Patienten-News

3. Knirschen: kein Hinderungsgrund für Implantate

Von der früheren Lehrmeinung, dass Implantate bei knirschenden Patienten nicht angewendet werden sollen, sind Wissenschaft und Technik inzwischen abgewichen. Prof. Dr. Peter Rammelsberger, an der Heidelberger Universität insbesondere für Prothetik zuständig, betonte in seinem Eröffnungsvortrag zum diesjährigen Kongress der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie vor wenigen Tagen in Wiesbaden, dass Implantatversorgung mit Kiefergelenkproblemen vereinbar sei. Auch wenn der Patient mit den Zähnen knirsche, was eine erhebliche Belastung für die Strukturen im Mund darstelle, könnten mit den heute bestehenden Materialien und Systemen individuell passende Lösungen entwickelt werden. Auch für die Auswahl des Materials für den Zahnersatz im Bereich der Zahnkrone müsste aus den Möglichkeiten, die es auf dem Markt gebe, gezielt nach Passendem gesucht werden. So wie die natürlichen Zähne mit Schäden auf das Knirschen reagierten, seien auch die prothetischen Zahnkronen erhöhter Belastung ausgesetzt – hier steht die Standhaftigkeit des Zahnersatzes über alternativen und belastungsempfindlichen Lösungen. So seien beispielsweise Versorgungen aus Metall oder aus Hochleistungskeramik widerstandsfähiger als andere Möglichkeiten.

2. Lebensverlauf: Implantate müssen passen

Im Zuge des Älterwerdendes verändert sich im Körper sehr viel, darunter oft die Stabilität der Knochen und, insbesondere im Mund, das mögliche Zurückweichen von Zahnfleisch. Prof. Dr. Frauke Müller, Universität Genf, die sich spezialisiert hat auf Alterszahnmedizin, wies in einer großen deutschen zahnärztlichen Fachzeitschrift Anfang Dezember darauf hin, dass Implantate sich nicht veränderten mit der Zeit – aber das Gewebe um das Implantat herum. Zudem würden bei vielen älteren und alten Menschen die Fähigkeiten abnehmen, bei der Zahn- und Mundpflege noch ausreichend gut sehen zu können, auch verlören viele alte und hochbetagte Menschen ihren Tastsinn. Da nicht alle auf eine sehr gute Pflege-Betreuung bauen könnten, sei es wichtig, dass die Menschen nicht nur ihre eigenen verbliebenen Zähne, sondern beispielsweise auch ihren auf Implantaten ruhenden Zahnersatz selbst ausreichend reinigen könnten. Zahnersatz müsse am besten so konstruiert sein, dass er bei gesundheitlichen Veränderungen im Lebenslauf angepasst werden könne. Ältere und hochbetagte Menschen beispielsweise würden durch festsitzenden Zahnersatz eher gestresst. Diese Entwicklung müssten Zahnarzt und Patient rechtzeitig bei der Zahnersatz-Planung mitbedenken.

Männergesicht: Lächeln zählt

Eine spannende Untersuchung, die kürzlich in einem amerikanischen zahnärztlichen Fachjournal veröffentlicht wurde, zeigt, dass bei der Einschätzung der Attraktivität eines jungen Mannes vor allem der Mund eine große Rolle spielt. Geblickt wurde auf Ausschnitte des Gesichts, also Augen, Nase und Mund – und hier führt der Mund als wichtigster Faktor die Liste an: Das Lächeln wurde von keinem anderen „Gesichtsteil" als Attraktivitätsfaktor (nicht im Sinne von Schönheit, sondern von ansprechendem Äußerem) getoppt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es nicht der Mund selbst ist, sondern seine Muskulatur, die – anders als bei Auge und Nase – die meisten Veränderungen des Gesichtsausdrucks hervorruft. Wenn der Mund redet oder lacht, ist das ganze Gesicht mit einbezogen. Er sei, gewisserweise, tatsächlich das Kommunikationszentrum des Menschen.

Zahnunfälle: Schweizer Kinder immer öfter betroffen

Die Datenanalyse einer Schweizer Krankenkasse hat ergeben, dass die Anzahl an Zahnverletzungen (hier wurden nur die bleibenden Zähne betrachtet) bei Schweizer Kindern unter 18 Jahre in den letzten vier Jahren – so der Auswertungszeitraum – erheblich angestiegen sei. Zwar sei es nicht unerwartbar, dass Kinder bei Sport und Spiel auch Zahnunfälle erlitten – die Steigerung sei aber bemerkenswert. Der Blick auf die betroffenen Kinder ergab, dass insbesondere Jungen Zahnunfälle erleiden, rund zwei von drei Kindern mit Zahnschäden dieser Art waren Jungen. Besonders häufig kommt es bei Stürzen zu Zahnverletzungen. Auch Wettkampf-Sportarten wie Handball sind besonders riskant, ebenso die Nutzung der neuerdings wieder sehr beliebten Tretroller. Die Problematik wird deutlich dadurch, dass hier nicht Milchzähne betrachtet wurden, die einen „bleibenden Zahn" als Nachfolger haben, sondern die bleibenden Zähne selbst, die nur durch Zahnersatz behandelt werden können. Das sei, so die Krankenkassen, ein steigender Kostenaspekt, der durch die Kasse geleistet werden müsse.

Interdentalraumpflege: Wichtig oder nicht?

Zahnärztliche Wissenschaftler sind sich einig, wie eine neue Veröffentlichung in einer großen zahnmedizinischen Fachzeitschrift zeigt: Auch wenn keine sogenannte „Evidenz" vorliegt, also ein durch viele Daten unterstützter eindeutiger Beleg, ist die Zahnzwischenraumreinigung, die „Interdentalraumpflege" auf jeden Fall sinnvoll. Bleibe sie aus, könnten die nicht entfernten bakteriellen Beläge zu einem Risiko für spezielle, keimbezogene Erkrankungen werden. Untersuchungen zeigten zudem einen Gewebeschwund rund um den Zahn, der seinerseits zu Belastungen für das Zahnbett und die Gesundheit des Zahnumfeldes führen kann. Zwar sei es fraglich, ob die Bevölkerung mit den nicht auf Anhieb leicht einzusetzenden Interdentalraumpflege-Hilfsmitteln umgehen könne, da sich Untersuchungen zufolge schon Probleme bei der sachgerechten Handhabung der Zahnbürste zeigten – andererseits sei der Sinn der Zahnzwischenraumpflege so deutlich, dass ein Training beispielsweise im Rahmen einer Professionellen Zahnreinigung (PZR) empfehlenswert wäre, ein Angebot an die Patienten, das auch wiederholt gemacht werden müsse, um den Fortschritt zu verfestigen. Die Autoren des Fachbeitrages weisen aber darauf hin, dass eine kontinuierliche Anwendung notwendig sei und nicht eine vierteljährliche oder einmalige im Vorfeld einer PZR.

Einzelzahnimplantat: Inzwischen Standardversorgung?

Implantologisch erfahrene Zahnärzte aus verschiedenen Ländern diskutierten bei einem Fachkongress im Oktober dieses Jahres in München die Frage, welche Rolle das Einzelzahnimplantat bei der Zahnersatz-Versorgung der Patienten heute spielt. Die Statistik zeigt, dass die Einzelzahnversorgung die mit Abstand häufigste Aufgabe ist, die mit einem implantatgetragenen Zahnersatz gelöst wird. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es auch bei implantatgetragenen Brücken zu neuen Vorgehensweisen kommen wird: Anstelle einer Brücke, also einer miteinander in fester Verbindung stehenden Anzahl von prothetischen Zahnkronen, könnte sich mehr und mehr die Addition von Einzelzahn-Implantaten durchsetzen. Vorteil unter anderem: Der Zahnersatz ist noch mehr an die natürliche Aufgabe der Einzelzähne angepasst und kann Belastungen individueller aufnehmen und aushalten. Und sollte es an einem Zahn zu Problemen kommen wie einer Reparatur oder Neufertigung, ist nur dieser Zahn und nicht die ganze Brücke betroffen. Zudem könne eine solche Einzelzahnlösung unproblematisch durch zusätzliche Einzelzahnimplantate erweitert werden, ohne dass eine bestehende Brücke erneuert bzw. die Belastung neu angeglichen werden muss. Letztlich entscheide die individuelle Situation des Patienten über die Art der Versorgung.

Morbus Alzheimer: Rolle der Mundgesundheit

Einer aktuellen Veröffentlichung in einer Zahnärzte-Zeitschrift zufolge leiden weltweit 24 Millionen Menschen unter der Alzheimer-Erkrankung – kein Wunder also, wenn ebenfalls weltweit nach Ursachen für diese degenerative Entwicklung gesucht wird, denn ein klarer Ursache-Folge-Zusammenhang ist derzeit noch nicht gefunden.  Möglicherweise gibt es auch nicht die eine Ursache: Schon jetzt zeigen sich verschiedene Risikofaktoren wie beispielsweise genetische Besonderheiten.  Auch entzündliche Prozesse und ihre Auswirkungen auf das Immunsystem werden als Faktoren für die Alzheimer-Entstehung diskutiert – und hier kommen auch entzündliche Prozesse im Mund in den Blickpunkt. Einige der an Parodontitis beteiligten Keime sind gewebeinvasiv, dringen also unter anderem in die Blutbahn ein und rufen aggressive Abwehrzellen auf den Plan. Problematisch ist, dass diese Keime offenbar auch über Nervenbahnen die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Bei einer Testgruppe an verstorbenen Alzheimer-Patienten konnten bei fast allen Parodontitis-Keime im Hirn nachgewiesen werden. Auch wenn letzte Beweise noch ausstehen, dürfte – so die Studiengruppe – ein Zusammenhang von Parodontitis und Alzheimer belegt sein. Die Reduktion der chronischen Parodontitis kann daher auch für die Vorbeugung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer eine relevante Rolle spielen.

Lebensraum Mund: Rolle des Zuckers

Der Mund ist ein Lebensraum, ein Biotop – besiedelt von Millionen unterschiedlicher Keime, gesundheitsförderlichen und gesundheitsschädlichen, die sich meist gegenseitig in Schach halten. An der Universität Freiburg wurde nun untersucht, was sich in diesem Biotop verändert, wenn Zucker gegessen oder getrunken wird, zum Beispiel über ein Glas Apfelschorle. Insbesondere über anhaltenden Zuckerkonsum und die Folgen für die biologische Vielfalt im Mund wurden Erhebungen durchgeführt und es hat sich dabei gezeigt, dass die Vielfalt der Keime im Mund bei Zuckernutzung zurückgeht. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Zusammensetzung und die Stabilität der Keim-Flora im Mund: Es vermehrten sich ausgerechnet solche Bakterienfamilien, die als Hauptverursacher von Karies gesehen werden.  Insbesondere solche zuckerhaltigen Lebensmittel, die lange im Mund verbleiben wie Bonbons oder Fruchtdrinks für Kinder verändern das Biotop nachhaltig zuungunsten der Mundgesundheit, betonte Studienleiter Prof. Dr. Elmar Hellwig, Universität Freiburg.

Mundgesundheit: Zusammenhang mit Bluthochdruck?

Immer neue Studien widmen sich der Frage, welche Zusammenhänge es zwischen Mundgesundheit und verbreiteten allgemeinen Erkrankungen es geben könnte. Aktuell veröffentlicht ist eine Untersuchung an einer italienischen Universität, die Zusammenhänge mit Blick auf Bluthochdruck geprüft hat. Rund 40 % der Bevölkerung, so die Veröffentlichung der Studienergebnisse vor ein paar Wochen, leiden unter relevanter Parodontitis (Zahnbettentzündung), einer chronischen Infektion, deren Keime über die Blutbahn auch andere Bereiche des Körpers in Mitleidenschaft ziehen. Demnach haben Patienten ohne Parodontitis seltener Bluthochdruck – und sie reagieren, wenn sie doch betroffen sind, besser auf die entsprechenden Medikamente. Bei Menschen mit Zahnbettentzündungen wird die Wirkweise der Arzneimittel abgeschwächt, in etwa in gleicher Intensität, wie die klassischerweise empfohlene Reduktion des Salz-Verbrauchs zu Buche schlägt. Die Forscher halten dazu fest, dass Bluthochdruckpatienten nicht nur bei Hausarzt und Kardiologen, sondern auch bei Zahnärzten regelmäßig ihren Gesundheitszustand prüfen lassen sollten. Werde die eventuell bestehende Parodontitis erfolgreich behandelt, gehe oft auch die Belastung für das Herz-Kreislauf-System zurück.

Babys: Stillen ist beste Vorsorge

In einer neuen Patienteninformation zum Thema Schwangerschaft und Mundgesundheit informieren Landeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen werdende und junge Mütter zur richtigen Vorgehensweise, um Zahn- und Kieferschäden zu vermeiden. Unter anderem wird verdeutlicht, dass Stillen neben den bekannten wichtigen positiven Wirkungen für Wachsen und Immungesundheit des Kindes auch Vorsorge ist gegen Zahn- und Kieferfehlstellungen: Die Saugbewegungen beim Stillen formen den Mund auf natürliche Weise in die richtige Richtung. Gewarnt wird auch vor dem übermäßigen Einsatz von Nuckelfläschchen mit dem bekannt hohen Karies-Risiko: Früher als viele Eltern denken, könnten Babys bereits feste und flüssige Nahrung über Löffelchen oder auch kleine Becher aufnehmen.  Mundpflege, so der Appell der Herausgeber, sei fester Bestandteil der Körperpflege der kleinen Kinder und gehöre zu den Fürsorge-Aufgaben der Eltern.

Zahnimplantate aus Keramik: Stand der Diskussion

In einem ausführlichen Beitrag in einer der zentralen Fachzeitschriften der deutschen Zahnärzteschaft diskutierten kürzlich erfahrene Wissenschaftler, darunter Prof. Dr. Florian Beuer vom Vorstand der DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie, die Frage, ob Implantate aus Keramik die lang und erfolgreich genutzten Implantate aus Titan ersetzen könnten. Manche Patienten mögen eine „metallfreie" Behandlung, und auch die Farbe dieser Implantate spielt eine Rolle: Das Weiß verhindert ein möglicherweise dunkles Schimmern, wie es bei zarter Mundschleimhaut nach Titanimplantat-Versorgung vorkommen kann. Neu ist Keramik als Werkstoff für Implantate nicht: Mit ihm wurde vor rund 50 Jahren fast zeitgleich mit Titan experimentiert, wobei damals Keramik Probleme bereitete, die heute so nicht mehr existieren. Mittlerweile gibt es Hochleitungskeramik, die – so der Expertenkreis – „stahlhart" ist. Studien haben gezeigt, dass sogenannte einteilige Keramikimplantate insbesondere bei Einzelzahnversorgung oder dreigliedrigen Brücken den Titan-Lösungen inzwischen ebenbürtig sind.

Pilze: Positiver Effekt gegen Karies

Pilzfreunde dürfen sich freuen – zumal, wenn sie den Pilz Shiitake mögen: Wie verschiedene Forscherteams in den zurückliegenden Jahren entdeckt haben, haben sie offenbar eine antibakterielle Wirkung und können dazu beitragen, Karies zu verhindern. Eine aktuelle Presseinformationen der Ernährungsorganisation „food watch" verweist auf gleich mehrere Studien: Im Jahr 2011 ergab eine Londonder Forschungsarbeit, dass die antibakterielle Wirkung von entsprechenden Mundspüllösungen gleich wirksam war wie eine hergestellte Mundspülung aus Shiitake-Pilzen. Im laufenden Jahr wurden Bestandteile der Pilze wie Chinasäure, OxalsäureAdenosin und andere als natürliche Helfer gegen schädliche Mundbakterien identifiziert. Die Veröffentlichung spricht von 90 % Hemmung des Bakterienwachstums und bis zu 60 % erfolgreiche Abtötung der Bakterienansammlungen. Ein Teil des Erfolges geht offenbar darauf zurück, dass die Wirkstoffe des Pilzes die Verdichtung der Zahnbeläge und so die Anhaftung der Plaque erschweren. Weitere Studien zeigten der Veröffentlichung zufolge eine differenzierte Wirkung gegen Bakterien im Vergleich zu chemischen Mundspülungen, die auf die gesamte Mundflora wirken. Da es Shiitake-Mundspülungen derzeit noch nicht gebe, könne man schon mit regelmäßigen Pilzmahlzeiten etwas Gutes für die Zahngesundheit tun.

Weiße Zähne: Vorsicht vor Hausmitteln

Vor einigen Wochen hat sich die Apotheken Umschau gemeinsam mit Wissenschaftlern einem Thema gewidmet, das viele Patienten interessiert: Wie bekommt man am besten weiße Zähne, und was ist von den in den Zeitschriften oft gepriesenen Hausmittelchen zu halten? Von Zitronensaft und Backpulver beispielsweise rieten die befragten Experten ganz klar ab – diese Stoffe griffen den Zahnschmelz an und könnten daher zu Karies führen. Bei „dritten" Zähnen, an der Zahnprothese, könnte Backpulver aber wenig schaden. Das aktuelles Trendprodukt Kokos-Öl, das für viele Effekte gehandelt werde, habe eine leichte antibakterielle Wirkung, so die befragten Experten, so könnten Zahnbeläge etwas minimiert werden, das natürliche Zahnweiss werde dann deutlicher sichtbar. Kritisch zu sehen seien Bleaching-Schienen für den Hausgebrauch – die Wirkstoff-Mischung arbeite in der Regel mit Wasserstoffperoxid, welches in kleinen Mengen über den Speichel auch in den Magen gelangen und diesen reizen könne. Die Zahnärzte empfehlen Bleaching-Behandlungen in der Zahnarztpraxis – hir werde mit Produkten und Techniken gearbeitet, die für die Behandlung von Patienten freigegeben sind.

