche nach dem besten Weg zu einer nachhaltigen erfolgreichen Zahnersatzversorgung auf einem Implantat nutzen Wissenschaftler und Praktiker die unterschiedlichen Vorgehensweisen, die heute zu den erprobten Verfahren gehören, und entwickeln sie weiter. Eine dieser Vorgehensweisen ist das sogenannte „Sofortimplantat". Das bedeutet: Die künstliche Zahnwurzel, das Implantat, wird gleich nach Entfernung des nicht mehr zu rettenden Zahnes in dessen nun freie Zahntasche, die Alveole, gesetzt. Für diesen Weg spricht unter anderem, dass die Anzahl der üblicherweise notwendigen Operationen und damit auch die Dauer der Behandlung verkürzt werden – bei Patienten ist dieser Weg daher sehr beliebt. Wie ein ausführlicher Fachartikel in einer zahnärztlichen Zeitung vor wenigen Wochen deutlich macht, stehen diesen Vorteilen aber nach wie vor auch nicht zu unterschätzende Nachteile gegenüber. Beispielsweise sollte eine Sofortimplantation nicht erfolgen, wenn die natürlichen Knochenwände der Alveole zu dünn sind – hier würde die notwendige stabile Stützwand fehlen. Für eine ausreichende Stabilität muss auch bei der Sofortimplantation daher nicht selten „augmentiert" werden, das bedeutet: Das verloren gegangene Knochengewebe wird durch transplantiertes Knochenmaterial oder eingebrachtes Knochenersatzmaterial ersetzt und der Halteplatz verstärkt. Welches das beste Verfahren in der Implantologie ist und welches das beste Implantat-Design, entscheidet sich letztlich allein nach den Voraussetzungen, die im Patientenmund vorgefunden werden – und auch danach, wie dessen Allgemeingesundheits-Zustand ist. Daher steht vor jeder Implantatversorgung eine ausführliche Beratung durch das behandelnde Zahnärzte-Team.

Zusammenarbeit: Parodontitis und Diabetes

Nicht nur im Körper gibt es eine enge Verbindung von Parodontitis und Diabetes – und zwar wechselseitig. Bei einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus (Typ 2) heilt eine behandelte Parodontitis schlechter aus, und bei einer starken Parodontitis gerät ein Diabetes leicht aus dem Lot. Nun weisen britische Forscher (Universität Birmingham) darauf hin, dass auch Ärzte aus beiden Bereichen viel intensiver als bisher zusammenarbeiten sollten. Wie einer großen zahnärztlichen Fachzeitschrift kürzlich zu entnehmen war, empfehlen die Wissenschaftler einen Frühtest in der Zahnarztpraxis. Das mache Sinn, da viele Diabetes-Typ-2-Erkrankte ihre Erkrankung im Anfangsstadium gar nicht erkennen und sich daher auch nicht entsprechend untersuchen lassen. Besuche beim Zahnarzt dagegen finden oft regelmäßig statt. Empfohlen sind daher Fragebögen für die Zahnarztpraxis, die beim rechtzeitigen Erkennen der Erkrankung helfen können – und natürlich auch bei der Optimierung der Parodontitis-Behandlung. Ein solcher Frühtest würde auch die Umsetzung der Ziele einer aktuellen entsprechenden wissenschaftlichen Leitlinie zur Verbesserung der Behandlung von Parodontitis und Diabetes erleichtern.

Zahnimplantate: Ist mit Schmerzen zu rechen?

Die Sorge, eine Zahnimplantation könnte mit erheblichen Schmerzen verbunden sein, beschäftigt viele Menschen, die einen oder mehrere Zähne verloren haben und über Zahnersatz nachdenken. Die wissenschaftliche Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) weist daher auf ihrer Website dezidiert auf diesen Aspekt hin. In der Regel werden Zahnimplantate ambulant gesetzt, und wenn die gesundheitlichen Voraussetzungen des Patienten und die fachliche Ausbildung des Praxis-Teams dies ermöglichen, kann dies in einer ganz normalen Zahnarztpraxis erfolgen. Bei etwas mehr Aufwand und Herausforderung, aber auch bei Bedarf nach chirurgischen Ergänzungsverfahren wie beispielsweise Aufbau verloren gegangenen Knochens kann eine Behandlung in einer chirurgisch spezialisierten Praxis oder einer Zahnklinik sinnvoll sein. So eingreifend das Implantationsverfahren auch sein mag: Die Zahnärzte, Oralchirurgen und MundKieferGesichtsChirurgen kennen sich in Maßnahmen für eine schmerzfreie Behandlung gut aus. Während in der Praxis bei einer eher alltäglichen Implantatversorgung eines gesunden Patienten in der Regel eine örtliche Betäubung ausreicht, kann es bei erhöhtem chirurgischen Aufwand notwendig sein, die lokale Betäubung durch ein anderes Verfahren zu ersetzen. Ziel ist, das Implantat gut zu positionieren und zu stabilisieren und dem Patienten damit wieder deutliche Lebensqualität zurückzugeben – und das so schmerzfrei bis schmerzarm wie möglich.

Fluorid: Was ist das?

Die meisten Zahnpasten enthalten Fluoride. Auch vielen Mundwässern sind sie beigefügt. Es gibt sie in sehr niedriger Dosierung in Pflegeprodukten für die ersten Milchzähnchen und hoch konzentriert als Gel oder Lack für Intensivmaßnahmen zum Schutz der Zähne vor säurebedingter Auflösung. Was aber ist eigentlich dieses „Fluorid" – und ist es vielleicht schädlich? Diese Frage stellen sich besonders viele Eltern, deren Kinder beispielsweise eine „Versiegelung" der Backenzähne erhalten sollen. Der Mundgesundheits-Informationsdienst „proDente" hat daher Anfang April in einer Fachinformation Hintergründe zusammengestellt. Unter anderem zur Frage der möglichen Schädlichkeit: Demnach sei Fluorid (das nicht mit dem Gas Fluor identisch ist) das vermutlich am gründlichsten untersuchte Medikament, rund 300.000 Studien gebe es zu diesem Produkt, die keinerlei Hinweise auf mögliche Gesundheitsschädigungen zeigen. Während Fluor ein giftiges Gas ist, gehört das Fluorid zu den wichtigen Spurenelementen, die der Körper braucht – erklärte in der Fachinformation Prof. Dr. Stefan Zimmer, Universität Witten/Herdecke. Fluoride sind Salze und kommen, mehr oder weniger gut verteilt, in der Natur vor. In manchen Gegenden, zu denen auch Deutschland gehört, sind sie eher spärlich verbreitet – deshalb macht es hierzulande Sinn, sie altersgerecht und nach ausgewogenem Plan beispielsweise über die Nahrung (fluoridiertes Salz) aufzunehmen oder über Mundpflegeprodukte lokal anzuwenden.

Beißringe: auf Schadstoffe achten

Wie das Journal ÖKO-TEST vor wenigen Wochen aufzeigte, müssen Eltern beim Kauf von Beißringen darauf achten, dass von diesen Zahnungshilfen keine Gefahr für das Kind ausgeht. Solche Beißringe helfen vielen Kindern, mit der Unruhe und den Schmerzen beim Zahnen besser zurecht zu kommen. Beißringe gibt es aus vielen verschiedenen Materialien – von Holz bis Kunststoff. Über die Hälfe der rund 20 getesteten Produkte erwiesen sich laut ÖKO-TEST als „sehr gut" für den Einsatz beim Baby, darunter beispielsweise ein Elfie-Beißring aus Holz, einer aus Silikon (Lieblingsball, Ravensburger) und einer aus Naturkautschuk (Elefant, Grünspecht). Während letztlich alle Beißringe den Belastungstest problemlos und ohne größere Kritikpunkte absolviert hatten, gab es bei neun der Produkte hinsichtlich Schadstoffgehalt Punktabzug. Davon waren drei Produkte so stark belastet, dass das Test-Institut deutlich Kritik anmerkte, und ein Beißring fiel sogar als „ungenügend" durch, weil ein Schadstoff als weitaus zu hoch erachtet wurde. Die Testergebnisse im Detail stehen für Interessierte zum Abruf auf der Website von ÖKO-TEST zur Verfügung.

Immunerkrankungen: Konzepte für Implantatversorgung

Fast jeder dritte Patient in der zahnärztlichen Praxis habe Risikofaktoren, sagte der Präsident der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie, Prof. Dr. Dr. Knut A. Groetz, kürzlich bei einer Fortbildungsveranstaltung für seine Kolleginnen und Kollegen. Die Spanne reicht von Allergien bis Krebs. Wenn es um die Versorgung mit implantatgetragenem Zahnersatz geht, sind vor allem solche Erkrankungen eine Herausforderung, die mit einer Wundheilungsstörung einhergehen: Implantate werden in das Knochen- und Zahnbett-Gewebe des Kiefers eingesetzt und wachsen mit dem Gewebe zusammen, kurz: Sie heilen ein. Das funktioniert nur, wenn dieser Heilungsprozess nicht gestört wird – beispielsweise durch ein nicht gesundes Immunsystem. Krankheiten, die mit Immunstörungen einhergehen, sind beispielsweise solche aus dem rheumatischen Bereich. In diesen Fällen werden die betroffenen Patienten oft mit Medikamenten behandelt, die die Leistungsfähigkeit des gegen den eigenen Organismus arbeitenden Immunsystems unterdrücken, um den Patienten Besserung zu verschaffen. Dies wiederum ist eine Herausforderung für die Implantatversorgung, die für ein gesundes Einheilen ein weitgehend intaktes Immunsystem benötigt. Insofern sind heute Implantate bei Patienten mit Risikofaktoren zwar grundsätzlich möglich – das Beispiel Rheuma zeigt aber auch, dass in jedem Einzelfall entschieden werden muss, ob das Setzen eines Implantates dem Organismus des Patienten zugemutet werden kann.

