Patienten-News

Osteoporose: Diagnose in der Zahnarztpraxis

Insbesondere in chirurgisch ausgerichteten Zahnarztpraxen gehört der Blick auf den Knochen (in diesem Fall: im Kiefer) zum Arbeitsalltag. Ehe dort therapeutisch gearbeitet wird, wird in der Regel ein Röntgenbild bzw. ein OPG (Orthopantomogramm, auch „Panoramaschichtaufnahme" genannt) angefertigt. Ziel ist: Ehe man in dieser Region arbeitet, muss man wissen, in welchem Zustand sich der Kieferknochen befindet. Kann man beispielsweise ein Implantat setzen, ist der Knochen stabil genug – oder ist er porös und weist auf eine bisher nicht erkannte Erkrankung hin? Genau diesen Punkt arbeitete eine Wissenschaftlergruppe heraus und stellte, wie eine Veröffentlichung in einer Zahnärzte-Zeitschrift vor wenigen Wochen zeigte, fest: Die bildgebenden Verfahren in der Zahnarztpraxis, darunter auch das DVT (Digitaler High-Tech Volumentomograph), können sehr gut darstellen, ob die Konsistenz des Knochens fest oder angegriffen ist. Und wenn die Situation gut erkennbar ist, können Zahnärzte auch bei der Früherkennung von dünner und poröser werdendem Knochen (Osteoporose) helfen: Nicht selten sind Patienten öfter und früher bei ihrem Zahnarzt als dass sie mit ihrem Hausarzt über solche Symptome reden. Sind Zahnärzte darin geschult, diese Knochen-Veränderungen auf den Bilden zu erkennen, können sie dazu beitragen, dass Osteoporose-Patienten frühzeitiger in fachgerechte Behandlung kommen.

Probiotika: für gesunden Biofilm

Genaugenommen ist der Mund ein ziemlich gut austariertes Biotop: Eine kaum überschaubare Menge an nützlichen und auch weniger nützlichen, bis hin zu Munderkrankungen fördernden Bakterien sorgt dafür, dass das Gleichgewicht gewahrt bleibt: Bakterienfamilien bekämpfen sich untereinander, und solange „die Guten" dabei gewinnen, stehen die Zeichen für die Mundgesundheit auf grün. Was viele Patienten nicht wissen: Man kann mit bestimmten Lebensmitteln „den Guten" die Arbeit erleichtern. In einer zahnmedizinischen Zeitung erschien kürzlich dazu ein interessanter Beitrag. Demnach haben Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie bei einer Tagung darüber berichtet, dass sogenannte Probiotika eine nützliche Rolle für die Lebensgemeinschaft der Bakterien spielen. Beispielsweise können offenbar entsprechende Milchpulver-Produkte die Anzahl kariesbildender Bakterien reduzieren und das Kariesgeschehen bremsen. Und auch, wenn man noch nicht genau belegen konnte, warum das so ist, zeigte sich doch, dass probiotische Medikamente bei Parodontitis dazu beitragen, das Ausmaß der entzündeten Zahntaschen zu mildern – ähnlich stark wie bei lokalen Antibiotika-Gaben.

Bröckelzähne: Das Wissen um diese Störung wächst

Am besten wäre es, man könnte heute schon genau sagen, warum es manchmal zu einer Zahnbildungsstörung bei Kindern kommt und die Zähne zu bröckeln scheinen: Dann hätte man auch einen besseren Ansatz, um diese „MIH" genannte Entwicklung zu verhindern. Was genau eine MIH („Molaren-Inzisiven-Hypermineralisation") auslöst, dazu gibt es nach wie vor keine eindeutigen gesicherten Erkenntnisse, nur eine derzeit noch wachsende Liste an möglichen Ursachen. Dafür ist man aber bei der Frage, wie man diese Bröckelzähne am besten behandelt, inzwischen einen deutlichen Schritt weiter. Wie ein vor wenigen Wochen veröffentlichter Fachartikel in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift deutlich macht, haben Münchner Wissenschaftler beobachtet, dass sogenannte adhäsive („klebende") Komposit-Füllungen die bisher am zufriedenstellendsten Ergebnisse lieferten. Komposite sind weiche Füllmaterialien mit einer Art Netz aus Kunststoff und darin eingebauten anorganischen Füllkörpern. Dieses Material passt sich den Löchern und Absprengungen auf dem Zahnschmelz an und gleicht diese aus.

Risikopatienten: Was ist mit Implantaten?

Längere Zeit war das fast eine Grundregel in der Implantologie: Patienten mit bestimmten Erkrankungen, bei denen eine Implantation als riskant erachtet wurde, wurden eher in Ausnahmefällen mit implantatgestütztem Zahnersatz versorgt. Das hat sich inzwischen geändert: Wie Prof. Dr. Dr. Stefan Schultze-Mosgau bei einer Fortbildungsveranstaltung der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) kürzlich berichtete, sind Implantate heute auch bei Patienten mit beispielsweise Diabetes mellitus, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose einsetzbar. Es sei wichtig, dass man nicht nur bei neuen Patienten in der Praxis auf dem Anamnesebogen erfasst, welche weiteren Erkrankungen der Patient aufweist, sondern auch bestehende Patienten müssten nach gesundheitlichen Veränderungen befragt werden bzw. diese dem Praxisteam mitteilen. Je nach gesundheitlicher Belastung des Patienten und verordneten Medikamenten muss das Vorgehen für eine Implantatversorgung individuell geplant werden, in einigen Fälle ist es auch sinnvoll, wenn das Implantologie-Team den Hausarzt in die Planung mit einbezieht. Für bestimmte Erkrankungen, die beispielsweise zu Heilungsstörungen führen können, hat die DGI zusammen mit weiteren Experten Behandlungsleitlinien erstellt, auf die das Praxisteam zurückgreifen kann. So ist es heute weitgehend gut fachlich abgesichert möglich, einen zahnlosen Patienten auch dann mit festen Zahnwurzeln (Implantaten) zu versorgen, wenn er aufgrund seines Diabetes mellitus bisher auf diese komfortable Zahnersatzlösung verzichten musste.

Ernährung: Hilft sie bei Parodontitis?

Eine Parodontitis ist eine Zahnbett-Infektion, eine Entzündung des Gewebes rund um den Zahn. Und genau um diesen Punkt „Entzündung" geht es bei der Frage, ob eine spezielle Ernährung sich positiv auf das Heilen dieser Infektion auswirken kann, ob die Nahrungsbestandteile also „antientzündlich" wirken. Denn genau darum geht es, wenn die bereits bestehende Parodontitis zum stoppen gebracht werden soll. In der Tat gibt es, wie der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente vor Kurzem aufzeigte, Möglichkeiten, die Abwehrkräfte des Immunsystems mit entsprechender Ernährung zu verstärken. Dabei haben auch verschiedene Studien gezeigt, dass eine gesunde, ausgewogene Kost die Abwehrkräfte des Körpers stärkt. In Obst und Gemüse finden sich viele sogenannte Mikronährstoffe, die das Immunsystem stärken und bei seiner Arbeit unterstützen. Auch eine Ernährung, die einen positiven Effekt auf den Blutzuckerspiegel hat, ist sinnvoll, denn erwiesenermaßen neigen Menschen mit Diabetes zur Entwicklung einer Parodontitis – und die Schwere der beiden Erkrankungen wird durch gegenseitige Einflüsse noch erhöht. Die Bedeutung der Ernährung beginnt aber schon früher: Zahnbelag ist quasi ein Schlemmerland für Bakterien und andere Keime. Eine Zucker-reduzierte Ernährung (vor allem Haushaltszucker), verbunden mit sorgfältiger Mundhygiene, sorgt dafür, dass diese Keime keine ausreichende Nahrung und keinen Lebensraum erhalten. Auch sinnvoll: Omega-3-haltige Lebensmittel wie in fettem Fisch. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte dies beim nächsten Besuch in der Zahnarztpraxis ansprechen.

Weltgeschichte: Zähne verraten Entwicklungen

Forscher aus dem Bereich der Geowissenschaften und der Entwicklung der Welt, wie wir sie kennen, sind begeistert: Wie die Universität Bonn kürzlich berichtete, konnte ein Sensationsfund in Madagaskar weitere Antworten auf entwicklungsrelevante Fragen geben. Ein dort gefundenes Säugetier-Fossil war fast gänzlich erhalten und wies mit dem kompletten Skelett und knorpeligen Teilen der Rippen auch gut erhaltene Zahnreihen auf. Erste elektronenmikroskopische Untersuchungen zeigten, dass die Säugetier-Zähne einen eher einfach aufgebauten Schmelz hatten, der keine bemerkenswerten Besonderheiten erkennen ließ. Aber genau das war letztlich dennoch spannend, denn anders als die Zähne waren beispielsweise die Ohren im Vergleich zum damaligen Entwicklungsstadium sehr modern entwickelt: Was man heute als Ohrenschnecke kennt, war vor rund 70 Millionen Jahren (etwa aus dieser Zeit stammt das Fossil) gar nicht verbreitet – da war die „Schnecke" eher ein gerade Schlauch. Bei diesem Madagaskar-Fossil aber zeigen sich erste Aufroll-Formen. Insgesamt war das Tier eine herausfordernde Kombination aus eher rückständigen und eher weit fortgeschrittenen Entwicklungen, was die Wissenschaftler vor weitere Fragen und Aufgaben stellt. Deutlich ist derzeit nur: Offenbar waren die Zähne damals für dieses Tier weniger relevant als beispielsweise das Gehör.

Zahnpasten: Warum sie Fluorid enthalten

Die Vielfalt an Zahnpasten ist heute beinahe endlos: In meterlangen Regalen finden sich beispielsweise Produkte für sensible Zähne, zur Vorbeugung von Zahnfleischerkrankungen, zum Abschmirgeln von Pigmenten auf der Zahnoberfläche, für Kinderzähne und für Prothesenträger. Was die meisten neben den Reinigungs-Inhaltsstoffen verbindet: Sie enthalten Fluorid, ein in der Natur vorkommendes Salz. Seine Aufgabe: Zahnschmelz wieder zu reparieren. Spezielle Mundbakterien ernähren sich von Zucker und Kohlenhydraten und scheiden dabei Säure aus. Diese Säure ist in der Lage, das an sich härteste Material im Körper, den Zahnschmelz, anzugreifen: Sie löst kleinste Bestandteile aus dem Zahnschmelz heraus und schafft damit winzige Nischen, in denen die Bakterien vor der oberflächlich reinigenden Zahnbürste geschützt sind. So setzt sich die Säure-bedingte Zerstörung des Zahnes immer weiter fort. Einhalt bietet das Fluorid: Es hilft dabei, Mineralstoffe aus dem Speichel schon in kleinste erste Auflösungsstellen hineinzubringen und die angegriffene Zahnschmelz-Stelle sozusagen wieder zu verschließen. Wie der Mundgesundheits-Informationsdienst pro Dente vor wenigen Tagen berichtete, kommt es auf das Alter der Zahnputzenden an, wieviel Fluorid in einer Zahnpasta enthalten sein sollte. Auch ist es wichtig, ob schon anderweitig Fluorid aufgenommen wird, durch Mineralwasser oder Kochsalz. Am besten lässt an sich in seiner Zahnarztpraxis individuell beraten, worauf man beim Kauf seiner Zahnpasta achten sollte.

Implantate: gleich nach der Zahn-OP?

Auf der Suche nach dem besten Weg zu einer nachhaltigen erfolgreichen Zahnersatzversorgung auf einem Implantat nutzen Wissenschaftler und Praktiker die unterschiedlichen Vorgehensweisen, die heute zu den erprobten Verfahren gehören, und entwickeln sie weiter. Eine dieser Vorgehensweisen ist das sogenannte „Sofortimplantat". Das bedeutet: Die künstliche Zahnwurzel, das Implantat, wird gleich nach Entfernung des nicht mehr zu rettenden Zahnes in dessen nun freie Zahntasche, die Alveole, gesetzt. Für diesen Weg spricht unter anderem, dass die Anzahl der üblicherweise notwendigen Operationen und damit auch die Dauer der Behandlung verkürzt werden – bei Patienten ist dieser Weg daher sehr beliebt. Wie ein ausführlicher Fachartikel in einer zahnärztlichen Zeitung vor wenigen Wochen deutlich macht, stehen diesen Vorteilen aber nach wie vor auch nicht zu unterschätzende Nachteile gegenüber. Beispielsweise sollte eine Sofortimplantation nicht erfolgen, wenn die natürlichen Knochenwände der Alveole zu dünn sind – hier würde die notwendige stabile Stützwand fehlen. Für eine ausreichende Stabilität muss auch bei der Sofortimplantation daher nicht selten „augmentiert" werden, das bedeutet: Das verloren gegangene Knochengewebe wird durch transplantiertes Knochenmaterial oder eingebrachtes Knochenersatzmaterial ersetzt und der Halteplatz verstärkt. Welches das beste Verfahren in der Implantologie ist und welches das beste Implantat-Design, entscheidet sich letztlich allein nach den Voraussetzungen, die im Patientenmund vorgefunden werden – und auch danach, wie dessen Allgemeingesundheits-Zustand ist. Daher steht vor jeder Implantatversorgung eine ausführliche Beratung durch das behandelnde Zahnärzte-Team.

Zusammenarbeit: Parodontitis und Diabetes

Nicht nur im Körper gibt es eine enge Verbindung von Parodontitis und Diabetes – und zwar wechselseitig. Bei einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus (Typ 2) heilt eine behandelte Parodontitis schlechter aus, und bei einer starken Parodontitis gerät ein Diabetes leicht aus dem Lot. Nun weisen britische Forscher (Universität Birmingham) darauf hin, dass auch Ärzte aus beiden Bereichen viel intensiver als bisher zusammenarbeiten sollten. Wie einer großen zahnärztlichen Fachzeitschrift kürzlich zu entnehmen war, empfehlen die Wissenschaftler einen Frühtest in der Zahnarztpraxis. Das mache Sinn, da viele Diabetes-Typ-2-Erkrankte ihre Erkrankung im Anfangsstadium gar nicht erkennen und sich daher auch nicht entsprechend untersuchen lassen. Besuche beim Zahnarzt dagegen finden oft regelmäßig statt. Empfohlen sind daher Fragebögen für die Zahnarztpraxis, die beim rechtzeitigen Erkennen der Erkrankung helfen können – und natürlich auch bei der Optimierung der Parodontitis-Behandlung. Ein solcher Frühtest würde auch die Umsetzung der Ziele einer aktuellen entsprechenden wissenschaftlichen Leitlinie zur Verbesserung der Behandlung von Parodontitis und Diabetes erleichtern.

Zahnimplantate: Ist mit Schmerzen zu rechen?

Die Sorge, eine Zahnimplantation könnte mit erheblichen Schmerzen verbunden sein, beschäftigt viele Menschen, die einen oder mehrere Zähne verloren haben und über Zahnersatz nachdenken. Die wissenschaftliche Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) weist daher auf ihrer Website dezidiert auf diesen Aspekt hin. In der Regel werden Zahnimplantate ambulant gesetzt, und wenn die gesundheitlichen Voraussetzungen des Patienten und die fachliche Ausbildung des Praxis-Teams dies ermöglichen, kann dies in einer ganz normalen Zahnarztpraxis erfolgen. Bei etwas mehr Aufwand und Herausforderung, aber auch bei Bedarf nach chirurgischen Ergänzungsverfahren wie beispielsweise Aufbau verloren gegangenen Knochens kann eine Behandlung in einer chirurgisch spezialisierten Praxis oder einer Zahnklinik sinnvoll sein. So eingreifend das Implantationsverfahren auch sein mag: Die Zahnärzte, Oralchirurgen und MundKieferGesichtsChirurgen kennen sich in Maßnahmen für eine schmerzfreie Behandlung gut aus. Während in der Praxis bei einer eher alltäglichen Implantatversorgung eines gesunden Patienten in der Regel eine örtliche Betäubung ausreicht, kann es bei erhöhtem chirurgischen Aufwand notwendig sein, die lokale Betäubung durch ein anderes Verfahren zu ersetzen. Ziel ist, das Implantat gut zu positionieren und zu stabilisieren und dem Patienten damit wieder deutliche Lebensqualität zurückzugeben – und das so schmerzfrei bis schmerzarm wie möglich.

Fluorid: Was ist das?

Die meisten Zahnpasten enthalten Fluoride. Auch vielen Mundwässern sind sie beigefügt. Es gibt sie in sehr niedriger Dosierung in Pflegeprodukten für die ersten Milchzähnchen und hoch konzentriert als Gel oder Lack für Intensivmaßnahmen zum Schutz der Zähne vor säurebedingter Auflösung. Was aber ist eigentlich dieses „Fluorid" – und ist es vielleicht schädlich? Diese Frage stellen sich besonders viele Eltern, deren Kinder beispielsweise eine „Versiegelung" der Backenzähne erhalten sollen. Der Mundgesundheits-Informationsdienst „proDente" hat daher Anfang April in einer Fachinformation Hintergründe zusammengestellt. Unter anderem zur Frage der möglichen Schädlichkeit: Demnach sei Fluorid (das nicht mit dem Gas Fluor identisch ist) das vermutlich am gründlichsten untersuchte Medikament, rund 300.000 Studien gebe es zu diesem Produkt, die keinerlei Hinweise auf mögliche Gesundheitsschädigungen zeigen. Während Fluor ein giftiges Gas ist, gehört das Fluorid zu den wichtigen Spurenelementen, die der Körper braucht – erklärte in der Fachinformation Prof. Dr. Stefan Zimmer, Universität Witten/Herdecke. Fluoride sind Salze und kommen, mehr oder weniger gut verteilt, in der Natur vor. In manchen Gegenden, zu denen auch Deutschland gehört, sind sie eher spärlich verbreitet – deshalb macht es hierzulande Sinn, sie altersgerecht und nach ausgewogenem Plan beispielsweise über die Nahrung (fluoridiertes Salz) aufzunehmen oder über Mundpflegeprodukte lokal anzuwenden.

Beißringe: auf Schadstoffe achten

Wie das Journal ÖKO-TEST vor wenigen Wochen aufzeigte, müssen Eltern beim Kauf von Beißringen darauf achten, dass von diesen Zahnungshilfen keine Gefahr für das Kind ausgeht. Solche Beißringe helfen vielen Kindern, mit der Unruhe und den Schmerzen beim Zahnen besser zurecht zu kommen. Beißringe gibt es aus vielen verschiedenen Materialien – von Holz bis Kunststoff. Über die Hälfe der rund 20 getesteten Produkte erwiesen sich laut ÖKO-TEST als „sehr gut" für den Einsatz beim Baby, darunter beispielsweise ein Elfie-Beißring aus Holz, einer aus Silikon (Lieblingsball, Ravensburger) und einer aus Naturkautschuk (Elefant, Grünspecht). Während letztlich alle Beißringe den Belastungstest problemlos und ohne größere Kritikpunkte absolviert hatten, gab es bei neun der Produkte hinsichtlich Schadstoffgehalt Punktabzug. Davon waren drei Produkte so stark belastet, dass das Test-Institut deutlich Kritik anmerkte, und ein Beißring fiel sogar als „ungenügend" durch, weil ein Schadstoff als weitaus zu hoch erachtet wurde. Die Testergebnisse im Detail stehen für Interessierte zum Abruf auf der Website von ÖKO-TEST zur Verfügung.