Chemotherapie: Oft belastet Mundtrockenheit

Spanische Wissenschaftler haben Krebs-Patienten unter Chemotherapie befragt, welche Nebenwirkungen ihnen besonders zu schaffen machen. Die Ergebnisse dieser Erhebung an rund 150 Patienten haben sie kürzlich veröffentlicht. Demnach ist Mundtrockenheit ganz besonders belastend: Fast zwei Drittel der Patienten nannten sie als unangenehme Begleiterscheinung. Die Mundtrockenheit stand für die meisten zudem in engem Zusammenhang mit zwei anderen belastenden Effekten: Etwa gleich viele Patienten beklagten zudem eine Änderung ihres Geschmackssinnes, und fast jeder Zweite stellte eine Änderung des Geruchssinnes fest. Die Wissenschaftler interessierte hier als weiteren Schritt die Frage, ob alle Chemo-Therapie-Medikamente zu gleichen Nebenwirkungen führen oder unterschiedliche Ergebnisse bringen. Dabei zeigte sich, dass Präparate wie Cisplatin und 5-Fluororuacil hinsichtlich der Geschmacksveränderungen am wenigsten belasteten. Bei Produkten wie Carboplatin und Docetaxel fanden die spanischen Forscher dagegen eher höhere Effekte auf das Geschmacksempfinden. Sie regten an, die Auswahl der Medikamente auch hinsichtlich ihrer Effekte auf den Mund zu beachten – Krebspatienten sollten durch gestörte Empfindungen nicht von einer gesunden Ernährung abgehalten werden.

Rheuma: Bedeutung für Implantatbehandlungen

Im Vorfeld des Jahreskongresses der DGI, der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Implantologie, berichtete die Gesellschaft vor wenigen Tagen über aktuelle Diskussionen zum Thema Rheuma und Zahn-Implantate. Wie Dr. Stephan Acham aus Graz mitteilte, seien die Innovationen im Bereich Medikamententwicklung für Rheumapatienten erheblich – die Zahnarztpraxis sei hier herausgefordert, weil die meisten der Produkte auch Auswirkungen auf die biologischen Rahmenbedingungen bei einer aufwendigen Zahnbehandlung wie einer implantologischen Versorgung haben. Hier gelte es kontinuierlich am Ball zu bleiben, was die Nebenwirkungen neuer Medikamente für eine chirurgische Mundbehandlung betrifft. Viele der langjährig rheumakranken Patienten erhielten beispielsweise Antiresorptiva, die den Abbau von Knochenzellen reduzieren – eine bekannte Gruppe solcher Arzneimittel sind Bisphosphonate, aber auch Östrogene und andere Präparate zeigen ein solches Verhalten. Implantate dagegen brauchen Gewebebildung-fördernde Rahmenbedingungen, damit sie gut einheilen und anwachsen. Auch sogenannte „Biologika", also biologisch in Krankheitsgeschehen und Ausbreitung eingreifende Medikamente, zum Beispiel aus in Hightech-Verfahren bearbeiteten Eiweißstoffen, sind nicht risikofrei: Auch sie können zu Nebenwirkungen an der Mundschleimhaut und auch am Gewebe des Kieferknochens führen. Krankheiten des Patienten und seine regelmäßigen Medikamente spielen – nicht nur bei Rheuma – eine große Rolle in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Vorsorge: Umfrage zum Nutzungsverhalten

Eine aktuelle Studie der pronova BKK zum Wahrnehmungsverhalten der Bevölkerung an Vorsorgeangeboten hat, wie eine kürzlich erschienene Pressemitteilung darstellt, einige überraschende Ergebnisse geliefert. An erster Stelle aller Präventionsleistungen steht bei 90 % der Männer und 80 % der Frauen die Zahnvorsorge – damit nimmt sie mit Abstand den vordersten Platz bei allen zahn/ärztlichen Präventionsangeboten ein. 63 % der Frauen und 56 % der Männer nehmen alle oder fast alle der für sie empfohlenen verschiedenen Angebote war – wobei Männer bei der Auswahl eher mit Blick auf Fitness und Aussehen entscheiden. Frauen haben bei Volkskrankheiten und Krebs mehr Angst als Männer: Jede Dritte fürchtet sich vor einer Krebserkrankung, fast zwei Dritten haben Angst vor Schlaganfall oder Demenz und 56 % vor einem Herzinfarkt, Männer kommen hier auf einen Angst-Wert von 50 %. Die Krankenkasse zieht als Resümee ihrer Gesamtuntersuchung, dass Männer im Alltag Gesundheitsrisiken eher verdrängen als Frauen. Offenbar spielt die Sorge vor Darmkrebs hier eine Ausnahmerolle: Mit 62 % gehen mehr Männer zur Darmkrebsvorsorge als Frauen (56 %). Fitness und Attraktivität stehen vor allem bei jungen Männern hoch im Kurs – und damit auch die Vorsorge von Munderkrankungen und Zahnproblemen.

Zähne: Botschafter der Menschheitsgeschichte

Nicht wenige Erkenntnisse rund um die Geschichte der Entwicklung des Menschen sind verbunden mit Spuren an Zähnen – sie sind aus extrem widerstandsfähigem Material und erzählen auch tausende Jahre später, wie sich die Menschen damals ernährt haben. Das lässt Schlüsse darauf zu, ob es sich um Jäger- oder Ackerbau-Sippen handelte und wann welche Ernährungs- bzw. Lebensform wo existent war. Kürzlich gab es eine weitere Untersuchung zu diesem Thema: Eine internationale Forschergruppe aus Chile, Leipzig und Oxford hat mit Hilfe computertomographischer Daten erkundet, wie die Zahnwurzeln verschiedener Ur-Menschen gestaltet waren – und welche Kau-Bewegungen diese Menschen machten. Dabei zeigten sich erhebliche Unterschiede bei den in verschiedenen Teilen der Welt entdeckten Zahn-Funden von Frühmenschen. Die Belastungen des Ober- und Unterkiefers beim Kauen sind mitbeteiligt an der Entwicklung der Form des Schädels. Die Wissenschaftler interessieren die Erkenntnisse auch für die heutige Zahnmedizin: So könnten Zahnfehlstellungen und krankhafte Strukturveränderungen in Gesicht und Gesicht besser verstanden werden, wenn man ihre Geschichte kennt und welche Kaubewegungen zu welchen Veränderungen an den Zähnen, Zahnwurzeln und am Kiefer führen.

Mundhygiene bei Pflegebedürftigen: Rituale entwickeln

Der diesjährige bundesweite Tag der Zahngesundheit widmete sich vor allem dem Aspekt der Förderung beziehungsweise Erhaltung der Mundgesundheit von Patienten, die pflegebedürftig sind – unabhängig von ihrem Alter. Wie die Zahnärztekammer Niedersachsen in einer aktuellen Presseinformation dazu übermittelt, erweisen sich schon kleine Tricks als hilfreich, um die Bereitschaft dieser Patienten für die Mundpflege zu verbessern: So sollte ein passender Zeitpunkt im Tagesablauf des jeweiligen Patienten gefunden werden, der zu einem Ritual werden könnte. Hilfreich sind auch Zahnpasten, die dem jeweiligen Patienten/der jeweiligen Patientin auch schmecken. Bei Kindern helfe oft ein Zahnputzlied – eine motivationsfördernde Musik kann auch bei älteren, nicht zuletzt dementen Patienten die Bereitschaft zum Mitmachen oder Zulassen erhöhen. Für die Mundpflege der pflegebedürftigen Menschen, zumal bei einem Handicap, steht eine große Vielfalt an speziellen Mundhygienehilfsmitteln, zum Beispiel Dreikopf-Zahnbürsten, zur Verfügung. Wird der Patient/die Patientin in einem Pflegeheim versorgt, solle man darauf achten, ob das Heim eine Kooperationsvereinbarung mit einem niedergelassenen Zahnarzt hat – dann sei die Chance groß, dass die Bewohner auch fachgerecht mundgesundheitlich versorgt werden.

Aktuelle Umfrage: Wie unterstützen Krankenkassen bei PZR?

Für immer mehr Bürger in unserem Land hat die PZR, die „Professionelle Zahnreinigung", einen festen Platz im Jahreskalender – je nach individuellem Bedarf steht sie zweimal oder mehrfach auf dem Plan. Mit den technischen Möglichkeiten einer Zahnarztpraxis und entsprechend gut trainierten Teams lassen sich deutlich mehr kritische Zahnbeläge entfernen als man selbst dies zuhause leisten könnte. Die Zahnärzte sehen einen hohen Gewinn für die Zahngesundheit ihrer Patienten, zumal bei solchen mit erschwerten Möglichkeiten der eigenen Zahnpflege oder auch bei chronischen Erkrankungen. Ob die Krankenkassen diese Privatleistung in den Zahnarztpraxen finanziell unterstützen, hat die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung/KZBV im Vorfeld des diesjährigen Tages der Zahngesundheit am 25. September erhoben. Demnach gewähren die meisten der befragten gesetzlichen Krankenkassen ihren Mitgliedern Zuschüsse oder bieten über ihr Bonus-Programm unterstützende Leistungen. Empfohlen wird, sich diesbezüglich bei der eigenen Krankenkasse zu erkundigen.

Angst vor der Behandlung: Hilft Akupunktur?

Gegen Angst vor der zahnärztlichen Behandlung gibt es inzwischen viele hilfreiche Vorgehensweisen, die Praxisteams nicht zuletzt in fachlichen Fortbildungsveranstaltungen lernen. Unter den Wegen, wie man Patienten helfen kann, wird auch ein Vorgehen mit Akupunktur diskutiert. Bei Befürwortern und Kritikern komplementärer Verfahren finden solche Techniken unterschiedliche Resonanz. Nun hat sich die Wissenschaft dieser Frage angenommen: Ein Forscherteam der Universität York hat, wie aktuell eine zahnärztliche Zeitschrift berichtet, anhand einer enormen Anzahl bereits veröffentlichter Studien herausgearbeitet, ob Akupunktur bei typischen Angst-Symptomen wie Schweißausbruch und Beklemmung helfen kann. Da es zu diesem spezifischen Thema bisher kaum verwertbare Studien gibt, ist das Ergebnis nur als Trend zu sehen und liefert keine harten Fakten. Gezeigt hat sich allerdings eine deutliche Angstreduzierung bei der Anwendung entsprechender Akupunktur-Techniken – allerdings wirkte auch ein Placebo, eine „angebliche" Akupunktur, ähnlich gut im Vergleich zur Behandlung ohne Begleitbehandlung. Hier wird also weiter geforscht werden müssen.

Zahnbehandlung im Ausland: Gründe und Probleme

Die schweizerische Zahnärztegesellschaft hat, wie ein Fachjournal vor einigen Wochen berichtete, Gründe und Erfahrungen erkundet, warum Menschen sich ihre Zahnprobleme nicht im Inland, sondern im Ausland behandeln lassen. Dabei stellten sich vier Hauptgruppen heraus, darunter – neben der Notfallbehandlung im Urlaub – vor allem Menschen, die an der Grenze zu einem Nachbarland leben, Migranten und Dentaltouristen. Bei den Gründen wurde deutlich, dass der Anteil derjenigen Befragten in der Schweiz, die einen Preisvorteil bei Behandlung im Ausland sehen, seit der ersten Befragung im Jahr 2000 deutlich gestiegen ist – von 37 % auf 52 %. Eher gesunken ist der Grund „Notfall". Deutlich angestiegen ist aber auch der Aspekt Qualität: Demnach ist für Schweizer heute mit 22 % der Qualitätsaspekt bei Auslandsbehandlung deutlich größer als noch im Jahr 2000 (14 %).  Wenn sich Schweizer im Ausland behandeln lassen, fahren sie am ehesten nach Deutschland (22 % der Ziele) oder nach Frankreich (16 %), nach Ungarn reisen nur 9 %, nach Italien und Portugal 6 %.  Während mehr als jeder zweite mit Auslandszahnbehandlungserfahrung sehr zufrieden ist, gab es bei rund jedem Sechsten Klagen über derart schlechte Behandlungsqualität, dass in der Schweiz nachbehandelt erden musste. Nicht zuletzt auch wegen Hygienemängel würde jeder dritte im Ausland behandelte Schweizer das nicht noch einmal machen. Welche Mängel in welchem besuchten Land besonders problematisch empfunden wurden, wurde nicht herausgearbeitet.

Zähneknirschen: neue Beobachtungen

Viele Menschen, auch Zahnärzte, sind der Meinung, dass das Knirschen oder auch starke Zusammenpressen der Zähne (Bruxismus) vor allem im Schlaf passieren, wie ein italienischer Wissenschaftler in einem Fachbeitrag für eine Bruxismus-Zeitschrift kürzlich berichtete. Auch das aus vielerlei Ursache ungünstige Zusammenspiel der Zähne wurde als Faktor erachtet. Mittlerweile werden aber eher neurologische Aspekte mitbedacht, also Rolle und Störungen des zentralen Nervensystems. Insbesondere der Schlaf-Bruxismus stand bei der wissenschaftlichen Arbeit im Fokus, hier steuern auch Schlaflabore spannende Erkenntnisse bei. Dazu gehört, dass man bruxendes Verhalten wohl als eine Stufe der verschiedenen natürlichen „Weckmanöver" sehen muss: rhythmische Kaubewegungen am Ende einer Aufweckphase. Wer häufiger pro Nacht solche Knirsch- oder Pressmomente bei nächtlichen Aufwachphasen aus dem Tiefschlaf hat, zeigt weitaus mehr Zahnschäden oder auch Zahnbettschäden als Menschen mit weniger oder weniger intensiven Kaumuskelaktivitäten in den Schlaf-Wach-Phasen. Das Bruxen ist insofern keine Störung, sondern ein an sich natürliches Verhalten, das aber unter bestimmten Bedingungen zu einem Risiko insbesondere, aber nicht nur, für die Mundgesundheit werden kann

Schnabel: Warum haben Vögel keine Zähne?

Viele Jahre hat Wissenschaftler die Frage beschäftigt, warum Vögel keine Zähne haben. Was bisher diskutiert wurde und wie man heute denkt, beschrieb vor ein paar Wochen ein Beitrag in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift. Während man demnach bisher davon ausging, dass die zahnlosen Schnäbel bei der Nahrungsaufnahme von Vorteil seien, zudem wurde gemutmaßt, Vögel könnten ohne Zähne im Schnabel besser fliegen, wird nach neueren Studien eines paläontologischen Forscherteams an der Universität Bonn eine andere Antwort favorisiert: Das Team geht davon aus, dass die Entwicklung im Ei und das Schlüpfen aus dem Ei ohne Zähne einfacher sei. Ein Großteil der Zeit, die der Embryo für seine Entwicklung brauche, werde für die „Herstellung" der Zähne benötigt. Werden keine Zähne gebraucht, kann der Embryo früher schlüpfen. Das trage auch zur Sicherheit es Jungtiers bei, denn solange es im Ei eingeschlossen sei, könne es leichter gefressen werden: Anders als bei Säugetieren leben Jungvögel nicht im schützenden Leib der Mutter. Aufgefallen ist den Wissenschaftlern diese Zahnentwicklungsthese bei der Erforschung der Entwicklung von Dinosauriern, die ebenfalls aus dem Ei schlüpften. Nun soll der Ansatz durch Entwicklungsbiologen und Paläontologen weiter geprüft werden.

Weltweite Umfrage: Wie steht es um die Mundgesundheit?

Zu interessanten Daten kam die vom Unternehmen Philips weltweit erhobene Studie zu Wissen und Verhalten von Patienten rund um die Mundgesundheit. Die für Deutschland relevanten Antworten (rund 2100 Befragte ab 18 Jahren) wurden kürzlich in einem Artikel in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift vorgestellt. Demnach finden es in Deutschland erheblich weniger Eltern (35 %) als in den USA (50 %) oder in Australien (59 %) schwierig, ihre Kinder zu regelmäßiger Zahnpflege anzuhalten. Für Deutsche ist der Zusammenhang von Mundhygiene und Zahnschäden sehr vertraut, rund 72 % meinen, wenn die Zahnpflege nachlässt, steigt das Risiko von Zahnverlust. Zähneputzen wird aber auch bei aufgeklärten Patienten manchmal vergessen, vor allem vor dem Schlafengehen (43 %) oder gleich nach dem Aufstehen (36 %) und von Männern (41 %) eher als von Frauen (31 %). Während in vielen anderen Ländern Menschen auf der Suche nach Gesundheitsempfehlungen eher die Familie oder das Internet befragen, nutzen die Deutschen eher Ärzte (77 %), Zahnärzte (64 %) und Apotheker (39 %). Drei von vier Deutschen legen großen Wert darauf, bei besonderen Anlässen auch ein besonders gesund aussehendes Lächeln zeigen zu können. Welche Rolle Ernährung und Mundhygiene für „weiße Zähne" spielen, wissen zwei von fünf Deutschen dagegen nicht. Und rund ein Sechstel der Befragten wusste nicht, wie man seine Mundgesundheit verbessern kann. Wenn ein bisschen Geld übrig wäre, würden 27 % der Befragten eine Massage buchen, 24 % einen Haarschnitt – und 19 % eine professionelle Zahnreinigung.

Immunsystem: Geschmacksstoffe können stimulieren

Wie eine kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentliche Studie zeigt, haben bestimmte Geschmacksstoffe aus der Nahrung das Potential, das Immunsystem zu stimulieren. Das geschieht über den menschlichen Speichel. Dieser enthält in seinen wenigen festen Bestandteilen auch antibakteriell wirkende Moleküle. Wie die Wissenschaftler an der TU München herausfanden, verändert aufgenommene Nahrung die Zusammensetzung des Speichels und insbesondere hier diejenige der verschiedenen Moleküle. Bei wurde deutlich, dass insbesondere Zitronensäure und scharfe Ingwer-Stoffe das über Moleküle gesteuerte Abwehrsystemsehr deutlich aktivierten. Diese bisher als eher gering eingeschätzte Rolle der Speichel-Moleküle reichte allerdings aus, um das Wachstum spezieller Krankheitskeime fast vollständig zu unterbinden. Geschmacksgebende Stoffe, so die Wissenschaftler, besitzen also biologische Wirkungen, die über die rein geschmacklichen weit hinausgehen.

Urlaub: auch für den Zahnersatz?