Parodontitis: Keime im Blickpunkt

Der Mund ist nicht nur für die Ernährung eine Eintrittspforte, sondern auch für unterschiedliche Keime – viele davon braucht der Körper für verschiedene Aufgaben nicht zuletzt rund um den Stoffwechsel. Einige aber erweisen sich, wenn sie überhand nehmen und das Gleichgewicht aller Keime aus dem Lot kommt, als krankheitserregend. Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren intensiv geforscht, weil Mund-Bakterien nicht nur für das Entstehen einer Parodontitis ausschlaggebend sind, sondern, wenn sie weiter durch den Körper wandern, auch für Infektionen verschiedener Organe. Je besser man die jeweilige Bakterienfamilie kennt, und je genauer man weiß, wie sie mit anderen Keimen oder auch Pilzen im Mund auskommt, um so besser kann man sie bekämpfen. Dabei rücken immer mal wieder auch solche Bakterien in das Blickfeld der Wissenschaftler, die bisher eine eher nachgeordnete Rolle gespielt hatten. Ein solches Bakterium ist das Fusobacterium nucleatum, wie ein Fachartikel in einer zahnärztlichen Zeitschrift kürzlich darstellte. Eigentlich ist seine Rolle im „Biotop Mund" eher nachgeordnet – ist das Gleichgewicht der Keime aber gestört, zeigt sich seine Infektionen auslösende und Gewebe auflösende Potenz. Dieses Fusobakterium gehört zudem zu solchen Keimen, die über die Blutbahn auch in andere Organe gelangen. Im Rahmen der professionellen Zahnreinigung wird mit unterstützenden Maßnahmen dazu beigetragen, auch diesen Mundkeim soweit zu beseitigen, dass das gesunde Gleichgewicht der Bakterien weitgehend wieder hergestellt werden kann.

Gewebeersatzmaterial: Rückgriff auf die Natur

Nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Zahnmedizin gibt es vielfältige Erkrankungen oder Folgen von Unfällen, die zum Verlust von natürlichem Gewebe führen – nicht zuletzt zum Verlust von Knochensubstanz. Insofern ist es eine große Aufgabe für die Wissenschaft, für den jeweiligen Bedarf biologisch überzeugendes und der entsprechenden Belastung angepasstes Ersatz-Gewebe zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur um möglichst schonende Verfahren, Gewebe aus dem eigenen Körper an die Operationsstelle zu transplantieren, sondern auch um Neuentwicklungen von Fremdmaterialien. Ein spannendes Projekt dieser Art bearbeitet gerade das Uniklinikum in Bonn: Knochenersatzmaterial, das zusammen mit einer Art Gittergewebe den Knochendefekt auffüllt und zudeckt. Diese Konstellation sorgt für mehr Flexibilität beim Einheilen als eine eher starre Knochenblock-Lösung oder das Arbeiten mit künstlichen Knochenersatz-Granulaten: Die Positionierung der „Granulat-Kügelchen" ist bisher nicht perfekt steuerbar, weil eine „Halterung" fehlt. Diese soll nun durch eine Art Netz aus Spinnenseide ermöglicht werden, so die Bonner Wissenschaftler.

Parodontitis: Amöbenart beteiligt

Dass Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte hauptverantwortlich für die Entwicklung einer Zahnbett-Entzündung (Parodontitis) sind, ist hinlänglich bekannt, auch den Patienten. Nun haben Wissenschaftler der Charité in Berlin entdeckt, dass die Bakterien bei ihrer Gewebe-zerstörenden Arbeit kraftvolle Unterstützung haben: eine Amöben-Art. Der Öffentlichkeit bekannt sind Amöben beispielweise durch die sogenannte Amöbenruhr, eine weltweit verbreitete schwerwiegende Erkrankung. Während in diesem Fall Darm-Amöben das Gewebe zerstören, sind es beim Zahnbett spezielle Mund-Amöben. Amöben sind einzellige Parasiten. Sie greifen die Schleimhaut an und ermöglichen krankmachenden Bakterien ein leichteres Eindringen in das Gewebe. Die Forscher haben entdeckt, dass vier von fünf Parodontitis-Patienten solche Amöben in der Zahnfleischtasche aufweisen, aber nur rund 15 Prozent der Menschen mit gesundem Zahnbett. Überprüft wird jetzt, ob es vielleicht an den bisher unterschätzten Amöben liegt, wenn eine Parodontitis-Behandlung nicht so anschlägt wie erwartet. Derzeit gibt es noch keinen einfach anwendbaren Amöben-Test, aber auch hier sind die Wissenschaftler auf einem weiterführenden Weg. Derzeit geht es vor allem darum, die Bakterien zu entfernen, die den Amöben den Weg ins Gewebe bereiten. Hierbei kann eine sorgfältige professionelle Zahnreinigung hilfreich sein.

Kariesentfernung: neue Wege

Auch beim Thema Kariesentfernung geht die Wissenschaft immer weiter voran – manchmal auch, weil neue Produkte neue Möglichkeiten schaffen. Über einen solchen Fortschritt berichtete vor wenigen Wochen eine große deutsche zahnärztliche Fachzeitschrift. Während es bisher üblich war, bei einer Karies nicht nur das zerstörte und bakterienbelastete Zahnmaterial „herauszubohren", sondern sicherheitshalber auch die umliegende, oft schon aufgeweichte Zahnhartsubstanz, geht man zunehmend differenzierter an die Aufgabe heran. Einer der Gründe: Wenn die Karies schon etwas weiter fortgeschritten ist, kommt der Bohrer in die Nähe der Pulpa, dem innenliegenden Lebensraum von Zahnnerv, Blutgefäßen und weiterem Gewebe. Die durch den Bohrer ausgelöste Vibration und mögliche Verletzung der Trennwand kann hier zu Schädigungen führen. Eine neue Studie brasilianischer Forscher stellt ein Verfahren in den Mittelpunkt, das letztlich gar nicht mehr alles „entfernt": Die innere aufgeweichte Zahnhartsubstanz wird vor Ort belassen und unter einer Zahnfüllung gewissermaßen „versiegelt". Die verbliebenen Kariesbakterien werden somit von Nahrung und Lebensbedarf abgeschnitten, und die von ihnen ausgelöste Gewebezerstörung wird gestoppt. Ziel der Studie, die verschiedene Kariesentfernungs-Verfahren verglich, war die Antwort auf die Frage, welches Vorgehen den Zahn und die Pulpa am wenigsten schädigt: Am erfolgreichsten war das „Versiegelungs"-Verfahren. Das Verfahren findet zunehmend, wo es sinnvoll ist, bereits Anwendung in den Zahnarztpraxen.

Zahnbehandlung in Corona-Zeiten: Was ist zu beachten?

Zahnschmerzen fragen nicht danach, ob es gerade eine gute oder eine weniger gute Zeit für deren Behandlung ist. Wenn behandelt werden muss, dann muss es sein. Dafür sind die Zahnarztpraxen in Deutschland auch in Corona-Zeiten da. Trotzdem ist manches anders als gewohnt. Worauf man heute achten und was man auch als Patient bedenken muss, hat kürzlich der Deutsche Arbeitskreis für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) zusammengestellt und veröffentlicht. Zuerst einmal sollten Termine telefonisch ausgemacht werden. Man sollte auch darauf vorbereitet sein, dass man nach eigener Erfahrung mit dem Corona-Virus befragt wird – also ob man erkrankt war und/oder ob das Virus in einem positiven Test nachgewiesen wurde. Falls man in (vom Gesundheitsamt  angeordneter) Quarantäne lebt, muss dies auch der Zahnarztpraxis übermittelt werden, damit entsprechende Vorkehrungen zum Schutz aller Seiten getroffen werden können. Selbst wenn es keine bereits festgestellte Corona-Erkrankung gibt, muss das Praxispersonal wissen, ob typische Erkältungsanzeichen vorliegen wie Husten, Fieber, Schnupfen – und auch ein Hinweis auf Durchfall ist wichtig: All diese Symptome beispielsweise könnten auch auf eine Corona-Virus-Erkrankung hindeuten. Dass das Praxispersonal mit vielfältigen Schutzmaßnahmen bis hin zu einem Gesichts-Visier angetroffen wird, dient der Gesundheitsvorsorge aller. Das Team sieht anders aus als gewohnt. Aber man darf sicher sein: Der Zahnschmerz wird genauso gut behandelt wie immer.

Diabetes-Typ-2: Diagnose in der Zahnarztpraxis?

Wie eine renommierte zahnärztliche Fachzeitschrift kürzlich berichtete, sprechen sich nicht nur Ärzte und Zahnärzte, sondern auch Patienten dafür aus, dass Diabetes-Typ-2 auch in der Zahnarztpraxis diagnostiziert werden sollte. Das ist das Ergebnis einer Studie an der Zahnmedizinischen Fakultät der Universität Birmingham. Ohnehin hat bereits im vergangenen Jahr eine internationale Leitlinie aus dem Bereich Medizin und Zahnmedizin mehr Zusammenarbeit von Zahnärzten und Ärzten gefordert – Hintergrund ist, dass eine Zahnbett-Entzündung (Parodontitis) nachweislich erheblichen Einfluss auf den Verlauf einer Diabetes-Typ-2-Erkrankung hat, nicht zuletzt auch im Bereich der Therapie. In der Zahnarztpraxis, die Anlauf-Stelle nicht zuletzt bei Zahnbett-Erkrankungen ist, könnten Fragebögen und Bluttests einen Hinweis auf eine Diabetes-Erkrankung ergeben und damit den Bedarf nach einer Weiterbehandlung in einer entsprechenden Fachpraxis. Eine solcherart abgestimmte Zusammenarbeit von Zahnärzten und Ärzten stuften auch die Patienten als begrüßenswert sein: Ihnen kam besonders entgegen, dass die Ergebnisse frühzeitig zur Verfügung stehen könnten.

Zahnpflege: Jungs nachlässiger

Seit vielen Jahren erkunden Partner-Universitäten der Weltgesundheitsorganisation WHO unter anderem das Mundhygieneverhalten von Kindern und Jugendlichen – für Deutschland leistet dies das Institut für Medizinische Soziologie der Universitätsmedizin Halle/Saale. Bei der aktuellen Studie, deren Ergebnisse Anfang März 2020 veröffentlicht wurden, stellte sich heraus: Während nur jedes sechste Mädchen (befragt waren rund 4000 Schulkinder ab 5. Klasse) angab, sich lediglich einmal täglich die Zähne zu putzen, bestätigte jeder vierte Junge das nachlässige Verhalten. Das Geschlechter-Ergebnis, dass sich mehr Mädchen als Jungen die Zähne mehr als einmal täglich putzen, blieb über alle befragten Altersklassen vergleichbar. Dennoch gab es einen bemerkenswerten Unterschied: Im Verlauf der Pubertät blieb das Zahnputzverhalten der Mädchen auf dem vergleichsweise hohen Niveau, während dasjenige der Jungen mit zunehmendem Alter weiter absank. Einen bei Jungen offenbar deutlichen Einfluss auf das Putzverhalten hat der soziale Status der Familie: Während Mädchen unabhängig vom Sozialstatus des Elternhauses eine hohe Putzhäufigkeit zeigten, war sie bei den Jungen höher, je höher auch der Sozialstatus der Familie war. Insbesondere bei Jungen aus Familien mit zweiseitigem Migrationshintergrund war das Putzverhalten deutlich optimierungsbedürftig – auch im Vergleich zu Jungen aus Familien ohne Migrationshintergrund. Gibt es auch Kinder/Jugendliche, die sich überhaupt nicht die Zähne putzen? Laut Studie: Ja. Fast 4 Prozent der Jungen und 1,8 Prozent der Mädchen.