Immunerkrankungen: Konzepte für Implantatversorgung

Fast jeder dritte Patient in der zahnärztlichen Praxis habe Risikofaktoren, sagte der Präsident der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie, Prof. Dr. Dr. Knut A. Groetz, kürzlich bei einer Fortbildungsveranstaltung für seine Kolleginnen und Kollegen. Die Spanne reicht von Allergien bis Krebs. Wenn es um die Versorgung mit implantatgetragenem Zahnersatz geht, sind vor allem solche Erkrankungen eine Herausforderung, die mit einer Wundheilungsstörung einhergehen: Implantate werden in das Knochen- und Zahnbett-Gewebe des Kiefers eingesetzt und wachsen mit dem Gewebe zusammen, kurz: Sie heilen ein. Das funktioniert nur, wenn dieser Heilungsprozess nicht gestört wird – beispielsweise durch ein nicht gesundes Immunsystem. Krankheiten, die mit Immunstörungen einhergehen, sind beispielsweise solche aus dem rheumatischen Bereich. In diesen Fällen werden die betroffenen Patienten oft mit Medikamenten behandelt, die die Leistungsfähigkeit des gegen den eigenen Organismus arbeitenden Immunsystems unterdrücken, um den Patienten Besserung zu verschaffen. Dies wiederum ist eine Herausforderung für die Implantatversorgung, die für ein gesundes Einheilen ein weitgehend intaktes Immunsystem benötigt. Insofern sind heute Implantate bei Patienten mit Risikofaktoren zwar grundsätzlich möglich – das Beispiel Rheuma zeigt aber auch, dass in jedem Einzelfall entschieden werden muss, ob das Setzen eines Implantates dem Organismus des Patienten zugemutet werden kann.

Parodontitis: Keime im Blickpunkt

Der Mund ist nicht nur für die Ernährung eine Eintrittspforte, sondern auch für unterschiedliche Keime – viele davon braucht der Körper für verschiedene Aufgaben nicht zuletzt rund um den Stoffwechsel. Einige aber erweisen sich, wenn sie überhand nehmen und das Gleichgewicht aller Keime aus dem Lot kommt, als krankheitserregend. Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren intensiv geforscht, weil Mund-Bakterien nicht nur für das Entstehen einer Parodontitis ausschlaggebend sind, sondern, wenn sie weiter durch den Körper wandern, auch für Infektionen verschiedener Organe. Je besser man die jeweilige Bakterienfamilie kennt, und je genauer man weiß, wie sie mit anderen Keimen oder auch Pilzen im Mund auskommt, um so besser kann man sie bekämpfen. Dabei rücken immer mal wieder auch solche Bakterien in das Blickfeld der Wissenschaftler, die bisher eine eher nachgeordnete Rolle gespielt hatten. Ein solches Bakterium ist das Fusobacterium nucleatum, wie ein Fachartikel in einer zahnärztlichen Zeitschrift kürzlich darstellte. Eigentlich ist seine Rolle im „Biotop Mund" eher nachgeordnet – ist das Gleichgewicht der Keime aber gestört, zeigt sich seine Infektionen auslösende und Gewebe auflösende Potenz. Dieses Fusobakterium gehört zudem zu solchen Keimen, die über die Blutbahn auch in andere Organe gelangen. Im Rahmen der professionellen Zahnreinigung wird mit unterstützenden Maßnahmen dazu beigetragen, auch diesen Mundkeim soweit zu beseitigen, dass das gesunde Gleichgewicht der Bakterien weitgehend wieder hergestellt werden kann.

Gewebeersatzmaterial: Rückgriff auf die Natur

Nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Zahnmedizin gibt es vielfältige Erkrankungen oder Folgen von Unfällen, die zum Verlust von natürlichem Gewebe führen – nicht zuletzt zum Verlust von Knochensubstanz. Insofern ist es eine große Aufgabe für die Wissenschaft, für den jeweiligen Bedarf biologisch überzeugendes und der entsprechenden Belastung angepasstes Ersatz-Gewebe zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur um möglichst schonende Verfahren, Gewebe aus dem eigenen Körper an die Operationsstelle zu transplantieren, sondern auch um Neuentwicklungen von Fremdmaterialien. Ein spannendes Projekt dieser Art bearbeitet gerade das Uniklinikum in Bonn: Knochenersatzmaterial, das zusammen mit einer Art Gittergewebe den Knochendefekt auffüllt und zudeckt. Diese Konstellation sorgt für mehr Flexibilität beim Einheilen als eine eher starre Knochenblock-Lösung oder das Arbeiten mit künstlichen Knochenersatz-Granulaten: Die Positionierung der „Granulat-Kügelchen" ist bisher nicht perfekt steuerbar, weil eine „Halterung" fehlt. Diese soll nun durch eine Art Netz aus Spinnenseide ermöglicht werden, so die Bonner Wissenschaftler.

Parodontitis: Amöbenart beteiligt

Dass Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte hauptverantwortlich für die Entwicklung einer Zahnbett-Entzündung (Parodontitis) sind, ist hinlänglich bekannt, auch den Patienten. Nun haben Wissenschaftler der Charité in Berlin entdeckt, dass die Bakterien bei ihrer Gewebe-zerstörenden Arbeit kraftvolle Unterstützung haben: eine Amöben-Art. Der Öffentlichkeit bekannt sind Amöben beispielweise durch die sogenannte Amöbenruhr, eine weltweit verbreitete schwerwiegende Erkrankung. Während in diesem Fall Darm-Amöben das Gewebe zerstören, sind es beim Zahnbett spezielle Mund-Amöben. Amöben sind einzellige Parasiten. Sie greifen die Schleimhaut an und ermöglichen krankmachenden Bakterien ein leichteres Eindringen in das Gewebe. Die Forscher haben entdeckt, dass vier von fünf Parodontitis-Patienten solche Amöben in der Zahnfleischtasche aufweisen, aber nur rund 15 Prozent der Menschen mit gesundem Zahnbett. Überprüft wird jetzt, ob es vielleicht an den bisher unterschätzten Amöben liegt, wenn eine Parodontitis-Behandlung nicht so anschlägt wie erwartet. Derzeit gibt es noch keinen einfach anwendbaren Amöben-Test, aber auch hier sind die Wissenschaftler auf einem weiterführenden Weg. Derzeit geht es vor allem darum, die Bakterien zu entfernen, die den Amöben den Weg ins Gewebe bereiten. Hierbei kann eine sorgfältige professionelle Zahnreinigung hilfreich sein.

Kariesentfernung: neue Wege

Auch beim Thema Kariesentfernung geht die Wissenschaft immer weiter voran – manchmal auch, weil neue Produkte neue Möglichkeiten schaffen. Über einen solchen Fortschritt berichtete vor wenigen Wochen eine große deutsche zahnärztliche Fachzeitschrift. Während es bisher üblich war, bei einer Karies nicht nur das zerstörte und bakterienbelastete Zahnmaterial „herauszubohren", sondern sicherheitshalber auch die umliegende, oft schon aufgeweichte Zahnhartsubstanz, geht man zunehmend differenzierter an die Aufgabe heran. Einer der Gründe: Wenn die Karies schon etwas weiter fortgeschritten ist, kommt der Bohrer in die Nähe der Pulpa, dem innenliegenden Lebensraum von Zahnnerv, Blutgefäßen und weiterem Gewebe. Die durch den Bohrer ausgelöste Vibration und mögliche Verletzung der Trennwand kann hier zu Schädigungen führen. Eine neue Studie brasilianischer Forscher stellt ein Verfahren in den Mittelpunkt, das letztlich gar nicht mehr alles „entfernt": Die innere aufgeweichte Zahnhartsubstanz wird vor Ort belassen und unter einer Zahnfüllung gewissermaßen „versiegelt". Die verbliebenen Kariesbakterien werden somit von Nahrung und Lebensbedarf abgeschnitten, und die von ihnen ausgelöste Gewebezerstörung wird gestoppt. Ziel der Studie, die verschiedene Kariesentfernungs-Verfahren verglich, war die Antwort auf die Frage, welches Vorgehen den Zahn und die Pulpa am wenigsten schädigt: Am erfolgreichsten war das „Versiegelungs"-Verfahren. Das Verfahren findet zunehmend, wo es sinnvoll ist, bereits Anwendung in den Zahnarztpraxen.

Zahnbehandlung in Corona-Zeiten: Was ist zu beachten?

Zahnschmerzen fragen nicht danach, ob es gerade eine gute oder eine weniger gute Zeit für deren Behandlung ist. Wenn behandelt werden muss, dann muss es sein. Dafür sind die Zahnarztpraxen in Deutschland auch in Corona-Zeiten da. Trotzdem ist manches anders als gewohnt. Worauf man heute achten und was man auch als Patient bedenken muss, hat kürzlich der Deutsche Arbeitskreis für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) zusammengestellt und veröffentlicht. Zuerst einmal sollten Termine telefonisch ausgemacht werden. Man sollte auch darauf vorbereitet sein, dass man nach eigener Erfahrung mit dem Corona-Virus befragt wird – also ob man erkrankt war und/oder ob das Virus in einem positiven Test nachgewiesen wurde. Falls man in (vom Gesundheitsamt  angeordneter) Quarantäne lebt, muss dies auch der Zahnarztpraxis übermittelt werden, damit entsprechende Vorkehrungen zum Schutz aller Seiten getroffen werden können. Selbst wenn es keine bereits festgestellte Corona-Erkrankung gibt, muss das Praxispersonal wissen, ob typische Erkältungsanzeichen vorliegen wie Husten, Fieber, Schnupfen – und auch ein Hinweis auf Durchfall ist wichtig: All diese Symptome beispielsweise könnten auch auf eine Corona-Virus-Erkrankung hindeuten. Dass das Praxispersonal mit vielfältigen Schutzmaßnahmen bis hin zu einem Gesichts-Visier angetroffen wird, dient der Gesundheitsvorsorge aller. Das Team sieht anders aus als gewohnt. Aber man darf sicher sein: Der Zahnschmerz wird genauso gut behandelt wie immer.

Diabetes-Typ-2: Diagnose in der Zahnarztpraxis?

Wie eine renommierte zahnärztliche Fachzeitschrift kürzlich berichtete, sprechen sich nicht nur Ärzte und Zahnärzte, sondern auch Patienten dafür aus, dass Diabetes-Typ-2 auch in der Zahnarztpraxis diagnostiziert werden sollte. Das ist das Ergebnis einer Studie an der Zahnmedizinischen Fakultät der Universität Birmingham. Ohnehin hat bereits im vergangenen Jahr eine internationale Leitlinie aus dem Bereich Medizin und Zahnmedizin mehr Zusammenarbeit von Zahnärzten und Ärzten gefordert – Hintergrund ist, dass eine Zahnbett-Entzündung (Parodontitis) nachweislich erheblichen Einfluss auf den Verlauf einer Diabetes-Typ-2-Erkrankung hat, nicht zuletzt auch im Bereich der Therapie. In der Zahnarztpraxis, die Anlauf-Stelle nicht zuletzt bei Zahnbett-Erkrankungen ist, könnten Fragebögen und Bluttests einen Hinweis auf eine Diabetes-Erkrankung ergeben und damit den Bedarf nach einer Weiterbehandlung in einer entsprechenden Fachpraxis. Eine solcherart abgestimmte Zusammenarbeit von Zahnärzten und Ärzten stuften auch die Patienten als begrüßenswert sein: Ihnen kam besonders entgegen, dass die Ergebnisse frühzeitig zur Verfügung stehen könnten.

Zahnpflege: Jungs nachlässiger

Seit vielen Jahren erkunden Partner-Universitäten der Weltgesundheitsorganisation WHO unter anderem das Mundhygieneverhalten von Kindern und Jugendlichen – für Deutschland leistet dies das Institut für Medizinische Soziologie der Universitätsmedizin Halle/Saale. Bei der aktuellen Studie, deren Ergebnisse Anfang März 2020 veröffentlicht wurden, stellte sich heraus: Während nur jedes sechste Mädchen (befragt waren rund 4000 Schulkinder ab 5. Klasse) angab, sich lediglich einmal täglich die Zähne zu putzen, bestätigte jeder vierte Junge das nachlässige Verhalten. Das Geschlechter-Ergebnis, dass sich mehr Mädchen als Jungen die Zähne mehr als einmal täglich putzen, blieb über alle befragten Altersklassen vergleichbar. Dennoch gab es einen bemerkenswerten Unterschied: Im Verlauf der Pubertät blieb das Zahnputzverhalten der Mädchen auf dem vergleichsweise hohen Niveau, während dasjenige der Jungen mit zunehmendem Alter weiter absank. Einen bei Jungen offenbar deutlichen Einfluss auf das Putzverhalten hat der soziale Status der Familie: Während Mädchen unabhängig vom Sozialstatus des Elternhauses eine hohe Putzhäufigkeit zeigten, war sie bei den Jungen höher, je höher auch der Sozialstatus der Familie war. Insbesondere bei Jungen aus Familien mit zweiseitigem Migrationshintergrund war das Putzverhalten deutlich optimierungsbedürftig – auch im Vergleich zu Jungen aus Familien ohne Migrationshintergrund. Gibt es auch Kinder/Jugendliche, die sich überhaupt nicht die Zähne putzen? Laut Studie: Ja. Fast 4 Prozent der Jungen und 1,8 Prozent der Mädchen.

Kieferorthopädie: Rolle der Fluoride

Bei einer kieferorthopädischen Behandlung geht es in der Regel darum, einen Zahn oder mehrere Zähne so in ihrer Lage im Mund zu verändern, dass schließlich eine natürliche gerade Zahnreihe entsteht und die Zähne störungsfrei zusammenarbeiten können. Für ein gesundes Gebiss ist aber nicht nur die möglichst naturgemäße Stellung der Zähne wichtig, sondern auch, dass die Zähne selbst gesund sind. Je nach kieferorthopädischer Apparatur, die für die Zahnbewegung genutzt wird, kann diese aber auch eine Belastung darstellen: In den engen Nischen und an den Kanten der Apparaturen bleiben bei nicht ganz perfekter Mundhygiene manche Zahnbelagreste, aber auch Nahrungsmittelspuren hängen und führen über die Stoffwechsel-Absonderungen der Mundbakterien zu Säure-Angriffen auf den Zahnschmelz. Hier haben sich bereits in der allgemeinen Mundhygiene Fluoride bewährt, die den Zahnschmelz wiederstandfähiger gegen diese Säureschäden machen. In einer aktuellen Studie, die vor wenigen Tagen der Mundgesundheitsinformationsdienst „proDente" veröffentlichte, wurde nun untersucht, ob gezielt eingesetzte Fluoride auch im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung sinnvoll sein können. Das Ergebnis: Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatte sowohl die Testgruppe mit einer zusätzlichen Fluorid-haltigen Mundspüllösung als auch diejenige mit zweimal täglicher Nutzung einer hochfluoridhaltigen Zahnpasta deutlich weniger Karies-Schäden am Zahnschmelz.

Zahnzwischenraum: Was reinigt am besten?

Wer sich in einem Drogeriemarkt oder einer Apotheke bei den Mundhygienehilfsmitteln umschaut, wird mittlerweile eine lange Reihe an Produkten finden – auch solchen, die für die Reinigung der Zahnzwischenräume vorgesehen sind. In diesen zwischen den Zähnen fast versteckten Bereichen sammeln sich gern Essenssreste, weil sie beim normalen Zähneputzen nicht erwischt wurden. So bleibt genug Nahrung für die Karies-Bakterien, die mit ihren Säuren den Zahnschmelz auflösen. Es ist also mehr als sinnvoll, sich auch mit der Reinigung dieser eher versteckten Zonen im Mund zu befassen. Die Frage ist daher berechtigt: Was hilft hier am besten? Damit hat sich auch die Stiftung Warentest befasst, die kürzlich das Ergebnis ihrer entsprechenden Untersuchung veröffentlicht hat. Und das war etwas gespalten. Als am preiswertesten und gründlichsten erwies sich die Zahnseide – aber auch als für viele Patienten schwer zu handhaben. Auch mit den Zahnseidensticks waren die Warentestler nicht wirklich zufrieden. Von allen anderen Produkten überzeugten am ehesten die kleinen „Interdentalbürstchen", die eine gute Reinigungsleistung aufwiesen. Allerdings sollte man sich auch hier vor dem Einkauf und der Nutzung in seiner Zahnarztpraxis beraten lassen: Es gibt die Bürstchen in unterschiedlicher Größe und Form, und man sollte wissen, wie man sie am besten nutzt.

Chirurgischer Eingriff: Ist danach Milch erlaubt?

Diese Frage stellen immer wieder Leser in Fachforen im Internet oder auch bei Informationsveranstaltungen: Darf man nach einem chirurgischen Eingriff Milch trinken – oder besser nicht? Nun gibt es darauf eine recht fundierte Antwort, wie die zentrale zahnärztliche Fachzeitschrift „Zahnärztliche Mitteilungen" vor wenigen Tagen berichtete: Eine Zahnärztin und ein Hochschulprofessor in Deutschland haben eine entsprechende Umfrage unter Allgemeinzahnärzten und Fachzahnärzten für Oralchirurgie gestartet und die Rückläufe ausgewertet. Die Bilanz: uneindeutig. Fast zwei Drittel aller Allgemeinzahnärzte rieten vom Milchtrinken und dem Verzehr von Milchprodukten ab, aber nur etwas über 40 % der Oralchirurgen. Interessantes Nebenergebnis: Zu diesem Thema gibt es keine den Autoren bekannt gewordenen wissenschaftlichen Ausarbeitungen, und es scheint ein eher deutsches Thema zu sein. Warum die Frage, ob Milch-Produkte genutzt oder zeitweise vermieden werden sollten, überhaupt diskutiert wird, hängt unter anderem damit zusammen, dass Milch die Wirksamkeit von Antibiotika reduzieren soll. Das träfe, so die Studienleiter, auf manche Antibiotika zwar in der Tat zu – nicht aber auf diejenigen, die üblicherweise in der Zahnmedizin eingesetzt würden. Auch die erwarteten negativen Milch-Einflüsse auf die Keimbelastung konnte das Autorenteam widerlegen. Die Schlussfolgerung: Dass Milch negative Auswirkungen hat, sei evidenzbasiert nicht zu belegen.

Corona-Pandemie: Hinweise zur Zahnbehandlung

Mehrere zahnärztliche Berufsorganisationen und wissenschaftliche Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) haben kürzlich darauf hingewiesen, dass die zahnärztliche Versorgung derzeit den Patienten weitgehend zur Verfügung steht. Ein Argument dafür: Während beispielsweise eine Erkältung auch ohne ärztliche Behandlung in der Regel nach ein paar Tagen abebbt, heilen Zahnschäden nicht von allein aus. Wo sich eine Karies entwickelt, muss frühestmöglich eingegriffen werden. Wo ein Zahn abgebrochen oder eine Wurzel entzündet ist, muss sofort behandelt werden. Trotzdem wird auch in den Zahnarztpraxen für gegenseitigen Schutz gesorgt – mit Blick auf die Patienten gleichermaßen wie auf die Zahnärzte und das ganze Praxisteam. Um in der angespannten Situation, auch hinsichtlich der medizinischen Schutzausrüstung, dafür Sorge zu tragen, dass die Zahnarztpraxis möglichst infektionsfrei bleibt, werden derzeit aufschiebbare Behandlungen oft auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr verlegt. Zudem ist es wichtig, dass die Praxis vor dem Aufsuchen informiert ist, ob aktuell eine Corona-Infektion vorliegt oder vorliegen könnte – entsprechend können Vorbereitungen getroffen werden, diese Patienten, so der Behandlungsbedarf akut ist, getrennt von den übrigen Patienten zu platzieren. Möglicherweise werden, sofern das in der Region gegeben ist, Patienten mit Infektion oder Infektionsverdacht auch an eine entsprechend ausgerüstete Zahnklinik überwiesen. Diese „besonderen Zeiten" gehen auch an der zahnärztlichen Versorgung nicht vorbei – wenn Patienten und ihr Praxisteam gut zusammenarbeiten, lassen sich Probleme aber weitgehend vermeiden

Ältere Patienten: mehr Prävention

Bei einem Kongress zum Thema Alterszahnmedizin vor einigen Wochen berichtete die Universitätswissenschaftlerin Prof. Dr. Andrea Schmidt-Westhausen (Charité) über den Bedarf nach angepassten Konzepten für die zahnärztliche Betreuung alter Patienten. Der Blick solle nicht nur dem notwendigen Zahnersatz gelten, sondern dem ganzen Mundsystem und hier nicht zuletzt dem großen Bereich der Mundschleimhaut. Nicht zuletzt durch die Belastung seitens Prothesen, aber auch durch Veränderungen aufgrund von Medikamenten, von zu wenig Speichel und zu viel Alkohol oder Nikotin kann die Mundschleimhaut in eine Entwicklung geraten, die behandlungsbedürftig ist. Wenn alte Patienten in ein regelmäßiges Präventionskonzept eingebunden sind, so Professorin Schmidt-Westhausen, lassen sich beispielsweise auch erste Anzeichen von Mundkrebsentwicklungen frühzeitig erkennen und beseitigen. Zudem besteht die Chance, dass frühzeitig Schäden, die durch nicht gut sitzende oder nicht mehr passende Prothesen entstehen, behoben und einer weiteren Gewebe-Zerstörung vorgebeugt werden können.

