Patienten-News

Reflux: Säureschäden im Mund

Bei manchen Menschen kommt Reflux hin und wieder mal vor: Dann fließt Magensäure den Verdauungsweg nach oben und hinterlässt ein scharf brennendes Gefühl. Bei anderen Menschen ist das Säure-Problem dagegen eher ein häufiger Regelfall. Dann hat das auch kritische Folgen für Rachen, Mund und Zähne, wie die österreichische Mikrobiologin DDr. Christa Eder in einem Fachbeitrag in einer zahnärztlichen Zeitung darstellte. Gereizt werden in solchen Fällen oft auch die Stimmbänder, die Rachenschleimhaut, es kann zu Husten- und Schluckproblemen kommen. Meist gelangt die scharfe Magensäure auch in den Mund und greift hier sowohl die Zähne als auch die Mundschleimhaut an. Einer Untersuchung zufolge erleidet rund jeder 3. Reflux-Patient messbare Verluste an Zahnschmelz, Zahnzement und Dentin. Diese Bereiche verlieren dabei ihren Schutz vor Karies, zumal sie auch nicht auf die Regenerationsfähigkeit des Speichels bauen können, der ansonsten leichte Schmelzschäden wieder auszugleichen vermag: Der Speichel selbst ist aufgrund des durch den Reflux veränderten pH-Wertes zu Reparaturleistungen nicht mehr imstande. Auch seine Funktion als Schutzfilm über Zähnen, Zunge und Mundschleimhaut ist gestört. Meist sind Reflux und seine Folgen im Mund nicht von einer ärztlichen Disziplin allein zu stoppen: Hausarzt/Internist und Zahnarzt sollten am besten zusammenarbeiten, so die Wissenschaftlerin, um die sich gegenseitig weiter befördernde Entwicklung zu stoppen. Was sich schon gezeigt hat, und auch hier spielt die Zusammenarbeit eine förderliche Rolle: Medikamente gegen Reflux können auch die Intensität einer Parodontitis reduzieren.

Implantologie: Frühversagen wegen Autoimmunerkrankung

In der Regel haben moderne Implantate eine sehr lange „Liegezeit", das heißt: Einmal gut platziert gesetzt und in das Gewebe eingeheilt kann man, bei entsprechender Pflege, viele Jahre auf ihre stabile Mitarbeit in der Zahnreihe bauen.  Aber auch bei bester Pflege lassen sich biologische Risiken nicht ganz ausschalten, die zu einem vorzeitigen Zahnverlust beitragen können. Zu solchen potentiellen Risiken gehören beispielsweise Autoimmunerkrankungen. Unter solchen leiden statistisch gesehen deutlich mehr Frauen als Männer. Morbus Crohn und vergleichbare andere chronisch-entzündliche Erkrankungen verändern die Immunantwort auf Herausforderungen, wie sie eine Implantation eines Fremdstoffes – in diesem Fall eines Implantates – darstellt. Das berichtete Prof. Dr. Elisabeth Märker-Hermann beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie/DGI vor wenigen Wochen. Aufgrund einer komplexen Folge von Reaktionen bei solchen Veranlagungen richtet sich das körpereigene Abwehrsystem gegen den Fremdkörper: Statt dass Zellen sich ansiedeln, die den Fremdkörper mit dem umliegenden Kieferknochen und dem Zahnbettgewebe verbinden, werden alle biologischen Schritte zum nachhaltigen Einheilen torpediert. Vorhersagbar ist eine solche Abstoßreaktion aber nicht in jedem Fall – bei entsprechender Vorerkrankung müssen Planung und Aufklärung allerdings besonders intensiv die möglichen Folgen im Blick haben.

Zahnzwischenräume: Plaque-Risiko-Stelle

Wenn man sich eine Zahnreihe anschaut, sieht man in der Regel die Zahnvorderseiten, manchmal auch die Kauflächen. Was man oft nicht wahrnimmt, ist, dass es zwischen den Zähnen einen mehr oder weniger breiten Bereich gibt: die Zahnzwischenräume. Was man sich aber gut vorstellen kann: Hier ist Zahnbelag oft gut geschützt vor einer reinigenden Zahnbürste. Kein Wunder also, dass es mittlerweile eine ganze Reihe an „Zahnzwischenraumreinigungshilfen" gibt, die die versteckten Zahnbeläge sorgfältig entfernen können. Denn Karies gibt es nicht nur an den sichtbaren Stellen der Zähne: Da, wo man nicht so leicht hinsieht, ist eine entstandene Karies auch nicht so leicht zu behandeln. Wie ein Fachbeitrag in einem zahnärztlichen Journal nun berichtete, ist die Reinigung der Zahnzwischenräume von Kindheit an wichtig – und endet auch in höherem Alter nicht, wenn es nur noch wenige eigene natürliche Zähne gibt: In dieser Lebensphase liegen zudem oft schon einige Stellen der Zahnwurzeln frei und damit Bereiche, die nicht so gut durch harten Zahnschmelz geschützt sind. Gerade dann ist eine sorgfältige Zahnzwischenraum-Pflege besonders notwendig, da die empfindlicheren Zahnwurzel-Bereiche noch leichter von kariesfördernden Bakterien angegriffen werden können. Ältere Patientinnen und Patienten, die noch selbst für ihre Mundhygiene sorgen können, sollten den Umgang mit Zahnseide, oder, weil oft leichter zu handhaben: mit Zahnzwischenraumbürstchen kennen oder lernen. Wenn bereits Pflege notwendig ist, solle darauf geachtet werden, dass bei der Mundreinigung auch die Zahnzwischenräume gesäubert werden. Es gilt, Karies bis weit ins hohe Alter hinein vorzubeugen – denn dann ist eine eventuell notwendige Zahnbehandlung meist aufwändiger und belastender als in jüngeren Jahren.

Schlafmedizin: auch an Zähne denken

Man mag nicht auf den ersten Blick darauf kommen, dass „Zähne" beim Thema Schlafen eine relevante Rolle spielen: Wenn man aber wahrnimmt, dass es zu diesem Thema sogar eine eigene wissenschaftliche Fachgesellschaft gibt, die Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Schlafmedizin/DGZS, dann wird schon deutlich, dass dies ein größeres wissenschaftliches und praktisches Aufgabengebiet ist. Kürzlich befasste sich diese DGZS mit dem Thema nächtliches Atmen – und mit Situationen in Mund, die den notwendigen Luftaustausch behindern. Einen aktuellen Anlass für die Befassung mit dem Thema gab es auch: Die sogenannten Unterkieferprotrussionsschienen (UPS) sind inzwischen in bestimmten Fällen erstattungsfähig. Diese Schienen, die durch kontrollierte Führung des Unterkiefers dafür sorgen, dass die Atemwege in nächtlicher Entspannungsphase frei bleiben, haben offenbar genug Wirksamkeit bewiesen, dass sie nun auch von den Krankenkassen bezahlt werden. Solche auch „Anti-Schnarch-Schienen" genannten Geräte können auch Leben retten: Nächtliche Atemaussetzer bergen ein deutliches Risiko bis hin zu Schlaganfällen. Ein wichtiges Anliegen der Wissenschaftler: Die Schienen-Behandlung müsse fachgerecht erfolgen. „Selbstangepasste" vorgefertigte Schienen seien keine Option. Da insbesondere schwere oder komplizierte atembezogene Schlafstörungen interdisziplinär begleitet werden sollten, seien in solchen Fällen spezialisierte Zentren eine sinnvolle Anlaufstelle.

Mumienforschung: Nachrichten über Zahnstein

Vielleicht dienen die gewonnen Erkenntnisse der Mumienforscher an der Universität von Trient in Italien nicht sofort der weiteren Optimierung der Zahn- und Mundgesundheit oder ihrer Pflege – auf jeden Fall vertiefen die Studien zum rund 8.500 bis 3000 Jahre alten Zahnstein der Mumien aus italienischen Gräberfeldern aber den Erkenntnisgewinn. Ein Blickpunkt aktuellen Studie galt dabei der Zusammensetzung des Zahnbelages und der Frage, ob sich hier im Vergleich zu heute erheblich etwas verändert hat – und falls ja, was das bedeutet. Zunächst jedoch stellte man fest, dass der damals vertretene Hauptkeim in der Plaque („Methanobrevibacter") auch heute noch, wenn auch nicht in ebenso überragender Anzahl, im Zahnbelag vorhanden ist. Verglichen wurden die eigenen Erkenntnisse zudem mit Forschungsergebnissen zu Zahnbelag bei Neandertalern. Letztlich wurden, wie eine zahnärztliche Zeitung berichtete, über 100 Zahnsteinproben aus rund 50.000 Jahren, acht Ländern und drei Kontinenten untersucht. Ein spannendes Ergebnis: Während Methanobrevibacter-Keime, die in größerer Artenvielfalt vorkamen, in den ältesten Plaque-Proben bis ins Spätmittelalter kaum verändert existierten, gibt es dann einen Bruch: Es entstand eine neue Keim-Variante ganz ohne weitere Untergruppen, die älteren Varianten waren nun nicht mehr existent. Auch im Verdauungstrakt war das bei anderen Studien schon aufgefallen: Vor rund 5000 Jahren kam es offenbar zu einem großen Artensterben im Bereich der im Körper vorhandenen Bakterien. Die Forscher gehen davon aus, dass die Entwicklung und Weiterentwicklung von Technik, Industrialisierung und medizinischen Verfahren starken Einfluss auf das Mikrobiom, die Gemeinschaft der Keime im Körper, hatte – und hat.

Implantate: ständiges Update

Wichtig ist, dass die Forschung rund um medizinische Verfahren immer weiter geht. Mal ist es eine neue Technik, die andere Einsichten ermöglicht – beispielsweise hat die Entwicklung von dreidimensionalen „Bildern" anstelle von zweidimensionalen Röntgenbildern ermöglicht, die Lage rund um einen Behandlungsbereich noch realistischer erkennen zu können. Oder neue Erkenntnisse in der Biologie ermöglichen neue medizinische Vorgehensweisen. Mindestens so wichtig wie die Wissenschaft selbst ist aber auch, sie in einem größeren Kreis zu prüfen und für die Nutzung im Handlungsalltag zu bewerten. Genau dies leistet für den Bereich dentale Implantate die DGI, die wissenschaftliche Fachgesellschaft „Deutsche Gesellschaft für Implantologie". Regelmäßig – nach meist längerer Vorarbeit mit Sichten neuer wissenschaftlicher Veröffentlichungen – kommen Experten aus der Wissenschaft und von ganz verschiedenen Universitäten sowie erfahrene Praktiker aus den meistspezialisierten Zahnarztpraxen zusammen, um sich über die neueren fachlichen Errungenschaften auszutauschen und die Empfehlungen in sogenannte „Leitlinien" einzubringen, die den Anwendern als Grundlage für Entscheidungen dienen. Eine solche Leitlinienkonferenz der DGI hat auch vor ein paar Wochen wieder stattgefunden – hier ging es beispielsweise um Aspekte wie Periimplantitis, Implantate bei besonderen Ausgangslagen im Zahnbestand, bei Diabetikern und Patienten mit knochenstabilitäts-relevanten Medikamenten. Von diesen Expertentreffen bekommen Patienten in der Regel gar nichts mit – von der Verbesserung ihrer Behandlung in ihrer Zahnarztpraxis allerdings durchaus.

Lippenstift: Was man so mit isst...

Nicht wenige Frauen, die gern und viel Lippenstift nutzen, haben sich schon gefragt, wieviel davon zum Beispiel beim Essen und Trinken mit aufgenommen wird: Ist das viel, schadet das? Dieser Frage widmete sich jüngst auch das Magazin „test" der Stiftung Warentest. Untersucht wurden verschiedene Lippenstiftprodukte einer speziellen Farbgebung, in diesem Fall: Rosenholztöne. Zuerst einmal hat das Test-Team errechnet, wie viel Lippenstift bei täglicher Nutzung pro Jahr „mitgegessen" wird: Bis zu fünf Lippenstifte seien es, so die Tester, und insofern sei es schon relevant, ob die Stifte möglicherweise schädliche Inhaltsstoffe haben. Im Ergebnis war keiner der geprüften Lippenstifte ganz schadstofffrei, insofern gab es auch kein Produkt, das mit gut oder sehr gut benotet wurde. Am Preis jedenfalls kann man die Qualität nicht festmachen – unter den beiden, die ein Mangelhaft erhielten aufgrund belasteter Zusammensetzung, war eines aus der eher preiswerten Klasse und das andere aus dem hochpreisigen Couture-Bereich. Die beiden besten aus dem Kreis der anderen Produkte, die alle mit befriedigend bewertet wurden, waren ein Produkt eines Naturkosmetik-Herstellers und eines des größten weltweit verbreiteten Kosmetikunternehmens. Als problematisch gelten Bestandteile wie Erdöle, synthetische Kohlenwasserstoffe und das „Sonnenschutzmittel" Titandioxid. Vor der Lippenstift-Anwendung gewarnt werden musste allerdings nicht: Derzeit bewegt sich die Risiko-Einschätzung noch auf niedrigem Niveau, und die Inhaltsstoffe sind nicht verboten.

Wurzelbehandlung: Ja – trotz Ängsten?

Zum Thema Wurzelbehandlung sind nach wie vor in der Bevölkerung viele schmerz-assoziierte Vorurteile präsent – in der Regel stammen sie aus „alten Zeiten", in denen an die nachhaltigen und vergleichsweise eher sanften Verfahren von heute noch gar nicht zu denken war. Gewandelt hat sich aber nicht nur die Technik und die wissenschaftliche Erkenntnis, sondern auch das Wertebild zur Bedeutung der körpereigenen Materialien gegenüber dem Einsatz von Fremdstoffen als Ersatzprodukt. Das wird besonders an einer Studie Göttinger Wissenschaftler deutlich, die Patienten nach einer Wurzelbehandlung fragten, ob sie diese – trotz mancher unterschiedlich intensiv erlittenen Schmerzen – noch einmal durchführen lassen würden. Das Ergebnis, über das ein zahnmedizinisches Fachmagazin berichtete, zeigt: Fast 90 % aller Befragten würden sich trotz aller Belastungen erneut für eine Wurzelbehandlung entscheiden. Der möglichst lange Erhalt des natürlichen Gewebes wurde ebenso gut bewertet wie die Aspekte Kosten, Aussehen und natürliche Kaufähigkeit. Die Wissenschaftler empfehlen aufgrund der Rückmeldungen, für eine Wurzelbehandlung nicht zuletzt auf diese Behandlungsform besonders ausgerichtete Praxen aufzusuchen.

Fluorid: „unentbehrliches Arzneimittel“

Während hierzulande die Diskussion oft zwischen den Meinungspolen hin und her läuft – Fluorid ist gut, Fluorid ist schlecht – hat jetzt die WHO ein klares Wort gesprochen: Die Weltgesundheitsorganisation hat zahnmedizinische Produkte mit Fluorid in ihre Liste der „unentbehrlichen Arzneimittel" aufgenommen. Das ist eine sehr klare Haltung. Auch, was die Relevanz betrifft: In den letzten Jahren galt Fluorid, eine Art Salz, eher als ein Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralstoffe. Nun wird Fluorid als Medikament bewertet. Wie aktuell eine Fachzeitschrift berichtet, ist nicht zuletzt sein Einsatzgebiet als Schutz vor Karies schwerwiegend und relevant genug für diese Umklassifizierung. Die Eingruppierung in den Bereich „unentbehrliches Arzneimittel" bedeutet: Die WHO sieht das Produkt als so sinnvoll an, dass alle Menschen stets Zugang zu Fluorid (und den anderen in dieser Rubrik gelisteten Stoffen) haben und alle Regierungen sicherstellen sollen, dass der Bevölkerung Verfügbarkeit und erschwingliche Kosten ermöglicht werden. Der Welt-Zahnärzte-Verband FDI unterstützt das WHO-Vorgehen: Diese neue Vorgabe könnte die Chance, dass mehr Menschen als bisher von der weltweit verbreitetsten Erkrankung verschont bleiben, verbessern. Gut sei, dass die WHO damit auch Munderkrankungen als Erkrankungen anerkennt und deren Vorbeugung unterstützt.

Studie: Zahnseide – Ja oder Nein?

Zahnseide gehört zu den Mundhygiene-Hilfsmitteln, die bei manchen Menschen auf Ablehnung stoßen: Die Handhabung sei zu kompliziert. Insofern ist es interessant, dass sich eine Studie (North Carolina, USA) kürzlich der Frage widmete, ob Zahnseide denn auch tatsächlich wirklich relevant für Hygiene und Mundgesundheit ist. Im Blickpunkt der Wissenschaftler standen vor allem Auswirkungen auf Zahngesundheit und Zahnbettgesundheit, insbesondere mit Blick auf die Mundgesundheit der älteren Bevölkerung: Ihr Gewebe reagiert anfälliger auf Belastungen.
Es zeigte sich, dass ältere Menschen eher seltener Zahnseide nutzen als jüngere, und von den Nicht-Anwendern nutzten weniger Menschen die regelmäßigen Kontrolltermine bei ihrem Zahnarzt. Deutlich wurde, dass vor allem Frauen und Menschen mit höherem Bildungsgrad Zahnseide in ihr Mundhygiene-Ritual einbezogen.
Die über 5 Jahre laufende Studie, die auch weitere Entwicklungen berücksichtigen konnte, legte klar einen Zusammenhang zwischen Zahnseide-Nutzung und deutlich besser Mundgesundheit dar. Zahnseide-Nutzer neigten zudem deutlich seltener zu Zahnverlust als die Vergleichsgruppe. Die Wissenschaftler empfehlen den Praxen, so früh wie möglich Zahnseide als festen Bestandteil in die Mundhygiene-Instruktionen mit aufzunehmen, und den Patienten, sie fest in ihr persönliches Zahnputz-Ritual zu integrieren.

Implantate: Gibt es eine Titanallergie?

Es ist keineswegs so, dass Wissenschaft und Praxis in der Zahnmedizin Beobachtungen und Erfahrungen von Patienten mit Materialien oder Behandlungsschritten nicht ernst nehmen: Auch wenn nicht jede „Befindlichkeit" eine fachliche Prüfung beispielsweise durch eine Studie nach sich zieht, gibt es doch immer wieder sehr ernst zu nehmende Hinweise wie beispielsweise zu Verträglichkeiten. In den implantologisch tätigen Praxen hören die Teams manchmal (wenn auch sehr selten), dass ihre Patienten meinen, eine „Titan-Allergie" zu haben. Titan ist das nach wie vor häufigste, zudem am besten erforschten Material für Zahn-Implantate. Ende September dieses Jahres hat sich eine Wissenschaftlergruppe in der DGI, der Fachgesellschaft für Implantologie, zu genauso einem Punkt ausgetauscht: Was passiert im Körper, wenn Patienten meinen, eine Titan-Allergie zu haben? Die Moderatorin der Expertenrunde, Dr. Lena-Katharina Müller (Universität Mainz) berichtete darüber kürzlich in einer Zahnärztezeitung. Deutlich wurde: Eine klassische Allergie auf Titan gibt es nicht, eine Titan-Unverträglichkeit kann aber sehr wohl vorkommen. Grund: Während das Implantat selbst aus reinem Titan besteht, handelt es sich bei der Tragekonstruktion für die Zahnkrone aber um einen Materialmix für die bedarfsgerechte Stabilität. Es kann insofern, so die Wissenschaftlerin, tatsächlich auf manche Inhaltsstoffe einer solchen Legierung allergisch reagiert werden. Eine Werkstoff-Allergie ist leicht zu testen und bei entsprechend bekannten Allergiepatienten im Vorfeld der Behandlung sinnvoll. Schwieriger ist es mit einer „Unverträglichkeit", passende Tests gibt es nicht, insofern bleiben eine gute Anamnese und Befunderhebung wichtig. Da manche Symptome, die Patienten ihrem Implantat zuweisen, bekannt sind für eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen, sollte – so die Wissenschaftlerin – eine Explantation erst dann erfolgen, wenn keine anderen möglichen Ursachen in Frage kommen. Alternativ kann bei entsprechender Ausgangslage beim Patienten bei der Implantation auch auf eine Implantat-Alternative aus Keramik zurückgegriffen werden.

