Patienten-News

Bakterium in der Mundflora spielt bei rheumatoider Arthritis eine Rolle

Schon seit vielen Jahren wissen Ärzte, dass Patienten, die an chronischen Gelenkentzündungen (rheumatoider Arthritis) leiden, häufig auch an einer Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) erkrankt sind. Bei beiden Krankheiten spielen Entzündungsprozesse eine entscheidende Rolle und Forscher suchen schon länger nach Bakterien in der Mundhöhle, die ebenfalls bei beiden Krankheiten bedeutsam sein könnten.

Nun haben US-Wissenschaftler ein Bakterium entdeckt, das wahrscheinlich jene Prozesse anschiebt, die zur Bildung von spezifischen Abwehrstoffen des Immunsystems führen: das sind sogenannte Autoantikörpern, die körpereigenes Gewebe angreifen und so die Gelenkentzündungen verursachen. Das Bakterium trägt einen zungenbrechenden Namen: Aggregatibacter actinomycetemcomitans. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine genetische Veranlagung sowie eine Infektion mit diesem Bakterium die Entstehung einer rheumatoiden Arthritis anschieben kann. Ihr Rat lautet daher: wer seine Zähne gründlich putzt, sorgt nicht nur für eine gesunde Mundhöhle, sondern beugt auch anderen Erkrankungen vor.

Karieslöcher schließen ohne Bohren

Wenn Kariesbakterien zwischen Zähnen den Zahnschmelz geschädigt und eine „Zahnhöhle" – in der Fachspfrache Kavität genannt – erzeugt haben, geht bei der klassischen Behandlung mitunter auch gesunde Zahnsubstanz verloren, die beim Bohren zwischen den Zähnen beschädigt wird.

Wissenschaftler von der Universität in Alabama erproben derzeit ein neues Verfahren, was Karieslöcher zwischen den Zähnen verschließen kann – ohne Bohren und ohne Schmerzspritze.

Bei dieser sogenannten Harzinfiltration wird das Loch im Zahnschmelz zuerst gereinigt. Danach das flüssige Harz in die Zahnzwischenräume eingebracht und mit UV-Licht gehärtet.

Allerdings funktioniert die Behandlung nur zwischen den Zähnen oder auf glatten Flächen mit kleinen Karieslöchern. Das Gel ist von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde bereits zugelassen, wird aber noch in Studien erprobt.

Frauen nach den Wechseljahren: Beziehung zwischen Parodontitis und Krebs

Frauen nach den Wechseljahren, die unter Zahnbettentzündungen (Parodontitis) leiden erkranken dreimal häufiger an Speiseröhrenkrebs als Frauen mit gesundem Zahnfleisch. Dies belegt eine Studie US-amerikanischer Forscher. Ebenso entdeckten die Wissenschaftler auch eine Verbindung zwischen Parodontitis und Krebserkrankungen von Brust, Lunge, Gallenblase und schwarzem Hautkrebs.

Die Studie ist nicht die erste, die bei Menschen mit einer schlechten Mundhygiene ein erhöhtes Krebsrisiko nachweist. Die Ursache dieser Verbindung können epidemiologische Studie allerdings nicht erklären.

Die Forscher vermuten jedoch, dass die Entstehung von Speiseröhrenkrebs durch Substanzen gefördert werden könnten, die aus den entzündeten

Zahnfleischtaschen in die Speiseröhre gelangen.

Rauchen und Antidepressiva: Risikofaktoren für frühen Implantatverlust

Schwedische Wissenschaftler haben in einer Studie untersucht, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, wenn Implantate noch vor dem Ende einer Therapie und der endgültigen Versorgung mit Zahnersatz verloren gehen können. Ausgewertet wurden im Rahmen der Studie die Therapieergebnisse von 2670 Patienten, die zusammen mehr als 10000 Implantate erhalten hatten. Von diesen gingen sechs Prozent verloren, etwas mehr als ein Prozent der Implantate gingen in der Frühphase, noch vor dem Ende der Behandlung verloren. Nur zwei Faktoren erwiesen sich bei der Untersuchung als statisch signifikante Risikofaktoren für diesen frühen Verlust: Rauchen und die Einnahme von Antidepressiva. Eine Nebenwirkung der Mittel gegen Depressionen ist chronische Mundtrockenheit, die das Einheilen von Implantaten erschweren kann. Patienten, die Antidepressiva bzw. selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer einnehmen, sollten daher ihren Zahnarzt oder Implantologen unbedingt über die Einnahme informieren und ihm den Namen der entsprechenden Medikamente mitteilen.

 

Zahnzwischenräume bürsten reduziert Zahnfleischbluten

Französische Wissenschaftler haben gezeigt, dass der zusätzliche Einsatz von Zahnzwischenraumbürstchen, sogenannten Interdentalbürstchen, bei Patienten mit Zahnbettentzündungen (Parodontitis) binnen relativ kurzer Zeit Zahnfleischbluten vermindert.

Die Forscher hatten zwei Patientengruppen gebildet: In der Kontrollgruppe putzen die Teilnehmer ihre Zähne zweimal täglich mit einer herkömmlichen Zahnbürste, in der Testgruppe kam zusätzlich einmal täglich die Interdentalzahnbürste zum Einsatz. Die Probanden wurden im Abstand von mehreren Wochen untersucht und der Anteil blutender Stellen im Mund erfasst.

Zu Beginn registrierten die Forscher bei beide Gruppen vergleichbare Werte: Jeweils 35 Prozent der Patienten litten unter Zahnfleischbluten.

In der Kontrollgruppe änderte sich daran nichts. In der Testgruppe sank hingegen der Anteil von Patienten mit Zahnfleischbluten von 35 Prozent über 15 Prozent nach einer Woche auf 11 Prozent nach einem Monat.

Kinder mit Heuschnupfen haben häufiger Karies

Kinder, die an Heuschnupfen leiden, haben auch ein höheres Kariesrisiko. Dies haben chinesische Wissenschaftler aus Taiwan bei einer Untersuchung mit mehr als 9000 Kindern herausgefunden. Kinder mit Heuschnupfen mussten häufiger wegen Karies behandelt werden. Nicht erhöht war demgegenüber die Karieshäufigkeit bei Kindern mit allergischem Asthma. Ursache des erhöhten Kariesrisikos könnten die Therapie der „Heuschnupfler" mit Medikamenten sein, die Antihistaminika und Kortikoide enthalten. Frühere Untersuchungen haben hereits darauf hingedeutet, dass diese Medikamente die Entstehung von Karies fördern.

Gerichtsurteil: Neuer Zahnersatz nach vier Jahren möglich

Private Krankenversicherungen versuchen häufig, berechtigte Ansprüche von Patienten durch einen Papierkrieg nicht erfüllen zu müssen. In dieser Situation befand sich auch eine Patientin, deren implantatgetragene Prothese nach vier Jahren Tragezeit aufgrund umfangreicher Schäden nicht mehr repariert werden konnte. Obwohl die defekte Prothese – aufgrund der lange sich hinziehenden Auseinandersetzung nicht mehr vorlag – urteilte das Landgericht Koblenz, dass die medizinische Notwendigkeit einer Erneuerung von implantatgetragenem Zahnersatz entsprechend den Aussagen eines Gutachters und des behandelnden Zahnarztes möglich ist.

Ältere Patienten profitieren von Zahnimplantaten

Die Zahl der Patientinnen und Patienten steigt, die sich für implantatgetragenen Zahnersatz interessieren. Die Untersuchung einer Wissenschaftlergruppe von der Universitätsmedizin Göttingen zeigt, dass Implantate auch im hohen Alter eine gute Alternative zu konventionellem Zahnersatz sein können. Die Forscher verglichen die Ergebnisse einer Implantat-Behandlung bei jungen Patienten unter 35 Jahren mit denen bei älteren Patienten über 70 Jahren. Bei den Verlustraten konnten die Experten keinen bedeutenden Unterschied fdeststellen. Auch andere Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, an dem die älteren Patienten häufig litten, hatte keine negativen Auswirkungen.

Das Klima formt die Nase

Groß, klein, breit oder schmal, lang oder kurz: Menschen erben die Form ihrer Nase von ihren Eltern. Doch letztendlich wurde die Nase von Menschen und ihrer Vorfahren durch einen langsamen Prozess der Anpassung an lokale Klimaverhältnisse geformt. Wie US-amerikanische Wissenschaftler in einer Fachzeitschrift berichten, konnten sie eine Beziehung zwischen bestimmten Merkmalen der Nase und lokalen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit herstellen. So besteht eine Beziehung der Größe der Nasenlöcher mit Temperatur und absoluter Luftfeuchtigkeit: Weitere Nasenlöcher sind typisch für feucht-heiße Klimazonen, engere mit trockener und kühlerer Luft.

Karies trotz guter Mundhygiene

Warum diagnostizieren Zahnärzte bei manchen Menschen Karies trotz einer guten Mundhygiene und bei anderen gesunde Zähne, obwohl die Besitzer es mit dem Putzen nicht so genau nehmen? Auf diese Frage hat ein Forscherteam von der Universität in Zürich nun eine erste Antwort. Bei Mäusen konnten die Wissenschaftler ein Bündel von Erbanlagen (Genen) identifizieren, das zur Bildung eines leicht zu schädigenden und schwachen Zahnschmelzes führt, wenn diese Gene verändert (mutiert) sind. Drei mutierte Gene sind vor allem dafür verantwortlich, dass der Zahnschmelz des betroffenen Patienten weniger widerstandsfähig ist und daher von Kariesbakterien leichter geschädigt werden kann. Die Wissenschaftler hoffen, dass sich aus ihrer Erkenntnis vorbeugende Maßnahmen gegen Karies ableiten lassen, welche den Zahnschmelz vor den Attacken der Mikroben schützen.

Kind beim Zahnarzt: Die Auswahl einer Belohnung erhöht die Kooperationsbereitschaft

Die zahnärztliche Behandlung von Kindern ist für Praxisteam oft eine große Herausforderung. Die kleinen Patienten wollen sich nicht behandeln lassen, weinen oder haben Angst. Darum bekommen Kinder von britischen Zahnärzten oft einen kleinen Orden aus Papier, einen Sticker, für gutes Mitmachen. Nun haben Wissenschaftler überprüft, ob der Effekt der Belohnung gesteigert werden kann, wenn die Kinder aus einer Sammlung von kleinen Geschenken sich eines aussuchen dürfen. Wenig überraschend war das Ergebnis: Kleine Patienten, die sich ihre Belohnung selbst aussuchen durften waren deutlich kooperativer als jene, die diese Wahl nicht hatten, sondern nur den Sticker erhielten.

Impfstoff gegen Karies in Sicht

Chinesische Wissenschaftler haben einen Impfstoff gegen Karies entwickelt, der sich bei ersten Tests mit Mäusen als wirksam erwiesen hat. Wie die Forscher in einer Fachzeitschrift schreiben, wurde der Impfstoff den Nagern als Nasenspray verabreicht. Bei kariesfreien Tieren konnte die Vakzine bei 64 Prozent eine Infektion mit Kariesbakterien verhindern. Dieser Wirsamkeitgrad liegt allerdings deutlich unter jenem anderer Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten.

Auch Mäuse mit Karies profitierten von der Impfung: Die hälfte wurde dadurch die Karieskeime los.

Allerdings wird der Impfstoff eine gute Mundhygiene nie ersetzen können. Allerdings könnten Patienten davon profitieren, die zu einer gründlichen Mundhygiene nicht mehr in der Lage sind.

Genetische Risikofaktoren für Zahnbett-Entzündung identifiziert

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Wissenschaftlern der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat im menschlichen Erbgut Varianten bestimmter Abschnitte identifiziert, die mit einem erhöhten Risiko für Parodontitis verbunden sind. Die individuelle Anfälligkeit für die verschiedenen Formen von Zahnbettentzündungen wird beeinflussst von der Mundflora, dem Immunsystem und von bestimmten Erkrankungen wie der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Auch das Rauchen und die Ernährung spielt eine Rolle. Wie der Körper auf diese Faktoren reagiert, wird von dem individuellen genetischen „Make-Up" reguliert. Die Suche nach genetischen Markern im Erbgut von Gesunden und Patienten mit Parodontitis förderte zwei Abschnitte im Erbgut zutage, die mit einem erhöhten Risiko für diese Erkrankung verbunden sind – unabhängig von anderen Risikofaktoren. Diese Genabschnitte beeinflussen die Reaktionen des Immunsystems auf Mikroorganismen.

Überraschende Befunde über den Speiseplan der Neandertaler

Wie sich die Neandertaler vor mehr als 40.000 Jahren ernährten, können Wissenschaftler heute mit modernen Verfahren untersuchen. Die Analyse von Erbsubstanz in Zahnbelägen gibt darüber beispielsweise Aufschluss. Ein internationales Forscherkonsortium hat die Zahnbeläge von vier Neandertaler-Skeletten untersucht. Zwei waren in Belgien und zwei in Spanien gefunden worden.

In Belgien aßen die Neandertaler unter anderem Wollnashörner und wilde Schafe, als Beilage gab es Pilze gegeben, berichten die Forscher in einer Fachzeitschrift. Die Neandertaler aus Spanien scheinen hingegen eher Vegetarier gewesen zu sein: Auf ihrem Speiseplan standen Pinienkerne, Moos, Pilze und Baumrinde.

Hoher Zuckerkonsum verursacht hohe Behandlungskosten

In westlichen Industrienationen verursacht der hohe Zuckerkonsum erhebliche Kosten für zahnärztliche Behandlungen. Das berichtet ein Forscherteam vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Universität Halle-Wittenberg in einer Fachzeitschrift.

In Deutschland konsumieren die Bürger täglich im Durchschnitt zwischen 90 und 110 Gramm Zucker pro Kopf. Zahnärztliche Behandlungskosten von 210 Euro pro Person sind die Folge. Würde die Zielvorgabe der Weltgesundheitsorganisation von 50 Gramm Zucker pro Person und Tag eingehalten, ließen sich, so die Forscher, in Deutschland 150 Euro Behandlungskosten pro Person einsparen. Hochgerechnet auf Bundesebene entspräche dies einem jährlichen Einsparungspotential von rund zwölf Milliarden Euro.

Nächtliche Atemstörungen erhöhen Parodontitis-Risiko

Wenn im Schlaf die Atmung aussetzt – Ärzte sprechen von Schlaf-Apnoe – führen solche Atemstillstände nicht nur zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche und langfristig zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern erhöhen auch das Risiko von Zahnbettentzündungen (Parodontitis). In einer Studie untersuchten Wissenschaftler die Mundgesundheit von Patienten mit und ohne Schlaf-Apnoe. Resultat: Patienten mit nächtlichen Atemstörungen litten häufiger an Parodontitis. Außerdem waren bei ihnen bestimmte Botenstoffe erhöht, die bei Zahnbettentzündungen eine Rolle spielen. Wahrscheinlich verursachen die Atemstörungen Mundtrockenheit, die wiederum die Besiedlung des Mundes mit Bakterien fördert, die bei der Parodontitis eine Rolle spielen.

Kindermundgesundheit: immer besser – aber....