9. Zähneknirschen: tags oder nachts?

Dem Thema Zähneknirschen bzw. Zähnepressen („Bruxen") widmet sich in der wissenschaftlichen deutschen Zahnheilkunde eine spezielle Fachgesellschaft: die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und –therapie / DGFDT. Auf einer Pressekonferenz berichtete sie vor wenigen Wochen über aktuelles Wissen rund um diese Fehlbelastungen der Zähne und der Kieferknochen. Dabei wurde deutlich, dass das bisherige Bild, insbesondere Frauen würden unter Stress-bezogenem Bruxen leiden, nicht stimmt: Den Daten der Fachgesellschaft zufolge sind Männer und Frauen gleich intensiv betroffen. Und auch eine weitere bisher verbreitete Annahme wurde korrigiert: Es ist keineswegs so, dass vor allem nachts „geknirscht" wird. Zumindest bei Erwachsenen ist es im Gegenteil eher so, dass Wachbruxismus häufiger vorkommt als Schlafbruxismus. Auch die Erkenntnisse zu den Ursachen sind gestiegen: Neben dem bereits früh identifizierten Stress als Auslöser sind heute beispielsweise auch Schlafstörungen in den Blickpunkt gerückt, wie sie nach Medikamenten, aber auch zuviel Alkohol oder Nikotin auftreten, aber auch erblich bedingt sein können. Nicht immer ist Bruxen ein Risiko für die Gesundheit – ob das aber der Fall ist oder nicht, kann nur durch eine sorgfältige Untersuchung, möglichst in einer thematisch spezialisierten Zahnarztpraxis eingeordnet werden. Unabhängig davon gilt der Blick der Zahnmedizin dem Schutz der Zähne vor Zerstörung, beispielsweise durch eine sogenannte Knirscherschiene.

8. Die Zunge: spannender Muskel

Üblicherweise denkt man, solange alles gut funktioniert, beispielsweise über seine Zunge gar nicht weiter nach. Eigentlich schade, wie ein kürzlich erschienener ausführlicher Artikel in einer renommierten deutschen zahnärztlichen Fachzeitschrift zeigt: Was sie leistet, ist vielfältiger als die meisten Menschen ahnen. Dr. Hari Petsos gab in diesem Beitrag einen spannenden Überblick, was man heute alles über die Zunge weiß. Zuerst einmal ist die Zunge nicht, wie in der Überschrift hier verkürzt gesagt, ein Muskel, sondern sie besteht aus einer Vielzahl an verschiedenen miteinander in Verbindung stehenden Muskelsträngen, die es ermöglichen, dass die Zunge und besonders die Zungenspitze in fast jeden Winkel des Mundes geführt werden kann. Die Beschaffenheit der Zunge macht es möglich, dass wir Geschmack fühlen: Während die Papillen im Hauptteil der Zunge alle Geschmacksrichtungen erkennen können, sind bestimmte Bereiche an den mittleren Rändern für „sauer & salzig" zuständig, im vorderen Bereich für süß und am hinteren Ende für bitter. Diese Unterschiede hängen auch mit der Art der Zungen-Papillen zusammen: Es gibt eher fadenförmige, vor allem auf dem großen Hauptbereich der Zunge, die insbesondere für das Tastempfinden zuständig sind, und pilzförmige Papillen, besonders an der Zungenspitze und an den Zungenrändern, für vertiefende Geschmackserfahrungen, aber auch Temperatur-Wahrnehmungen. Einen Blick lohnt auch die Zungenunterseite, wie Dr. Petsos meint: Sie ist dünnhäutig und intensiv durchblutet und taugt daher besonders gut zur raschen Medikamenten-Aufnahme.

7. Alte Patienten: Medikation beachten

Einem wichtigen Thema widmete sich Anfang des Jahres ein Symposium an der Universitätsklinik Köln: der angemessenen Behandlung von älteren und alten Patienten. Diese stellen nicht zuletzt aufgrund der häufig größeren Anzahl an regelmäßig eingenommenen Tabletten eine besondere Herausforderung an eine anstehende zahnärztliche Behandlung. Wie Prof. Dr. Petra Thürmann (Wuppertal) in ihrem Vortrag deutlich machte, sind insbesondere Medikamente aus der Gruppe der Antibiotika, vor allem aber aus dem Feld der Bisphosphonate ( Medikamente gegen Krebs oder Osteoporose) und Antikoagulantien (Blutgerinnungshemmer) in den Blick zu nehmen. Nicht nur im Hinblick auf die weitgehend bekannten Nebenwirkungen: Viele ältere und alte Patienten sind erstens nicht richtig eingestellt und erhalten, was Untersuchungen zeigten, manche Medikamente von ihren unterschiedlichen Ärzten auch doppelt, manche dagegen gar nicht, obwohl sie in diesem Fall verschrieben werden sollten. Die Folgen unkontrollierter Medikation (Behandlung mit Arzneimitteln) können zu verschiedensten Ausfällen körperlicher Funktionen führen, zu Stürzen, zu Benommenheit, zu weiteren Erkrankungen und in besonders schweren Fällen auch zum Tod. Die Referentin appellierte an die Praxisteams, aber auch an die Familien und Betreuer von älteren und alten Menschen, sich dem Thema Medikation aufmerksamer zu widmen und nicht zuletzt vor einer zahnärztlichen Behandlung die Arznei-Liste mit dem Zahnarzt bzw. der Zahnärztin durchzusprechen. Möglicherweise bedarf es danach auch einer Abstimmung mit dem Hausarzt des Patienten / der Patientin.

6. Psoriasis: auch gute Mundpflege wichtig

Schuppenflechte („Psoriasis") ist eine Hauterkrankung, die vererbbar ist – ob sie bei einem Patienten auch ausbricht, hängt nicht zuletzt von äußeren Umständen ab wie einer Verletzung der Haut, von einer hohen Belastung durch Stress oder auch durch eine Infektion. Die Schuppenflechte gehört zu den Autoimmunerkrankungen, der Körper richtet Abwehrstoffe gegen seine eigenen Zellen. Das Immunsystem arbeitet also nicht wie vorgesehen. Beim Stichwort Risiko durch eine Infektion kommt auch die Mundgesundheit ins Spiel. Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie von Hautärzten der Ohio State University (USA) zeigt, kann zumindest der Verlauf durch optimale Mundhygiene und Vorbeugung von Zahnbettinfektionen (Parodontitis) verbessert werden. Es zeigte sich, dass der Heilungserfolg von Psoriasis offensichtlich in einem Zusammenhang steht mit dem Gesundheitszustand des Mundes: Die Erkrankung konnte um so besser ausheilen, wenn das Zahnfleisch und das Zahnbett entzündungsfrei waren. Auch wenn die Ergebnisse dieser ersten Beobachtung noch durch weitere Patienten-Studien untermauert werden müssen, so die Wissenschaftlergruppe, zeige sich doch ein Hinweis darauf, dass eine Zahnbett-Entzündungen verhindernde Mundpflege einen positiven Effekt auf das Heilungsgeschehen haben kann.

5. Ärzte: keine optischen Vorurteile

Ein Schweizer Ärzteteam aus einem größeren Klinikum wollte wissen, ob sich Patienten besser oder schlechter behandelt fühlten je nach Optik des Arztes: Sie fragten einen Monat nach Behandlungsende bei rund 18.000 Patienten nach und erkundeten, ob Haarfarbe, Geschlecht oder etwa eine Brille eine Rolle bei der Arztbewertung spielen könnte.

Das vor wenigen Wochen veröffentlichte Ergebnis war letztlich beruhigend: Es gab weder nach oben (gute Bewertung) noch nach unten (schlechte Bewertung) ein typisches Merkmal aus der genannten Auswahl. Trotzdem ergab sich ein interessantes Ergebnis: Als die Kriterien mit Mortalität (Anzahl an Sterbefällen) der Patienten in Verbindung gebracht wurden, lagen Ärzte mit grauem Haar an der Spitze der Ärzteliste: Bei ihnen gab es die wenigsten Todesfälle. Das Schweizer Ärzteteam führt dieses Ergebnis aber nicht auf die Haarfarbe, sondern auf das in der Regel mit der Haarfarbe verbundene Lebensalter und die entsprechend höhere Erfahrung zurück. In wieweit die Erkenntnisse auch auf Zahnärztinnen und Zahnärzte in den ambulanten Zahnarztpraxen zutrifft, war nicht Gegenstand und Auslegung der Untersuchung.

3. Würgereiz: verschiedene Ursachen

Studien belegen, dass nicht wenige Patienten bei zahnärztlichen Maßnahmen zu Würgereiz neigen. Genaue Daten dazu gibt es nicht, wie eine aktuelle Veröffentlichung einer Wissenschaftler-Gruppe in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift zeigen, da jeweils nach unterschiedlichen Kriterien gewertet wurde: Unter anderem wurde unterschieden zwischen Würgereiz und extremem Würgereiz unterschieden. Was sich aber zeigte, ist, dass erstens recht viele Patienten betroffen sind, zumal Patienten mit Zahnprothesen, und es zweitens auch sehr unterschiedliche Gründe für diesen Würgereiz gibt. Einerseits reagieren Menschen mit Würgereiz auf physikalische Reize, zum Beispiel Druck auf bestimmte empfindliche Stellen im Mund, auch gibt es Zusammenhänge mit Störungen der Magen-Darm-Gesundheit. Andererseits ist diese Gruppe deutlich niedriger als diejenige, die psychosomatisch mit Würgereiz reagiert. Zumeist hatten Patienten eine unangenehme Erfahrung in der Vergangenheit gemacht, beispielsweise mit einem ungünstigen sogenannten „Abdrucklöffel": Diese Erfahrung ist quasi gespeichert und wird bei der nächsten Situation unbewusst wieder „abgerufen" aus dem Hirn. Auch ungünstige Saugerhaltung kann nachhaltige „Speicherung" im Hirn bedingen und bei der nächsten Behandlung sozusagen automatisch einen Würgereiz auslösen. In der Zahnarztpraxis sollte, so das Wissenschaftler-Team, die Ursache für zumal den extremen Würgereiz erkundet und dann entsprechend gehandelt werden. Beispielsweise gibt es Übungen, die das „gelernte Verhalten" im Hirn überschreiben und so zur Entspannung beitragen. Auch Akupressur auf spezielle Druckpunkte kann den Würgereiz ausschalten.

4. Studien: elektrische Zahnbürsten vorn

Wie Studien aus den letzten Monaten zeigen, sind elektrische Zahnbürsten für die nachhaltige Mundgesundheit effektiver als Handzahnbürsten: Rund ein Fünftel weniger Zahnverlust konnte festgestellt werden. Das nahm der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, kürzlich zum Anlass, auf diese Ergebnisse noch einmal gesondert hinzuweisen und die Patienten entsprechend zu informieren. Das Interessante: Verglichen wurde bei den Studien die Wirkung bei vergleichbarer Ausgangslage, also dem gleich häufigen Gebrauch der elektrischen beziehungsweise der manuellen Zahnbürste. Die besseren Werte sind also nicht auf häufigere Nutzung zurückzuführen, sondern, wie Professor Oesterreich betonte, auf die optimalere Putzleistung. Auch mit Handzahnbürsten ließen sich sehr gute Ergebnisse erzielen, aber nur bei korrekter Putztechnik – und diese könne nicht jeder Patient leisten. Elektrische Zahnbürsten seien hier eine gute Unterstützung, um solche Putztechnik-Defizite besser auszugleichen. Insbesondere bei Patienten mit Einschränkungen im Bewegungsablauf seien elektrische Zahnbürsten eine große Hilfe. Noch wichtiger als das richtige Mundhygiene-Hilfsmittel sei aber die mentale Einstellung: ein positives Mundgesundheitsbewusstsein als Motivation für regelmäßige häusliche Zahnpflege.

2. Zahnschmelz: hart durch Bauplan

Schon Kinder lernen im Biologie-Unterricht, dass der Zahnschmelz das härteste Material im Körper ist. Was sich aber erst langsam durch Fortschritte in den Untersuchungsmethoden erklärt, ist der Grund für diese Stabilität. Bisher ging man davon aus, dass das Material selbst, also die Zusammensetzung des Zahnschmelzes, für diese Widerstandskraft verantwortlich ist. Wie sich inzwischen zeigt, liegt es aber nicht allein an dieser besonderen Material-Konstellation, sondern vor allem an der Anordnung der Teilchen dieser Stoffe. Über 95 % des Zahnschmelzes bestehen, so eine aktuelle Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Nature Communications", aus Hydroxylapatit-Nanokristallen, die in verschiedenen Verbindungen zueinander „aufgestellt" sind. Wie sich zeigte, ist es aber nicht die große geradlinige Ordnung der Kristalle, die für die eindrucksvolle Härte sorgen, sondern im Gegenteil ihre leicht chaotisch anmutende unperfekte Positionierung. Das macht den Zahnschmelz auch widerstandsfähig gegen Druckschäden von allen Seiten: Durch die schräg liegenden Kristalle wird auch Belastungen von der Seite Widerstand entgegengesetzt.

1. Seltene Erkrankungen: Symptome auch im Mund

Wie Prof. Dr. Jochen Jackowski von der Universität Witten/Herdecke kürzlich in einer Presseinformation des Mundgesundheitsinformationsdienstes proDente berichtete, leben in Deutschland  rund 4 Millionen Menschen mit einer sogenannten „Seltenen Erkrankung", das bedeutet: Weniger als fünf von 10.000 Menschen sind von ihr betroffen. Über 7000 solche Krankheiten sind bekannt, die meisten sind erblich bedingt. Aufgrund des seltenen Vorkommens ist das Wissen um solche Erkrankungen rar. Oft langwierig ist entsprechend auch die zu treffende Diagnose, die einer zielgerichteten Behandlung zugrunde liegt. Dass auch Zahnärzte bei der Diagnose hilfreich sein können, erklärte Professor Jackowski in dem genannten Pressedienst: Rund jede sechste seltene Erkrankung weist auch Anzeichen im Mund oder im Gesicht auf. Zu den möglichen Symptomen können Zahnanomalien im Kindesalter (von Zahnform über Zahnfarbe bis Zahnschmelz) gehören, die aber auch vielfältige andere Ursachen haben können – diese gilt es differenziert abzuklären. Auch das Zungenbändchen kann Signale für eine seltene Erkrankung geben – ist es verkürzt und verdickt, könnte eine Sklerodermie dahinterstecken. Auch wenn in der Regel andere als „seltene Erkrankungen" hinter Wachstumsentwicklungen in Mund und Gesicht stehen, sollte bei Kontrolluntersuchungen auch an solche eher raren Störungen gedacht werden: Der Anteil an Menschen, die an seltenen Erkrankungen leiden, wird Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren noch deutlich ansteigen.

Schleimhauterkrankungen: Folgen von Medikamenten-Mix

Wie eine große deutsche zahnärztliche Wochenzeitung kürzlich berichtete, sollten vor allem ältere Patienten, aber auch die behandelnden Praxisteams intensiv auf den Medikamenten-Mix achten, der für viele ältere Patienten zum Alltag gehört und dessen genaue Zusammensetzung sie daher manchmal vergessen. Prof. Dr. Michael Bornstein (Hongkong) berichtete bei einer Fortbildungsveranstaltung beispielsweise über die nicht selten beobachtete Wucherung von Zahnfleisch bei Dauereinnahme von Kalziumkanalblockern, wie sie bei Bluthochdruck oft verordnet werden. Organ-transplantierte Menschen wiederum bekommen zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen Immunreaktionen unterdrückende Medikamente (Immunsupressiva), die ebenfalls zu Mundgewebe-Wucherungen führen können. Patienten sollten auch bei Veränderungen im Medikamenten-Mix die Zahnarztpraxis informieren beziehungsweise am besten dem Praxisteam einen aktuellen Medikamenten-Plan aushändigen. Auch viele weitere Arzneimittel führen zu Veränderungen in der Mundgesundheit – daher ist es wichtig, dass die Zahnarztpraxis immer auf dem aktuellen Stand der Medikamentenliste ist.

Amalgamfüllungen: raus oder liegen lassen?

Seit Jahren wird, mal mehr, mal weniger ideologisch, auch in den Medien über die Frage diskutiert, ob man bestehende und zum Teil schon alte Amalgam-Füllungen vielleicht prophylaktisch entfernen sollte, weil davon eine Gesundheitsgefährdung ausgehen könnte. Klare Positionen dazu hat vor einigen Tagen die FDA (U.S. Food & DRUG Administration, das amerikanische Amt für Lebens- und Arzneimittel) veröffentlicht: 1. Die Forschung ist weiter gefordert, manche Fragen sind noch ohne endgültige Antwort. 2. Die vor rund zehn Jahren veröffentlichte Empfehlung, Amalgam eher nicht einzusetzen bei schwangeren Frauen, stillenden Müttern (und deren Säuglingen) sowie bei Kindern unter sechs Jahren muss neu geprüft werden: Es ist aufgrund aktuellerer Untersuchungen nicht eindeutig belegt, woher das in Körperflüssigkeiten gefundene Quecksilber stammt – ob aus der Zahnversorgung oder aus der Ernährung. Die bisherige Untersuchungsmethode über Urin-Test sei zudem zu ungenau, wenn es um derart geringe Mengen gehe, wie sie bei einer Amalgamversorgung auftreten könnten. Auch bei Berücksichtigung weiterer umfangreicher Studien habe sich kein Beleg dafür gefunden, dass von Amalgam ein Gesundheitsrisiko ausgeht. Hieraus ergebe sich, so die FDA, dass es keine Empfehlung gibt für das Verbot von Amalgam als Zahnfüllungsmaterial und auch nicht für eine prophylaktische Entfernung. Zudem sei auch noch zu klären, welche tatsächlichen Konsequenzen das im Körper umgewandelte „Quecksilber" auf den Organismus habe. Das gehöre zu den Aspekten, die noch weiterer Abklärung bedürften.

Knirschen: Sind Implantate möglich?