Studie: sauber – aber nicht rein

Nicht nur Zahnärzte erleben immer wieder, dass Patienten von regelmäßiger und sorgfältiger Mundhygiene berichten – und trotzdem sind die Zähne nicht wirklich sauber und neigen zu Schäden. Auch Patienten selbst erleben manchmal Zahnbelag-Folgen wie Mundgeruch, obwohl sie doch gerade erst Zähne geputzt hatten. Solche Erfahrungen hat ein Forscherteam zum Anlass genommen, sich der Frage zu widmen, warum guter Wille bei der Zahnpflege allein nicht reicht. In manchen Familien werden die Zähne täglich mehrfach geputzt – und trotzdem sind sie nicht sauber. Woher kommt das? Die Gießen-Marburger Forschungsgruppe prüfte daher, inwieweit die Probanden die klassischen Mundhygiene-Empfehlungen überhaupt umsetzen konnten: Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen, Zahnzwischenräume – und nicht zuletzt Wischen statt Schrubben. Es zeigte sich, dass die Kinder die Innenflächen deutlich zu kurz reinigten und die Außenflächen eher schrubbten als sie sanft wischend zu reinigen. Nur: Die Fähigkeiten ihrer Eltern erwiesen sich als kaum besser: Fast jede dritte Zahnbelag-Messstelle am Zahnfleischrand war auch nach dem Zähneputzen nicht wirklich sauber. Der Zusammenhang von Zahnputzverhalten der Eltern und dem der Kinder erwies sich als überdeutlich. Die Wissenschaftler empfehlen, so eine Fachzeitschrift, auch die Eltern in entsprechende Prophylaxe-Schulungen mit einzubeziehen.

„Kreidezähne“: Antibiotika in der Diskussion

Bereits seit vielen Jahren wird intensiv nach der Ursache der sogenannten „Kreidezähne" gesucht – fachlich: MIH / Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation. Das bedeutet, dass der Zahnschmelz der Kinder nicht stabil „gewachsen" ist und bröckelt. Die Ursache scheint von innen und nicht von außen zu kommen – so weit sind sich die Wissenschaftler heute einig. Insofern gilt der Frage, was „von innen" für die Schmelzstörung verantwortlich sein könnte, die derzeit intensivste wissenschaftliche Arbeit. Wie der „BARMER Zahnreport" vor einiger Zeit aufgrund vorgefundener statistischer Zusammenhänge darstellte, könnten Antibiotika-Gaben in der Wachstumszeit der Kinder zu solchen Zahn-Entwicklungsstörungen führen. Diesem Gedanken folgen derzeit mehrere Forschungsteams – aber auch Kinder- und Jugendärzte, die kürzlich darauf hinwiesen, so eine zahnärztliche Fachzeitschrift, dass daraus keine Umkehrschlüsse gezogen werden dürfen, nun gar keine Antibiotika mehr zu verordnen: Nach wie vor gebe es schwere und die Entwicklung des Kindes belastende Erkrankungen, die dringend der Antibiotika-Therapie bedürfen. Wichtig sei aber, diese auch nur dann einzusetzen, wenn Abwarten und Alternativen keine wirkliche Option sind. Nicht zuletzt die Erkenntnisse rund um die „Kreidezähne" machten deutlich, dass mit noch mehr Verantwortung als bisher schon solche Medikamente eingesetzt werden sollten.

Parodontitis: Allgemeingesundheit immer wichtiger

Mit den zunehmenden Erkenntnissen rund um die Zusammenhänge von Parodontitis und Allgemeingesundheit verändert sich nicht nur der Blick auf die Auswirkungen, die die bakterielle Zahnbettentzündung auf die Allgemeingesundheit hat: Hier sind bereits viele enge Verbindungen zu Diabetes, Herzerkrankungen und Stoffwechselstörungen bekannt und gut dokumentiert. Mehr und mehr richtet sich der Blick der zahnmedizinischen Wissenschaft nun aber auch auf die umgekehrte Fragestellung: Wie ist der Allgemein-Gesundheitszustand eines Patienten, der eine Parodontitis entwickelt? Warum kann sich die Parodontitis bei diesem Patienten entwickeln, und muss man diesen Patienten anders behandeln als andere? Entsprechendes Wissen hat großen Einfluss auf die Ausbreitung von Zahnbettentzündungen in der Bevölkerung, aber auch auf die Entwicklung einer passgenaueren Therapie. Dass das Geschehen rund um die Parodontitis nicht nur im Mund eine Rolle spielt, sondern alles zusammen betrachtet werden muss, machte vor wenigen Wochen Prof. Dr. Moritz Krebschull aus dem Entwicklerteam der neuen Parodontitis-Leitlinie in einem Fachzeitungs-Interview deutlich. Beispielsweise zeige dieser Denkansatz, dass eine Therapie auf zwei Wegen statt einem erfolgen sollte – einerseits hinsichtlich der Situation im Mund, andererseits aber auch hinsichtlich der allgemeingesundheitlichen Risikofaktoren.

Kieferorthopädie: Was passiert in der Zellbiologie?

Was im Kiefer passiert, wenn durch ausgeübten Druck auf die Zähne ein Zahn von seinem Platz ein Stück weiter an die geplante Ziel-Position wandert, wussten die Fachzahnärzte für Kieferorthopädie aufgrund ihres langjährigen spezifischen Aufbaustudiengangs schon immer. Mit weiter voranschreitender Untersuchungstechnik wird aus dem Wissen, wie und dass es funktioniert, auch ein Wissen, wie genau es funktioniert. Für eine wissenschaftliche Arbeit zu diesem „wie genau" ist kürzlich Prof. Dr. Anna-Christin Konermann, Universität Bonn, von der kieferorthopädischen Fachgesellschaft DGKFO (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) mit einem hochwertigen Preis ausgezeichnet worden. Sie hatte die Prozesse mit Blick auf zellbiologische Vorgänge untersucht. Ihr Fokus lag dabei auf der Reaktion bestimmter Zellbereiche, die von den Zahnbewegungen berührt werden. Die Arbeit machte deutlich, wie sich die Zellen und das Zahngewebe vor den Überlastungen durch den kieferorthopädischen Druck schützen. Einerseits kann man mit den Erkenntnissen also besser erkennen, wie man mögliche Überlastungs-Schäden verhindern kann – andererseits bieten sie aber vielleicht auch Potential für ganz neue kieferorthopädische Verfahren. Die wissenschaftliche Arbeitsgruppe um Professorin Konermann wird das Studienthema weiter vertiefen.

Plaque: Zusammensetzung relevant

Mit den vertieften Möglichkeiten der moderner werdenden Forschung stellen sich auch manche bisherigen Themen neu dar, Beispiel: der Zahnbelag, fachlich „die Plaque". Über sehr viele Jahre ging man davon aus, dass „die Plaque" kariogen ist, heißt: den Zahnschmelz schädigt. In der Plaque vorkommende Bakterien haben einen Stoffwechsel, und die ausgeschiedenen Säuren lösen die marmorartige obere Zahnschicht auf. Das ist nach wie vor nicht falsch, jedenfalls nicht ganz falsch: Auch heute ist der Zahnbelag der relevante Faktor beim Kariesgeschehen. Ist er regelmäßig entfernt, haben die Zähne eine sehr gute Chance, gesund zu bleiben. Nur sieht man die Plaque selbst heute mit etwas differenzierenden Augen: Wie Dr. Lutz Laurisch, Präventionszahnmediziner, kürzlich in einer zahnärztlichen Fachzeitung berichtete, interessieren sich die Wissenschaftler inzwischen vor allem für die Zusammensetzung des Zahnbelags, darunter für die Frage, wie hoch der Anteil an säurebildenden Keimen ist. Um die Zusammensetzung zu bestimmen, biete sich eine Speicheldiagnostik an, sagte der Zahnmediziner. Entsprechende Ergebnisse bilden die Grundlage für eine Kariesprophylaxe, die über die rein mechanische Entfernung des Zahnbelags hinausgeht. Je nach Ergebnis könne eine vertieft diagnosebasierte individualisierte Prophylaxe für den Patienten entwickelt werden.

Kinder: zu viel Zucker, zu ungesunde Ernährung

Ernährung spielt nicht nur für die Allgemeingesundheit eine große Rolle, sondern sowohl direkt als auch indirekt für die Mundgesundheit. Insbesondere Kinder in der Wachstumsphase benötigen daher eine Ernährung, die die natürlichen Entwicklungsprozesse in der richtigen Richtung unterstützen. Leider ist das in Deutschland nicht wirklich Alltag: Wie eine Studie von Foodwatch und der Deutschen Allianz ergab, haben trotz vielfacher Hinweise von Wissenschaft und Kinder(zahn)medizin rund 85 Prozent aller Kinderprodukte einen überhöhten Anteil an Zucker. Auch enthalten diese Produkte zu viel Salz und zu viel Fett. Nach den Richtlinien der WHO sollten solche Produkte nicht für Kinder angeboten werden. Die Bundeszahnärztekammer beispielsweise hatte bereits im Jahr 2018 konkrete Forderungen für Kindernahrungsmittel erarbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt, darunter beispielsweise die Aufforderung, nicht zuletzt hinsichtlich des Zuckergehaltes der Produkte eine für Laien verständliche Kennzeichnung aufzubringen. Grundsätzlich müsse der Zuckergehalt in Kindernahrungsmitteln erheblich gesenkt werden. Es sei bedauerlich, so die Bundeszahnärztekammer aktuell, dass der Appell an einen freiwilligen Zuckerverzicht und ausreichende Kennzeichnung bislang nicht gefruchtet habe.

Pandemie: mehr Bruxismus durch Stress?

Wer in den Zeiten der Pandemie nach „Zähneknirschen" oder dem Fachbegriff „Bruxismus" googelt, wird feststellen, dass Informationen dazu sehr oft abgefragt werden. Türkische Wissenschaftler haben das Suchverhalten gezielt überprüft und sich der Frage angenommen, welche Rolle Zahn- und Kiefer-Fehlbelastungen in der Pandemie spielen. Zwischen Mai und Oktober 2020 wurden Begriffe wie „Zähneknirschen" demnach 25 mal häufiger in das Suchfester eingegeben als im Vergleichszeitraum 2016 bis 2019. Verwundert war die Wissenschaftler-Gruppe nicht, denn diese herausfordernde Zeit führte bei vielen Menschen zu erheblichem Stress, und der Zusammenhang von Stress und Knirschen ist vielen Betroffenen auch bewusst. Die wirtschaftliche und/oder psychische Belastung sei für viele Menschen enorm gewesen, so das Forscherteam, zudem habe offenbar auch der Alkoholkonsum zugenommen, der seinerseits zu Fehlbelastungen des Kausystems führen könne. Die erhöhte Suchanfrage sei allerdings kein Beleg dafür, dass Knirschen und Zähne pressen auch tatsächlich zugenommen habe – aber ein Indikator dafür, dass die Menschen sich stark unter Stress fühlten.

Wurzelbehandlung: Ja – trotz Ängsten?

Zum Thema Wurzelbehandlung sind nach wie vor in der Bevölkerung viele schmerz-assoziierte Vorurteile präsent – in der Regel stammen sie aus „alten Zeiten", in denen an die nachhaltigen und vergleichsweise eher sanften Verfahren von heute noch gar nicht zu denken war. Gewandelt hat sich aber nicht nur die Technik und die wissenschaftliche Erkenntnis, sondern auch das Wertebild zur Bedeutung der körpereigenen Materialien gegenüber dem Einsatz von Fremdstoffen als Ersatzprodukt. Das wird besonders an einer Studie Göttinger Wissenschaftler deutlich, die Patienten nach einer Wurzelbehandlung fragten, ob sie diese – trotz mancher unterschiedlich intensiv erlittenen Schmerzen – noch einmal durchführen lassen würden. Das Ergebnis, über das ein zahnmedizinisches Fachmagazin berichtete, zeigt: Fast 90 % aller Befragten würden sich trotz aller Belastungen erneut für eine Wurzelbehandlung entscheiden. Der möglichst lange Erhalt des natürlichen Gewebes wurde ebenso gut bewertet wie die Aspekte Kosten, Aussehen und natürliche Kaufähigkeit. Die Wissenschaftler empfehlen aufgrund der Rückmeldungen, für eine Wurzelbehandlung nicht zuletzt auf diese Behandlungsform besonders ausgerichtete Praxen aufzusuchen.

Implantate: Werden sie Kassenleitung?

Viele Patienten, die vor einer Zahnersatzversorgung stehen, sehen sich auch mit Kostenaspekten konfrontiert: Was bleibt nachher unter dem Strich auf der Rechnung übrig, das selbst bezahlt werden muss? Was übernimmt die gesetzliche Krankenkasse (GKV) und was nicht? Die Frage, ob die GKV nicht auch Kosten für eine Implantatversorgung übernehmen sollte, wird schon diskutiert, seit es die ersten Zahnimplantate gibt – und bisher immer verneint. Auch ganz aktuell gibt es hierzu eine klare Position: Kosten für Zahnimplantate dürfen in aller Regel nicht von der Solidargemeinschaft, der GKV, erstattet werden, so das kürzlich ergangene Urteil des Bundessozialgerichtes in Kassel. Bisher hat keine Klage auf Anerkennung einer vorliegenden Ausnahmevoraussetzung dazu geführt, dass Implantate als Form der Zahnersatzversorgung neu in den Leistungskatalog der GKV übernommen wurden. Das Gericht stellte sogar fest, dass im Fall einer Unverträglichkeit konventioneller Zahnersatzversorgung kein Anspruch auf die Erstattung der Kosten für eine Implantatbehandlung bestehe, das Gesetz mute den Bürgerinnen und Bürgern sogar dezidiert Zahnlosigkeit zu. Das sei hart, so der Richter, aber bestehende Gesetzeslage.

Parodontitis: Wer ist besonders gefährdet?

Wie bei den meisten Erkrankungen ist es auch bei der Parodontitis, der Zahnbettentzündung, so, dass nicht alle Menschen das gleiche Risiko haben, eine solche Gesundheitsstörung zu entwickeln. Diesen Gedanken haben sich kürzlich US-amerikanische Forscher gewidmet und die Fragestellung in einer Studie beantwortet. Zuerst einmal wurde deutlich, dass die Gingivitis, die Zahnfleischentzündung, ein wichtiger Marker ist: Wer leichter eine schwere Gingivitis entwickelt, hat auch ein größeres Risiko für eine Parodontitis. Grund für die unterschiedlich starken Reaktionen auf bakterielle Belastungen ist einerseits eine andere Ausgangslage bei der bakteriellen Zusammensetzung in den Zahnbelägen (eine biologische Gemeinschaft) und andererseits in der Kombination der Abwehrwehr-Stoffe, die beginnende Entzündungen in den Griff bekommen sollen. Wie sich zeigte, haben Menschen eine unterschiedliche Neigung, riskante Zahnbeläge zu entwickeln, und sie zeigen ein unterschiedlich aufgestelltes Immunsystem, um Entzündungen abzuwehren. Bei manchen Menschen entwickelt sich riskante Plaque sehr langsam und ihr Immunsystem kann hier gut gegensteuern. Bei anderen Menschen mit anderer Disposition ist es genau umgekehrt. Relevant ist das Wissen insofern, als nicht alle potentiellen Parodontitis-Patienten das gleiche Risiko des Fortschreitens haben und manche Patienten eine schnellere Intervention benötigen, als andere.

Weiche Nahrung: praktisch, aber folgenreich?

Weiche Nahrung erfordert wenig Kauaufwand und ist, in manchem Lebensalter und bei entsprechender Kaufähigkeit, fast der einzige Weg, über den Mund ausreichend Ernährung zu sich zu nehmen. Mit dem Ergebnis, dass genau dadurch Einschränkungen der Kaufunktion entwickelt werden können. Das jedenfalls legt eine japanische Studie nahe, die sich mit der Frage befasst, was das Gehirn lernt, wenn insbesondere in der Wachstumsphase von Mund- und Gesicht vor allem weiche Nahrung aufgenommen wird. Deutlich wurde: Das Gehirn wird falsch beeinflusst. Im Tierversuch zeigte sich, dass nach wochenlanger weicher Kost gegenüber harter Kost, die zum Kauen anregt, die Tiere der erstgenannten Gruppe eine verkleinerte Mundöffnung aufwiesen, die Mund-/Kiefermuskulatur anders funktionierte und die Kiefergelenke belastet waren. Deutlich wurde, dass die Kiefermuskulatur weniger spezifische Fasern enthielt. Auf der Hand liegt insofern, dass feste Nahrung und notwendiges ausreichendes Kauen einen erheblichen Einfluss hat auf das gesunde Wachstum und Funktionieren des Mundes und damit für die natürliche Aufnahme lebenswichtiger Nährstoffe.

Kluge Deutsche? Bei Mundhygiene eher weniger.

Ein renommiertes Marktforschungsunternehmen hat vor einiger Zeit in Deutschland, Frankreich, Spanien, Russland und Großbritannien Menschen zu Wissen rund um die Zusammenhänge von Mundgesundheit und Allgemeingesundheit befragt und die Ergebnisse der Studie nun vorgestellt. Während in Deutschland nicht einmal zwei von drei Befragten die Bedeutung der Mundgesundheit für die Allgemeingesundheit bekannt waren, lagen die Werte hier für die meisten der anderen Länder bei deutlich über 80 Prozent. Nicht einmal jedem zweiten Deutschen ist bewusst, dass eine sorgsame Mundhygiene das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich reduzieren kann – auch hier sind die Spanier und die Franzosen besser informiert. Gerade mal ein Drittel der in Deutschland Befragten wusste, welche Rolle Mundhygiene bei einer gesunden Schwangerschaft spielt – einer der international niedrigsten Werte. Und besonders eindrucksvoll: Im weltweiten Vergleich zweifelten an meisten die Deutschen (15 %) an einem wissenschaftlich belegten Verhältnis von Ursache und Wirkung. Was sich aber überall zeigte: Wissen steigert die Eigenverantwortung. Je mehr die Befragten über Zusammenhänge von Mundgesundheit und Allgemeingesundheit wussten, desto häufiger nutzen sie auch die Angebote der Zahnarztpraxis.

Warum Zahnmedizin studieren? Studie erhielt Preis

Mit dem Hirschfeld-Tiburtius-Preis des Verbandes der Zahnärztinnen (VDZÄ-Dentista) wurde kürzlich eine Dissertation am Universitätsklinikum Ulm ausgezeichnet: Grundlage für Preisvergabe sind Forschungsarbeiten, die geschlechterspezifische Aspekte rund um die Zahnmedizin und damit Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung zum Inhalt haben. Die in diesem Jahr ausgezeichnete Arbeit von Dr. Sandra Tanyeri widmete sich dem Aspekt der Motivation zur Aufnahme eines Zahnmedizinstudiums – und zwar im internationalen Vergleich von Deutschland, Finnland und der Türkei. Es zeigte sich, dass der in Deutschland festgestellte hohe Anteil an weiblichen Zahnärzten (derzeit deutlich über 50 Prozent) auch international ein vergleichbarer Trend ist.  Der hohe Anteil an Zahnärztinnen beeinflusse die Haltung zur Berufswahl und auch zur Berufsausübung, so die Dissertation. In Deutschland zeige sich bei Zahnärztinnen eine hohe Neigung zu präventiven und nicht-chirurgischen Behandlungsverfahren, während operative Eingriffe eher eine männliche Domäne seien. Überraschend sei, die Autorin, dass dies in Finnland und der Türkei ähnlich deutlich zu sehen sei. Auch klassische Rollenmuster wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf waren in den verglichenen Ländern vergleichbar. Die Möglichkeiten, Aspekte wie „Menschen helfen", aber auch persönliche Bedürfnisse wie Familie und Berufsausübung gut einteilen zu können, führten in allen drei Ländern zur Entscheidung für die Zahnmedizin. Konsequenz, so der Verband, sei, dass für chirurgische Verfahren mehr motivierende Fort- und Weiterbildung notwendig sei.