Bei einem Kongress für Kinderärzte und Kieferorthopäden im April in Frankfurt stellte Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten-Herdecke aktuelle Daten zur Mundgesundheit der Kinder vor. Grundlage war die kürzlich veröffentliche V. Deutsche Mundgesundheitsstudie. Sehr eindrucksvoll sei der Vergleich der Daten von heute mit denen von vor rund einhundert Jahren: Im Jahr 1904 hätten noch 97 % der Kinder an Karies gelitten. Heute hätten die meisten Kinder kariesfreie Zähne. Dass der Durchschnitt der Kariesanzahl bei Kindern dennoch nicht bei Null liege, hänge mit der weniger guten Mundgesundheitssituation bei Kindern aus sozial schwachen familiären Rahmenbedingungen zusammen. Kinder aus solchen Familien hätten aber nicht nur mehr kariös zerstörte Zähne, sondern auch deutlichen Behandlungsbedarf. Laut einer früheren Studie sei jedes zweite Kind, das hätte behandelt werden müssen, gar nicht zur Behandlung erschienen. Die Konsequenz seien bereits in jungen Jahren zerstörte oder gar verloren gegangene Milchzähne mit allen problematischen Folgen für das bleibende Gebiss. Auch bleibende Zähne bei Kindern und Jugendlichen seien oft schon deutlich geschädigt. In der Regel helfe es solchen Kindern und ihren Eltern nicht, sie zu Maßnahmen aufzufordern, da sie diesen selten folgten – sinnvoller sei dagegen beispielsweise die Anwendung von fluoridiertem Salz in der Küche der Familie, was wenigstens ein wenig zur Verbesserung des Zahnschmelzschutzes beitrage.

Nickel: im Mundraum eventuell hilfreich

Eine spannende Studie an der Universität Bonn hatte vor einigen Monaten zu Erstaunen nicht nur in der Fachwelt geführt: Demnach weisen entsprechend veranlagte Menschen zwar allergische Reaktionen auf nickelhaltige kieferorthopädische Apparaturen auf – diese seien für den Körper aber eher eine „Immunisierung" als eine Belastung. Der Mundraum reagiere, so PD Dr. Lina Gölz von der Universität Bonn bei einem Fachkongress, anders auf den Kontakt mit dem Metall als die Haut des Menschen. Die sehr minimale Abgabe von Nickelstoffen im Mund habe dazu geführt, dass Nickel-Allergiker bei einem späteren Kontakt mit Nickel (Jeansknopf, Modeschmuck, Piercings...) deutlich weniger allergische Reaktionen zeigten als Menschen ohne die „Immunisierung" durch die zuvor getragene Zahnspange. Die Apparatur habe gewisserweise einen Effekt wie eine „Impfung" gegen Nickelallergie. Bei einer Pressekonferenz einige Wochen später antwortete DGI-Präsident Prof. Dr. Frank Schwarz auf die Frage, ob es auch bei Titan-Implantaten einen ähnlichen Effekt einer Art „Immunisierung" gebe, dies sei in der Tat in etwa vergleichbar.

Milchzahn-Schmelzschäden: Ursachen noch immer unbekannt

Die vielfach in den Medien dargestellte MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation) ist ein großes Thema in der Kinderzahnheilkunde: Die Ursachen, warum Kinder solchen wie aufgelöst erscheinenden Zahnschmelz an Milchzähnen im Kaubereich (Molaren) oder in der Front (Inzisive) zeigen, sind nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Dr. Christian Kirschneck vom Universitätsklinikum Regensburg berichtete seinen Kolleginnen und Kollegen bei einem Fachkongress in Frankfurt vor einigen Wochen über den aktuellen Wissenstand nicht nur zu den Ursachen, sondern auch zu den Möglichkeiten, den Kindern mit solchen Schäden durch eine Behandlung zu helfen. Dem Medien würde man zwar entnehmen, dass es sich um eine neue Erkrankung handle – dem sei aber keineswegs so. Diese besondere Form von Schmelzschäden sei nur früher nicht als eigenständige Erkrankung gesehen und bezeichnet worden. Die MIH sei in drei Schweregrade eingeteilt: Bei manchen Kindern werde Kauen und Leben von den Schäden kaum beeinträchtigt, andere müssten in engen Abständen in der Praxis kontrolliert und mit hochintensiver Fluoridapplikation behandelt werden, um die weitere Zerstörung des Zahnes aufzuhalten. Bei manchen anderen Kindern sei der betreffende Zahn so stark angegriffen, dass eine Entfernung des restlichen Zahnes Sinn macht: Da die Zahnlücke für das gesunde Nachwachsen des bleibenden Zahnes benötigt wird, muss sie kindgerecht versorgt werden, beispielsweise mit einer „Kinder-Krone". Es kann aber auch Sinn machen, und dieser Weg sei oft nachhaltiger, so der Referent, die Lücke mit einer kieferorthopädischen Behandlung zu schließen. In beiden Fällen ist ein auf die Zukunft und das Wachstum des Kindes ausgelegtes Gesamt-Behandlungs-Konzept notwendig, dass sowohl kinderzahnärztliche als auch kieferorthopädische Expertise benötige.

Je früher die MIH-Entwicklung erkannt werde, umso größer sei die Chance, ein gesundes Gebiss zu erhalten.

Zurückweichendes Zahnfleisch: eine interdisziplinäre Aufgabe

Es gibt viele Gründe, warum das Zahnfleisch im Laufe der Lebensjahre zurückweicht und, was diese Entwicklung so problematisch macht, den schmerzempfindlichen Zahnhals freilegt. Beispielsweise kann dies Folge von falschem und zu kraftvollem Putzverhalten sein. Oder der Patient presst seine Zähne beispielsweise beim Schlafen zu kraftvoll aufeinander, dann weicht das Zahnfleisch vor diesem Stress zurück. Es gibt viele weitere Ursachen, die der Zahnarzt bei der Untersuchung des Zahnzustandes erkennen wird, er ist also auch die beste Quelle, um nach den persönlichen Gründen für die freiliegenden Zahnhälse zu fragen. Wenn es aber darum geht, diese zu behandeln, kann zusätzliche Expertise notwendig sein. Hier sind parodontologisch erfahrene Zahnärzte ebenso gefragt wie Fachzahnärzte für Kieferorthopädie oder auch solche mit besonderer Kenntnis rund um die Chirurgie im Mundraum, sagte Professor Dr. Philipp Mayer-Marcotty von der Universität Göttingen kürzlich bei einem Kongress zur Erwachsenenbehandlung. Manchmal mache es Sinn, schief stehende Zähne erst einmal kieferorthopädisch aufzurichten, um sie wieder gerade ins Zahnbett zu stellen. Da das verloren gegangene Zahnfleisch in der Regel nicht oder nicht komplett wieder zurückkommt, kommen kleinere chirurgische Eingriffe in Betracht, die Gewebe aus anderen Mundbereichen an die Stelle des verloren gegangenen Zahnhals-Schutzes einsetzen. Es sei gut, dass die moderne Zahnmedizin über eine Vielzahl an Verfahren verfüge, aber auch eine Vielzahl an Experten, die sich jeweils besonders mit der einen oder anderen Vorgehensweise auskennen.

Auch in der Zahnmedizin: Der kleine Unterschied

Der Blick auf die Patienten und ihre individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse spielt auch in der Zahnmedizin eine steigende Rolle. Nicht nur das Alter der Patienten und ihre Vorerkrankung, auch das Geschlecht wird immer öfter beachtet, wenn es um Prävention und Therapie geht. Bei einem großen zahnärztlichen Fachkongress in Ludwigsburg in diesem Sommer wurde deutlich, dass Männer und Frauen, aber auch multimorbide alte Patienten nicht zuletzt hinsichtlich der Vorbeugung von Zahn- und Munderkrankungen unterschiedliche Bedarfe haben: Die Prophylaxe müsse heute individueller und ganzheitlicher auf den jeweiligen Patienten ausgerichtet werden, sagte Prof. Dr. Johannes Einwag/Stuttgart. In der Zahnmedizin bestehe noch Entwicklungsbedarf, was die entsprechenden Erkenntnisse für die individualisierte Versorgung der Patienten erfordern. Zudem gebe es Schulungsbedarf für die Zahnärzte und das Praxisteam, um den bereits bekannten individuellen Voraussetzungen der Patienten noch mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Hier sei auch die Wissenschaft gefordert, die bestehenden Erkenntnisse mit Fakten und Empfehlungen zu untermauern.

Unsichtbare Kieferorthopädie für Erwachsene: medizinische Vorteile

Auch im Vorfeld einer Implantatversorgung kann eine kieferorthopädische Behandlung sinnvoll sein: Unter anderem ist es möglich, die notwendige Zahnlücke so zu erweitern, dass ein Implantat den notwendigen Platz findet, um in ausreichend Knochen gut einzuheilen. Die Kieferorthopädie arbeitet mit der Biologie: Durch gezielte Krafteinwirkung werden die Knochenzellen im Kiefer an der einen Stelle abgebaut und an anderer Stelle neu aufgebaut – so kann sich eine Zahnlücke dem Bedarf anpassen. Mit sichtbaren festsitzenden Apparaturen wie Brackets muss heute aber kein Erwachsener mehr in den Spiegel schauen, es gibt längst etablierte „unsichtbare" Verfahren wie beispielsweise Lingual-Brackets. Diese werden an den Zahninnenseiten angebracht und erwiesen sich in entsprechenden Tests zudem als weniger zahnschmelzbelastend als bei Klebung auf der Zahnfront. Bisher galt die Behandlung als medizinisch nicht notwendig und führte zu Problemen bei der Erstattung der Behandlungskosten. Das hat sich vor wenigen Wochen geändert: Laut Fachzeitschrift „kn-aktuell" hat die Behandlung mit Lingual-Brackets medizinische Vorteile, die gerichtlich bestätigt wurden; so bestehe berechtigte Hoffnung auf künftige Kostenübernahme durch die private Krankenversicherung.

Mehr Zahnverlust durch Parodontitis als Karies

Aktuelle Untersuchungen belegen, dass aufgrund verbesserter Mundhygiene und einer intensiven zahnärztlichen Prophylaxe dazu geführt hat, dass mit zunehmendem Alter mehr Zähne aufgrund von Zahnbettentzündungen (Parodontitis) als wegen Karies verloren gehen. Es bestehen darüber hinaus Beziehungen zwischen Parodontitis und dem Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Eine gründliche häusliche Mundhygiene – einschließlich der Reinigung der Zahnzwischenräume – spielt darum eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, eine Parodontitis zu verhüten. Auch die professionelle Zahnreinigung (PZR) kann – dem individuellen Risiko angepasst – einer Entzündung des Zahnhalteapparates vorbeugen. Wenn Patientinnen oder Patienten an einer Parodontitis leiden, is die PZR in Verbindung mit einer unterstützenden Parodontitis-Therapie für den Langzeiterfolg der Behandlung von entscheidender Wichtigkeit.

Pflichttermin: Einmal im Jahr zum Zahnarzt

Pflichttermin: Einmal im Jahr zum Zahnarzt

 

Erwachsene sollten mindestens einmal im Jahr – Kinder sogar zweimal – zur Vorsorgeuntersuchung zum Zahnarzt gehen. Dann können Karies oder beginnende Zahnbetterkrankungen rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Stellt die Zahnärztin oder der Zahnarzt ein erhöhtes Kariesrisiko fest, empfehlen Experten die Teilnahme an einem Prophylaxeprogramm, bei dem neben regelmäßigen Kontrolluntersuchungen auch eine professionelle Zahnreinigung entsprechend dem persönlichen Risiko eines Patienten festgelegt wird.

Professionelle Zahnreinigung auch bei Jugendlichen

Haben Jugendliche ein erhöhtes Karies-Risiko, beispielsweise während einer kieferorthopädischen Behandlung oder weil sie häufig süße Zwischenmahlzeiten und zuckerhaltige Limonaden konsumieren, profitieren sie von einer professionellen Zahnreinigung (PZR). Das betonen Experten für präventive (vorbeugende) Zahnheilkunde in einer Fachzeitschrift. Ob und wie oft eine Zahnreinigung in der Praxis des Zahnarztes sinnvoll ist, entscheidet der Zahnarzt gemäß der individuellen Situation.

Drei gegen Karies

Patienten können selbst sehr viel tun, um Karies zu verhindern. Das Rezept ist einfach und enthält nur drei „Zutaten": Zwei Mal täglich Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahncreme, ein möglichst geringer Zuckerkonsum und das Kauen zuckerfreier Kaugummis nach den Mahlzeiten für zehn bis 20 Minuten. Das Zähneputzen entfernt den Biofilm, das Flourid in der Zahncreme fördert die Remineralisierung der Zähne und der Kaugummi nach dem Essen fördert den Speichelfluss und damit die Entfernung von Nahrungsresten an den Zähnen. Zahnseide und Interdentalbürstchen können Zahnbelag und Nahrungsreste zwischen den Zähnen entfernen.

Wechseljahre: Kein Problem mit Zahnimplantaten

Die hormonellen Umstellungen in den Wechseljahren können nicht nur Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen verursachen, sondern haben auch Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel: Nach den Wechseljahren steigt das Risiko, an Knochenschwund (Osteoporose) zu erkranken. Eine Osteoporose kann auch Auswirkungen auf den Kieferknochen haben. „Gleichwohl ist eine Versorgung mit Zahnimplantaten auch bei Osteoporose-Patienten möglich", betonen Experten der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. Das belegen aktuelle Analysen brasilianischer Wissenschaftler. Wie diese in einer Fachzeitschrift berichten, ist das Risiko für einen Verlust der künstlichen Zahnwurzel bei Osteoporose-Patientinnen nicht höher als bei Frauen, die nicht unter Knochenschwund litten.

Rheumapatienten: regelmäßig zum Zahn-Checkup

„Patienten, die an einer rheumatoiden Arthritis leiden, sollten regelmäßig Zähne und Zahnfleisch untersuchen lassen", empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. Denn offenkundig gibt es eine enge Beziehung zwischen der chronischen Gelenkentzündung und Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis): Bei beiden Erkrankungen handelt es sich um chronisch entzündliche Erkrankungen. Patienten mit rheumatoider Arthritis leiden vermehrt an einer Parodontitis und umgekehrt. Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass sich eine erfolgreiche Therapie der Parodontitis auch auf die rheumatoide Arthritis positiv auswirkt. Darum profitieren Rheumatiker von einer engmaschigen Überwachung ihrer Mundgesundheit, um Zahnverlust zu vermeiden, lautet das Fazit der Wissenschaftler.

Vor dem Sommerurlaub zum Zahn-Check

Wer sich die schönsten Wochen des Jahres nicht mit Zahnschmerzen verderben will, sollte vor dem Urlaub einen Zahn-Check einplanen. Sollte eine Behandlung nötig sein, kann diese dann noch vor Reiseantritt abgeschlossen werden. Auf gar keinen Fall sollte man mit Zahnschmerzen in den Urlaub fahren. Dann gilt es unbedingt vorher den Zahnarzt zu konsultieren. Zwar lassen sich leichte Zahnschmerzen einige Tage mit Schmerzmitteln überbrücken, doch für einen längeren Urlaub ist dies keine Lösung – zumal nicht auszuschließen ist, dass sich die Beschwerden verschlimmern. Mitunter kann der Zahnarzt mit einer Therapie zumindest beginnen und diese nach dem Urlaub abschließen. Ebenso ist es wichtig, eine Implantation oder die operative Entfernung eines Weisheitszahnes mit den Urlaubsplänen zu synchronisieren. Zwischen Operation und Urlaubsbeginn sollte mindestens eine Woche liegen: Körperliche Anstrengungen gehören nach einem dentalen Eingriff nicht auf das Tagesprogramm.