Steht eine größere Reise an, empfiehlt das Kuratorium perfekter Zahnersatz die Beachtung einiger Empfehlungen – diese haben sie vor wenigen Wochen der Fachöffentlichkeit übermittelt. Dazu gehört, den Zahnersatz, die Prothese, regelmäßig reinigen zu lassen, insbesondere rechtzeitig vor Reiseantritt. Auch die Zahngesundheit sollte dabei überprüft werden. Zeigten sich erste Störungen oder Verletzungen, kann dies oft noch vor Reisebeginn korrigiert werden.  Je intensiver man von seinem Zahnersatz abhängig ist, umso wichtiger wäre es zudem, über eine „Zweitprothese" für den Notfall nachzudenken – so kann der Urlaub gerettet werden, wenn beim Frühstücksbrötchen der Zahnersatz bricht. In der Regel sei es günstiger, gleich bei Anfertigung der Hauptprothese eine zweite herstellen zu lassen – so wie nicht wenige Brillenträger auch eine Zweitbrille zur Sicherheit dabeihaben. Nach Rückkehr könne die Hauptprothese dann fachgerecht repariert werden.  Dass eine sachgerechte Reinigung von Zähnen und auch Zahnersatz niemals „Urlaub" hat, sei selbstverständlich.

Noch in Prüfung: Parodontitis und Krebs

Immer mehr allgemeinmedizinische Forschergruppen widmen sich bei der Suche nach Ursachen für Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Infektionen oder Rheuma auch der Frage nach Zusammenhängen mit chronischen Infektionen im Mund, also Parodontitis-Erkrankungen. Anlass dafür ist die Feststellung, dass klassische Parodontitis-Keime vermehrt bei solchen allgemeinmedizinischen Erkrankungen entdeckt wurden und vor allem in deutlicher höherer Konzentration als bei gesunden Vergleichspatienten. Nun haben auch Krebs-Forscher den Zusammenhang von Parodontitis-Keimen und Krebserkrankungen untersucht. Bei einer Studie an rund 7500 Patienten zeigte sich ein um 24 % höheres Risiko, eine Krebserkrankung zu entwickeln, bei denjenigen Patienten, die zugleich eine schwere Parodontitis hatten. Insbesondere bei Lungen- und Darmkrebs fielen solche Zusammenhänge auf, wie vor wenigen Wochen ein zahnärztliches Fachjournal berichtete. Derzeit gibt es nur diese Daten – nicht untersucht ist bislang, ob es einen direkten Zusammenhang gibt oder eine gemeinsame ungesunde Grund-Situation des Patienten. So ist Rauchen als Risikofaktor für beide Erkrankungen, insbesondere Lungenkrebs, längst identifiziert. Ob es darüber hinaus noch weitere Verbindungen gibt und eine Parodontitis-Behandlung das Risiko, einen Krebs zu entwickeln, senken kann, ist Gegenstand weiterer Forschung.

Parodontitis: Zusammenhang mit Piercing

Wie ein Parodontologie-Wissenschaftler an der Universität Basel herausfand und kürzlich berichtete, haben Zungen- und Lippen-Piercings direkte und auch lokal sichtbare Folgen auf die Gesundheit des Zahnbettes. Es zeigte sich, dass insbesondere an den Stellen, wo das Zahnfleisch mit dem Piercing in Kontakt kam, deutlich erhöhte Entzündungswerte vorlagen. Die betroffenen Zähne in dieser Region waren im Vergleich zu den übrigen Zähnen im Mund entzündungsbedingt teilweise stark gelockert, die Zahnbettentzündung (Parodontitis) an diesen Zähnen war stärker, und es blutete bei der Untersuchung intensiver. Weitere Beobachtungen bestätigen die Entdeckung: Während ansonsten die Zahn- und Zahnbettgesundheit in Ordnung war, war das Gewebe im Kontaktbereich mit dem Piercing entzündet und teilweise bereits zerstört. Grund ist die „Fehlbelastung", der chronische Druck durch die unnatürlichen Kontakte. Auch sehr aufwändige und belastende zahnmedizinische Verfahren, nach Entfernen des Piercings den Zustand des Zahngewebes wieder zu verbessern, führen gerade im ästhetisch wichtigen Frontzahnbereich zu oft nicht wirklich befriedigenden Ergebnissen. Die Wissenschaftler wollen diese (und weitere) Erkenntnisse noch ausführlicher der Öffentlichkeit vorstellen, um vor Piercings im Mund eindringlich zu warnen.

Zahnimplantate: Gleiche Pflege wie natürliche Zähne

Eine von Patienten oft gestellte Frage hat Prof. Dr. Frank Schwarz, Präsident der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Implantologie, DGI, kürzlich mit einer entsprechenden Empfehlung beantwortet. Wie rund um natürliche Zähne kann sich auch rund um Implantate das Mund-Gewebe entzünden. Eine aktuelle Studie zeigte, dass neun Jahre nach Einsetzen des Implantates bei rund jedem dritten Patienten eine oberflächliche Zahnfleischentzündung festgestellt wurde. Bei fast jedem Zweiten aus dieser Gruppe hatte sich die oberflächlich begonnene Entzündung bereits weiter in den Kieferknochen ausgebreitet und dort zu beginnendem Knochenabbau geführt. Verhindern kann man dies mit den gleichen Mitteln, wie auch solchen Entwicklungen um natürliche Zähne vorgebeugt werden kann: mit ausreichend intensiver Mundhygiene. Der Zahnbelag rund um das Implantat ist der gleiche wie der rund um den Zahn – und ebenso, wie man durch eine verstärkte Mundhygiene, zumal mit professioneller Begleitung in der Zahnarztpraxis, auch eine Infektion rund um den natürlichen Zahn wieder zur Abheilung bringen kann, kann dies auch bei einem Implantat gelingen. Meist zeigen sich erste Anzeichen einer Zahnfleischbelastung schon nach zwei oder drei Jahren mit dem neuen Implantat. Optimierte Mundhygiene kann manchmal das Fortschreiten der tiefergehenden Entzündung und damit auch das Risiko des Implantatverlustes reduzieren oder stoppen.

Bundeszahnärztekammer: Zuckerkonsum muss gesenkt werden

Nur, wer sich auskennt, wieviel Zucker in welchen Lebensmitteln enthalten ist, kann einschätzen, wann er die von der WHO geforderte Maximalmenge an Zucker erreicht hat: Rund 8 Zuckerwürfel sind seitens der Weltgesundheitsorganisation als Maximalverbrauch pro Tag definiert. Ein Glas handelsüblicher Apfel- oder Orangensaft erfüllt diesen Wert bereits und liegt damit gleichauf mit zuckerhaltiger Limonade. Um insbesondere die Kinder und bei ihnen nicht zuletzt deren Milchzähne vor zuviel Zuckerbelastung zu schützen, unterstützt die Bundeszahnärztekammer (BZÄK), wie eine entsprechende Information Mitte Juli zeigt, Empfehlungen, den Zuckerkonsum insgesamt zu reduzieren. Insbesondere in Kindertagesstätten und Schulen solle auf eine gesunde Ernährung geachtet werden, zudem sollten die Eltern noch intensiver aufgeklärt werden, welche Rolle Zucker in Speisen und Getränken spielt und welche Auswirkungen Zucker insbesondere auf das Risiko zahnmedizinischer Erkrankungen hat.  Unausgewogene Ernährung und übermäßiger Zuckerkonsum schadeten, so BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, sowohl der Allgemeingesundheit als auch der Mundgesundheit. Im Kleinkindalter würden die Grundlagen für die Gesundheit von Körper und auch Mund gelegt, hier sei der richtige Zeitpunkt, notwendige Maßnahmen zum Schutz vor zuviel Zucker zu starten.

Parodontitis: Lebenslange Nachsorge empfohlen

Ende Juni dieses Jahres tagte der weltgrößte Parodontologenkongress EuroPerio in Amsterdam.  Teilnehmer aus 111 Nationen kamen zusammen, um aktuelles Wissen um Entstehung und Behandlung von Parodontitis und weiteren Erkrankungen rund um das Zahnbett auszutauschen und aufzufrischen. Zu den Themen gehörte auch die regelmäßige Nachsorge bei Parodontitis-Patienten. Während hierzulande auf der politischen Bühne dafür eine nicht ausreichende Evidenz unterstellt wurde, waren sich die Fachleute aller Nationen einig, dass methodische Mängel zu dieser Kritik geführt hatten und sie nicht aufrechterhalten werden kann. Bei einem speziellen Workshop im Rahmen des Kongresses hielten die Experten aller Länder fest, dass Parodontitis-Patienten lebenslanger Nachsorgebetreuung bedürfen. Studien zeigten, dass bei Bedarf engmaschige Intervalle bei der Nachsorge sehr deutlich Zahnverlusten vorbeugen konnten. Zahnverluste sind eine häufige Folge von fortgeschrittener Parodontitis; kann der durch Behandlung erreichte gesundete Zustand aufgrund regelmäßiger Nachsorge erhalten werden, sinkt das Zahnverlustrisiko erheblich.

Bundesgesundheitsministerium: Risiken von Amalgamfüllungen

Der Bundestag beschäftigte sich im Juli mit der EU-Verordnung zur Reduzierung des Verbrauchs von Quecksilber aus Umweltschutzgründen.  Hier nahm das Bundesgesundheitsministerium (BMG) auch Stellung zu der Frage der Belastungen von Mensch und Umwelt durch das Dental-Amalgam. Einerseits, so das BMG, werde die EU-Richtlinie zum Schutz der Abwässer vor Amalgamresten in Deutschland schon seit 1993 weitestgehend umgesetzt. Andererseits sei das Personal in Zahnarztpraxen, die Amalgam verwenden, um ein Vielfaches derjenigen Belastung ausgesetzt, die Patienten betreffen könnte – dabei konnte aber, so das BMG, „keine der ausgewerteten Studien einen Zusammenhang zwischen Amalgamfüllungen und schweren Gesundheitsrisiken nachweisen." Es habe in einem Zeitraum zwischen 2002 und 2016 rund 25 Fälle von Erkrankungen durch Quecksilber oder seine Verbindungen bei Zahnärzten bzw. ihren Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen gegeben, aber keinen Anlass, diese Erkrankungen als „Berufskrankheit" einzustufen. Das BMG betonte, bei Amalgam handele es sich „um ein anerkanntes und wissenschaftlich gut untersuchtes Füllungsmaterial" mit einer „hohen Lebensdauer". Derzeit betrage der Anteil an Amalgamfüllungen an allen Füllungsarten nur noch rund 1 % und sinke weiter. Bis zum 1. Juni 2019 muss die Bundesregierung einen Plan vorlegen für die schrittweise Verringerung des Einsatzes von Dentalamalgam.

Zucker: Schweizer kennen kariogene Wirkung nicht

Wie ein zahnärztliches Fachjournal kürzlich berichtete, hat die Schweizerische Zahnärztegesellschaft in einer Umfrage unter der dortigen Bevölkerung den Kenntnisstand zur Vorbeugung von Karies erfragt. Dabei zeigte sich, dass insbesondere die Bedeutung von Mundhygiene und Fluoridanwendungen sowie die Kontrolltermine in der Zahnarztpraxis zum etablierten Wissen gehörten. Die Anwendung der Handzahnbürste ist am meisten verbreitet, erweiterte Mundhygienehilfsmittel wie Zahnseide nutzen vor allem Frauen und besser Gebildete. Fast jeder fünfte Befragte Schweizer – in manchen Regionen mehr als jeder Dritte – wusste allerdings nicht, dass man einer Karies auch vorbeugen kann durch das richtige Verhalten. Was die Schweizer Zahnärztegesellschaft dann aber doch überraschte, war, dass fast jeder Zweite der Befragten keinen Zusammenhang von Karies und Zucker kannte – hier zeige sich, so die Leiter der Studie, doch ein erheblicher Informations- und Aufklärungsbedarf.

Implantate: Titan und Keramik kombiniert

Die Forschungsarbeiten an der weiteren Verbesserung der Nachhaltigkeit einer Versorgung mit Zahn-Implantaten drehen sich derzeit besonders um die Optimierung der Oberflächen der meist aus biokompatiblem Titan bestehenden „Schraube". Während die Einheilerfolge von Implantaten kaum noch zu verbessern sind, geht manches Implantat im Laufe seines „Lebens" im Mund des Patienten aufgrund von Gewebeentzündungen verloren.  So, wie sich bei Parodontitis um den natürlichen Zahnhals eine entzündungsbedingte „Zahnfleischtasche" bildet, die zu einer Lockerung des Zahnes führt, kann sich auch rund um den „Implantathals" eine infizierte Situation entwickeln. In fortgeschrittenem Stadium kann das zu einer Explantation des Implantates führen, die entzündete Region muss ausgeheilen. Forscher arbeiten auf verschiedenen Ebenen daran, dass Infektionen verhindert oder abgebremst werden. Ein Weg, der derzeit getestet wird: die besten Seiten der beiden Erfolgsmaterialien Titan und Keramik zusammenzuführen. Die Deutsche Gesellschaft für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie berichtete kürzlich über solche Studien. Dabei wird das stabile Titan-Implantat, als „Gold-Standard" bezeichnet, mit einer ebenso biokompatiblen hauchdünnen Keramikschicht umgeben, die die Titanoberfläche vor einer eventuellen Korrosion und damit vor einer möglichen Belastung des natürlichen Gewebes schützen könnte.

Pferdezahnmedizin: über 3000 Jahre alt

Wie ein kürzlich in dem Fachjournal „Zahnärztliche Mitteilungen" veröffentlichter Beitrag zeigt, ist die sogenannte Pferdezahnmedizin bereits über 3000 Jahre alt.  Wissenschaftler entdeckten in rund 30 historischen Stätten aus mongolischer, vorchristlicher Natur Schädel von mehreren Pferden. An diesen zeigten sich eindeutige Behandlungsspuren. Vermutet wird, dass die Pferdehirten vor allem Zähne entfernten – beispielsweise, wenn sie den Tieren Schmerzen bereiteten oder das Fressen störten. Die neuen Erkenntnisse untermauern, dass die Tiermedizin nicht, wie manchmal vermutet, im Mittelmeerraum und in sesshaften Zivilisationen Chinas ihren Ursprung hatte, sondern bei den Nomadenvölkern zu finden sein könnte.

Amalgam: Seit 1. Juli Anwendungseinschränkungen

Auch wenn viele Zahnärzte der Meinung sind, dass Dental-Amalgam nach wie vor durch kein alternatives Material vollwertig ersetzt werden kann, ist das Amalgam auf dem Rückzug aus den Praxen. Eine Position, der auch die Wissenschaft folgt und nicht zuletzt das BfArM, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Kritiker dagegen sehen im Werkstoff Amalgam gesundheitliches Risiko-Potential. Dass das Europäische Parlament nun vor wenigen Wochen die Anwendung von Amalgam in der Zahnbehandlung einschränkt, hat dagegen vor allem Umweltschutz-Gründe:  Im Jahr 2013 haben die Vereinten Nationen beschlossen, Quecksilber, das auch bei der Anwendung von Amalgamfüllungen eine Rolle spielt, so wenig wie möglich einzusetzen. Das bedeutet für einen bestimmten Kreis an Patienten in Deutschland, dass sie in der Regel (Ausnahmen bleiben weiterhin möglich) anderweitig als mit Amalgam versorgt werden: Für Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren soll Komposit, landläufig „Kunststoff-Füllung", genutzt werden. Für diesen Kreis galt in Deutschland allerdings schon immer eine besondere Vorsichtshaltung. Aus der bisherigen Empfehlung wurde nun eine rechtliche Vorgabe. Die Krankenkassenverbände haben inzwischen bestätigt, dass sie nun auch Kompositfüllungen im Seitenzahnbereich bei dieser Patientengruppe als „Kassenleistung", also ohne Zuzahlung, bezahlen.

 

Forschung: Mikrotechnik für noch mehr Implantaterfolg

Auch wenn heute schon die Erfolgsrate von Zahn-Implantaten hocheindrucksvoll ist, bleibt immer noch ein wenig Luft nach oben, wie Wissenschaftler des Instituts für Technologie in Karlsruhe meinen: Eine Forschergruppe zum Thema „Biomedizinische Mikrostrukturtechnik" prüft derzeit Oberflächenbearbeitungen der biokompatiblen Titan-Implantate, die dazu beitragen sollen, eventuell aufkeimende Entzündungen rund um das eingesetzte Implantat zu verhindern. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Abutment, dem Verbindungsstück zwischen der eingesetzten „Schraube" und der aufgesetzten Zahnkrone. Das Abutment ist auch von Zahnfleisch umgeben und befindet sich hier in einer Zone, die infektionsanfällig ist – insbesondere dann, wenn sich das Zahnfleisch nicht dicht um das Abutment herum anlagert. Einerseits forschen die Wissenschaftler nach einer noch besseren Nanooberfläche als sie die jetzt schon marktüblichen Implantate aufweisen, andererseits versuchen sie, über winzige Rillen den Wachstumszellen sozusagen eine Art Weg zu bereiten, wie das „Zusammenwachsen" optimiert und verdichtet werden kann. Die Forschungsarbeit wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und soll auch bei vergleichbaren Körper-Implantaten Anwendung finden.

Organe und Mund: vermutete Zusammenhänge

Erkrankungen im Mund betreffen nicht nur die Zähne oder das Zahnfleisch bzw. das Zahnbett, sondern können sich auch an der Mundschleimhaut zeigen. Eine solche Erkrankung ist beispielsweise der so genannte„Lichen planus", eine entzündliche Hauterkrankung, die neben dem Mundbereich auch die Schleimhäute an anderen Körperstellen befallen kann. Besonders häufig betroffen sind Frauen mittleren Alters. Es besteht das Risiko, dass die Erkrankung eine bösartige Entwicklung nimmt. Vermutet wird als Auslöser eine Autoimmunreaktion: Die Abwehrstoffe richten sich gegen Zellen des eigenen Körpers. Seit einiger Zeit, so berichtete vor wenigen Wochen ein Beitrag in einer zahnmedizinischen Fachzeitschrift, wird auch eine Verbindung zur Leber beobachtet und untersucht. Es fanden sich Zusammenhänge einer Hepatitis-C-Infektion und einem Oralen Lichen planus. Die infektiöse Lebererkrankung führt vermutlich zu einem Ungleichgewicht im Immunsystem und befördert auf diese Weise eine Abwehrstörung, die sich in Angriffen auf die eigenen Körperzellen äußert. Die Konstellation ist nicht sehr weit verbreitet, aber doch so relevant, dass sie in der Untersuchung und Behandlungsplanung mit bedacht werden sollte, so die Fachzeitschrift.