„LKG“: eine der häufigsten angeborenen Fehlbildung

Wie ein Artikel in einer großen deutschen Fachzeitschrift darstellt, gehört die LKG zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen: LKG steht für Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Man geht davon aus, dass ungefähr 15 Prozent aller angeborenen Fehlbildungen diese Entwicklungsstörung im Gesicht betreffen. Ein Wissenschaftler-Team der Universität Bonn hat sich des Themas angenommen, um herauszufinden, warum diese Fehlbildung so häufig ist – und damit auch, wie man diese Fehlbildung vielleicht vermeiden kann. Bereits deutlich ist, dass die Erbanlagen rund 90 Prozent an der Entwicklung einer LKG ausmachen – wobei die Sache insofern kompliziert wird, dass es nicht nur ein Gen ist, das dafür verantwortlich zeichnet, sondern eine Reihe von Erbanlagen zusammenkommen müssen. Das Ergebnis der Untersuchung an der Universität Bonn bringt die Erkenntnisse insoweit weiter, als nun spezielle Risikogruppen unter den Erbanlagen identifiziert werden konnten, die zu einer LKG-Entwicklung beitragen können. Eine Klärung und damit auch mögliche Lösung ist aber noch in weiter Ferne: Die Prozesse rund um die Erbanlagen, die „Bauplanungen" der Proteine, ihre Rolle und das Zusammenspiel spezifischer Faktoren erfordert noch erhebliche weitere Forschungsarbeit. Trotzdem sind die Erkenntnisse deutlich weiterführend: DNA-Bereiche und Genmutationen, die für Fehlbildungen im Gesicht verantwortlich sind, konnten weiter eingekreist werden.

Vermeidbar: Zahnlosigkeit im Alter

Wie Prof. Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, gegenüber der Presse vor einigen Tagen verdeutlichte, ist es heute möglich, Zahnlosigkeit im Alter zu vermeiden. Während früher auf Fotos oder Gemälden alte Menschen an eingefallenem Kiefer und einem eingezogenen Mund erkennbar waren, ist es heute nicht selten, dass auch in sehr hohem Alter noch mit vielen eigenen Zähnen gelächelt werden kann. Wichtig sei, dass bereits im Anfangsstadium eine sich entwickelnde Parodontitis behandelt wird – so kann das Zahnbett, der Zahnhalteapparat stabil bleiben und Zahnausfall verhindert werden. Während sich bei jüngeren Menschen die Karies oft auf der Zahnfläche zeigt, bei Backenzähnen auch auf der Kaufläche, sind bei älteren Menschen mit natürlichen Zähnen aufgrund des biologischen Rückgangs von Knochen und Zahnfleisch oft die empfindlichen Zahnhälse oder teilweise ungeschützt stehende Zahnwurzeln betroffen – auch hier lässt sich durch regelmäßige zahnärztliche Betreuung und gute häusliche Mundhygiene eine Schädigung der Zähne gut eindämmen oder vermeiden. Manche älteren Patientinnen und Patienten seien zwar an ihre Zahnbürste gewöhnt, aber noch nicht an den regelmäßigen Einsatz von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen: Hier sei es Aufgabe der Praxis, die Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen für die große Chance zu begeistern, auch in höherem und hohem Alter noch mit eigenen Zähnen „kraftvoll zubeißen" zu können.

Medikamente: Folgen für die Mundgesundheit

Kaum ein Mensch, der nicht das eine oder andere Medikament im Haus hat – je nach Gesundheitszustand ist es oft auch eine ganze Sammlung. In der Regel werden diese Medikamente für körperliche Beschwerden oder Krankheiten eingesetzt. Kaum ein Nutzer fragt sich allerdings, was diese Medikamente für Auswirkungen auf die Mundgesundheit haben. Genau diese Frage aber stellte sich kürzlich eine US-amerikanische Forschergruppe. Sie prüfte die Patientenunterlagen von über 11.000 Personen über 18 Jahre hinsichtlich der Einnahme von Arzneimitteln. Dabei stellten sie fest, dass mehr als jeder zweite Patient mindestens ein Medikament regelmäßig einnimmt, unter den jüngeren Menschen im Alter 18 – 24 Jahre waren es 12 Prozent, in der Folgealtersgruppe 25 – 34 Jahre schon 20 Prozent. Bei dieser jüngeren und jungen Altersgruppe handelte es sich am häufigsten um Antidepressionsmedikamente und Opioide, also stark schmerzlindernde und beruhigende Produkte. Beide Arzneimittel haben als sehr häufige Nebenwirkung Mundtrockenheit, die keine Bagatelle ist: Eine gestörte Mundfeuchtigkeit befördert Karies und Zahnfleischentzündungen. Die älteren Patienten nutzen vorwiegend Medikamente gegen Bluthochdruck, Diabetes und hohen Cholesterinspiegel. Während Zahnärzte davon ausgehen, dass bei älteren Patienten mit Medikamenteneinnahme und entsprechenden Nebenwirkungen zu rechnen ist, würde häufig übersehen, so die Forscher, dass auch jüngere und junge Patienten entsprechend befragt werden sollten, um unerwünschte Nebenwirkungen bei der Behandlung berücksichtigen zu können. Vor einer zahnärztlichen Behandlung sollten Patienten überprüfen, ob ihr hinterlegter Anamnesebogen noch aktuell ist.

Implantat geplant: Hilfen fürs Einheilen

Um zu verstehen, warum bei einer künstlichen Zahnwurzel, dem Implantat, manches anders sein muss als es bei der natürlichen Zahnwurzel war, muss sich vorstellen, wie beispielweise die eines Backenzahnes aussieht: Oft gibt es sogar vier Wurzelspitzen, die den Zahn, zusammen mit entsprechend vielen Haltefasern, im Kieferknochen fest verankern. Das Implantat dagegen ist quasi „einbeinig". Ist der frühere Zahn entfernt, ist die Lücke im Kieferknochen meist größer als der Platzbedarf des Implantates – zumal, wenn durch die Erkrankung des Zahnbettes das umliegende Gewebe auch schon entzündet war und sich aufgelöst hat. Das macht deutlich, dass an der Insertionsstelle, wo das Implantat stabil stehen soll, „Füllstoffe" (Augmentate) benötigt werden, um den überzähligen Raum auszufüllen und dem Implantat eine Stütze zu geben. Wie eine große Fachzeitschrift kürzlich berichtete, schreiten auch hier die Entwicklungs- und Erkenntnisprozesse erheblich voran, denn der Körper darf die Augmentate ja nicht abstoßen. Das Implantat muss sich zudem mit dem Augmentationsmaterial verbinden und über verschiedene Zellen mit dem Körper zusammenwachsen. Solche Augmentate gibt es in verschiedenen Materialgruppen, aus tierischen Zellen bis hin zu künstlich hergestellten Produkten. Wenn es möglich ist, nutzt das Behandlungsteam bevorzugt „autogenes" Füllmaterial, das dem Körper des Patienten entnommen wurde und meist besonders gut vom Kieferknochen angenommen wird. Noch eher neu ist Knochenersatzmaterial aus körpereigenem Dentin, einem natürlichen Bestandteil des Zahnes. Was gerade für den individuellen Fall der beste Weg ist, erfährt der Patient durch sein spezialisiertes Praxisteam.

Gender: ein Thema für die Zahnmedizin?

Die Frage, ob Gender-Aspekte in der Zahnmedizin relevant sind, ist längst beantwortet: Seit mehr als zehn Jahren gibt es in Deutschland eine eigene wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich geschlechterspezifischen Aspekten in der Zahnmedizin widmet. Dabei geht es anders als in der „soziologischen" Gender-Debatte nicht um „Sternchen" oder weitere sprachbezogene Ansätze, sondern vor allem um handfeste medizinische und biologische Unterschiede. Was anfangs nicht nur die schon etwas ältere Gender-Medizin verwunderte, dass nämlich solche Unterschiede auch in der Zahnmedizin relevant sind, ist längst zum gemeinsamen Wissens-Gemeingut geworden: Wie ein vor Kurzem erschienenes Fachbuch der Ulmer Wissenschaftlerin Prof. Dr. Margit-Ann Geibel aufzeigt, sind geschlechtsspezifische Besonderheiten von deutlicher Relevanz und die Sachkenntnis darüber ein unlösbarer Teil der evidenzbasierten Zahnmedizin. Nicht ohne Grund hat die Vereinigung der Medizinstudenten kürzlich die Aufnahme von Gender-Aspekten in Studium und Lehre eingefordert. Allein die unterschiedlichen hormonellen Faktoren von Männern und Frauen und der dadurch unterschiedliche Wundheilungsprozess sowie die unterschiedliche Wirkung von Medikamenten machen eine geschlechtersensible Betrachtung bei Diagnose und Therapie relevant.

Kieferprobleme: Schiene, Yoga oder Gymnastik?

Forscher einer New Yorker Universität haben 125 weibliche Patienten mit schmerzhaften Problemen im Kiefergelenk und in den benachbarten Muskeln zu ihren Erfahrungen mit der vorgenommenen nicht-medikamentösen Behandlung befragt. Dabei wollten die Wissenschaftler erfahren, welche Verfahren die Patientinnen nutzten und wie sie deren Erfolg bewerteten. Wie ein Fachjournal berichtete, wurden die oft von starken Schmerzen geplagten Frauen unterschiedlich therapiert: Fast 60 Prozent erhielten ein orales Gerät wie beispielsweise eine spezialisierte Schiene, 54 Prozent physiotherapeutische Maßnahmen und 34 Prozent lernten Kieferübungen, die sie zuhause machen konnten. 20 Prozent wurden mit Akupunkturverfahren behandelt, 18 Prozent von einem Chiropraktiker „eingerenkt", bei 14 Prozent gab es Injektionen in sogenannte Triggerpunkte, 7 Prozent machten Gymnastik- oder Yoga-Übungen, 6 Prozent erlebten Meditations- oder Atmungs-Therapie, und die meisten nutzen im Schnitt etwas über zwei Verfahren parallel. Wiewohl nicht leicht zuzuordnen war bei den Kombinationsverfahren, was den weiblichen Patienten letztlich die beste Hilfe brachte, gab es bei der subjektiven Befragung doch eine Überraschung für die Wissenschaftler: 84 Prozent der Patientinnen berichteten, dass Selbsthilfemaßnahmen von Yoga über Gymnastik, Mediation und Wärmekompressen bis hin zu Massagen die beste Schmerzlinderung erreichten – gegenüber nur 64 Prozent, die eine spezifische Aufbiss-Schiene als überlegen erachteten.

Implantate: gleich – oder später?

Wer sich als Patient mit dem Thema Zahnimplantate erstmals befasst, könnte den Eindruck gewinnen: Es ist immer der gleiche Ablauf. An den Platz, an dem bislang die natürliche Zahnwurzel stand, wird nun die künstliche Zahnwurzel, das Implantat gesetzt. Das ist insoweit auch richtig – aber sehr verkürzt, denn je nach Ausgangssituation gibt es, wie gerade ein Fachjournal darstellte, insgesamt sogar vier recht unterschiedliche Vorgehensweisen: die Sofortimplantation, die Frühimplantation nach Ausheilung des Weichgewebes, die Frühimplantation nach Regeneration des Hartgewebes und die Spätimplantation. Zwischen Sofortimplantation und Spätimplantation können gut und gern mehr als 16 Wochen Zeit liegen. Das sind Zeitfenster, die die Zahnärzte nicht nach den Wünschen der Patienten ausrichten können, sondern sie richten sich nach der Biologie: Das Implantat soll ja gut und stabil einheilen und möglichst sehr viele Jahre halten – und dafür braucht es eine biologisch stabile Voraussetzung. Da die Patienten aber eine möglichst rasche Versorgung bevorzugen, wird im Bereich Sofortimplantation auch besonders viel geforscht. Wer vor einer Behandlung steht, wird von seinem Praxisteam daher entsprechend zu verschiedenen Möglichkeiten der Verbesserung der Ausgangslage der Implantatstelle informiert.

Covid-19: Wie zeigt sie sich im Mund?

Die Fachzeitschrift „Zahnärztliche Mitteilungen" hat kürzlich eine Übersicht veröffentlicht mit Hinweisen darauf, wo und wie sich Covid-19 im Mund zeigt. Ausgewertet hat eine brasilianische Studie bisher Daten von fast 85.000 Patienten (40 % davon aus Europa), die Studie wird kontinuierlich fortgesetzt. Nach den bisherigen Ergebnissen leiden die Patienten vor allem unter zwei mundbezogenen Problemen: Geschmacksstörungen und Mundgeruch. Geschmacksstörungen unterschiedlicher Art zeigten sich bei rund 40 % der Erkrankten. Noch wichtiger halten die Wissenschaftler das Symptom Mundtrockenheit, das auch noch häufiger vorkam, nämlich bei 43 % der untersuchten Patienten. Nach Einschätzung der Forscher könnte Mundtrockenheit, die bereits in sehr frühem Stadium bemerkt wird, sogar ein Marker für eine mögliche Covid-19-Erkrankung sein, zumindest sollte man, wenn man unter Mundtrockenheit leidet und vielleicht weitere auf eine Infektion hindeutende Symptome zeigt, auf das Vorhandensein einer Covid-19-Erkrankung testen. Zu den weiteren Symptomen, die die Wissenschaftler entdeckten, gehörten Mundgeruch und unterschiedliche Veränderungen an der Mundschleimhaut. Fundiert aussagekräftige Daten zu den Mundschleimhautschädigungen fehlen dazu aber noch.

Schlaf-Apnoe: Manchmal geht nur eine OP

Für die Behandlung einer Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer, die weit riskanter sind als reines Schnarchen), gibt es mittlerweile verschiedene Möglichkeiten: Sie reichen von kleinen Geräten, die die Zungenposition optimieren, um ein Zurückrutschen in den Rachen und damit Atemeinschränkungen zu verhindern, bis hin zu aufwändigen Operationen. Dass eine Schlafapnoe unbedingt behandelt werden muss, ist inzwischen auch der Öffentlichkeit bewusst, denn die Folgen behindern nicht nur den Arbeitsalltag, sondern können auch lebensgefährlich werden. Verständlich ist, dass viele Betroffene es lieber mit einer Schiene oder einer anderen Atemhilfe versuchen, manche benötigen auch eine erhebliche Gewichtsreduktion, bei anderen reicht der Verzicht auf gefäßrelevante Genussmittel wie Rauchen und Alkohol. Es gibt aber auch Fälle, wo das alles nicht ausreicht oder nicht umsetzbar ist. Besonders in schweren Fällen kann es notwendig sein, eine grundsätzliche Veränderung des Mund-Gaumen-Bereiches zu erreichen. Die DGMKG, die Fachgesellschaft für  Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen, hat kürzlich darauf hingewiesen, dass solche Eingriffe, die die hinteren Luftwege öffnen, oft auch einen dauerhaften Therapieerfolg ermöglichen, der Atemmasken und andere Hilfsmittel überflüssig macht. Betroffene sollten diese Behandlungsmöglichkeit daher nicht von vorneherein ausschließen.

Weit verbreitet: Herpes simplex-Virus

Bekannt ist das Virus namens Herpes-simplex vor allem durch seine sichtbaren Spuren an den Lippen: Bläschen mit sehr unangenehmen Schmerzen und Begleiterscheinungen, die nicht immer leicht ausheilen. Rund 80 % der Bevölkerung tragen diese Viren in sich, aber nur bei einem Teil, geschätzt 20 %, kommt es auch zu einem sichtbaren Ausbruch der Infektion. Eher neu ist die Erkenntnis, über die der wissenschaftliche Springer Verlag gerade berichtete: Offensichtlich gibt es eine Verbindung zwischen dem Vorhandensein von Herpes-simplex-Typ-1-Antikörpern und der Entwicklung einer Alzheimer-Demenz. Wie die zitierten Studien zeigen, ist ein bestimmtes Protein der Nervenfasern der anschiebende Faktor. Bestätigt wird die Vermutung auch durch das häufige Vorhandensein von Lippen-Herpes bei entsprechenden Patienten mit Alzheimer-Demenz. Die Wissenschaftler regen an, bei entsprechenden Anzeichen von Virusbelastung durch Herpes-simplex eine prophylaktische Impfung vorzunehmen (Herpes-Zoster, Windpocken): So könnte voraussichtlich das Risiko einer Alzheimer-Demenz reduziert werden, entsprechende Tests geben Anlass zu der Vermutung, dass das gelingen könnte.

Tag der Zahngesundheit: „Zündstoff“ im Fokus

Alljährlich weist der „Tag der Zahngesundheit" in Deutschland – immer am 25. September – auf aktuelle Themen hin, die mehr in den Blickpunkt der Bevölkerung rücken sollten. In diesem Jahr geht es um „Zündstoff". Gemeint ist damit einerseits ein Erkenntnis-Zündstoff: Millionen Menschen in Deutschland haben bereits deutliche Anzeichen einer Parodontitis, die man selbst anfangs aber gar nicht bemerkt – und die im fortgeschrittenen Stadium nur schwer zu behandeln und heilen sind, nicht selten dauerhaft zu Gewebe- und Zahnverlust führen. Und zweitens geht es ums Biologische: Parodontitis bedeutet Zahnbettentzündung, und „Zündstoff" einer solchen Entzündung sind spezifische Mund-Bakterien, die sich zu stark ausbreiten konnten und „Taschen" rund um den Zahn geschaffen haben, in denen sie auch von der besten Hauszahnbürste nicht mehr gefunden werden. Die Bakterien führen zum Absterben von Gewebezellen, auch denen, die für den Halt des Zahnes im Kieferknochen zuständig sind.
Zündstoff ist das Thema aber, drittens, auch, weil die Keime nicht im Mund bleiben, sondern über die Blutbahn an viele Organe und in weitere Körperbereiche gelangen und da „zünden", also Entzündungen auslösen können. Ein wichtiges Thema also, das der diesjährige Tag der Zahngesundheit beleuchtet – und das seine Wichtigkeit für alle Tage im Jahr behält.

Parodontitis: der Patient als Partner

Wenn sich das Zahnbett entzündet, eine Parodontitis entsteht, merkt man das als Patient oft sehr lange gar nicht – es kann einige Jahre dauern, bis man eines Tages feststellt: Da hat sich etwas entwickelt, was sofort gestoppt werden muss! Je früher man diesen Moment nutzt, um so sinnvoller, weil eine Parodontitis-Behandlung, zumal in fortgeschrittenem Stadium, ein recht aufwändiger und oft auch langwieriger Prozess ist. Und einer, den man auf jeden Fall angehen sollte, denn ohne medizinisches Eingreifen sind nicht nur erhebliche Schäden an Zähnen und Zahngewebe und Kieferknochen zu erwarten, sondern auch riskante Infektionen an verschiedenen Stellen im Körper: Die krankmachenden Bakterien aus dem Mund finden sich beispielsweise in Herz, Lunge und Gefäßen. Was die Behandlung so anspruchsvoll macht, ist, dass sie nicht mit einem Praxisbesuch erledigt ist und der Patient ein größeres Aufgabenbuch hat, was er alles selbst umstellen und in seinem Alltag optimieren muss. Für jeden Patienten muss ein eigenes, die jeweiligen Risikoumstände einbeziehendes Behandlungsprogramm entwickelt werden, auch für den Patienten selbst und seine häusliche Prophylaxe. Seine Mitarbeit hat einen entscheidenden Anteil daran, ob und wie schnell die Behandlung weitgehend abgeschlossen werden kann. Auch danach ist seine Motivation ein Kernfaktor: Eine lebenslange Kontrolle der Mundgesundheit und intensive Mundhygiene sind ebenso unumgänglich wie überaus lohnenswert.

Zahnfarbe: Kann man was tun?

