Patienten-News

Karies: angeboren oder erworben?

Eine spannende Geschwisterstudie widmete sich kürzlich der Frage, was Ursache für die Entwicklung kindlicher Karies ist – die Gene oder die Umstände? Dabei zeigte sich, dass die Geschwister in einer Familie, deren Eltern wert legten auf regelmäßige Mundhygiene, gesündere Zähne hatten als die Geschwister in einer Familie mit eher nachlässigerer Einstellung zur Mundpflege. Besonders relevant war der Bildungsgrad der Mutter: Kinder von Müttern mit Mindestschulbildung hatten doppelt so viel Karies wie die Kinder vergleichbaren Alters von Müttern mit hoher Bildungsstufe (Hochschule, Universität). Leicht höher war die Kariesrate bei Kindern alleinerziehender Mütter gegenüber denen, deren Mütter verheiratet waren oder in einer festen Beziehung lebten. Nicht geklärt werden konnten die direkten Einflussfaktoren. Mögliche Gründe könnten die bei höherer Bildung bessere Kommunikation sein sowie ein stringenteres Einhalten von Organisation und Kontrolle. Zugewandtes Verhalten wurde als förderlich für die Mundgesundheit erachtet und dient der gesunden Entwicklung aller Geschwisterkinder ebenso wie eine weniger zugewandte Erziehung allen Geschwisterkindern gleichermaßen nicht gut tut. Die Rolle der Gene spielte vergleichsweise eine erheblich untergeordnete Rolle.

Patientendatenmissbrauch: Preisvergleich beim Zahnarzt

Im Internet kursieren verschiedene Anbieter, die sich mit Preisvergleichen in die Behandlungs- und Vertragsebene zwischen Zahnarzt und Patient drängen. Dabei nehmen es manche offensichtlich nicht so genau mit dem Schutz der Patientendaten. Vor wenigen Wochen informierte die Landeszahnärztekammer Nordrhein, dass das Landgericht Düsseldorf es als nicht rechtens erachtet habe, dass ohne Rücksprache und Erlaubnis der betroffenen Patienten deren Daten ungefragt an Zahnärzte gesendet wurden mit dem Auftrag, ein „Gegenangebot" zum bestehenden Heil- und Kostenplan zu erstellen. Zwar haben die Patienten eingewilligt, dass mit dem Einstellen ihres Heil- und Kostenplanes bei diesem Portal registrierte Zahnärzte ein alternatives Angebot erstellen dürfen – allerdings hat der Portalbetreiber nicht nur „registrierte" und diesen die Patientendaten zugänglich gemacht. Aus Wettbewerbsgründen und wegen Versendens unzulässiger eMails gab das Landgericht der Zahnärztekammer Recht, die eine Unterlassung dieses unlauteren Vorgehens gefordert hatte. Das Urteil ist rechtskräftig.

Erkenntnis: Kauen hilft gegen Infekte

Wer kräftig kaut, erleichtert dem Körper nicht nur die Verdauung, weil die Nahrung bereits besser verwertbar Richtung Magen und Darm rutscht: Wie eine internationale Forschergruppe kürzlich publizierte, aktiviert man in der Mundhöhle über intensives Kauen besonders von harten Lebensmitteln auch sogenannte T-Helferzellen. Ihre Aufgabe ist die Bekämpfung krankmachender Bakterien. Die Wissenschaftler prüfen nun, ob sich das Immunsystem über kräftiges Kauen verbessern lässt und die Abwehrkräfte eines Menschen dadurch steigen. Wie bei anderen Gesundheitstipps auch müssen aber Grenzen beachtet werden: Zuviel hilft nicht, sondern schadet. Die Forscher beobachteten, dass sich nach einer längeren Phase kraftvollen Kauens Entzündungen im Mund wie Zahnfleischentzündung (Gingivitis) bzw. Zahnbettentzündung (Parodontitis) entwickelten.

Zahnzwischenraum: Hygiene-Chancen nutzen

Viele wissenschaftliche medizinische Studien haben in den letzten Jahren belegt, wie wichtig die Vermeidung chronischer Entzündungen für die Allgemeingesundheit sind. Das betrifft nicht zuletzt die Vermeidung von Parodontitis, der weit verbreiteten Zahnbettentzündung. Bei einer ausgeprägten Erkrankung kann eine Fläche chronisch entzündet sein, die – alle infizierten Bereiche um die Zähne addiert – das Ausmaß einer Handfläche annehmen kann.

Es ist inzwischen erwiesen, dass die Abwehrstoffe des Körpers, die eigentlich zur Abwehr akuter Infektionen gedacht sind, bei chronischen Entzündungen auch körpereigene Strukturen wie beispielsweise bestimmte Organe oder auch die Blutgefäße schädigen können. Wie man inzwischen weiß, haben die immunologischen Signalstoffe auch Auswirkungen auf das Altern. Eine chronische Entzündung im Mund hat also Auswirkungen weit über den Mund hinaus. Insofern ist eine sorgfältige Mundhygiene auch für die Allgemeingesundheit und die Lebensqualität wichtig. Stiefkind bei der regelmäßigen häuslichen Mundpflege sind dabei oft ausgerechnet die Zahnzwischenräume, in denen sich riskante Bakterien vor Zahnbürste & Co verstecken können. Die Ende März zuende gegangene größte Dentalmesse weltweit in Köln hat eine große Vielfalt an neuen modernen Produkten gezeigt, die zwischen den Zähnen für Sauberkeit sorgen. Entsprechende Beratung bieten die Zahnärzte und ihr professionelles Team, aber auch manche spezialisierten Apotheken.