Weiße Zähne: Was man wissen muss

Dass saubere Zähne weißer sind als solche mit Pigment-Auflagerungen von Nikotin, Rotwein oder Tee, wissen alle Patienten, die regelmäßig die Angebote der professionellen Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis nutzen. Manchen Patienten ist das dabei erreichte„Weiß" aber nicht weiß genug – sie möchten die Zähne gebleicht bekommen(Bleaching). In einer aktuellen Patienteninformation weist die Arbeitsgemeinschaft proDente, ein Zusammenschluss von Zahnärzten und weiteren Experten aus dem Bereich der Dentalwelt, auf die Möglichkeiten und Grenzen von solchen Bleaching-Verfahren hin. Was beispielsweise nicht vergessen werden darf: Gebleicht werden können nur natürliche Zähne – ist an einer Stelle eine Zahnfüllung oder eine Teilkrone, wird dieser Bereich nicht mit aufgehellt und es gibt später ein„zweifarbiges" Ergebnis. Auch sollten die Zähne gesund sein und keine Schmelzschäden durch Vorstufen einer Karies aufweisen. Was die chemischen Aufheller erreichen können, ist ein hellerer Ton der persönlichen Zahnfarbe – aus einem eher gelblichen Weiß wird also ein helleres gelbliches Weiß und keines mit anderem Grundton. Soll die Zahngrundfarbe verändert werden, beispielsweise ein sehr helles reines Weiß erreicht werden, ist dies meist nur mit sogenannten Veneers(aufgeklebte Verblendschalen) möglich. 

Gebiss: Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit

Inzwischen gibt es viele nachweisliche Zusammenhänge von Parodontitis(Zahnbettentzündung) und Erkrankungen des ganzen Körpers, beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes – hier weisen mittlerweile auch die entsprechenden Fachärzte auf die Relevanz der Mundgesundheit bzw. Folgen parodontaler Entzündungen hin. Warum die Mundbakterien an so vielen Stellen des Körpers auftauchen und hier ihr entzündungsförderndes Potential zeigen, erklärte kürzlich Prof. Dr. Roland Frankenberger, Präsident der Dachgesellschaft der zahnärztlichen Wissenschaft DGZMK, in einem Interview mit einer Presseagentur. Der Mund sei, so der Wissenschaftler, besonders gut durchblutet. Bakterien aus der Mundhöhle finden über kleinste Verletzungen recht schnell Zugang zu einer Blutbahn und gelangen auf diesem Weg an viele verschiedene Stellen und damit auch in Organe des Körpers. Ist das Mund-Gewebe entzündet, sind Durchblutung und Verletzungsrisiken noch deutlich erhöht. Eine sorgsame Mundhygiene und regelmäßige Mundgesundheitskontrolle(sowie nach individuell notwendigen Abständen eine professionelle Zahnreinigung) können dazu beitragen, solche Infektionen und damit allgemeingesundheitliche Gefahrenbereiche zu vermeiden. Zudem kann früh eingegriffen werden, wenn sich erste Anzeichen wie Rötung oder Schwellung zeigen.

Asthma: Bedeutung für die Mundgesundheit

Eine Asthma-Erkrankung wird in der Regel mit Inhalations-Medikamenten behandelt. Dass eine solche Inhalation, die auf dem Weg über den Mund die Atemwege erreicht, zu Belastungen für die Mundgesundheit führen kann, ist nachvollziehbar: Nur ein Teil des Arzneimittels erreicht die unteren Atemwege, ein größerer Teil bleibt im Mund zurück. Das ist vielen Ärzten und auch Betroffenen bekannt. Aber auch die Erkrankung selbst hat Einfluss auf den Mundraum, wie ein Fachbeitrag in einer zahnärztlichen Zeitung vor wenigen Wochen darstellte. Die Abwehr-Überreaktion des Körpers lässt auch im Speichel und in den Flüssigkeiten unter dem Zahnfleischrand die Konzentration von Abwehrstoffen ansteigen. Dadurch kommt es zu einer aggressiven Reaktion mit dem umliegenden Gewebe und entsprechenden Zerstörungen. Da Asthmatiker oft durch den Mund atmen, trocknet dieser eher aus als bei gesunden Patienten, zumal wenn auch die notwendigen Arzneimittel diese Entwicklung noch befördern. Die Zusammensetzung des Speichels verändert sich ungünstig und führt zu mehr Zahnstein und einem größeren Risiko für Entzündungen. Manche Medikamente enthalten zudem Inhaltsstoffe, die, wenn sie systemisch aufgenommen werden, auch den Knochenstoffwechsel stören können – mit Folgen auch auf die Kieferknochen. Grundsätzlich soll nach der Anwendung eines Inhalators der Mund kräftig ausgespült werden.

Charité: Rauchen und Parodontitis

In einer aktuellen Presseinformation teilt die Charité mit, dass eine gemeinsame Studie mit Wissenschaftlern anderer Universitäten beleuchtet hat, wie viele Fälle von Parodontitis weltweit allein auf das Rauchen und seine schädlichen Auswirkungen auf das Zahnbett-Gewebe und dessen Durchblutung zurückzuführen sind. Demnach gehen rund 40 Millionen Parodontitis-Fälle auf den Gebrauch von Nikotinprodukten zurück. Es zeigten sich auch verschiedene unterschiedliche Facetten in der Auswirkung: So ist die Zahnbettentzündung aufgrund des Rauchens vor allem bei Männern in mittlerem Lebensalter ausgeprägt. Interessant ist auch, dass der Anteil der auf Rauchen zurückzuführenden Parodontitis in Deutschland bei 10 % lag, in vielen Regionen Afrikas und auch in Spanien dagegen deutlich darunter. Wie die Wissenschaftler betonten, seien Rauchen und auch Parodontitis-Erkrankungen für viele weitere Allgemeinerkrankungen eine Bedrohung, Patienten müssten zu den Zusammenhängen gut aufgeklärt werden und wissen, dass sie ihrem gesundheitlichen Wohlbefinden mit einem Rauchstopp und einer Parodontitis-Behandlung auf vielerlei Ebenen Gutes tun.

Antidepressiva: Knirschen möglich

Viele mundbezogene Nebenwirkungen von Antidepressiva(Medikamente gegen depressive Verstimmungen) sind inzwischen in der Fachwelt bekannt, dazu gehört nicht zuletzt die typische Mundtrockenheit. Sie kann unangenehm sein und sie führt oft auch zu Zahnschäden, da der säureausgleichende Speichel nicht mehr ausreichend fließt und auch seine Zahnoberflächen-Rückmineralisation nicht leisten kann an solchen Stellen, wo die Säuren Bausteinchen aus dem Zahnschmelz herausgelöst haben. Nun hat eine umfangreiche Studienauswertung einen weiteren Aspekt dargestellt, der bei Patienten mit entsprechenden Symptomen mitbedacht werden sollte: Offenbar können die speziellen Arzneimittel(Fachbegriffe: SSRI und SNRI) auch zu Knirschen und Kieferschmerzen führen. Solche Zusammenhänge zeigten sich bei betroffenen Patienten(zumeist Frauen) rund drei bis vier Wochen nach Start der Therapie. Für die Behandlung stehen verschiedene Wege zur Verfügung – vom Absetzen der Antidepressiva bis hin zum Umsteigen auf eine andere Medikamenten-Gruppe.

Kinderzahn-Karies: Mix aus Bakterien und Pilzen

Viele Eltern wissen, dass an der Entstehung von Karies an Kinderzähnen bakterielle Beläge schuld sind – sie bilden sich auf den Zähnen und vermehren sich, wenn die Bakterien Nahrung bekommen. Die Bakterienfamilien bevorzugen zucker- und stärkehaltige Lebensmittel, ob flüssig oder fest, und es macht für die Karies-Keime keinen Unterschied, ob der Zucker aus dem Würfel kommt, aus der Schokolade, aus Honig oder aus Limonade. Wie eine neue Studie eines Wissenschaftler-Teams der Universität Pennsylvania zeigt, gibt es aber noch einen weiteren Begleiter im Zahnbelag, der mit dafür sorgt, dass die Plaque fester anhaftet und daher schwerer wegzuputzen ist: Pilze. Spezielle Pilze und Karies-Bakterien schützen sich gegenseitig vor antibakteriellen Medikamenten oder Zusätzen zur Mundhygiene und machen die Zahnbeläge widerstandfähiger. Daher empfehlen die Wissenschaftler, nicht nur die Keime, sondern auch die Pilze zu bekämpfen. Zusammen mit Zucker bildet sich eine Art Klebstoff, mit dem Pilze und Bakterien fester am Zahn anhaften können. Ein solcher„arzneiabfangender" Schutzschild ließe sich nur durch spezielle Medikamente aufbrechen. Noch ist kein spezifisches Mundhygiene-Produkt marktreif, aber allein das Verständnis für die Zusammenhänge erklärt, warum Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel möglichst zu vermeiden sind.

Alter: nichts als eine Entzündung?

Mit einem spannenden Thema befasste sich vor wenigen Wochen die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin: Welche Rolle spielen chronische Entzündungen beim Alterungsprozess? Forschungsarbeiten zeigen, dass das Immunsystem im Verlauf des üblichen Alterungsprozesses eine wachsende Anzahl an entzündungsförderlichen Botenstoffen freisetzt. Damit verändert sich die ausgeglichene Zusammensetzung der Zellen im Immunsystem. Was abnimmt bei dieser Veränderung, ist die Abwehrkraft gegen spezifische Krankheitserreger wie bei klassischen Infekten. Dagegen nimmt die Aktivität von Abwehrmechanismen zu, die eher unspezifisch reagieren. Ausgelöst wird dadurch eine Kettenreaktion von mehr entzündungsförderlichen Zellen und einer Bildung von„Freien Radikalen", also belastenden Sauerstoff-Verbindungen, die als gewebeschädigend bekannt sind. Inzwischen werden viele typische Alterserkrankungen mit solchem Entzündungsgeschehen in Verbindung gebracht. Möglicherweise könnte dieser Aspekt auch bei chronischer Parodontitis eine Rolle spielen und die Empfehlungen, die die Mediziner geben, auch bei der unterstützenden Behandlung in der Zahnarztpraxis hilfreich sein: Alles, was oxidativen Stress begrenzt, könnte Entzündungsentwicklungen herunterfahren, dazu gehört eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse und entsprechend Antioxidantien, ausreichend Bewegung und ein ausgeglichenes Leben mit sozialen Kontakten.

Hobbytaucher: Zahn-Check nicht vergessen

Bei vielen Sportarten ist eine regelmäßige Kontrolle der Mundgesundheit wichtig – bei Leistungssportlern beispielsweise können schwelende Zahnbettentzündungen zu Leistungsbegrenzung führen. Auf ein anderes Sport-Thema wies kürzlich im Journal Apotheken Umschau der Tauchmediziner Dr. Konrad Meyne hin: Tauchfreunde könnten aufgrund der anderen Druckverhältnisse unter Wasser Zahnprobleme bekommen. Beispielsweise sei es möglich, dass die unter Wasser komprimierte Luft in kleine, bisher unbemerkte Löcher im Zahn oder auch unter undichte Füllungen eindringen kann – taucht der Wassersportler dann wieder auf, können diese Lufteinlagerungen nicht entweichen, die zuvor komprimierten Luftbläschen dehnen sich wieder aus und führen zu starken Zahnschmerzen. Empfohlen wird allen Tauchern, ihre Zahn- und Mundgesundheit daher regelmäßig prüfen zu lassen. Im Zeitraum einer Wurzelbehandlung empfehlen Experten, zeitweilig auf das Tauchen lieber ganz zu verzichten, ebenso einige Zeit nach chirurgischen Eingriffen. Welche Pausierungs-Zeiträume hier sinnvoll sind, erklärt der Zahnarzt bzw. ein Tauchmediziner.

Kopf- und Gesichtsschmerz: komplizierte Diagnostik

Schon wer gelegentlich unter normalen Kopfschmerzen leidet, weiß, dass dieser Schmerz besonders intensiv ist. Während die Schmerzausschaltung in einem solchen Fall noch eher leicht ist und manchmal auch Entspannung hilft, ist dies bei undeutlichen und teilweise massiven Schmerzen im Kopf- oder Gesichtsbereich vergleichsweise eine erhebliche Herausforderung. Ort und Intensität der Schmerzen können stark wechseln und machen die Ursachensuche, die einer spezifischen Therapie vorangeht, schwierig. Manchmal breitet sich ein Schmerz, der an einer bestimmten Stelle im Kopf entsteht, über das ganze Gesicht aus und neigt dazu, chronisch zu werden. Es kann auch vorkommen, so eine aktuelle Information in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift, dass chirurgische Eingriffe, auch im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, die die Situation entlasten sollen, diese sogar eher verstärken. Nicht selten finden sich die ursächlichen Auslöser in stressbedingten, manchmal auch in Depressions-bedingten nervlichen Störungen, die sich ausweiten und„Schmerzbahnen" verursachen. Die Autoren des Fachbeitrages empfehlen, in solchen Fällen von Kopf- und Gesichtsschmerz auch die Expertise von Neurologen oder anderen Experten für den Kopfbereich einzubeziehen, ehe therapeutisch am„empfundenen" Ort des Schmerzes, dem Zahn, behandelnd gearbeitet wird.

Verbindung entdeckt: Zahnbetterkrankungen und Sehvermögen

Offenbar gibt es neben den vielen bereits bekannten Zusammenhängen von Zahnbettinfektionen(Parodontitis) und verschiedenen Störungen oder Erkrankungen des Körpers noch eine weitere: Wie eine vor wenigen Wochen im einem amerikanischen Fachjournal veröffentliche Studie zeigt, finden sich typische Parodontitis-Keime auch bei älteren Patienten, die an einer Makuladegeneration und damit an einer starken Sehbehinderung leiden. Bisher wurde noch nicht genauer untersucht, wie sich die über das Immunsystem im Körper ausbreitenden Parodontitis-Keime im Sehzentrum auswirken. Nun hat man entdeckt, bisher in einer Studie an Mäusen, dass die Keime bestimmte Zellen im Augenbereich angreifen und schädigen und so die Sehfähigkeit beeinträchtigen. Die bisher veröffentlichen ersten Ergebnisse sollen weitere Studien nach sich ziehen, die den entdeckten Zusammenhang noch genauer überprüfen.

Knirschen: Stress sitzt meist nicht „im Zahn“

Zwar mag es auch Fälle geben, wo ein ungünstiges Zahnprofil zu Kaustörungen und entsprechend Aufbiss-Stress führt – meist aber sitzt der Stress nicht im Zahn selbst, wie kürzlich beim Zahnheilkunde-Kongress der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz betont wurde. Demnach sind in den letzten 30 Jahren sowohl Anzahl als auch Intensität solcher Zahnbeschwerden enorm angestiegen, die auf„Lebenswelt-Stress" des Patienten zurückzuführend sind. Solche Belastungen weiten sich nicht selten auf die nervlichen Strukturen im Gesicht aus und erreichen auch den Mund und die Zähne. Werde hier mit einer Knirscherschiene gearbeitet, um die Zähne vor zerstörendem Knirschen oder Zahndruck zu entlasten, könne dies zwar in vorübergehenden Anspannungen sehr hilfreich sein – hielten die stressenden Belastungen aber über lange Zeit an, würden nicht die ursächlichen Auslöser der Schmerzen behoben, sondern nur Folgen gemildert. Manchmal stecke auch eine Form der Depression hinter den Anspannungen – psychosoziale Erkrankungen könnten aber nicht in der Zahnarztpraxis behandelt werden, sondern benötigten entsprechende fachliche Expertise.

Professionelle Prothesen- und Spangenreinigung: Selbstzahlerleistung

Patienten mit herausnehmbaren Versorgungen wie beispielsweise Zahnersatz, kieferorthopädischen Geräten oder auch Knirscherschienen können in der Zahnarztpraxis oder dem Dentallabor eine professionelle Reinigung ihrer Therapie-Produkte erhalten – dabei werden sowohl härtere Beläge als auch Verfärbungen ebenso intensiv wie auch schonend durch entsprechende Geräte entfernt, die Oberflächen werden anschließend fachgerecht poliert. Saubere und geglättete Produkte bieten Bakterien weniger Anhaft-Möglichkeiten als es raue Oberflächen ermöglichen würden. Dies reduziert auch die Keimbelastung im Mund. Während der Pflege der herausnehmbaren Versorgung ist auch ein prüfender Blick dahingehend möglich, ob das„Gerät" noch einwandfrei in Ordnung ist oder sich erste Anzeichen für beispielsweise einen Sprung oder andere Nutzungsschäden zeigen. So wertvoll diese spezielle Pflege der Prothesen oder kieferorthopädischen Geräte ist, so wenig übernehmen gesetzliche oder private Krankenversicherungsträger die entsprechenden Reinigungs-Kosten – sie gelten als reine Selbstzahlerleistung und werden in der Regel den Patienten daher direkt in Rechnung gestellt.