Für manche Menschen ist Schönheit verbunden mit fast schon leuchtend weißen Zähnen – ein Farbton, der in der Natur überhaupt nicht vorkommt. Normal sind, das betonte kürzlich ein entsprechender Fachbeitrag in einer größeren Zeitschrift, eher gelbliche oder ins Graue gehende Grundfarben. So wie die Hautfarbe „weiß" je nach genetischem Hintergrund unterschiedlich aussieht, sind auch „weiße Zähne" nicht alle gleichermaßen weiß. Hinzu kommen Faktoren, die die Zahnfarbe verändern oder abdunkeln: Wird mit zunehmendem Alter der Zahnschmelz etwas dünner, schimmert mehr gelbliches Zahnbein hindurch. Trinkt man oft pigmentreiche Getränke, lagern sich Farbstoffe als Schicht auf dem Zahn ab und verdunkeln ihn. Auch manche Medikamente und auch antibakterielle Spüllösungen können zu Ablagerungen führen. Der erste Schritt zu helleren Zähnen ergibt sich dabei fast von selbst: In der Zahnarztpraxis werden neben der gesundheitlich betonten Entfernung von Zahnbelägen und möglicherweise Zahnstein die aufgelagerten Pigmente zahnschmelzschonend wegpoliert: Professionelle Zahnreinigung (PZR) heißt das Angebot. Zudem gibt es eine Vielzahl an Aufhellungsmöglichkeiten, die man aber nicht selbst ausprobieren sollte, weil manche auch die Zähne schädigen oder das Zahnfleisch angreifen. Was im eigenen Fall Sinn macht oder auch nicht, und ob der gewünschte Zahnfarbton erreichbar ist und wenn ja, wie oder wie nicht: Auch das erfährt man in seiner Zahnarztpraxis.

Zahnschmerzen: zum Zahnarzt – oder?

Erstaunlicherweise gehen nur zwei von drei Menschen, die Zahnschmerzen haben, zum zuständigen „Facharzt", ihrem Zahnarzt – das zeigt eine repräsentative Umfrage eines deutschen Meinungsforschungsinstitutes, über das eine renommiere deutsche Zahnärzte-Zeitschrift berichtete. Demnach geht zudem jeder dritte Bundesbürger davon aus, dass er keine Probleme mit Zähnen und Zahnfleisch hat oder bekommen könnte. Vier von zehn Menschen schließen für sich aus, dass jemals eine Wurzelbehandlung notwendig werden könnte. Rund jeder Zweite meint, Zahnverlust oder eine Zahnreparatur aufgrund eines Unfalls sei für die eigene Person nicht zu erwarten. Kosmetische Korrekturen halten 85 Prozent der Befragten für überflüssig. Und was machen die Menschen, die bei Zahnschmerzen nicht an Zahnarztbesuch denken? Neun Prozent warten einfach ab, was erfahrungsgemäß in den seltensten Fällen gut geht. 13 Prozent helfen sich zumindest erst einmal mit Schmerzmitteln. Manche andere spülen beispielsweise mit Kamillentee. Eher an die Zahnarztpraxis denken vor allem ältere über 55 Jahre: Von ihnen meldet sich jeder Dritte bei Zahnschmerzen bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt.

Wechseljahre: auch Mundschleimhaut-Folgen

Ebenso wie sich die Schwangerschaft aufgrund hormoneller Veränderungen auf die Mundgesundheit auswirkt, ist dies auch bei den Wechseljahren der Fall: Während in der Schwangerschaft die Östrogen-Produktion zunimmt, fällt sie in der Zeit des Klimakteriums ab. Hormonveränderungen führen im Körper zu vielfältigen Auswirkungen, weil sie ein starkes Steuerungs-Instrument sind vom Herz-Kreislauf-System bis hin zur Gewichtsentwicklung und nicht nur in Bereichen, die die Frauen selber spüren wie Veränderungen im Bereich der Schleimhäute. Eine sinkende Hormonproduktion hat insofern auch Folgen für eine Veränderung der Mundschleimhaut: Sie kann austrocknen und schmerzempfindlich werden. Hinzu kommt, dass eine verminderte Durchfeuchtung und ein Rückgang der Speichelproduktion auch die natürliche Zahnreinigung reduziert und sich leichter Zahnbeläge festsetzen. Auch sind mit fortschreitendem Alter manchmal Dauer-Medikationen notwendig: Unter den Arzneimitteln gibt es viele, die ihrerseits zu Mundaustrocknung führen können. Solche und weitere Entwicklungen, so eine Zahnärzte-Zeitschrift, sollten nicht klaglos hingenommen werden, sondern zu einem Zahnarztbesuch führen, um einerseits die Symptome zu lindern und andererseits sich entwickelnde Krankheiten und Abbauprozesse zu behandeln.

Milchzahnkaries: Prophylaxe statt Narkose

Während die Zahngesundheit bei Kindern im Wechselgebissalter und mit bereits ersten bleibenden Zähnen in den letzten Jahrzehnten ganz erheblich gestiegen ist und ein Kariesrückgang von rund 80 Prozent erreicht werden konnte, bleiben die Milchzähne die „Sorgenkinder" der Zahnmedizin. Aufgrund der erschwerten Kooperationsmöglichkeit und nach wie vor oft ungesunden Ernährung der Kleinkinder standen in vielen Fällen fast komplett zerstörter Milchzahnsubstanz nur Behandlungen unter Vollnarkose zur Verfügung: Einerseits war nur so die Möglichkeit gegeben, die umfangreiche Zahn-Behandlung durchzuführen, andererseits – und hier setzten kürzlich Wissenschaftler der Universität Greifswald an – bietet der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen/GKV auch nur diesen Weg als den üblichen an. Was bedeutet: Vorbeugende Maßnahmen werden mit Kostenübernahmen seitens der GKV nicht unterstützt. Zusammen mit einigen Kassenzahnärztlichen Vereinigungen entwickelten die Wissenschaftler daher ein Programm, vor und nach der Behandlung unter Narkose Intensiv-Prophylaxe-Sitzungen anzubieten und letztlich die Kinder in Regel-Präventions-Programme einzugliedern. Es zeigte sich, dass die Mundgesundheit der betroffenen Kinder im Test-Zeitraum deutlich zugenommen hatte, die Kariesentwicklung eindrucksvoll zurückging und das Angebot auf gute Akzeptanz stieß. Zudem lagen die Zusatzkosten für diese Intensiv-Prophylaxe-Maßnahme im Rahmen der Kosten für eine einzelne Füllung unter Narkose. Ob die Kassen das Angebot übernehmen, ist noch nicht bekannt.

Fluoride oder nicht: Studie zu Wurzeldentin-Karies

Mit dem Angebot fluoridfreier Mundhygiene-Produkte antwortet die Industrie auf Bedarfe mancher Menschen, die zusatzfreie Produkte bevorzugen. Ob diese Produkte ebenfalls, wie die fluoridhaltigen Alternativen, eine karieshemmende Wirkung haben, hat jetzt eine deutsche Wissenschaftlergruppe mit Blick auf die Folgen für das Wurzel-Dentin erkundet. Bisher war bekannt, dass hoch-fluoridhaltige Zahnpasten im Vergleich zu Zahnpasten mit normal hohem Fluoridanteil das Wurzelkariesrisiko bzw. entsprechenden Behandlungsbedarf um 50 % senken konnten. Im Zuge der Prüfung des Dosis-Wirkungs-Effektes wurden verschiedene Fluorid-haltige Zahnpasten mit unterschiedlichem Wirkungsweg verglichen mit Produkten, die dezidiert als fluoridfrei ausgewiesen waren und deren Wirkweise auf Nanohydroxylapatit beziehungsweise mikrokristallinem Hydroxylapatit setzt, ein Konzept, das ebenfalls eine strukturstärkende Wirkung auf die Zahnsubstanz zum Ziel hat. Im Ergebnis zeigten die fluoridhaltigen Zahnpasten eine klare Dosis-bezogene Wirkung, insbesondere im tieferen Dentin-Bereich der Zahnwurzel, aber auch im flacheren Dentin- und Zahnschmelzbereich. Eine vergleichsweise deutlich schlechtere Hemmung der Schädigung der Dentin- und Zahnschmelz-Strukturen zeigte sich dagegen bei den fluoridfreien Produkten. Das Fluorid ging insofern als „Sieger" aus dem Test-Vergleich.

Parodontitis: Folgen in den Arterien

Zu den vielen Bereichen im Körper, in denen Bakterien aus dem Zahnbelag (Plaque) und aus den entzündeten Zahntaschen (Parodontitis) nachweisbar sind und für die sie Risiken mit sich bringen, gehören offenbar auch die Arterien: Das jedenfalls legt eine Analyse französischer Wissenschaftler durch Vergleich verschiedener Studien zu Zusammenhängen der Elastizität der Arterien und drohenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen nahe. Wie sich zeigte, lähmt eine erhöhte Immun-Reaktion als Folge-Effekt der Parodontitis-Belastung die Beweglichkeit der Arterien und lässt sie insofern frühzeitig „altern". Versteifte Arterien gehen einher mit einem erhöhten Risiko für gefäß-bedingte Erkrankungen des Herzens. Auch wenn aufgrund unterschiedlichen Studien-Designs nicht alle Forschungsarbeiten eindeutig relevante Zusammenhänge aufgezeigt hatten, überwiegen, so die französischen Wissenschaftler, die Arbeiten, die einen nachvollziehbaren Effekt parodontaler Bakterien auf die Elastizität der Arterien aufzeigten. Insofern sei es auch aus dieser Erkenntnis heraus ein wichtiger Schritt zur Vermeidung schwerer Erkrankungen und gesundheitlicher Funktionsstörungen, bakterielle Beläge und damit einhergehende Entzündung im Mund zu verhindern beziehungsweise zwecks Beseitigung zu behandeln.

Implantate: Assistenten der Zahnkrone

Wenn über den Behandlungserfolg mit Implantaten gesprochen wird, hört sich das oft so an, als hinge alles vom Implantat, dem „Zahnwurzel-Ersatz" ab. Dabei wird oft vergessen, dass das Implantat letztlich nur der Assistent des Zahnersatzes, der Zahnkrone bzw. der Zahnersatz-Konstruktion ist. Scheitert eine Straßenbrücke, kann das sowohl an den Brückenpfeilern als auch an der Brückenkonstruktion selbst liegen. So ist das auch im Mund. Bei einer Fortbildungsveranstaltung wies daher der Vizepräsident der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaf für Implantologie/DGI, Prof. Dr. Florian Beuer/Berlin, darauf hin, dass ungünstig geplanter Zahnersatz auch bei einem perfekt sitzenden und eingeheilten Implantat zu Komplikationen führen kann. Ein verbreitetes Problem: Beißt der Patient seine Zähne zusammen, um zu erkunden, ob die gegenüberliegenden Zähne dabei störungsfrei zusammenpassen, signalisieren natürliche Zähne aufgrund der vielen Sensoren, mit denen sie mit dem Körper verbunden sind, schon mikrofeinste Missempfindungen. Solche Belastungstests sind mit einem implantat-getragenen Zahnersatz schwieriger: In diesem Fall fehlen die wichtigen Sensoren als Marker. So kann es vorkommen, dass ein Zahnersatz, den der Patient als perfekt passend empfindet, im minimalen Bereich dennoch zu einer Fehlbelastung des Gewebes um das Implantat führt. Um das zu verhindern, müssen Implantat-Patienten beim „Pass-Test" daher oft erheblich stärker zubeißen als sie es vom Normalalltag gewöhnt sind.

Infektionsrisiko: Hilft gute Mundhygiene?

Bei den zahlreichen Studien rund um Entstehung, Verbreitung, aber auch Infektionsabwehr des Corona-Virus SARS-CoV-2 gehörte auch die zahnmedizinische Wissenschaft zu den beteiligten Disziplinen. Grund: Der Mund als Eintrittspforte für diese (und möglicherweise auch andere) Viren spielt eine relevante Rolle. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass sich entsprechend ausgerichtete Studien auch der Frage widmen, ob eine gute und sorgfältige Mundhygiene eine Rolle spielt als Teil des körpereigenen Infektionsschutzes. Wie der Stand der Wissenschaft dazu ist, übermittelte ein Beitrag in einer großen zahnärztlichen Zeitschrift. Demnach führt der Eintrittsweg der Viren durch den Mund in den Körper vor allem über die Mundschleimhaut. Ob auch entzündete Zahntaschen eine Rolle spielen, ist noch nicht erwiesen: für Bakterien klares Ja, für Viren noch offen. Ein dagegen erwiesener Zusammenhang: Bakterien, die Atemwegserkrankungen auslösen, befinden sich auch im Zahnbelag (Plaque) und können beim Einatmen die virengeschädigte Lunge zusätzlich belasten. Die sorgfältige Entfernung der Plaque reduziert nicht nur die Bakterienlast, sondern durch Abheilen der Zahnfleisch/Zahnbett-Entzündung auch einen Verschluss der Blutbahn und damit des Zutrittsweges der Viren in den Körper. Bestätigt wurde, dass spezielle Mundspüllösungen die Virenlast im Mund minimieren und damit auch zur Verbesserung des Infektionsschutzes beitragen können.

Zahnpasta: Wirkung auf schmerzempfindliche Zähne

Viele Menschen leiden unter schmerzempfindlichen Zähnen, und entsprechend groß ist das Interesse an Mundpflegeprodukten, die „desensibilisierend" wirken, also die Schmerz-Sensibilität herabsetzen. Wie – und ob – beispielsweise Zahnpasten und Mundspülungen das schaffen, erkundete vor Kurzem eine große zahnärztliche Zeitschrift bei Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS). Demnach gibt es zwei verschiedene Wirkweisen: Manche Produkte betäuben gewissermaßen über den Weg offen zugänglicher Dentintubuli (Kanälchen im Dentin zwischen Zahnoberfläche und Zahninnerem) für eine Weile den Zahnnerv. Die andere Produktgruppe verschließt kurzzeitig die Dentintubuli – auf diese Weise wirken die meisten im Haushalt gebräuchlichen Desensibilisierungs-Produkte. Dass die Wirkung nachlässt, wenn beispielsweise durch Essen und Trinken das Schutz-Prinzip weggearbeitet wird, erklärt sich daher – aber auch, dass durch erneutes Nutzen der Produkte beim Zähneputzen oder Mundspülen der Schutz aufgefrischt werden kann. Dem Wissenschaftler-Team zufolge gibt es allerdings gut und weniger gut wirkende Produkte – je nach Qualität der Rohstoffe: Manche namhafte Hersteller investierten, hieß es, viel in ihren entsprechenden Forschungsbereich.

Sonderforschungsbereich: Förderung für Implantatforschung

Forschung und Entwicklung mit dem Ziel der weiteren Verbesserung von Implantaten sind noch lange nicht am Ende – im Gegenteil: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG hat kürzlich einem Sonderforschungsreich an der Medizinischen Hochschule Hannover rund 12 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um interdisziplinär – also zusammen mit Experten aus weiteren Disziplinen wie Ingenieurs- und Naturwissenschaften und in Zusammenarbeiten mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen – an der Fortentwicklung der Implantate zu arbeiten. Einbezogen werden auch Erkenntnisse aus der Luftfahrt, die zu noch mehr Sicherheit bei der Implantatversorgung führen sollen. Hilfreich ist auch das Zusammenwirken der verschiedenen Disziplinen, in denen Implantate medizinisch eine starke Rolle spielen, außer der Zahnmedizin also auch der Bereich Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Orthopädie. Geforscht wird beispielsweise nach „intelligenten Systemen", die ihrerseits Früherkennung und das Identifizieren eventueller Komplikationen ermöglichen. Vielleicht, so die Hoffnung der Wissenschaftler-Gruppe, finden sie ja auch einen Weg, wie mögliche unerwünschte Prozesse nicht nur erkannt, sondern vom Implantat auch selbst „repariert" werden können. Auch was den Patienten wichtig ist, wird einbezogen. Auf die Ergebnisse der Wissenschaftler wird die Praxis aber wohl noch ein paar Jahre warten müssen.

Salz: Wann es als Zahnschutz dient

Deutschland gilt als Fluorid-Mangelgebiet, was das Vorkommen dieses Flusssäure-Salzes betrifft: Während Menschen in anderen Ländern, bei denen Fluorid beispielsweise über das natürliche Trinkwasser an die Zähne gelangt, dadurch einen unterstützenden Zahnschutz haben, wird in Deutschland Fluorid über andere Wege zur Verfügung gestellt. Manches Mineralwasser enthält Fluorid, die meisten Zahnpasten und Mundspülungen enthalten Fluorid – und viele kennen auch das Kochsalz, dem Fluorid beigefügt ist. Seit rund 30 Jahren setzt sich, so eine Meldung in einer Zahnärzte-Zeitschrift, die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) für diesen Aspekt der Prophylaxe ein. Die Nutzung des fluoridierten Haushalt-Salzes ist seither erheblich gestiegen und die Zusammensetzung auch angepasst worden: Da der Salzkonsum in der Küche mittlerweile zurückgegangen ist und die Salzmenge pro Anwendung geringer wurde, ist der Fluoridanteil im Haushaltssalz im Jahr 2014 etwas angehoben worden: Die Gesamtmenge des Fluorid-Kontaktes sollte nicht zusammen mit dem Salzverbrauch absinken und den Wirkungserfolg schmälern.

Implantate: mögliche Misserfolge nicht ausschließen

Wie Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Universität Mainz und Mitglied des Vorstandes der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie/DGI bei einer Informationsveranstaltung den Teilnehmern ans Herz legte, sollte man sich eines auch noch so geringen möglichen Misserfolges einer Implantatbehandlung immer bewusst sein. Auch wenn die „Überlebensrate", wie die Zahnärzte sagen, bei einer bis zu 20 Jahre währenden „Liegedauer" der Implantate bei über 90 Prozent liegt, zeige dies eben auch, dass es auch mal einen Misserfolg geben kann. Für einen solchen Misserfolg kann es sehr verschiedene Gründe geben, von schwierigen und schwer optimierbaren Ausgangssituationen im Mund über Infektionen des Patienten, die sich auf das Einheilen auswirken, bis hin zu einer ungünstigen Positionierung des Implantates im Mund und beispielsweise damit einhergehender Fehlbelastung. Nicht nur anfangs, sondern auch während der Zeit mit dem Implantat kann es zu Entwicklungen kommen, die das fest sitzende Implantat lockern können, darunter beispielsweise Erkrankungen der Knochen und die Auswirkungen der diesbezüglich eingesetzten Medikamente. Je nach Ursache des Implantatverlustes bieten sich verschiedene Lösungen an, den damit auch einhergehenden Verlust der Zahnkrone zu kompensieren und sowohl die Ästhetik, entsprechend der Rahmenbedingungen, als auch die Funktion im Mund wieder herzustellen.

MIH: welche Rollen spielen Antibiotika?

Ein Gebiet, auf dem besonders intensiv geforscht wird in der zahnmedizinischen Wissenschaft, ist die Ursachensuche der MIH ("Kreidezähne"): Worauf gehen diese Schmelzbildungsstörungen bei Kindern zurück? Auch nach jahrelangen Studien ist die Wissenschaft noch keinen Schritt weiter, wenn es darum geht, einen eindeutigen Ursache-Wirkung-Zusammenhang zu finden. Vielmehr geht die bisherige Erkenntnislage von einem Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren aus, zumal die Schmelzbildungsstörung sowohl vor als auch nach der Geburt ihren Anfang nehmen kann. Einen neuen Zugang zum Blick auf die Ursachen nutzte kürzlich die BARMER: Sie untersuchte die enorme Datenmenge an Abrechnungsdaten aus den Zahnarztpraxen nach möglichen Schnittmengen bei der Diagnosebeschreibung. Aus solchen Daten-Analysen entstehen die jährlichen „Zahnreports", die die Krankenkasse veröffentlich, in diesem Jahr zum Thema MIH / Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation. In die Vielfalt der möglichen Ursachen gibt das Ergebnis der Analyse den Aspekt „Antibiotika-Gabe" hinein: Es zeigte sich, dass bei Kindern, bei denen es aufgrund von häufigen Atemwegsinfekten zu vermehrtem Antibiotika-Einsatz kam, auch vermehrt MIH festgestellt wurde. Wie Studienleiter Prof. Dr. Michael Walther/Universität Dresden betonte, ist die weitere Forschung auch zu diesem Zusammenhang eine dringende Aufgabe für die Wissenschaft.