Patientendatenmissbrauch: Preisvergleich beim Zahnarzt

Wer kräftig kaut, erleichtert dem Körper nicht nur die Verdauung, weil die Nahrung bereits besser verwertbar Richtung Magen und Darm rutscht: Wie eine internationale Forschergruppe kürzlich publizierte, aktiviert man in der Mundhöhle über intensives Kauen besonders von harten Lebensmitteln auch sogenannte T-Helferzellen. Ihre Aufgabe ist die Bekämpfung krankmachender Bakterien. Die Wissenschaftler prüfen nun, ob sich das Immunsystem über kräftiges Kauen verbessern lässt und die Abwehrkräfte eines Menschen dadurch steigen. Wie bei anderen Gesundheitstipps auch müssen aber Grenzen beachtet werden: Zuviel hilft nicht, sondern schadet. Die Forscher beobachteten, dass sich nach einer längeren Phase kraftvollen Kauens Entzündungen im Mund wie Zahnfleischentzündung (Gingivitis) bzw. Zahnbettentzündung (Parodontitis) entwickelten.

Zähne: Informationsboten zum Gehirn

Wer ausprobieren möchte, was seine Zähne als Informationsboten zum Gehirn leisten, kann sich einen dünnen Faden auf die Backenzähne legen und zubeißen: Die Störung wird sofort bemerkt, obwohl die Zähne selbst von der härtesten Substanz des Körpers, dem Zahnschmelz, umgeben sind. Grund für die Empfindsamkeit sind Sensoren unter dem natürlichen Zahn, die auch auf feinsten Druck reagieren und über die Nerven das Gehirn informieren, dass zwischen den Zähnen ein Fremdkörper liegt. Das ist wichtig, denn das Gehirn muss entsprechend entscheiden, ob hier kraftvoll zugebissen werden kann – oder lieber nicht, wenn beispielsweise eine harte Nuss die Zähne beim Zubeißen verletzen könnte. Das erklärt auch, warum man bei einer Implantatversorgung vorsichtiger sein muss, was man isst oder kaut: Anders als beim natürlichen Zahn sind die Sensoren bei einem Implantat nicht so empfindlich, so dass man den gar zu kräftigen Kaudruck oft erst spät merkt. Auf solche und weitere Zusammenhänge verwies kürzlich Dr. Giuseppe Allais bei einer Fortbildungsveranstaltung für Implantologen. Das erkläre auch, warum der Körper Zeit brauche, sich an „dritte Zähne" zu gewöhnen. Er bezeichnete die Zähne als „Sinnesorgan", das über das Gehirn mit dem Körper kommuniziere. Ginge ein Zahn verloren, sei damit auch dieser Kommunikationsweg ausgeschaltet.

2. Professionelle Zahnreinigung: Wie oft ist normal?

Wie häufig man eine professionelle Zahnreinigung (PZR) machen lassen sollte, ist individuell sehr verschieden. Bei manchen Patienten reicht ein Termin pro Jahr, andere brauchen zwei oder noch mehr PZR-Behandlungen. Die Abstände hängen davon ab, ob der Mund weitgehend gesund ist oder es mundgesundheitliche oder allgemeingesundheitliche Probleme gibt. Wie eine Studie anlässlich der zurückliegenden Internationalen Dentalschau, der Weltmesse der Zahnmedizin in Köln, zeigte, muss bei der Planung der Anzahl der PZR-Termine insbesondere die Neigung des Patienten zu Zahnsteinbildung berücksichtigt werden: Für eine erhöhte Neigung zu verhärtenden Zahnbelägen kann die gesundheitliche Situation des Patienten sprechen, beispielsweise können Medikamente am Rückgang der Speichelproduktion beteiligt sein und so die Selbstreinigung im Mund reduzieren. Aber auch alltägliche Verhaltensmuster können eine häufigere Zahnreinigung nötig machen: Wer raucht oder auf andere Weise „klebrige Farbpigmente" zu sich nimmt, z.B. über Rotwein oder Tee, wird entsprechende Verfärbungen nur über die professionellen Techniken und passenden Produkte in der Zahnarztpraxis wieder los. Saubere Zähne sind das A und O für eine nachhaltige Mundgesundheit – und eine Profi-Reinigung in der Zahnarztpraxis für immer mehr Menschen daher selbstverständlich: Wie oft, das lässt sich am besten mit dem Praxisteam klären.