Diabetiker: Weniger Zahnarztbesuche als nötig

Eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie seitens der Universität in New York zeigte auf, dass ausgerechnet diejenigen Menschen, die aufgrund einer chronischen Diabetes-Erkrankung am ehesten regelmäßige zahnärztliche Unterstützung benötigen, vergleichsweise eher selten zum Zahnarzt gehen. Das zeigte eine Umfrage unter rund 2,5 Millionen US-Bürgern. Etwas häufiger, aber immer noch zu wenig, zumal im Vergleich mit gesunden Befragten, nutzten Patienten mit einer Diabetes-Vorstufe die zahnärztlichen Begleitbehandlungen. Unsicher sind sich die Wissenschaftler hinsichtlich möglicher Gründe: Sie halten sowohl Kostenaspekte für möglich als auch mangelndes Bewusstsein für den besonderen Bedarf nach regelmäßiger mundgesundheitlicher Kontrolle. Unter anderem müsse der Zugang zu zahnärztlichen Leistungen in den USA optimiert werden. In Deutschland ist dieser aufgrund entsprechender Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen erheblich leichter und bietet bedarfsgemäß individuell benötigte Leistungen von kassenfinanzierten Kontrolluntersuchungen bis hin zu spezifischen Behandlungsschritten im Privatleistungsbereich.

Herpesviren: Auch an Parodontitis beteiligt?

Wie ein jüngst veröffentlichter Fachbeitrag in einer zahnärztlichen Zeitschrift darstellt, könnten Herpes-Viren am entzündlichen Geschehen einer Parodontitis beteiligt sein. Mit Herpesviren sind rund 80 % der Bevölkerung infiziert – mit regionalen Unterschieden in der Ausprägung. Bei den meisten zeigt sich kein akutes Krankheitsgeschehen – bei Erstinfektion kann kaum etwas zu spüren sein, während andere, vor allem immungeschwächte Personen und Schwangere unter erheblichen bis gefährlichen Folgen leiden können. Herpesviren bleiben lebenslang ruhend im Körper und können unerwartet in einer Erkrankung ausbrechen. Forscher haben nun entdeckt, dass auch im Speichel unter dem Zahnfleischrand und sogar im Zahnfleisch selbst Herpesviren zu finden waren – und zwar dort am meisten, wo auch eine Zahnbettentzündung(Parodontitis) weit fortgeschritten war. Dagegen fand man bei mundgesunden Patienten in dieser Region kaum Hinweise auf virale Belastung. Die Untersuchungen zeigen, dass in Verbindung mit Herpesviren auch schädliche bakterielle Keime um ein vielfaches aggressiver wirken. Auch auf einen nicht unproblematischen Aspekt weisen die Wissenschaftler hin: Da sich aggressive Viren und Keime in der Speichelflüssigkeit unter dem Zahnfleischrand befinden, ist eine direkte Übertragung zwischen Personen möglich. Hilfreich sind vor allem zahnärztliche Behandlungen, die die bakterielle-Belastung reduzieren: Sinkt diese, reduziert sich gleichermaßen das virale Risiko.

Milchzähne: Fluorid-Lack nützt

Unterstützung für diese Form des Milchzahn-Schutzes kam kürzlich von höchster Stelle: Das IQWIG(Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen), das für seine meist kritischen Positionen zu verschiedenen Behandlungsmaßnahmen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen bekannt ist, gab für Fluorid-Lack zur Kariesvorbeugung bei Milchzähnen grünes Licht. In der Stellungnahme machte das IQWIG deutlich, dass es bei der Zahngesundheit der unter drei Jahre alten Kinder kaum Verbesserungen gebe: Während bei den älteren Kindern und den Erwachsenen die Kariesfreiheit erheblich gestiegen ist, ist sie bei den kleinen Kindern unverändert auf bedenklichem Niveau. Zitat aus der Stellungnahme:„Kinder sind besonders anfällig für Karies, denn bei den ersten Zähnen ist der Zahnschmelz empfindlicher als bei bleibenden Zähnen." Insbesondere bei kleinen Kindern könne die Mundhygiene und damit die Vorbeugung von Karies eine Herausforderung sein. Klare Botschaft des IQWIG:„Fluoridlack trägt wirksam zur Remineralisierung der Zahnoberfläche bei und verhindert die Entstehung und das Fortschreiten von Karies. Speziell bei kleinen Kindern bietet der Einsatz von Fluoridlack Vorteile, weil er schnell aushärtet."

BARMER-Studie: Frauen gehen öfter zum Zahnarzt

In ihrem diesjährigen sogenannten„Zahnreport", den die BARMER alljährlich auf ihrer Datenbasis erstellt, ist ablesbar, dass offenbar Frauen häufiger die zahnärztliche Praxis aufsuchen als Männer. Während im Jahr 2016 rund zwei Drittel aller Männer mindestens einmal die Zahnarztpraxis aufgesucht hatten, waren es drei Viertel aller Frauen. Die kürzlich veröffentlichten Daten zeigen auch, dass Frauen – es geht bei dieser Studie einer gesetzlichen Krankenkasse nur um„Kassenleistungen" beim Zahnarzt–auch mehr zahnärztliche Leistungen in Anspruch nehmen als Männer. Entsprechend sind die durchschnittlichen Kosten, die die BARMER für die zahnärztliche Behandlung ihrer männlichen Mitglieder bezahlt, auch deutlich niedriger(177 Euro/Männer gegenüber 196 Euro/Frauen). Das wird auch an einem Detail deutlich: Doppelt so viele Frauen wie Männer erhalten eine Aufbiss-Schiene(z.B. gegen stressbedingtes Knirschen). Frauen nehmen zudem etwas häufiger als Männer an Parodontitis-Diagnostik teil. Die Krankenkasse sieht dies als Bestätigung für das„nachweislich höhere Gesundheitsbewusstsein von Frauen."

Parodontitis: Behandlungs-Kontinuität hilft

Eine aktuelle Studie unter Leitung von Prof. Dr. Renate Deinzer, Universität Gießen, ist der Frage nachgegangen, wie eine Parodontitis-Behandlung noch erfolgreicher, vor allem aber nachhaltiger Besserung bringt. Unter anderem hat sich dabei gezeigt, dass diejenigen Patienten, die in Parodontitis-bezogener Mundhygiene immer wieder geschult als nur einmalig unterwiesen wurden, deutlich bessere Mundpflegeergebnisse hatten. Ebenfalls wenig erstaunlich, aber nun immerhin bestätigt ist der Effekt der Therapie-Treue: Diejenigen Patienten, die über Jahre hinweg die Angebote einer so genannten unterstützenden Parodontitis-Behandlung nutzen, hatten im Verlauf der Beobachtungsjahre deutlich weniger Zähne verloren als die Vergleichsgruppe. Es hat sich allerdings auch gezeigt, dass es weiteren Forschungsbedarf gibt, um direkte Zusammenhänge zu überprüfen – die Wissenschaftler bedauerten entsprechend, dass es keine finanziell ausreichenden Forschungsgelder für eine über mehrere Jahre laufende komplexe Studie gebe, hier sei auch Unterstützung im Sinne der öffentlichen Gesundheitsvorsorge notwendig.

Parodontitis: Zusammenhang mit Magenkrebs

Immer mehr Studien lassen einen Zusammenhang von Parodontitis mit teilweise schweren Allgemeinerkrankungen, auch chronischen Erkrankungen erkennen. Typische Mundbakterien finden sich beispielsweise bei entzündlichen Herzerkrankungen, sie erschweren einen Diabetes mellitus und stehen in Verdacht, bei weiteren Erkrankungen belastend zu wirken. Wie nun eine aktuelle Studie der Zahnklinik der New Yorker Universität zeigt, sind die Mundbakterien offenbar auch ein Risikofaktor für die Entwicklung von Magenkrebs. Bei Patienten mit Krebs-Vorstufen fanden sich im Vergleich zu gesunden Menschen deutlich mehr Keime, die zu den klassischen „Bewohnern" der Parodontitis-Zahntaschen gehören. Auch war der Biofilm nicht mehr durch eine Vielfalt sich gegenseitig in Schach haltender Bakterienfamilien stabil, sondern durch teilweise ganz fehlende Bakteriengruppen aus dem Lot geraten. Erneut zeigt sich daher, welche bedeutende Rolle ein „gesunder Mund" für die Allgemeingesundheit spielt: Sorgfältige Mundhygiene pflegt das biologische Gleichgewicht und tut damit nicht nur Zähnen und Zahnfleisch Gutes.

Lange Zähne: Was tun gegen die Empfindlichkeit?

Gut geschützt im oberen Bereich vom harten Zahnschmelz und im unteren Bereich vom Zahnfleisch liegt der Zahnhals. Hier finden sich winzigste Kanäle, die über Nervenfasern an das Nervensystem angebunden sind. Ist der Schutz beispielsweise über das Zahnfleisch nicht mehr gegeben, werden Reize wie Kälte oder Säure über diese Kanäle direkt an den Zahnnerv weitergeleitet, es entstehen kurz- oder längerfristige teilweise heftige Schmerzen. Zwar ist es möglich, die Empfindlichkeit dieser Zahnbereich dadurch zu lindern, dass man solche Stellen mit einem fluoridhaltigen Lack oder speziellem Kunststoff quasi versiegelt. Die Beschichtung hält aber nicht für immer und führt auch nur zu einer Desensibilisierung, nicht zu einer nachhaltigen Lösung des Problems. Wiewohl dies für betroffene Patienten schon eine große Hilfe darstellt, ist der beste Weg, wie eine Veröffentlichung vor einigen Wochen in einer Fachzeitschrift zeigt, das Zurückweichen des Zahnfleisches möglichst zu vermeiden. Bei den Prophylaxe-Terminen sollte man daher auch den Gesundheitszustand des Zahnfleisches prüfen und bei ersten Anzeichen einer Rückbildung nach den Ursachen suchen lassen. Infrage kommen hier beispielsweise zu kräftiges Zähneputzen („Schrubben"), Fehlbelastungen wie Zähne pressen beziehungsweise Knirschen oder auch eine beginnende Zahnbettentzündung. Ist die Ursache erkannt, lässt sich im Frühstadium viel tun, um das Zurückweichen des Zahnfleisches zu stoppen oder zumindest deutlich zu verlangsamen.

Partnersuche: Blick auf die Zähne

Wie eine jüngst auf der Statistikseite statista.de veröffentlichte Studie zeigt, schauen Menschen auf der Suche nach einem Partner zuallererst in dessen Gesicht. Während sich hier Männer und Frauen noch einig sind, driften ihre Ansprüche bei Punkt zwei etwas auseinander. Der Umfrage unter rund 3000 Singles zufolge achten Männer als zweitwichtigsten Aspekt auf die Augen der Frau – die Frauen dagegen auf die Zähne des Mannes. Das Aussehen der Zähne landete bei den äußeren Werten, die Männer beachten, erst auf Platz drei. Vergleichbar ist aber der Anteil der Personen, die Zähne als relevant für die Attraktivität erachten: Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen betrachteten rund zwei Drittel der Befragten die Zähne als wichtig für den Gesamteindruck. Das „Drumherum", die Lippen und der Mund insgesamt, spielten dagegen eine deutlich kleinere Rolle. Viele weitere Studien bestätigen die gewichtige Rolle der Zähne für die Attraktivität – nicht nur für den privaten Erfolg, sondern auch für den beruflichen. Eine Langzeitstudie der Universität Hamburg ergab, dass fast 90 % der Bundesbürger davon ausgehen, dass schöne Zähne auch bei der Karriere helfen.

 

Neue Studie: Zahngesundheit Zwölfjähriger hervorragend

Regelmäßig erhebt die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) den Mundgesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen hierzulande. Die vor wenigen Wochen veröffentlichten Daten der jüngsten Studie zeigen, dass immerhin vier von fünf Kindern im Alter von 12 Jahren kariesfreie bleibende Zähne haben. Zusammen mit Dänemark liegt Deutschland mit diesen Werten auf dem internationalen Spitzenplatz. Grund für die naturgesunden Zähne dieser großen Anzahl an jungen Jugendlichen sind nicht zuletzt die vielfältigen Prophylaxe-Maßnahmen in Familie, Schule und Zahnarztpraxis. Allerdings wies die DAJ auch darauf hin, dass erneut ein deutlich zu hoher Wert für zerstörte Milchzähne notiert werden musste, auch wenn insgesamt die erhobenen Werte für eine gestiegene Mundgesundheit im Milchzahnalter sprächen: Im Alter von 6 – 7 Jahren hatten gerade einmal knapp 54 % aller Kinder naturgesunde Zähne. Im Alter von 3 Jahren zeigten bereits fast 14 % aller Kinder karieszerstörte Milchzähne. Die Studienergebnisse zeigen erneut, dass eine kleine Gruppe von Kindern besonders viele geschädigte Zähne haben, nicht selten handelt es sich hier um Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Der Vorstand der DAJ betonte daher, dass es weiterhin und verstärkt Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft sei, die mundgesundheitliche Chancengleichheit in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen.

Zahn ausgeschlagen: was tun?

Wenn bei einem Sturz oder Unfall ein Zahn ausgeschlagen wurde oder ein Teil abgebrochen ist, muss das nicht zwingend bedeuten, dass keine Reparatur mehr möglich ist. Wird das abgebrochene oder herausgebrochene Zahnstück richtig aufbewahrt, kann es in der Zahnarztpraxis nicht selten wieder an- bzw. eingesetzt werden – vorausgesetzt, es wird zeitnah eine Zahnarztpraxis aufgesucht und der Zahn bzw. der abgebrochene Teil sofort richtig „aufbewahrt". Am besten eignen sich dafür sogenannte Zahnrettungsboxen, sagte kürzlich Prof. Dr. Wolfgang Buchalla, Universitätsklinik Regensburg, in der Zeitschrift Apotheken Umschau. Diese fänden sich in vielen Sporthallen, aber auch in vielen Schulen und Schwimmbädern. Ist keine Zahnrettungsbox verfügbar, geht auch kühle H-Milch. Notfalls nutzt auch gesammelter Speichel. Auch wenn es letztlich darum geht, dass der Zahn bzw. das Zahnstück feucht bleibt, kommt es doch darauf an, dass die feuchthaltende Flüssigkeit den Bedürfnissen des Zahnes entspricht – ihn in Wasser zu legen, ist hier der falsche Weg: Es würde alles weggespült, was das Wiedereinsetzen erleichtern soll. Ziel bei einem ausgeschlagenen Zahn ist der Erhalt der wichtigen faserbildenden Zellen an der Zahnwurzel – nur sie können das Wiedereinwachsen des Zahnes ermöglichen.

Enge Verbindung: Diabetes und Parodontitis

Wie eine aktuelle Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift für Diabetiker zeigt, haben Diabetiker – unabhängig ob vom Typ 1 oder Typ 2 – dreimal so oft eine bakterielle Zahnbettinfektion (Parodontitis) wie Nicht-Erkrankte. Problematisch ist auch, dass bei den „Zuckerkranken" die Zahnbettentzündung belastender verläuft: Sie entwickelt sich schneller und schwerer und führt öfter zu Zahnverlust als bei gesunden Patienten. Die betroffenen Patienten müssen daher häufiger als gesunde Patienten Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt wahrnehmen, mehr Aufwand mit sehr sorgfältiger Mundhygiene betreiben und ihren Blutzuckerspiegel immer gut eingestellt halten. Bei Verdacht, dass etwas aus dem Ruder gelaufen sein könnte mit der empfindlichen Mundgesundheit, sollte sicherheitshalber ein Zahnarzt aufgesucht werden. Problematisch ist die Verbindung von Diabetes und Parodontitis aber auch umgekehrt: Ist dauerhaft eine Entzündung im Mund (Parodontitis) und befindet sich das Immunsystem ständig im Abwehrmodus, senkt das die Wirkung des Insulins. Dadurch kommt der Blutzuckerspiegel aus dem Lot.

Zahnpasta: Immer neue Entwicklungen

Für eine gute Mundhygiene gehören Zahnbürste und Zahnpasta zusammen. Einerseits spült der sich beim Zähneputzen entwickelnde Schaum Nahrungsreste auch aus Zahnzwischenräumen und bindet lockeren Zahnbelag, der leichter ausgespült werden kann. Andererseits poliert die Zahnpasta Beläge auf den Zahnoberflächen weg und reduziert somit raue Stellen, an denen sich Kariesbakterien anhaften könnten. Problematisch wird es, wenn der Schmirgeleffekt zu stark ist: Dann entsteht erst recht eine angeraute Oberfläche. Deshalb gibt es Zahnpasten in verschiedenen Schmirgelstärken. Was für einen Raucher, der Nikotinbeläge wegbekommen möchte, sinnvoll sein kann, kann für einen anderen Patienten ohne Rotwein-, Tee- oder Nikotin-Pigmente auf den Zähnen schon zu stark sein. Auch das Fraunhofer Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen in Halle hat sich der Verbesserung von Zahnpasten verschrieben: Einerseits sollen die bisher noch in vielen Kosmetikartikeln enthaltenen winzigen Kunststoffteilchen (Mikroplastik) endgültig vom Markt kommen, andererseits soll das neue Produkt gut reinigen, ohne den Zahnschmelz allzu stark abzuschmirgeln. Wie eine entsprechende Presseinformation vor wenigen Wochen vermeldete, zeigen sich Versuche mit Buchenholz-Cellulose als vielversprechend. Zudem sei die Herstellung kostengünstig, das Produkt biologisch abbaubar, und vegan ist es auch noch. Derzeit wird die Marktreife vorbereitet.

Zahnverlust: Implantat oder Regelversorgung?

Zu den großen Leistungen der modernen Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde gehört das breite Spektrum an zahnärztlichen und zahntechnischen Möglichkeiten, einen verloren gegangenen Zahn bzw. einen größeren Zahnverlust zu ersetzen. Dem Patienten bieten sich verschiedene Verfahren, zwischen denen er – nach Beratung durch den Zahnarzt – eine Auswahl treffen muss. Neben der Frage der Kosten müssen dabei auch die persönlichen Voraussetzungen seitens des Patienten berücksichtigt werden wie seine Fähigkeiten zur Mundhygiene, eventuelle Vorerkrankungen, seine Ansprüche an Komfort und Ästhetik oder auch seine Erwartungen an die geplante Versorgung und sein Verhältnis zur eigenen Gesundheit insgesamt. Beispielsweise könne es für den Patienten wichtig sein, dass – anders als bei einer kronengetragenen Brücke – die Nachbarzähne um die Zahnlücke bei einer Implantat-Lösung nicht beschliffen werden müssen: Damit geht dann auch keine natürliche Zahnhartsubstanz verloren. Auch könne, so Prof. Dr. Germán Gómez-Román, Pressesprecher der DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie, im Interview mit einer Tageszeitung, ein nicht mehr stabil sitzender Zahnersatz, egal ob herausnehmbar oder festsitzend, mit einer Implantat-Unterstützung wieder stabilisiert beziehungsweise fixiert werden. Welche prothetische Versorgung für den Patienten die beste ist, erfordert also das Abwägen vieler verschiedener Aspekte. Im Vorfeld einer Beratung in der Zahnarztpraxis macht es daher Sinn, sich bereits erste Informationen zu beschaffen (Beispielsweise auf der DGI-Website: https://www.dginet.de/web/dgi/patients).