Schweizer Studie: Handzahnbürste ist der Favorit

Auch wenn es inzwischen eine enorme Anzahl an wissenschaftlichen Arbeiten gibt, die hinsichtlich der Reinigungseffizienz den elektrischen Zahnbürsten deutlich bessere Noten erteilen als den Handzahnbürsten, sinkt die Beliebtheit und Verbreitung der Handzahnbürste in der Bevölkerung nicht: Das jedenfalls zeigt eine Studie aus der Schweiz, die manchmal als „Mutterland der zahnmedizinischen Prophylaxe" bezeichnet wird. Wie die Konsumentenumfrage zu Oral Care ergab, favorisiert mehr als jeder zweite Schweizer zwischen 18 und 65 Jahren klar die Handzahnbürste. Ein Viertel der Befragten nutzt oszillierend-rotierende und rund ein Fünftel mit Schalltechnik arbeitende Mundhygiene-Instrumente. Deutlich wird, wie groß die Rolle der Gewohnheit bei der Mundhygiene ist: Von den Handzahnbürsten-Nutzern nannte mehr als die Hälfte das Argument, „schon immer" diese Form der Zahnpflege zu betreiben, zudem sei, so das subjektive Empfinden, diese Form einfacher in der Anwendung. Ein anderer Aspekt ergab sich durch die Studie, der allerdings für alle Patienten Relevanz hat: Rund jeder fünfte Befragte leidet demnach unter Zahnfleischbluten und lässt, um die Region zu schützen, bei der Mundhygiene die Zahnfleischränder daher lieber aus. Genau das Gegenteil ist richtig, betonen dagegen die Zahnärzte: Oft ist schon nach wenigen Tagen bewusst intensiver Reinigung gerade der blutenden Regionen das Zahnfleisch „von allein" wieder gesundet: Die störenden Beläge müssen weg – dann kann das Gewebe auch wieder heilen.

Implantate: frühzeitig die Mundsituation beachten

Man mag meinen, dass man an Zahnersatz, beispielsweise auf einem Implantat abgestützt, erst dann denken sollte, wenn ein Zahn entfernt werden muss oder schon ausgefallen ist. Das ist falsch, wie Dr. Dr. Anette Strunz, Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Implantologie/DGI bei einer Fortbildungsveranstaltung empfahl: Man muss den ganzen Mund beobachten und kennen, insbesondere die Rolle, die der zur Disposition stehende Zahn im bestehenden Gefüge spielt. Zudem ermöglicht ein regelmäßig aktualisierter Anamnesebogen, der die Zahnarztpraxis auch über neu hinzugekommene Erkrankungen und Medikamente informiert, die auch damit verbundenen möglichen Auswirkungen auf die Mundgesundheit zu verfolgen: Das macht oft vorstellbar, was sich im Mund an der Stelle verändern könnte, für die das Implantat geplant ist. Für die Patienten heißt das, dass sie einerseits mit darauf achten sollten, ihren Anamnesebogen in der Praxis immer mal wieder auf Aktualisierungsbedarf zu überprüfen, andererseits, dass sie nachvollziehen können, warum ihr Zahnarzt oder ihre Zahnärztin sie unerwartet frühzeitig auf eine mögliche Implantatversorgung anspricht.

Kreidezähne: Früherkennung hilft

Einen wichtigen Grund, warum Eltern wirklich alle Möglichkeiten der Zahngesundheits-Vorsorge-Untersuchungen wahrnehmen sollten, die das Gelbe Untersuchungsheft anbietet, machte vor Kurzem die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung deutlich: Auch die Behandlung von „Kreidezähnen" und die Betreuung betroffener Kinder profitiert erheblich davon, wenn solche Fehlentwicklungen früh entdeckt werden. Fachlich werden „Kreidezähne" als MIH = Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation bezeichnet: Aufgrund nach wie vor nicht gänzlich geklärter Ursachen entwickelt sich der Zahnschmelz der betroffenen Zähne nicht so, wie es der Bauplan der Natur vorgesehen hat. Offensichtlich gibt es in der Schmelzbildungsphase störende Einflüsse, die dazu führen, dass sich beispielsweise die Kristalle im Zahnschmelz sich nicht richtig an- und einordnen. Was vor Jahren noch als eher seltene Zahnbildungsstörung galt, zeigt sich heute – vielleicht auch aufgrund höherer Aufmerksamkeit – bei fast 30 % der im Rahmen der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie untersuchten Zwölfjährigen, wie Prof. Dr. A. Rainer Jordan vom Institut der Deutschen Zahnärzte betonte. Früh erkannt, kann den betroffenen Zähnen, den Kindern und ihren Eltern diese schwierige Situation deutlich erleichtert werden.

Handzahnbürsten: worauf man achten sollte

Nicht nur die Frage, ob eine Handzahnbürste sinnvoller ist als eine elektrische Zahnbürste, beschäftigt Wissenschaft und Praxis: Auch der Punkt, was eigentlich empfehlenswerte Aspekte für die Auswahl einer Handzahnbürste sind, wird im Zuge der vielen Weiterentwicklungen immer mal wieder geprüft. Dieses Thema hat sich kürzlich die Universität Witten-Herdecke vorgenommen und in einer Studie insbesondere den Aspekt überprüft, ob ein kurzer oder ein langer Bürstenkopf besser ist. Bisher schien klar: kurz. Der Mund, so hieß es, ist ein eher enger Bereich, und man muss „um den letzten Zahn herumkommen", was wohl mit einem kleinen Bürstenkopf einfacher ist. Umso erstaunlicher, was die Wissenschaftler-Gruppe um Präventionszahnmediziner Prof. Dr. Stefan Zimmer nach der intensiven 8-Wochen-Studie entdeckt hat: Was die Reinigungs-Ergebnisse betraf, waren der lange und der kurze Borstenkopf gleichwertig, und hinsichtlich der Vermeidung von Entwicklungen, die zu Zahnfleischbluten führen können, war der größere sogar erfolgreicher.

Sprachbildung: warum Zahnärzte mit Logopäden zusammenarbeiten.

Man kann das ja einmal für sich selbst ausprobieren: Wie gut kann man reden, wenn man beispielsweise einen Stift zwischen die Zähne legt oder eine Erbse zwischen die Backenzähne? Um gut verständlich sprechen zu können, muss der Mund mit all seinen direkt oder indirekt verbundenen Muskeln fei beweglich sein. Auch Menschen mit neuer Prothese erleben oft, dass beispielsweise das „S" einfach nicht richtig gelingen will. Die sogenannte Mundmotorik ist der wichtigste Faktor beim Sprechen, und zwar altersunabhängig. Auch Zahnersatz-Träger können von dem profitieren, was für viele Kinder Normalität ist: Die therapeutische Schulung in einer logopädischen Praxis. Um nur ein Beispiel zu nennen: Kinder, die zu lange und zu intensiv genuckelt haben, zumal am festen Daumen, verformen dabei in der Haupt-Wachstumsphase des Kiefers die entsprechenden Kieferbögen, manche haben im Vorschulalter dann einen „offenen Mund", den sie fast gar nicht mehr schließen können. Nicht nur die Knochen sind verformt, sondern auch die Muskulatur ist in ihren Bewegungsabläufen gestört. Wie der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente vor Kurzem mitteilte, empfehlen viele Zahnärzte solchen Kindern nicht nur eine kieferorthopädische, sondern auch eine begleitende logopädische Behandlung. Sie dient auch der Kinderseele: Kinder mit Sprachfehlern werden von Klassenkameraden oft gehänselt. Nicht nur auf die Zähne, sondern auch aufs Sprechen zu achten ist also ein ganzheitlicher Ansatz für eine gesunde Kindheit.

DMS 6: die aktuelle große Mundgesundheitsstudie

Die Bezeichnung sagt schon viel über das Vorhaben aus: DMS bedeutet Deutsche Mundgesundheits-Studie, es ist die einzige bundesweit repräsentative Studie zu dieser Thematik. Und die 6 davor besagt, es ist bereits die sechste seit 1989. Diese Langzeitarbeit liefert ein hoch eindrucksvolles Bild, wie sich die Mundgesundheit der Bevölkerung in Deutschland entwickelt. Und sie wächst mit dem verändertem Bild auf die Zahnmedizin: Während bei früheren Studien noch galt, dass ein kariesfreier Zahn ein gesunder Zahn ist, sieht man das mittlerweile differenzierter: Erst, wenn dieser Zahn auch an einer gesunden Position im Mund steht und nicht durch eine Fehlstellung belastet ist, ist er nach den neuen Kriterien auch ein als gesund zu bezeichnender Zahn. Insofern gibt es bei der DMS 6, wie eine große zahnärztliche Zeitschrift berichtet, auch eine Neuerung: Es werden erstmals kieferorthopädische Daten von Kindern im Wechselgebiss-Alter mit erfasst. Wie Prof. Dr. A. Rainer Jordan, Leiter des wissenschaftlichen Instituts der Deutschen Zahnärzte/IDZ in dem Beitrag berichtet, fehlen zu Zahn- und Kieferfehlstellungen bundesweite Daten, die nun mit einer ersten Erhebung eine Daten-Basis bekommen. Dabei geht es nicht nur um Zahnfehlstellungen, sondern auch um Kieferverformungen und damit einhergehende Belastungen der Allgemeingesundheit. Nicht zuletzt aufgrund der Pandemie-bezogenen Einschränkungen verzögern sich die Erhebungen bei den Studienteilnehmern, mit der Hauptveröffentlichung der Ergebnisse der DMS 6 wird im Jahr 2025 gerechnet.

Nachhaltigkeit: Thema auch in der Zahnmedizin

Zahnmedizin gehört zum Alltag der Menschen und ist, natürlich, auch Teil des Lebens und – darauf verweist die Weltzahnärzte-Organisation FDI aktuell hin – auch Teil von Umwelt und Klima. Insofern gilt auch hier das Gebot der Nachhaltigkeit. Zusammen mit führenden Weltunternehmen hat die FDI nun eine Vereinbarung geschlossen, sozusagen vorbildhaft auf mehr Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin hinzuwirken. Im Blickpunkt steht die Zahnmedizin in der Praxis, die Arbeit in den Dentallaboren und die Produktion in der Dentalindustrie – alles mit dem Blick auf die gesamte Lieferkette. Umweltbedrohende Faktoren sollen eliminiert und koordinierte weitreichende Lösungen mit Nachhaltigkeitseffekt vorangebracht werden. Beispielsweise soll mehr auf geschlossene Kreisläufe in Praxis und Produktion geachtet werden. Im Zentrum der neuen Nachhaltigkeitsvereinbarungen stehen nicht zuletzt die Zahnpflege-Produkte, die auch bei der häuslichen Mundhygiene angewendet werden – damit werden auch die Patienten in das Gesamtkonzept mit eingebunden.

Saure Gurken: gut oder schlecht für die Zähne?

Eine spannende Studie einer Wissenschaftler-Gruppe aus Israel und China hat sich die „sauren Gurken" als Untersuchungsobjekt vorgenommen. Bisher kannte man die sauren Gurken eher als Karies-Verursacher: Eingelegte saure Gurken enthalten einen hohen Anteil an verstecktem Industrie-Zucker und haben damit – eigentlich – einen zahnschädigenden Effekt. Die Wissenschaftler betrachteten die sauren Gurken aber aus einem fast schon gegensätzlichen Gesichtspunkt: Können sie vielleicht sogar Karies verhindern? Jedenfalls wenn man die Gurken sozusagen pur, also ungezuckert, betrachtet, trifft das sogar zu. Grund ist: Ähnlich wie probiotische Milchsäurebakterien, wie man sie beispielsweise von Joghurts kennt, liefern die speziellen Gurken vergleichbare Bestandteile. Die Wissenschaftler konnten sogar fast 55 unterschiedliche Lactobazillen-Familien identifizieren, eine davon mit einer Erfolgsrate von fast 100 Prozent bei der Hemmung des Wachstums des relevantesten Karies-Bakteriums Streptococcus mutans. Nun wird untersucht, ob die sauren Gurken beziehungsweise ihre relevanten Bestandteile nicht demnächst Zahnpflegeprodukten zugesetzt werden können.

Wurzelbehandlung: Was bezahlt die Krankenkasse?

Ob eine Wurzelbehandlung von den Krankenkassen bezahlt wird, ist von verschiedenen Aspekten abhängig. Dazu gehört insbesondere: Die Behandlung muss erfolgversprechend sein. Der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente hat kürzlich zusammengestellt, was die gesetzliche Krankenversicherung erwartet, ehe sie die Kosten übernimmt: Dazu gehört, dass der zu behandelnde Zahn in einer vollständigen Zahnreihe steht und keine weiteren Lücken rechts und links davon vorhanden sind. Grund ist, dass eine Lückenbildung durch die Wurzelbehandlung des Zahnes vermieden werden kann. Wenn der zu behandelnde Zahn im hinteren Backenzahnbereich steht, geht es darum, dass durch den zu erwartenden Verlust des Zahnes die Zahnreihe einseitig verkürzt würde und der gegenüberstehende Zahn möglicherweise, weil ihm der Gegenpart fehlt, mit der Zeit aus seinem Zahnbett herauswächst. Und ein dritter Kernaspekt ist, dass bestehender Zahnersatz erhalten werden kann, weil keine weitere Zahnlücke entsteht, die eine Erneuerung des Zahnersatzes notwendig machen würde. Das Gute ist: Die Grundvoraussetzung, dass die Wurzelbehandlung erfolgversprechend sein muss, wird heute in der Regel, nicht zuletzt in spezialisierten Praxen, sehr gut erfüllt. Was man aber auch wissen sollte: Es gibt viele über den Standard hinausgehenden Behandlungstechniken, die zu einem bis zu 90prozentigen Behandlungserfolg führen können, und viele weitere Gründe, eine Wurzelbehandlung als Privatleistung zu nutzen. Die Zahnarztpraxen können entsprechend beraten.

Schneller, höher, weiter: Wie Zahnprobleme stören können

Schon im Alltag wird jedem Menschen schnell deutlich, wie eingeschränkt aktiv und energieschwach man ist, wenn mit der Gesundheit etwas nicht stimmt. Und eben auch, wenn hinsichtlich der Mundgesundheit nicht alles zum Besten steht. Bekannterweise gibt es erhebliche Einschlaf- und Durchschlafprobleme, mit Tagesmüdigkeit, wenn Knirschen, Zähnepressen oder eine hinderliche Gaumenstruktur Anspannung verursachen und das Atmen belasten. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass solche Funktionsstörungen sich bei Leistungssportlern ganz erheblich auf ihre Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Wie zwei Augsburger Zahnärzte kürzlich in einem Fachmagazin erläuterten, gibt es eine Vielzahl an Nerven- und Muskelverbindungen aus dem Gesichts-/Wangen-/Kiefer-Raum über den Nacken zu den weiterführenden Körperbereichen. Schon direkt hinter dem Kiefergelenk beginnt die sogenannte „tiefe Nackenmuskulatur", die letztlich die ganze Haltung lenkt und steuert. Auch die Faszien (eine Art Hülle um die Muskulatur) sind eine direkte „Steuerleitung" zwischen Kopf und Körper: Auf beinahe geradem Wege verbinden sie die Fußzehen über die Achillessehne, das Knie, die Hüfte und den Nacken mit dem Kopf bis zu den Augenbrauen, wo sie enden. Oder anfangen, wenn man vom Kopf aus schaut. Das macht sehr deutlich, wie eng die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Körpers mit den Kiefer- und Gesichtsstrukturen in Verbindung steht und sich gegenseitig beeinflusst.

Epilepsie: Gefährdung für die Mundgesundheit

Die Epilepsie ist, einfach gesagt, eine Gesundheitsstörung des Gehirns, die dazu führt, dass zu viele und unpassende Signale gesendet werden: Das führt zu Krampfanfällen und Stürzen. Und: Sie ist die weltweit am häufigsten diagnostizierte neurologische chronische Erkrankung. Gerade im Hinblick auf Verkrampfungen und das fast schon typischerweise erfolgende Hinfallen der Betroffenen verwundert es wenig, dass es enge Konsequenzen zwischen Epilepsie und Mundgesundheit gibt. Insbesondere, wenn die Patienten nicht gut medikamentös eingestellt sind, kann es durch die Stürze zu Verletzungen an den Zähnen und am Weichgewebe im Mund kommen. Auch Selbst-Verletzungen durch Bisswunden an der Wangeninnenseite, an der Zunge oder an den Lippen sind nicht selten. Problematisch ist zudem, dass solche Verletzungen aufgrund der heilungs-hemmenden Epilepsie-Medikamente schlechter regenerieren und leider auch eine perfekte Grundlage für krankmachende Keime bieten. Die Liste der möglichen und häufigen Munderkrankungen bei Epilepsie ist noch erheblich länger. Deutlich wird aber auch so, dass eine Epilepsie nicht nur für die Allgemeingesundheit und auch die seelische Gesundheit der Patienten eine große Belastung ist, sondern auch für Mund, Zähne und die Kiefer.

Instagram, Facebook & Co: Folgen für die Zähne

Wenig überraschend ist es, spätestens beim zweiten Nachdenken, dass es einen Zusammenhang von Social Media sowie ständiger Erreichbarkeit mit der Mundgesundheit gibt: Insofern ist es eher erstaunlich, dass erst eine Gruppe israelischer Wissenschaftlicher sich dieses Phänomens intensiver angenommen und eine wissenschaftliche Studie dazu erarbeitet hat. Ein zahnmedizinisches Fachjournal stellte diese Studienergebnisse vor wenigen Wochen vor. Deutlich wird dabei, wieviel Stress diese ständige Online-Aktivität produziert, und wie belastend, ja fast ängstigend es für Menschen sein kann, dass ständige Erreichbarkeit und damit auch Reaktion erwartet wird. Rund 600 Teilnehmer im Alter zwischen 16 und 35 Jahren waren an der Studie beteiligt. Eingeteilt wurden die Studienteilnehmer in drei Gruppen: Zur ersten gehörten nur Handynutzer ohne Internet/Social-Media-Kanäle. Zur zweiten zählten junge Leute, die Social-Media nur beruflich nutzten. Die dritte Gruppe nutzen das Smartphone und alle Angebote beruflich und privat gleichermaßen. Während rund 45 % der Teilnehmer aus Gruppe Drei mit den Zähnen knirschten (einige tagsüber, andere eher nachts), zeigten die Vergleichsgruppen nur rund 14 % Stress-Symptome. Auch Schmerzen im Bereich der Kiefermuskulatur kamen deutlich seltener vor. Das Studienergebnis zeigte detailreich und klar auf: Bei exzessiver Smartphone-Nutzung und zudem der Sorge, etwas zu verpassen, ist das Risiko für Zähneknischen oder –Pressen, für Schmerzen im Kopf- und Kieferbereich und auch für Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit ganz deutlich erhöht gegenüber der altersgleichen Vergleichsgruppe.