Implantate – Option, nicht Ziel

Die präventionsorientierte Zahnheilkunde, die die früher auf Reparatur ausgerichtete Zahnmedizin vor rund 30 Jahren abgelöst hat, ist auch in der Implantologie prägend. Wie Zahnarzt Dr. Sepp Diemer bei einer Fachveranstaltung der DGI-Masterakademie kürzlich noch einmal betonte, sind Implantate eine hervorragende Behandlungs-Option, wenn ein Zahn nicht erhalten werden kann. Zuvor allerdings sei gut zu prüfen, ob der Erhalt des erkrankten Zahnes tatsächlich nicht möglich ist: Die in den letzten Jahren erheblich in ihren Möglichkeiten und Erfolgen verbesserte Therapie erkrankter Zahnwurzeln lässt heute die eigenen natürlichen Zähne oft noch für viele Jahre ihren Platz in der Mundhöhle nutzen. Das biologische System bleibt weitgehend erhalten, es muss kein „Zahnwurzelersatz", also ein Implantat, eingesetzt werden. Damit der Zahn nach erfolgreicher Wurzelbehandlung ein langes Überlegen zeigen kann, muss er perfekt verschlossen und restauriert werden, um das Eindringen von Keimen in den gesäuberten und behandelten Wurzelbereich zu verhindern. Implantat- und Wurzelbehandlung sind hinsichtlich des zahnärztlichen Aufwandes zumeist weitgehend gleichermaßen anspruchsvoll.

Das Kariesrisiko steckt auch in den Genen

Wenn aggressive Bakterien den Zahnschmelz angreifen und eine Karies verursachen, ist für diesen Prozess eine schlechte Mundhygiene entscheidend verantwortlich. Allerdings spielt auch die genetische Ausstattung des Zahnbesitzers eine Rolle. Sind bestimmte Gene verändert, hat dies Auswirkungen auf Härte und Zusammensetzung des Zahnschmelzes – und damit auf dessen Widerstandsfähigkeit gegen bakterielle Attacken. Das haben Forscher von der Universität in Zürich herausgefunden. Diese Gene enthalten den Bauplan für Proteine, die als Signalstoffe die Entwicklung verschiedener Gewebe steuern – darunter auch die des Zahnschmelzes. Sind die genetischen Bauanleitungen für diese Signalproteine mutiert, funktioniert die Signalübertragung nicht richtig und verändert die Struktur des Zahnschmelzes.

Quellen: Sci Signal. 2017 Feb 7;10(465). pii: eaah4598. doi: 10.1126/scisignal.aah4598.
A cytoplasmic role of Wnt/β-catenin transcriptional cofactors Bcl9, Bcl9l, and Pygopus in tooth enamel formation.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28174279

Endlich wieder kraftvoll zubeißen

Bei völliger Zahnlosigkeit genügt es bereits, die Unterkieferprothese auf Zahnimplantaten zu verankern, um das Essen zu erleichtern und die Kaukraft zu erhöhen. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie mit Patientinnen und Patienten, die brasilianische Zahnärzte mit einer Vollprothese versorgten. Dabei wurde nur die Unterkieferprothese auf Zahnimplantaten verankert, während der Oberkiefer mit einer konventionellen Prothese versorgt wurde. Bereits vor Beginn der Implantattherapie untersuchten die Wissenschaftler den Kaukomfort und die Kaukraft der Patienten und wiederholten die Untersuchungen an mehreren Zeitpunkten der Therapie. Wie sie in einer Fachzeitschrift berichten, verbesserten sich der Kaukomfort, die Kaukraft und nicht zuletzt die Lebensqualität kontinuierlich im Laufe der Behandlung. „Das ist eine gute Nachricht für ältere Patientinnen und Patienten", schreiben die Experten.

Quellen: Clin Oral Implants Res. 2016 Sep 11. doi: 10.1111/clr.12980. [Epub ahead of print]
Electromyography evaluation of masseter and temporalis, bite force, and quality of life in elderly patients during the adaptation of mandibular implant-supported overdentures.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27616640

Mundhygiene in der Steinzeit

Die menschlichen Urahnen in Altsteinzeit hatten zwar noch nicht das Feuer als Koch- und Brathilfe entdeckt, nutzten dafür aber offensichtlich schon hölzerne Holzsplitter als Zahnstocher. Das berichtet ein spanisches Forscherteam, das Teile eines menschlichen Unterkiefers untersucht hat, der zwischen 1,1 und 1,2 Millionen Jahre alt ist.

Die Analyse von Zahnstein an den Zähnen in diesem Unterkiefer zeigte, dass sich der Besitzer durchaus ausgewogen von Fleisch und stärkehaltigen Pflanzen ernährt hatte, allerdings nur in rohem Zustand. Gebratenes und Gekochtes schien nicht auf seinem Speisezettel zu stehen. Außerdem entdeckten Die Wissenschaftler Holzfasern, die auf eine Art von Zahnstocher hindeuten. Dies ist insofern ungewöhnlich, da es ansonsten nur bei einem 49.000 Jahre alten Neanderthal-Gebiß Hinweise auf diese klassische Form der Zahnreinigung gibt.