Wer unter Zahn-Überbelastungen wie Knirschen oder Zähnepressen leidet, weiß um die Folgen: Die Zähne selbst leiden, der Kiefer und das Gewebe um den Zahn wird überlastet und kann zurückweichen. Um so mehr stellt sich die Frage, wie sich solche Fehlbelastungen auf Kiefer und Zahnbett auswirken, wenn anstelle des natürlichen Zahnes ein implantat-getragener Zahnersatz betroffen ist. Eine Forscher-Gruppe veröffentlichte dazu kürzlich in der Mitglieder-Fachzeitschrift der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) eine Auswertung von Untersuchungen zu diesem Thema und kam zu dem Schluss, dass es keine eindeutige Handlungsempfehlung geben kann, weil die Voraussetzungen und Umstände von Patient zu Patient unterschiedlich sein können. Es muss also im Einzelfall abgewogen werden, was geht und was eher nicht oder noch nicht. Klar wurde: Es gibt ein gewisses Risiko, dass die übermäßige Belastung negative Auswirkungen auf die Implantat-Versorgung hat – insofern ist es wichtig, mit dem Patienten vor der Planung der Behandlung darüber zu reden, um eine individuell richtige Lösung zu finden. Auf jeden Fall sinnvoll ist es, das Knirschen und Pressen grundsätzlich zu reduzieren, um mögliche unerwünschte Folgen nicht zuletzt auf Implantat und Zahnersatz zu vermeiden.

Gesunder Biofilm: Rolle von Mundspülungen untersucht

Wie einer kürzlich veröffentlichen Nachricht der beteiligten Universitäten Regensburg und Freiburg zu entnehmen ist, interessiert sich eine Forschergruppe derzeit für die Auswirkungen von Mund-Desinfektionsmitteln wie beispielsweise Chlorhexidin. Im Blickpunkt steht dabei die Frage der Resistenz-Bildung. Dabei interessiert die Forscher nicht zuletzt, ob die Entwicklung einer Resistenz gegen das antibakteriell wirksame Chlorhexidin möglicherweise auch zu einer Resistenz gegenüber Antibiotika führen könnte (Kreuzresistenz). Ziel der nun begonnenen Untersuchung ist, Zusammenhänge besser zu verstehen, wie sich solche Resistenzen entwickeln und damit vor allem: wie sie sich vermeiden lassen. Und ob und wann man auf Alternativpräparate zurückgreifen sollte, um eine Antibiotika-Resistenz zu vermeiden. Die Herausforderung dabei ist, dass Produkte wie Chlorhexidin derzeit in der Zahnmedizin zu den wichtigsten Arzneimitteln zählen, um Infektionen im Mund zu begegnen. Neben diesen Erkenntnissen ist – je nach Ergebnis – also eine weitere Aufgabe für Wissenschaft und Forschung, neue Antworten für die Bekämpfung bakterieller Infektionen im Mund zu finden.

Statistik: weniger Zahnfüllungen

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), kurz gesagt: zuständig für die Kostenaspekte der zahnmedizinischen Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten, wertet alljährlich anhand der Abrechnungsdaten aus, was sich im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. Das aktuelle Jahrbuch 2019 beispielsweise zeigt, dass die Anzahl der Zahnfüllungs-Behandlungen um 1,7 % zurückgegangen ist. Das klingt eher wenig – wenn man aber bedenkt, dass es insgesamt um inzwischen „nur noch" fast 50 Millionen Zahnfüllungen geht, ist das nicht zuletzt eine große Anzahl an Fällen und für die betroffenen Patienten eine sehr erfreuliche Entwicklung. Zurückgeführt wird diese auf das bessere Mundhygiene-Verhalten der Patienten und vor allem die immer mehr auf Prävention ausgerichteten Angebote in der Zahnarztpraxis. Schon zurückliegende Erhebungen haben gezeigt, dass beispielsweise die Professionelle Zahnreinigung von immer mehr Patienten zum selbstverständlichen Gesundheitsverhalten gehört.

Krafteinwirkung im Mund: Unterschiede von Zahn und Implantat

Für die Langlebigkeit eines Implantates ist es wichtig, dass die Kraft, bei beim Beißen und Kauen auf den Kieferknochen und sein Gewebe ausgelöst wird, möglichst derjenigen eines gesunden natürlichen Zahnes gleicht. Zu den biologischen Unterschieden von natürlicher Zahnwurzel und Ersatz-Zahnwurzel (Implantat) gehört, dass unter dem natürlichen Zahn eine Art hochempfindlicher Sensor dem Hirn meldet, wenn ein Druck zu groß ist. Oder auch, wenn ein Haar zwischen den Zähnen liegt. Eine solche „Meldestelle" gibt es unter einem Implantat nicht. Das Gewebe ist also etwas gefährdeter als bei einem natürlichen Zahn, durch zu starken Kaudruck belastet zu werden. Gut also, dass eine Wissenschaftlergruppe aus dem Umfeld der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) relevante Studien geprüft und ausgewertet und das Ergebnis kürzlich in der DGI-Mitglieder-Fachzeitschrift „ZZI" veröffentlicht hat. Unterschieden wurde zwischen Belastungs-Folgen bei einem Einzelimplantat oder bei größerer implantat-getragener Zahnersatzversorgung. Zudem wurde auch der Effekt bei statischer beziehungsweise dynamischer Belastung untersucht. In ihrer Zusammenfassung stellen die Wissenschaftler fest, dass weitere Forschung in diesem Bereich möglicherweise hilfreich wäre – aber vermutlich kaum dazu beitragen werde, die insgesamt schon enorm hohe Langzeiterfolgsrate von implantatgetragenem Zahnersatz noch weiter zu erhöhen. Allerdings könnte eine entsprechende Nachsorge-Kontrolle möglicherweise Implantat-Verlust in dem einen oder anderen Fall vermeiden helfen.
 

Zunge: Infektions-Check über Kaugummi

Immer neue Möglichkeiten zeigen sich aufgrund intensiver Forschung, wie das sensible Gewebe-System im Mund bei der Diagnostik von Erkrankungen helfen kann: Die manchmal „einfach" wirkenden Lösungen könnten aufwändige ersetzen, die das Gesundheitssystem viel Geld kosten, oder als unkompliziertes Frühwarnsystem fungieren. Aktuell geht es um die Entwicklung eines Kaugummis, das Hinweise auf ein gestörtes Bakterien-Gleichgewicht und eine bakterielle Infektion gibt. Nicht das Kaugummi zeigt dabei die ungesunde Entwicklung an, sondern es lässt die Zunge „sprechen": Liegt eine krankheitsrelevante bakterielle Besiedelung vor, meldet die Zunge einen bitteren Geschmack. Wie ein Beitrag in einer zahnärztlichen Wochenzeitung vor wenigen Wochen zeigt, sind sowohl Entzündungen im Mund als auch solche im erweiterten Rachenraum, beispielsweise eine Mandelentzündung, frühzeitig erkennbar – und der behandelnde Arzt kann weitergehende Untersuchungen einleiten. Aufgabe für Wissenschaft und Produktentwicklung: Für jede Bakteriengruppe muss ein spezieller Marker eingesetzt werden, der die Keimbelastung „erkennt". Möglich werden könnte dann auch ein Vor-Test, ob ein Patient, für den ein Implantat vorgesehen ist, komplizierende Bakterienkulturen hat. Noch ist vieles nicht geklärt – aber, so die Wissenschaftler, es tut sich ein spannender Weg auf.

Weisheitszähne: Wann sollten sie raus?

Weisheitszähne scheinen sich manchmal ohne „Abstimmung" mit den Nachbarzähnen zu entwickeln: Sie drücken und schieben so kraftvoll, dass sie die Gesundheit der ganzen Zahnreihe bedrohen. Der Name dieser hintersten Zähne rührt daher, dass sie sich erst später und nicht schon gleich nach dem Zahnwechsel in der Jugend zeigen. Manche Weisheitszähne bleiben ohne erhebliche Weiterentwicklung einfach im Kieferknochen stecken. Wenn sie sichtbar werden, beispielsweise auf einem Röntgenbild, wird entschieden, ob sie bleiben können oder lieber entfernt werden sollten. Das ist anders als früher: Vor einigen Jahren wurden Weisheitszähne auch sicherheitshalber entfernt, was dem damaligen Kenntnisstand entsprach. Gezogen wird dagegen heute nur noch, wenn gesundheitliche Probleme bereits vorhanden oder absehbar sind – und davon gibt es zahlreiche, wie Privatdozent Dr. Frank Strietzel von der Charité/Berlin in einem aktuellen Fachzeitschriften-Bericht berichtet. Es werde heute aber individuell abgewogen, welche Risiken die Weisheitszahnentfernung für den Patienten bedeuten könnte – aber ebenso, welche Risiken mit einem Verbleib der Zähne verbunden wären. Eine von mehreren Fachgesellschaften unterzeichnete neue Leitlinie empfiehlt als besten Zeitpunkt für eine Weisheitszahn-Entfernung die Zeit, in der dieser Zahn noch wächst, also in der Regel rund um den 25. Geburtstag.

Implantologie: Patientenwünsche im Blickpunkt

Mehr denn je kann die zahnärztliche Implantologie die Wünsche der Patienten berücksichtigen und entsprechende Lösungen anbieten: Das war klares Ergebnis einer Diskussion unter Fachexperten im Rahmen des letztjährigen Kongresses der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) im vergangenen November in Hamburg. Zu diesen Patientenwünschen gehört das Zeitfenster zwischen Behandlungsstart und Versorgung mit dem neuen Zahn, der den verlorenen ersetzt. Sollte das Implantat erst einmal in Ruhe ausheilen, oder soll sofort „versorgt", das Implantat also mit der neuen Zahnkrone verbunden werden? Beide Verfahren haben ihre eigenen Vorteile – und Nachteile, jeweils im Hinblick auf die Voraussetzungen, aber auch Wünsche des Patienten. Mit Blick auf den nachhaltigen Behandlungserfolg zeigt sich, dass letztlich beide Vorgehensweisen, nach unterschiedlichen Start-Bedingungen, bei normalgesunden Patienten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen. Unterm Strich liegt die sogenannte „Überlebensrate" des Implantates bei verzögerter Versorgung nur minimal etwas über derjenigen bei Sofortversorgung. Worauf alle Experten Wert legten: Erfolg ist insbesondere abhängig von den gesundheitlichen Umständen des Patienten und nicht zuletzt der mundgesundheitlichen Situation am geplanten Implantat-Platz.

Kieferorthopädie: wann sie eher wenig Sinn macht

In der kieferorthopädischen Wissenschaft sind schon seit langen Faktoren bekannt, die eine Behandlung erschweren können. Hier stehen vor allem das übermäßige Rauchen und auch stark entzündete Zahnbett-Situationen (Parodontitis) im Fokus. Beide Aspekte behindern das, was die Kieferorthopädie ausmacht: Durch „Ziehen und Schieben" wird ein Zahn an seinem Standort zum Wandern an einen anderen Platz gedrängt. Dabei werden durch den Druck auf dem Weg zu der Stelle, wo der Zahn hinwandern soll, Zellen von Knochen und Weichgewebe zerstört, dafür werden dort, wo der Zahn herkommt, neue Zellen für den Kiefer und das Zahnbett und Zahnfleisch gebildet. Während einerseits übermäßiges Rauchen und entzündete Gewebe diesen biologischen Ab- und Aufbauprozess der Zellen stören, können auch beispielsweise Medikamente Einfluss auf den geplanten „Umzugsfortschritt" nehmen. Beim zurückliegenden Deutschen Zahnärztetag im letzten November wurde Privatdozent Dr. Dr. Christian Kirschneck, Universität Regensburg, mit dem höchsten Wissenschaftspreis der Zahnheilkunde in Deutschland, dem „Miller-Preis" ausgezeichnet: Er hat die zellbezogenen und molekularen Zusammenhänge zwischen kieferorthopädischem Vorgehen und problematischen Umständen wie Rauchen und akute Infektion im Zahnbett erforscht und der Zahnmedizin wichtige Empfehlungen mit auf den Weg gegeben.

Anamnesebogen: Wichtige Informationen für die Behandlung

Die wissenschaftliche Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) wies im Rahmen einer Veröffentlichung kürzlich auf die besondere Bedeutung des sogenannten Anamnesebogens in der Zahnarztpraxis hin: Hier geben Patienten auch über ihre Allgemeingesundheit Auskünfte, da sie die geplante zahnärztliche Behandlung beeinflussen könnten. Ein solcher Anamnesebogen solle auch in bestimmten Abständen und bei neuen Erkrankungen, aber auch bei weiteren relevanten Entwicklungen aktualisiert werden. Ein wichtiger Hinweis beispielsweise ist die Neigung zum Erbrechen, wenn bestimmte Bereiche im Mund berührt werden. Wichtig ist auch, so die DGZMK, ein Hinweis auf eine bestehende Angst vor der Behandlung. Mittlerweile gibt es speziell für diese nicht nur für die Patienten schwierige Situation spezifische Fragenkataloge, die beim Einsortieren ebenso helfen wie bei der Entwicklung angepasster Behandlungsschritte. Viele Angst-Formen lassen sich durch entsprechende Verfahren in der Zahnarztpraxis beheben oder umgehen, nur in besonders schweren Fällen, die Krankheitswert haben, sollte in Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten Ursachenbehebung oder zumindest eine Entspannung entwickelt werden. Die Vermeidung rechtzeitiger zahnärztlicher Behandlung kann für die Patienten mund- und allgemeingesundheitlich erhebliche Risiken mit sich bringen.

Knirschen: der Aspekt der Seele

Auf ein spannendes Thema wurde beim zurückliegenden Deutschen Zahnärztetag im November in Frankfurt aufmerksam gemacht: Welche Rolle spielt die Seele beim Knirschen mit den Zähnen oder Zusammenpressen der Kiefer? Renommierte Expertin in diesem Thema ist Privatdozentin Dr. Anne Wolowski von der Universität Münster. Sie berichtete von Patienten, die manchmal über Jahre mit von ihnen als schmerzend empfundenen Zähnen von Praxis zu Praxis laufen – und manchmal auch erfahren, dass „um des lieben Friedens willen" ein Zahn gezogen wird. Dies sei in der Regel weder für die Patienten noch für die involvierten Zahnarztpraxen eine befriedigende Lösung. Allerdings seien es oft sehr versteckte Beschwerden, denen man mit detektivischer Suche auf die Spur kommen müsse: Manchmal seien die Lebensumstände Schmerzauslöser, den Patienten sei gar nicht bewusst, dass Schmerzzustände und Überforderung im Alltag oder in einer bestimmten Situation in enger Verbindung stehen. Wobei der empfundene Schmerz „echt" und daher ernst zu nehmen sei.

Die Ursache herauszufinden, erfordere von beiden Seiten – Zahnarzt und Patient – durchaus Geduld, lohne sich aber: PD Dr. Wolowski zeigte neben vielen weiteren Beispielen den Fall einer Patientin, die allein durch den Wechsel auf andere Arbeitszeiten von dem Druck befreit wurde, der sich über das Knirschen und Pressen auf die Zähne entladen hatte. Stress suche sich seinen Weg. Bei dem einen Menschen schlage er auf den Magen, bei den anderen auf die Zähne und die Kiefer.

Zahnimplantate: Formwandel

In verschiedenen Vorträgen im Rahmen des letztjährigen Kongresses der DGI, der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie, Ende November 2019 in Hamburg wurde darauf hingewiesen, dass die Form der Implantate sich in den zurückliegenden Jahren gewandelt hat und auch in Zukunft weiter verändern wird. Während es in den Anfangsjahren der Implantologie bis zuletzt um schraubenähnliche und zylinderförmige Formen, mit unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen und aus unterschiedlichen Materialien gegangen sei, gehe der Weg nun in eine andere Richtung. Die Digitalisierung der Zahnmedizin erlaube es, zukünftig Implantate nach individuellem Bedarf und (weitgehend) in Zahnwurzelform herzustellen. Bis diese Entwicklung allerdings überall in den Praxen ankommen kann, müssen noch weitere Verbesserungen im Herstellungsprozess erfolgen: Wie in vielen anderen Bereichen auch, sei die Individualisierung in der Implantologie deutlich kostenintensiver als „Konfektion". Auch hier könnte die Digitalisierung eine Optimierung ermöglichen.

Kinder: viele ohne Zähneputzen ins Bett

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Eltern hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder oft die Zügel aus der Hand geben: Demnach lassen sie es durchgehen, dass ihre Kinder die notwendige Zahnpflege vor dem Zubettgehen ausfallen lassen. Die von einem Zahnpflegemittel-Hersteller unterstützte Umfrage unter britischen Eltern ergab, dass Kinder im Alter unter zwölf Jahren durchschnittlich nur neunmal pro Woche ihre Zähne reinigen. Zudem putzen sie, wenn sie denn putzen, nur oberflächlich und viel zu kurz. Insbesondere abends arte, so die Eltern in der Umfrage, das Zähneputzen in unerfreuliches „Theater" aus – fast zehn Minuten durchschnittlich dauert der Motivationsversuch der Eltern, es doch und dann auch noch halbwegs richtig zu machen. Fast drei von vier Eltern gaben an, dass sie hier aufgeben, um insbesondere bei den kleineren Kindern Wutanfälle vor dem Zubettgehen zu vermeiden. Dabei ist es der überwiegenden Anzahl der Eltern bewusst, dass der Zuckerkonsum ihrer Kinder zu hoch sei. Der Wunsch der Eltern: Zähneputzen sollte fester Bestandteil im Schulalltag werden.

Aktuelle Implantologie: immer mehr Individualisierung

Im Rahmen einer Pressekonferenz zum zurückliegenden Kongress der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) Ende November in Hamburg wurde deutlich, wie sehr sich das Fach zuletzt weiterentwickelt hat. Der Präsident der Fachgesellschaft, Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, berichtete, dass es heute keine allgemeine, auf Gruppen wie „Raucher" oder chronisch Erkrankte ausgerichtete Kontraindikation für eine Implantatversorgung mehr gibt, sondern jeweils patientenindividuell entschieden werde, ob das chirurgische Einsetzen eines Implantates sinnvoll ist und mit einem guten Einheilen gerechnet werden kann. Dabei sei – je nach Patientensituation – auch eine unterschiedliche Vorbehandlung und auch Nachbetreuung notwendig, zudem werde je nach Fall entschieden, welche Form und welche Art an Zahnimplantat zur Wiederherstellung von Funktion und Optik des Mundes ausgewählt werden. Das sei ein weiterer Schritt zu mehr individueller Behandlung und Patientensicherheit

Zahnpasten: Aluminiumbestandteile im Blickpunkt

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat zum Jahresende 2019 mitgeteilt, dass eine Reihe von Zahnpasten Aluminium enthalten. Hier sind insbesondere solche Produkte aufgefallen, die zahnbleichend beziehungsweise zahnaufhellend wirken sollen. Das Aluminium wirkt in diesen Fällen als Schleifmittel, um Beläge abzutragen. Während es hinsichtlich der weiteren Zahnpasten keines nennenswerten Warnhinweises bedarf, seien diese Bleaching-Produkte durchaus kritisch zu sehen. Insbesondere junge Menschen nähmen, wenn sie solche Zahnpasten nutzen, bereits damit die gesamte in einer Woche als „zu duldend" klassifizierte Menge an Aluminium auf, wobei eine Aufnahme zudem durch weitere Produkte wie Kosmetik, Alufolie oder entsprechende Kochutensilien festzustellen ist. Die Empfehlung: die Anwendung solcher Produkte reduzieren. Dass die BfR-Studie aber nicht bedeutet, dass man von diesen Produkten nun ganz die Finger lassen sollte, besagt eine Reaktion des Wissenschaftlichen Ausschusses für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission, wie die größte zahnärztliche Zeitschrift in Deutschland klarstellt: Die in Deutschland festgestellte Menge an Aluminium in Zahnpasten läge ganz deutlich unter gesundheitsrelevantem Anteil. Toxikologen fordern mehr Forschung, da der Umgang des Körpers mit Aluminium noch nicht abschließend geklärt sei.