Kieferorthopädie: Rolle der Fluoride

Bei einer kieferorthopädischen Behandlung geht es in der Regel darum, einen Zahn oder mehrere Zähne so in ihrer Lage im Mund zu verändern, dass schließlich eine natürliche gerade Zahnreihe entsteht und die Zähne störungsfrei zusammenarbeiten können. Für ein gesundes Gebiss ist aber nicht nur die möglichst naturgemäße Stellung der Zähne wichtig, sondern auch, dass die Zähne selbst gesund sind. Je nach kieferorthopädischer Apparatur, die für die Zahnbewegung genutzt wird, kann diese aber auch eine Belastung darstellen: In den engen Nischen und an den Kanten der Apparaturen bleiben bei nicht ganz perfekter Mundhygiene manche Zahnbelagreste, aber auch Nahrungsmittelspuren hängen und führen über die Stoffwechsel-Absonderungen der Mundbakterien zu Säure-Angriffen auf den Zahnschmelz. Hier haben sich bereits in der allgemeinen Mundhygiene Fluoride bewährt, die den Zahnschmelz wiederstandfähiger gegen diese Säureschäden machen. In einer aktuellen Studie, die vor wenigen Tagen der Mundgesundheitsinformationsdienst „proDente" veröffentlichte, wurde nun untersucht, ob gezielt eingesetzte Fluoride auch im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung sinnvoll sein können. Das Ergebnis: Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatte sowohl die Testgruppe mit einer zusätzlichen Fluorid-haltigen Mundspüllösung als auch diejenige mit zweimal täglicher Nutzung einer hochfluoridhaltigen Zahnpasta deutlich weniger Karies-Schäden am Zahnschmelz.

Zahnzwischenraum: Was reinigt am besten?

Wer sich in einem Drogeriemarkt oder einer Apotheke bei den Mundhygienehilfsmitteln umschaut, wird mittlerweile eine lange Reihe an Produkten finden – auch solchen, die für die Reinigung der Zahnzwischenräume vorgesehen sind. In diesen zwischen den Zähnen fast versteckten Bereichen sammeln sich gern Essenssreste, weil sie beim normalen Zähneputzen nicht erwischt wurden. So bleibt genug Nahrung für die Karies-Bakterien, die mit ihren Säuren den Zahnschmelz auflösen. Es ist also mehr als sinnvoll, sich auch mit der Reinigung dieser eher versteckten Zonen im Mund zu befassen. Die Frage ist daher berechtigt: Was hilft hier am besten? Damit hat sich auch die Stiftung Warentest befasst, die kürzlich das Ergebnis ihrer entsprechenden Untersuchung veröffentlicht hat. Und das war etwas gespalten. Als am preiswertesten und gründlichsten erwies sich die Zahnseide – aber auch als für viele Patienten schwer zu handhaben. Auch mit den Zahnseidensticks waren die Warentestler nicht wirklich zufrieden. Von allen anderen Produkten überzeugten am ehesten die kleinen „Interdentalbürstchen", die eine gute Reinigungsleistung aufwiesen. Allerdings sollte man sich auch hier vor dem Einkauf und der Nutzung in seiner Zahnarztpraxis beraten lassen: Es gibt die Bürstchen in unterschiedlicher Größe und Form, und man sollte wissen, wie man sie am besten nutzt.

Chirurgischer Eingriff: Ist danach Milch erlaubt?

Diese Frage stellen immer wieder Leser in Fachforen im Internet oder auch bei Informationsveranstaltungen: Darf man nach einem chirurgischen Eingriff Milch trinken – oder besser nicht? Nun gibt es darauf eine recht fundierte Antwort, wie die zentrale zahnärztliche Fachzeitschrift „Zahnärztliche Mitteilungen" vor wenigen Tagen berichtete: Eine Zahnärztin und ein Hochschulprofessor in Deutschland haben eine entsprechende Umfrage unter Allgemeinzahnärzten und Fachzahnärzten für Oralchirurgie gestartet und die Rückläufe ausgewertet. Die Bilanz: uneindeutig. Fast zwei Drittel aller Allgemeinzahnärzte rieten vom Milchtrinken und dem Verzehr von Milchprodukten ab, aber nur etwas über 40 % der Oralchirurgen. Interessantes Nebenergebnis: Zu diesem Thema gibt es keine den Autoren bekannt gewordenen wissenschaftlichen Ausarbeitungen, und es scheint ein eher deutsches Thema zu sein. Warum die Frage, ob Milch-Produkte genutzt oder zeitweise vermieden werden sollten, überhaupt diskutiert wird, hängt unter anderem damit zusammen, dass Milch die Wirksamkeit von Antibiotika reduzieren soll. Das träfe, so die Studienleiter, auf manche Antibiotika zwar in der Tat zu – nicht aber auf diejenigen, die üblicherweise in der Zahnmedizin eingesetzt würden. Auch die erwarteten negativen Milch-Einflüsse auf die Keimbelastung konnte das Autorenteam widerlegen. Die Schlussfolgerung: Dass Milch negative Auswirkungen hat, sei evidenzbasiert nicht zu belegen.

Corona-Pandemie: Hinweise zur Zahnbehandlung

Mehrere zahnärztliche Berufsorganisationen und wissenschaftliche Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) haben kürzlich darauf hingewiesen, dass die zahnärztliche Versorgung derzeit den Patienten weitgehend zur Verfügung steht. Ein Argument dafür: Während beispielsweise eine Erkältung auch ohne ärztliche Behandlung in der Regel nach ein paar Tagen abebbt, heilen Zahnschäden nicht von allein aus. Wo sich eine Karies entwickelt, muss frühestmöglich eingegriffen werden. Wo ein Zahn abgebrochen oder eine Wurzel entzündet ist, muss sofort behandelt werden. Trotzdem wird auch in den Zahnarztpraxen für gegenseitigen Schutz gesorgt – mit Blick auf die Patienten gleichermaßen wie auf die Zahnärzte und das ganze Praxisteam. Um in der angespannten Situation, auch hinsichtlich der medizinischen Schutzausrüstung, dafür Sorge zu tragen, dass die Zahnarztpraxis möglichst infektionsfrei bleibt, werden derzeit aufschiebbare Behandlungen oft auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr verlegt. Zudem ist es wichtig, dass die Praxis vor dem Aufsuchen informiert ist, ob aktuell eine Corona-Infektion vorliegt oder vorliegen könnte – entsprechend können Vorbereitungen getroffen werden, diese Patienten, so der Behandlungsbedarf akut ist, getrennt von den übrigen Patienten zu platzieren. Möglicherweise werden, sofern das in der Region gegeben ist, Patienten mit Infektion oder Infektionsverdacht auch an eine entsprechend ausgerüstete Zahnklinik überwiesen. Diese „besonderen Zeiten" gehen auch an der zahnärztlichen Versorgung nicht vorbei – wenn Patienten und ihr Praxisteam gut zusammenarbeiten, lassen sich Probleme aber weitgehend vermeiden

Ältere Patienten: mehr Prävention

Bei einem Kongress zum Thema Alterszahnmedizin vor einigen Wochen berichtete die Universitätswissenschaftlerin Prof. Dr. Andrea Schmidt-Westhausen (Charité) über den Bedarf nach angepassten Konzepten für die zahnärztliche Betreuung alter Patienten. Der Blick solle nicht nur dem notwendigen Zahnersatz gelten, sondern dem ganzen Mundsystem und hier nicht zuletzt dem großen Bereich der Mundschleimhaut. Nicht zuletzt durch die Belastung seitens Prothesen, aber auch durch Veränderungen aufgrund von Medikamenten, von zu wenig Speichel und zu viel Alkohol oder Nikotin kann die Mundschleimhaut in eine Entwicklung geraten, die behandlungsbedürftig ist. Wenn alte Patienten in ein regelmäßiges Präventionskonzept eingebunden sind, so Professorin Schmidt-Westhausen, lassen sich beispielsweise auch erste Anzeichen von Mundkrebsentwicklungen frühzeitig erkennen und beseitigen. Zudem besteht die Chance, dass frühzeitig Schäden, die durch nicht gut sitzende oder nicht mehr passende Prothesen entstehen, behoben und einer weiteren Gewebe-Zerstörung vorgebeugt werden können.

9. Zähneknirschen: tags oder nachts?

Dem Thema Zähneknirschen bzw. Zähnepressen („Bruxen") widmet sich in der wissenschaftlichen deutschen Zahnheilkunde eine spezielle Fachgesellschaft: die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und –therapie / DGFDT. Auf einer Pressekonferenz berichtete sie vor wenigen Wochen über aktuelles Wissen rund um diese Fehlbelastungen der Zähne und der Kieferknochen. Dabei wurde deutlich, dass das bisherige Bild, insbesondere Frauen würden unter Stress-bezogenem Bruxen leiden, nicht stimmt: Den Daten der Fachgesellschaft zufolge sind Männer und Frauen gleich intensiv betroffen. Und auch eine weitere bisher verbreitete Annahme wurde korrigiert: Es ist keineswegs so, dass vor allem nachts „geknirscht" wird. Zumindest bei Erwachsenen ist es im Gegenteil eher so, dass Wachbruxismus häufiger vorkommt als Schlafbruxismus. Auch die Erkenntnisse zu den Ursachen sind gestiegen: Neben dem bereits früh identifizierten Stress als Auslöser sind heute beispielsweise auch Schlafstörungen in den Blickpunkt gerückt, wie sie nach Medikamenten, aber auch zuviel Alkohol oder Nikotin auftreten, aber auch erblich bedingt sein können. Nicht immer ist Bruxen ein Risiko für die Gesundheit – ob das aber der Fall ist oder nicht, kann nur durch eine sorgfältige Untersuchung, möglichst in einer thematisch spezialisierten Zahnarztpraxis eingeordnet werden. Unabhängig davon gilt der Blick der Zahnmedizin dem Schutz der Zähne vor Zerstörung, beispielsweise durch eine sogenannte Knirscherschiene.