Quellen: Hardy, K. et al. (2016). Diet and environment 1.2 million years ago revealed through analysis of dental calculus from Europe's oldest hominin at Sima del Elefante, Spain. The Science of Nature. DOI 10.1007/s00114-016-1420-x

 

 

Zahnarztangst und Schmerz

Wenn Patienten unter Angst vor dem Zahnarzt oder eine Zahnbehandlung leiden, hat dies nicht nur Auswirkungen darauf, wie schmerzhaft sie ihre Behandlung empfinden, sondern auch, ob sie erwarten, dass die Behandlung schmerzhaft sein wird. Das zeigt eine Untersuchung chinesischer Wissenschaftler, die insgesamt 35 Studien zum Thema Zahnangst erneut analysiert haben. Die Angst vor der Behandlung beeinflusst die Schmerzintensität, die betroffene Patienten während der Therapie empfinden – und diese Intensität hängt auch von der Erwartungshaltung ab. Darum empfehlen die Experten ihren zahnärztlichen Kolleginnen und Kollegen, das Thema Zahnangst auch bei der Schmerzbehandlung zu beachten.

Quellen: Journal of Dental Research jdr.sagepub.com Published online before print November 14, 2016, doi: 10.1177/0022034516678168
JDR November 14, 2016 0022034516678168
Association between Anxiety and Pain in Dental Treatment

 

 

Ein gesunder Mund im gesunden Körper

Zahnverlust und Zahnfleischerkrankungen gehen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall einher. Das zeigt eine Untersuchung australischer Wissenschaftler mit mehr als 170.000 Erwachsenen, die zwischen 45 und 72 Jahre alt waren.  Die Forscher erhoben zunächst die Mundgesundheit der Probanden und verknüpften diese Ergebnisse mit Krankenhausaufenthalten in den nachfolgenden Jahren. Dabei zeigte sich eindeutig, dass das Risiko für Herzkreislauferkrankungen signifikant stieg, wenn die Probanden angaben, unter Zahnverlust und Zahnfleischentzündungen zu leiden. „Zahnverlust ist ein Marker für ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzerkrankungen", schreiben die Wissenschaftler.

Quellen: BMJ Open. 2016 Aug 30;6(8):e012386. doi: 10.1136/bmjopen-2016-012386.
Is poor oral health a risk marker for incident cardiovascular disease hospitalisation and all-cause mortality? Findings from 172 630 participants from the prospective 45 and Up Study. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27577588

Sozialkontakte, Depression und Mundgesundheit

Wenn Senioren sozial gut eingebunden sind, Freunde und Gesellschaft haben, ist ihr Zahnverlust geringer ausgeprägt als bei alten Menschen, die weniger gut in eine Gemeinschaft integriert sind. Das haben japanische Forscher bei einer großen Untersuchung herausgefunden. Eine schlechte Mundgesundheit und fehlende Zähne wirken sich auf das Sozialleben nachteilig aus. Wer Probleme beim Lachen und Essen hat, meidet oft den Kontakt mit anderen. Bei einer Folgestudie haben die Wissenschaftler darüber hinaus festgestellt, dass Zahnverlust und Probleme mit der Mundgesundheit auch die Lebensfreude beeinträchtigen und dazu führen können, dass die Betroffenen depressiv werden oder sich eine Depression verstärkt.

Quellen:
BMJ Open. 2016 Apr 5;6(4):e010768. doi: 10.1136/bmjopen-2015-010768.

Community social capital and tooth loss in Japanese older people: a longitudinal cohort study.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27048636
J Am Geriatr Soc. 2017 Feb 6. doi: 10.1111/jgs.14777. [Epub ahead of print]
Oral Health and Incident Depressive Symptoms: JAGES Project Longitudinal Study in Older Japanese.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28165614

 

 

Zuckerkonsum und Karies

Je höher der Zuckerkonsum, desto höher ist das Kariesrisiko. Dies hat unlängst erneut ein internationales Wissenschaftlerteam bei einer begleitenden Untersuchung an Heranwachsenden in Brasilien bestätigt. Eine Gruppe von Kindern wurde immer wieder im Alter von vier, sechs, zwölf und 18 Jahren untersucht. Jene Kinder, die viel Zucker konsumierten hatten ein um 66 Prozent höheres Kariesrisiko als Kinder, die auf Süßes weitestgehend verzichteten. Dieses Risiko können Schulen reduzieren, wenn sie ihr Angebot auf eine gesunde Ernährung umstellen. Das zeigt eine weitere Studie australischer Forscher. Als eine Schule stark gezuckerte Getränke und Snacks nicht mehr anbot, war die Mundgesundheit der Kinder im Vergleich zu anderen Schulen in der Umgebung deutlich besser.