Leitlinie: Zahnbehandlungsangst bei Erwachsenen

Eine neue Leitlinie gibt Zahnärzten – und Patienten – aktuelles Wissen und Empfehlungen zum Thema Zahnbehandlungsangst bei Erwachsenen. Herausgegeben hat sie die Dachgesellschaft der zahnmedizinischen Wissenschaft, die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Patienten mit solchen Behandlungsängsten schaden sich selbst durch zu langes Warten auf die unvermeidliche Behandlung. Die Gesundheitsschäden nehmen zwischenzeitlich zu und die notwendige Behandlung wird, je länger man wartet, um so aufwändiger und, je nach Vorgehen, auch invasiver und daher oft schmerzhafter. Ungünstigerweise, so die Fachgesellschaft in ihrer Erklärung zur Veröffentlichung kurz vor Weihnachten, sind gerade diese Patienten auch nicht für Vorsorgemaßnahmen wie regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen und bedarfsgerechte professionelle Zahnreinigung erreichbar. Viele dieser Patienten wissen auch gar nicht, wie weit sich die Zahnmedizin inzwischen hinsichtlich Erleichterungen von Behandlungsverfahren entwickelt hat. Die neue Leitlinie listet verschiedene Faktoren auf, die solche Patienten für den Zahnarzt erkennbar machen und welche Therapiemöglichkeiten sinnvoll sind. Fast zwei Drittel der deutschen Patienten haben mindestens Unwohlsein, wenn sie an eine zahnärztliche Behandlung denken, rund jeder zehnte Patient hat, so ergab eine Umfrage, sogar große Angst.

Krankheitsbedingte Zahnlosigkeit: Anspruch auf Implanta

Eine Entscheidung des Sozialgerichts Hannover wirft einen neuen Blick auf Zahn-Implantate: Demnach hat ein gesetzlich versicherter Patient, der krankheitsbedingt (in diesem Fall aufgrund einer schweren Parodontitis) einen zahnlosen Unterkiefer hat, Anspruch auf implantat-getragenen Zahnersatz (SG Hannover S 89 KR 434/18).Zahnlosigkeit wurde als „regelwidriger Körperzustand" gesehen und sei daher, so eine große Zahnärzte-Zeitschrift kurz vor demJahreswechsel, als behandlungsbedürftigbezeichnet worden. Dieser ähnlich einer Behinderung eingestufte Gesundheitszustand gehöre zu den Ausnahme-Fällen für die Kostenübernahme durch die Gesetzliche Krankenversicherung, eine Implantatversorgung sei für einen solchen Fallgemäß den Richtlinien eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Leistung. Eine ausreichende Kaufunktion müsse ermöglicht werden, was bei konventioneller Prothese in Verbindung mit Haftcreme nicht realisiertwerden konnte. Zahnimplantate, so die Hannoveraner Richter, seien nicht nur medizinisch, sondern auch für die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft notwendig.

„Kreidezähne“: viel Forschung, wenig Antworten

Letztlich ein Rätsel bleibt die Ursache der Entstehung sogenannter „Kreidezähne": Dabei entwickeln die bleibenden Zähne der Kinder weißlich-gelbliche Flecken und werden porös. Das führt auch zu Schmerzen, unter der die betroffenen Kinder sehr leiden können. Nachvollziehbar also, dass die zahnmedizinische Wissenschaft sich dem offenbar noch jungen,aber längst nicht mehr ganz neuen Thema intensiv widmet. Bisher liegen, wie ein Fachbericht in einer großen Tageszeitung kürzlich darstellte, keine eindeutig überzeugenden Erkenntnisse zu Entstehung und damit auch erwartungsgemäß zur Vermeidung solcher Entwicklungsstörungen vor. In der Fachwelt wird diese Zahnsubstanz-Veränderung als MIH/Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation bezeichnet. Sowohl die Backenzähne (Molaren) als auch die Schneidezähne (Inzisivi) sind von Unter(hypo)-Mineralisation betroffen. Heilend behandeln kann man die Erkrankung oder Störung bisher noch nicht, aber das Leben der betroffenen Kinder erleichtern: Da das Zähneputzen schmerzhaft ist, wird es oft unterlassen mit der Folge, dass sich insbesondere indem ohnehin schon geschwächten Zahnschmelz Karies bildet. Das Risiko kann, so die zitierten Wissenschaftler, mit einer vorbeugenden „Versiegelung" mit Fluoridlack minimiert werden. Manche Zähne seien allerdings so geschädigt, dass dem Kind nur durch Zahnziehen geholfen werden können. Alle drei Monate sollten die Kinder zahnärztlich kontrolliert werden, und wenn die optische Belastung gar zu groß ist, können beispielsweise Zahnkronen den Eindruck und das Lebensgefühl verbessern.

Sjörgen - Syndrom: Früherkennung möglicherweise beim Zahnarzt

Das Sjörgen-Syndrom gehört zu den rheumatischen, von Entzündungen begleiteten Erkrankungen und führt, als Autoimmunreaktion, vor allem zu Folgen rund um die Augen (Tränendrüsen) und den Mund (Speicheldrüsen). Viele weitere Gesundheitsschädenwie solche bei Nieren und Atemwegen sind bekannt, neueren Erkenntnissen zufolge gehören auch vielfältige Nervenschädigungen (Polyneuropathien) zu den Folgen der Erkrankung. Behandelt werden die Patienten oft je nach betroffener Region in unterschiedlich ausgerichtetenKliniken, wobei aktuelle Studien, über die eine zahnmedizinische Fachzeitschrift berichtete, zeigen: Hier gibt es Optimierungsbedarf insbesondere dann, wenn Patienten Lähmungen zeigen. Nicht wenige Ärzte hielten die vor allem bei älteren Patienten auftretenden Bewegungseinschränkungen für altersbedingt. Nicht bedacht wird dabei das mögliche Vorhandensein dieser Autoimmunerkrankung, die aufgrund der erkrankten Nerven zu Bewegungseinschränkungen der Muskulatur führt.Zahnärzte können Störungen der Arbeit der Speicheldrüsen erkennen –für die es allerdings viele unterschiedliche Ursachen geben kann. Gibt es einen entsprechenden Verdacht auf das Vorhandensein eines Sjören-Syndroms, sollten Zahnärzte und Patienten die weiterführende Diagnostik bei einem Rheumatologen nutzen. Ziel: mit passgenauen Medikamenten die Belastungen durch die Erkrankung vermindern.

Naturheilmittel: Beeren und Zähne

Die Suche nach Naturheilmitteln zur Gesundheitsförderung oder gar Krankheitsvermeidung und –behandlung gehört auch in das Themengebiet zahnmedizinsicher Wissenschaftler. Immer wieder gibt es Studien, welche positiven Wirkungen bestimmte Pflanzen oder Früchte haben können. Neu sind entsprechende Studien zu möglichen Einsatzgebieten von Moosbeeren (Cranberrys). Wie eine große bundesweite zahnärztliche Fachzeitschrift vor wenigen Wochen berichtete,hat sich jetzt ein Forscherteam aus Großbritannien und Australien damit befasst. Die Wissenschaftler entwickelten eine Tinktur aus Moosbeeren-Extrakten und gaben diese zweimal täglich auf herangezüchteten typischen Zahnbelag. Wie sich zeigte, ging die Menge des behandelten Zahnbelages deutlich zurück und auch der Gehalt der schmelzschädigenden Säuren nahm erheblich ab. Vor allem aber sank die Anzahl der Bakterienkolonien fast um die Hälfte. Die Bilanz der Wissenschaftler: Cranberry-Tinkturen reduzieren die Mundgesundheitsbelastung durch bakterielle Zahnbeläge –auch dadurch, dass sich ein besseres biologisches Gleichgewicht einstellt. Zurückzuführen sind die auch bei Kindern überprüften Ergebnisse auf die in den Beeren enthaltenen sogenannten Polyphenole, die bereits bei anderen Studien ihre allgemeine antioxidative (vereinfacht: entzündungshemmende) Wirkung gezeigt hatten.

Zahnarztwahl: Umfrage unter Patienten

Warum geht ein Patient gerade in diese Zahnarztpraxis und nicht in eine andere, vielleicht in die ein Haus weiter? Das interessierte eine Gruppe wissenschaftlicherZahnmedizinerin Großbritannien, die eine entsprechende Umfrage auf den Weg brachten. Wie eine große deutsche Zahnmedizinische Fachzeitschrift kürzlich berichtete, gab es eine Vielzahl an Gründen, die vermutlich auch hierzulande die Wahl der Patienten beeinflusst. Ganz oben auf der Liste standen Vertrauen in die Hygiene der Praxis, die Erwartung, dass sowohl Zahnfleisch als auch Zähne gesund erhalten werden, und wichtig war den Patienten, dass sie ihrem Zahnarzt/ihrer Zahnärztin vertrauen. Gute Erklärungenund gute Betreuung waren ebenfalls relevant. Die Forscher gingen mit ihren Fragen aber noch weiter: Unter anderem fragten sie, welche persönlichen Konsequenzen die Umfrageteilnehmerim Falle einer Diagnose einer schweren Allgemein-Erkrankung (zumal einer solchen, die mit Zahnbettentzündungen in Verbindung stehen)für ihren Alltag gezogen hätten. Vier von zehn Patienten antworteten: nichts. Immerhin gaben 60 % der Betroffenen an, sich selbst und in Verbindung mit der Zahnarztpraxis mehr um die Mundgesundheit zu kümmern. Vielen der Befragten waren Zusammenhänge von Mund-und Allgemeinerkrankungen bekannt, insofern gingen sie davon aus, dass ihr Zahnarzt diese auch erkennen könne

Periimplantitis: im Vorfeld Risiken betrachten

Zahnimplantate gehören heute zu der Standardversorgung, wenn eigene Zähne verloren gegangen sind oder der bisherige Zahnersatz nicht mehr ausreichend seine Aufgabe erfüllen kann –und Zahnimplantate weisen eine hohe klinische Verlässlichkeit und Vorhersagbarkeit auf: Das betonte Prof. Dr. Ralf Rössler vor wenigen Wochen in einem Fachbeitrag für eine große zahnärztliche Zeitschrift. Beides gerät in Gefahr, wenn sich eine Entzündung im inneren Bereich um das Implantat entwickelt, eine Periimplantitis –entwickelt sich die Entzündungrund um die Zahnfleisch-Austrittstelle der Implantatversorgung,spricht man von einer Mukositis. Solche Entzündungen seien allerdings oft vermeidbar. Viele Patienten mitPeriimplantitis hatten vor der Implantation bereits eine entzündliche Parodontitis, und es finden sich viele Raucher unter diesen Patienten. Beide Risikofaktoren sind bekannt –gehören heute aber nicht mehr zu den Kontraindikationen, da sie in der Regel und bei entsprechender Mitarbeit derPatienten gut in den Griff zu bekommen sind. In allen Fällen ist eine wirklich gute Sauberhaltung des ganzen Mundes notwendig, was bedeutet: Bakterielle Zahnbeläge (Plaque) müssen sehr sorgfältig und regelmäßig entfernt werden. Das gilt vor der Behandlung, aber mindestens genauso auch für die Zeit mit dem neuen Implantat. Mit dem Zahnarzt besprochen werden müssen auch neu auftretende Allgemeinerkrankungenmit eventuell notwendig werdenden Arzneimitteln, die das biologische Gleichgewicht im Mund stören könnten. Bei guter Zusammenarbeit von Zahnarztpraxis und Patient seien viele Risiken, die die Langlebigkeit des Implantates gefährden könnten, gut in den Griff zu bekommen

Fluoride: weltweit unterschiedliche Aufnahme

Fluoride, wie sie in vielen Mundpflege-Produkten enthalten sind und der Stärkung des Zahnschmelzes dienen, gehören zu den natürlich vorkommenden Stoffen auf der ganzen Erde. Nur kommen sie, wie viele andere Stoffe, nicht überall gleich stark vor. So gibt es auf der Welt Regionen, in denen der Fluorid-Anteil, der die Bevölkerung über das Leitungswasser erreicht, höher ist als in anderen Regionen, wie beispielsweise Deutschland: Hier gibt es spezielle Produkte wie beispielsweise fluoridiertes Salz, um das vonWissenschaftlern als nicht ausreichend bezeichnete natürliche Vorkommen auszugleichen. Unnötigerweise zu Irritationen, so die Wissenschaftler der Informationsstelle für Kariesprophylaxe(IfK),führten daherStudien aus Kanada und den USA: Hier wurdenZusammenhänge von systemischer Fluoridaufnahme (durch Trinkwasser)bei Schwangeren und dem Intelligenzlevel der geborenen Kinder untersucht, beiJungen erkannten die Forscher einen leichten Abfall. Nicht nur seien die Studien ungenau aufgrund fehlerhafter Verfahren, so das IfK, sondern auch vom Ansatz her auf Deutschland nicht übertragbar: Sogar dann, wenn fluoridiertes Salz zusätzlich genutzt werde, entspreche die Fluorid-Aufnahme hierzulande nicht einmal dem Anteil, der in Kanada natürlicherweise vorkommt, und schon gar nicht den um ein Mehrfaches erhöhten Dosen im Rahmen der Studie. Nach wie vor gelte daher für Deutschland, dass fluoridiertes Salz einen guten Ausgleich zum hier bestehenden natürlichen Fluoridmangel biete

Viren: Chancen bislang unterbeachtet

Ein Herz für Viren hat Prof. Dr. Karin Mölling, Max-Planck-Institut für molekulare Genetik –jedenfalls aus wissenschaftlicher Sicht. Sie erforscht das Potential, das in Viren steckt und zu einerVerbesserung der Gesunderhaltung, aber auch der Krankheitenbehandlung führen könnte. Viren, berichtete sie beim zurückliegenden Deutschen Zahnärztetag, seien ebenso Teil des winzigen menschlichen Erbgutes wie auch Mitbewohner in den weltumspannenden Ozeanen, sie seien überall –und manche Viren bekämpften auch solche, die dem Menschen schaden würden. Es sei an der Zeit, Viren neu zu betrachten. Das genau ist ihr Forschungsthema. Dabei hat sie nicht zuletzt die Frage im Blick, welche Möglichkeiten wir für die Bekämpfung krankmachender Bakterienhaben, wenn die bislang erfolgreichen Antibiotika nicht mehr ausreichend wirken. Hier kommt eine spezielle Virengruppe in den Fokus: die sogenannten Bakteriophagen. Das ist kein neuer Gedankenansatz: Schon vor hundert Jahren gab es dazu erste Überlegungen. Nun wird genau hier weitergeforscht, da Bakteriophagen offenbar erhebliches Potential haben. Von dieser Entwicklung wird dann, wenn sie als erfolgreich „freigegeben" ist für die Patientenbehandlung, auch die Zahnmedizin profitieren, zu deren Aufgaben eine Vielfalt an Entzündungen rund um Kiefer, Knochen und Zahnbett gehört

Zahnfleischentzündung: Zahnseide als „Diagnose-Instrument“

Wenn der Verdacht auf eine Gingivits (Zahnfleichentzünduung) besteht, wird in den Zahnarztpraxen üblicherweise mit einer speziellen Sonde getestet, ob so eine Gewebe-Infektion vorliegt und wie schwer das Zahnfleisch geschädigt ist. Das könnte sich in Zukunft ändern: Wie eine vor wenigen Wochen veröffentliche klinische Studie brasilianischer Wissenschaftler zeigt, ist die handelsübliche Zahnseide ein noch besserer Marker. Das „Fädeln" erbrachte noch zuverlässigere Hinweise auf eine Entzündung als die zum Vergleich eingesetzten klassischen Sonden. Der besondere Vorteil: Auch noch sehr frühe Stadien einer Gingivits konnte nach Zahnseiden-Test erkannt werden. Das verbessert die Chance auf eine rasche Intervention: Wird früh genug gegen die Zahnfleischentzündung und ihre Ursachen vorgegangen, kann ein Fortschreiten und ein sich Ausbreiten deutlich leichter erreicht werden.

Wenn Kinder zahnen: lieber Beißring nutzen

Wie eine britische Forschergruppe kürzlich veröffentlichte, ergab ihre Studie zu Zahnungsgels und vergleichbaren Produkten Hinweise darauf, den Einsatz dieser Artikel zur Minderung von Zahnungsbeschwerden bei Babys und Kleinkindern gut zu überdenken. Nicht nur hätten die getesteten Produkte ihr Versprechen, die Zeit des Zahnen zu erleichtern, nicht wirklich erfüllt – sie enthielten auch Inhaltsstoffe, die für die Babys und Kleinkinder als riskant erachtet werden. Unter anderem wurde in Zahnungshilfen Lidocain entdeckt, ein örtlich wirkendes Betäubungsmittel, das schwere Gesundheitsschäden bei Überdosierung hervorrufen kann. Manches Produkt enthielt Zucker und damit einen Karies-fördernden Stoff. Auch Alkohol wurde in einigen der untersuchten Hilfsmittel entdeckt, wiewohl Alkohol – abgesehen von potentiellen Gesundheitsrisiken – selbst in geringen Mengen eher schlafstörend und beunruhigend, also nicht entspannend wirke. Der Verband der britischen Zahnärzte empfiehlt daher den klassischen gekühlten Beißring als sinnvollere Lösung. Einige der in Großbritannien getesteten Produkte gibt es auch in Deutschland. Es macht daher Sinn, sich zusammen mit den Apothekern über die Inhaltsstoffe eventueller arzneiähnlicher Zahnungshilfen zu informieren.

Lebensqualität: welche Rolle spielt Zahnersatz?

Das Thema Lebensqualität stand im Zentrum der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für AlterszahnMedizin. Dass Implantate zu dieser Lebensqualität beitragen können, daran gab es seitens der Experten keine Zweifel – wenn sie denn richtig geplant und für die richtigen Patienten ausgewählt wurden. So müsse beachtet werden, dass eine Implantatversorgung nicht für fitte Senioren geplant werde, dann aber von gebrechlichen Senioren getragen werden müsse: Bei Patienten in fortgeschrittenem Alter könnten sich die Lebensumstände und ihre motorischen Fähigkeiten in kurzem Zeitraum erheblich verändern. Die Planung müsse dies berücksichtigen und flexible Veränderungen mitbedenken. So sei es bei der schwierigen Pflegesituation kaum möglich, in Heimen lebende Pflegebedürftige mit festsitzender Implantat-Prothetik bedarfsgemäß intensiv mundhygienisch zu versorgen. Unabhängig von der Art der Prothetik müsse das Material und die Handhabung eine leichte Mundpflege ermöglichen. Funktion sei wichtiger als Ästhetik, die Versorgung müsse so geplant werden, dass in den bevorstehenden Lebensjahren möglichst keine weiteren aufwändigen Maßnahmen zumal in Narkose nötig werden.

Aphten: Was kann man tun?