8. Die Zunge: spannender Muskel

Üblicherweise denkt man, solange alles gut funktioniert, beispielsweise über seine Zunge gar nicht weiter nach. Eigentlich schade, wie ein kürzlich erschienener ausführlicher Artikel in einer renommierten deutschen zahnärztlichen Fachzeitschrift zeigt: Was sie leistet, ist vielfältiger als die meisten Menschen ahnen. Dr. Hari Petsos gab in diesem Beitrag einen spannenden Überblick, was man heute alles über die Zunge weiß. Zuerst einmal ist die Zunge nicht, wie in der Überschrift hier verkürzt gesagt, ein Muskel, sondern sie besteht aus einer Vielzahl an verschiedenen miteinander in Verbindung stehenden Muskelsträngen, die es ermöglichen, dass die Zunge und besonders die Zungenspitze in fast jeden Winkel des Mundes geführt werden kann. Die Beschaffenheit der Zunge macht es möglich, dass wir Geschmack fühlen: Während die Papillen im Hauptteil der Zunge alle Geschmacksrichtungen erkennen können, sind bestimmte Bereiche an den mittleren Rändern für „sauer & salzig" zuständig, im vorderen Bereich für süß und am hinteren Ende für bitter. Diese Unterschiede hängen auch mit der Art der Zungen-Papillen zusammen: Es gibt eher fadenförmige, vor allem auf dem großen Hauptbereich der Zunge, die insbesondere für das Tastempfinden zuständig sind, und pilzförmige Papillen, besonders an der Zungenspitze und an den Zungenrändern, für vertiefende Geschmackserfahrungen, aber auch Temperatur-Wahrnehmungen. Einen Blick lohnt auch die Zungenunterseite, wie Dr. Petsos meint: Sie ist dünnhäutig und intensiv durchblutet und taugt daher besonders gut zur raschen Medikamenten-Aufnahme.

7. Alte Patienten: Medikation beachten

Einem wichtigen Thema widmete sich Anfang des Jahres ein Symposium an der Universitätsklinik Köln: der angemessenen Behandlung von älteren und alten Patienten. Diese stellen nicht zuletzt aufgrund der häufig größeren Anzahl an regelmäßig eingenommenen Tabletten eine besondere Herausforderung an eine anstehende zahnärztliche Behandlung. Wie Prof. Dr. Petra Thürmann (Wuppertal) in ihrem Vortrag deutlich machte, sind insbesondere Medikamente aus der Gruppe der Antibiotika, vor allem aber aus dem Feld der Bisphosphonate ( Medikamente gegen Krebs oder Osteoporose) und Antikoagulantien (Blutgerinnungshemmer) in den Blick zu nehmen. Nicht nur im Hinblick auf die weitgehend bekannten Nebenwirkungen: Viele ältere und alte Patienten sind erstens nicht richtig eingestellt und erhalten, was Untersuchungen zeigten, manche Medikamente von ihren unterschiedlichen Ärzten auch doppelt, manche dagegen gar nicht, obwohl sie in diesem Fall verschrieben werden sollten. Die Folgen unkontrollierter Medikation (Behandlung mit Arzneimitteln) können zu verschiedensten Ausfällen körperlicher Funktionen führen, zu Stürzen, zu Benommenheit, zu weiteren Erkrankungen und in besonders schweren Fällen auch zum Tod. Die Referentin appellierte an die Praxisteams, aber auch an die Familien und Betreuer von älteren und alten Menschen, sich dem Thema Medikation aufmerksamer zu widmen und nicht zuletzt vor einer zahnärztlichen Behandlung die Arznei-Liste mit dem Zahnarzt bzw. der Zahnärztin durchzusprechen. Möglicherweise bedarf es danach auch einer Abstimmung mit dem Hausarzt des Patienten / der Patientin.

6. Psoriasis: auch gute Mundpflege wichtig

Schuppenflechte („Psoriasis") ist eine Hauterkrankung, die vererbbar ist – ob sie bei einem Patienten auch ausbricht, hängt nicht zuletzt von äußeren Umständen ab wie einer Verletzung der Haut, von einer hohen Belastung durch Stress oder auch durch eine Infektion. Die Schuppenflechte gehört zu den Autoimmunerkrankungen, der Körper richtet Abwehrstoffe gegen seine eigenen Zellen. Das Immunsystem arbeitet also nicht wie vorgesehen. Beim Stichwort Risiko durch eine Infektion kommt auch die Mundgesundheit ins Spiel. Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie von Hautärzten der Ohio State University (USA) zeigt, kann zumindest der Verlauf durch optimale Mundhygiene und Vorbeugung von Zahnbettinfektionen (Parodontitis) verbessert werden. Es zeigte sich, dass der Heilungserfolg von Psoriasis offensichtlich in einem Zusammenhang steht mit dem Gesundheitszustand des Mundes: Die Erkrankung konnte um so besser ausheilen, wenn das Zahnfleisch und das Zahnbett entzündungsfrei waren. Auch wenn die Ergebnisse dieser ersten Beobachtung noch durch weitere Patienten-Studien untermauert werden müssen, so die Wissenschaftlergruppe, zeige sich doch ein Hinweis darauf, dass eine Zahnbett-Entzündungen verhindernde Mundpflege einen positiven Effekt auf das Heilungsgeschehen haben kann.

5. Ärzte: keine optischen Vorurteile

Ein Schweizer Ärzteteam aus einem größeren Klinikum wollte wissen, ob sich Patienten besser oder schlechter behandelt fühlten je nach Optik des Arztes: Sie fragten einen Monat nach Behandlungsende bei rund 18.000 Patienten nach und erkundeten, ob Haarfarbe, Geschlecht oder etwa eine Brille eine Rolle bei der Arztbewertung spielen könnte.

Das vor wenigen Wochen veröffentlichte Ergebnis war letztlich beruhigend: Es gab weder nach oben (gute Bewertung) noch nach unten (schlechte Bewertung) ein typisches Merkmal aus der genannten Auswahl. Trotzdem ergab sich ein interessantes Ergebnis: Als die Kriterien mit Mortalität (Anzahl an Sterbefällen) der Patienten in Verbindung gebracht wurden, lagen Ärzte mit grauem Haar an der Spitze der Ärzteliste: Bei ihnen gab es die wenigsten Todesfälle. Das Schweizer Ärzteteam führt dieses Ergebnis aber nicht auf die Haarfarbe, sondern auf das in der Regel mit der Haarfarbe verbundene Lebensalter und die entsprechend höhere Erfahrung zurück. In wieweit die Erkenntnisse auch auf Zahnärztinnen und Zahnärzte in den ambulanten Zahnarztpraxen zutrifft, war nicht Gegenstand und Auslegung der Untersuchung.

3. Würgereiz: verschiedene Ursachen

Studien belegen, dass nicht wenige Patienten bei zahnärztlichen Maßnahmen zu Würgereiz neigen. Genaue Daten dazu gibt es nicht, wie eine aktuelle Veröffentlichung einer Wissenschaftler-Gruppe in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift zeigen, da jeweils nach unterschiedlichen Kriterien gewertet wurde: Unter anderem wurde unterschieden zwischen Würgereiz und extremem Würgereiz unterschieden. Was sich aber zeigte, ist, dass erstens recht viele Patienten betroffen sind, zumal Patienten mit Zahnprothesen, und es zweitens auch sehr unterschiedliche Gründe für diesen Würgereiz gibt. Einerseits reagieren Menschen mit Würgereiz auf physikalische Reize, zum Beispiel Druck auf bestimmte empfindliche Stellen im Mund, auch gibt es Zusammenhänge mit Störungen der Magen-Darm-Gesundheit. Andererseits ist diese Gruppe deutlich niedriger als diejenige, die psychosomatisch mit Würgereiz reagiert. Zumeist hatten Patienten eine unangenehme Erfahrung in der Vergangenheit gemacht, beispielsweise mit einem ungünstigen sogenannten „Abdrucklöffel": Diese Erfahrung ist quasi gespeichert und wird bei der nächsten Situation unbewusst wieder „abgerufen" aus dem Hirn. Auch ungünstige Saugerhaltung kann nachhaltige „Speicherung" im Hirn bedingen und bei der nächsten Behandlung sozusagen automatisch einen Würgereiz auslösen. In der Zahnarztpraxis sollte, so das Wissenschaftler-Team, die Ursache für zumal den extremen Würgereiz erkundet und dann entsprechend gehandelt werden. Beispielsweise gibt es Übungen, die das „gelernte Verhalten" im Hirn überschreiben und so zur Entspannung beitragen. Auch Akupressur auf spezielle Druckpunkte kann den Würgereiz ausschalten.

4. Studien: elektrische Zahnbürsten vorn

Wie Studien aus den letzten Monaten zeigen, sind elektrische Zahnbürsten für die nachhaltige Mundgesundheit effektiver als Handzahnbürsten: Rund ein Fünftel weniger Zahnverlust konnte festgestellt werden. Das nahm der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, kürzlich zum Anlass, auf diese Ergebnisse noch einmal gesondert hinzuweisen und die Patienten entsprechend zu informieren. Das Interessante: Verglichen wurde bei den Studien die Wirkung bei vergleichbarer Ausgangslage, also dem gleich häufigen Gebrauch der elektrischen beziehungsweise der manuellen Zahnbürste. Die besseren Werte sind also nicht auf häufigere Nutzung zurückzuführen, sondern, wie Professor Oesterreich betonte, auf die optimalere Putzleistung. Auch mit Handzahnbürsten ließen sich sehr gute Ergebnisse erzielen, aber nur bei korrekter Putztechnik – und diese könne nicht jeder Patient leisten. Elektrische Zahnbürsten seien hier eine gute Unterstützung, um solche Putztechnik-Defizite besser auszugleichen. Insbesondere bei Patienten mit Einschränkungen im Bewegungsablauf seien elektrische Zahnbürsten eine große Hilfe. Noch wichtiger als das richtige Mundhygiene-Hilfsmittel sei aber die mentale Einstellung: ein positives Mundgesundheitsbewusstsein als Motivation für regelmäßige häusliche Zahnpflege.