Quellen:
Sugar Consumption and Changes in Dental Caries from Childhood to Adolescence; Journal of Dental Research 2016, Vol. 95(4)

: J Paediatr Child Health. 2017 Jan 10. doi: 10.1111/jpc.13449. [Epub ahead of print]
Low sugar nutrition policies and dental caries: A study of primary schools in South Auckland.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28073166

Alter und Zahnbetterkrankungen

Chinesische Forscher haben jungen und alten Mäusen genau in den Mund gesehen, um etwas über die menschliche Mundgesundheit zu lernen. Bei den alten Tieren ist die Zahl der unterschiedlichen Bakterienarten in der Mundhöhle deutlich niedriger als bei jungen Tieren. Fachleute sprechen dann von einer geringeren Diversität des Mikrobioms im Mund. Dies schwächt die Abwehr gegen Keime, die Zahnbetterkrankungen (Parodontitis) verursachen. Genau stellten die Forscher auch bei den alten Mäusen fest. Als die Wissenschaftler den Tieren Bakterien in die Mundhöhle verabreichten, welche bei Parodontitis eine Rolle spielen, konnten die sich dort besser vermehren als bei den jungen Tieren. Das Fazit: Eine gute Mundhygiene ist auch im Alter wichtig, nicht nur bei Mäusen.

Quelle: J Dent Res. 2016 Apr;95(4):460-6. doi: 10.1177/0022034515625962. Epub 2016 Jan 13.
Effect of Aging on Periodontal Inflammation, Microbial Colonization, and Disease Susceptibility.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Effect+of+Aging+on+Periodontal+Inflammation%2C+Microbial+Colonization%2C+and+Disease+Susceptibility

Tee trinken für die Mundgesundheit

Ein Extrakt aus grünem Tee scheint Entzündungen der Schleimhaut ähnlich wirksam bekämpfen zu können wie Chlorhexidin. Das zeigt eine Untersuchung iranischer Wissenschaftler. Nun berichten indische Forscher, dass eine Mundspüllösung mit grünem Tee bei Kindern die Kariesbakterien im Mund in Schach halten kann. Andere Studien zeigen, dass auch schon der Genuß von grünem Tee sich günstig auf die Mundgesundheit auswirkt: Der Tee, aufgebrüht mit 90 Grad heißem Wasser gegen Karieserreger wirksam ist.

Quelle: J Indian Soc Pedod Prev Dent. 2017 Jan-Mar;35(1):41-46. doi: 10.4103/0970-4388.199227.
Effect of green tea mouth rinse on Streptococcus mutans in plaque and saliva in children: An in vivo study.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28139481

Rauchen stört die Balance der Mundflora

Rauchen schädigt nicht nur Herz und Kreislauf, Lunge und Atemwege, sondern verändert auch das Gleichgewicht zwischen den bakteriellen Bewohnern der Mundhöhle. Das haben US-amerikanische Wissenschaftler bei einer Untersuchung mit mehr als 1000 erwachsenen Nichtrauchern und Rauchern herausgefunden. Bestimmte Bakterienarten, vor allem Karieserreger waren bei den Rauchern häufiger. Seltener waren hingegen Bakterien, die Schadstoffe abbauen können. Diese Veränderung der Mundflora hat nicht nur Folgen für die Mundgesundheit, sondern auch Auswirkungen auf den ganzen Körper.

Quelle: ISME J. 2016 Oct;10(10):2435-46. doi: 10.1038/ismej.2016.37. Epub 2016 Mar 25
Cigarette smoking and the oral microbiome in a large study of American adults.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Cigarette+smoking+and+the+oral+microbiome+in+a+large+study+of+American+adults

Hilfe gegen schlechten Atem

Mundgeruch, von Zahnärzten Halitosis genannt, kann viele verschiedene Ursachen haben. Doch im fast 90 Prozent der Fälle lassen sich diese in der Mundhöhle finden. Erkrankungen des Zahnhalteapparats, ungepflegter Zahnersatz oder lokale Infektionen können die Ursache sein. Häufig ist aber auch nur eine ungenügende Mundhygiene verantwortlich: Wenn bakterielle Mundbewohner Speiseresten abbauen, werden Schwefelverbindungen freigesetzt, die den typischen fauligen Geruch verursachen. Auch wenn die Speicheldrüsen zu wenig Speichel produzieren oder Medikamente zu Mundtrockenheit führen sowie starker Kaffee- und Nikotingenuß spielen eine Rolle.

Bei Mundgeruch finden Patienten im Team der Zahnarztpraxis kompetente Ansprechpartner, die helfen können, die Ursache zu diagnostizieren und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Oft genügen eine professionelle Zahnreinigung und die Anleitung zu einer konsequenten Mundhygiene, Zungenreinigung eingeschlossen, um das Problem zu lösen.
Quelle: Dental team

Nach einem Herzinfarkt auch zum Zahnarzt

Gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch sind ein wichtiger Faktor bei der Verhütung von Herz-Kreislauferkrankungen. Dies belegt inzwischen eine Fülle von Studien. Leiden Patienten an einer instabilen Angina pectoris („Brustenge") oder haben bereits einen Herzinfarkt erlitten, empfehlen Herzspezialisten eine zahnärztliche Untersuchung der Mundgesundheit. Eine neue Untersuchung aus Schweden belegt, dass 43 Prozent der Infarkt-Patienten eine Entzündung des Zahnbettes (Parodontitis) hatten. In der Gruppe gesunder Kontrollpersonen war hingegen nur ein Drittel betroffen. Patienten mit einer Parodontitis hatten auch ein deutlich höheres Herzinfarktrisiko.
Quelle: MMW, 2016, 12 Fortbildung