Zahnform & Funktion: Altersbedingte Veränderungen

Nicht nur der Körper, auch der Mund verändert sich mit dem steigenden Lebensalter. Normal ist, dass der Zahnschmelz dünner wird, die Zähne wirken dunkler und schimmern auch nicht mehr so wie in jungen Jahren. Ihre Form verändert sich durch die Abnutzung, besonders an den Seiten und an der Kante der Schneidezähne. Wiewohl man meinen könnte, dass dies ältere Patienten stört, zeigen Untersuchungen, dass sie sogar zufriedener mit ihren eigenen Zähnen sind als junge Menschen. Allerdings nur dann, wenn sie noch viele eigene Zähne haben. Es lohnt sich also unbedingt, so ein aktueller Fachartikel zum Thema SeniorenZahnMedizin in einer Fachzeitschrift, die Zähne auch in höherem und hohen Alter unbedingt gut zu pflegen und zu erhalten. Viele ältere Patienten erleben, dass ihre Zähne immer „länger" werden: Dabei weicht lediglich das Zahnfleisch zurück und es wird mehr von der Zahnwurzel sichtbar. Das Problem, das eher typisch für Menschen in höherem Alter ist: Aufgrund des zurückgewichenen Zahnfleisches fehlt ein Bakterienschutz und es bildet sich eher Zahnwurzelkaries. Prophylaxetermine beim Zahnarzt sind daher für ältere Patienten mindestens ebenso relevant wie für junge.

Regelmäßig Tabletten: Konsequenzen für den Mund

Besonders, wenn eine Erkrankung neu diagnostiziert wurde und zur Behandlung die regelmäßige Einnahme von Tabletten gehört (Beispiel: Bluthochdruck), ist vielen Patienten nicht bewusst, dass diese hilfreichen Arzneimittel auch Nebenwirkungen haben können – und das auch oder gerade im Mund. Wenn bei der Beratung in der Arztpraxis der Bereich „Nebenwirkungen" nicht gezielt angesprochen und erklärt wird, empfiehlt der aktuelle Patientenratgeber (ZahnRat) der fünf Landeszahnärztekammern in den neuen Bundesländern, spätestens in der Apotheke nachzufragen – hier ist meist die Anspannung, die vielleicht bei der ärztlichen Beratung noch groß war, schon deutlich geringer und die Aufmerksamkeit für solche Informationen größer. Bluthochdruckpräparate beispielsweise, aber auch solche zur Beruhigung und gegen Depressionen, können den Speichelfluss reduzieren. Der „trockene Mund" ist nicht nur ungewohnt und vielleicht auch unangenehm: Speichel hat eine große Aufgabe zur Gesunderhaltung des Biotops Mundhöhle und damit auch der Zähne. Ist der Speichelfluss reduziert, kann das System aus dem Lot geraten und Karies und Zahnfleischentzündungen begünstigen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den reduzierten Speichelfluss zu kompensieren – hier ist die Zahnarztpraxis eine kompetente Anlaufstelle, um sich in Theorie und Praxis beraten zu lassen.

Implantate: Was bezahlt die Krankenkasse?

Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bietet ihren Mitgliedern eine Vielfalt an zahnärztlichen Leistungen an, dazu gehört auch die Versorgung mit Zahnersatz. Im Bereich der Prothetik gibt es sehr unterschiedliche Lösungen für ein und dieselbe Situation im Mund eines Patienten. Einige davon gehören in den GKV-Leistungskatalog der Krankenkassen und werden – weitgehend – bezahlt (Regelversorgung, Festzuschuss). Andere Behandlungsmöglichkeiten wie implantatgetragener Zahnersatz werden als besondere Verfahren bezeichnet, die Kosten für die Implantation sind von den Patienten selbst zu tragen. Mitglieder der Privaten Krankenversicherung (PKV) erhalten je nach Vertrag entsprechende Kosten erstattet. Zuschüsse, wenn auch in vergleichsweise geringerem Ausmaß, erhalten allerdings auch GKV-Versicherte: Ihre Krankenkasse bezahlt einen Anteil an der Krone auf dem Implantat über den sogenannten „Festzuschuss". Die Frage, was das Implantat kosten wird und wieviel man selbst an Eigenleistung erbringen muss, ist berechtigt, wie Prof. Dr. Germán Gómez-Román, Pressesprecher der DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie, kürzlich in einem Ratgeberbeitrag einer Zeitung betonte. Was Patienten selbst klären müssen, ist die Frage, was ihre PKV oder Private Zusatzversicherung genau an Leistungen erstattet – es gibt eine große Vielfalt an Verträgen mit individuell unterschiedlichen Vereinbarungen.

Zahnbürste: Wie oft wechseln?

Unabhängig davon, ob es sich bei dem Hygienehilfsmittel um eine Handzahnbürste oder ein elektrisch betriebenes Gerät handelt: Zahnbürsten halten nicht ewig. Sie müssen in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden. In der Regel empfehlen Experten einen Nutzungszeitraum von sechs Wochen, bei Spezialbürstchen wie denen zur Interdentalraumpflege rund zwei Wochen. Wie ein Informationsbeitrag in der Zeitschrift „Diabetes Ratgeber" kürzlich darstellte, seien in Situationen, in denen Zähneputzen nicht möglich ist, Zahnpflege-Kaugummis eine gute Zwischenlösung – enthalten sie den Zuckeraustauschstoff Xylit, haben sie, so das Journal, auch eine leicht antibakterielle Wirkung. Laut einer Patienteninformation der Landeszahnärztekammer Brandenburg gelten diese Zeiten nicht, wenn man beispielsweise eine Erkältung, Grippe oder eine Herpes-Infektion hat: Sobald die Erkrankung überwunden ist, sollte die bisherige Zahnbürste entsorgt und durch eine neue ersetzt werden. Auf der alten Zahnbürste könnten Erreger überleben und eine Re-Infektion auslösen. Ohnehin müsse jede Zahnbürste nach Gebrauch gut gereinigt werden, um sie vor einer größeren Besiedelung mit Keinem zu schützen.

Zahnimplantat: Auch Nachsorge beachten

Auf Anfrage einer Tageszeitung informierte Prof. Dr. Germán Gómez-Román, Pressesprecher der DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie, vor ein paar Wochen über Aspekte, die man im Vorfeld einer Implantation mit der ausgewählten Praxis besprechen sollte. Zum notwendigen Aufklärungsgespräch gehören auch Themen aus dem Bereich „Nachsorge": Was muss ich nach der Implantation beachten, wenn ich bisher Raucher war und/oder eine entzündliche Zahnbetterkrankungen (Parodontitis) habe? Wie sieht die richtige Mundhygiene aus und welche Zahnpflegehilfsmittel sind nützlich? Wie oft sollte ich zur Kontrolle kommen? Was passiert, wenn es irgendwie Komplikationen gibt? Beispielsweise, wenn das Implantat nicht einheilen sollte? Und was kosten Nachsorgemaßnahmen in der Zahnarztpraxis? Der DGI-Pressesprecher wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass implantologisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte über eine fundierte Ausbildung verfügen sollten – nicht jeder gelegentlich auch implantierende Zahnarzt könne absehen, ob die Behandlung ein eher einfacher oder doch komplexer Fall sein wird. Mitglieder der DGI sind zu finden auf der Website der Fachgesellschaft im Bereich Patienten unter „Implantologen-Suche" (https://www.dginet.de/web/dgi/implantologen-suche).

Stress: Zähne schützen

Unerfreuliche Belastungen wie negativer Stress führen, wenn sie länger anhalten, im Körper zu verschiedenen ungesunden Folgen. Bei manchen Menschen antwortet der Bauch, meist Magen und/oder Darm, auf den Stress – bei anderen ist es der Mund. Man beißt auf einem Problem herum, kaut unerfreuliche Gedanken durch, verbeißt sich in eine belastende Situation. Das hat Folgen für die Zähne, die durch das widernatürliche Benutzen abgerieben werden oder ihrerseits gestresst reagieren. Belastend ist anhaltender Stress auch für die Kiefergelenke und nicht zuletzt das Zahnbett. Zahnärzte können den Stress, den Beruf, Familie oder gesellschaftliche Umstände auslösen, nicht ausschalten, aber sie können die Zähne davor schützen, bei der Stressverarbeitung in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Im Jahr 2016 haben Zahnärzte rund 1,6 Millionen gesetzlich versicherten Patienten eine solche Anti-Stress-Aufbiss-Schiene verordnet, teilte kürzlich die Barmer Ersatzkasse mit. Im Jahr 2012 waren es noch 1,38 Millionen Patienten, die einen solchen Zahnschutz erhielten. Die Zunahme der Verordnungen kann auch damit zusammenhängen, dass mehr Menschen die Zusammenhänge von Stress und Zahnschäden kennen. Bedacht werden muss: Schienen sind nur eine Übergangslösung, so die Krankenkasse. Es gehe darum, den Stress auszuschalten bzw. Entspannung zu lernen und zu praktizieren. 

Medikamente und Mundgesundheit: Was ist zu beachten?

Nicht nur in höherem Lebensalter gehört die Einnahme von Medikamenten für viele Menschen zum Alltag – vor allem Erkrankte mit chronischem Leiden sind den Griff zu Tablette & Co gewohnt. Nicht bekannt ist vielen von ihnen, dass manche Medikamentengruppen Auswirkungen auf die Mundgesundheit haben. Beispielsweise können Arzneimittel, die die Blutgerinnung verändern, eine Rolle spielen bei Eingriffen in das durchblutete Mundgewebe und auch bei der Heilung von Wunden im Mundraum. Wie ein aktueller Patientenratgeber (ZahnRat) der fünf Landeszahnärztekammern in den neuen Bundesländern verdeutlicht, sollten alle Patienten, die verschreibungspflichtige und auch freiverkäufliche Arzneimittel oder naturheilkundliche Heilmittel einnehmen, diese in einer Medikamenten-Einnahme-Übersicht (Medikationsplan) festhalten und diesem zum zahnärztlichen Termin (auch im Fall der Inanspruchnahme des Notdienstes) mitbringen – insbesondere, wenn sich an den Medikamenten und Heilmitteln etwas verändert hat, ist eine Information der Zahnarztpraxis wichtig. Die moderne Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde hat für fast alle Medikationsfälle erprobte Lösungen, um die Zahnbehandlung zu realisieren – diese können aber nur angewandt werden, wenn der Zahnarztpraxis die Medikamenteneinnahme auch bekannt ist.

Karies: Ausbohren oder Versiegeln?

Anfangs war es eine kleine Revolution in der Zahnmedizin: Dass man kariöse Stellen an einem Zahn herausbohrt, bis man an gesunden und starken Zahnschmelz stößt, galt als normales Vorgehen, ja: als Regel. Erste Überlegungen einiger zahnmedizinischer Wissenschaftler, vor allem kleinere, eher oberflächliche Kariesstellen zu belassen und sie einfach zu „versiegeln", stießen daher anfangs auf Widerstand. Muss nicht alles bakteriell verseuchte aufgeweichte Gewebe entfernt werden? Die Forscher mit dem anderen Ansatz machten in Studien deutlich, dass ihr Weg Vorteile hat. Eine Karies kann nur fortschreiten, wenn die Bakterien ständig Nachschub an „Nahrung" bekommen und ihre Stoffwechselprodukte den Zahnschmelz mehr und mehr zerstören. Der neue Ansatz: Die Keime werden von der Nahrungszufuhr abgeschnitten, der Zugang in den kariösen Bereich wird von außen verschlossen und versiegelt. Die Studienergebnisse zeigen: Die Bakterien sterben ab. Der Prozess ist gestoppt. Es muss keine gesunde Zahnsubstanz entfernt werden. Die Versiegelung füllt zudem enge Zahnstrukturen auf und erleichtert so die Mundhygiene und damit auch die Vorbeugung von neu entstehender Karies. Wie PD Dr. Falk Schwendicke von der Charité in Berlin zusammen mit Kollegen kürzlich in einem Fachjournal berichtete, können Zahnversiegelungen bei Kindern die Entstehung von Karies und das Fortschreiten kariöser Entwicklung erheblich reduzieren. In welchen Fällen dieses Vorgehen Sinn macht, dazu kann die Zahnarztpraxis patientenindividuell beraten.

Implantatwunsch: Vorher gut informieren

Implantate als künstliche Zahnwurzel unter Zahnersatz haben nicht nur einen festen Platz in der zahnmedizinischen Versorgung, sondern erreichen bei Umfragen zu Lebensqualität unter Prothetik-Patienten auch immer hervorragende Werte. Dennoch handelt es sich um einen Eingriff, der gut geschulte Zahnärzte auf der einen Seite verlangt – aber auch eine gute Information auf Patientenseite. Man muss wissen, was auf einen zukommt, damit man entsprechend Entscheidungen fällen kann. Patienten steht laut Patientenrechtegesetz eine vollständige Aufklärung über die geplante Behandlung zu, das bestätigte Prof. Dr. Germán Gómez-Román, Pressesprecher der DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie, kürzlich auf Anfrage einer Tageszeitung. Die Aufklärung beinhaltet auch Hinweise auf mögliche Risiken hinsichtlich des Behandlungserfolges, wozu auch Verhaltensaspekte wie Rauchen oder schlechte Mundhygiene gehören. Die Mitglieder der wissenschaftlichen Fachgesellschaft DGI sind über die Verpflichtung ebenso informiert wie über die Themen, die zu einer vollständigen Aufklärung gehören. Aspekte wie Rauchen müssen keine Implantation verhindern, entsprechende Patienten müssten aber wissen, dass sie auch ihrerseits verantwortlich mit dem Zahnimplantat umgehen müssen und wie sie dies am besten leisten können.

Spucke: Körpereigenes Medikament

Speichel, landläufig „Spucke" genannt, hat bekanntermaßen nicht nur im Mund Aufgaben und hilft bei der Mundgesundheit, sondern begleitet die Nahrung auch auf ihrem weiteren Weg im Verdauungsprozess Richtung Magen und Darm. Dass Speichel auch darüber hinaus eine gesundheitliche Wirkung hat, hat nun eine Bostoner Wissenschaftlergruppe herausgefunden: Er wirkt wie ein Medikament bei der Verhütung von – meist durch Kolibakterien (Escherichia coli) – ausgelöstem Reisedurchfall. Ein spezieller Speichelinhaltsstoff (Histatin 5, ein Protein) macht es den Bakterien schwer, Zellen im Darm, hier vor allem im Dünndarm, zu attackieren: Sie konnten sich nicht fest andocken, sondern wurden mit dem weiteren Darminhalt ausgespült. Diese Erkenntnis erklärt auch, warum der Mund in der Tat eine große Rolle als erste Barriere für krankmachende Keime spielt – es braucht, wie sich zeigte, schon eine sehr große Anzahl an Keimen, um diese Barriere zu überwinden. Die Forscher denken darüber nach, den Inhaltsstoff als Getränkepulver zu produzieren, um den in einigen Gebieten der Erde tödlichen Durchfallerkrankungen ein naturnahes Produkt entgegensetzen zu können.

Zahnungsbeschwerden: Stress in den ersten Monaten

Fast alle jungen Eltern und ihre Babys werden von Zahnungsproblemen geplagt: In der Regel kommen die ersten Zähnchen zwischen dem 6 und dem 12. Lebensmonat heraus. Zumeist zeigen sich zuerst die unteren beiden Schneidezähne. Wenn die Zähne „durchbrechen", kann es zu Schwellungen und Rötungen kommen, und auch der Speichelfluss nimmt zu. Bei manchen Kindern können auch die Wangen heiß und gerötet sein. Das „Zahnungsfieber" hinge mit der gesteigerten Stoffwechseltätigkeit zusammen, die die Zahnung beschleunigen könne – dauere es über einen längeren Zeitpunkt an, sollte das Baby dem Kinderarzt vorgestellt werden. Der Mediendienst „Apotheke adhoc" wies vor Kurzem darauf hin, dass auch Magen-Darm-Beschwerden von Durchfall bis Verstopfung mit dem Zahnen in Verbindung stehen können: So könnte „säuerlich" riechender, eventuell auch grünlich wirkender Durchfall Vorbote des ersten Zahndurchbruchs sein. Dass das Kind quengele, müsse daher nicht zwingend seine Ursache im Mund haben, sondern könne auch an Schmerzen am Po liegen. Hier empfahl der Apotheken-Ratgeber Zinkpasten. Schmerzt das Zahnen im Mund, würden sanfte Massagen mit dem Finger Linderung verschaffen, ebenso wie gekühlte Beißringe oder Gemüsesticks aus dem Kühlschrank. Schmerzberuhigende Präparate gebe es von Medikamenten wie Lidocain-Kamille-Gel über Produkte ohne Lokalanästhetika bis hin zu homöopathischen Präparaten.

Implantate: Immer weniger Risikogruppen

In einem Vortrag beim 31. Kongress der DGI, der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Implantologie, Ende 2017 in Düsseldorf machte der Vizepräsident der Gesellschaft, Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz (Wiesbaden) deutlich, dass im Zuge der Weiterentwicklung an Erkenntnissen die Liste möglicher Risikofaktoren für eine Implantat-Behandlung deutlich kürzer geworden sei. Während man in früheren Jahren noch bei Osteoporose und beispielsweise Diabetes mellitus, aber auch bei bestimmten Medikamenten-Einnahmen eher zurückhaltend war mit Implantat gestütztem Zahnersatz und eher auf traditionelle Alternativen zurückgriff, seien solche Herausforderungen heute deutlich besser zu meistern. Inzwischen seien es eher Einzelfälle, für die eine Implantat Versorgung nach wie vor nicht in Betracht komme.  Damit steigt die Anzahl der Patienten, die von der – in vielen Studien belegten – Verbesserung der Lebensqualität durch Implantat getragenen Zahnersatz profitieren können.