Apthen sind kleinere oder größere, in der Regel schmerzhafte und von Entzündungen begleitet Hautschäden – innen im Mund meist an der Mundschleimhaut oder der Zunge, außen vor allem im Bereich der Lippen. Sie werden als störend bis belastend empfunden – und das schon seit über 2000 Jahren: Bereits Hippokrates hat sie als lästige Erscheinung beschrieben. Insbesondere junge Menschen sind betroffen. Auf die Frage, woher die Aphten kommen, kann die Wissenschaft bis heute keine eindeutige Antwort geben. Vermutlich kommen verschiedene Umstände zusammen. Heute geht man davon aus, dass auch das individuelle Immunsystem dabei mitbeteiligt ist. Dafür haben Bakterien oder Viren als mögliche Auslöser „ausgedient" – diese Infektions-Vorstellung scheint überholt zu sein. Nach wie vor aber relevant ist die Frage der richtigen Therapie – dass hier ein Bedarf besteht, zeigen die vielen „Mittelchen", die es freiverkäuflich in den Apotheken gibt: Da die Ursachen nicht eindeutig geklärt sind, ist auch die Behandlung nicht festgelegt. Die Autoren eines Fachartikels zum Thema Aphten, der kürzlich in einer renommierten Fachzeitschrift erschien, empfehlen eine symptombezogene Therapie: Die Entzündungen sollen eingedämmt und die Schmerzen gemildert werden. Eingesetzt werden dafür antibakterielle, desinfizierende, anästhesierende und antientzündliche medizinische Mundspüllösungen – die richtige Anwendung muss unbedingt geübt werden. Oft noch hilfreicher sind Kortisonpräparate von Gel-Form bis Spray-Dosierungen. Mittlerweile zeigen auch Behandlungen mit speziellem Laser gute Erfolge.

Zahnprothesen: oft ungepflegt

In einem längeren Beitrag in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift berichtete kürzlich ein Zahntechniker über seine Erkenntnisse zu der Frage, warum so viele Zahnprothesen in einem stark ungepflegten Zustand in seinem Labor zur Überholung eingereicht werden. Dabei fokussierte er seine Nachforschungen auf den Bereich der Zahnprothesen von in Heimen lebenden Pflegebedürftigen – das sind ein Viertel aller rund 3,4 Millionen Pflegebedürftigen. Für diese Bewohner gilt: Es gibt zu wenig Pfleger, diese sind zudem überlastet und haben für die etwas zeitaufwändige regelmäßige Zahnpflege eigentlich gar keine Zeit. Keine Neuigkeit ist, dass eine sorgfältige Mundhygiene das Risiko für die Entwicklung einer riskanten Lungenentzündung um rund 40 % mildern kann. Werde die Prothese auch nachts getragen, sei es daher wichtig, dass sie ebenso wie der Mundraum vor dem Zubettgehen sorgfältig gereinigt werde. Eine gut sitzende Zahnersatzversorgung sei kein Luxus, sondern führe über das ermöglichte Kauen auch zu wünschenswerten positiven Entwicklungen im Gehirn. Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, so der Autor, machten überdeutlich, dass man ältere und alte Patienten nicht „abschreiben" dürfe, sondern beispielsweise über einen Mundpflegeplan im Heim bei der Erhaltung der Kaufähigkeit und der Einhaltung von Hygiene unterstützen müsse. Derzeit haben rund 32 % aller Pflegeeinrichtungen Kooperationsvereinbarungen mit Zahnärzten.

Implantate: mit 18 zu jung?

Ein großes Thema seit Erfindung der Implantologie ist die Frage, ob Implantate schon im Kindes- oder Jugendalter Sinn machen oder erst nach vollendetem Wachstum eingesetzt werden sollten. Ein Argument: Während Kiefer und Zahnbogen in der Kindheit und Jugend noch wachsen, wächst das Implantat nicht mit, die entstehende „Fehlstellung" muss später nachjustiert werden. Herausfordernd wird eine solche Altersbeschränkung beispielsweise bei Unfall-Patienten im jüngeren Erwachsenenalter, denn auch mit 31 Jahren, so Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden, ehemaliger Präsident der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) in einem Zeitschriften-Fachartikel, kann das Wachstum heute nicht als abgeschlossen bezeichnet werden. Bei Überprüfung der Erfolgschancen von Implantaten bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigte sich, dass bei Kindern nur in besonderen Einzelfällen zu einer Implantatlösung gegriffen werden sollte, bei Jugendlichen und auch jungen Erwachsenen (bis 31 Jahre) gebe es zwar eine gute Erfolgsquote – aber keine vollständige Therapiesicherheit. Dies, so Terheyden, müssten die Patienten und ihre Eltern wissen. Die bisher „traditionelle" Altersgrenze von 18 Jahren sei keine, an der man sich orientieren könne, zumal bei Männern und im oberen Frontzahnbereich. Hier müsse jeweils individuell entschieden und Auswirkungen auf eine nicht mehr harmonische Okklusion (Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer-Zähnen) mitbedacht werden. Betrifft die Okklusionsstörung nur die Kronenlänge, kann hier nachgearbeitet werden.

Zahnersatz: demnächst aus eigenen Zahnkeimen?

Ein bisschen klingt es nach einem Menschheitstraum: Geht ein Zahn verloren, muss man sich nicht um Zahnersatz aus dem Dentallabor oder der zahnärztlichen Fräs- oder Druckmaschine bemühen, sondern es wächst ein „eigener" Zahn nach. Aus körpereigenen Zellen. Genau das testen derzeit Wissenschaftler der Technischen Universität (TU) Berlin. Dazu nutzen sie Zellen von gezogenen Zähnen und zwar aus der dort noch vorhandenen Pulpa, dem „lebendigen" Innenleben der Zahnwurzel. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch der menschliche Kiefer, wie viele andere Stellen des Körpers, selbst „nachwachsendes Gewebe" herstellen kann. Spannend wird es, wie die Zellen lernen, was sie alles bilden müssen – vom harten Zahnschmelz über seine komplette Struktur bis hin zu seiner Form, ob Frontzahn oder Backenzahn beispielsweise. Bisher geht man davon aus, dass die Zellen diese Informationen aus dem umliegenden harten und weichen Kiefergewebe erhalten. Die ersten Versuche sind durchaus vielversprechend. Allerdings ist unumgänglich, dass man ausreichend Geduld aufbringt, den Wachstumsprozess abzuwarten. Es könnte sich lohnen: Der neue Zahn ist nicht „Ersatz" mit Fremd-Material, sondern Eigen-Material, eventuelle Abstoßungsreaktionen gehen daher voraussichtlich gegen Null.

Kieferhöhle: Entzündung durch Zähne

Auf jedem Röntgenbild eines Mundes ist die Nähe deutlich zu erkennen: Kieferhöhle und Mundhöhle sind eng benachbart. Insofern wundert es auch nicht, dass sich bei Entzündungen ein Austausch entwickeln kann. Für den Fall, dass eine zahnbezogene Entzündung oder eine zahnärztliche Behandlung zu einer „Ansteckung" der Kieferhöhle geführt hat, haben Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie kürzlich die Leitlinie aktualisiert, die Empfehlungen für die Behandlung solcher Fälle auflistet. Eine aus der Mundhöhle in die Kieferhöhle übergehende Entzündung sei sowohl hinsichtlich der Rolle der Ursachen, der Art der Diagnostik als auch bei der Wahl der Behandlung von einer Sinusitis, einer „klassischen" Nasennebenhöhlenentzündung, abzugrenzen. Die Aktualisierung dieser Leitlinie mit ihren Querverweisen auf ähnliche Erkrankungen und weitere Auslöser ist insofern kein Nebenschauplatz der Zahnmedizin, als rund 10 – 40 % aller Fälle akuter Kieferhöhlenentzündungen eine mögliche Verbindung zu Zahn-/Mundinfektionen und Folgen zahnärztlicher Behandlung zeigen.

Suchtpatienten: Rolle der Zahngesundheit

Das Aussehen der Zähne spielt für den ersten Eindruck, den ein Mensch bei einem anderen hinterlässt, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Drogenabhängige haben oft einen eher desolaten Zahn-Zustand, wie die Ärzte Zeitung kürzlich in einem Beitrag zu notwendiger Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Disziplinen berichtete. Helfen könnte Drogenabhängigen, zumal denjenigen, die an ein Zurück in ein geregeltes Leben denken, am besten ein solches Zusammengehen von Fachärzten für Suchterkrankungen, Allgemeinärzten, Psychotherapeuten und eben auch Zahnärzten. Bei einem Kongress für Suchtmedizin wurde gerade auf diesen Aspekt besonders hingewiesen und die große Bedeutung, die einer gesund wirkenden Zahnreihe bei diesem Schritt zukommt. Die in Suchtbehandlung besonders erfahrene Berliner Zahnärztin Kirsten Falk betonte die strategische Komponente beim Beginn einer solchen Behandlung: Die einzelnen Schritten müssten demnach der zumutbaren Belastung angemessen sein, diese Patienten seien besonders konsequent zu führen – und eine wichtige Rolle käme einem gut geschulten Personal zu. Nicht wenige dieser Patienten litten zudem unter erheblicher Zahnbehandlungsangst und auch unter Scham. Eine nachhaltige Behandlung ziehe sich über eine gewisse Vorbereitungsdauer hin und es könne nicht sofort mit Zahnersatz das optische und funktionale Problem gelöst werden.
Es zeigte sich aber, dass eine gute und „vorzeigbare" Zahnsituation beim Weg zurück in geregelte Lebenswege eine stark unterstützende und motivierende Wirkung habe.

 

Deutschland: Zahnmedizin international führend

Mit erfreulichen Daten aufwarten kann die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) schon seit Jahren, wenn die jeweils aktuellen Auswertungen der großen bundesweiten Mundgesundheitsstudien veröffentlicht werden: In weitgehend allen Bereichen und bei fast allen Patientengruppen geht die Mundgesundheit und die Anzahl der eigenen Zähne stetig weiter nach oben. Wie einem Fachartikel in den „Zahnärztlichen Mitteilungen" von Ende Juli zu entnehmen ist, steht die Zahnmedizin in Deutschland auch international auf den Spitzenplätzen. Grund sei der vergleichsweise niedrigschwellige Zugang im deutschen Gesundheitssystem, der es der Bevölkerung erleichtere, zahnmedizinische Beratung und Behandlung in Anspruch zu nehmen. Heute seien 81 Prozent der Zwölfjährigen kariesfrei, und bei den Erwachsenen sei die Karies in den letzten 20 Jahren um rund 30 Prozent gesunken. Die noch bestehenden „Baustellen" seien der Zahnärzteschaft durchaus bewusst, wie beispielsweise das schichtenabhängige Karies-Erkrankungsrisiko, die frühkindliche Karies oder auch die Vorbeugung bei Menschen mit unterschiedlichem Pflegebedarf. Ebenso wie internationale Wissenschaftler kritisiert auch die BZÄK Bereiche der Ernährungsindustrie: Nicht zuletzt müsse es verbindliche Maßnahmen beispielsweise zur Zuckerreduktion geben.

Parodontitis: Kann Ernährung helfen?

Ein wachsendes Thema in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ist die Rolle der Ernährung. Während sie beim Thema Karies-Auslösung auch in der Öffentlichkeit schon recht gut bekannt ist, spielen weitere Aspekte derzeit noch eher in der Fachwelt eine Rolle. So nehmen sich zahnmedizinische Wissenschaftler Erkenntnisse aus anderen Medizinbereichen vor und prüfen sie daraufhin ab, ob die hier gewonnen Erkenntnisse auch für die Mundgesundheit Relevanz haben. Ein Beispiel dafür ist die Rolle der Ernährung bei chronischen Entzündungen wie beispielsweise der Parodontitis. Hier hat sich gezeigt, so Wissenschaftler der Berliner Charité in einem Beitrag für den „Senioren Ratbeber", dass bei Rheuma-Patienten eine Ernährung reich an Gemüse und Obst und arm an Fleischprodukten zu einer Verbesserung der rheumatischen Entzündungswerte führte. Auch die Folgen einer Osteoporose könnten sich bei einer gemüse-obst-fokussierten Ernährung verbessern – diese Knochenerkrankung hat ebenfalls Relevanz für die Gesundheit von Mund und Kieferknochen. Im Fokus der ungesunden Entwicklungen stehen insbesondere ungesättigte Fette und sogenannte Transfette. Aus solchen und weiteren ungünstigen Fetten produziert der Körper entzündungsfördernde Gewebshormone. Auch Zucker treibt diese Entzündungs-Hormone nach oben. Vollkorn, Obst und Gemüse seien insofern nicht nur allgemein, sondern auch für chronische Entzündungen wie die Parodontitis die bessere Ernährungsauswahl.

Zahnwurzeln: Vielfalt an Kanälen

Bei Veröffentlichungen in der Laienpresse werden Zähne, die zur Dekoration eines Beitrags dargestellt werden, zumeist mit zwei Wurzeln gezeigt – der „typische Backenzahn". Das allerdings ist eine an der Realität weit vorbeizielende Darstellung, wie ein Fachartikel in einer zahnärztlichen /eitschrift kürzlich aufzeigte. Abgesehen davon, dass Frontzähne, also die sichtbarsten im Mund, in der Regel einwurzelig sind, können Seitenzähne sehr viele und zudem verdrehte und miteinander in Verbindung stehende Zahnwurzeln haben. Das Thema wird für Patienten und Zahnärzte spätestens in dem Moment relevant, wenn aufgrund einer tiefen Zahnentzündung eine Wurzelbehandlung ansteht. Eine Zahnärztegruppe hat nun untersucht, wie viele Wurzelgänge Zähne im Oberkiefer haben können. Anlass war die Feststellung, dass gelegentlich ein Seitenarm übersehen und damit nicht antientzündlich behandelt worden war. Dabei ist zu bedenken, dass Röntgenaufnahmen in „nicht notwendigen Fällen" unterbleiben müssen – Wurzelbehandlungen gehören nicht zwingend zu den „notwendigen Indikationen" für eine Strahlenbelastung. Die Studie hat ergeben, dass nicht nur die üblicherweise erwarteten drei, sondern auch vier und fünf (oft schwer auffindbare) Wurzelkanäle bei den Backenzähnen häufiger vorkommen als erwartet. Erschwert wird das Auffinden durch gelegentliche Vereinigung von Kanälen oder auch Abtrennungen kleiner Abzweige von Hauptkanälen. Vermieden werden muss bei der Behandlung auch, dass die Bearbeitung einer Vielzahl von dünnen Zahnwurzeln zu einer Schwächung der Zahnwurzel-Substanz insgesamt führt. Es hat sich gezeigt, dass es nach wie vor eine Abwägung bleibt, wieviel Behandlung einem Zahn zumutbar ist – oder sein muss, um den Entzündungsquell vollständig zu entfernen.

Zahnbettentzündung: erblich?

Bekannt ist, dass sich einerseits bei Erkrankungen, die mit Immunbelastungen einhergehen, Zahnbettentzündungen (Parodontitis) eher entwickeln, und auch, dass Gewebe- und Gefäß-schädigendes Verhalten wie Rauchen solche Entzündungen fördern können. Nun hat sich gezeigt, dass bei machen Patienten auch ein erblicher Risikofaktor vorliegt. Wie eine Ende Juli veröffentlichte Auswertung internationaler Studien an insgesamt rund 50.000 Patienten zeigt, können genetische Bedingungen bei fast einem Drittel der Patienten mit Zahnbettentzündung vorliegen. Demnach gibt es bei einigen Patienten erbliche Vorbelastungen hinsichtlich des Knochenabbaus und der Zahnbettgewebe-Empfindsamkeit. Es hat sich zudem gezeigt, dass diese erblichen Risiken noch zunahmen, wenn diese Personen rauchten – nicht ausgeschlossen ist, dass auch die Neigung zum Rauchen eine Ererbungs-Komponente hat. Erbliche Hintergründe zeigten sich offenbar vor allem bei frühen und besonders schweren Zahnbettentzündungen.

Amalgam: Wie geht es weiter?

Während bei vielen Patienten der Zahnfüll-Werkstoff Amalgam keinen guten Ruf hat, gibt es nach wie vor auch wissenschaftlich orientierte Zahnärzte, die Amalgam für einen der best-erforschten, flexibelsten und für die verschiedensten Zahnschmelz-Defekte am haltbarsten Füllwerkstoff erachten. Genauer: einen, für den es nach ihrer Einschätzung nach wie vor kein vergleichbar erfolgreiches und bezahlbares Alternativ-Material gibt. Deshalb tun sich nationale und internationale Gesundheits-Organisationen auch so schwer, Dental-Amalgam einfach zu verbieten. Derzeit gelten für besondere Patientengruppen Einschränkungsempfehlungen in der Anwendung. Nun steht ein neuer Klärungstermin zu der Frage an, ob ein vollständiger Ausstieg aus der Amalgamversorgung realistisch ist: Sowohl das Bundeskabinett im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes als auch die EU-Kommission wollen hier bis Ende Juni kommenden Jahres Klarheit zur Zukunft des Dental-Amalgams gewinnen, wie eine aktuelle Presseinformation berichtet. Grundlage ist das sogenannte Minamata-Abkommen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit vor Freisetzungen von Quecksilber und Quecksilberverbindungen. Zum Aktionsplan gehört auch eine intensivierte Prävention, um die Zahngesundheit noch besser zu erhalten und „Reparaturbehandlungen" weiter reduzieren zu können.

Stress: Folgen im Gebiss

Durch Auswertung der Daten ihrer rund 9,4 Millionen Versicherten hat die BARMER einen Zahngesundheitsatlas entwickelt und diesen im Sommer der Öffentlichkeit vorgestellt. Darunter finden sich auch Erkenntnisse zum Zusammenhang von Stress und Veränderungen der Mundgesundheit. Es hat sich gezeigt, dass deutlich mehr Menschen, die in einer Stadt leben, eine sogenannte „Aufbissschiene" verordnet bekamen als Bewohner in ländlicher Region. Auffällig war, dass hier manche Metropolen sogar noch „stressiger" zu sein scheinen als andere große Städte: Patienten in Berlin und Hamburg erhielten rund doppelt so oft Aufbissschienen wie Patienten beispielsweise in einem Flächenland wie Thüringen. Aufbissschienen schützen die Zähne vor Zerstörung durch Knirschen oder kraftvolles Zusammenpressen, in der Regel ist Anspannung im Körper der Grund für diese Fehlfunktion von Kiefer und Zähnen. Zahnärzte, die sich auf „Funktion" spezialisiert haben und sich mit solchen Fehlfunktionen gut auskennen, sehen Knirschen und Pressen als eine natürliche Entlastungs-Maßnahme des Körpers an, so wie manch anderen Menschen der Stress auf den Bauch schlägt oder in den Rücken geht. Eine Aufbissschiene ist daher ein anerkannter Weg, vorrübergehende Anspannung abbaubar zu machen, ohne die Zähne zu beschädigen.

Herausforderung: Implantate nach Unfallverletzungen

Während Zahnersatz auf Implantat-Stütze für die Patienten immer selbstverständlicher wird, gibt es Situationen, wo auch versierte Implantologen vor größeren Herausforderungen stehen: dann, wenn beispielsweise aufgrund eines Unfalls oder auch einer Tumorerkrankung in der Mund-Kiefer-Region größere Verluste an stabilem Knochen vorliegen. Hinzu kommt, dass nicht problemlos aus anderen Körperregionen eigener Knochen entnommen und als Unterstützung in den Mundbereich transplantiert werden kann. Wie die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) kürzlich darstellte, bietet die Weiterentwicklung der Medizintechnik hier allerdings immer mehr Möglichkeiten, eine solche Herausforderung erfolgreich zu behandeln – beispielsweise durch den Einsatz von dreidimensionalen bildgebenden Programmen, wie sie oft in größeren Praxen und Zentren zur Verfügung stehen. Hier können bereits digital der verloren gegangene Knochen und das Weichgewebe wieder „aufgebaut" werden, die gewonnenen Daten liefern – herausgestellt – eine Art Schablone, wie das zu transplantierende Gewebe geformt sein muss. In einzelnen Kliniken gibt es zudem bereits erste Verbindungen zu Implantatherstellern, die aufgrund der Daten individuell hergestellte Implantate produzieren. Die Innovationen verbessern schwerst erkrankten oder verletzten Menschen die Chancen, in absehbarer Zeit wieder essen und besser sprechen zu können.