Nach einem Herzinfarkt auch zum Zahnarzt

Gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch sind ein wichtiger Faktor bei der Verhütung von Herz-Kreislauferkrankungen. Dies belegt inzwischen eine Fülle von Studien. Leiden Patienten an einer instabilen Angina pectoris („Brustenge") oder haben bereits einen Herzinfarkt erlitten, empfehlen Herzspezialisten eine zahnärztliche Untersuchung der Mundgesundheit. Eine neue Untersuchung aus Schweden belegt, dass 43 Prozent der Infarkt-Patienten eine Entzündung des Zahnbettes (Parodontitis) hatten. In der Gruppe gesunder Kontrollpersonen war hingegen nur ein Drittel betroffen. Patienten mit einer Parodontitis hatten auch ein deutlich höheres Herzinfarktrisiko.
Quelle: MMW, 2016, 12 Fortbildung

Zahnärzte können Physiotherapie verordnen

Hat ein gesetzlich versicherter Patient Beschwerden, Heilungs- oder Funktionsstörungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich, kann der Zahnarzt voraussichtlich ab 1. Juli 2o17 eine Physiotherapie oder eine physikalische Therapie verordnen. Auch für Sprech- oder Sprachübungen kann er ein Rezept ausstellen, die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Basis ist eine erste zahnärztliche Heilmittel-Richtlinie, die unlängst verabschiedet wurde. Wenn der Zahnarzt beispielsweise Bewegungs- und Funktionsstörungen oder eine Gelenkblockade im Kiefergelenk diagnostiziert, sind Physiotherapie oder eine manuelle Therapie hilfreich.

Amalgam: Für Kinder und Schwangere nur als Ausnahme

Ab Juli 2018 dürfen Kinder und Schwangere in der Europäischen Union nur noch in Ausnahmefällen Zahnfüllungen aus Amalgam erhalten. In Deutschland gibt es auf diesem Gebiet bereits Regelungen. Ein weitergehendes Verbot in der Europäischen Union gibt es vorerst nicht. Darauf haben sich das Europäische Parlament, der Europäische Rat und die Europäische Kommission Ende 2016 geeinigt. Der Grund: Es gibt bislang keine Studien, die die Schädlichkeit von Amalgam eindeutig belegen. Auch die Weltgesundheitsorganisation verweist darauf, dass es bislang kein verlässlicheres Füllmaterial gebe. In Deutschland hatte sich die Bundeszahnärztekammer gegen ein absolutes Verbot ausgesprochen.
Quelle: ZM 1.1.2017

Was Hänschen lernt...

Wenn Kinder in einem Haushalt aufwachsen, in dem der Zahnarztbesuch zur Kontrolle von Zähnen und Zahnfleisch eine Selbstverständlichkeit ist, nehmen sie dieses Verhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Erwachsenenalter mit. Wenn Eltern den Gang zum Zahnarzt scheuen, übernehmen die Kinder oft auch dieses Verhaltensmuster. Ob Menschen im Erwachsenenalter regelmäßig zum Zahnarzt gehen entscheidet sich also im Wesentlichen bereits im Kindesalter. Dieses Fazit ziehen Forscherteams aus einer umfangreichen Untersuchung des Gesundheitsverhaltens in 13 EU-Staaten.

Zahnimplantate: Nachsorge ist Bestandteil der Therapie

„Um eine „Periimplantitis" genannte Entzündung der Gewebe um ein Implantat herum zu vermeiden sind Kontrolluntersuchungen sowie eine konsequente Behandlung von Entzündungen der Mundschleimhaut wichtig, ", erklärt DGI-Präsident Professor Frank Schwarz von der Universität Düsseldorf. Darum gehöre, so der Experte, eine konsequente Nachsorge zu einer Implantatbehandlung dazu. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass etwa 15 Prozent der Implantatpatienten an einer moderaten bis schweren Periimplantitis erkranken, wobei verschiedene Risikofaktoren eine Rolle spielen. Wird die Entzündung nicht behandelt, droht der Verlust des Implantates.

Zahndurchbruch: schwere Krankheitszeichen gehören nicht zu den Symptomen

Das Kleinkind quengelt und weint. Wenn die ersten Zähnchen zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat durchbrechen, sind manche Kinder sehr beeinträchtigt. Schließlich ist dieser Vorgang oft schmerzhaft. Doch welche Symptome können dem Zahndurchbruch zugeschrieben werden – und welche haben wahrscheinlich andere Ursachen? Kinderzahnärzte beobachteten acht Monate lang immer wieder den Gesundheitszustand von 47 zahnenden Kleinkindern. Resultat: Am Tag des Zahndurchbruchs und am Folgetag traten bei den Kleinen Reizbarkeit, vermehrter Speichelfluss, eine laufende Nase und Appetitlosigkeit besonders häufig auf. Kein Kind litt jedoch unter Krämpfen oder Koliken. Erbrechen war sehr selten. „Fieber oder andere schwere Krankheitszeichen gehörten nicht zu den Begleiterscheinungen des Zahnens", schreiben die Kinderzahnärzte in der Fachzeitschrift Pediatrics.   