Periimplantitis: Risiken kennen

Auf dem 31. Kongress der DGI, der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Implantologie, stand das Thema Periimplantitis weit oben auf der Agenda. Unter anderem definierte DGI-Präsident Prof. Dr. Frank Schwarz die Aspekte, die für Patienten besonders ausschlaggebend sind bei dem Risiko, eine Periimplantitis zu entwickeln. Bei der Infektionserkrankung entzündet sich durch bakterielle Belastung und sich entsprechend entwickelnden Immunreaktionen das Gewebe rund um das Implantat bis in den Knochen – Infektionen breiten sich im Implantatbereich schneller aus als bei einer vergleichbaren Entwicklung rund um die natürliche Zahnwurzel (Parodontitis). Ein erhöhtes Risiko haben demnach Patienten, die unter einer unbehandelten Parodontitis leiden oder unter einer besonders schweren und chronischen Variante. Auch nicht ausreichende Mundhygiene und zu selten in Anspruch genommene Nachsorgeuntersuchungen in der Praxis erhöhen das Risiko einer Gewebeentzündung. Die Fachgesellschaft empfiehlt entsprechend regelmäßige Kontrolluntersuchungen und auch einen möglichst zeitnahen Termin in der Zahnarztpraxis, sobald sich Rötungen und Schwellungen am Zahnfleisch im Implantatbereich zeigen.

Künstliche Zahnwurzel: Infektion vermeiden

Nicht nur rund um die natürlichen Zahnwurzeln kann sich Gewebe durch bakterielle Reizungen und Entzündungsreaktionen auflösen – auch das Gewebe um eine künstliche Zahnwurzel, das Implantat, ist entsprechend gefährdet. Prof. Dr. Hans-Christopf Lauer von der Universität Frankfurt am Main rief kürzlich Implantat-Patienten dazu auf, große Sorgfalt auf die Hygiene des vom Implantat getragenen Zahnersatzes zu legen. In einer Patienteninformation der Initiative proDente, einer Arbeitsgemeinschaft zahnärztlicher Organisation in Zusammenarbeit mit der Bundeszahnärztekammer, machte er deutlich, dass Bakterien aus den Belägen am Zahnersatz sozusagen am Implantat in die tieferen Gewebeschichten des Zahnbettes herunterwandern können: Eine solche Zahnbettentzündung rund um das Implantat heißt Periimplantitis und kann die Stabilität des Implantates gefährden, Implantatverlust droht. Eine Periimplantitis schreite deutlich schneller voran als eine Parodontitis rund um den natürlichen Zahn. Bereits bei ersten Anzeichen einer Rötung solle daher in der Zahnarztpraxis eine Kontrolluntersuchung stattfinden, auch wenn diese außerhalb der ohnehin vereinbarten Nachuntersuchungszeiträume läge.

Zuviele Operationen: Wenn Milchzähne faulen

In einem Zeitungsbeitrag wies Kieferchirurg Dr. Erich Theo Merholz, Solingen, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, vor wenigen Wochen auf die viel zu hohe Anzahl von Kindern hin, die aufgrund erheblich fortgeschrittener Milchzahn-Zerstörung einer Operation bedürfen. Ein solcher chirurgischer Eingriff, der in der Klinik oft unter Vollnarkose stattfinden müsse, sei enorm belastend für die Gesundheit der Kinder. Allein in der von ihm betreuten Klinik würden so „einige hundert Kinder jährlich" behandelt. Es gehe darum, diesen Kindern bei der oft umfangreichen Zahn- bzw. Zahnruinenentfernung traumatische Erlebnisse zu ersparen. Für ihre Milchzahnschäden könnten diese Kinder nichts – es liege an den Eltern, dass sie der Zahn- und Mundgesundheit viel zu geringe Aufmerksamkeit schenken: In der Regel handele es sich um Bequemlichkeit, oft auch um Desinteresse an der Entwicklung des Kindes. In manchen Fällen gebe es auch Unkenntnis über die Zusammenhänge von Zucker und Karies und die Auswirkungen von Nuckelflaschen. Kinderzähne müssten von Anfang an gereinigt und gepflegt werden, jeder Milchzahn sei für die Entwicklung der zweiten und bleibenden Zähne wichtig.

Alter 50 plus: Zahnverlust durch Parodontitis

Die Initiative proDente, eine Arbeitsgemeinschaft zahnärztlicher Organisation in Zusammenarbeit mit der Bundeszahnärztekammer, wies vor wenigen Wochen darauf hin, dass „ab dem 50. Lebensjahr mehr Zähne durch eine Parodontitis verloren gehen als durch Karies." Problematisch sei, dass – anders als bei Karies – die Parodontitis über einen oft sehr langen Zeitraum keine Schmerzen verursache. Umso wichtiger sei es, regelmäßig zum Zahnarzt zur Kontrolluntersuchung zu gehen, weil dieser bereits an ersten oberflächlichen Anzeigen den Beginn dieser ungesunden Entwicklung erkennen und entsprechend behandeln könne. Es gebe aber auch Anzeichen, auf die Patienten selbst achten können und die zur Vereinbarung eines Zahnarzt-Termins führen sollten: Wenn beispielsweise öfter Zahnfleischbluten beim Zähneputzen auftritt, ist das schon ein Zeichen für eine Reizung, die überprüft werden sollte. Während man oberflächliches Zahnfleischbluten meist mit besonders intensiver Mundhygiene selbst wieder beseitigen kann, sind tiefergehende Entzündungen ohne professionelle Möglichkeiten in der Zahnarztpraxis nicht therapierbar. Wichtig: Raucher sind besonders gefährdet, weil sie aufgrund der durch Nikotin verengten Blutgefäße und der damit einhergehenden Durchblutungsstörung das Frühwarnzeichen Zahnfleischbluten nicht rechtzeitig bemerken können.

Zahnpasta & Co: Fluoride-Wirkung bestätigt

In ihrer neuen Karies-Prophylaxe-Leitlinie weist die DGZMK, die Dachgesellschaft der zahnmedizinischen Wissenschaft in Deutschland, auf die Relevanz des Inhaltsstoffes Fluorid in Zahnpasten, Mundspülungen und weiteren Produkten wie speziellen Gelen und Lacken hin. Sobald bei Kindern die ersten bleibenden Zähne im Mund erschienen seien, in der Regel rund um das 1. Schuljahr, sollte von den Kindern wie bei Jugendlichen und Erwachsenen auch zur Zahnpflege eine Zahnpasta verwendet werden, die mindestens 1000 ppm Fluorid enthalte. Für Schulkinder mit erhöhtem Kariesrisiko sowie für Jugendliche in kieferorthopädischer Behandlung eigneten sich zudem ergänzend Mundspüllösungen mit Fluorid-Gehalt. In besonders schweren Fällen von erhöhtem Karies-Risiko seien – auch bei erwachsenen Patienten – Zahnschutzmaßnahmen durch fluoridhaltige Gele oder Lacke sinnvoll, für letztere ist die Zahnarztpraxis zuständig, die Gele dagegen können von den Patienten selbst angewendet werden. Im Fall freiliegender und besonders schmerzempfindlicher Zahnhälse könnte, so die Leitlinie, eine hochkonzentrierte Fluorid-Zahnpasta hilfreich sein.

Kaugummikauen: aus zahnärztlicher Sicht

Während es viele Gründe geben mag, das Kaugummi-Kauen einzudämmen, hier nicht zuletzt gesellschaftliche Aspekte von Geräuschbelästigung bis „Entsorgung" auf Gehwegen und anderen öffentlichen Bereichen, zeigen sich Zahnärzte aus mundgesundheitlichen Gründen eher als Befürworter des Kaugummis: Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), die Dachgesellschaft der zahnmedizinischen Wissenschaft, hat in ihrer neuen Kariesprophylaxe-Leitlinie ausdrücklich auf die positiven Effekte des Kaugummikauens hingewiesen – aber auch darauf, dass sich der positive Effekt ausschließlich auf das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi bezieht. Die Stimulierung des Speichelflusses durch den Kauvorgang verstärke einerseits die „Spülfunktion" des Speichels und wirke ausgleichend auf den Säurespiegel im Mund sowie remineralisierend auf den Zahnschmelz: Die im Speichel enthaltenen Stoffe reparieren gewissermaßen durch Säure entstandene oberflächliche Zahnschmelzschäden. Der Anteil an Karies auslösenden Keimen im Speichel werde gesenkt. Zudem könnten die Bakterien die Inhaltsstoffe des Kaugummis nicht zu zahnschädlichen Säuren verstoffwechseln.

Speichel: antibiotischer Inhaltsstoff entdeckt

Wissenschaftler der Universität Graz haben auf der Suche nach Alternativen zu den klassischen Antibiotika, die bei immer mehr Menschen nicht mehr die erforderliche Wirkung zeigen, eine spannende Entdeckung gemacht: Körpereigene Substanzen könnten in der Lage sein, eine antibakterielle Behandlung zu ermöglichen und Antibiotika zu ersetzen. Anlass für die Überlegung, ob der Speichel eine hilfreiche Rolle spielen könnte, sind die oft reflexartigen Speichel-Benetzungen von kleineren Wunden: Ist beispielsweise eine Wunde am Finger entstanden, wird dieser oft zum Mund geführt und „abgeleckt". In der Tat seien im Speichel Inhaltsstoffe zu finden, die eine keimtötende Wirkung gezeigt hätten. Genauer: Für die Wirkung ist ein spezielles Peptid, eine Aminosäure-Kette, zuständig. Das Peptid befinde sich nicht nur im Speichel, sondern auch beispielsweise in der Tränenflüssigkeit, in weißen Blutkörperchen und an der Hautoberfläche. In Form von Cremes haben die neu entdeckten Stoffe ihre Leistungsfähigkeit schon erwiesen. Nun wird weiter geforscht, nicht zuletzt nach Möglichkeiten der industriellen Produktion.

Erneut bestätigt: Zucker schadet Zähnen

Die kürzlich von der Dachgesellschaft der zahnmedizinischen Wissenschaft in Deutschland (DGZMK) verabschiedete aktuelle Kariesprophylaxe-Leitlinie erneuert die Relevanz von Zucker als Risiko für die Entwicklung von Zahnschäden. Genauer: „Studien bestätigen überzeugend den Zusammenhang zwischen Karies und der Menge sowie der Häufigkeit des Konsums von zuckerhaltigen Mahlzeiten oder Getränken." Es gelte, zuckerhaltige Haupt- und Zwischenmahlzeiten in „Maßen zu konsumieren und Speisen und Getränke ohne freie Zucker zu bevorzugen." Als freier Zucker wird solcher bezeichnet, der Nahrungsmitteln durch Hersteller oder auch in der Küche zuhause extra zugesetzt wird, aber auch „natürlicher" Zucker in Honig, Fruchtsaft, Sirup etc. Als Alternative könnten zum Süßen Zuckeraustauschstoffe oder Süßstoffe genutzt werden, denn diese können von den Mundbakterien nicht verstoffwechselt werden.

Implantate aus Keramik: Was sagt die Wissenschaft?

Zahnimplantate aus Keramik sind keine neue Erfindung – bereits in den Anfangsjahren der Implantologie vor rund einem halben Jahrhundert wurde mit keramischen Werkstoffen experimentiert. Damals überzeugten die Ergebnisse nicht genug, als dass sich Keramik neben dem auch biologisch überzeugenden Material Titan hätte durchsetzen können – insbesondere war die technische Bearbeitung schwierig und die Stabilität im Mund. In der Zwischenzeit hat sich im Bereich von Forschung und Entwicklung zu Keramik als Implantat-Material allerdings sehr viel getan: Was heute zu diesen Produkten zu sagen ist, hatte kürzlich Prof. Dr. Kai-Hendrik Bormann (Medizinische Hochschule Hannover) beim 31. Kongress der DGI, der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Implantologie, in Düsseldorf vorgestellt. Generell sei Keramik nicht dazu da, Titan als Werkstoff abzulösen, sondern biete für einen speziellen Patientenkreis eine nützliche Ergänzung der Therapiemöglichkeiten. Während sich einteilige Keramik-Implantate in der Praxis zunehmend bewährten, lägen für sogenannte zweiteilige noch keine ausreichenden Erfahrungen in der Praxis vor. Auch hinsichtlich der Oberflächen der Keramikimplantate gebe es noch Forschungsbedarf, welche Variante für die beste nachhaltige Stabilität sorge. Auch wenn derzeit noch weitere Forschung und Erfahrung notwendig sei, zeigten Keramik-Implantate doch Potential als zukunftsträchtige Erweiterung des Behandlungsspektrums.

Zähneputzen: 1, 2 oder 3 Minuten?

Ende 2017 wurde seitens der Dachorganisation der zahnmedizinischen Wissenschaft, der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) eine neue „Leitlinie" zur Kariesprophylaxe verabschiedet. Darin nimmt das Wissenschaftler-Team, das die Leitlinie erarbeitet hat, auch Stellung zur Frage der Häufigkeit und Dauer empfehlenswerter Mundhygiene. Mindestens zweimal täglich sei der Biofilm, der bei regelmäßiger Zahnpflege weiche und insofern leicht wegwischbare Zahnbelag, zu beseitigen. Tests mit Patienten haben gezeigt, dass nach 1 Putz-Minute nur rund ein Viertel des Zahnbelages entfernt wurde, nach 2 Putz-Minuten bereits fast die Hälfte. Wurde 3 Minuten und länger geputzt, konnte dieser Anteil nicht mehr wesentlich gesteigert werden. Wiewohl der Zahnbelag nicht gänzlich entfernt werden konnte, seien die 2 bis 3 Minuten und vor allem das zweimal tägliche Putzen aber sinnvoll, auch weil jeweils frische Nahrungsreste entfernt werden konnten und damit den „Karies-Bakterien" nicht mehr als Nahrung zur Verfügung standen. Auch wenn die Ergebnisse eines Tests zwischen der Effizienz einer Handzahnbürste im Vergleich zu einer elektrischen keine wissenschaftlich fundierten Ergebnisse brachte, schien die Nutzung einer elektrischen Zahnbürste noch bessere Werte zu zeigen als der Gebrauch der Handzahnbürste

Mundschleimhaut: Immer im Blickpunkt

Manchmal sind es die Patienten, die eine Veränderung an ihrer Mundschleimhaut entdecken und dies in der Zahnarztpraxis abklären lassen – oft ist es aber der Zahnarzt, der bei den routinemäßigen Kontrolluntersuchungen solche Veränderungen bemerkt. In einem Workshop beim Deutschen Zahnärztetag Ende 2017 wiesen die Oberärztinnen der Universitätszahnklinik Frankfurt, Dr. Oksana Petruchin und Dr. Karin Obreja, auf die Bedeutung der intensiven Inspektion der Mundhöhle hin. Dabei sei auch der hintere Bereich der Mundhöhle zu betrachten: Gerade in diesen weiter zum Rachen gelegenen Bereichen zeigten sich oft erste Anzeichen von Hautgesundheitsstörungen, die auf Krebs hindeuten könnten. Problematisch sei, dass solche Entwicklungen zumeist schmerzlos verliefen und von den Patienten daher nicht bemerkt würden. Riskant für die Gesundheit sei regelmäßiger Alkohol- und Nikotingenuss, da Alkohol die Mundschleimhaut durchlässiger für das Zellgift Nikotin mache. Aber nicht jede Veränderung sei auch ein Zeichen für eine Krebs-Entwicklung: Auch schlechte Mundhygiene und manche Medikamente beispielsweise könnten zu Veränderungen an der Mundschleimhaut führen. Klarheit bringt hier eine entsprechende Untersuchung in der Zahnarztpraxis.

Pilzerkrankungen: auch im Mund?

Ist das Immunsystem eines Patienten geschwächt, kann es, insbesondere bei älteren Patienten, auch zu Pilzinfektionen (Soor) im Mund kommen – darauf machte ein Zeitungsbericht vor wenigen Wochen aufmerksam. Meist sind Medikamente daran beteiligt, wenn das biologische Gleichgewicht im Mund aus dem Ruder läuft und das Immunsystem nicht ausreichend gegensteuern kann.  Bekannt für solche möglichen Konsequenzen sind Arzneimittel gegen Rheuma, Kortison-Präparate, aber auch manche Antibiotika. Nicht zuletzt kann eine Chemotherapie im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung zu einem geschwächten Abwehrsystem des Patienten und damit auch zu einer Pilzerkrankung im Mund führen. Aber auch nicht stabil sitzender, vor allem aber ungepflegter Zahnersatz kann zu Pilz-Belastung führen: Bei herausnehmbaren Prothesen können sich an der Unterseite Pilze entwickeln und auf Zahnfleisch und den Mundraum übergehen. Hier helfen keine antibakteriellen Mundspüllösungen, so der Ratgeberbeitrag, sondern nur Hygiene durch sorgfältige Mundpflege und Zahnersatzreinigung. Haben sich schon Pilze entwickelt, gibt es entsprechende Medikamente. Bei einer regelmäßigen Mundgesundheits-Kontrolluntersuchung würden erste Veränderungen aber frühzeitig entdeckt und die Ausbreitung könne meist gut eingedämmt werden.