Erstes Lebensjahr: Besser Obst essen als Fruchtsaft trinken

Fruchtsäfte enthalten mehr Zucker als Obst und fördern so Karies. Darum empfehlen US-amerikanische Kinderärzte, dass Eltern ihren Kindern im ersten Lebensjahr grundsätzlich keine Fruchtsäfte geben und dem Nachwuchs stattdessen frisches Obst anbieten sollten. Der süße Geschmack von Säften könne, so die Experten, darüber hinaus auch dazu führen, dass eine Vorliebe für Süßes geprägt wird und die Kinder dann später Süßgetränken den Vorzug geben. Der Durst sollte bei kleinen Kindern mit Milch und bei größeren mit Wasser gestillt werden, empfehlen die Kinderärzte.

Zahnfleischschwund durch Zähneputzen?

Bei Erwachsenen und älteren Menschen kann sich das Zahnfleisch zurück bilden, Fachleute sprechen von einer „Rezession" des Zahnfleischs. Dann liegt der Zahnhals frei, es wächst das Risiko für Überempfindlichkeitsreaktionen auf Hitze und Kälte und für Erkrankungen des Zahnhalteapparats. Da das Zahnfleisch auch bei Patienten mit guter Mundhygiene schrumpfen kann, haben Experten die möglichen Ursachen unter die Lupe genommen. Rauchen, Zahnfleischentzündungen und Plaque spielen eine Rolle. Doch wie steht es um die Zahnputztechnik? Das Zähneputzen alleine – ob mit Handzahnbürste oder elektrischer Zahnbürste – scheint die Zahnfleischveränderungen weder auslösen noch verschlimmern zu können, schreiben Experten in einer Fachzeitschrift. Nicht die Bürste selbst, sondern allenfalls die Art ihrer Anwendung kann das Zahnfleisch schädigen. Wichtig ist es daher, sanft und ohne starken Druck zu putzen.

Zahnarzt-Phobie: Betroffene haben schlechtere Zähne

Menschen mit ausgeprägter Furcht vor dem Zahnarztbesuch haben ein erhöhtes Risiko für Zahnverlust und Karies sowie eine schlechtere orale Lebensqualität. Dies belegt eine Studie britischer Zahnärztinnen und Zahnärzte. Die Wissenschaftler hatten Mundgesundheit und Befinden von Menschen mit und ohne Dental-Phobie untersucht und verglichen. Die Forscher vermuten, dass Patienten mit einer Dentalphobie regelmäßige Kontrolluntersuchungen vermeiden, bei denen Erkrankungen von Zähnen und Zahnfleisch frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Damit verknüpft ist auch der Befund, dass Phobie-Patienten sich eher für eine radikale Lösung entscheiden, etwa eine Zahnextraktion, als für eine längerfristige Therapie.

Die Mundgesundheit bei Senioren hat sich verbessert

Vor 20 Jahren war noch ein Viertel der Senioren völlig zahnlos. Heute muss nur noch jeder achte in der Altersgruppe zwischen 65 und 74 Jahren eine Vollprothese tragen. Die modernen Möglichkeiten der Zahnerhaltung und vor allem die konsequente Orientierung der Zahnmedizin auf die Gesunderhaltung von Zähnen und Zahnfleisch sind dafür entscheidend, betonen die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und die Bundeszahnärztekammer. Darum nehme Deutschland hier einen Spitzenplatz im internationalen Vergleich ein. Allerdings zeigt aktuelle Mundgesundheitsstudie auch, dass Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen noch nicht im gleichen Maße wie die breite Bevölkerung von der positiven Entwicklung profitieren: Das Wissen, dass regelmäßige Mundpflege und Kontrolluntersuchungen viel bewirken können, müsse weiterhin intensiv vermittelt werden, so die Experten.

Die Zahnzwischenräume pflegen

Die Pflege der Zahnzwischenräume – ob mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen – gehört zu einer modernen Mundpflege dazu. Unterbleibt sie, hat dies Folgen für die Mundgesundheit. So zeigt beispielsweise die aktuelle Mundgesundheitsstudie, dass jüngere Erwachsene, welche auf die Reinigung ihrer Zahnzwischenräume verzichten, doppelt so häufig kariöse Zahnflächen haben wie jene, die auf diese Reinigung verzichten. Auch das Zahnfleisch ist deutlich gesünder, wenn die Zahnzwischenräume gepflegt werden. 

Angst vor der Behandlung: neue Wege

Auch wenn die Angst vor der Zahnbehandlung offenbar in den letzten Jahren abgenommen hat, nicht zuletzt aufgrund besserer Behandlungsverfahren, aber auch wegen der oft lediglich der Kontrolle dienenden Zahnarztbesuche, gibt es doch auch heute noch Patienten, die selbst drängendste Zahnbehandlungen so weit wie möglich hinausschieben. Das Institut der Deutschen Zahnärzte vermutet, dass rund 12 % der Bevölkerung eine über die normale Angst hinausgehende Belastung verspüren. Manche von solchen Ängstlichen werden von schmerzhaften Erinnerungen geplagt, ihnen fehlt das Wissen, wie sehr sich die Möglichkeiten für eine schmerzarme oder ganz schmerzfreie Behandlung in den letzten Jahren verbessert haben. In manchen Fällen hilft auch eine Hypnose, die sogar im Rahmen einer Implantation für deutliche Linderung sorgen kann. In besonders schweren Fällen kann eine psychotherapeutische Begleitbehandlung sinnvoll sein, um die alten Erfahrungen zu verarbeiten. In sehr schwerwiegenden Fällen kann in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Anästhesisten auch eine Narkose gemacht werden, sie gibt es ebenfalls in verschiedenen Intensivgraden. Wie Konstantin von Laffert, Präsident der Zahnärztekammer Hamburg, vor einigen Wochen in einem Zeitungsinterview sagte, kann ein Attest auf Zahnarztphobie (beispielsweise über den Hausarzt) zur Übernahme der Kosten durch die gesetzliche Krankenkasse führen – garantiert sei das aber nicht. Patienten sollten sich im Vorfeld bei ihrer Krankenkasse entsprechend informieren.

Enge Verbindung: Zahn und Herz

Viele verschiedene Studien, nicht zuletzt der wissenschaftlichen kardiologischen Gesellschaften über Deutschland hinaus haben in der Vergangenheit bereits die enge Verbindung von Zahngesundheit und Herzgesundheit aufgezeigt. Wenn sich beispielsweise im Inneren des Zahnes eine Entzündung entwickelt und sich diese durch das umliegende harte Zahngewebe nicht ausbreiten kann, neigt der Körper dazu, eine Art „Abfluss" am Ende der Zahnwurzeln zu öffnen: Über die Blutbahnen, mit denen der Zahn mit dem gesamten Körper in Verbindung steht, werden die Schadstoffe abtransportiert. Studien haben gezeigt, dass die für die Entzündung im Mund relevanten Bakterien auch bei Herz-Entzündungen vorzufinden sind und empfehlen daher schon lange, Infektionen wie die Parodontitis schnellstmöglich in den Griff zu bekommen. Ein zügiges Eingreifen gilt auch bei Zahnwurzelentzündungen, darauf machte kürzlich ein Bericht im „Hamburger Abendblatt" aufmerksam. Spüre man einen Schmerz bei Zahnbelastung, solle möglichst rasch eine Wurzelentzündung ausgeschlossen werden. Einerseits wirke eine Betäubung im Falle einer notwendigen Behandlung bei leichter Entzündung besser als bei fortgeschrittener, andererseits lasse sich durch eine rechtzeitige Wurzelbehandlung einer Infektion des Herzens und anderer Organe über die Blutbahn am ehesten vorbeugen.

Implantatbehandlung: erfahrene Behandler

Was Krankenkassen bei Knie- und Hüftoperationen feststellen, trifft auch auf die Behandlung mit Zahnimplantaten zu: Wer ein bestimmtes operatives Verfahren häufig leistet, hat mehr Erfahrung als jemand, der sich seltener oder gerade erst mit dem operativen Vorgehen befasst. Das zeigt sich schon in der Auswahl der Patienten, die für die Behandlung infrage kommen. Die Vorgeschichte und die allgemeingesundheitliche Situation des Patienten mit Blick auf den geplanten Eingriff richtig einschätzen zu können ist eine Herausforderung, der erfahrene Ärzte und Zahnärzte eher gerecht werden können als Kolleginnen und Kollegen, die sich noch nicht so ausführlich damit befassen konnten. Wissenschaftliche Fachgesellschaften führen oft Listen von Mitgliedern, die sich einer (je nach Angebot) auch sehr ausführlichen Fortbildung unterzogen haben und sicherer im Umgang mit der individuellen Patientensituation und dem Behandlungsverfahren geworden sind. Im Fall einer anstehenden Zahnimplantat-Versorgung weist die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Implantologie/DGI auf ihr Zahnimplantate-Infoprtal (www.dginet.de) hin, das nicht nur vielfältige fachliche Informationen bereithält, sondern auch eine „Implantologensuche": Hier findet man Mitglieder der wissenschaftlichen Gesellschaft und auch Hinweise zu speziellen Qualifikationen.

Eingerissene Mundwinkel: Ursachen und Hilfe

Sie sind meist ein Altersproblem: Wenn mit den steigenden Lebensjahren die Lippen erschlaffen, kann der Speichel oft nicht mehr im Mund gehalten werden, kleine Mengen reizen die empfindliche Haut, und in der Folge trocknet sie im Mundwinkelbereich aus. Dass „Spucke" die Lippen nicht befeuchtet, sondern austrocknet und zu Rissen nicht nur im Mundwinkel führt, wissen zwar viele Menschen – sie halten sich aber trotzdem nicht daran und lecken fast automatisch ihre Lippen, wenn diese spannen oder bereits leicht eingerissen sind. Ist die dünne Haut schon verletzt, hilft gemäß einer Information des „Diabetes Ratgeber" eine zinkhaltige Heilsalbe aus der Apotheke, die über Nacht einwirken könne.  In seltenen Fällen könne auch eine Zahnpasta-Allergie für die Hautschäden verantwortlich sein, so das Journal vor wenigen Wochen, ebenso könne ein Mangel an speziellen Mineralstoffen vorliegen. Auch eine schlecht sitzende Prothese kann zu austrocknendem Speichelfluss führen – dies sei mit dem Zahnarzt zu besprechen, der Abhilfe schaffen könne. Auf die leichte Schulter nehmen sollte man eingerissene, eventuell gar entzündete Mundwinkel nicht: Auch eine Pilzinfektion könnte die Ursache sein. Dies sei bei einem Hautarzttermin abzuklären und mit entsprechenden Medikamenten zu behandeln, da unbehandelte Hautrisse hartnäckige Probleme verursachen könnten.

Erfolgreiche Implantate: bisherige Prothetik relevant

Wissenschaftler der Universität Jena haben sich mit der Frage befasst, welche Einflussfaktoren für eine langjährig erfolgreiche Implantat-Versorgung relevant sind. Dabei betrachteten sie sowohl die biologischen Verhältnisse in dem Bereich, der für das Implantat vorgesehen war, als auch die Restbezahnung der Patienten sowie deren bereits vorhandenen Zahnersatz. Dabei zeigte sich, dass insbesondere Art und Umfang des bisherigen Zahnersatzes relevante Aussagen zur Gesundheit der Implantatstelle machten. War schon an mehreren Stellen Zahnverlust aufgetreten und durch Zahnersatz korrigiert wurden, ließ dies Rückschlüsse auf ein bereits parodontal geschädigtes Gebiss und Mundgewebe zu. Manche Krone oder Brücke zeigte aufgrund von Passungenauigkeit Nischen mit krankmachenden Keimen oder führten zu einer Fehlbelastung des Zahnbettes mit der Folge von Gewebeschäden. Die Wissenschaftler rieten dazu, vor einer Implantatbehandlung die bestehende Zahnersatzversorgung genau zu überprüfen, Patienten sollten ihre Erfahrungen mit ihrem Zahnrsatz dem Zahnarzt berichten. Eine bestehende infektiöse Parodontitis sollte vor Implantation ebenso wie freiliegende Wurzelbereiche behandelt werden, um die Anzahl riskanter Keime im Mund zu reduzieren

Ästhetik: Mundhygiene und Falten

Auf einen bisher wenig beachteten Aspekt schlechter Mundhygiene wiesen kürzlich britische Wissenschaftler hin: Werde das Zahnbett nicht sauber und gesund erhalten, könne sich der Bereich entzünden, es entstehe eine Parodontitis. Im Zuge dieser Infektionserkrankung des Hart- und Weichgewebes rund um die Zahnwurzel leide auch der Kieferknochen: Er verliere an Knochendichte. Die Knochen aber sind die Stütze der Gesichtshaut: Verliert er an Volumen, verliert die Haut Stützkraft „von innen". Sie knittert und entwickelt sogenannte Krähenfältchen. Nicht nur sorgsame Mundhygiene und regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt beugen solcher Entwicklung vor, sondern auch eine Knirscherschiene kann bei entsprechenden Patienten hilfreich sein:  Insbesondere wer mit geschlossenem Mund knirscht, schmirgelt seine Kauflächen ab, die Zähne verlieren an Höhe und der Kiefer damit an dem natürlichen Abstand. Die Folge: Die Haut in der Lippenregion fällt ein und entwickelt feine Fältchen. Eine maßgeschneiderte Knirscherschiene beugt der Zahnabnutzung vor.

Zahnfüllungen: Was ist heute aktuell?

Die moderne materialkundliche Wissenschaft, aber auch die gestiegenen Erkenntnisse über die biologischen Hintergründe zur Entstehung von Karies haben zu einer großen Vielfalt an Füllungswerkstoffen und Behandlungsverfahren geführt. Der Greifswalder Experte für Zahnerhaltung, Prof. Dr. Georg Meyer, wies vor einigen Wochen jedoch zum wiederholten Male darauf hin, dass alle modernen Füllungsmaterialien keineswegs grundsätzlich besser seien als das Amalgam, das sich ungerechtfertigter Kritik gegenübersehe: Kein Füllungsmaterial sei ohne Restrisiko für den Menschen, hier stehe Amalgam mit neuen Entwicklung auf gleicher Stufe. Daher sei die Vorbeugung von Zahnschäden das wichtigste Vorhaben. Um den Patienten mehr Übersicht über die verschiedenen Füllungsmaterialien und deren Anwendungsbereiche zu geben, hat die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung/KZBV einen neuen Ratgeber entwickelt: Auf www.kzbv.de kann die Patienteninformationsbroschüre unter dem Titel „Zahnfüllungen" bestellt bzw. kostenlos heruntergeladen werden.

Aktuelle Daten: Weniger Füllungen und weniger Extraktionen

Die Anzahl der Zahnfüllungen (als Kassenleistung) geht in Deutschland zurück, auch die Anzahl der gezogenen Zähne hat deutlich abgenommen: Das zeigt eine aktuelle Statistik der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung/KZBV. Demnach wurden im Jahr 2015 rund 12,7 Millionen Zähne gezogen, 1992 waren es noch 16,9 Millionen. Seit 1991 hat sich die Gesamtzahl der Zahnfüllen fast halbiert. Allein innerhalb eines Jahres (von 2014 auf 2015) ging die Anzahl der Füllungen um über 2 % durchschnittlich je Mitglied (2015: 51,6 Millionen Füllungen) zurück, der Rückgang ist bei größeren Füllungen noch etwas stärker als bei kleineren. Die Entwicklung ist auf die auf Prävention ausgerichtete moderne Zahnheilkunde zurückzuführen, die die Gesunderhaltung von Zähnen und Zahnbett in den Mittelpunkt stellt und „Reparaturen" damit vorbeugen hilft. Auch das verbesserte Mundhygienebewusstsein der Bevölkerung habe großen Anteil an der gesunden Entwicklung, so die KZBV.