2. Zahnschmelz: hart durch Bauplan

Schon Kinder lernen im Biologie-Unterricht, dass der Zahnschmelz das härteste Material im Körper ist. Was sich aber erst langsam durch Fortschritte in den Untersuchungsmethoden erklärt, ist der Grund für diese Stabilität. Bisher ging man davon aus, dass das Material selbst, also die Zusammensetzung des Zahnschmelzes, für diese Widerstandskraft verantwortlich ist. Wie sich inzwischen zeigt, liegt es aber nicht allein an dieser besonderen Material-Konstellation, sondern vor allem an der Anordnung der Teilchen dieser Stoffe. Über 95 % des Zahnschmelzes bestehen, so eine aktuelle Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Nature Communications", aus Hydroxylapatit-Nanokristallen, die in verschiedenen Verbindungen zueinander „aufgestellt" sind. Wie sich zeigte, ist es aber nicht die große geradlinige Ordnung der Kristalle, die für die eindrucksvolle Härte sorgen, sondern im Gegenteil ihre leicht chaotisch anmutende unperfekte Positionierung. Das macht den Zahnschmelz auch widerstandsfähig gegen Druckschäden von allen Seiten: Durch die schräg liegenden Kristalle wird auch Belastungen von der Seite Widerstand entgegengesetzt.

1. Seltene Erkrankungen: Symptome auch im Mund

Wie Prof. Dr. Jochen Jackowski von der Universität Witten/Herdecke kürzlich in einer Presseinformation des Mundgesundheitsinformationsdienstes proDente berichtete, leben in Deutschland  rund 4 Millionen Menschen mit einer sogenannten „Seltenen Erkrankung", das bedeutet: Weniger als fünf von 10.000 Menschen sind von ihr betroffen. Über 7000 solche Krankheiten sind bekannt, die meisten sind erblich bedingt. Aufgrund des seltenen Vorkommens ist das Wissen um solche Erkrankungen rar. Oft langwierig ist entsprechend auch die zu treffende Diagnose, die einer zielgerichteten Behandlung zugrunde liegt. Dass auch Zahnärzte bei der Diagnose hilfreich sein können, erklärte Professor Jackowski in dem genannten Pressedienst: Rund jede sechste seltene Erkrankung weist auch Anzeichen im Mund oder im Gesicht auf. Zu den möglichen Symptomen können Zahnanomalien im Kindesalter (von Zahnform über Zahnfarbe bis Zahnschmelz) gehören, die aber auch vielfältige andere Ursachen haben können – diese gilt es differenziert abzuklären. Auch das Zungenbändchen kann Signale für eine seltene Erkrankung geben – ist es verkürzt und verdickt, könnte eine Sklerodermie dahinterstecken. Auch wenn in der Regel andere als „seltene Erkrankungen" hinter Wachstumsentwicklungen in Mund und Gesicht stehen, sollte bei Kontrolluntersuchungen auch an solche eher raren Störungen gedacht werden: Der Anteil an Menschen, die an seltenen Erkrankungen leiden, wird Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren noch deutlich ansteigen.

Schleimhauterkrankungen: Folgen von Medikamenten-Mix

Wie eine große deutsche zahnärztliche Wochenzeitung kürzlich berichtete, sollten vor allem ältere Patienten, aber auch die behandelnden Praxisteams intensiv auf den Medikamenten-Mix achten, der für viele ältere Patienten zum Alltag gehört und dessen genaue Zusammensetzung sie daher manchmal vergessen. Prof. Dr. Michael Bornstein (Hongkong) berichtete bei einer Fortbildungsveranstaltung beispielsweise über die nicht selten beobachtete Wucherung von Zahnfleisch bei Dauereinnahme von Kalziumkanalblockern, wie sie bei Bluthochdruck oft verordnet werden. Organ-transplantierte Menschen wiederum bekommen zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen Immunreaktionen unterdrückende Medikamente (Immunsupressiva), die ebenfalls zu Mundgewebe-Wucherungen führen können. Patienten sollten auch bei Veränderungen im Medikamenten-Mix die Zahnarztpraxis informieren beziehungsweise am besten dem Praxisteam einen aktuellen Medikamenten-Plan aushändigen. Auch viele weitere Arzneimittel führen zu Veränderungen in der Mundgesundheit – daher ist es wichtig, dass die Zahnarztpraxis immer auf dem aktuellen Stand der Medikamentenliste ist.

Amalgamfüllungen: raus oder liegen lassen?

Seit Jahren wird, mal mehr, mal weniger ideologisch, auch in den Medien über die Frage diskutiert, ob man bestehende und zum Teil schon alte Amalgam-Füllungen vielleicht prophylaktisch entfernen sollte, weil davon eine Gesundheitsgefährdung ausgehen könnte. Klare Positionen dazu hat vor einigen Tagen die FDA (U.S. Food & DRUG Administration, das amerikanische Amt für Lebens- und Arzneimittel) veröffentlicht: 1. Die Forschung ist weiter gefordert, manche Fragen sind noch ohne endgültige Antwort. 2. Die vor rund zehn Jahren veröffentlichte Empfehlung, Amalgam eher nicht einzusetzen bei schwangeren Frauen, stillenden Müttern (und deren Säuglingen) sowie bei Kindern unter sechs Jahren muss neu geprüft werden: Es ist aufgrund aktuellerer Untersuchungen nicht eindeutig belegt, woher das in Körperflüssigkeiten gefundene Quecksilber stammt – ob aus der Zahnversorgung oder aus der Ernährung. Die bisherige Untersuchungsmethode über Urin-Test sei zudem zu ungenau, wenn es um derart geringe Mengen gehe, wie sie bei einer Amalgamversorgung auftreten könnten. Auch bei Berücksichtigung weiterer umfangreicher Studien habe sich kein Beleg dafür gefunden, dass von Amalgam ein Gesundheitsrisiko ausgeht. Hieraus ergebe sich, so die FDA, dass es keine Empfehlung gibt für das Verbot von Amalgam als Zahnfüllungsmaterial und auch nicht für eine prophylaktische Entfernung. Zudem sei auch noch zu klären, welche tatsächlichen Konsequenzen das im Körper umgewandelte „Quecksilber" auf den Organismus habe. Das gehöre zu den Aspekten, die noch weiterer Abklärung bedürften.

Knirschen: Sind Implantate möglich?

Wer unter Zahn-Überbelastungen wie Knirschen oder Zähnepressen leidet, weiß um die Folgen: Die Zähne selbst leiden, der Kiefer und das Gewebe um den Zahn wird überlastet und kann zurückweichen. Um so mehr stellt sich die Frage, wie sich solche Fehlbelastungen auf Kiefer und Zahnbett auswirken, wenn anstelle des natürlichen Zahnes ein implantat-getragener Zahnersatz betroffen ist. Eine Forscher-Gruppe veröffentlichte dazu kürzlich in der Mitglieder-Fachzeitschrift der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) eine Auswertung von Untersuchungen zu diesem Thema und kam zu dem Schluss, dass es keine eindeutige Handlungsempfehlung geben kann, weil die Voraussetzungen und Umstände von Patient zu Patient unterschiedlich sein können. Es muss also im Einzelfall abgewogen werden, was geht und was eher nicht oder noch nicht. Klar wurde: Es gibt ein gewisses Risiko, dass die übermäßige Belastung negative Auswirkungen auf die Implantat-Versorgung hat – insofern ist es wichtig, mit dem Patienten vor der Planung der Behandlung darüber zu reden, um eine individuell richtige Lösung zu finden. Auf jeden Fall sinnvoll ist es, das Knirschen und Pressen grundsätzlich zu reduzieren, um mögliche unerwünschte Folgen nicht zuletzt auf Implantat und Zahnersatz zu vermeiden.

Gesunder Biofilm: Rolle von Mundspülungen untersucht

Wie einer kürzlich veröffentlichen Nachricht der beteiligten Universitäten Regensburg und Freiburg zu entnehmen ist, interessiert sich eine Forschergruppe derzeit für die Auswirkungen von Mund-Desinfektionsmitteln wie beispielsweise Chlorhexidin. Im Blickpunkt steht dabei die Frage der Resistenz-Bildung. Dabei interessiert die Forscher nicht zuletzt, ob die Entwicklung einer Resistenz gegen das antibakteriell wirksame Chlorhexidin möglicherweise auch zu einer Resistenz gegenüber Antibiotika führen könnte (Kreuzresistenz). Ziel der nun begonnenen Untersuchung ist, Zusammenhänge besser zu verstehen, wie sich solche Resistenzen entwickeln und damit vor allem: wie sie sich vermeiden lassen. Und ob und wann man auf Alternativpräparate zurückgreifen sollte, um eine Antibiotika-Resistenz zu vermeiden. Die Herausforderung dabei ist, dass Produkte wie Chlorhexidin derzeit in der Zahnmedizin zu den wichtigsten Arzneimitteln zählen, um Infektionen im Mund zu begegnen. Neben diesen Erkenntnissen ist – je nach Ergebnis – also eine weitere Aufgabe für Wissenschaft und Forschung, neue Antworten für die Bekämpfung bakterieller Infektionen im Mund zu finden.

Statistik: weniger Zahnfüllungen

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), kurz gesagt: zuständig für die Kostenaspekte der zahnmedizinischen Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten, wertet alljährlich anhand der Abrechnungsdaten aus, was sich im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. Das aktuelle Jahrbuch 2019 beispielsweise zeigt, dass die Anzahl der Zahnfüllungs-Behandlungen um 1,7 % zurückgegangen ist. Das klingt eher wenig – wenn man aber bedenkt, dass es insgesamt um inzwischen „nur noch" fast 50 Millionen Zahnfüllungen geht, ist das nicht zuletzt eine große Anzahl an Fällen und für die betroffenen Patienten eine sehr erfreuliche Entwicklung. Zurückgeführt wird diese auf das bessere Mundhygiene-Verhalten der Patienten und vor allem die immer mehr auf Prävention ausgerichteten Angebote in der Zahnarztpraxis. Schon zurückliegende Erhebungen haben gezeigt, dass beispielsweise die Professionelle Zahnreinigung von immer mehr Patienten zum selbstverständlichen Gesundheitsverhalten gehört.