Zahnbettentzündung: Hormone spielen eine Rolle

Nicht nur in der Schwangerschaft zeigen die Hormone, dass sie am Entzündungsgeschehen im Körper und damit auch im Gewebe um den Zahn eine Rolle spielen: Die sogenannte Schwangerschaftsgingivitis zeigt sich als gerötetes, geschwollenes Gewebe. Es blutet schnell beim Zähneputzen. Grund ist unter anderem die durch die hormonelle Situation entstandene größere Porosität der Blutgefäße, die das Blut leichter durchlässt. Aber auch in der Zeit der Wechseljahre sind die Hormonschwankungen an Mundgesundheits-Störungen beteiligt: Ähnlich wie in der Schwangerschaft sind die Blutgefäße von den hormonellen Entzündungsreaktionen betroffen und können zu Zahnfleischbluten führen. In beiden Fällen ist das Hauptproblem, dass betroffene Frauen sich nicht trauen, die Zahnfleischränder intensiv zu reinigen, weil sie eine Ausweitung der Entzündung befürchten. Das Gegenteil ist der Fall, wie eine Patienteninformation der Initiative proDente, eine Arbeitsgemeinschaft zahnärztlicher Organisation in Zusammenarbeit mit der Bundeszahnärztekammer, kürzlich erklärte: Zu vorsichtiges Zähneputzen beseitigt die Zahnbeläge nicht und die Entzündung kann weiter fortschreiten. In der Zahnarztpraxis kann man sich zeigen lassen, wie man bei Zahnfleischbluten am besten mit Zahnbürste und Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürste die riskanten Beläge entfernt.

Vor 210 Jahren: Die ersten Porzellanzähne

Die Geschichte der Zahnmedizin hat in den letzten zweihundert Jahren viele spannende Erfindungen gebracht – viele davon spielen auch heute, mittlerweile erheblich weiterentwickelt, eine maßgebliche Rolle in der modernen Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Aber erst wenn man sich verdeutlicht, wie „jung" diese Entwicklungen sind, wird deutlich, auf was die Patienten zuvor verzichten mussten. Wie die Initiative proDente, eine Arbeitsgemeinschaft zahnärztlicher Organisation in Zusammenarbeit mit der Bundeszahnärztekammer, in einer Presseinformation vor ein paar Wochen berichtete, wurden vor 210 Jahren erstmals Porzellanzähne hergestellt – und das gleich in 20 verschiedenen Farben. Erst 1841 gab es eine spezifische Zange für die Entfernung von Zähnen. Amalgam wurde 1833 eingeführt, Gold als Zahnfüllungswerkstoff 1855. Während es also schon Porzellanzähne für Prothesen gab, mangelte es noch an einem „Träger", der die Ersatzzähne aufnehmen und im Mund stabilisieren konnte: Mit der Entwicklung eines speziellen Prothesen-Kautschuks im Jahr 1864 war auch das Problem erst einmal gelöst. Kurz vorher wurde der erste Behandlungsstuhl für die Zahnarztpraxis entwickelt, einige Jahre später gab es ihn in gusseiserner Form und später dann auch mit einer Hydraulik, die die Position veränderbar machte. 1871 kam dann auch die erste Tretbohrmaschine auf den Markt, und ab 1891 gab es auch erste Versuche mit elektrisch betriebenen Bohrern.

Zahnbettentzündung: Verschiedene Keime beteiligt

Wenn sich der Bereich rund um den Zahn – das Zahnbett aus Zahnfleisch und Kieferknochen – entzündet (Parodontitis), sind grundsätzlich Bakterien an dieser Entwicklung beteiligt. Dabei handelt es sich um Bakterienkolonien, die aus dem Mundraum kommen und sich bei ersten Schäden am Zahnfleisch sozusagen in die Tiefe vorarbeiten: Sie kommen aus Zahnbelägen, die das Zahnfleisch reizen und zerstören. In der Tiefe solcher „Zahntaschen" sind die Bakterien vor Zahnbürste und weiteren Mundhygiene-Utensilien geschützt und können sich dort ungestört vermehren. Der natürliche Abwehrprozess über das Immunsystem löst eine Entzündung aus, die die Keime zerstören soll, wenn sie chronisch wird, aber das zu schützende Gewebe zerstört. Der Zahn verliert sein gesundes stabiles Zahnhaltegewebe und geht verloren. Während eine normale Parodontitis durch spezielle Maßnahmen in der Zahnarztpraxis behandelt werden kann, ist es bei besonders schwerer Situation sinnvoll, gezielt die relevantesten Bakterienstämme im Entzündungsbereich zu erkunden. Die Bundeszahnärztekammer weist in einer Patienteninformation zum Thema darauf hin, dass ein entsprechender mikrobieller Bakterientest bei der Entscheidung unterstützen kann, ob es neben den klassischen Verfahren auch einer Begleittherapie mit Antibiotika bedarf.

Zahnfarbe: von Natur aus individuell

Auch wenn alle Menschen letztlich weiße Zähne haben, unterscheidet sich dieses Weiß doch von Fall zu Fall erheblich: Während die Zähne der einen eher einen gelblichen Schimmer zeigen, wirken andere eher grau – reines Weiß von Natur aus ist eher selten. Grund für die Farbunterschiede der natürlichen Zähne ist die genetische Veranlagung des Menschen – darauf wies kürzlich die Initiative proDente hin, eine Arbeitsgemeinschaft zahnärztlicher Organisation in Zusammenarbeit mit der Bundeszahnärztekammer. Für die Zahnfarbe relevant ist vor allem das Dentin unter dem Zahnschmelz und dessen „Dicke". Zahnschmelz nutzt sich im Laufe der Jahre etwas ab. Wird er dünner, sieht man durch die wachsende Transparenz mehr vom darunterliegenden Zahnbein. Die natürliche Farbe seiner eigenen Zähne sieht man am besten nach einer professionellen Zahnreinigung, wenn alle Pigmente durch Kaffee, Tee, Rotwein oder manche Medikamente wie antibakterielle Mundspüllösungen entfernt wurden. Sind dann immer noch auffällige Farbveränderungen zu erkennen, können diese auch von einer Zahnschädigung herrühren, einem Unfall beispielsweise oder wenn eine Wurzelbehandlung notwendig war. Dies kann der Zahnarzt abklären.

10. Implantate: Was ist dran an Keramik als Werkstoff?

Zahnimplantate aus Keramik sind keine neue Erfindung – bereits in den Gründungsjahren dieser Therapieform wurde mit Produkten aus Keramik experimentiert. Schon bald aber hatte der Werkstoff Titan aufgrund seiner eindrucksvollen Leistungen die „weißen Implantate" erst einmal in den Hintergrund gedrängt. Inzwischen sind Forschung und Unternehmen im Bereich Keramik viele Innovationsschritte weiter, so dass auch Zahnimplantate als Behandlungsprodukte wieder in den Blickpunkt gerückt sind. Anlässlich des zurückliegenden Kongresses der DGI, der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie, standen daher Keramik-Implantate und ihr derzeitiger Platz in der zahnärztlichen Implantologie mit im Blickpunkt. Prof. Dr. Kai-Hendrik Bormann (Hamburg) beispielsweise wies darauf hin, dass die weißen Implantate für bestimmte Patienten Sinn machen und eine Alternative zu Titan sein können, weil es bereits bemerkenswerte erfolgreiche Anwendungen gebe. Bisher fehlten aber nicht zuletzt Langzeitdaten zum nachhaltigen Behandlungserfolg. Zudem unterschieden sich Keramik-Implantate derzeit in ihrer Herstellung voneinander und dies führe zu ebenso unterschiedlichen Behandlungsschritten und -erfolgen. Ehe sie den gleichen Erfolgsstandard wie die Titan-Implantate erreichten, sei noch weitere Entwicklung notwendig.  Der DGI-Kongress trägt alljährlich dazu bei, implantologisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte auf den aktuellen Stand von Wissenschaft und Praxis sowie bei neuen Produkten zu bringen.

9. Atherosklerose: Parodontale Entzündungen beachten

Wird bei einem Patienten eine Atherosklerose diagnostiziert, eine Verengung der arteriellen Blutgefäße und damit eine riskante Störung des lebensnotendigen Blutflusses mit dem Risiko von Schlaganfall und Herzinfarkt, sollte auch auf das Vorhandensein einer Parodontitis geachtet werden – darauf weist eine Autorengruppe namhafter deutscher zahnmedizinsicher Wissenschaftler in einem Fachjournal für Zahnärzte hin. Die Verbindung beider Gesundheitsbelastungen ist demnach in sehr vielen Studien nachgewiesen, diese zeigten auch, dass es für beide Störungen gemeinsame genetische Risikofaktoren gibt. Die Bakterienbelastung aufgrund der Parodontitis begünstigt offenbar die Entwicklung einer Atherosklerose – manche Bakterienarten greifen die Zellen der Gefäßwände aggressiv an, behindern die Entwicklung neuer Blutgefäße und lösen in den Zellen des Blutgefäßes Entzündungen aus. Auch die Entwicklung von Thromben kann gefördert werden. Studien belegen, dass die systematische Parodontitistherapie deutlichen Einfluss auf die Verbesserung der Gesundheit der betroffenen Blutgefäße hat. Die Studien machen zudem deutlich, dass mit rechtzeitiger Parodontitis-Therapie das Risiko der Entwicklung einer Atherosklerose reduziert werden kann.

8. Zahnpasta: Nicht jede ist sinnvoll

Der Markt der Käufer von Zahnpasta ist hart umkämpft – da bleibt es nicht aus, dass auch „Wundermittel" versuchen, hier Kunden zu gewinnen. Dass nicht alles medizinisch Sinn macht, was an Produkten auf den Markt drängt, zeigt das Beispiel „schwarze Zahnpasten". Für manche Modebewusste ist „Schwarz" gleichbedeutend mit „stylish": Was bei Mode und Möbeln nur Geschmacksfrage ist, hört da auf, wo es um Gesundheit geht. Zu den Stoffen, die laut aktueller Medienberichte gerade Trend bei Gesundheitsprodukten auch im Mundpflegebereich sind, gehört Aktivkohle. Der Hintergedanke der Entwickler von schwarzer Zahnpasta, deren Farbe von beigemischter Aktivkohle herrührt, ist die schwamm-ähnliche Oberfläche der entsprechenden Kohle-Molekühle. Ihnen wird nachgesagt, Bakterien „aufzusaugen". Dabei sehen Zahnärzte diese Entwicklung eher kritisch: Die Aktivkohle könne nicht unterscheiden zwischen „guten" und „schlechten" Bakterien im Mund, und es sei fraglich, ob sie als Beimischung in einer Creme überhaupt ihre beworbene aufsaugende Kraft besitzt. Grundsätzlich empfehlen Zahnärzte, beim Kauf von Zahnpasta auf zwei Aspekte zu achten: Unabhängig von irgendwelchen Trends zwischen extra-schwarz oder extra-weiß sollte eine Zahnpasta Fluorid enthalten und nicht zu stark abrasiv wirken, das heißt: den Zahnschmelz zu stark abradieren.

7. Bakterien: Aus dem Mund, in den Körper

Zahnbettentzündungen gehen auf spezielle Bakteriengruppen zurück, die sich in einer Zahntasche, geschützt vor häuslichen Mundhygienemaßnahmen wie Zähneputzen, ausbreiten. Da der Körper solche Infektionsstellen mit Abwehrmaßnahmen bekämpft, ist die entzündete Zahntasche unter anderem mit der Blutbahn verbunden, über die Abwehrzellen zum Entzündungsherd transportiert werden. Allerdings geht der Transport an Zellen auch in die entgegengesetzte Richtung: Parodontitis-Keime gelangen ihrerseits in die Blutbahn und schwimmen mit dem Blutstrom durch den Körper. Sie wirken unter anderem auf das Immunsystem, das daraufhin Stoffe produziert und seinerseits in die Blutbahn gibt, die sogar entzündungsförderlich sind. Aber auch direkt haben diese Mund-Keime Kontakt mit Organen und Gewebe an vielen Stellen des Körpers. Insbesondere wenn der Körper ohnehin schon mit Krankheiten belastet ist, die ihrerseits auf Entzündungen spezifischer Strukturen zurückgehen bzw. von ihnen begleitet werden, können Parodontitis-Bakterien aus dem Mund dazu beitragen, dass diese Erkrankungen sich verstärken bzw. weniger gut zu behandeln sind. Sowohl bei Parodontitis-Patienten als auch solchen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen müssen daher immer alle möglichen weiteren Faktoren untersucht und beachtet werden, um die Erkrankung besser in den Griff zu bekommen.

6. Altersproblem: zu wenig Durst

Im Alter lässt bei vielen Menschen das Durstgefühl nach: Sie merken nicht mehr, dass ihr Körper seinen Bedarf nach Flüssigkeit anmeldet. Nicht ausreichendes Trinken führt dabei zu vielfältigen Gesundheitsstörungen, auch Vergesslichkeit wird mit einem Mangel an Flüssigkeit und dadurch eingeschränkter Hirnleistung in Verbindung gebracht. Im Mund zeigt sich die zu geringe Getränke-Aufnahme insbesondere durch einen Rückgang in der Speichelproduktion. Sprechen und Schlucken fällt dann nicht mehr so leicht, die natürliche Mundspülung nach dem Essen ist reduziert und führt bei eher oberflächlicher Mundhygiene zu Belastungen an den eigenen Zähnen und auch an Zahnersatz. Aber nicht nur nachlassendes Durstgefühl, sondern auch alterstypische Medikamente (z.B. blutdrucksenkende oder auch schmerzstillende Arzneimittel, Antidepressiva u.a.) und chronische Erkrankungen können die Speichelproduktion einschränken. Einen trockenen Mund sollte man daher nicht einfach als „alterstypisch" hinnehmen, sondern die Hintergründe abklären und auch eigene Gegenmaßnahmen wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr und aktives Kauen beispielsweise vornehmen.

4. MIH: Was ist das eigentlich?

In den Medien wird immer öfter über MIH berichtet, insbesondere über deren Entstehung und die Möglichkeiten einer Behandlung. MIH bedeutet ausgeschrieben: „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation". Die Zahnentwicklungsstörung, die vor allem Kinder betrifft, wird umgangssprachlich auch „Kreidezähne" genannt. Beim zurückliegenden Deutschen Zahnärztetag in Frankfurt hat Oberärztin Dr. Maria Giraki (Universität Frankfurt) aktuelle Wissens-Fakten zum Thema vorgestellt. Zähne mit einer solchen Substanzstörung sind sehr empfindlich gegenüber Stressoren wie Temperatur und Kontakt, haben ein deutlich erhöhtes Kariesrisiko und erweisen sich, was bei einer Behandlung besonders problematisch ist, als weniger gut anästhesierbar. Wenn sie bräunliche Verfärbungen zeigen, sind sie auch optisch störend. Selbst bei bester Mundpflege durch die Eltern können solche Kinderzähne geradezu wegbröckeln. Beobachtet wurde eine vergleichbare Zahnstörung schon im 17. und 18. Jahrhundert, seit Ende des 20. Jahrhunderts gibt es wissenschaftliche Beschreibungen dieser weltweit vorkommenden Zahnentwicklungstörung, Behandlungsempfehlungen gibt es allerdings erst seit wenigen Jahren. Nach wie vor unklar ist der Grund für die Fehlentwicklung der Zahnhartsubstanz eines oder mehrerer Zähne – einer Vielzahl an Vermutungen von vorgeburtlichen über geburtsbegleitende Umstände bis hin zu frühkindlichen Erkrankungen und der Rolle entsprechend verabreichter Medikamente steht die Suche nach eindeutigen Belegen gegenüber. Der Forschungsbedarf ist erheblich, wurde erneut bestätigt – die bisherigen umfangreichen Arbeiten hätten noch immer keine eindeutigen Ergebnisse gezeigt.

5. Periimplantitis: Klarstellungen beim DGI-Kongress

Bei den alljährlich stattfindenden großen Jahreskongressen der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) steht das Thema „Periimplantitis" – Vorbeugung, Entstehung, Ausbreitung und Behandlung der entzündeten Gewebe rund um das Implantat – immer weit oben auf der Tagungs-Agenda. In diesem Jahr konnten weitere Fortschritte berichtet werden. Beispielsweise machte Referent Dr. Jan Derks (Göteborg) deutlich, dass die unterschiedlichen Zahlen, die zur Verbreitung der Periimplantitis-Fälle kursierten, auf entsprechend unterschiedlichen Standards der Datenerhebung beruhten. Hier konnte mittlerweile international ein Konsens entwickelt werden, der für Praxen und Patienten für mehr Klarheit sorge. Einig war sich die Fachwelt auch dabei, dass unterschiedliche Bezeichnungen verwirren könnten: Eine Periimplantitis-Behandlung sei in dem Moment notwendig, wo sich – an welcher Stelle auch immer – an der Implantatstelle erste Anzeichen einer Entzündung zeigten. Was sich nicht geändert hat: Nach wie vor sind eine sorgsame Mundhygiene und regelmäßige Kontrolluntersuchungen der beste Weg, um solche Entzündungen zu vermeiden bzw. bei ersten Anzeichen eingreifen zu können.

3. DGI: Wo steht die Implantologie heute?

Auf ihrem Jahreskongress 2017 hat die DGI, die wissenschaftliche Deutsche Gesellschaft für Implantologie, den aktuellen Stand des Fachgebietes mit Blick auf Resultate und daraus folgenden Konsequenzen in den Blickpunkt gestellt. Rund 1900 Fachteilnehmer erfuhren seitens des Kongresspräsidenten PD Dr. Gerhard Iglhaut, dass eine Vielzahl an Studien die hohe Erfolgsrate der Zahnersatzversorgung auf Implantaten bestätigt – das Fachgebiet sei also auf einem guten Weg. Bei aller Freude über die vorhandenen Erfolge dürfe aber nicht vergessen werden, dass Medizin nie einen Erfolg garantieren könne: Sowohl die biologischen, gesundheitlichen als auch weiteren Lebensumstände auf Patientenseite als auch die Entwicklung von Therapie-Materialien einerseits und Fachwissen und Erfahrung bei den behandelnden Ärzten andererseits hätten Einfluss darauf, ob eine gelungene Planung auch zu einem guten Ergebnis führe. Fortbildungen wie die traditionellen Jahreskongresse der DGI tragen mit ihrer Vielzahl an großen und kleinen intensiven Themenforen mit viel Erfahrungsaustausch dazu bei, den Informationsstand der Zahnärztinnen und Zahnärzte, aber auch des assistierenden Teams in den Praxen auf einen aktuellen Stand zu bringen.
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