Zahnmedizin und Medizin: über 100 Zusammenhänge aufgelistet

Ein neues Fachbuch fasst wesentliche neuere Erkenntnisse zusammen zur Verbindung von Zahnmedizin und Medizin und macht, in dieser Form als gesammeltem Überblick, hoch eindrucksvoll die Dimension des Themas erst richtig spürbar. Zwar wendet sich das Werk an die Zahnärzteschaft und gehört zur Fortbildungsliteratur, dennoch ist allein die Botschaft auch für Patientinnen und Patienten ungemein wichtig: Es gibt enorm viele Zusammenhänge zwischen Allgemeingesundheit und Mundgesundheit – und das allein schon sollte man wissen. Dem Fach-Leserkreis vorgestellt hat dieses Werk die Mitgliederzeitschrift der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie/DGI. Notwendig wurde eine solche Zusammenstellung auch deshalb, weil Patienten heute oft ein hohes Lebensalter erreichen und damit auch schwere Begleiterkrankungen erleiden können, auf die bei Prävention und Behandlung Rücksicht genommen werden muss. Aber auch chronische Erkrankungen bei jüngeren Menschen benötigen einen spezifischen Blick des Zahnarztes. Hinzu kommen gesundheitliche Risiken oder Herausforderungen bei Suchterkrankungen – und Aspekte, auf die man achten muss im Fall einer Pandemie wie aktuell bei Covid-19. Insofern gilt für die Patienten, die Zahnarztpraxis immer aktuell zu informieren, wenn sich gesundheitlich und beispielsweise in der Einnahme von Medikamenten gegenüber dem letzten Zahnarztbesuch etwas verändert hat. Ob und welche Konsequenzen das für die Zahnbehandlung hat: Dafür sind die Zahnärztinnen und Zahnärzte bestens geschult.

Sportzahnmedizin: Was ist das?

Viele Menschen kennen das Thema „Zahnmedizin und Sport" vor allem durch den Sportmundschutz, den man beispielsweise bei Eishockey-Spielern oft sieht: Sie schützen mit diesen Spezial-Schienen ihre Zähne. Bis zur Einführung solcher Schutzschienen waren ausgeschlagene Zähne fast ein „Markenzeichen" dieses Sports. Auch im Kinder-Sport ist Sport-Mundschutz zunehmend etabliert. Das Thema hat inzwischen eine solche Relevanz angenommen, dass es im Rahmen einer eigenen wissenschaftlichen Fachgesellschaft bearbeitet wird, der Deutschen Gesellschaft für Sportzahnmedizin/DGSZM. In einem aktuellen zahnwissenschaftlichen Fachjournal stellte deren Ehrenmitglied und Fortbildungsdozent Stavros Avgerinos allerdings viele weitere Aspekte vor, die zum Stichwort Sportzahnmedizin gehören, weit über den Zahnschutz hinaus: So gibt es beispielsweise Apparaturen, die das Atmen bei Leistungssportlern erleichtern. Manche Zahnfehlstellung führt zu Energie-Beeinträchtigungen, und natürlich muss der Mund infektionsfrei sein, damit der Körper volle Leistung bringen kann und nicht durch Infektionsabwehr geschwächt ist. Kein Wunder, wenn sehr viele verschiedene Disziplinen in diesem Gebiet zusammenarbeiten müssen, darunter auch Kardiologen. Was die Sportzahnmedizin an Erkenntnissen aus der wissenschaftlichen Arbeit zusammen mit Hochleistungssportlern gewinnt, kommt dann, angepasst, auch dem Breitensport und hier eben auch den sportlich aktiven Kindern zugute.

Hautkeime: Was machen sie im Mund?

Mundinfektionen sind Folgen bakterieller Angriffe auf Gewebe: Die Übermenge krankheitsauslösender Bakterienfamilien im Vergleich zu normalerweise ausgleichenden Bakteriengruppen führt dazu, dass Schäden am Mundgewebe entstehen, die zu Abwehrreaktionen des Immunsystems führen. Will man solcherart Infektionen vermeiden, ist es notwendig, ein gesundes natürliches Gleichgewicht zwischen den biologisch normalen Bakteriengruppen zu erhalten. Insofern ist es sinnvoll, sich die riskanten Keimgruppen genauer anzusehen, um bei übermäßigem Wachstum gegensteuern zu können. Wie wissenschaftliche Arbeiten zeigen, können es auch Hautbakterien sein, die in den Mundbereich eindringen und das Gleichgewichtsystem der dortigen Bakterienkulturen auseinanderbringen. Hier spielt insbesondere ein Akne-Bakterium eine relevante Rolle: Zumal wenn das Immunsystem nicht leistungsstark ist, kann das Akne-Bakterium zu einem Umkippen des bakteriellen Gleichgewichtes führen. Darüberhinaus kann es, wenn es über Infektionsstellen im Mund in die Blutbahn gelangt, zu Infektionen im ganzen Körper führen und auch die Situation von Implantaten im Knie- und Hüftbereich belasten. Genau wie alle weiteren Mundbakterien können auch die Akne-Keime durch entsprechende Parodontalbehandlungen reduziert oder weitgehend ganz mitentfernt werden.

Mundinfektionen: Risiko für Unfruchtbarkeit

Wissenschaftler der Universität Wien haben in Untersuchungen Anzeichen dafür festgestellt, dass es einen Zusammenhang geben könnte zwischen Mundinfektionen und einer Störung der Fruchtbarkeit. Sie stellten fest, dass Schwangere mit zumal chronischen Infektionen an den Zähnen, an Zahnfleisch und Zahnbett häufiger eine Frühgeburt, einen Blasensprung sowie weitere Komplikationen rund um die Geburt hatten. Das Thema ergänzt, wie eine zahnmedizinische Fachzeitschrift darstellte, eine weitere aktuelle Studie aus den USA, wonach solche vorgenannten Entzündungen die natürliche Fruchtbarkeit von Frauen um rund ein Fünftel reduzierte.  Beide Studien legen nahe, dass Frauen mit Kinderwunsch ihre Mundgesundheit rechtzeitig gut untersuchen und bestehende Infektionen behandeln lassen sollten – nicht immer seien solche Mundgesundheitsstörungen selbst zu erkennen oder zeigten sich mit sichtbaren oder spürbaren Symptomen.

Amalgam: aktueller Status

Die Anzahl der Amalgam-Füllungen in Deutschland ist, berichtete der Mundgesundheitsinformationsdienst proDente vor wenigen Wochen, deutlich rückläufig: Inzwischen liegt der Anteil der Füllungen mit diesem Materialmix („Amalgam") bei nur noch rund zehn Prozent aller Zahnfüllungen. Prof. Dr. Franz-Xaver Reichl, Dental-Toxikologe an der Universität München, erwartet zudem einen noch weitergehenden Rückgang. Grund dafür seien einerseits die unästhetische Ästhetik des dunkel wirkenden Materials, für das es mittlerweile zahnfarbene Füllungsalternativen gebe – aber auch der Rückgang der Anzahl der Zahnfüllungen insgesamt um rund 40 Prozent. Das Angebot an Vorbeugemaßnahmen wie beispielsweise Kontrolluntersuchungen und professionelle Zahnreinigung werde von den Patienten stark genutzt. Wichtig sei, so der Wissenschaftler, dass man funktionstüchtige Amalgamfüllungen nicht entfernen lasse: Nicht zuletzt die modernen Amalgam-Mischungen setzten so gut wie kein Quecksilber, einen Bestandteil der Legierung, frei – was aber beim Vorgang der Füllungsentfernung passieren könne. Es gebe keinen Werkstoff, der nicht bei entsprechenden Voraussetzungen, wie beispielsweise Veranlagung zu Allergien, zu unerwünschten Wirkungen führen könne, hier erwiesen sich die modernen zahnfarbenen Kunststoffe sogar als allergieriskanter als das Amalgam. Hinsichtlich der Verarbeitungsfähigkeit bei auch größeren Defekten und in schwieriger erreichbaren Zahnbereichen sowie der Belastbarkeit sei insbesondere im Seitenzahnbereich das moderne Amalgam ein gut zu verwendender Füllwerkstoff, der zudem von den gesetzlichen Krankenkassen voll bezahlt werde.

Gruppenprophylaxe: Klärung zur Fluoridanwendung

Wie eine große zahnärztliche Zeitschrift kürzlich berichtete, gibt es nach vielen Jahren des fachlichen Austausches nunmehr abgestimmte Anwendungsempfehlungen zur Fluorid-Anwendungen bei Kindern, insbesondere im Kita-Alter. Mit der sogenannten „Gruppenprophylaxe" gemäß Sozialgesetzbuch V werden weit überwiegend die Kita-Kinder mit Zahngesundheitsaufklärung erreicht sowie mit Maßnahmen der Kariesvorbeugung, wozu die sogenannte „Fluoridierung" gehört. Rund 1,9 Millionen Kinder sind dabei jährlich einbezogen, rund ein Drittel von ihnen ist jünger als drei Jahre. Nun also sind einheitliche Empfehlungen erfolgt, die sich der Haltung vieler Kinderärzte angenähert haben: Bislang hörten Eltern von den Pädiatern oft Hinweise zur Fluoridanwendung, die mit denen der Zahnärzte nicht durchgängig kompatibel waren. Dahinter standen unterschiedliche Auffassungen, welche Form der Verabreichung sinnvoller ist. Beispielsweise drehte es sich um die Frage, ob für das gemeinsame Zähneputzen bei der Gruppenprophylaxe fluoridierte Zahnpasta benutzt werden und wie hoch der Fluoridanteil und die Größe des „Kleckses" Zahnpasta sein soll. Auch die Einbeziehung der Eltern wurde nun abgestimmt und optimiert. Eine erfolgreiche Prophylaxe sei wichtig, weil kariöse Kinderzähne die gesamte körperliche Entwicklung belasten können. Informationen zu den neuen Empfehlungen finden sich beispielsweise auf der Website der DAJ (daj.de).

Corona: Rolle der Mundspüllösungen

Schon bald nach Auftreten der ersten Infektionsfälle mit dem SARS-Cov2-Virus (Corona) stellten Wissenschaftler fest, dass die Atemwege ein „Zielgebiet" der Viren waren und sind – und die Atemwege daher eine ganz besondere Rolle in Infektionsprozess spielen. Insofern verwundert es nicht, dass auch dem Mund als einem Tor des Atemprozesses große Aufmerksamkeit zukam. Schon bald wurde auch über die Rolle von Mundspüllösungen diskutiert, die dazu beitragen könnten, die Mundschleimhaut vor der Besiedelung und den Angriffen der Corona-Viren zu schützen. Schon ab April 2020 wurde eine entsprechende Leitlinie erarbeitet, die aufgrund ihrer ständigen Weiterentwicklung als „Living-Guideline" bezeichnet wurde: Für eine klassische Leitlinie, deren Inhalte eher längerfristig „state oft he art" sein und gelten sollten, waren die Erkenntnisprozesse zu schnell. Mit der Rolle von Mundspüllösungen befasst sich eine eigene Taskforce im Wissenschaftler-Team. Wie eine Fachzeitschrift Anfang Mai darstellte, konnten insbesondere Produkte mit Jod-Anteilen die Virus-Belastung der Mundschleimhaut den bisherigen Erkenntnissen zufolge senken. Die Viren wurden zwar nicht zerstört, ihre Infektionsfähigkeit war aber reduziert und insofern auch das Übertragungsrisiko über Niesen, Atmen und Sprechen, zumal, wenn die Produkte auch zum Gurgeln genutzt wurden. Da manche Mundspüllösungen mit Anti-Corona-Wirkung vermarktet werden, ohne dass Studien ihre Wirksamkeit belegen, sollte man auf die Zusammensetzung der Produkte achten, beispielsweise auf Thymol, Jod und die Kombination spezieller ätherischer Öle, die die Taskforce besonders im Blick hatte.

Parodontitis: mögliche Alternativen zu Antibiotika

Da es sich bei einer Parodontitis um eine bakterielle Entzündung handelt, in diesem Fall des Gewebes rund um den Zahn bis tief in den Kieferknochen, sind antibakterielle Arzneimittel wie Antibiotika ein üblicher Teil des Behandlungskonzeptes: Ihre Aufgabe ist, neben der meist mechanischen Beseitigung der bakteriellen Beläge dafür zu sorgen, dass die restlichen kleineren Herde inaktiv werden. Das Zahnbett soll gesunden können, und es sollen keine Mundbakterien mehr über die Blutbahn in Organe des Körpers wie beispielsweise das Herz gelangen und dieses schädigen. Das Problem dabei: Antibiotika greifen auch diejenigen Bakterienfamilien an, die man eigentlich für das gesunde Gleichgewicht der Keime benötigt. Der Lösung dieser Herausforderung hat sich nun auch ein Forscherteam in Zusammenarbeit mit der Universität Halle-Wittenberg gewidmet, das in ersten Versuchen Erfolge verzeichnen konnte: Sie entwickelten ein Produkt, das den Stoffwechsel vor allem der unerwünschten Bakterienfamilien stört und sie ebenso vernichtet wie bislang die Antibiotika-Gaben – nur ohne störende Nebenwirkungen. Ob das auch bei Menschen so erfolgreich funktioniert, werden weitere darauf aufbauende Studien zeigen.

2. Periimplantitis: Aktualisierungen

Mit dem Monat Mai endet die Gültigkeit der sogenannten S3-Leitlinie zur Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten – also einer Zusammenstellung von diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, um einer Entzündung des natürlichen Gewebes rund um das eingesetzte Implantat vorzubeugen beziehungsweise eine solche Entzündung zu behandeln. Wie die wissenschaftliche Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) zeitnah zum Ablauf der Gültigkeit der bestehenden Leitlinie berichtete, wird diese nicht einfach verlängert: Laut Prof. Dr. Frank Schwarz, ehemaliger Präsident der Fachgesellschaft und international renommierter Periimplantitis-Experte, kündigte dabei an, dass eine Vielzahl neuer Erkenntnisse zu einer umfangreichen Neufassung der Leitlinie führen werden. Mit der Erarbeitung wird im Herbst dieses Jahres begonnen. Zu den Bereichen, in denen wissenschaftliche Studien die Kenntnisse optimiert haben, gehören nicht zuletzt genauere Möglichkeiten, die verschiedenen Therapieverfahren hinsichtlich ihrer nachhaltigen Effizienz zu beurteilen.

Kindeswohlgefährdung: Früherkennung

Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass vielen Menschen gar nicht bewusst ist, welche Möglichkeiten Zahnärzte haben, Kindeswohlgefährdungen zu erkennen: So steigt die Chance, dass das eine oder andere Kind besser beschützt werden kann. Während schon seit sehr vielen Jahren die Anzeichen bekannt sind, die sich zumal bei körperlichen Verletzungen der Kinder, aber auch erwachsener Menschen zeigen, war es erst im Jahr 2012 aufgrund der Regelungen des Bundeskinderschutzgesetzes rechtlich möglich, solche Entdeckungen auch weiterführend zu nutzen. Bisher stand – auch wenn es Ausnahmeregelungen gab – das Arztgeheimnis der Einbeziehung beispielsweise des Jugendamtes im Weg. Anfang Mai nun hat ein weiteres Gesetz die Rolle der Zahnärztinnen und Zahnärzte noch intensiver betont und auch Wege freigemacht, mit Expertengruppen zusammenzuarbeiten und auszuloten, ob ein Kind Hilfe von extern benötigt und wenn ja, welches Vorgehen für das Kind und sein Verhältnis zu seiner Familie das sinnvollste ist: Zum Inkrafttreten des „Gesetz zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen (Kinder- und Jugendstärkungsgesetz – KJSG)" hat die Bundeszahnärztekammer ihren Mitgliedern aktuelle Unterlagen, darunter auch optimierte Dokumentationsbögen zur Verfügung gestellt.

Wurzelkanalbehandlung: So läuft sie ab

Wurzelbehandlung: Der Begriff ist noch immer für viele Menschen verbunden mit einem kleinen Schauder, da es aus früheren Jahren viele Misserfolgsmeldungen gab und auch Schmerz-Erfahrungen der Patienten. Dass sich auch diese Disziplin ganz erheblich weiterentwickelt hat und heute das entsprechende Fachgebiet „Endodontie" zu den Bereichen der Zahnmedizin gehört, die in Wissen und Technik beispielsweise den Innovationen in der Implantologie nicht nachsteht, dringt dagegen eher weniger in die Öffentlichkeit. Wer weitgehend schmerzarm und erfolgreich behandelt wurde, liefert eben keine spannenden Schauergeschichten. Um so besser, dass der Patienteninformationsdienst proDente gerade dem Thema Wurzelbehandlung eine aktuelle Themenübersicht gewidmet hat. Ziel der Endodontie ist es, einen natürlichen Zahn auch dann zu retten, wenn seine Versorgungsbahn zum Körper, die Pulpa, also das gefäßreiche Innenleben der Zahnwurzel, entzündet ist. Im Rahmen dieser Patienteninformation weist der Präsident der entsprechenden Fachgesellschaft für Endodontie, Dr. Bijan Vahedi, darauf hin, dass man bei Schmerzsignalen des Zahnes auf kalte oder warme Reize sicherheitshalber nachschauen lassen sollte, ob sich hier etwas im Bereich der Zahnwurzel unerfreulich entwickelt. In fortgeschrittenem oder gar chronischem Status einer Wurzelntzündung kann über den Mund hinaus auch die Allgemeingesundheit leiden.

Mundhöhlenkrebs: Früherkennung

Die Bundeszahnärztekammer und die Dachgesellschaft der deutschen zahnmedizinischen Wissenschaft, die DGZMK, haben eine neue Patienteninformation veröffentlicht – ihr Fokus liegt auf der Früherkennung von Mundkrebs. Dabei handelt es sich um eine bösartige Erkrankung der Mundschleimhaut. Zwar sind bereits Krebs-Vorstufen für die Zahnärzte und Oralchirurgen gut erkennbar – dennoch sind diese Anzeichen nicht immer auf den ersten Blick leicht einzuordnen, weil die Gewebeveränderungen auch harmlosen Ursprungs sein können. Um keine unerwünschte Entwicklung zu übersehen, sind nicht nur regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt wichtig: Patienten sollten den Zahnarzt oder die Zahnärztin auf eigene Beobachtungen hinweisen oder Fragen stellen, die sich um das Thema Mundschleimhaut drehen, damit nichts aus dem Blick gerät. Was man möglicherweise selbst erkennen kann, sind Stellen an der eigentlich feucht glänzenden Mundschleimhaut, die matt wirken oder sich rau anfühlen. Manchmal finden sich auch weißliche Flecken. Auch gerötete Vertiefungen sollten mit versiertem Blick in der Zahnarztpraxis überprüft werden. Ein höheres Risiko auf eine Mundkrebs-Entwicklung haben Raucher/innen oder auch Menschen mit einer besonderen Grunderkrankung. Je nach Diagnose wird in der Zahnarztpraxis eventuell eine Biopsie durchgeführt, eine kleine Zell-Entnahme, die in entsprechende Labore zur weiteren Untersuchung eingeschickt wird.

Mundspüllösungen: Was bringen sie (nicht)?

Zu den beliebten Mundhygiene-Produkten gehören Mundspüllösungen und Mundwässer – es gibt sie, wie ein Blick in die Regale beispielsweise von Drogeriemärkten zeigt, in erheblicher Auswahl. Dabei ist nicht allen Kundinnen und Kunden bewusst, dass es in diesem Bereich deutliche Unterschiede gibt, die beachtet werden sollten. Wie eine zahnärztliche Zeitschrift kürzlich auflistete, sind hier vor allem die Unterschiede zwischen Mundwässern (nur kosmetisch) und Mundspüllösung (mit therapeutischem Ansatz) zu beachten. Bei der zweiten Gruppe ist beispielsweise öfter auch Fluorid enthalten, das eine zahnschmelzstärkende Wirkung hat und die Zahnoberflächen widerstandsfähiger gegen Säureschäden macht. Ist kein Fluorid enthalten, vergaben die Bewerter Minuspunkte. Ein Blickpunkt bei der Beurteilung der Nützlichkeit lag auf dem Alkoholgehalt: Ist das Produkt alkoholfrei, ist es auch für Schwangere gut zu nutzen, auch für Menschen mit aktueller oder überstandener Alkoholabhängigkeit. Kritisiert wurde, dass auf einigen Produkten der Hinweis auf den Alkohol-Gehalt zu versteckt erfolgte. Als geradezu unverzichtbar hielten die Autoren eine Extraportion Mundpflege für Träger fester Zahnspangen, unterstützend zu spezifischer Zahnzwischenraumpflege, die zudem für die Winkel zwischen Spangenbefestigung und Zahnoberfläche sinnvoll sind. Als sinnvoll erachtet wurden auch Mundspüllösungen, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe bei Zahnfleischentzündungen hilfreiche Effekte haben können.