Krafteinwirkung im Mund: Unterschiede von Zahn und Implantat

Für die Langlebigkeit eines Implantates ist es wichtig, dass die Kraft, bei beim Beißen und Kauen auf den Kieferknochen und sein Gewebe ausgelöst wird, möglichst derjenigen eines gesunden natürlichen Zahnes gleicht. Zu den biologischen Unterschieden von natürlicher Zahnwurzel und Ersatz-Zahnwurzel (Implantat) gehört, dass unter dem natürlichen Zahn eine Art hochempfindlicher Sensor dem Hirn meldet, wenn ein Druck zu groß ist. Oder auch, wenn ein Haar zwischen den Zähnen liegt. Eine solche „Meldestelle" gibt es unter einem Implantat nicht. Das Gewebe ist also etwas gefährdeter als bei einem natürlichen Zahn, durch zu starken Kaudruck belastet zu werden. Gut also, dass eine Wissenschaftlergruppe aus dem Umfeld der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) relevante Studien geprüft und ausgewertet und das Ergebnis kürzlich in der DGI-Mitglieder-Fachzeitschrift „ZZI" veröffentlicht hat. Unterschieden wurde zwischen Belastungs-Folgen bei einem Einzelimplantat oder bei größerer implantat-getragener Zahnersatzversorgung. Zudem wurde auch der Effekt bei statischer beziehungsweise dynamischer Belastung untersucht. In ihrer Zusammenfassung stellen die Wissenschaftler fest, dass weitere Forschung in diesem Bereich möglicherweise hilfreich wäre – aber vermutlich kaum dazu beitragen werde, die insgesamt schon enorm hohe Langzeiterfolgsrate von implantatgetragenem Zahnersatz noch weiter zu erhöhen. Allerdings könnte eine entsprechende Nachsorge-Kontrolle möglicherweise Implantat-Verlust in dem einen oder anderen Fall vermeiden helfen.
 

Zunge: Infektions-Check über Kaugummi

Immer neue Möglichkeiten zeigen sich aufgrund intensiver Forschung, wie das sensible Gewebe-System im Mund bei der Diagnostik von Erkrankungen helfen kann: Die manchmal „einfach" wirkenden Lösungen könnten aufwändige ersetzen, die das Gesundheitssystem viel Geld kosten, oder als unkompliziertes Frühwarnsystem fungieren. Aktuell geht es um die Entwicklung eines Kaugummis, das Hinweise auf ein gestörtes Bakterien-Gleichgewicht und eine bakterielle Infektion gibt. Nicht das Kaugummi zeigt dabei die ungesunde Entwicklung an, sondern es lässt die Zunge „sprechen": Liegt eine krankheitsrelevante bakterielle Besiedelung vor, meldet die Zunge einen bitteren Geschmack. Wie ein Beitrag in einer zahnärztlichen Wochenzeitung vor wenigen Wochen zeigt, sind sowohl Entzündungen im Mund als auch solche im erweiterten Rachenraum, beispielsweise eine Mandelentzündung, frühzeitig erkennbar – und der behandelnde Arzt kann weitergehende Untersuchungen einleiten. Aufgabe für Wissenschaft und Produktentwicklung: Für jede Bakteriengruppe muss ein spezieller Marker eingesetzt werden, der die Keimbelastung „erkennt". Möglich werden könnte dann auch ein Vor-Test, ob ein Patient, für den ein Implantat vorgesehen ist, komplizierende Bakterienkulturen hat. Noch ist vieles nicht geklärt – aber, so die Wissenschaftler, es tut sich ein spannender Weg auf.

Weisheitszähne: Wann sollten sie raus?

Weisheitszähne scheinen sich manchmal ohne „Abstimmung" mit den Nachbarzähnen zu entwickeln: Sie drücken und schieben so kraftvoll, dass sie die Gesundheit der ganzen Zahnreihe bedrohen. Der Name dieser hintersten Zähne rührt daher, dass sie sich erst später und nicht schon gleich nach dem Zahnwechsel in der Jugend zeigen. Manche Weisheitszähne bleiben ohne erhebliche Weiterentwicklung einfach im Kieferknochen stecken. Wenn sie sichtbar werden, beispielsweise auf einem Röntgenbild, wird entschieden, ob sie bleiben können oder lieber entfernt werden sollten. Das ist anders als früher: Vor einigen Jahren wurden Weisheitszähne auch sicherheitshalber entfernt, was dem damaligen Kenntnisstand entsprach. Gezogen wird dagegen heute nur noch, wenn gesundheitliche Probleme bereits vorhanden oder absehbar sind – und davon gibt es zahlreiche, wie Privatdozent Dr. Frank Strietzel von der Charité/Berlin in einem aktuellen Fachzeitschriften-Bericht berichtet. Es werde heute aber individuell abgewogen, welche Risiken die Weisheitszahnentfernung für den Patienten bedeuten könnte – aber ebenso, welche Risiken mit einem Verbleib der Zähne verbunden wären. Eine von mehreren Fachgesellschaften unterzeichnete neue Leitlinie empfiehlt als besten Zeitpunkt für eine Weisheitszahn-Entfernung die Zeit, in der dieser Zahn noch wächst, also in der Regel rund um den 25. Geburtstag.

Implantologie: Patientenwünsche im Blickpunkt

Mehr denn je kann die zahnärztliche Implantologie die Wünsche der Patienten berücksichtigen und entsprechende Lösungen anbieten: Das war klares Ergebnis einer Diskussion unter Fachexperten im Rahmen des letztjährigen Kongresses der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) im vergangenen November in Hamburg. Zu diesen Patientenwünschen gehört das Zeitfenster zwischen Behandlungsstart und Versorgung mit dem neuen Zahn, der den verlorenen ersetzt. Sollte das Implantat erst einmal in Ruhe ausheilen, oder soll sofort „versorgt", das Implantat also mit der neuen Zahnkrone verbunden werden? Beide Verfahren haben ihre eigenen Vorteile – und Nachteile, jeweils im Hinblick auf die Voraussetzungen, aber auch Wünsche des Patienten. Mit Blick auf den nachhaltigen Behandlungserfolg zeigt sich, dass letztlich beide Vorgehensweisen, nach unterschiedlichen Start-Bedingungen, bei normalgesunden Patienten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen. Unterm Strich liegt die sogenannte „Überlebensrate" des Implantates bei verzögerter Versorgung nur minimal etwas über derjenigen bei Sofortversorgung. Worauf alle Experten Wert legten: Erfolg ist insbesondere abhängig von den gesundheitlichen Umständen des Patienten und nicht zuletzt der mundgesundheitlichen Situation am geplanten Implantat-Platz.

Kieferorthopädie: wann sie eher wenig Sinn macht

In der kieferorthopädischen Wissenschaft sind schon seit langen Faktoren bekannt, die eine Behandlung erschweren können. Hier stehen vor allem das übermäßige Rauchen und auch stark entzündete Zahnbett-Situationen (Parodontitis) im Fokus. Beide Aspekte behindern das, was die Kieferorthopädie ausmacht: Durch „Ziehen und Schieben" wird ein Zahn an seinem Standort zum Wandern an einen anderen Platz gedrängt. Dabei werden durch den Druck auf dem Weg zu der Stelle, wo der Zahn hinwandern soll, Zellen von Knochen und Weichgewebe zerstört, dafür werden dort, wo der Zahn herkommt, neue Zellen für den Kiefer und das Zahnbett und Zahnfleisch gebildet. Während einerseits übermäßiges Rauchen und entzündete Gewebe diesen biologischen Ab- und Aufbauprozess der Zellen stören, können auch beispielsweise Medikamente Einfluss auf den geplanten „Umzugsfortschritt" nehmen. Beim zurückliegenden Deutschen Zahnärztetag im letzten November wurde Privatdozent Dr. Dr. Christian Kirschneck, Universität Regensburg, mit dem höchsten Wissenschaftspreis der Zahnheilkunde in Deutschland, dem „Miller-Preis" ausgezeichnet: Er hat die zellbezogenen und molekularen Zusammenhänge zwischen kieferorthopädischem Vorgehen und problematischen Umständen wie Rauchen und akute Infektion im Zahnbett erforscht und der Zahnmedizin wichtige Empfehlungen mit auf den Weg gegeben.

Anamnesebogen: Wichtige Informationen für die Behandlung

Die wissenschaftliche Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) wies im Rahmen einer Veröffentlichung kürzlich auf die besondere Bedeutung des sogenannten Anamnesebogens in der Zahnarztpraxis hin: Hier geben Patienten auch über ihre Allgemeingesundheit Auskünfte, da sie die geplante zahnärztliche Behandlung beeinflussen könnten. Ein solcher Anamnesebogen solle auch in bestimmten Abständen und bei neuen Erkrankungen, aber auch bei weiteren relevanten Entwicklungen aktualisiert werden. Ein wichtiger Hinweis beispielsweise ist die Neigung zum Erbrechen, wenn bestimmte Bereiche im Mund berührt werden. Wichtig ist auch, so die DGZMK, ein Hinweis auf eine bestehende Angst vor der Behandlung. Mittlerweile gibt es speziell für diese nicht nur für die Patienten schwierige Situation spezifische Fragenkataloge, die beim Einsortieren ebenso helfen wie bei der Entwicklung angepasster Behandlungsschritte. Viele Angst-Formen lassen sich durch entsprechende Verfahren in der Zahnarztpraxis beheben oder umgehen, nur in besonders schweren Fällen, die Krankheitswert haben, sollte in Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten Ursachenbehebung oder zumindest eine Entspannung entwickelt werden. Die Vermeidung rechtzeitiger zahnärztlicher Behandlung kann für die Patienten mund- und allgemeingesundheitlich erhebliche Risiken mit sich bringen.

Knirschen: der Aspekt der Seele

Auf ein spannendes Thema wurde beim zurückliegenden Deutschen Zahnärztetag im November in Frankfurt aufmerksam gemacht: Welche Rolle spielt die Seele beim Knirschen mit den Zähnen oder Zusammenpressen der Kiefer? Renommierte Expertin in diesem Thema ist Privatdozentin Dr. Anne Wolowski von der Universität Münster. Sie berichtete von Patienten, die manchmal über Jahre mit von ihnen als schmerzend empfundenen Zähnen von Praxis zu Praxis laufen – und manchmal auch erfahren, dass „um des lieben Friedens willen" ein Zahn gezogen wird. Dies sei in der Regel weder für die Patienten noch für die involvierten Zahnarztpraxen eine befriedigende Lösung. Allerdings seien es oft sehr versteckte Beschwerden, denen man mit detektivischer Suche auf die Spur kommen müsse: Manchmal seien die Lebensumstände Schmerzauslöser, den Patienten sei gar nicht bewusst, dass Schmerzzustände und Überforderung im Alltag oder in einer bestimmten Situation in enger Verbindung stehen. Wobei der empfundene Schmerz „echt" und daher ernst zu nehmen sei.

Die Ursache herauszufinden, erfordere von beiden Seiten – Zahnarzt und Patient – durchaus Geduld, lohne sich aber: PD Dr. Wolowski zeigte neben vielen weiteren Beispielen den Fall einer Patientin, die allein durch den Wechsel auf andere Arbeitszeiten von dem Druck befreit wurde, der sich über das Knirschen und Pressen auf die Zähne entladen hatte. Stress suche sich seinen Weg. Bei dem einen Menschen schlage er auf den Magen, bei den anderen auf die Zähne und die Kiefer.