Zahnzusatzversicherung: fast 15 Millionen Verträge

Wie eine jüngst veröffentlichten Datenanalyse des Verbandes der Privaten Krankenversicherer zeigt, steigt die Anzahl der abgeschlossenen Zahnzusatzversicherungen (ZZV) nach wie vor an. Die Anzahl der Verträge stieg seit dem Jahr 2005 mit insgesamt rund 7,8 Millionen Verträgen auf fast 15 Millionen zum Ende des Jahrs 2015, wenige Monate später waren es bereits 15,3 Millionen. Allein im Jahr 2016 wurden rund 400.000 neue ZZV abgeschlossen. Damit, so die PKV, sicherten sich die Menschen ihren Anspruch auf eine Versorgung, die über das Leistungsspektrum der Gesetzlichen Krankenkassen hinausgehe, deren Angebot sei zudem deutlich reduziert worden. Überwiegend sicherten die Versicherungsnehmer Leistungen im Bereich Zahnersatz ab, aber auch Zahnerhaltungsmaßnahmen wie Füllungen oder auch kieferorthopädische Verfahren seien Vertragsbestandteil. Nicht nur in der Anzahl, auch in der Vertragsform ist die Vielfalt groß. Dies erschwert die Übersicht über die abgesicherten Behandlungen. Praxen und Patienten haben nicht selten Probleme mit dem „Kleingedruckten", das Erstattungen bestimmter Behandlungsverfahren ausklammert. Eine genaue Prüfung der versicherten Leistung vor Behandlungsbeginn ist daher sinnvoll.

PZR: Zwei von drei Patienten 1 x jährlich

Wie ein vor wenigen Wochen veröffentlichtes Ergebnis einer Umfrage des Arztbewertungsportals jameda zeigt, verbreitet sich die Nachfrage nach einer PZR, also einer professionellen Zahnreinigung, immer mehr in der Bevölkerung. Heute seien es schon zwei von drei Patienten (gesetzlich und privat Versicherte addiert), so die Portalbetreiber, die mindestens einmal jährlich die Zahnarztpraxis für diese mundgesundheitsfördernde Leistung aufsuchen. Jeder fünfte nutzt das Angebot nur nach Bedarf, und 16 % der Befragten haben bisher noch nie eine PZR in Anspruch genommen. Für die jungen Patienten (20 – 29 Jahre) stellten die Kosten einen Hinderungsgrund dar, zudem würden nur wenige Krankenkassen ihren gesetzlich versicherten Patienten diese Präventionsmaßnahme erstatten.  Der Umfrage zufolge seien die jüngeren Patienten zudem kritischer, was die Effekte der Behandlung betreffe. Bei den jüngeren Patienten (20- 39 Jahre) sei nur rund jeder Zweite, der die PZR in Anspruch nehme, vom Nutzen überzeugt – im Gegensatz zu den über 60Jährigen, von denen zwei Drittel von positiven Effekten ausgehen.

Großer Erfolg: Senioren mit mehr eigenen Zähnen

Wie erfolgreich die präventionsorientierte Zahnheilkunde ist, lässt sich an der Anzahl der gesunden Zähne in Patientenaltersklassen ablesen. Ein sehr eindrucksvolles Beispiel dafür stellte kürzlich die Bundeszahnärztekammer vor: Männer und Frauen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren haben heute doppelt so oft natürliche eigene Zähne wie noch vor 20 Jahren. Waren damals 25 % in diesem Alter bereits zahnlos, sind es heute nur noch rund 12 %. Das Vorhandensein natürlicher Zähne reduziert nicht nur den Bedarf an Zahnersatz, sondern verbessert auch dessen Verankerung, wenn „die Dritten" nicht zu umgehen sind. Zwar können Implantate heute verloren gegangene Zahnwurzeln und damit Stützen für den Zahnersatz gut ersetzen, eigene Zähne vergrößern aber die Auswahl an Möglichkeiten für die individuell richtige prothetische Lösung. Je mehr eigene Zähne vorhanden sind, umso größer die Vielfalt für Zahnersatz ganz nach Bedarf. Auch ältere Patienten profitieren insofern von professioneller Zahnreinigung, die auch die Prothesenpflege mitberücksichtigt. Die Erhaltung der eigenen Zähne ist in jedem Alter das richtige Ziel.

Karies: angeboren oder erworben?

Eine spannende Geschwisterstudie widmete sich kürzlich der Frage, was Ursache für die Entwicklung kindlicher Karies ist – die Gene oder die Umstände? Dabei zeigte sich, dass die Geschwister in einer Familie, deren Eltern wert legten auf regelmäßige Mundhygiene, gesündere Zähne hatten als die Geschwister in einer Familie mit eher nachlässigerer Einstellung zur Mundpflege. Besonders relevant war der Bildungsgrad der Mutter: Kinder von Müttern mit Mindestschulbildung hatten doppelt so viel Karies wie die Kinder vergleichbaren Alters von Müttern mit hoher Bildungsstufe (Hochschule, Universität). Leicht höher war die Kariesrate bei Kindern alleinerziehender Mütter gegenüber denen, deren Mütter verheiratet waren oder in einer festen Beziehung lebten. Nicht geklärt werden konnten die direkten Einflussfaktoren. Mögliche Gründe könnten die bei höherer Bildung bessere Kommunikation sein sowie ein stringenteres Einhalten von Organisation und Kontrolle. Zugewandtes Verhalten wurde als förderlich für die Mundgesundheit erachtet und dient der gesunden Entwicklung aller Geschwisterkinder ebenso wie eine weniger zugewandte Erziehung allen Geschwisterkindern gleichermaßen nicht gut tut. Die Rolle der Gene spielte vergleichsweise eine erheblich untergeordnete Rolle.

Patientendatenmissbrauch: Preisvergleich beim Zahnarzt

Im Internet kursieren verschiedene Anbieter, die sich mit Preisvergleichen in die Behandlungs- und Vertragsebene zwischen Zahnarzt und Patient drängen. Dabei nehmen es manche offensichtlich nicht so genau mit dem Schutz der Patientendaten. Vor wenigen Wochen informierte die Landeszahnärztekammer Nordrhein, dass das Landgericht Düsseldorf es als nicht rechtens erachtet habe, dass ohne Rücksprache und Erlaubnis der betroffenen Patienten deren Daten ungefragt an Zahnärzte gesendet wurden mit dem Auftrag, ein „Gegenangebot" zum bestehenden Heil- und Kostenplan zu erstellen. Zwar haben die Patienten eingewilligt, dass mit dem Einstellen ihres Heil- und Kostenplanes bei diesem Portal registrierte Zahnärzte ein alternatives Angebot erstellen dürfen – allerdings hat der Portalbetreiber nicht nur „registrierte" und diesen die Patientendaten zugänglich gemacht. Aus Wettbewerbsgründen und wegen Versendens unzulässiger eMails gab das Landgericht der Zahnärztekammer Recht, die eine Unterlassung dieses unlauteren Vorgehens gefordert hatte. Das Urteil ist rechtskräftig.

Erkenntnis: Kauen hilft gegen Infekte

Wer kräftig kaut, erleichtert dem Körper nicht nur die Verdauung, weil die Nahrung bereits besser verwertbar Richtung Magen und Darm rutscht: Wie eine internationale Forschergruppe kürzlich publizierte, aktiviert man in der Mundhöhle über intensives Kauen besonders von harten Lebensmitteln auch sogenannte T-Helferzellen. Ihre Aufgabe ist die Bekämpfung krankmachender Bakterien. Die Wissenschaftler prüfen nun, ob sich das Immunsystem über kräftiges Kauen verbessern lässt und die Abwehrkräfte eines Menschen dadurch steigen. Wie bei anderen Gesundheitstipps auch müssen aber Grenzen beachtet werden: Zuviel hilft nicht, sondern schadet. Die Forscher beobachteten, dass sich nach einer längeren Phase kraftvollen Kauens Entzündungen im Mund wie Zahnfleischentzündung (Gingivitis) bzw. Zahnbettentzündung (Parodontitis) entwickelten.

Zahnzwischenraum: Hygiene-Chancen nutzen

Viele wissenschaftliche medizinische Studien haben in den letzten Jahren belegt, wie wichtig die Vermeidung chronischer Entzündungen für die Allgemeingesundheit sind. Das betrifft nicht zuletzt die Vermeidung von Parodontitis, der weit verbreiteten Zahnbettentzündung. Bei einer ausgeprägten Erkrankung kann eine Fläche chronisch entzündet sein, die – alle infizierten Bereiche um die Zähne addiert – das Ausmaß einer Handfläche annehmen kann.

Es ist inzwischen erwiesen, dass die Abwehrstoffe des Körpers, die eigentlich zur Abwehr akuter Infektionen gedacht sind, bei chronischen Entzündungen auch körpereigene Strukturen wie beispielsweise bestimmte Organe oder auch die Blutgefäße schädigen können. Wie man inzwischen weiß, haben die immunologischen Signalstoffe auch Auswirkungen auf das Altern. Eine chronische Entzündung im Mund hat also Auswirkungen weit über den Mund hinaus. Insofern ist eine sorgfältige Mundhygiene auch für die Allgemeingesundheit und die Lebensqualität wichtig. Stiefkind bei der regelmäßigen häuslichen Mundpflege sind dabei oft ausgerechnet die Zahnzwischenräume, in denen sich riskante Bakterien vor Zahnbürste & Co verstecken können. Die Ende März zuende gegangene größte Dentalmesse weltweit in Köln hat eine große Vielfalt an neuen modernen Produkten gezeigt, die zwischen den Zähnen für Sauberkeit sorgen. Entsprechende Beratung bieten die Zahnärzte und ihr professionelles Team, aber auch manche spezialisierten Apotheken.

Patientendatenmissbrauch: Preisvergleich beim Zahnarzt

Wer kräftig kaut, erleichtert dem Körper nicht nur die Verdauung, weil die Nahrung bereits besser verwertbar Richtung Magen und Darm rutscht: Wie eine internationale Forschergruppe kürzlich publizierte, aktiviert man in der Mundhöhle über intensives Kauen besonders von harten Lebensmitteln auch sogenannte T-Helferzellen. Ihre Aufgabe ist die Bekämpfung krankmachender Bakterien. Die Wissenschaftler prüfen nun, ob sich das Immunsystem über kräftiges Kauen verbessern lässt und die Abwehrkräfte eines Menschen dadurch steigen. Wie bei anderen Gesundheitstipps auch müssen aber Grenzen beachtet werden: Zuviel hilft nicht, sondern schadet. Die Forscher beobachteten, dass sich nach einer längeren Phase kraftvollen Kauens Entzündungen im Mund wie Zahnfleischentzündung (Gingivitis) bzw. Zahnbettentzündung (Parodontitis) entwickelten.

Zähne: Informationsboten zum Gehirn

Wer ausprobieren möchte, was seine Zähne als Informationsboten zum Gehirn leisten, kann sich einen dünnen Faden auf die Backenzähne legen und zubeißen: Die Störung wird sofort bemerkt, obwohl die Zähne selbst von der härtesten Substanz des Körpers, dem Zahnschmelz, umgeben sind. Grund für die Empfindsamkeit sind Sensoren unter dem natürlichen Zahn, die auch auf feinsten Druck reagieren und über die Nerven das Gehirn informieren, dass zwischen den Zähnen ein Fremdkörper liegt. Das ist wichtig, denn das Gehirn muss entsprechend entscheiden, ob hier kraftvoll zugebissen werden kann – oder lieber nicht, wenn beispielsweise eine harte Nuss die Zähne beim Zubeißen verletzen könnte. Das erklärt auch, warum man bei einer Implantatversorgung vorsichtiger sein muss, was man isst oder kaut: Anders als beim natürlichen Zahn sind die Sensoren bei einem Implantat nicht so empfindlich, so dass man den gar zu kräftigen Kaudruck oft erst spät merkt. Auf solche und weitere Zusammenhänge verwies kürzlich Dr. Giuseppe Allais bei einer Fortbildungsveranstaltung für Implantologen. Das erkläre auch, warum der Körper Zeit brauche, sich an „dritte Zähne" zu gewöhnen. Er bezeichnete die Zähne als „Sinnesorgan", das über das Gehirn mit dem Körper kommuniziere. Ginge ein Zahn verloren, sei damit auch dieser Kommunikationsweg ausgeschaltet.

2. Professionelle Zahnreinigung: Wie oft ist normal?

Wie häufig man eine professionelle Zahnreinigung (PZR) machen lassen sollte, ist individuell sehr verschieden. Bei manchen Patienten reicht ein Termin pro Jahr, andere brauchen zwei oder noch mehr PZR-Behandlungen. Die Abstände hängen davon ab, ob der Mund weitgehend gesund ist oder es mundgesundheitliche oder allgemeingesundheitliche Probleme gibt. Wie eine Studie anlässlich der zurückliegenden Internationalen Dentalschau, der Weltmesse der Zahnmedizin in Köln, zeigte, muss bei der Planung der Anzahl der PZR-Termine insbesondere die Neigung des Patienten zu Zahnsteinbildung berücksichtigt werden: Für eine erhöhte Neigung zu verhärtenden Zahnbelägen kann die gesundheitliche Situation des Patienten sprechen, beispielsweise können Medikamente am Rückgang der Speichelproduktion beteiligt sein und so die Selbstreinigung im Mund reduzieren. Aber auch alltägliche Verhaltensmuster können eine häufigere Zahnreinigung nötig machen: Wer raucht oder auf andere Weise „klebrige Farbpigmente" zu sich nimmt, z.B. über Rotwein oder Tee, wird entsprechende Verfärbungen nur über die professionellen Techniken und passenden Produkte in der Zahnarztpraxis wieder los. Saubere Zähne sind das A und O für eine nachhaltige Mundgesundheit – und eine Profi-Reinigung in der Zahnarztpraxis für immer mehr Menschen daher selbstverständlich: Wie oft, das lässt sich am besten mit dem Praxisteam klären.

Implantate – Option, nicht Ziel

Die präventionsorientierte Zahnheilkunde, die die früher auf Reparatur ausgerichtete Zahnmedizin vor rund 30 Jahren abgelöst hat, ist auch in der Implantologie prägend. Wie Zahnarzt Dr. Sepp Diemer bei einer Fachveranstaltung der DGI-Masterakademie kürzlich noch einmal betonte, sind Implantate eine hervorragende Behandlungs-Option, wenn ein Zahn nicht erhalten werden kann. Zuvor allerdings sei gut zu prüfen, ob der Erhalt des erkrankten Zahnes tatsächlich nicht möglich ist: Die in den letzten Jahren erheblich in ihren Möglichkeiten und Erfolgen verbesserte Therapie erkrankter Zahnwurzeln lässt heute die eigenen natürlichen Zähne oft noch für viele Jahre ihren Platz in der Mundhöhle nutzen. Das biologische System bleibt weitgehend erhalten, es muss kein „Zahnwurzelersatz", also ein Implantat, eingesetzt werden. Damit der Zahn nach erfolgreicher Wurzelbehandlung ein langes Überlegen zeigen kann, muss er perfekt verschlossen und restauriert werden, um das Eindringen von Keimen in den gesäuberten und behandelten Wurzelbereich zu verhindern. Implantat- und Wurzelbehandlung sind hinsichtlich des zahnärztlichen Aufwandes zumeist weitgehend gleichermaßen anspruchsvoll.