Übergewicht beeinträchtigt Parodontitis-Therapie

Schweres Übergewicht (Adipositas) beeinträchtigt die Wirksamkeit einer Parodontitis-Behandlung. Das zeigt eine Untersuchung britischer Wissenschaftler. Die Forscher hatten insgesamt 260 Patienten mit schwerer Parodontitis zwei Monate nach einer intensiven nicht-chirurgischen Behandlung nachuntersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Therapie die Entzündung des Zahnhalteapparates bei adipösen Patienten deutlich schlechter zurückdrängen konnte als bei Normalgewichtigen: Die Tiefe der Zahntaschen hatte sich durch die Behandlung nicht verändert. „Übergewicht beeinflusst das Behandlungsergebnis in einem vergleichbaren Ausmaß wie Rauchen", betonen die Forscher.

 

Quelle: Suvan, J. Body Mass Index as a Predictive Factor of Periodontal Therapy Outcomes
JD

Trockner Mund: Gründe und Folgen

Es gibt viele Gründe für einen trockenen Mund, der für die Patienten sehr unangenehm ist und zudem die Mundgesundheit gefährden kann. Im Vordergrund stehen spezielle Medikamente, bei denen die Mundtrockenheit zu den häufigen Nebenwirkungen gehört, aber auch Stress kann den Speichelfluss reduzieren. Bei alten Menschen ist die Speichelproduktion von Natur aus reduziert. Unangenehme Folge von Mundtrockenheit kann Karies sein, weil der zahnschützende Speichel nicht ausreichend zum Umspülen zur Verfügung steht. Begleitet wird diese Entwicklung nicht selten durch deutlichen Mundgeruch, da die Nahrung nicht schnell genug „weggespült" werden kann und Bakterien Zeit haben, sie zu verstoffwechseln. Ist die Mundschleimhaut trocken, neigt sie zudem eher zu schmerzhaften kleinen Rissen oder Verletzungen – hier kann schon eine Möhre oder eine Nuss problematisch werden, sagte Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, kürzlich in einem Beitrag in der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Normalerweise produziere der Körper pro Tag rund einen bis anderthalb Liter Speichel. Ist die Produktion durch eine Verminderung der Leistung der Speicheldrüsen reduziert, kann neben einer zu steigernden Flüssigkeitsaufnehme durch Wasser auch das Kauen von Kaugummi hilfreich sein, so eine Sprecherin der Bundesapothekerkammer.

Zahnsorgen: Ist „alle ziehen“ eine Lösung?

Manche Menschen haben mit ihren Zähnen so viele Probleme, dass sie beim Zahnarzt fragen: Wäre es nicht sinnvoll, sie einfach alle zu ziehen? Dass sich das Problem der Infektionen damit nicht ein für alle Mal löst, zeigte kürzlich eine Untersuchung von Dr. Amit Sachdeo DDS aus Boston. Auch nach Extraktion aller natürlichen Zähne fanden sich krankmachende Parodontitis-Bakterien an mehreren Stellen im Mund, so an der Wangenschleimhaut, auf der Zunge, am Gaumen und auf dem Mundboden. Andere Wissenschaftler wiesen die entsprechenden Keime auch auf den „Mandeln" im Rachenraum und im Speichel nach. Da die zahnlosen Patienten irgendeine Form von Ersatzzähnen für die Nahrungsaufnahme benötigen, ist davon auszugehen, dass auch der Zahnersatz in einem ungesunden Keim-Milieu seine Aufgaben erfüllen muss: Die vorhandenen ungesunden Keime tragen dazu bei, Schäden an der Mundgesundheit rund um die Prothese und an den Schleimhäuten auszulösen. Insbesondere wenn Implantate an die Stelle der extrahierten Zähne treten, muss die Keimbelastungen bei der Planung berücksichtigt und reduziert werden. Es macht, so die Bilanz, keinen Unterschied, ob nur einzelne Zähne oder gleich alle gezogen werden: Der gestörte Biofilm ist so oder so für die Mundgesundheit eine Belastung und bedarf der Therapie.

PZR: auch für Tiere?

Für die Halter von bezahnten Haustieren wie einem Hund ist die regelmäßige Zahnpflege beim Vierbeiner meist selbstverständlich – Tierärzte machten vor Kurzem bei einem „Expertentelefon" mit einer Zeitung aber deutlich, dass das oft nicht ausreicht. Sie empfahlen, auch bei den entsprechenden Haustieren einmal jährlich eine professionelle Zahnreinigung (PZR) vornehmen zu lassen. Tierhalter, so die Veterinärmediziner, bemerkten ungesunde Entwicklungen und fortgeschrittene Entzündungen oft erst in einem fortgeschrittenen Zustand – erkennbar an gestörter Futteraufnahme, starkem Geruch aus dem Maul oder einem Zurückziehen des Tieres. Auch Tiere könnten Karies bekommen, Zahnfrakturen, Zahnbettentzündungen und auch Zahnverlust erleiden. Sie haben ebenso wie die Menschen Zahnschmerzen. Das Bewusstsein für die Mundgesundheit auch bei Tieren sei seit Jahren steigend, sagte Tierärztin Dr. Pia Rittmann/Neandertal in diesem Telefon-Interview. Das Verständnis, dass auch Zahnstein regelmäßig und frühzeitig entfernt werden müsse, nehme zu. Schwieriger als bei Hunden, meist aber noch wichtiger sei regelmäßige Zahnpflege in der Regel bei Katzen, die schneller zu Zahnauflösungen neigten. Insofern käme der richtigen natürlichen und zahnschützenden Ernährung eine große Rolle zu – unterstützt durch die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung.