Zahnimplantate: Formwandel

In verschiedenen Vorträgen im Rahmen des letztjährigen Kongresses der DGI, der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie, Ende November 2019 in Hamburg wurde darauf hingewiesen, dass die Form der Implantate sich in den zurückliegenden Jahren gewandelt hat und auch in Zukunft weiter verändern wird. Während es in den Anfangsjahren der Implantologie bis zuletzt um schraubenähnliche und zylinderförmige Formen, mit unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen und aus unterschiedlichen Materialien gegangen sei, gehe der Weg nun in eine andere Richtung. Die Digitalisierung der Zahnmedizin erlaube es, zukünftig Implantate nach individuellem Bedarf und (weitgehend) in Zahnwurzelform herzustellen. Bis diese Entwicklung allerdings überall in den Praxen ankommen kann, müssen noch weitere Verbesserungen im Herstellungsprozess erfolgen: Wie in vielen anderen Bereichen auch, sei die Individualisierung in der Implantologie deutlich kostenintensiver als „Konfektion". Auch hier könnte die Digitalisierung eine Optimierung ermöglichen.

Kinder: viele ohne Zähneputzen ins Bett

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Eltern hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder oft die Zügel aus der Hand geben: Demnach lassen sie es durchgehen, dass ihre Kinder die notwendige Zahnpflege vor dem Zubettgehen ausfallen lassen. Die von einem Zahnpflegemittel-Hersteller unterstützte Umfrage unter britischen Eltern ergab, dass Kinder im Alter unter zwölf Jahren durchschnittlich nur neunmal pro Woche ihre Zähne reinigen. Zudem putzen sie, wenn sie denn putzen, nur oberflächlich und viel zu kurz. Insbesondere abends arte, so die Eltern in der Umfrage, das Zähneputzen in unerfreuliches „Theater" aus – fast zehn Minuten durchschnittlich dauert der Motivationsversuch der Eltern, es doch und dann auch noch halbwegs richtig zu machen. Fast drei von vier Eltern gaben an, dass sie hier aufgeben, um insbesondere bei den kleineren Kindern Wutanfälle vor dem Zubettgehen zu vermeiden. Dabei ist es der überwiegenden Anzahl der Eltern bewusst, dass der Zuckerkonsum ihrer Kinder zu hoch sei. Der Wunsch der Eltern: Zähneputzen sollte fester Bestandteil im Schulalltag werden.

Aktuelle Implantologie: immer mehr Individualisierung

Im Rahmen einer Pressekonferenz zum zurückliegenden Kongress der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) Ende November in Hamburg wurde deutlich, wie sehr sich das Fach zuletzt weiterentwickelt hat. Der Präsident der Fachgesellschaft, Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, berichtete, dass es heute keine allgemeine, auf Gruppen wie „Raucher" oder chronisch Erkrankte ausgerichtete Kontraindikation für eine Implantatversorgung mehr gibt, sondern jeweils patientenindividuell entschieden werde, ob das chirurgische Einsetzen eines Implantates sinnvoll ist und mit einem guten Einheilen gerechnet werden kann. Dabei sei – je nach Patientensituation – auch eine unterschiedliche Vorbehandlung und auch Nachbetreuung notwendig, zudem werde je nach Fall entschieden, welche Form und welche Art an Zahnimplantat zur Wiederherstellung von Funktion und Optik des Mundes ausgewählt werden. Das sei ein weiterer Schritt zu mehr individueller Behandlung und Patientensicherheit

Zahnpasten: Aluminiumbestandteile im Blickpunkt

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat zum Jahresende 2019 mitgeteilt, dass eine Reihe von Zahnpasten Aluminium enthalten. Hier sind insbesondere solche Produkte aufgefallen, die zahnbleichend beziehungsweise zahnaufhellend wirken sollen. Das Aluminium wirkt in diesen Fällen als Schleifmittel, um Beläge abzutragen. Während es hinsichtlich der weiteren Zahnpasten keines nennenswerten Warnhinweises bedarf, seien diese Bleaching-Produkte durchaus kritisch zu sehen. Insbesondere junge Menschen nähmen, wenn sie solche Zahnpasten nutzen, bereits damit die gesamte in einer Woche als „zu duldend" klassifizierte Menge an Aluminium auf, wobei eine Aufnahme zudem durch weitere Produkte wie Kosmetik, Alufolie oder entsprechende Kochutensilien festzustellen ist. Die Empfehlung: die Anwendung solcher Produkte reduzieren. Dass die BfR-Studie aber nicht bedeutet, dass man von diesen Produkten nun ganz die Finger lassen sollte, besagt eine Reaktion des Wissenschaftlichen Ausschusses für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission, wie die größte zahnärztliche Zeitschrift in Deutschland klarstellt: Die in Deutschland festgestellte Menge an Aluminium in Zahnpasten läge ganz deutlich unter gesundheitsrelevantem Anteil. Toxikologen fordern mehr Forschung, da der Umgang des Körpers mit Aluminium noch nicht abschließend geklärt sei.

Leitlinie: Zahnbehandlungsangst bei Erwachsenen

Eine neue Leitlinie gibt Zahnärzten – und Patienten – aktuelles Wissen und Empfehlungen zum Thema Zahnbehandlungsangst bei Erwachsenen. Herausgegeben hat sie die Dachgesellschaft der zahnmedizinischen Wissenschaft, die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Patienten mit solchen Behandlungsängsten schaden sich selbst durch zu langes Warten auf die unvermeidliche Behandlung. Die Gesundheitsschäden nehmen zwischenzeitlich zu und die notwendige Behandlung wird, je länger man wartet, um so aufwändiger und, je nach Vorgehen, auch invasiver und daher oft schmerzhafter. Ungünstigerweise, so die Fachgesellschaft in ihrer Erklärung zur Veröffentlichung kurz vor Weihnachten, sind gerade diese Patienten auch nicht für Vorsorgemaßnahmen wie regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen und bedarfsgerechte professionelle Zahnreinigung erreichbar. Viele dieser Patienten wissen auch gar nicht, wie weit sich die Zahnmedizin inzwischen hinsichtlich Erleichterungen von Behandlungsverfahren entwickelt hat. Die neue Leitlinie listet verschiedene Faktoren auf, die solche Patienten für den Zahnarzt erkennbar machen und welche Therapiemöglichkeiten sinnvoll sind. Fast zwei Drittel der deutschen Patienten haben mindestens Unwohlsein, wenn sie an eine zahnärztliche Behandlung denken, rund jeder zehnte Patient hat, so ergab eine Umfrage, sogar große Angst.

Krankheitsbedingte Zahnlosigkeit: Anspruch auf Implanta

Eine Entscheidung des Sozialgerichts Hannover wirft einen neuen Blick auf Zahn-Implantate: Demnach hat ein gesetzlich versicherter Patient, der krankheitsbedingt (in diesem Fall aufgrund einer schweren Parodontitis) einen zahnlosen Unterkiefer hat, Anspruch auf implantat-getragenen Zahnersatz (SG Hannover S 89 KR 434/18).Zahnlosigkeit wurde als „regelwidriger Körperzustand" gesehen und sei daher, so eine große Zahnärzte-Zeitschrift kurz vor demJahreswechsel, als behandlungsbedürftigbezeichnet worden. Dieser ähnlich einer Behinderung eingestufte Gesundheitszustand gehöre zu den Ausnahme-Fällen für die Kostenübernahme durch die Gesetzliche Krankenversicherung, eine Implantatversorgung sei für einen solchen Fallgemäß den Richtlinien eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Leistung. Eine ausreichende Kaufunktion müsse ermöglicht werden, was bei konventioneller Prothese in Verbindung mit Haftcreme nicht realisiertwerden konnte. Zahnimplantate, so die Hannoveraner Richter, seien nicht nur medizinisch, sondern auch für die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft notwendig.

„Kreidezähne“: viel Forschung, wenig Antworten

Letztlich ein Rätsel bleibt die Ursache der Entstehung sogenannter „Kreidezähne": Dabei entwickeln die bleibenden Zähne der Kinder weißlich-gelbliche Flecken und werden porös. Das führt auch zu Schmerzen, unter der die betroffenen Kinder sehr leiden können. Nachvollziehbar also, dass die zahnmedizinische Wissenschaft sich dem offenbar noch jungen,aber längst nicht mehr ganz neuen Thema intensiv widmet. Bisher liegen, wie ein Fachbericht in einer großen Tageszeitung kürzlich darstellte, keine eindeutig überzeugenden Erkenntnisse zu Entstehung und damit auch erwartungsgemäß zur Vermeidung solcher Entwicklungsstörungen vor. In der Fachwelt wird diese Zahnsubstanz-Veränderung als MIH/Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation bezeichnet. Sowohl die Backenzähne (Molaren) als auch die Schneidezähne (Inzisivi) sind von Unter(hypo)-Mineralisation betroffen. Heilend behandeln kann man die Erkrankung oder Störung bisher noch nicht, aber das Leben der betroffenen Kinder erleichtern: Da das Zähneputzen schmerzhaft ist, wird es oft unterlassen mit der Folge, dass sich insbesondere indem ohnehin schon geschwächten Zahnschmelz Karies bildet. Das Risiko kann, so die zitierten Wissenschaftler, mit einer vorbeugenden „Versiegelung" mit Fluoridlack minimiert werden. Manche Zähne seien allerdings so geschädigt, dass dem Kind nur durch Zahnziehen geholfen werden können. Alle drei Monate sollten die Kinder zahnärztlich kontrolliert werden, und wenn die optische Belastung gar zu groß ist, können beispielsweise Zahnkronen den Eindruck und das Lebensgefühl verbessern.

Sjörgen - Syndrom: Früherkennung möglicherweise beim Zahnarzt

Das Sjörgen-Syndrom gehört zu den rheumatischen, von Entzündungen begleiteten Erkrankungen und führt, als Autoimmunreaktion, vor allem zu Folgen rund um die Augen (Tränendrüsen) und den Mund (Speicheldrüsen). Viele weitere Gesundheitsschädenwie solche bei Nieren und Atemwegen sind bekannt, neueren Erkenntnissen zufolge gehören auch vielfältige Nervenschädigungen (Polyneuropathien) zu den Folgen der Erkrankung. Behandelt werden die Patienten oft je nach betroffener Region in unterschiedlich ausgerichtetenKliniken, wobei aktuelle Studien, über die eine zahnmedizinische Fachzeitschrift berichtete, zeigen: Hier gibt es Optimierungsbedarf insbesondere dann, wenn Patienten Lähmungen zeigen. Nicht wenige Ärzte hielten die vor allem bei älteren Patienten auftretenden Bewegungseinschränkungen für altersbedingt. Nicht bedacht wird dabei das mögliche Vorhandensein dieser Autoimmunerkrankung, die aufgrund der erkrankten Nerven zu Bewegungseinschränkungen der Muskulatur führt.Zahnärzte können Störungen der Arbeit der Speicheldrüsen erkennen –für die es allerdings viele unterschiedliche Ursachen geben kann. Gibt es einen entsprechenden Verdacht auf das Vorhandensein eines Sjören-Syndroms, sollten Zahnärzte und Patienten die weiterführende Diagnostik bei einem Rheumatologen nutzen. Ziel: mit passgenauen Medikamenten die Belastungen durch die Erkrankung vermindern.