Das Kariesrisiko steckt auch in den Genen

Wenn aggressive Bakterien den Zahnschmelz angreifen und eine Karies verursachen, ist für diesen Prozess eine schlechte Mundhygiene entscheidend verantwortlich. Allerdings spielt auch die genetische Ausstattung des Zahnbesitzers eine Rolle. Sind bestimmte Gene verändert, hat dies Auswirkungen auf Härte und Zusammensetzung des Zahnschmelzes – und damit auf dessen Widerstandsfähigkeit gegen bakterielle Attacken. Das haben Forscher von der Universität in Zürich herausgefunden. Diese Gene enthalten den Bauplan für Proteine, die als Signalstoffe die Entwicklung verschiedener Gewebe steuern – darunter auch die des Zahnschmelzes. Sind die genetischen Bauanleitungen für diese Signalproteine mutiert, funktioniert die Signalübertragung nicht richtig und verändert die Struktur des Zahnschmelzes.

Quellen: Sci Signal. 2017 Feb 7;10(465). pii: eaah4598. doi: 10.1126/scisignal.aah4598.
A cytoplasmic role of Wnt/β-catenin transcriptional cofactors Bcl9, Bcl9l, and Pygopus in tooth enamel formation.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28174279

Endlich wieder kraftvoll zubeißen

Bei völliger Zahnlosigkeit genügt es bereits, die Unterkieferprothese auf Zahnimplantaten zu verankern, um das Essen zu erleichtern und die Kaukraft zu erhöhen. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie mit Patientinnen und Patienten, die brasilianische Zahnärzte mit einer Vollprothese versorgten. Dabei wurde nur die Unterkieferprothese auf Zahnimplantaten verankert, während der Oberkiefer mit einer konventionellen Prothese versorgt wurde. Bereits vor Beginn der Implantattherapie untersuchten die Wissenschaftler den Kaukomfort und die Kaukraft der Patienten und wiederholten die Untersuchungen an mehreren Zeitpunkten der Therapie. Wie sie in einer Fachzeitschrift berichten, verbesserten sich der Kaukomfort, die Kaukraft und nicht zuletzt die Lebensqualität kontinuierlich im Laufe der Behandlung. „Das ist eine gute Nachricht für ältere Patientinnen und Patienten", schreiben die Experten.

Quellen: Clin Oral Implants Res. 2016 Sep 11. doi: 10.1111/clr.12980. [Epub ahead of print]
Electromyography evaluation of masseter and temporalis, bite force, and quality of life in elderly patients during the adaptation of mandibular implant-supported overdentures.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27616640

Mundhygiene in der Steinzeit

Die menschlichen Urahnen in Altsteinzeit hatten zwar noch nicht das Feuer als Koch- und Brathilfe entdeckt, nutzten dafür aber offensichtlich schon hölzerne Holzsplitter als Zahnstocher. Das berichtet ein spanisches Forscherteam, das Teile eines menschlichen Unterkiefers untersucht hat, der zwischen 1,1 und 1,2 Millionen Jahre alt ist.

Die Analyse von Zahnstein an den Zähnen in diesem Unterkiefer zeigte, dass sich der Besitzer durchaus ausgewogen von Fleisch und stärkehaltigen Pflanzen ernährt hatte, allerdings nur in rohem Zustand. Gebratenes und Gekochtes schien nicht auf seinem Speisezettel zu stehen. Außerdem entdeckten Die Wissenschaftler Holzfasern, die auf eine Art von Zahnstocher hindeuten. Dies ist insofern ungewöhnlich, da es ansonsten nur bei einem 49.000 Jahre alten Neanderthal-Gebiß Hinweise auf diese klassische Form der Zahnreinigung gibt.

Quellen: Hardy, K. et al. (2016). Diet and environment 1.2 million years ago revealed through analysis of dental calculus from Europe's oldest hominin at Sima del Elefante, Spain. The Science of Nature. DOI 10.1007/s00114-016-1420-x

 

 

Zahnarztangst und Schmerz

Wenn Patienten unter Angst vor dem Zahnarzt oder eine Zahnbehandlung leiden, hat dies nicht nur Auswirkungen darauf, wie schmerzhaft sie ihre Behandlung empfinden, sondern auch, ob sie erwarten, dass die Behandlung schmerzhaft sein wird. Das zeigt eine Untersuchung chinesischer Wissenschaftler, die insgesamt 35 Studien zum Thema Zahnangst erneut analysiert haben. Die Angst vor der Behandlung beeinflusst die Schmerzintensität, die betroffene Patienten während der Therapie empfinden – und diese Intensität hängt auch von der Erwartungshaltung ab. Darum empfehlen die Experten ihren zahnärztlichen Kolleginnen und Kollegen, das Thema Zahnangst auch bei der Schmerzbehandlung zu beachten.

Quellen: Journal of Dental Research jdr.sagepub.com Published online before print November 14, 2016, doi: 10.1177/0022034516678168
JDR November 14, 2016 0022034516678168
Association between Anxiety and Pain in Dental Treatment

 

 

Ein gesunder Mund im gesunden Körper

Zahnverlust und Zahnfleischerkrankungen gehen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall einher. Das zeigt eine Untersuchung australischer Wissenschaftler mit mehr als 170.000 Erwachsenen, die zwischen 45 und 72 Jahre alt waren.  Die Forscher erhoben zunächst die Mundgesundheit der Probanden und verknüpften diese Ergebnisse mit Krankenhausaufenthalten in den nachfolgenden Jahren. Dabei zeigte sich eindeutig, dass das Risiko für Herzkreislauferkrankungen signifikant stieg, wenn die Probanden angaben, unter Zahnverlust und Zahnfleischentzündungen zu leiden. „Zahnverlust ist ein Marker für ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzerkrankungen", schreiben die Wissenschaftler.

Quellen: BMJ Open. 2016 Aug 30;6(8):e012386. doi: 10.1136/bmjopen-2016-012386.
Is poor oral health a risk marker for incident cardiovascular disease hospitalisation and all-cause mortality? Findings from 172 630 participants from the prospective 45 and Up Study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27577588

Sozialkontakte, Depression und Mundgesundheit

Wenn Senioren sozial gut eingebunden sind, Freunde und Gesellschaft haben, ist ihr Zahnverlust geringer ausgeprägt als bei alten Menschen, die weniger gut in eine Gemeinschaft integriert sind. Das haben japanische Forscher bei einer großen Untersuchung herausgefunden. Eine schlechte Mundgesundheit und fehlende Zähne wirken sich auf das Sozialleben nachteilig aus. Wer Probleme beim Lachen und Essen hat, meidet oft den Kontakt mit anderen. Bei einer Folgestudie haben die Wissenschaftler darüber hinaus festgestellt, dass Zahnverlust und Probleme mit der Mundgesundheit auch die Lebensfreude beeinträchtigen und dazu führen können, dass die Betroffenen depressiv werden oder sich eine Depression verstärkt.

Quellen:
BMJ Open. 2016 Apr 5;6(4):e010768. doi: 10.1136/bmjopen-2015-010768.

Community social capital and tooth loss in Japanese older people: a longitudinal cohort study.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27048636
J Am Geriatr Soc. 2017 Feb 6. doi: 10.1111/jgs.14777. [Epub ahead of print]
Oral Health and Incident Depressive Symptoms: JAGES Project Longitudinal Study in Older Japanese.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28165614

 

 

Zuckerkonsum und Karies

Je höher der Zuckerkonsum, desto höher ist das Kariesrisiko. Dies hat unlängst erneut ein internationales Wissenschaftlerteam bei einer begleitenden Untersuchung an Heranwachsenden in Brasilien bestätigt. Eine Gruppe von Kindern wurde immer wieder im Alter von vier, sechs, zwölf und 18 Jahren untersucht. Jene Kinder, die viel Zucker konsumierten hatten ein um 66 Prozent höheres Kariesrisiko als Kinder, die auf Süßes weitestgehend verzichteten. Dieses Risiko können Schulen reduzieren, wenn sie ihr Angebot auf eine gesunde Ernährung umstellen. Das zeigt eine weitere Studie australischer Forscher. Als eine Schule stark gezuckerte Getränke und Snacks nicht mehr anbot, war die Mundgesundheit der Kinder im Vergleich zu anderen Schulen in der Umgebung deutlich besser.

Quellen:
Sugar Consumption and Changes in Dental Caries from Childhood to Adolescence; Journal of Dental Research 2016, Vol. 95(4)

: J Paediatr Child Health. 2017 Jan 10. doi: 10.1111/jpc.13449. [Epub ahead of print]
Low sugar nutrition policies and dental caries: A study of primary schools in South Auckland.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28073166

Alter und Zahnbetterkrankungen

Chinesische Forscher haben jungen und alten Mäusen genau in den Mund gesehen, um etwas über die menschliche Mundgesundheit zu lernen. Bei den alten Tieren ist die Zahl der unterschiedlichen Bakterienarten in der Mundhöhle deutlich niedriger als bei jungen Tieren. Fachleute sprechen dann von einer geringeren Diversität des Mikrobioms im Mund. Dies schwächt die Abwehr gegen Keime, die Zahnbetterkrankungen (Parodontitis) verursachen. Genau stellten die Forscher auch bei den alten Mäusen fest. Als die Wissenschaftler den Tieren Bakterien in die Mundhöhle verabreichten, welche bei Parodontitis eine Rolle spielen, konnten die sich dort besser vermehren als bei den jungen Tieren. Das Fazit: Eine gute Mundhygiene ist auch im Alter wichtig, nicht nur bei Mäusen.

Quelle: J Dent Res. 2016 Apr;95(4):460-6. doi: 10.1177/0022034515625962. Epub 2016 Jan 13.
Effect of Aging on Periodontal Inflammation, Microbial Colonization, and Disease Susceptibility.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Effect+of+Aging+on+Periodontal+Inflammation%2C+Microbial+Colonization%2C+and+Disease+Susceptibility

Tee trinken für die Mundgesundheit

Ein Extrakt aus grünem Tee scheint Entzündungen der Schleimhaut ähnlich wirksam bekämpfen zu können wie Chlorhexidin. Das zeigt eine Untersuchung iranischer Wissenschaftler. Nun berichten indische Forscher, dass eine Mundspüllösung mit grünem Tee bei Kindern die Kariesbakterien im Mund in Schach halten kann. Andere Studien zeigen, dass auch schon der Genuß von grünem Tee sich günstig auf die Mundgesundheit auswirkt: Der Tee, aufgebrüht mit 90 Grad heißem Wasser gegen Karieserreger wirksam ist.

Quelle: J Indian Soc Pedod Prev Dent. 2017 Jan-Mar;35(1):41-46. doi: 10.4103/0970-4388.199227.
Effect of green tea mouth rinse on Streptococcus mutans in plaque and saliva in children: An in vivo study.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28139481

Rauchen stört die Balance der Mundflora

Rauchen schädigt nicht nur Herz und Kreislauf, Lunge und Atemwege, sondern verändert auch das Gleichgewicht zwischen den bakteriellen Bewohnern der Mundhöhle. Das haben US-amerikanische Wissenschaftler bei einer Untersuchung mit mehr als 1000 erwachsenen Nichtrauchern und Rauchern herausgefunden. Bestimmte Bakterienarten, vor allem Karieserreger waren bei den Rauchern häufiger. Seltener waren hingegen Bakterien, die Schadstoffe abbauen können. Diese Veränderung der Mundflora hat nicht nur Folgen für die Mundgesundheit, sondern auch Auswirkungen auf den ganzen Körper.

Quelle: ISME J. 2016 Oct;10(10):2435-46. doi: 10.1038/ismej.2016.37. Epub 2016 Mar 25
Cigarette smoking and the oral microbiome in a large study of American adults.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Cigarette+smoking+and+the+oral+microbiome+in+a+large+study+of+American+adults

Hilfe gegen schlechten Atem

Mundgeruch, von Zahnärzten Halitosis genannt, kann viele verschiedene Ursachen haben. Doch im fast 90 Prozent der Fälle lassen sich diese in der Mundhöhle finden. Erkrankungen des Zahnhalteapparats, ungepflegter Zahnersatz oder lokale Infektionen können die Ursache sein. Häufig ist aber auch nur eine ungenügende Mundhygiene verantwortlich: Wenn bakterielle Mundbewohner Speiseresten abbauen, werden Schwefelverbindungen freigesetzt, die den typischen fauligen Geruch verursachen. Auch wenn die Speicheldrüsen zu wenig Speichel produzieren oder Medikamente zu Mundtrockenheit führen sowie starker Kaffee- und Nikotingenuß spielen eine Rolle.

Bei Mundgeruch finden Patienten im Team der Zahnarztpraxis kompetente Ansprechpartner, die helfen können, die Ursache zu diagnostizieren und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Oft genügen eine professionelle Zahnreinigung und die Anleitung zu einer konsequenten Mundhygiene, Zungenreinigung eingeschlossen, um das Problem zu lösen.
Quelle: Dental team

Nach einem Herzinfarkt auch zum Zahnarzt

Gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch sind ein wichtiger Faktor bei der Verhütung von Herz-Kreislauferkrankungen. Dies belegt inzwischen eine Fülle von Studien. Leiden Patienten an einer instabilen Angina pectoris („Brustenge") oder haben bereits einen Herzinfarkt erlitten, empfehlen Herzspezialisten eine zahnärztliche Untersuchung der Mundgesundheit. Eine neue Untersuchung aus Schweden belegt, dass 43 Prozent der Infarkt-Patienten eine Entzündung des Zahnbettes (Parodontitis) hatten. In der Gruppe gesunder Kontrollpersonen war hingegen nur ein Drittel betroffen. Patienten mit einer Parodontitis hatten auch ein deutlich höheres Herzinfarktrisiko.
Quelle: MMW, 2016, 12 Fortbildung

Nach einem Herzinfarkt auch zum Zahnarzt

Gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch sind ein wichtiger Faktor bei der Verhütung von Herz-Kreislauferkrankungen. Dies belegt inzwischen eine Fülle von Studien. Leiden Patienten an einer instabilen Angina pectoris („Brustenge") oder haben bereits einen Herzinfarkt erlitten, empfehlen Herzspezialisten eine zahnärztliche Untersuchung der Mundgesundheit. Eine neue Untersuchung aus Schweden belegt, dass 43 Prozent der Infarkt-Patienten eine Entzündung des Zahnbettes (Parodontitis) hatten. In der Gruppe gesunder Kontrollpersonen war hingegen nur ein Drittel betroffen. Patienten mit einer Parodontitis hatten auch ein deutlich höheres Herzinfarktrisiko.
Quelle: MMW, 2016, 12 Fortbildung

Zahnärzte können Physiotherapie verordnen

Hat ein gesetzlich versicherter Patient Beschwerden, Heilungs- oder Funktionsstörungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich, kann der Zahnarzt voraussichtlich ab 1. Juli 2o17 eine Physiotherapie oder eine physikalische Therapie verordnen. Auch für Sprech- oder Sprachübungen kann er ein Rezept ausstellen, die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Basis ist eine erste zahnärztliche Heilmittel-Richtlinie, die unlängst verabschiedet wurde. Wenn der Zahnarzt beispielsweise Bewegungs- und Funktionsstörungen oder eine Gelenkblockade im Kiefergelenk diagnostiziert, sind Physiotherapie oder eine manuelle Therapie hilfreich.