Weltbevölkerung: Zahnprobleme ohne Gesundheitsvorsorge

Rund 3,5 Milliarden Menschen weltweit, so eine aktuelle Veröffentlichung einer Gruppe internationaler Wissenschaftler, leiden demnach unter verschiedenen Zahn- und Munderkrankungen von Karies bis Mundkrebs. Es gebe keine weltweit agierende Gesundheitspolitik, die sie davor bewahre. In vielen Ländern stünde zudem eher die Behandlung im Fokus der Zahnärzteschaft und der regionalen politischen Konzepte und weniger die Vorbeugung. Gebe es vorbeugende Angebote seitens der Gesundheitspolitik, seien diese meist auch noch von allgemeiner Gesundheitsvorsorge abgekoppelt, wie die Ärzte Zeitung vor wenigen Wochen berichtete. In den Blickpunkt genommen wurden auch Produkte: Während die Menschen zum Schutz ihrer Zähne eine Vielzahl von Produkten einkaufe, reduziere sie keineswegs gleichermaßen den Einkauf zahnschädigender Produkte wie Zucker und kohlenhydratreiche Lebensmittel bzw. zahnschmelzschädigende Säuren. Der hohe und ansteigende Zuckerkonsum sei gerade in weniger entwickelten Regionen der Erde ein stark ansteigendes Problem. Die Wissenschaftler merkten an, dass viel in Hightech investiert werde – aber viel zu wenig in effektive Vorsorge.

Immer wieder ein Thema: Fluorid-Tabletten

Seit vielen Jahren diskutieren Kinderärzte und Zahnärzte, aber auch viele Eltern, welcher Weg der Fluoridierung der richtige ist: Ziel ist, die Milchzähne durch Fluorid-Gaben gegen Karies widerstandsfähiger zu machen. Zur Auswahl stehen Fluorid-Tabletten, die systemisch wirken (also über die Aufnahme durch den Körper – ein Weg, den vor allem Kinderärzte bevorzugen), und Fluorid-Zahnpasten, die lokal wirken (also an Ort und Stelle direkt auf dem Zahn – der richtige Weg aus Sicht der Zahnärzte). Beides zu kombinieren wäre zuviel – da sind sich alle Fachexperten einig. Auch darin, dass Fluoride wirken und in der normalerweise aufgenommenen Konzentration nicht giftig sind. Wer sich für die Tabletten-Variante entscheidet, hat dabei die Qual der Wahl – eine Herausforderung, der sich kürzlich die Zeitschrift Ökotest widmete. Sechs der getesteten Präparate schnitten mit „sehr gut" ab und drei mit „mangelhaft". Die empfehlenswerten weisen die altersgemäß empfohlene Menge Fluorid auf und geben in den Hinweisen auch an, bis zu welchem Alter die Gabe den Empfehlungen der Kinderärzte entspricht. Ab drei Jahren, so Ökotest, sei ohnehin Schluss mit Tabletten und der Wechsel zur fluoridhaltigen Zahnpasta angezeigt. Ein Switch, den Eltern gar nicht erst machen müssen, die von Anfang an der zahnärztlichen Empfehlung zu altersgerechter „lokaler Fluoridierung" über die Kinderzahnpasta folgen.

Pubertät: auch für die Zähne eine Herausforderung

Wie die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) vor wenigen Tagen mitteilte, ist die Lebensphase Pubertät oft eine Belastung für die Mundgesundheit – und das in einem Alter, in dem die bleibenden Zähne oft gerade erst herausgekommen sind. Die noch eher neuen „Bleibenden" stehen recht eng zusammen, viele der Jugendlichen tragen zudem kieferorthopädische Geräte (z.B. Zahnspangen) – und sie ernähren sich oft zahn-ungesund mit Chips, Softdrinks, Zwischendurch-Snacks und Süßigkeiten. Die Bundeszahnärztekammer weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch Burger & Pizza mit ihrem hohen Kohlenhydrate-Anteil von den Mund-Bakterien in zahnschädigende Säuren umgewandelt werden: Werden die entsprechend belasteten Zahnbeläge, auch zwischen den Zähnen, nicht regelmäßig entfernt, entwickeln sich schnell Vorstufen von Karies und weitergehende Zahn- und Zahnfleischzerstörungen. Problematisch sei auch, so BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, dass in der Zeit der Pubertät das Interesse vieler Jugendlicher an „gewissenhafter Pflegeroutine" gering ausgeprägt sei. Die Zahnärzteschaft hoffe, die Präventionserfolge aus dem Kindesalter (vier von fünf 12-Jährigen sind völlig kariesfrei) ins Erwachsenenalter hinüberretten zu können und motiviert Jugendliche und ihr Umfeld, bei aller „Pubertät" die Zahngesundheit im Blick zu behalten.

Implantate: immer selbstverständlicher

Um rund eine Million ist die Anzahl der jährlich gesetzten Zahn-Implantate in den letzten 20 Jahren angestiegen –von damals etwa 380.000 auf mittlerweile 1,3 Millionen, wie Prof. Dr. Frank Schwarz, Past-Präsident der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) laut einem aktuellen Zeitungsbeitrag sagte. Genau ermitteln lassen sich die Implantatzahlen nicht, aber hochrechnen aus den Veröffentlichungen entsprechender Hersteller. In diesem Zeitraum, so die genannten Experten in dem Zeitungsbeitrag, ist die Implantologie als selbstverständliche Zahnersatz-Variante bei der Bevölkerung „angekommen", auch deshalb, weil sich Verfahren und Materialien kontinuierlich verbessert haben und auch weiterhin optimieren: Einerseits stehen für Patienten mit Titan-Problematik inzwischen auch immer bessere Keramikimplantate als Alternative zur Verfügung, für nicht ganz so optimalen Platz im Mund auchverschiedene Größen und Formen –und andererseits ist auch die Erfahrung der Implantologen um ein Vielfaches gestiegen, so dass heute auch Patienten versorgt werden können, für die das vor 20 Jahren noch als eher riskant galt. Nach wie vor gibt es aber gesundheitliche Einschränkungen, wann Zahnersatz lieber anders als implantatgetragen geplant werden sollte: Deshalb, das betont auch die DGI immer wieder, ist die Beratung und Behandlung in einer implantologisch erfahrenen Praxis der richtige Weg

Schlaf-Atem-Störung: Zungenschrittmacher kann helfen

Wer nachts nicht nur schnarcht, sondern auch Atem-Aussetzer (Schlaf-Apnoe) hat, trägt ein großes Gesundheitsrisiko in sich: der Blutdruck steigt meist an, es drohen oft Herzinfarkt und Schlaganfall und auch eine Verschlechterung des Diabetes. Um so wichtiger also, dass die Atemstörung durch technische Lösungen gelindert wird. Laut einem Kongress von Ärzten aus dem Bereich Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Kopf-und-Hals-Chirurgie leiden rund zweieinhalb Millionen Menschen hierzulande unter einer Schlaf-Apnoe. Bemerkenswert gute Ergebnisse zeigten, so die Wissenschaftler bei der Tagung, sogenannte Zungenschrittmacher. Sie werden implantiert, unter die Haut im Brustbereich. Über ein Kabel ist das Gerät mit einem speziellen Nerven verbunden, der die Bewegungen der Zunge kontrolliert. Das Gerät wird nur für die Schlafzeit eingeschaltet. Dabei aktiviert der Schrittmacher die Zunge und hindert sie daran, bei schlafbedingtem Erschlaffen der Muskulatur in den Rachen zu rutschen. Die Studie zeigte nicht nur eine Verbesserung der Insulinwerte bei den untersuchten Patienten, sondern auch eine positive Auswirkung auf das Tagesverhalten: Der oft bei Schlaf-Apnoe einhergehende Hunger, eigentlich eher der psychologische Bedarf der Patienten nach Essen, wurde deutlich gemindert. Da viele Schlaf-Apnoe-Patienten auch übergewichtig bis stark übergewichtig sind, erhoffen sich die Wissenschaftler auch gesundheitsförderliche Wirkungen auf das Ernährungsverhalten und das Gewicht. Ob und wie der Zungenschrittmacher zum allgemeinen Einsatz über Studienphasen hinausgelangt, ist noch nicht geklärt – diesbezüglich laufen weitere Untersuchungen.

Kinderzahnpasta: von Reiskorn bis Erbse

Nachdem in den USA und in anderen europäischen Staaten aufgrund von entsprechenden Studien der Anteil an zahnschützendem Fluorid in Kinderzahnpasten längst erhöht ist, steht jetzt auch Deutschland vor dieser Umstellung. Hinter dieser Entwicklung steht die präventionsorientierte zahnmedizinische Wissenschaft, die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde, die Bundeszahnärztekammer und die Zahnärzteschaft im öffentlichen Dienst. Grund sind Untersuchungsergebnisse, die zeigen, dass die bisher niedrige Fluoridkonzentration bei den Milchzähnen im Vergleich zu Fluorid-Wirkung in Zahnpasten bei bleibenden Zähnen zu gering ausfällt. Neu ist die Empfehlung, dass mit der neu dosierten Kinderzahnpasta (Fluorid 1.000 ppm statt bisher 500 ppm) ab „Durchbruch des ersten Milchzahnes bis zum 2. Geburtstag zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge geputzt werden" soll, so die aktuelle Presseinformation, „danach mit einer erbsengroßen Menge." Ab 6. Geburtstag sei dann auf eine sogenannte Junior-Zahnpasta umzusteigen. Tipp der Experten: Mit Zahnputzliedern oder Zahnputzuhr steige der Spaßfaktor fürs Zähneputzen bei den Kindern (in jungen Jahren müssen die Eltern putzen, die Kinder dürfen nachputzen). Auch auf eine gesunde und zuckerarme Ernährung sei zu achten.

Zahnersatz: regional unterschiedliche Inanspruchnahme

Wie sich dem aktuellen BARMER ZAHNREPORT entnehmen lässt, gibt es in Deutschland deutliche Unterschiede bei der Inanspruchnahme des Angebotes. Während beispielsweise im Saarland rund 65 % der in die Studie einbezogenen Patienten Prothetik anfertigen ließen, waren es in Sachsen rund 77 %. Auch bei den Kosten für den Zahnersatz zeigten sich Unterschiede: Im Schnitt lagen die mittleren Kosten im Saarland bei rund 171 Euro und in Berlin bei rund 205 Euro. In allen neuen Bundesländern liegt die Inanspruchnahme von Zahnersatzleistungen im Mittel höher (76,1 %) als in den alten Bundesländern (70,4 %).

Implantat-Nachsorge: Teamarbeit

Zahnersatz soll möglichst lange halten und gut aussehen, ist der Wunsch der meisten Patienten – was sie bei entsprechenden Umfragen leicht aus dem Blick verlieren, hat Dentalhygienikerin Christin Damman in einer Artikelserie für eine zahnärztliche Wochenzeitung herausgearbeitet: die biologische Mundgesundheit der Region, in der der Zahnersatz seinen Dienst tut. Besonders betrifft dies implantatgestützte Prothetik. Hier müssen Patient und Praxisteam gemeinsam darauf achten, dass der natürliche Biofilm, das Zusammenspiel verschiedener Bakterienfamilien auf der Mundschleimhaut, am Zahnfleisch und in möglichen Zahnfleischtaschen möglichst ausgewogen und gesund bleibt und nicht in einen infektionsauslösenden Status kippt. Dazu sind in mit der Praxis abgestimmten Zeitabständen Kontrolluntersuchungen notwendig, die auch zeitintensiv sein können, bis alle notwendigen Untersuchungen erfolgt, notiert und ausgewertet sind. Unter anderem muss berücksichtigt werden, ob es beim Patienten eine neue Erkrankung gibt oder eine bestehende wie ein Diabetes mellitus sich verschlechtert hat. Auch neue Medikamente können einen Einfluss haben, beispielsweise die Menge an Speichel reduzieren und damit das Gleichgewicht des Biofilms stören. Überprüft werden muss auch, da die Entwicklung meist unsichtbar und schmerzfrei verläuft, ob sich „Zahntaschen" neu gebildet oder bestehende in ihrem Ausmaß vergrößert haben. Entsprechend richtet sich die Behandlung aus. Die biologische Gesundheit des Mundes hat, so die Autorin des Beitrags, einen erheblichen Einfluss auf die Haltbarkeit des Zahnersatzes.

Zähneknirschen: Krankheit oder nicht?

Rund 20 % aller Deutschen knirschen mit den Zähnen oder pressen die Kiefer zu fest aufeinander. Das hat Folgen für die Gesundheit von Zähnen, Zahnfleisch, Kieferknochen, Muskulatur und Kiefergelenke. Die wissenschaftliche Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) stellte in einer Pressemitteilung kürzlich dar, dass die Funktionsstörung Bruxen, also das Knirschen, Pressen und andere Fehlfunktionen, nicht selbst als Krankheit gewertet wird, allerdings zu Folgen führt, die zur Bezeichnung Krankheit durchaus berechtigen und insofern einer intensiven Behandlung bedürfen. Zusammen mit rund 30 anderen Fachgesellschaften hat die DGFDT aktuell eine modernisierte Behandlungsleitlinie herausgegeben. Der ist auch zu entnehmen, dass in manchen Fällen das Bruxen auch gesundheitsförderlich ist – gewisserweise als Ventil für Angst und Stress und weitere Belastungen. Manchmal ist Bruxen auch Folge von übermäßigem Einsatz von Alkohol und Drogen. Entsprechende Behandlungsangebote in der Zahnarztpraxen können die Zähne und die biologischen Strukturen im Mund bei belastenden Funktionsstörungen schützen beziehungsweise entlasten.

Zahnpasten: Fluorid und Inhaltsstoffe

Fluorid in der Zahnpasta verträgt sich nicht unbedingt mit allen Inhalts- und Hilfsstoffen, die einer Zahnpasta zugefügt werden: Zu diesem Schluss kommt ein Wissenschaftler-Team am Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten-Herdecke in einem Artikel für eine große deutsche zahnärztliche Wochenzeitung. Zahnpasten seien bis zu einem Maximalanteil an Fluorid Kosmetika und nicht Arzneimittel. Bei Kosmetika könnten viele verschiedene Zusatzstoffe zugefügt werden, diese sind auf der Verpackung aufgeführt. Solche Inhaltsstoffe sorgen dafür, dass die Zahnpasta cremig ist, gut schmeckt und eventuell auch noch gut aussieht (Farbstoffe) sowie haltbar ist (Konservierungsstoffe). Manche Inhaltsstoffe wie Zinksalze dienen der Vorbeugung von Infektionen und Mundgeruch. Darauf geachtet werden muss allerdings, dass alle hilfreichen oder die Anwendung fördernden Inhaltsstoffe den wichtigsten Bestandteil einer Zahnpasta nicht deaktivieren: das Fluorid. Kalziumcarbonat beispielsweise gehöre zu den diesbezüglich als kritisch zu wertenden Inhaltsstoffen. Dass die richtige Zusammensetzung eine „Wissenschaft für sich" ist, zeigt sich beim Inhaltsstoff Arginin. Hier komme es, so die Forscher, darauf an, was außer Arginin noch in der Zahnpasta enthalten ist: Von sehr guter Wirkung bei sehr empfindlichen Zähnen bis zu einer Wirkungseinschränkung des Fluorids haben sich viele Varianten gezeigt. Zudem können Zahnpasten mit sogenannten anionischen Tensiden die Wirksamkeit einer antibakteriellen Mundspülung mit Chlorhexidin reduzieren. Art und Verwendung von Zahnpasten sollte am besten mit dem Zahnarzt und dem Prophylaxe-Team der Praxis besprochen werden.

Zahnersatz: Regelversorgung bewährt, aber seltener

Wie die BARMER nach Auswertung ihres diesjährigen „Zahn-Reports" vor Kurzem mitteilte, ist der Anteil der Bevölkerung in Deutschland über 18 Jahre, der mit neuem Zahnersatz versorgt wird, in den letzten drei Jahren um 8 % zurückgegangen. Grund dafür sei die bessere Mundgesundheit der Menschen hierzulande. Deutlich wurde aber auch, dass der Anteil der sogenannten „Regelversorgung" an der Gesamtversorgung mit Zahnersatz sinke. Das mache deutlich, dass der Gemeinsame Bundesausschuss, der für die Übernahme von Behandlungen seitens der gesetzlichen Krankenkassen die Vorgaben entwickelt, die Regelversorgung überprüfen und an moderne Kriterien anpassen müsse. Patienten bräuchten eine zeitgemäße Grundlage für die Wahl ihrer Zahnersatz-Versorgung. Während die Kosten für die Regelversorgung (Behandlung gemäß Leistungskatalog der Kassen) am geringsten anstiegen, wuchs der Bedarf an Zahnersatz in Form einer „gleichartigen Versorgung".  Hier gäbe es Unterschiede nur in Feinheiten. Zu den Auswahlmöglichkeiten gehört noch die „andersartige Versorgung" (zum Beispiel implantatgestützter Zahnersatz), für die es einen Festzuschuss seitens der Kasse gibt, während die Restkosten vom Patienten oder einer Zahnzusatzversicherung beglichen werden. Wer Haltbarkeit und Kostenaspekte in den Vordergrund stelle, so das Expertenteam der Kasse, für den sei beispielsweise bei Zahnkronen und bestimmten Zahnersatzvorstellungen die Regelversorgung eine sinnvolle Lösung.

Elektrische Zahnbürsten: Sieger im Test

Ein zahnmedizinisches Wissenschaftlerteam an der Universität Greifswald hat sich der vieldiskutierten Frage angenommen, ob eine elektrische Zahnbürste oder eine Handzahnbüste besser ist für die langjährige Mundgesundheit. Über einen Zeitraum von 11 Jahren wurde bei über 2800 Studienteilnehmern ein Zusammenhang von Mundhygieneverhalten und Mundgesundheit überprüft. Das Ergebnis: Elektrische Zahnbürsten sorgten für rund ein Fünftel weniger Zahnverlust bei den Probanden. Dabei zeigte sich, dass der Anteil der elektrischen Zahnbürsten im Untersuchungszeitraum bei den Studienteilnehmern deutlich stieg – von 18 % am Studienanfang auf 37 % bei Studienende. Elektrische Zahnbürsten seien bei der Bevölkerung zwischenzeitlich deutlich beliebter geworden, so die Wissenschaftler. Für diesen Trend sprächen auch die Ergebnisse der Studie: Nutzer elektrischer Zahnbürsten wiesen weniger riskante Zahnfleischtaschen auf und hatten einen gesünderen Zahnhalteapparat. Zudem eigneten sich elektrische Zahnbürsten auch besonders gut für Menschen in höherem Alter beziehungsweise bei eingeschränkter Fähigkeit, eine Handzahnbürste sorgfältig einzusetzen. Was sich dagegen nicht zeigte: ein Effekt auf die Vermeidung von Karies. Das Resümee der Forscher dazu: Hier sei vor allem das Fluorid aus der Zahnpasta hilfreich – nicht die Art der verwendeten Zahnbüste.