Naturheilmittel: Beeren und Zähne

Die Suche nach Naturheilmitteln zur Gesundheitsförderung oder gar Krankheitsvermeidung und –behandlung gehört auch in das Themengebiet zahnmedizinsicher Wissenschaftler. Immer wieder gibt es Studien, welche positiven Wirkungen bestimmte Pflanzen oder Früchte haben können. Neu sind entsprechende Studien zu möglichen Einsatzgebieten von Moosbeeren (Cranberrys). Wie eine große bundesweite zahnärztliche Fachzeitschrift vor wenigen Wochen berichtete,hat sich jetzt ein Forscherteam aus Großbritannien und Australien damit befasst. Die Wissenschaftler entwickelten eine Tinktur aus Moosbeeren-Extrakten und gaben diese zweimal täglich auf herangezüchteten typischen Zahnbelag. Wie sich zeigte, ging die Menge des behandelten Zahnbelages deutlich zurück und auch der Gehalt der schmelzschädigenden Säuren nahm erheblich ab. Vor allem aber sank die Anzahl der Bakterienkolonien fast um die Hälfte. Die Bilanz der Wissenschaftler: Cranberry-Tinkturen reduzieren die Mundgesundheitsbelastung durch bakterielle Zahnbeläge –auch dadurch, dass sich ein besseres biologisches Gleichgewicht einstellt. Zurückzuführen sind die auch bei Kindern überprüften Ergebnisse auf die in den Beeren enthaltenen sogenannten Polyphenole, die bereits bei anderen Studien ihre allgemeine antioxidative (vereinfacht: entzündungshemmende) Wirkung gezeigt hatten.

Zahnarztwahl: Umfrage unter Patienten

Warum geht ein Patient gerade in diese Zahnarztpraxis und nicht in eine andere, vielleicht in die ein Haus weiter? Das interessierte eine Gruppe wissenschaftlicherZahnmedizinerin Großbritannien, die eine entsprechende Umfrage auf den Weg brachten. Wie eine große deutsche Zahnmedizinische Fachzeitschrift kürzlich berichtete, gab es eine Vielzahl an Gründen, die vermutlich auch hierzulande die Wahl der Patienten beeinflusst. Ganz oben auf der Liste standen Vertrauen in die Hygiene der Praxis, die Erwartung, dass sowohl Zahnfleisch als auch Zähne gesund erhalten werden, und wichtig war den Patienten, dass sie ihrem Zahnarzt/ihrer Zahnärztin vertrauen. Gute Erklärungenund gute Betreuung waren ebenfalls relevant. Die Forscher gingen mit ihren Fragen aber noch weiter: Unter anderem fragten sie, welche persönlichen Konsequenzen die Umfrageteilnehmerim Falle einer Diagnose einer schweren Allgemein-Erkrankung (zumal einer solchen, die mit Zahnbettentzündungen in Verbindung stehen)für ihren Alltag gezogen hätten. Vier von zehn Patienten antworteten: nichts. Immerhin gaben 60 % der Betroffenen an, sich selbst und in Verbindung mit der Zahnarztpraxis mehr um die Mundgesundheit zu kümmern. Vielen der Befragten waren Zusammenhänge von Mund-und Allgemeinerkrankungen bekannt, insofern gingen sie davon aus, dass ihr Zahnarzt diese auch erkennen könne

Periimplantitis: im Vorfeld Risiken betrachten

Zahnimplantate gehören heute zu der Standardversorgung, wenn eigene Zähne verloren gegangen sind oder der bisherige Zahnersatz nicht mehr ausreichend seine Aufgabe erfüllen kann –und Zahnimplantate weisen eine hohe klinische Verlässlichkeit und Vorhersagbarkeit auf: Das betonte Prof. Dr. Ralf Rössler vor wenigen Wochen in einem Fachbeitrag für eine große zahnärztliche Zeitschrift. Beides gerät in Gefahr, wenn sich eine Entzündung im inneren Bereich um das Implantat entwickelt, eine Periimplantitis –entwickelt sich die Entzündungrund um die Zahnfleisch-Austrittstelle der Implantatversorgung,spricht man von einer Mukositis. Solche Entzündungen seien allerdings oft vermeidbar. Viele Patienten mitPeriimplantitis hatten vor der Implantation bereits eine entzündliche Parodontitis, und es finden sich viele Raucher unter diesen Patienten. Beide Risikofaktoren sind bekannt –gehören heute aber nicht mehr zu den Kontraindikationen, da sie in der Regel und bei entsprechender Mitarbeit derPatienten gut in den Griff zu bekommen sind. In allen Fällen ist eine wirklich gute Sauberhaltung des ganzen Mundes notwendig, was bedeutet: Bakterielle Zahnbeläge (Plaque) müssen sehr sorgfältig und regelmäßig entfernt werden. Das gilt vor der Behandlung, aber mindestens genauso auch für die Zeit mit dem neuen Implantat. Mit dem Zahnarzt besprochen werden müssen auch neu auftretende Allgemeinerkrankungenmit eventuell notwendig werdenden Arzneimitteln, die das biologische Gleichgewicht im Mund stören könnten. Bei guter Zusammenarbeit von Zahnarztpraxis und Patient seien viele Risiken, die die Langlebigkeit des Implantates gefährden könnten, gut in den Griff zu bekommen

Fluoride: weltweit unterschiedliche Aufnahme

Fluoride, wie sie in vielen Mundpflege-Produkten enthalten sind und der Stärkung des Zahnschmelzes dienen, gehören zu den natürlich vorkommenden Stoffen auf der ganzen Erde. Nur kommen sie, wie viele andere Stoffe, nicht überall gleich stark vor. So gibt es auf der Welt Regionen, in denen der Fluorid-Anteil, der die Bevölkerung über das Leitungswasser erreicht, höher ist als in anderen Regionen, wie beispielsweise Deutschland: Hier gibt es spezielle Produkte wie beispielsweise fluoridiertes Salz, um das vonWissenschaftlern als nicht ausreichend bezeichnete natürliche Vorkommen auszugleichen. Unnötigerweise zu Irritationen, so die Wissenschaftler der Informationsstelle für Kariesprophylaxe(IfK),führten daherStudien aus Kanada und den USA: Hier wurdenZusammenhänge von systemischer Fluoridaufnahme (durch Trinkwasser)bei Schwangeren und dem Intelligenzlevel der geborenen Kinder untersucht, beiJungen erkannten die Forscher einen leichten Abfall. Nicht nur seien die Studien ungenau aufgrund fehlerhafter Verfahren, so das IfK, sondern auch vom Ansatz her auf Deutschland nicht übertragbar: Sogar dann, wenn fluoridiertes Salz zusätzlich genutzt werde, entspreche die Fluorid-Aufnahme hierzulande nicht einmal dem Anteil, der in Kanada natürlicherweise vorkommt, und schon gar nicht den um ein Mehrfaches erhöhten Dosen im Rahmen der Studie. Nach wie vor gelte daher für Deutschland, dass fluoridiertes Salz einen guten Ausgleich zum hier bestehenden natürlichen Fluoridmangel biete

Viren: Chancen bislang unterbeachtet

Ein Herz für Viren hat Prof. Dr. Karin Mölling, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik –jedenfalls aus wissenschaftlicher Sicht. Sie erforscht das Potential, das in Viren steckt und zu einerVerbesserung der Gesunderhaltung, aber auch der Krankheitenbehandlung führen könnte. Viren, berichtete sie beim zurückliegenden Deutschen Zahnärztetag, seien ebenso Teil des winzigen menschlichen Erbgutes wie auch Mitbewohner in den weltumspannenden Ozeanen, sie seien überall –und manche Viren bekämpften auch solche, die dem Menschen schaden würden. Es sei an der Zeit, Viren neu zu betrachten. Das genau ist ihr Forschungsthema. Dabei hat sie nicht zuletzt die Frage im Blick, welche Möglichkeiten wir für die Bekämpfung krankmachender Bakterienhaben, wenn die bislang erfolgreichen Antibiotika nicht mehr ausreichend wirken. Hier kommt eine spezielle Virengruppe in den Fokus: die sogenannten Bakteriophagen. Das ist kein neuer Gedankenansatz: Schon vor hundert Jahren gab es dazu erste Überlegungen. Nun wird genau hier weitergeforscht, da Bakteriophagen offenbar erhebliches Potential haben. Von dieser Entwicklung wird dann, wenn sie als erfolgreich „freigegeben" ist für die Patientenbehandlung, auch die Zahnmedizin profitieren, zu deren Aufgaben eine Vielfalt an Entzündungen rund um Kiefer, Knochen und Zahnbett gehört

Zahnfleischentzündung: Zahnseide als „Diagnose-Instrument“

Wenn der Verdacht auf eine Gingivits (Zahnfleichentzünduung) besteht, wird in den Zahnarztpraxen üblicherweise mit einer speziellen Sonde getestet, ob so eine Gewebe-Infektion vorliegt und wie schwer das Zahnfleisch geschädigt ist. Das könnte sich in Zukunft ändern: Wie eine vor wenigen Wochen veröffentliche klinische Studie brasilianischer Wissenschaftler zeigt, ist die handelsübliche Zahnseide ein noch besserer Marker. Das „Fädeln" erbrachte noch zuverlässigere Hinweise auf eine Entzündung als die zum Vergleich eingesetzten klassischen Sonden. Der besondere Vorteil: Auch noch sehr frühe Stadien einer Gingivits konnte nach Zahnseiden-Test erkannt werden. Das verbessert die Chance auf eine rasche Intervention: Wird früh genug gegen die Zahnfleischentzündung und ihre Ursachen vorgegangen, kann ein Fortschreiten und ein sich Ausbreiten deutlich leichter erreicht werden.

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