Amalgam: Für Kinder und Schwangere nur als Ausnahme

Ab Juli 2018 dürfen Kinder und Schwangere in der Europäischen Union nur noch in Ausnahmefällen Zahnfüllungen aus Amalgam erhalten. In Deutschland gibt es auf diesem Gebiet bereits Regelungen. Ein weitergehendes Verbot in der Europäischen Union gibt es vorerst nicht. Darauf haben sich das Europäische Parlament, der Europäische Rat und die Europäische Kommission Ende 2016 geeinigt. Der Grund: Es gibt bislang keine Studien, die die Schädlichkeit von Amalgam eindeutig belegen. Auch die Weltgesundheitsorganisation verweist darauf, dass es bislang kein verlässlicheres Füllmaterial gebe. In Deutschland hatte sich die Bundeszahnärztekammer gegen ein absolutes Verbot ausgesprochen.
Quelle: ZM 1.1.2017

Was Hänschen lernt...

Wenn Kinder in einem Haushalt aufwachsen, in dem der Zahnarztbesuch zur Kontrolle von Zähnen und Zahnfleisch eine Selbstverständlichkeit ist, nehmen sie dieses Verhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Erwachsenenalter mit. Wenn Eltern den Gang zum Zahnarzt scheuen, übernehmen die Kinder oft auch dieses Verhaltensmuster. Ob Menschen im Erwachsenenalter regelmäßig zum Zahnarzt gehen entscheidet sich also im Wesentlichen bereits im Kindesalter. Dieses Fazit ziehen Forscherteams aus einer umfangreichen Untersuchung des Gesundheitsverhaltens in 13 EU-Staaten.

Zahnimplantate: Nachsorge ist Bestandteil der Therapie

„Um eine „Periimplantitis" genannte Entzündung der Gewebe um ein Implantat herum zu vermeiden sind Kontrolluntersuchungen sowie eine konsequente Behandlung von Entzündungen der Mundschleimhaut wichtig, ", erklärt DGI-Präsident Professor Frank Schwarz von der Universität Düsseldorf. Darum gehöre, so der Experte, eine konsequente Nachsorge zu einer Implantatbehandlung dazu. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass etwa 15 Prozent der Implantatpatienten an einer moderaten bis schweren Periimplantitis erkranken, wobei verschiedene Risikofaktoren eine Rolle spielen. Wird die Entzündung nicht behandelt, droht der Verlust des Implantates.

Zahndurchbruch: schwere Krankheitszeichen gehören nicht zu den Symptomen

Das Kleinkind quengelt und weint. Wenn die ersten Zähnchen zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat durchbrechen, sind manche Kinder sehr beeinträchtigt. Schließlich ist dieser Vorgang oft schmerzhaft. Doch welche Symptome können dem Zahndurchbruch zugeschrieben werden – und welche haben wahrscheinlich andere Ursachen? Kinderzahnärzte beobachteten acht Monate lang immer wieder den Gesundheitszustand von 47 zahnenden Kleinkindern. Resultat: Am Tag des Zahndurchbruchs und am Folgetag traten bei den Kleinen Reizbarkeit, vermehrter Speichelfluss, eine laufende Nase und Appetitlosigkeit besonders häufig auf. Kein Kind litt jedoch unter Krämpfen oder Koliken. Erbrechen war sehr selten. „Fieber oder andere schwere Krankheitszeichen gehörten nicht zu den Begleiterscheinungen des Zahnens", schreiben die Kinderzahnärzte in der Fachzeitschrift Pediatrics.   

Übergewicht beeinträchtigt Parodontitis-Therapie

Schweres Übergewicht (Adipositas) beeinträchtigt die Wirksamkeit einer Parodontitis-Behandlung. Das zeigt eine Untersuchung britischer Wissenschaftler. Die Forscher hatten insgesamt 260 Patienten mit schwerer Parodontitis zwei Monate nach einer intensiven nicht-chirurgischen Behandlung nachuntersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Therapie die Entzündung des Zahnhalteapparates bei adipösen Patienten deutlich schlechter zurückdrängen konnte als bei Normalgewichtigen: Die Tiefe der Zahntaschen hatte sich durch die Behandlung nicht verändert. „Übergewicht beeinflusst das Behandlungsergebnis in einem vergleichbaren Ausmaß wie Rauchen", betonen die Forscher.

 

Quelle: Suvan, J. Body Mass Index as a Predictive Factor of Periodontal Therapy Outcomes
JD

Trockner Mund: Gründe und Folgen

Es gibt viele Gründe für einen trockenen Mund, der für die Patienten sehr unangenehm ist und zudem die Mundgesundheit gefährden kann. Im Vordergrund stehen spezielle Medikamente, bei denen die Mundtrockenheit zu den häufigen Nebenwirkungen gehört, aber auch Stress kann den Speichelfluss reduzieren. Bei alten Menschen ist die Speichelproduktion von Natur aus reduziert. Unangenehme Folge von Mundtrockenheit kann Karies sein, weil der zahnschützende Speichel nicht ausreichend zum Umspülen zur Verfügung steht. Begleitet wird diese Entwicklung nicht selten durch deutlichen Mundgeruch, da die Nahrung nicht schnell genug „weggespült" werden kann und Bakterien Zeit haben, sie zu verstoffwechseln. Ist die Mundschleimhaut trocken, neigt sie zudem eher zu schmerzhaften kleinen Rissen oder Verletzungen – hier kann schon eine Möhre oder eine Nuss problematisch werden, sagte Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, kürzlich in einem Beitrag in der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Normalerweise produziere der Körper pro Tag rund einen bis anderthalb Liter Speichel. Ist die Produktion durch eine Verminderung der Leistung der Speicheldrüsen reduziert, kann neben einer zu steigernden Flüssigkeitsaufnehme durch Wasser auch das Kauen von Kaugummi hilfreich sein, so eine Sprecherin der Bundesapothekerkammer.

Zahnsorgen: Ist „alle ziehen“ eine Lösung?

Manche Menschen haben mit ihren Zähnen so viele Probleme, dass sie beim Zahnarzt fragen: Wäre es nicht sinnvoll, sie einfach alle zu ziehen? Dass sich das Problem der Infektionen damit nicht ein für alle Mal löst, zeigte kürzlich eine Untersuchung von Dr. Amit Sachdeo DDS aus Boston. Auch nach Extraktion aller natürlichen Zähne fanden sich krankmachende Parodontitis-Bakterien an mehreren Stellen im Mund, so an der Wangenschleimhaut, auf der Zunge, am Gaumen und auf dem Mundboden. Andere Wissenschaftler wiesen die entsprechenden Keime auch auf den „Mandeln" im Rachenraum und im Speichel nach. Da die zahnlosen Patienten irgendeine Form von Ersatzzähnen für die Nahrungsaufnahme benötigen, ist davon auszugehen, dass auch der Zahnersatz in einem ungesunden Keim-Milieu seine Aufgaben erfüllen muss: Die vorhandenen ungesunden Keime tragen dazu bei, Schäden an der Mundgesundheit rund um die Prothese und an den Schleimhäuten auszulösen. Insbesondere wenn Implantate an die Stelle der extrahierten Zähne treten, muss die Keimbelastungen bei der Planung berücksichtigt und reduziert werden. Es macht, so die Bilanz, keinen Unterschied, ob nur einzelne Zähne oder gleich alle gezogen werden: Der gestörte Biofilm ist so oder so für die Mundgesundheit eine Belastung und bedarf der Therapie.

PZR: auch für Tiere?

Für die Halter von bezahnten Haustieren wie einem Hund ist die regelmäßige Zahnpflege beim Vierbeiner meist selbstverständlich – Tierärzte machten vor Kurzem bei einem „Expertentelefon" mit einer Zeitung aber deutlich, dass das oft nicht ausreicht. Sie empfahlen, auch bei den entsprechenden Haustieren einmal jährlich eine professionelle Zahnreinigung (PZR) vornehmen zu lassen. Tierhalter, so die Veterinärmediziner, bemerkten ungesunde Entwicklungen und fortgeschrittene Entzündungen oft erst in einem fortgeschrittenen Zustand – erkennbar an gestörter Futteraufnahme, starkem Geruch aus dem Maul oder einem Zurückziehen des Tieres. Auch Tiere könnten Karies bekommen, Zahnfrakturen, Zahnbettentzündungen und auch Zahnverlust erleiden. Sie haben ebenso wie die Menschen Zahnschmerzen. Das Bewusstsein für die Mundgesundheit auch bei Tieren sei seit Jahren steigend, sagte Tierärztin Dr. Pia Rittmann/Neandertal in diesem Telefon-Interview. Das Verständnis, dass auch Zahnstein regelmäßig und frühzeitig entfernt werden müsse, nehme zu. Schwieriger als bei Hunden, meist aber noch wichtiger sei regelmäßige Zahnpflege in der Regel bei Katzen, die schneller zu Zahnauflösungen neigten. Insofern käme der richtigen natürlichen und zahnschützenden Ernährung eine große Rolle zu – unterstützt durch die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung.

Mundgesundheit: Liebe ist nützlich

Wer verliebt ist oder in einer glücklichen Beziehung lebt, ist zuverlässiger, was die Einhaltung anstehender Arzt- und Zahnarzttermine betrifft – das ergab kürzlich eine Studie der Universität von Queensland. Demnach scheinen Menschen, die zu problematischen Beziehungen im Alltagsleben neigen, auch eine problematische Beziehung beispielsweise zu Ärzten zu haben. Erstmals wurde nun auch untersucht, ob das Verhalten auch auf Zahnärzte zutrifft, und die Erwartungen haben sich bestätigt. Die Wissenschaftler wollen nun in weiteren Studien herausfinden, was genau zu dieser „Zahnarztverweigerung" führt und daran hindert, bei problematischen Entwicklungen im Mund wie beispielsweise Schmerzen zahnärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ziel ist, auch für diese Patientengruppe den Zugang zu zahnärztlicher Behandlung zu verbessern und damit ihre Mundgesundheit besser zu unterstützen.

Mundhöhle: Keime unter Kontrolle behalten

In den Medien wird immer mal wieder über Periimplantitis berichtet: Damit gemeint ist eine Entzündung rund um das Implantat, die dazu beitragen kann, dass das Implantat nicht problemfrei einwächst. In manchen Situationen muss es auch erst einmal wieder entfernt werden, damit die Implantatstelle ausheilen kann. Wie das Autorenteam um Prof. Dr. Susanne Kneist kürzlich in einem Artikel in einer Fachzeitschrift schrieb, ist heute bekannt, dass die Bakterienfamilien, die an und auf den eigenen Zähnen leben, auch auf die Implantatregion übergehen. Der Mund hat keinen Grenzschutz, um solche Bereiche vor Infektion zu schützen. Daher sei es wichtig, so die Wissenschaftler, die Mundgesundheit vor der Implantation auf ein gutes Level zu stellen. Das bedeutet, dass durch Entfernung von (auch versteckten) Zahnbelägen sowie Reinigung eventuell auch tieferer Zahnfleischtaschen ein gesundes Bakteriengleichgewicht im Mund hergestellt werden sollte. Dabei kommt es darauf an, dass insbesondere solche Bakterien minimiert werden, die Krankheiten verursachen können – das sind im Biofilm der Mundhöhle nur wenige besondere Bakterienstämme. Die Übertragbarkeit der Mundkeime auch auf die Implantatregion untermauert daher auch die Notwendigkeit einer besonders intensiven und genauen Mundhygiene – im Vorfeld, aber auch in der Zeit nach der Implantation. Mindestens einmal jährlich, so die Autorengruppe, sei eine professionelle Zahnreinigung notwendig. In bestimmten Fällen und gleich der Implantation ist oft ein engerer Abstand sinnvoll.

Mundhygiene: Zähne haben 5 Seiten

Wer sich beim Zähneputzen zuschaut, wird von seinen Zähnen in der Regel die Vorderseite sehen, eventuell auch beim Kopfbeugen die Rückseite, und bei den Backenzähnen die Kauflächen. Was immer noch zu viele Menschen dabei aber übersehen: Die Zähne haben auch Seitenflächen. Gerade hier, wo die Zahnbürste nicht hinkommt, bilden sich oft die ersten Schäden am Zahnschmelz, verursacht durch die in der Enge geschützten bakteriellen Beläge. Ein hilfreicher Weg, auch hier für Sauberkeit und Entfernung der Plaque zu sorgen, sind sogenannte Zahnzwischenraum-Hygieneprodukte. Hier gibt es Zahnbürstchen in verschieden dicker Auswahl – für enge und für weite Zahnzwischenräume, auch spezielle, die sich für die Hygiene rund um die Implantatstelle besonders eignen. Ebenso groß ist die Auswahl an Zahnseiden-Produkten: Auch sie gibt es in verschiedener Form und Dicke, und auch hier gibt es spezielle Produkte für Implantatträger. Dass die deutschen Patienten keinen großen Gebrauch von diesen nützlichen Hilfsmitteln machen, zeigte eine Studie: Im Durchschnitt verbraucht jeder Deutsche pro Jahr anderthalb Meter Zahnseide – nützlich wären 180 Meter, wie Wissenschaftler feststellten. Dass manche Zeitungsmeldungen zuletzt von wenig dokumentiertem Nutzen der Zahnseide berichteten, hat, so Prof. Dr. Dietmar Osterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, einen einfachen Grund: Es gebe zu wenig Studien zur gesundheitsförderlichen Wirkung. Allerdings zeige sich auch: Keine der bisherigen Studien berichte von einem gesundheitlichen Nachteil.

Stress: nicht auf Implantate übertragen

Es gibt verschiedene Gründe, warum man in Zeiten größerer Stress-Belastung mit seinem Zahnarzt überlegen sollte, ob es gerade eine wirklich günstige Phase für die Implantatversorgung ist oder man erst einmal aus der Phase herauskommen sollte – falls Abwarten möglich ist. Einerseits heilt das Zahnfleisch nach dem Eingriff schlechter als in stressfreien Zeiten, zum anderen neigen viele Menschen bei erhöhten Anfordrungen dazu, diesen Druck mit den Zähnen abzubauen: Sie knirschen oder pressen die Zähne mit erheblicher Kraft aufeinander. Auch hier macht es Sinn, diese Belastung im Vorfeld einer Behandlung mit dem behandelnden Zahnarzt abzuklären: Eine Überlastung ist für das gesunde Einheilen des Implantates ungünstig. Es könnten beispielsweise durch Zahnschienen Wege gefunden werden, das Implantat und seinen Aufbau zu schützen. Auf einen anderen Aspekt machte kürzlich Prof. Dr. Hans-Ludwig Graf/Leipzig aufmerksam: In einem Interview wies er darauf hin, dass auch die Seele zu einem Risiko führen kann. Stehe jemand unter großen seelischen Anspannungen oder leide unter einer psychosomatischen Erkrankung, wäre es möglich, dass er seine Schmerzen auf das Implantat überträgt – wie der Gestresste seine Belastung durch Pressen und Knirschen auf die Zähne. Patienten, die seelische Leiden auf körperliche Leiden „übertragen", sähen ihre Schmerzen als vom Implantat, dem empfundenen Fremdkörper, ausgelöst an. Tatsächlich gibt es aber keinen medizinischen Grund für diese Schmerzstörung. Im Vorfeld einer Implantatbehandlung wird daher in vielerlei Hinsicht mit dem Patienten besprochen, was im individuellen Fall zu beachten ist.

Implantologensuche: Wo finde ich eine Praxis?