Mundschutz: lieber Individuell

Bei Kampf- und Gruppensportarten wie Boxen oder Fußball, aber auch bei Rennsportarten durch Stürze kann es schnell zu riskanten Zahnverletzungen kommen. Nicht zuletzt für Kinder wird im Handel eine Anzahl vorgefertigter Mundschutz-Schienen angeboten. Dass man diese besser individuell anfertigen lassen sollte, dazu informierte kürzlich der Mundgesundheitsinformationsdienst „proDente". Rund 15 % aller Zahnunfälle ereignen sich demnach beim Sport. Wie Untersuchungen zeigen, kann individuell gefertigter Mundschutz die Verletzungsrate um 60 % reduzieren. Schlechtsitzender konfektionierter Mundschutz erschwert oft das Atmen und Sprechen und senkt die Leistungsfähigkeit. Dabei geht es nicht nur um den Schutz vor Schäden an den Zähnen: Eine maßgefertigte Schiene schützt auch Lippen, Zunge, Ober- und Unterkiefer und nicht zuletzt die Kiefergelenke. Angefertigt wird der individuelle Zahnschutz in Zusammenarbeit von Zahnarzt (Abdruck und Einsetzen/eventuelles Anpassen) und Dentallabor (Schienenfertigung). Eine entsprechend angefertigte Schiene besteht aus dem Verbund verschiedener Materialien, die einerseits elastisch genug sind, um Stöße abzufedern, andererseits fest genug, um die bei Aufprall entstehenden Kräfte auf eine größere Fläche zu verteilen. Auf Wunsch kann das Dentallabor auch ein Vereinslogo, einen Namen oder Bilder einarbeiten. Ob der individuelle Mundschutz noch immer gut passt oder angeglichen werden muss, sollte bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in der Zahnarztpraxis geprüft werden.

Mundhygiene: zwischen Information und PZR

Viel beachtet und in den Medien diskutiert wurde eine aktuelle Veröffentlichung der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Parodontologie, die angeblich eine professionelle Zahnreinigung (PZR) als überflüssig dargestellt habe. Dem Eindruck widersprach die Fachgesellschaft entschieden mit einer Klarstellung im Frühsommer. Demnach gebe es zwar in der Tat eine Personengruppe, die eher von einer sorgfältigen Mundhygieneanleitung als von einer PZR profitiert: junge Menschen mit gesundem Zahnfleisch und Zahnbett, die in der Lage sind, eine sorgfältige Mundhygiene selbst durchzuführen. Eine PZR bringe dieser Personengruppe keine weitere zusätzliche Verbesserung. Da nach dem 18. Lebensjahr die Kosten für eine PZR in der Regel selbst zu tragen sind, sei hier für diesen Personenkreis die Maßnahme zu hinterfragen. Generell sei eine immer wieder aufgefrischte Mundhygiene-Instruktion in allen Lebensphasen wichtig, da sich gelegentlich Umstände ergeben, die Auswirkungen auf die Mundgesundheit haben. Für alle Patienten, die mit Zahnfleisch- und Zahnbetterkrankungen zu tun haben – und das betrifft laut Fünfter Deutscher Mundgesundheitsstudie rund zwei Drittel der Menschen im Erwachsenenalter – sind sowohl Instruktion als auch PZR mindestens einmal jährlich sinnvoll sowie in Fällen höhergradiger Erkrankung zudem eine reguläre systematische Therapie.  Aufgrund der mittlerweile vielfältig erkannten Zusammenhänge zwischen parodontalen Infektionen und Allgemeinerkrankungen kommt einer professionellen Mundhygiene im Gegenteil zur medialen Darstellung sogar eine erhöhte Bedeutung zu.

Schulkakao: Zahnärzte begrüßen Einschränkungen

Insbesondere Zwischenmahlzeiten, nach denen keine Mundhygiene erfolgen kann, sind für die Zähne eine größere Belastung: Enthalten die Snacks in flüssiger oder fester Form Säuren oder Zucker, haben diese ausreichend Zeit, den Zahnschmelz anzugreifen. Zu solchen Zwischenmahlzeiten gehören auch die Lebensmittel, die in den Schulpausen verzehrt werden. Nun hat auch das Verbraucherschutz-Ministerium in Nordrhein-Westfalen als letztem Bundesland beschlossen, dass zu Beginn des neuen Schuljahres zuckerhaltige Milchprodukte nicht mehr finanziell bezuschusst werden. Die Zahnärzteschaft in Nordrhein begrüßt diesen Schritt sehr, wie sie in einer kürzlich versandten Presseinformation mitteilte. Der Berufsstand fordere bereits seit langem eine gesündere und hier vor allem zuckerreduzierte Verpflegung der Kinder in Kitas und Schulen. Es sei eine weitere Aufgabe, auch die Eltern entsprechend zu überzeugen, die ihren Kindern Pausensnacks mit auf den Weg geben – oder Geld für Gebäck oder Brötchen. Die Ernährung von Kleinkindern und Kindern sei größtenteils fremdbestimmt – hier müssten zum Schutz der Kindergesundheit noch weitere Anstrengungen erfolgen.

Gurgeln: Zeitbedarf beachten

Wer nicht zur Erfrischung und zur Unterstützung der Mundhygiene Mundwässer benutzt, sondern zur Keimreduktion und Entzündungs-Vorbeugung oder -Behandlung medizinisch wirksam Mundspüllösungen, sollte diese ausreichend langen einwirken lassen – so das Apotheken-Journal „Apotheken Umschau" in seiner Juni-Ausgabe. Die Fachexperten empfehlen dabei eine Wirkdauer von mindestens einer Minute, damit sich die entzündungshemmende bzw. desinfizierende Wirkung überhaupt entfalten kann. Diese notwendige Mundspüldauer fiele, so das Journal, insbesondere Kindern oft nicht leicht. Es sei daher sinnvoll, die Einwirkzeit mit einer Stoppuhr zu kontrollieren. Damit die Wirkung nicht gleich wieder zerstört wird, ist es wichtig, nach der Mundspüllösung nicht gleich den Mund mit Wasser auszuspülen oder die Zähne zu putzen. Auch Essen und Trinken direkt im Anschluss an das Gurgeln oder Mundspülen sollte man lassen.  Weitere Hinweise zur Nutzung erhält man in seiner Apotheke oder seiner Zahnarztpraxis.

Zahnunfall: Tipps für verbreitetes Risiko

Fast jedes zweite Kind erlebt in den ersten 15 Lebensjahren einen Zahnunfall, teilte der Mundgesundheitsinformationsdienst „proDente" vor wenigen Tagen mit.  Zumeist passiert der Zahnschaden bei Sport oder einfach Herumtoben in Freizeit, Schule oder Verein. Die Folgen von Stürzen oder Stößen reichen demnach von leichten Rissen im Zahnschmelz bis hin zu abgebrochenen Zahnecken oder gar dem Verlust des ganzen Zahnes. Während bei kleineren Kindern den verletzten Milchzähnen – bei entsprechender Behandlung durch den Zahnarzt – meist gesunde „Zweite" folgen, müssen ältere Kinder und Jugendliche mit den Folgen solcher Zahnschäden an ihren „Bleibenden" ins Erwachsenenleben gehen. Da insbesondere die oberen Schneidezähne betroffen sind, hat der Unfall auch ästhetische und damit oft auch seelische Konsequenzen. Insofern macht es Sinn, wenigstens zu versuchen, einen ausgeschlagenen Zahn wieder zurück an seinen Platz zu bringen: ihn zu re-implantieren. Das kann gelingen, wenn der ausgeschlagene Zahn gefunden und möglichst schnell in einer sogenannten Zahnrettungsbox aufbewahrt wird und das verunfallte Kind rasch zu einem Zahnarzt gebracht werden kann. Hat man keine Zahnrettungsbox dabei, erhält man sie in der Regel in der nächst erreichbaren Apotheke, zudem sind Standorte unter https://toothrescueconcept.info aufgelistet. Wichtige Verhaltenstipps: nicht die Zahnwurzel berühren, den Zahn nicht sauberwaschen oder trocken lagern.  In einer Zahnrettungsbox bleiben die fürs Wiedereinsetzen wichtigen Zellen rund 48 Stunden lang erhalten. Steht keine zur Verfügung, kann notfalls kalte Milch, Frischhaltefolie oder eine Kochalzlösung aus der Apotheke helfen, die Zellen zu erhalten. Problem: Die Alternativen helfen nur ein Zeitfenster von rund einer halben Stunde zu überbrücken.

„Quetschies“: Riskant für die Kinderzähne

Wie das Bundeszentrum für Ernährung kürzlich mitteilte, erweisen sich Untersuchungen zufolge die Fruchtbrei-Angebote in „Quetschbeuteln" als Risiko für die Entwicklung einer Milchzahnkaries. Einerseits ist die Aufnahme des enthaltenen Früchte-Muses über die zentrale Öffnung der Tütchen eine ebenso große Belastung insbesondere für die Frontzähne wie eine übermäßige Nutzung von Nuckelflaschen: Die aufgenommene Nahrung bzw. Flüssigkeit berührt konzentriert vor allem die Vorderzähne. Andererseits ist der Inhalt selbst relevant: Die Fruchtmasse greift über den enthaltenen Fruchtzucker den empfindlichen Zahnschmelz der Milchzähne an. Weiterhin wird, so der Informationsdienst, beim Nuckeln an Fläschchen und „Quetschies" anders als beim Essen und Kauen von Obst in seiner natürlichen Form die Kaumuskulatur nicht ausreichend trainiert. Dies ist aber wichtig, um eine natürliche Zahn- und Kieferform mit gesunder Muskulatur zu entwickeln. Auch das Sprechen hängt mit der Mundmuskulatur zusammen. All diese natürlichen Entwicklungen werden ausgebremst, wenn der Mund nicht wie vorgesehen Essen, Kauen und Beißen muss, sondern flüssige und breiförmige Nahrung nur noch geschluckt wird.

Schlaganfall: die Rolle guter Mundhygiene

Anlässlich des diesjährigen bundesweiten „Tag gegen den Schlaganfall" gab die Deutsche Schlaganfall-Hilfe der Bevölkerung zahlreiche Informationen, wie ein Hirninfarkt vermieden werden könnte. Dazu gehörte auch der Hinweis, dass eine gute Mundgesundheit das Auftreten eines Schlaganfalls verhindern können. Insbesondere, so zeige eine aktuelle amerikanische Studie, spielt die Zahnbettentzündung (Parodontitis) eine Kern-Rolle: Die bakterielle Infektion des Zahnbettes bleibt nicht vor Ort, sondern die Entzündungskeime wandern über die Blutbahn durch den ganzen Körper. Der Studie zufolge hatten Patienten mit Parodontitis in fortgeschrittenem Zustand im Studienzeitraum von 15 Jahren häufiger einen Schlaganfall als Vergleichs-Patienten ohne Zahnbettentzündung. Vermutlich zeigt sich der Zusammenhang von Parodontitis und Schlaganfall durch die bereits bekannte Beschleunigung von Gefäßbelastungen wie Arteriosklerose durch die wandernden Zahntaschen-Bakterien: Sie forcieren die Entwicklung von Gefäßverengungen und können im weiteren Verlauf zu einem Verschluss des Gefäßes führen. Damit gehört nachgewiesen die Mundgesundheit neben anderen Faktoren wie beispielsweise Bluthochdruck und Diabetes zu den Risiken, die einer regelmäßigen Kontrolle bedürfen. Entsprechend auch das Resümee der Schlaganfall-Hilfe: Sie rät zu regelmäßiger professioneller Zahnreinigung (PZR), die das Schlaganfall-Risiko um 50 Prozent reduzieren könne.

 

Wettkampfsport: gute Zähne wichtig

Wie der Weltzahnärzteverband FDI kürzlich in einer Informationsreihe veröffentlichte, sollten Wettkampf-Sportler intensiv auf ihre Zahn- und Mundgesundheit achten. Beispielsweise kann ein akutes Kariesproblem oder ein Zahnfleischabszess nicht nur die Leistung des Sportlers erheblich beeinträchtigen, sondern auch zu einer Verhinderung der Teilnahme am Wettkampf führen. Die FDI erinnert auch daran, dass Stress zu Mundtrockenheit und einem erhöhten Risiko für eine Karieserkrankung führt ebenso wie die erhöhte Aufnahme zucker- und säurehaltiger Energie-Getränke, die bestehende leichte Zahnschäden in kurzer Zeit vergrößern können. Insbesondere bakterielle Mundinfektionen belasten das Immunsystem und auch das Wohlbefinden, das für Leistungserfolge wesentlich ist.  Bei manchen Sportarten sollte auf Mundschutz nicht verzichtet werden, um dem Abbruch des Wettkampfes durch Zahnverletzungen vorzubeugen. Insbesondere  Wettkampfsportler sollten die ohnehin geltenden Regeln für regelmäßige Zahnkontrolluntersuchungen und die fundierte Mundhygiene zuhause mit ausreichend Fluorid-Zufuhr zum Beispiel über Zahnpasta dringend einhalten, so die FDI, und die Gelegenheit wahrnehmen, mit zahnärztlicher Unterstützung mögliche Leistungseinschränkungen zu vermeiden.

Studie: Amalgam und Schwangerschaft

Bereits seit dem 1. Juli 2018 empfiehlt eine entsprechende EU-Verordnung, das Zahnfüllungsmaterial Amalgam bei Schwangeren und Stillenden, bei Milchzähnen und bei Kindern unter 15 Jahren besser zu vermeiden und durch eine Alternative zu ersetzen. Dem Thema mit Fokus auf Schwangerschaft hat sich eine Studie in Norwegen gewidmet, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden. Demnach ist vor allem die Anzahl der Füllungen bei Schwangeren im Zeitraum rund um die Geburt ein Risiko für Gesundheitsbelastungen. Spürbare Folgen zeigten sich bei einer Gesamtzahl an Amalgam-Füllungen bei 13 behandelten Zähnen. Weitere mögliche Risiken wie Übergewicht, Rauchen, Alkohol und andere waren zuvor ausgeblendet worden. Während sich diese Studie den Folgen für die Schwangere selbst widmete und erstmals einen direkten Zusammenhang darstellte, zeigten andere Studien schon früher einen möglicherweise belastenden Einfluss auf die Gesundheit des werdenden Kindes. Alternative Füllungsmaterialien stehen heutzutage in größerer Vielfalt zur Verfügung – was im individuellen Fall das Beste für Mutter und Kind ist, können Patienten in ihrer Zahnarztpraxis erfragen.

Umfrage: Mundgeruch besonders peinlich

Bei einer ärztlich ausgerichteten online-Umfrage zum Thema Peinlichkeiten zeigte sich, so eine aktuelle Veröffentlichung der Ergebnisse in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift, dass den befragten Menschen starker Mundgeruch, ebenso wie Achselgeruch, am peinlichsten ist. Auch an zweiter Stelle kommt der Mund vor: sogenannte „schlechte Zähne" und Zahnbetterkrankungen wie schwindendes Zahnfleisch stören fast ebenso viele Menschen. Auf den weiteren Plätzen landeten übermäßiges Schwitzen, Blähungen und Läuse. Der Umfrage zufolge sind Frauen solche „Peinlichkeiten" deutlich unangenehmer als Männern (Frauen: 42 %, Männer: 28 %). Es zeigte sich auch, dass als peinlich empfundene Gesundheitsstörungen nicht selten Einfluss auf das Berufsleben und die Lebensqualität haben, so gab eine Befragte auch an, ihre Gesangskarriere aufgrund der „schlechten Zähne" aufgegeben zu haben. Es zeigte sich zudem, dass das Gespräch darüber sowohl mit dem Partner/der Partnerin als auch mit dem Arzt/der Ärztin fast jedem zweiten Befragten schwer fiel – im Gegensatz zu einem Gespräch mit Praxismitarbeitern wie beispielsweise einer Zahnmedizinischen Fachangestellten oder auch den Apothekern.  

Mundtrockenheit: komplizierte Diagnostik

Fühlt sich der Mund trocken an, ist das nicht nur lästig: Der mangelnde Speichelfluss gefährdet beispielsweise die Gesundheit des Zahnschmelzes und erhöht das Karies-Risiko. Patienten sollten daher, wenn sie erste Anzeichen dafür bemerken, ihren Zahnarzt darauf ansprechen. Wie ein Fachbeitrag in der Rheinischen Post vor wenigen Wochen deutlich machte, kann die Ursachensuche mühevoll werden und auch die Einbeziehung der Erfahrung anderer Fachärzte, im Fall gestörter Nasenatmung beispielsweise aus dem Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, notwendig machen. Etwas detektivisches Gespür ist bei der Suche nach dem Grund durchaus nötig, denn nicht nur körperliche Erkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente können zu Mundtrockenheit führen, sondern auch die Seele. Bekannt ist, dass Stress bei einer Rede vor Publikum den Speichelfluss im Mund reduzieren kann – der Redner muss dann etwas trinken, damit er richtig sprechen kann. Die Frage, ob man selbst öfter etwas trinken muss, damit sich der Mund normal anfühlt, ist deshalb eine, die man sich hin und wieder stellen sollte: Ist das der Fall, wäre dies ein Hinweis auf ein zu planendes Gespräch mit dem Zahnarzt.

„Kreidezähne“: Bisphenol A vermutlich nicht Auslöser

Seit die ersten und sich erheblich häufenden Fälle an „Kreidezähnen" bei den Kindern auftraten, wird intensiv nach den zuständigen Ursachen geforscht. Dabei geraten auch immer wieder sogenannte Umwelt-Chemikalien in den Blickpunkt, die in der Alltagswelt der Kinder eine Rolle spielen. Lange Zeit stand diesbezüglich „Bisphenol A" auf der Liste der potentiellen Auslöser. Die Ursachensuche hat Relevanz: Derzeit ist fast jedes dritte 12-jährige Kind von MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, „Kreidezähne") betroffen. Während man nach wie vor keine direkten Auslöser der Zahnbildungsstörung hat festmachen können, rutschen erste „Hauptverdächtige" aufgrund weiterer Untersuchungen gerade wieder eher aus dem Zentrum des Verdachts: Wie eine Antwort der Bundesregierung von Mitte Mai 2019 auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/die Grünen darstellte, werde ein direkter Zusammenhang von Bisphenol A und MIH derzeit als eher „unwahrscheinlich" erachtet. Die Bundesregierung bezieht sich dabei auf eine entsprechende Ausarbeitung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BFR). Einig sind sich alle Seiten, dass weitere Forschungsanstrengungen zwingend seien.

Zähne bleichen: auch nach Wurzelkanalbehandlung?

Wissenschaftler der Stockton Universität in New Jersey (USA) sind der Frage nachgegangen, welche Folgen Zähnebleichen (Bleaching) für die Zahngesundheit hat – insbesondere dann, wenn vor dem Bleachen eine Wurzelbehandlung erfolgte. Im Fokus steht dabei Wasserstoffperoxid, das bei der überwiegenden Anzahl an Bleaching-Produkten für die Aufhellungswirkung zuständig ist. Was sich zeigte: Wasserstoffperoxid durchdringt alle Schichten eines Zahnes und lässt Kollagene zerfallen, die zu den Bausteinen des Dentins gehören. Je öfter der Zahn gebleicht wird, umso größer die Anzahl der zerstörten Kollagene. Was sich dabei auch zeigte: Ist der Zahn gesund, ist er in der Lage, über die Zellwachstum steuernde Pulpa (Zahnwurzelgefäße) die Zerstörung mehr oder weniger auszugleichen und den Schaden zu reduzieren. Anders sieht das aus, wenn der Zahn wurzelbehandelt ist: Dann fällt diese Möglichkeit der Regeneration weg. Die Wissenschaftler legen damit die zu bedenkenden Konsequenzen auf den Tisch: Bei wurzelbehandelten Zähnen muss Art und Umfang des Zähnebleichens intensiver bedacht werden.

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