Periimplantitis: Gibt es Neuigkeiten?

Im Rahmen eines Fachzeitschriften-Beitrags über aktuell diskutierte Themen in der zahnärztlichen Implantologie wurde auch dem Aspekt Periimplantitis Raum gegeben – also der Entzündung des Gewebes rund um das Implantat. Was man längst verstanden hat, ist, dass eine Periimplantitis und eine Parodontitis (Entzündung des Gewebes rund um den natürlichen Zahn) Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede aufweisen. Der Krankheitsverlauf beispielsweise ist anders, und auch die Rolle der Keime und ihre Effekte auf das natürliche Gewebe im Mundbereich unterscheiden sich bei einer Periimplantitis von der Zahnbetterkrankung Parodontitis. Beispielsweise schwächen im Fall einer Periimplantitis bestimmte Abwehrstoffe die Infektion deutlich weniger ab als sie dies bei einer Parodonttiis tun. Die Unterschiede zu kennen ist wichtig, weil sich dadurch auch angepasste Vorgehen hinsichtlich der Behandlung ergeben. Wie meist in der Wissenschaft ergeben sich nach Erkenntnissen wieder neue Fragen, so steht derzeit auf der Agenda der Wissenschaftler, noch mehr zu erfahren über die Faktoren, die die Infektion rund um das Implantat beeinflussen und ob es bisher nicht entdeckte Risikofaktoren für einen schwierigen Verlauf gibt. Auch ein großes Thema: Wie kann einer Periimplantitis noch besser vorgebeugt werden? Und gibt es weitere Optimierungen der Behandlung durch neue Erkenntnisse? Forschung verbessert die Patientenversorgung – insofern sind kritische Fragestellungen wichtig und weiterführend.

Mode oder Nützlich? Trocken-Zähneputzen

Die sozialen Medien bringen immer mal wieder Entwicklungen ans Licht, die ihre Fans finden – oder auch nicht. Ein solches Thema, das gerade in einigen digitalen Foren diskutiert wird, ist das Zähneputzen ohne Wasser, sogenanntes Dry Brushing. Wie eine Zahnärzte-Zeitschrift jetzt berichtete, stehen dahinter bekannte Überlegungen: So regt eine Trockenbürsten-Massage der Haut beispielsweise die bessere Durchblutung an. Die Verfechter des Dry Brushing sagen, dass das Reinigungserlebnis besser sei, zudem könne man häufiger tagsüber und einfacher zwischendurch die Zähne putzen, da man weder Wasser noch Zahnpasta benötige. Aus zahnmedizinischer Sicht spricht nichts gegen das vorsichtige Trockenputzen (kräftiges Schrubben muss aber vermieden werden) – aber nur als ergänzende Maßnahme zur klassischen „feuchten" Reinigung von Zähnen und Zahnzwischenräumen: Wird feucht gewischt, ist der Abrieb an der Zahnoberfläche geringer, Zahnpasta sorgt mit den unterschiedlichen Bestandteilen auch für eine schonende Entfernung von aufgelagerten Pigmenten. Bei Dry Brushing kommt zudem die wichtige Zahnzwischenraumpflege zu kurz, und nicht zuletzt fehlt den Zähnen der zusätzliche Schutzfaktor von Fluoriden, die ihre Stabilität gegenüber Säureangriffen unterstützen. Bilanz der zahnmedizinischen Beurteilung: Zwischendurch sanft trockengeputzt oder als Vorreinigung okay – aber als Ersatz der bekannten Mundhygienemaßnahmen untauglich.

Vitamin C: Zusammenhang mit Zahnfleischbluten

Der Zusammenhang von Vitaminen, hier insbesondere Vitamin C, und Immunsystem/ Abwehrkräfte ist bei vielen Aspekten rund um die Gesundheit ein häufiges Thema – insofern ist nicht weiter verwunderlich, dass auch ein Mundgesundheitswissenschaftler (Universität Washington) diesen Aspekt nun etwas genauer angesehen hat. Ausgelöst hatte die Studie mit fast 10.000 Teilnehmern die Beobachtung, dass Menschen mit häufigerem Zahnfleischbluten auch oft einen eher niedrigen Vitamin-C-Wert aufwiesen. Zwar ist dieser Zusammenhang nicht unbekannt, dennoch störte den Wissenschaftler, dass in den Zahnarztpraxen bei der Behandlung von Zahnfleischbluten eher auf Maßnahmen intensivierter Mundhygiene gesetzt werde als auf die Erforschung von Ursachen und eine darauf aufbauende Therapie. Hier regt seine Studie zum Umdenken an, denn seine Ergebnisse bestätigen deutlich bisherige Erkenntnisse: Zahnfleischblutungen (und Blutungen im Auge) gingen fast immer mit einem erniedrigten Vitamin-C-Spiegel einher. Durch vermehrte Aufnahme von Vitamin C konnte die Blutungsneigung spürbar gesenkt werden. Menschen mit häufigem Zahnfleischbluten empfiehlt er daher, auch den Aspekt „Vitamin-C-Unterversorgung" überprüfen zu lassen und zudem den Anteil von Vitamin C an der eigenen Ernährung im Blick zu behalten.

Implantate: Wie steht es um das Material Keramik?

Für viele Menschen fühlt es sich besser an, wenn sie ein Implantat, einen Zahnwurzel-Ersatz, aus Keramik erhalten anstelle eines Implantates aus Titan, dem langjährig etablierten Material. Auch ästhetische Aspekte können eine Rolle bei der Entscheidung für Keramik spielen: Insbesondere in Bereichen, wo das darüberliegende Zahnfleisch eher dünner und durchscheinend ist, könnte ein helles Implantat attraktiver sein. Da kommt es gut, dass sich auch Keramik mittlerweile als guter Werkstoff etabliert. Wie ein zahnärztliches Fachjournal kürzlich darstellte, ist hierbei allerdings zu beachten, dass Keramik nicht gleich Keramik ist, sondern verschiedene Materialzusammensetzungen auf den Markt sind mit unterschiedlichen Vorteilen für den jeweiligen Einsatz. Derzeit sieht die Wissenschaft Keramikimplantate als biokompatibel an, bestätigt werden das gute Einwachsen und auch die durch Weiterentwicklung mittlerweile gute mechanische Belastbarkeit. Derzeit sind weitere Langzeitstudien an den Universitäten angelegt, die verschiedene vertiefende Antworten rund um den Langzeiterfolgt ermöglichen werden.

Schlafmedizin: auch ein Thema für die Zähne

Wie Prof. Dr. Bert Baumann (Universität Köln) aktuell in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift berichtete, spielt der Bereich Mund im Gesamtthema Schlafmedizin eine große Rolle: Hier findet der Austausch der Atemluft statt, die den Körper am Leben erhält. Ist die Atmung – aus welchen Gründen auch immer – nur eingeschränkt möglich, hat das vielfältige Konsequenzen auf die Gesundheit des Menschen. Mancher Zusammenhang ist vielen Menschen gar nicht bekannt oder bewusst: So kann Tagesmüdigkeit, die manchmal bis hin zur Berufsunfähigkeit führt, ihre Ursache in nächtlicher gestörter Atmung haben und in entsprechend nicht erholsamem Schlaf. Zahnärzte, Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen und Kieferorthopäden tauschen sich daher schon seit einigen Jahren, je nach Fall auch unterstützt durch Ärzte unterschiedlicher Disziplin, darüber aus, wie man Schlafgesundheits-Störungen mit Auswirkung auf die Allgemeingesundheit noch besser erkennt und auch behandelt. In dem eingangs genannten Zeitschriftenbeitrag weist Professor Baumann beispielsweise darauf hin, dass die Menge an eingeatmeter Luft durch verschiedene Mund-Kiefer-Hals-Faktoren eingeschränkt sein kann und damit auch die „Frischluftzufuhr" für die Organe. Durch im Schlaf stattfindendes Knirschen oder Zähnepressen können sowohl die Zähne als auch das Zahnbett in ihrer Funktionsfähigkeit leiden, um zwei Beispiele zu nennen. Je nach Ursache und Intensität der erkannten Funktionsstörung gibt es verschiedene Therapie-Maßnahmen, von einfachen Schienen bis hin zu größeren Operationen. Luftstörungen sollten nicht hingenommen, sondern behandelt werden – ein Thema, das die Patienten zum eigenen Wohl mehr beachten sollten.

Deutsche Mundgesundheitsstudie: jetzt auch mit Kieferorthopädie

Wie eine kieferorthopädische Fachzeitschrift kürzlich berichtete, sind für die Erhebungen zur 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS) erstmals auch Befunde mit Blick auf Zahnstellung und Kieferposition bei Kindern vorgesehen. Die DMS ist die einzige bundesweit repräsentative Studie zur Mundgesundheit. Sie wird seit 1989 durchgeführt vom wissenschaftlichen Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) und ermöglicht aufgrund der weitgehenden Vergleichbarkeit der Erhebungen und involvierten Patientengruppen einen guten Blick auf die Entwicklung der Mundgesundheit bei der deutschen Bevölkerung. Während der Schwerpunkt bisher vor allem auf den Aspekten Karies, Anzahl eigener Zähne, Art und Umfang von Zahnersatz und Zahnbetterkrankungen lag, kommen nunmehr auch kieferorthopädische Beobachtungen dazu: Das macht insofern Sinn, als einerseits ein Mund nicht als gesund betrachtet werden kann, wenn seine Funktion durch fehlstehende Zähne oder Kiefer gestört ist, zum anderen tragen solche Fehlstellungen auch mit dazu bei, dass Folgebelastungen auf die Zähne und/oder die Kiefer zu vielfältigen Schäden und auch Schmerzen führen. Pandemie-bedingt verzögert sich die Erhebung in Fortgang, Auswertung und Veröffentlichung: Mit den Ergebnissen wird im Verlauf des Jahres 2023 gerechnet.

Corona: Prophylaxetermine weniger gebucht

Für viele Menschen gehören die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt und auch die professionelle Zahnreinigung (PZR) zu den selbstverständlichen Bausteinen für eine langanhaltende Mundgesundheit. Bisher verbuchten diese Angebote der Zahnarztpraxis eine stetig steigende Nachfrage – das hat sich seit der Corona-Pandemie allerdings deutlich geändert, wie Daten der Kaufmännischen Krankenkasse ergaben. Wie eine zahnärztliche Zeitung kürzlich berichtete, sind in allen Bundesländern die entsprechenden Prophylaxe-Termine im ersten Halbjahr 2020 weniger gebucht worden als im Vergleichszeitraum des Jahres 2019. Fast jeder zweite Patient, der sonst einen Termin für Kontrolle oder PZR vereinbart hatte, hat diese Vorsorge-Angebote in der Pandemie-Zeit aufgeschoben. Dies sei aufgrund der hohen Infektionsschutzmaßnahmen in den Zahnarztpraxen allerdings nicht sinnvoll, zumal mit Blick auf die eigene Zahngesundheit: Früh entdeckte unerwünschte Entwicklungen an Zähnen, Zahnfleisch oder Zahnbett ließen sich oft schnell beheben und damit abbremsen oder ganz beseitigen. Warte man zu lange, seien oft deutlich invasivere Vorgehen notwendig. Man solle daher das Angebot regelmäßiger Zahnkontrolle auch in der Pandemiephase wahrnehmen.

Kinderzahncremes: Was man beachten sollte

Immer mal wieder untersucht die Zeitschrift Ökotest Kinderzahnpasten. Im März dieses Jahres wurden aktuell 35 Produkte geprüft, die für Babys und Kleinkinder gedacht sind, einige ohne, die Mehrheit der Produkte dagegen mit Fluorid-Anteilen. Insbesondere bei dieser zweiten Gruppe sei zu beachten, so die Redaktion, dass die Anwendungsempfehlung oft überholt ist: Anstelle der empfohlenen Menge in Reiskorngröße sei heute eher ein Klecks Zahnpasta sinnvoll, der einer Erbse entspricht. Kritisiert hat die Zeitschrift zudem, dass bei mehr als jeder zweiten Kinderzahnpasta ohne Fluorid der Hinweis auf diesen Mangel fehlte. Das sei aber für die Mundgesundheitsbetreuung für die Eltern relevant, da sie die Fluoridaufnahme des Kinder/der Kinderzähne dann entsprechend anderweitig kompensieren müssten. Zudem enthielten manche der getesteten 35 Produkte problematische Inhaltsstoffe: Drei Produkte bekamen insofern einen kritischen Vermerk. Diese enthaltenen Stoffe könnten oft durch mildere Alternativen ersetzt werden. Immerhin 15 von den 35 Kinderzahnpflegeprodukten erhielten einen Empfehlungsvermerk. Wie immer bei Informationen rund um den Fluoridgehalt von Zahnpasten oder auch speziellen Tabletten ergeht der Rat an die Eltern, sich mit dem Kinderzahnarzt über Art und Umfang der Fluorid-Maßnahmen abzusprechen – beispielsweise auch, ob fluoridiertes Wasser zum Familienalltag gehört. Sowohl eine Überdosierung als auch eine Unterversorgung sollte zum Schutz der Zähne vermieden werden.

Zusammenhang beachten: Seele und Zähne

Nur auf den ersten Blick irritiert, wenn die Mundgesundheit in Zusammenhang gebracht wird mit der seelischen Situation des Menschen. Dabei sind manche Redewendungen geradezu Volkswissen: „auf einem Problem herumkauen" oder auch „die Zähne zusammenbeißen" beispielsweise. Nun hat die Bundeszahnärztekammer kürzlich noch einmal erinnert an die Bedeutung der Psychosomatik, also an den Zusammenhang von Körper und Seele. Für das Beleuchten dieses Zusammenhanges gibt es viele Gründe, denn wenn die Seele mauert, können zahnärztliche Behandlungen scheitern. Belastungen wie Stress in Beruf und Familie, Depressionen oder auch starke Sorgen vor der Zukunft führen manchmal zu unterschiedlichen körperlichen Reaktionen, insbesondere auf der Ebene intensiver Muskelverspannungen und Verkrampfungen. Kummer beispielsweise kann sich seinen Weg aus der Seele über gefühlte Prothesenunverträglichkeit bahnen. Die Bundeszahnärztekammer schätzt, dass bei rund 20 Prozent aller erfolgsgestörten zahnärztlichen Behandlungen die Ursache in seelischen Belastungen liegt. Patienten sollten daher die Empfehlung, die Situation auch einmal aus der psychotherapeutischen Ebene betrachten zu lassen, als hilfreiche Empfehlung zur Verbesserung der zahngesundheitlichen Lage verstehen.

Mundspülen: Produkte im Test

Mundspülungen und Mundwässer gehören zu den beliebten Ergänzungs-Anwendungen neben dem regelmäßigen sorgfältigen Zähneputzen. Nachvollziehbar also, dass die Stiftung Warentest diese Produktgruppe, die unterschiedliche Angebote bereithält, in unregelmäßigen Abständen unter die Lupe nimmt. Aktuell war dies mal wieder der Fall, mit dem Ergebnis, dass sieben der dreizehn geprüften Fertig-Mundspüllösungen als sinnvoll erachtet wurden. Es gab einen gewissen Effekt bei der Vorbeugung von Zahnfleischentzündungen, Zahnbelag und Mundgeruch. Es wurde aber auch ein wichtiger Unterschied deutlich, der die Sinnhaftigkeit der Anwendung beleuchtet: Mundspüllösungen und Mundwässer sind nicht dasselbe. Mundwässer dienen eher dem guten Gefühl, während Mundspüllösungen oft auch einen präventiven, also einer Erkrankungen vorbeugenden Effekt haben können. Es bleibt aber dabei: Zahnbürste, Zahnpasta und Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen seien, so Stiftung Warentest, die wichtigsten „Instrumente" zur Gesunderhaltung von Zähnen und Mund.

Zahnarztpraxen im Pandemie-Check: hohes Vertrauen der Bevölkerung

Wie eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) ergabt, genießen die niedergelassen Zahnärztinnen und Zahnärzte bei Hygienemaßnahmen das höchste Vertrauen der Bevölkerung – mit 88 % Zustimmung noch vor den Hausärzten (84 %). Bei Krankenhäusern glauben nur 65 % der Befragten, dass die notwenigen Hygienemaßnahmen auch sorgfältig umgesetzt werden. Das Ergebnis verwunderte die BZÄK nicht, die darauf verwies, dass bereits vor Ausbruch der Pandemie in den Zahnarztpraxen sehr hohe Hygiene-Standards herrschten, die dann zudem noch weiter verschärft wurden. Es sei erfreulich, dass dieser enorme Aufwand von den Patientinnen und Patienten gesehen und auch anerkannt werde. Dennoch erlebe man derzeit eine Zurückhaltung vor nicht als ganz so dringlich empfundenen Terminen, die vermutlich auf eine generelle Verunsicherung hinsichtlich von Kontakten zurückzuführen sei. Das sollte allerdings vom Besuch der Zahnarztpraxis, sofern symptomfrei, nicht abhalten, die Praxen seien auf die aktuelle Situation bestens vorbereitet. Manche Behandlung könne auch nicht warten, damit sich der Zustand nicht verschlechtere und der Behandlungsaufwand später im Vergleich zu einer zeitnahen Lösung des Problems aufwändiger und möglicherweise invasiver werde.

Zahnfleisch als Infektionsmarker: Sensoren machen Diagnostik

Spannendes Ergebnis einer Forschungsarbeit einer internationalen Wissenschaftlergruppe: Sensoren in der Mundschleimhaut erkennen, wenn sie mit krankheitserregenden Bakterien in Berührung kommen. Damit leistet die Mundschleimhaut einen ähnlichen Dienst wie andere Schleimhäute im Körper auch – nur dass sie quasi am Eingangsportal der pathogenen Keime sitzt. In diesen Schleimhäuten und damit auch in der Mundschleimhaut befinden sich Zellen, die beispielsweise Bitterstoffe erkennen können, aber eben auch spezielle Bestandteile von Krankheitserregern. Spüren sie solche, geben sie sozusagen einen Auftrag an das Immunsystem, sich mit diesen unerwünschten Eindringlingen zu befassen und sie abzuwehren. Wie die Studie gezeigt hat, ist ein spezielles Protein für diese Signal-Wirkung zuständig: Fehlte es, war die Immunreaktion zur Abwehr der entzündlichen Zahnbetterkrankung Parodontitis deutlich reduziert. Geprüft wird jetzt, ob, und wenn, für welche Personenkreis, auf der Grundlage dieser Erkenntnisse die Parodontitisbehandlung individualisiert und damit ergänzt oder gar optimiert werden kann.

Schöne gerade Zähne: für Frauen wichtiger

Auch wenn die jüngst veröffentlichte Studie aus Saudi-Arabien keinen Anspruch erhebt, aufgrund großer Tiefe und Zahlen an Studienteilnehmern eine größere wissenschaftliche Relevanz zu haben, bestätigt sie doch erneut viele andere zurückliegende Arbeiten, die zu den gleichen Ergebnissen kamen: Frauen legen demnach mehr Wert auf nicht nur schöne, sondern auch gerade Zähne als Männer. Nicht nur war die Bereitschaft der befragten Frauen für eine kieferorthopädische Behandlung insgesamt höher, sondern auch die Begründung zeigte Unterschiede: Neben der Behebung funktionaler Störungen im Gebiss aufgrund einer Fehlstellung war auch der optische Effekt einer Behandlung häufiger von Frauen benannt als von Männern. In anderen zurückliegenden Studien wurde auch über mögliche psychologische Aspekte diskutiert, wonach die mit der Behandlung erreichte Harmonie des Lächelns bei Frauen einen höheren Wert einnahm als bei Männern, die mit eher „kantigem" oder „individuellerem" Lächeln kein Problem hatten.