Implantate setzen darf jeder Zahnarzt, der sein Studium erfolgreich abgeschlossen hat – auch wenn diese Spezialdisziplin in der universitären Ausbildung an den meisten Hochschulen nicht sehr intensiv gelehrt und erlernt wird. Daher nehmen Zahnärzte, die diese Behandlungsform auch anbieten möchten, in der Regel an Schulungen, Kursen und Curricula nach ihrem Hochschulstudium teil. Bereitgestellt werden solche Kurse von verschiedenen Anbietern, darunter auch den Herstellern von Implantaten. Diese schulen speziell zum Umgang mit ihren eigenen Produkten, denn in Form und Art können sich die Implantate im Detail deutlich unterscheiden und entsprechend anderes Vorgehen benötigen. Fortbildung in verschiedenen Stufen von Anfänger bis Experte bietet nicht zuletzt die europaweit größte implantologische Fachgesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI), die sowohl in Theorie als auch in der praktischen Anwendung die Zahnärzte schult und trainiert. Die erfolgreichen Absolventen werden zertifiziert und sind an einer entsprechenden Bestätigung ihrer Fortbildung zu erkennen. Auf der Website der DGI im Bereich „Patienten" finden sich nicht nur Hinweise für an dem Thema Interessierte, sondern auch ein Feld zum Thema „Implantologen finden".

1. Radieschen: gut gegen Entzündungen

Wenn das biologische Gleichgewicht im Mund aus dem Lot kommt und sich eine Entzündung zeigt, ist es für vorbeugende Maßnahmen zu spät: Dann muss ein Zahnarzt mit einer entsprechenden Behandlung die entstandene Entzündung eindämmen. Dass man aber ohne großen Aufwand solchen Entzündungen auch mit natürlichen Stoffen vorbeugen kann, berichtete Internistin Prof. Dr. Ingrid Kührer (Universitätsklinikum Wien) bei einer Informationsveranstaltung für Patienten zum Thema gesunde Ernährung. Demnach mache es (neben einer sorgfältigen Mundhygiene) gesundheitlich Sinn, täglich ein Radieschen zu essen bzw. langsam zu kauen, so dass die Inhaltsstoffe über den Speichel an verschiedene Stellen des Mundes getragen werden. Insbesondere die enthaltenen scharf schmeckenden Senföle wirken leicht antibiotisch, sie können neben Bakterien auch Pilze abtöten. Dabei hängt die Wirkung von der Größe des Radieschens ab: Die kleinen enthalten mehr hilfreiches Senföl als die „dicken".

Karies: Wird sie vererbt?

In der heutigen Zeit wird sowohl in Fachkreisen wie auch in der Bevölkerung viel über genetische Anlagen diskutiert: Was ist ererbt, was hat sich erst durch (ev. ungünstige) Umstände entwickelt? Viele Zahnärzte erleben, dass Patienten mit besonders vielen kariösen Zähnen behaupten, diese geerbt zu haben. Man könne daher wenig dagegen tun. Das sei eine Fehleinschätzung, stellte Präventivzahnmediziner Prof. Dr. Stefan Zimmer aus Witten-Herdecke vor einigen Wochen im Rahmen eines Pressegesprächs klar: „Vererbung spielt in Bezug auf Karies keine oder höchstens eine verschwindend geringe Rolle." Dennoch sie ein Zusammenhang mit den Eltern bzw. dem Elternhaus oft nicht von der Hand zu weisen, wenn auch in anderer Hinsicht als vermutet: „Sozusagen ‚vererbt' werden vor allem ungesunde Verhaltensmuster, die zu Karies führen." Im Blickpunkt stünden ungesunde Ernährung mit hohem und falsch genutztem Zuckerkonsum und – gerade bei diesem Ernährungsproblem – nicht genügend sorgfältige Mundhygiene. Wenn die Eltern gewöhnt sind, tagsüber ständig etwas zu naschen oder gesüßte Getränke zu sich zu nehmen und sich auch die Zähne vielleicht nur oberflächlich putzen, werden die Kinder das als „normal" erleben und voraussichtlich die gleichen schmerzhaften Zahnschäden-Erfahrung machen wie die Eltern. Es gebe, so Professor Zimmer, zwar sehr selten auch angeborene 

Zahnentwicklungsstörungen, die ein Risiko für die Zahngesundheit darstellen können, wenn sie nicht fachlich versiert gepflegt werden. In der Regel aber sind kariöse Zähne nicht geerbt, sondern aus Unwissen oder Unvermögen selbst „gemacht".

Knochenersatz: Gibt es nur einen richtigen Weg?

Aus vielen unterschiedlichen Gründen kann Knochen verloren gehen, der den natürlichen Zahn halten muss und, wenn notwendig, auch den Zahnwurzel-Ersatz, das Implantat. Dann muss bei der Planung der Implantatversorgung ein „Knochenersatz" mitberücksichtigt werden. Art und Umfang hängen dabei von der speziellen Situation bei dem individuellen Patienten ab. Für manche Menschen reicht eine kleine Menge Knochenersatzmaterial, dann wird meist auf industriell hergestellte Medizinprodukte zurückgegriffen. Bei großen Knochenverlusten ist die Lösung dieses Problems anspruchsvoller und es bieten sich verschiedene Vorgehensweisen an. Dazu gehört nicht zuletzt, anstelle von industriell 

gefertigten Medizinprodukten auf körpereigenes (Knochen-)Material zurückzugreifen, das sich durch Entnahme an anderer Stelle und entsprechende Aufbereitung gewinnen lässt. Auf die Frage, ob es hier einen richtigen und einen falschen Weg gibt, stellte Prof. Dr. Frank Schwarz, Präsident der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie), in einer Antwort auf eine Medienanfrage vor wenigen Wochen klar heraus, dass es durchaus verschiedene Wege gebe, sein Ziel zu erreichen. Wichtig sei, dass ein Verfahren unter realistischen Alltagsbedingungen zu ermöglichen ist. Aspekte wie diese und entsprechende Erfahrungen würden bei Fachkongressen unter den Kollegen intensiv diskutiert und für die praktische Anwendung in der Zahnarztpraxis übernommen.

Milchzähne: Karies nicht so schlimm?

Anders als Krokodile, bei denen Zähne mehrfach nachwachsen können, gibt es beim Menschen nur zwei Dentitionen: die Milchzähne und die „bleibenden" Zähne. Dritte Zähne gibt es dann nur noch von Zahnärzten und Zahntechnikern als „Zahnersatz". 

Untersuchungen zeigen, dass trotz aller Aufklärung noch überraschend viele Familie davon ausgehen, dass die Pflege der Milchzähne und eventuell auftretende Karies nicht so schlimm sei – die Zähne fielen ja ohnehin wieder aus. „Das ist aber grundlegend falsch", erklärte bei einer Pressekonferenz in Berlin Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Zahnklinik Witten-Herdecke. Er betonte: „In die Zeit der Milchzähne fallen die wichtigsten Entwicklungen des Kindes." Es lerne in dieser Zeit sprechen, es wachse und entwickle dabei auch seine zukünftige Gesichtsform. Dabei steuern Milchzähne genau diese Aspekte – und weitere mehr. Gehen Milchzähne dann vorzeitig verloren, könne die Sprachentwicklung und das natürliche Gesichtswachstum beeinträchtigt werden. Es sei zudem nicht so, dass die Kleinkinder keine Schmerzen durch die Karies empfänden. Bei fehlenden Milchzähnen kann die Ernährung nicht regelgerecht erfolgen, und nicht zuletzt kann der bleibende Zahn oft seinen natürlichen Platz nicht einnehmen, weil Nachbarzähne in die entstandene Zahnlücke gekippt sind und dem Nachfolger den Platz versperren. Dann sucht er sich einen neuen Weg in die Mundhöhle – eine Entwicklung, die später oft mit aufwändiger 

kieferorthopädischer Behandlung wieder korrigiert werden muss. Bis die Situation optimiert werden kann, sind Kinder nicht selten belastenden Hänseleien durch andere Kinder ausgesetzt. Es gebe also sehr viele verschiedene Gründe, so Prof. Dr. Zimmer, die Milchzähne ernst zu nehmen und für ihre Gesundheit zu sorgen.

Bevölkerung: Sind Implantate „für jeden“ hilfreich?

Zuerst einmal kommt es immer auf den persönlichen Fall und den Umstand an, warum ein Zahn verloren gegangen ist und – eventuell ­– durch Implantat-getragenen Zahnersatz ersetzt werden soll. Es gibt sehr junge Patienten, für die Implantate beispielsweise nach einem Sportunfall hilfreich sind. Im Blickpunkt steht bei dieser Frage aber zumeist der ältere und alte Patient. Je älter die Menschen werden, um so mehr müssen sich Zahnarztpraxen auf Patienten einstellen, die chronisch krank sind und / oder mehrere Krankheiten gleichzeitig haben und entsprechend verschiedene Medikamente erhalten. Je nach Erkrankung und auch Medikamenten-Einnahme, darauf verwies Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake (Universität Göttingen) kürzlich bei einer Medienanfrage, kann die Prognose bei einem chirurgischen Eingriff und damit auch einer Implantat-Behandlung ungünstiger aussehen als bei weitgehend gesunden Patienten. Aber auch bei schwieriger Ausgangslage seien heute Lösungen denkbar, wenn bestimmte Voraussetzungen vor, während und nach der Behandlung berücksichtigt werden. Dennoch gebe es besondere Erkrankungen und Medikamenten-Folgen, die hinsichtlich einer geplanten implantologischen Versorgung kritisch zu sehen seien. Durch entsprechende Fortbildungen nicht zuletzt seitens der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie) werden chirurgisch und implantologisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte für solche besonderen Herausforderungen speziell geschult.

 

Bevölkerung: Sind Implantate „für jeden“ hilfreich?

Zuerst einmal kommt es immer auf den persönlichen Fall und den Umstand an, warum ein Zahn verloren gegangen ist und – eventuell ­– durch Implantat-getragenen Zahnersatz ersetzt werden soll. Es gibt sehr junge Patienten, für die Implantate beispielsweise nach einem Sportunfall hilfreich sind. Im Blickpunkt steht bei dieser Frage aber zumeist der ältere und alte Patient. Je älter die Menschen werden, um so mehr müssen sich Zahnarztpraxen auf Patienten einstellen, die chronisch krank sind und / oder mehrere Krankheiten gleichzeitig haben und entsprechend verschiedene Medikamente erhalten. Je nach Erkrankung und auch Medikamenten-Einnahme, darauf verwies Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake (Universität Göttingen) kürzlich bei einer Medienanfrage, kann die Prognose bei einem chirurgischen Eingriff und damit auch einer Implantat-Behandlung ungünstiger aussehen als bei weitgehend gesunden Patienten. Aber auch bei schwieriger Ausgangslage seien heute Lösungen denkbar, wenn bestimmte Voraussetzungen vor, während und nach der Behandlung berücksichtigt werden. Dennoch gebe es besondere Erkrankungen und Medikamenten-Folgen, die hinsichtlich einer geplanten implantologischen Versorgung kritisch zu sehen seien. Durch entsprechende Fortbildungen nicht zuletzt seitens der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie) werden chirurgisch und implantologisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte für solche besonderen Herausforderungen speziell geschult.

Bevölkerung: Sind Implantate „für jeden“ hilfreich?

Zuerst einmal kommt es immer auf den persönlichen Fall und den Umstand an, warum ein Zahn verloren gegangen ist und – eventuell ­– durch Implantat-getragenen Zahnersatz ersetzt werden soll. Es gibt sehr junge Patienten, für die Implantate beispielsweise nach einem Sportunfall hilfreich sind. Im Blickpunkt steht bei dieser Frage aber zumeist der ältere und alte Patient. Je älter die Menschen werden, um so mehr müssen sich Zahnarztpraxen auf Patienten einstellen, die chronisch krank sind und / oder mehrere Krankheiten gleichzeitig haben und entsprechend verschiedene Medikamente erhalten. Je nach Erkrankung und auch Medikamenten-Einnahme, darauf verwies Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake (Universität Göttingen) kürzlich bei einer Medienanfrage, kann die Prognose bei einem chirurgischen Eingriff und damit auch einer Implantat-Behandlung ungünstiger aussehen als bei weitgehend gesunden Patienten. Aber auch bei schwieriger Ausgangslage seien heute Lösungen denkbar, wenn bestimmte Voraussetzungen vor, während und nach der Behandlung berücksichtigt werden. Dennoch gebe es besondere Erkrankungen und Medikamenten-Folgen, die hinsichtlich einer geplanten implantologischen Versorgung kritisch zu sehen seien. Durch entsprechende Fortbildungen nicht zuletzt seitens der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie) werden chirurgisch und implantologisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte für solche besonderen Herausforderungen speziell geschult.

Schwangerschaft: Ist Zahnverlust normal?

Der Volksmund sagt: Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn. Ob das richtig oder falsch ist, erklärte Prof. Dr. Stefan Zimmer (Universität Witten-Herdcke) bei einer Presseveranstaltung in Berlin. Sein Resümee: Der Volksmund hat sowohl recht als auch unrecht. Unrecht hat er insofern, als Zahnverlust in der Schwangerschaft keineswegs „normal" ist. Das Zahnfleisch, ist hormonell bedingt in dieser Zeit etwas lockerer und empfindlicher. Bakterien haben es  leichter, sich festzusetzen, zu verstecken und zu Gewebereizungen und Erkrankungen zu führen. Wenn eine schwangere Frau schon vorher eine – zumal unentdeckte – Parodontitis (Zahnbettentzündung) hatte, kann sie in der Zeit der Schwangerschaft deutlich schneller voranschreiten. Das kann dann tatsächlich bis zu Zahnverlust führen. Weshalb der Volksmund unrecht hat: Es ist nicht die Schwangerschaft, die zum Zahnverlust führt, sondern die Entzündungsentwicklung im Zahnbett und die spezifische Plaque. Wird die Mundhygiene sorgfältig betrieben und werden die Bereiche im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung regelmäßig kontrolliert und gepflegt, ist ein Zahnverlust in der Regel vermeidbar. Studien haben gezeigt, dass mit der Schwangerschaft in Verbindung gebrachter Zahnverlust vor allem bei solchen Patientinnen beobachtet wurde, die sich nicht um eine sorgfältige Mundhygiene bemühten oder sich mit schwangerschaftsbedingten Veränderungen (häufiges Erbrechen etc.) nicht an ihre Zahnarztpraxis wandten. Die Zahnärzteschaft und ihre Teams sind auch in diesem Bereich gut ausgebildet und können vielfältige Hilfestellungen bieten.

Zahnersatz: Auch das WANN ist wichtig

Obwohl immer mehr Menschen auch im fortgeschrittenen Alter noch natürliche Zähne haben, gibt es doch zahlreiche Patienten, die gänzlich zahnlos sind. Ein gut sitzender Zahnersatz stellt bei wenig Verankerungsmöglichkeiten die Zahnärzte und Zahntechniker aber vor größere Herausforderungen. In einem Interview wies Prof. Dr. Günter Dhom aus  Ludwigshafen, ehemaliger Präsident der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie), jetzt darauf hin, dass der Zeitpunkt der Behandlung und die persönliche Situation des Patienten eine gewichtige Rolle bei der Entscheidung für das Zahnersatz-Verfahren spielt. Technisch stünden verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl, wenn die Prothese festsitzend auf einem Implantat verankert werden soll. Ob der Zahnersatz nun durch Steg-, Teleskop-, Kugelkopf- oder sogenannte Locatoren-Technik oder andere Maßnahmen im Kiefer verankert wird, müsse mit Blick auf den Zeitpunkt im Leben des Patienten und seine Lebensphase 

entschieden werden. Die Voraussetzungen für einen auch aus Sicht des Patienten guten Behandlungserfolg hängen davon ab, wie alt der Patient ist, ob er fit und vital ist und sich noch gut selbst versorgen kann oder bereits jetzt oder absehbar auf fremde Hilfe angewiesen ist. Für einen chronisch erkrankten Patienten kann die Auswahl an Verfahren anders ausgehen als für einen Gesunden, der auch großen Wert auf das Aussehen legt. Zahnärzte beachten bei der Auswahl zudem die mögliche Restbezahnung im Gegenkiefer und stimmen die fachlichen Aspekte mit den persönlichen Wünschen der Patienten ab.