Parodontitis-Erkenntnisse: Manches ändert sich nicht

Wiewohl die Wissenschaft seit sehr vielen Jahren an der Entdeckung weiterer Erkenntnisse rund um die Zahnbettentzündung Parodontitis arbeitet und die Zahnärztinnen und Zahnärzte in den Praxen erhebliche Alltagserfahrungen beisteuern und auch sehr viele wichtige neue Details bekannt geworden sind: All das hat nichts an einer Grundregel ändern können, die bereits von Anfang an die Kernbotschaft Nummer 1 ist und, wie eine aktuelle Parodontitis-Leitlinie zeigt, auch bleibt: die Bedeutung der häuslichen Mundhygiene. Vor wenigen Tagen erst hat die wissenschaftliche Fachgesellschaft im Bereich Parodontalerkrankungen dies noch einmal in einer Fachinformation bestätigt: Das Zusammenspiel aus regelmäßiger und sorgfältiger Mundreinigung zuhause und die unterstützenden Maßnahmen durch Kontrolltermine und professionelle Zahnreinigung in der Praxis sind der erste und wichtigste Schritt, eine Parodontitis – mit weitreichenden Folgen für den ganzen Organismus – zu vermeiden. Ebenfalls auf dieser Stufe, in einer Vielzahl von Studien bestätigt: nicht rauchen – und im Falle des Vorhandenseins eines Diabetes, den Status und die Einstellung regelmäßig prüfen zu lassen.

Hormone & Co: die Wechseljahre und der Mund

Aufgrund bereits vorliegender zahlreicher Studien zu der Rolle der Hormone bei Gesundheit oder Krankheit des Mundes ist es zwar keine neue Erkenntnis, dass nicht nur in Pubertät und Schwangerschaft, sondern auch in den Wechseljahren Zähne, Kiefer und Mundschleimhaut von Veränderungen im Hormonhaushalt betroffen sind. Ein kürzlich veröffentlichtes zahnärztliches Journal hat die Kernpunkte zum Aspekt Wechseljahre aber noch einmal zusammengefasst, um an die relevanten Aspekte zu erinnern. Besonders im Blick stehen die Folgen der absinkenden Östrogenproduktion. Konsequenzen hat dies beispielsweise auf die Mundschleimhaut: Sie kann, auch weil die Leistungsfähigkeit der Speicheldrüsen zurückgehen kann, austrocknen und leichter zu Reizungen neigen. Noch schwieriger wird es für die Mundschleimhaut, wenn Antidepressiva notwendig sind: Diese Medikamente trocknen ihrerseits den Mund aus. Manche Patientinnen beschreiben die Folgen als „pelziges Gefühl" im Mund. Auch können die Hormonveränderungen zu Folgen für den Knochenstoffwechsel führen und damit zu einer Schwächung des zahntragenden Systems. Sinnvoll ist daher, gerade in der Phase der hormonellen Umstellung, in regelmäßigem Austausch mit dem Team in der Zahnarztpraxis zu bleiben, um sich ankündigenden unerwünschten Entwicklungen frühzeitig Einhalt zu bieten.

Blick auf die Welt: mehr Mundgesundheit für alle

Die zahnmedizinische Profession tauscht über ihren Weltverband FDI (World Dental Federation) Erkenntnisse und Erfahrungen aus und entwickelt Gesundheitsziele – und hier insbesondere internationale. Kürzlich wurde ein solches neues weltweites Gesundheitsziel veröffentlicht: Unter dem Slogan „Vision 2030" will die weltweite Zahnärzteschaft nicht zuletzt mehr als bisher schon mit weiteren Disziplinen im Bereich Gesundheit und Vorsorge zusammenarbeiten, um die Mundgesundheit auf allen Kontinenten zu verbessern. Wie Erhebungen zeigen, gibt es beispielsweise Länder, in denen Mundkrebs zu den weit verbreiteten Erkrankungen gehören, mit erheblichen Folgen nicht nur für die Patienten selbst, sondern auch für die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Gesundheitssystems. Ein weiterer Fokus liegt auf der besseren Versorgung der älteren Menschen. Die FDI baut darauf, dass über eine bessere Zusammenarbeit von Zahnärzten und Hausärzten mehr Patienten erreicht werden können, die den Weg sonst gar nicht zu einer zahnärztlichen Behandlung fänden. Zudem belegt die Wissenschaft immer mehr Zusammenhänge von Mundkeimen und Allgemeinerkrankungen, entsprechende Expertise verbessert letztlich auch die hausärztliche Behandlung.

Parodontitis-Bakterien: Zusammenhang mit metabolischem Syndrom

Eine aktuelle Studie einer japanischen Wissenschaftlergruppe hat einen deutlichen Zusammenhang von Bakterien, die die Zahnbettentzündung Parodontitis auslösen, und Folgen für das sogenannte metabolische Syndrom aufgezeigt: Unter metabolischem Syndrom (Syndrom = Auftreten verschiedener Krankheitszeichen mit vermuteter gemeinsamer Ursache oder Folgewirkung) versteht man Erkrankungen, die zu einem Diabetes oder schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können. Wie die japanische Studie gezeigt hat, steigt dieses Risiko signifikant, wenn Parodontitis-Bakterien über den Blutkreislauf durch den Körper verteilt werden. Sie fanden einen klaren Zusammenhang mit Blick auf metabolisch bedingte Funktionsstörungen der Skelettmuskulatur. Im Zuge der Studie wurde zudem deutlich, wie stark die Mund-Bakterien auch das Darm-Biotop verändern können. Letztlich bestätigt auch diese Studie erneut, wie deutlich der Einfluss einer Parodontitis auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

Implantate: Wer macht was?

Wer ein Zahnimplantat benötigt, bekommt diese Art Zahnersatz natürlich in seiner Zahnarztarztpraxis: Daran ist alles richtig. Trotzdem ist damit nicht abgedeckt, wer alles an einer implantatgetragenen Zahnersatz-Versorgung mitbeteiligt ist. Je nach Ausrichtung der Zahnarztpraxis kann eine oralchirurgische Praxis für den Teil der Arbeit einbezogen sein, die sich um Vorbereitung und Einsetzen des Implantates kümmert. In der Regel ebenfalls mit integriert in den Gesamtablauf ist auch das Zahntechnik-Labor, das die Zahnkrone fertigt, die abschließend auf die eingesetzte künstliche Zahnwurzel, das Implantat, aufgesetzt wird. Wie der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente in einer aktuellen Mitteilung berichtet, erfordert die Herstellung von implantatgetragenem Zahnersatz ein sehr enges Zusammenspiel in Planung und Ausführung von zahnärztlichen und zahntechnischen Arbeits-Teilaufgaben. Das Zahntechnik-Labor ist zumeist auch für die Herstellung eines individuell ausgerichteten „Pfostens" zuständig, der das Verbindungsglied zwischen Implantat und Zahnkrone darstellt – und das, je nach Lage des Implantates und Aufgabe der Versorgung im Mund auch Neigungsprobleme ausgleichen muss. Heute laufen viele Abstimmungen zwischen Praxis und Labor über den Computer – das ermöglicht eine Feinabstimmung auch im Detail. Das Ergebnis ist jedenfalls immer: ein Unikat. Speziell für diesen einen Patienten.

Abgenutzte Zähne: Lispeln

Man kann sich die Bisshöhe seiner Zähne, genauer: die Zahnlänge regelrecht abarbeiten: durch Knirschen in der Nacht beispielsweise. Verschiedene Studien haben bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass mit dem veränderten und nicht mehr genau passenden Zusammenspiel von Ober- und Unterkieferzähnen auch die Aussprache leiden kann: Es entsteht ein Lispeln. Ob und wie sich die Sprachsituation verändert, wenn die Zähne „aufgebaut" und in ursprünglicher Länge und Form wieder hergestellt werden, das hat nun eine niederländische Forschergruppe getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Sprache im Laufe der Zeit und mit Gewöhnung an die neue Zahnstellung deutlich verbessert, es aber zumindest in der ersten Zeit oft zu einer Beibehaltung von Sprechfehlern beim „s" und beim „f" kommt. Das erinnert an vergleichbare Erfahrungen mit Zahnersatz, bei dem gerade die S- und F-Laute auch häufig zu Übergangs-Lispeln führen. Schön für die Patienten in der Studiengruppe: Sie selbst empfanden ihre Sprache als klarer und deutlicher auch dann schon, als die Verbesserung objektiv noch gar nicht so eindeutig messbar war.

Immer öfter Thema: Mundwasser gegen Corona-Viren

Nach den ersten Meldungen zum Ende des vergangenen Jahres sind Wissenschaft und Praxis beim Thema „Mundspülungen gegen SARS-CoV-2" mittlerweile deutlich vorangekommen: Inzwischen gibt es an einigen Orten in Deutschland Corona-Zentren, die über Gurgeln auf Corona-Viren testen, und es scheint sich die Vermutung zu erhärten, dass Mundwässer die relevanten Viren inaktivieren können. Wie verschiedene aktuelle Studienveröffentlichungen zeigen – und auch weitere anstehende Studien verdeutlichen – haben Mundspülungen in der Tat ein bemerkenswertes Potential. Kürzlich berichtete eine große deutsche zahnärztliche Fachzeitschrift über ermutigende Erfolge einer Studie aus Malaysia, die Mundwässer mit einer speziellen Jod-Anreicherung getestet hat, nicht zuletzt in verschiedenen Verdünnungen des Zusatzes. Noch stehen klinische Tests aus, die bestehenden Labor-Ergebnisse sehen aber erhebliches Potential: Die über den Mund aufgenommenen und damit für Mundwässer erreichbaren Corona-Viren konnten  zu fast 100 Prozent inaktiviert werden. Auch wenn solche Labor-Ergebnisse noch keine Bestätigung für die Wirksamkeit bei Patienten darstellen, haben bereits erste zahnärztliche Fachorganisationen in verschiedenen Ländern eine deutliche Empfehlung für den Einsatz solcher Produkte ausgesprochen. Weltweit werden derzeit viele ähnliche Studien geprüft, vermutlich wird in absehbarer Zeit auch für Deutschland eine wissenschaftliche Bewertung erfolgen.

Zahnimplantate: Voraussetzungen – und Vorteile

Wie eine aktuelle Meldung des Mundgesundheits-Informationsdienstes „proDente" zeigt, müssen vor der Entscheidung für ein Zahnimplantat einige Überlegungen angestellt werden, in gesundheitlicher, aber auch in finanzieller Hinsicht. Trotz der meist höheren Kosten und Eigenbeteiligung spricht aber auch vieles für ein Ja zu dieser Zahnersatz-Versorgung: beispielsweise, weil sie dem natürlichen Zahn schon sehr nah kommt. Wie der Pastpräsident der DGI / Deutsche Gesellschaft für Implantologie, Prof. Dr. Frank Schwarz, in dieser Meldung betont, ist für die Entscheidungsfindung eine sorgfältige Diagnostik der gesundheitlichen, vor allem der mundgesundheitlichen Situation des Patienten notwendig. Für einen nachhaltigen Erfolg der Implantatversorgung ist nicht zuletzt ein entzündungsfreies Gebiss eine wesentliche Voraussetzung. Nach wie vor gilt auch: Aufgrund der gestörten Einheilungsfähigkeiten verlieren Raucher deutlich mehr Implantate als Nichtraucher. Der Erfolg der Implantate als Zahnersatz-Variante hat viele Gründe, wie proDente darstellt, dazu gehört vor allem, dass sich der implantatgetragene Zahnersatz „fester" in den Mund integriert anfühlt und mehr Sicherheit vermittelt als manche herausnehmbare Prothese; zudem ist es auch biologisch ein Vorteil, dass gesunde Nachbarzähne nicht beschliffen werden müssen als Halteanker für eine Zahnersatz-Konstruktion. Ein weiterer biologischer Vorteil: Die implantierte künstliche Zahnwurzel übt auf den umgebenden Kieferknochen ähnlich wie die natürliche Zahnwurzel Druck aus und gibt ihm damit das Signal, dass er gebraucht wird und sich weiter entwickelt statt sich zurückzubilden.

Milchzahnunfall: Was ist zu beachten?

In der Altersgruppe bis 16 Jahre erleidet mehr als jedes zweite Kind in Europa ein Zahntrauma, einen Zahnunfall: Das sagte Prof. Dr. Andreas Filippi, Universität Basel, in einem Interview mit einer zahnmedizinischen Fachzeitschrift. Besonders oft sind Milchzähne von solchen Schäden betroffen. Als „Trauma" bezeichnet man bei Zähnen vor allem einen Bruch oder ein Verschieben des Zahnes beispielsweise nach einem Sturz.

Da neben den sichtbaren Folgen des Unfalls auch unsichtbare Schäden eingetreten sein könnten, die später die Behandlung beeinflussen würden, ist eine sehr umfangreiche Diagnostik nötig, die auch den Unfallhergang mit einbezieht. Ausgeschlossen werden muss beispielsweise ein Schädel-Hirn-Trauma, aber auch eine bakterielle Infektion: Hat das Kind einen Tetanus-Schutz, falls Bakterien irgendwo an einer Haut-Verletzung eingedrungen sind? Was zuerst behandelt wird, entscheidet sich je nach Ergebnissen des über die lokale Situation hinausgehenden Befundes und auch danach, welches Gewebe besonders verletzt ist – das kann der Zahn sein, das Weichgewebe oder auch der Kieferknochen. Für Eltern oder andere Begleiter des Kindes, zum Beispiel Lehrer in der Schule, gilt: das abgebrochene Stück Zahn bitte suchen und in Zahnrettungsbox oder kalte Milch legen für den Transport – und einen verschobenen Zahn nicht „zurückdrücken". Wichtig: in allen Fällen sofort zum Zahnarzt.

Wachsendes Interesse: Probiotika

Da Karies eine Zahnschädigung ist, die deutlich mit Ernährung in Zusammenhang steht, blickt auch die Wissenschaft immer mehr auf dieses Thema. Während anfangs vor allem solche Lebensmittel im Fokus der Untersuchungen standen, die sich auf die Zahngesundheit schädigend auswirken, kommen inzwischen auch immer öfter Nahrungsmittel in den Blick, die sich förderlich auf Zähne und Mundgesundheit auswirken könnten. Insbesondere sogenannte Probiotika spielen hier eine Rolle: Dabei handelt es sich um mit speziellen Mikroorganismen angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, die für ein ausgeglichenes Biosystem der verschiedenen Bakteriengruppen im Körper sorgen sollen. Für die Mundgesundheit spielen, so die Erwartung, insbesondere Lactobazillen (Milchsäure-Bakterien) eine Rolle. Wie eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt, könnte statt einem Nutzen solcher Lactobaziilen theoretisch sogar das Gegenteil der Fall sein: Die Karies-Bakterien verstoffwechseln nämlich auch Milchzucker zu Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Zudem sind nicht wenige Joghurt-Produkte, die mit probiotischer Zusammensetzung werben, mit Zucker angereichert. In einer Vergleichsstudie hatten Kinder, die priobiotisch angereicherte Milch bekommen hatten, dennoch einen besseren Zahngesundheitszustand – möglicherweise auch über den Umweg über den Darm, der die Keimsituation im Mund positiv verändert hat. Weitere Forschung verspricht interessante Aspekte für die Karies-Prävention.

MIH: bei Frühgeborenen öfter

Nach wie vor wird viel geforscht, woher Schmelzentwicklungsstörungen wie MIH kommen: MIH bedeutet „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation" und wird auch als „Kreidezähne" bezeichnet. Für die betroffenen Kinder ist diese Schmelzstörung in der Regel wegen Überempfindlichkeit der betroffenen Zähne schmerzhaft, die Zähne scheinen zu „bröckeln", sehen ungesund aus und sind schwer mit lokaler Anästhesie zu betäuben, wenn sie behandelt werden sollen. Während die Zahn-Entwicklungsstörung selbst keine neue Erkrankung ist, hat sich deren Auftreten aber so gehäuft, dass Wissenschaftler weltweit nach Ursachen und damit möglichen Wegen der Vermeidung suchen – sowie natürlich zu nachhaltig erfolgreichen Formen der Behandlung. Wie eine aktuelle Studien-Auswertung ergeben hat, ist die Wissenschaft nun in der ersteren Frage wieder einen Schritt vorangekommen: Laut einem aktuellen Bericht in einer zahnärztlichen Zeitung weisen den Studien zufolge Frühgeborene signifikant öfter Schmelzbildungsstörungen wie eine MIH auf. Da weitere Studien auch Zusammenhänge von gesundheitlicher Situation oder notwendiger Medikation der Mutter in der wichtigen Zahnentwicklungsphase im letzten Schwangerschaftsdrittel zeigen, könnte die neue Erkenntnis zu der Rolle von Frühgeburten diesen bereits zuvor beobachteten Zusammenhang untermauern. Aufgeklärt sind die Fragen nach der einen klaren Ursache von MIH damit noch immer nicht, aber erneut ist man einen wichtigen Schritt weitergekommen

Zukunft: Assistenzzahnarzt „Roboter“?

Schon heute hat die Digitalisierung einen großen Anteil an der Weiterentwicklung der zahnmedizinischen Diagnostik und Behandlung: Sensoren können Zahnabdrücke nehmen, diese zur Prüfung und Weiterbearbeitung auf den Computer von Zahnarzt und/oder Zahntechniker schicken – und per Knopfdruck fräst eine Maschine gemäß Computer-Angaben eine passgenaue Krone aus einem Materialblock. Teamwork von Mensch und digitaler Technik, zumal im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), wird in Zukunft vermutlich noch weiter zunehmen, wie eine aktuelle britische Studie vermuten lässt: In Zusammenarbeit mit einem Hersteller von dentalen KI-Systemen wurde untersucht, wer besser und genauer eine Karies diagnostizieren kann – die Zahnärzte oder der „Kollege Roboter"? Dabei zeigte sich, dass die Ergebnisse der digitalen Assistenten mit dem Blick auf die Kariessituation genauer und vergleichbarer waren als die der Zahnärzte. Allerdings konnten die KI-Systeme keine persönlichen Besonderheiten des Patienten berücksichtigen, die mit in die Einschätzung der Kariessituation hineinspielen können. Für die Zukunft als „Zweitmeinung" sind KI-Systeme aber laut Studie interessant.

Einmal lackieren bitte: Schutz für Kinderzähne

Zuerst einmal ist es wichtig, dass den Eltern eines ganz klar ist: Jeder einzelne Milchzahn ist wichtig und sollte so lange gesund und an seinem Platz sein, wie die Natur das mal geplant hat. Milchzähne sind beteiligt am harmonischen Wachstum von Gesicht und Kopf, und sie bereiten den stabilen Platz für die zweiten Zähne vor, mit denen man seine spätere Jugend und die ganze Erwachsenenzeit verbringt. Wenn man sorgfältig mit seinen Zähnen umgeht, auch bis ins hohe Alter. Insofern ist es unbedingt wichtig, dass die Milchzähne gesund über ihre Einsatzzeit kommen! Leider haben viele Kinder heute – übrigens öfter als noch vor wenigen Jahren – keine Chance, mit gesunden Milchzähnen in den Zahnwechsel zu gehen, der sich rund um die Zeit der Grundschule abspielt. Frühkindliche Karies bringt schon Kleinkinder in die Zahnarztpraxis, die anstelle von Zähnchen nur noch braune verfaulte Stummelzähne aufweisen. Kinderzähne lassen sich allerdings auf verschiedene Weise schützen, wie vor wenigen Wochen ein Bericht in einem Zahnärzte-Journal zeigte: Neben einer guten Mundpflege, die man beispielsweise in der Kinderzahnarztpraxis lernen kann (man erfährt hier auch, welche Zahnbürste und Zahnpasta und Methode besonders geeignet ist), gibt es auch die Möglichkeit, die Milchzähne zu „lackieren": Fluoridlack unterstützt die Milchzahngesundheit einerseits durch das enthaltene Fluorid, das den Zahnschmelz widerstandsfähiger macht, und andererseits durch die „Abdeckung" von besonders gefährdeten Bereichen wie den Zahnrillen in den Backenzähnen. Ob und wann ein „Lackieren" Sinn macht, erklärt einem gern das Praxisteam.

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