Zähneputzen: Sind zwei Minuten genug?

Nicht zuletzt in der Werbung wird „2 x täglich Zähneputzen" propagiert – eine Pauschalierung, gegen die sich Präventivzahnmediziner Prof. Dr. Stefan Zimmer (Universität Witten-Herdecke) entschieden wehrt. Aus Anlass des diesjährigen Tages der Zahngesundheit wies er darauf hin, dass die richtige Anzahl und auch die richtige Putzdauer nur individuell festgelegt werden kann. Jemand, der insgesamt gesund ist und gut die Zahnbürste führen kann, erreicht in kürzerer Zeit eine plaquefreiere Zahnreihe als Menschen, die entweder die Zahnbürste kaum richtig halten können oder auch krank sind und belastende Medikamente nehmen müssen. Auch die oft angegebene durchschnittliche Putzdauer ist nicht in Stein gemeißelt: Sie habe früher drei Minuten betragen, so Zimmer, und sei nun auf zwei Minuten abgesenkt worden – seit elektrische Zahnbürsten aus den USA auf den deutschen Markt kommen mit auf zwei Minuten voreingestelltem Timer. Studien hätten gezeigt, dass selbst nach fünf Minuten sorgfältiger Putzdauer noch keineswegs bei jedem Patienten der größte Teil der Zahnbeläge entfernt waren – bei manchen Menschen auch nach zehn Minuten nicht, bei anderen war war zwei Minuten alles weitgehend gereinigt. Sein Tipp: Mit Plaqueanfärbetabletten aus der Apotheke kann jeder selbst testen, wie gut und wie schnell man seine eigenen Zähne rundum sauber bekommt.

„Low Carb“ gegen Zahnbetterkrankungen

Eine Ernährung, die entzündungshemmende Nährstoffe enthält, wirkt sich positiv auf Entzündungen des Zahnfleisches und des Zahnbetts aus. Das zeigt eine Pilot-Studie an der Universität Freiburg. An der Studie nahmen 15 Testpersonen teil, die unter einer Zahnfleisch- oder Zahnbettentzündung litten. Zehn Teilnehmer wurden für sechs Wochen auf eine kohlenhydratarme („Low Carb") Diät gesetzt. Sie aßen stattdessen vermehrt Nahrungsmittel, die Omega-3-Fettsäuren, die Vitamine C und D, Antioxidantien und Ballaststoffe enthielten, also viel Gemüse, Salat und Obst, Fisch und Fleisch. Die restlichen fünf ernährten sich nach ihren normalen Gewohnheiten. Die tägliche Zahnreinigung wurde von allen Teilnehmern fortgeführt, nur Interdentalbürsten und Zahnseide waren verboten. Nach Ablauf der sechs Wochen zeigte sich bei denjenigen, welche sich entzündungshemmend ernährten, eine signifikante Verbesserung der Entzündungen im Vergleich zu den Testpersonen, die nichts an ihren Ernährungsgewohnheiten geändert hatten. Außerdem hatten die erhöhte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffen den Plaque-Index verbessert.

Quelle: An oral health optimized diet can reduce gingival and periodontal inflammation in humans Woelber etal.BMCOralHealth

(2017) 17:28  DOI 10.1186/s12903-016-0257-1

http://download.springer.com/static/pdf/647/art%253A10.1186%252Fs12903-016-0257-1.pdf?originUrl=http%3A%2F%2Fbmcoralhealth.biomedcentral.com%2Farticle%2F10.1186%2Fs12903-016-0257-1&token2=exp=1475244060~acl=%2Fstatic%2Fpdf%2F647%2Fart%25253A10.1186%25252Fs12903-016-0257-1.pdf*~hmac=0ad1fbc54bd7bc5d856fc408c989226432d4a4493d0fca6a607c06761d26c0bc

Stiftung Warentest: Guter Kariesschutz muss nicht teuer sein

Die Mehrzahl der 32 Universalzahnpasten, welche die Stiftung Warentest unlängst untersuchte, schützen zuverlässig vor Karies. Darunter sind drei sehr gute, besonders preisgünstige vom Discounter, Drogeriemarkt bzw. Supermarkt. Befriedigend sind elf Produkte. Nur drei Pasten sind mangelhaft, wie die Stiftung in der September-Ausgabe der Zeitschrift test berichtet. Die fünf Spitzenreiter im Test bieten eine optimale Kariesprophylaxe und entfernen auch Verfärbungen zuverlässig. Sie enthalten – wie die meisten Zahnpasten im Test – Zink, das gegen Bakterien wirkt und damit vor Plaque, Zahnstein, Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch schützt. Allerdings hält die Stiftung Zink in handelsüblichen Konzentrationen nur in Pasten für Erwachsene für sinnvoll. Die getesteten Zahnpasten mit Zink sind deshalb für Kinder und Jugendliche nicht geeignet. Viele von ihnen enthalten aber keinen entsprechenden Hinweis. Die drei mangelhaften Zahnpasten enthalten kein Fluorid obwohl dessen Wirksamkeit in der Kariesprophylaxe klar belegt ist.

www.test.de/zahnpasta

Quelle: Stiftung Warentest
https://www.test.de/presse/pressemitteilungen/Universalzahnpasta-Sehr-guter-Kariesschutz-muss-nicht-teuer-sein-5060933-0/

Diabetes: Einmal im Jahr zum Zahnfleisch-Check

Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Zahnbetterkrankungen (Parodontitis). Darum ist ein jährlicher Check wichtig, bei dem der Zahnarzt den sogenannten Parodontalen Screening Index (PSI) erhebt. Der Arzt untersucht das Zahnfleisch mit einer kleinen Spezial-Sonde. Diese wird vorsichtig am Zahn entlang in die Zahnfleischtasche eingeführt. Dies geschieht bei jedem Zahn an verschiedenen Stellen. Geprüft wird so die Sondierungstiefe, die Blutungsneigung des Zahnfleisches und die Rauigkeiten der Zahnoberfläche. Die möglichen Befunde werden zu Codewerten zusammengefasst, die Aufschluss über den Zustand des Zahnfleisches geben.

Eine Parodontitis bei Diabetikern erfordert eine intensive Betreuung mit kurzen Abständen zwischen Kontrolluntersuchungen und eine sorgfältige Behandlung mit einer engmaschigen Erhaltungstherapie (UPT).

Quelle: http://www.zwp-online.info/de/fachgebiete/dentalhygiene/parodontologie/auswirkungen-der-assoziation-zwischen-parodontitis-und-diabetes-der-patientenberatung

Zahnfehlstellungen durch Schnuller: Form und Dauer entscheiden

Schnuller sind ein Beruhigungsmittel für Babys. Allerdings kann das Nuckeln Fehlstellungen der Zähne fördern. Eine von ihnen ist der so genannte frontal offene Biss. Dabei werden die Kieferknochen durch regelmäßigen Druck so verformt, dass die Schneidezähne nicht mehr aufeinandertreffen. Lispeln und andere Sprechstörungen sind die Folge. Wie eine Studie an der Universität Witten/Herdecke zeigt, spielt die Form des Schnullers dabei die entscheidende Rolle. Die Zahnärzte hatten 121 Kindern untersucht, die in drei Gruppen aufgeteilt worden waren. Bei Gruppe Nummer eins benutzten die Eltern einen konventionellen Sauger, in der zweiten Gruppe kam einen speziell geformter Sauger zum Einsatz und in der dritten Gruppe verzichteten die Eltern generell auf den Einsatz eines Schnullers. Nach zwei Jahren konnten die Zahnmediziner beachtliche Unterschiede zwischen den Gruppen feststellen. Die Hälfte der Kinder mit herkömmlichen Schnullern hatte einen frontal offenen Biss entwickelt, während bei den Nutzern des Spezialschnullers weniger als sieben Prozent diese Zahnfehlstellung aufwiesen. Kinder ohne Schnuller-Gebrauch hatten auch keine Fehlstellungen. Die Wissenschaftler fanden noch einen weiteren Risikofaktor: Je mehr Zeit am Tag das Kind den Schnuller im Mund hatte, desto größer war das Risiko für einen offenen Biss. Kinder mit offenem Biss nuckelten täglich rund vier Stunden, Kinder ohne Zahnfehlstellungen durchschnittlich nur 1,3 Stunden.        

Quelle: J Clin Pediatr Dent. 2016;40(4):328-33. doi: 10.17796/1053-4628-40.4.328.
Anterior Open Bite In 27 Months Old Children after Use of a Novel Pacifier - A Cohort Study.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Journal+of+Clinical+Pediatric+Dentistry+(2016%3B40(4)%3A328-33)

Mundgesundheit ist neues Unterrichtsfach in Rheinland-Pfalz

Die Abc-Schützen in Rheinland-Pfalz haben ab dem neuen Schuljahr ein neues Unterrichtsfach: Zahngesundheit. Zweimal jährlich werden die 575 Schulzahnärzte des Bundeslandes die Grundschulen besuchen und jeweils zwei Stunden Unterricht pro Schuljahr und Klasse geben. Wie putze ich die Zähne richtig? Welche Lebensmittel tun den Zähnen gut? Welche schaden ihnen? Altersgerecht und spielerisch erklärt der Zahnarzt den Schülern, worauf es bei der richtigen Zahnpflege ankommt und wie sie ihre Zähne gesund erhalten. Ergänzt wird der Prophylaxeunterricht in den ersten Klassen durch eine zahnärztliche Untersuchung in der Schule. In den zweiten bis vierten Klassen werden die Kinder zur Untersuchung an den Hauszahnarzt verwiesen. Dass sich die Aufklärungsarbeit der Jugendzahnpflege auszahlt, zeigen Untersuchungen: Nahezu zwei Drittel der Erstklässler haben heute ein naturgesundes Gebiss. Vor zwanzig Jahren hatte lediglich ein gutes Drittel der Abc-Schützen kariesfreie Zähne.

Hilfe bei „verkalktem“ Zahnkanal

Nach einem Zahnunfall kann der betroffene Zahn mit einer „Verkalkung" des Nervs reagieren. Dann ist die Behandlung selbst in Spezialistenhand und mit Operationsmikroskop schwer. Ein neues Verfahren, entwickelt am Zahnunfallzentrum der Uniklinik Würzburg, kann die Behandlung wesentlich erleichtern. Wissenschaftler des Zentrums haben in Kooperation mit Schweizer Kollegen ein neuartiges Verfahren zur schablonengestützten Navigation im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung „verkalkter" Zähne entwickelt. Die neue Methode – „Guided Endodontics" – kann Unfallopfern die Entfernung geschädigter Zähne ersparen.

Die 3D-Daten einer dreidimensionalen Röntgenschichtaufnahme der Zahnregion sowie ein optischer Scan der Zähne werden vor der Behandlung im Computer übereinander gelagert und dienen als Grundlage für die virtuelle Planung einer sogenannten Bohrschablone. Diese wird in einem 3D-Drucker erstellt. Mit Hilfe dieser Bohrschablone kann der verkalkte Wurzelkanal unter maximaler Schonung der Zahnhartsubstanz geöffnet und behandelt werden.

Parodontitis ist in Deutschland die häufigste Erkrankung im Mundbereich

Mehr als die Hälfte der jüngeren Erwachsenen leiden unter Parodontitis, zehn Prozent haben eine schwere Parodontitis. In diesen Fällen beträgt die sogenannte Sondierungstiefe der Zahnfleischtaschen, die der Zahnarzt bei einer Untersuchung messen kann, mehr als 6 Millimeter. Bei den schweren Parodontalerkrankungen liegt Deutschland gemeinsam mit Frankreich damit auf dem zweiten Platz hinter Japan, wo lediglich vier Prozent der Bevölkerung unter schweren Parodontalerkrankungen leiden. Bei der moderaten Parodontitis – die Sondierungstiefe der Zahnfleischtaschen beträgt in diesen Fällen vier bis fünf Millimeter – nimmt der Wert bei den jüngeren Erwachsenen dann allerdings rapide zu: Betroffen sind in dieser Altersgruppe 48 Prozent. Hier liegt  Deutschland im internationalen Vergleich im hinteren Drittel. Bei den jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige) liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf einem hinteren Platz: In dieser Altersgruppe haben 25 Prozent der Patienten eine schwere und 51 Prozent eine moderate Parodontitis.

Patienten übernehmen Verantwortung für ihre Mundgesundheit

Wie die aktuelle Mundgesundheitsstudie 2016 belegt, ist die Zahn- und Mundgesundheit den befragten Menschen in Deutschland sehr wichtig. Die meisten Bürger wissen, dass gesunde Zähne auch das Ergebnis ihres eigenen Handelns sind: Immerhin zwischen 70 und 85 Prozent der Befragten sind – je nach Altersgruppe – davon überzeugt, viel oder sehr viel für die Gesundheit der eigenen Zähne tun zu können. Dazu gehören auch Mundgesundheits-Checkups: Mehr als drei von vier Befragten gaben an, den Zahnarzt regelmäßig zur Kontrolle aufzusuchen. Bei Kindern dienen 82 Prozent der Zahnarzt-Kontakte der Routinekontrolle, bei Erwachsenen beträgt dieser Anteil 72 Prozent und bei Senioren sogar bei 90 Prozent.   

Mundgesundheit verbessert – Zuwachs bei Implantatversorgung

Laut der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie hat sich die Zahn- und Mundgesundheit der Bevölkerung in allen Bereichen und über alle sozialen Schichten hinweg weiter verbessert, was die Bedeutung der zahnärztlichen Prävention spricht. Die steigende Anzahl eigener Zähne bis ins hohe Alter ermöglicht immer mehr Patienten, sich für einen festsitzenden Zahnersatz wie Brücken, Kronen oder Implantate zu entscheiden. Zum Thema Implantate vermelden die Forscher, dass heute zehnmal mehr Patienten Implantate tragen als noch im Jahr 1997. Damals hatte es in der Stichprobe der Epidemiologen nur zehn Implantatträger gegeben, was einem Anteil von 0,7 Prozent der Patienten mit Zahnersatz entsprach. In der folgenden Mundgesundheitsstudie 2005 war dieser Anteil  auf 2,6 Prozent gestiegen. In der neuesten Untersuchung liegt der Anteil bei 7 Prozent,  in der Gruppe der 65-74-Jährigen haben sogar 8,1% implantatgetragenen Zahnersatz. 

Ötzi hatte Zahnprobleme

Dass die Ötzi genannte Mumie aus dem Eis neben anderen vielfältigen Gesundheitsproblemen auch kranke Zähne hatte, berichteten Wissenschaftler bei einem Kongress zum 25-jährigen Jubiläum von Ötzis Entdeckung. Forscher vom Zentrum für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich (UZH) haben gemeinsam mit ausländischen Kollegen den „Mann aus dem Eis untersucht". Ötzi hatte alle Zahnprobleme, unter denen auch moderne Menschen leiden: Er litt an einer Entzündung des Zahnhalteapparats (Paradontitis), hatte ausgeprägte Karies sowie eine wahrscheinlich unfallbedingte Verletzung eines Frontzahns. Wie der Zahnarzt Roger Seiler vom Zentrum für Evolutionäre Medizin der UZH sagte, sei der Schwund des Zahnhalteapparates schon immer eine sehr häufige Erkrankung, wie Schädelfunde aus der Steinzeit oder die Untersuchung ägyptischer Mumien zeigten.     

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