Mundgesundheit: Liebe ist nützlich

Wer verliebt ist oder in einer glücklichen Beziehung lebt, ist zuverlässiger, was die Einhaltung anstehender Arzt- und Zahnarzttermine betrifft – das ergab kürzlich eine Studie der Universität von Queensland. Demnach scheinen Menschen, die zu problematischen Beziehungen im Alltagsleben neigen, auch eine problematische Beziehung beispielsweise zu Ärzten zu haben. Erstmals wurde nun auch untersucht, ob das Verhalten auch auf Zahnärzte zutrifft, und die Erwartungen haben sich bestätigt. Die Wissenschaftler wollen nun in weiteren Studien herausfinden, was genau zu dieser „Zahnarztverweigerung" führt und daran hindert, bei problematischen Entwicklungen im Mund wie beispielsweise Schmerzen zahnärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ziel ist, auch für diese Patientengruppe den Zugang zu zahnärztlicher Behandlung zu verbessern und damit ihre Mundgesundheit besser zu unterstützen.

Mundhöhle: Keime unter Kontrolle behalten

In den Medien wird immer mal wieder über Periimplantitis berichtet: Damit gemeint ist eine Entzündung rund um das Implantat, die dazu beitragen kann, dass das Implantat nicht problemfrei einwächst. In manchen Situationen muss es auch erst einmal wieder entfernt werden, damit die Implantatstelle ausheilen kann. Wie das Autorenteam um Prof. Dr. Susanne Kneist kürzlich in einem Artikel in einer Fachzeitschrift schrieb, ist heute bekannt, dass die Bakterienfamilien, die an und auf den eigenen Zähnen leben, auch auf die Implantatregion übergehen. Der Mund hat keinen Grenzschutz, um solche Bereiche vor Infektion zu schützen. Daher sei es wichtig, so die Wissenschaftler, die Mundgesundheit vor der Implantation auf ein gutes Level zu stellen. Das bedeutet, dass durch Entfernung von (auch versteckten) Zahnbelägen sowie Reinigung eventuell auch tieferer Zahnfleischtaschen ein gesundes Bakteriengleichgewicht im Mund hergestellt werden sollte. Dabei kommt es darauf an, dass insbesondere solche Bakterien minimiert werden, die Krankheiten verursachen können – das sind im Biofilm der Mundhöhle nur wenige besondere Bakterienstämme. Die Übertragbarkeit der Mundkeime auch auf die Implantatregion untermauert daher auch die Notwendigkeit einer besonders intensiven und genauen Mundhygiene – im Vorfeld, aber auch in der Zeit nach der Implantation. Mindestens einmal jährlich, so die Autorengruppe, sei eine professionelle Zahnreinigung notwendig. In bestimmten Fällen und gleich der Implantation ist oft ein engerer Abstand sinnvoll.

Mundhygiene: Zähne haben 5 Seiten

Wer sich beim Zähneputzen zuschaut, wird von seinen Zähnen in der Regel die Vorderseite sehen, eventuell auch beim Kopfbeugen die Rückseite, und bei den Backenzähnen die Kauflächen. Was immer noch zu viele Menschen dabei aber übersehen: Die Zähne haben auch Seitenflächen. Gerade hier, wo die Zahnbürste nicht hinkommt, bilden sich oft die ersten Schäden am Zahnschmelz, verursacht durch die in der Enge geschützten bakteriellen Beläge. Ein hilfreicher Weg, auch hier für Sauberkeit und Entfernung der Plaque zu sorgen, sind sogenannte Zahnzwischenraum-Hygieneprodukte. Hier gibt es Zahnbürstchen in verschieden dicker Auswahl – für enge und für weite Zahnzwischenräume, auch spezielle, die sich für die Hygiene rund um die Implantatstelle besonders eignen. Ebenso groß ist die Auswahl an Zahnseiden-Produkten: Auch sie gibt es in verschiedener Form und Dicke, und auch hier gibt es spezielle Produkte für Implantatträger. Dass die deutschen Patienten keinen großen Gebrauch von diesen nützlichen Hilfsmitteln machen, zeigte eine Studie: Im Durchschnitt verbraucht jeder Deutsche pro Jahr anderthalb Meter Zahnseide – nützlich wären 180 Meter, wie Wissenschaftler feststellten. Dass manche Zeitungsmeldungen zuletzt von wenig dokumentiertem Nutzen der Zahnseide berichteten, hat, so Prof. Dr. Dietmar Osterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, einen einfachen Grund: Es gebe zu wenig Studien zur gesundheitsförderlichen Wirkung. Allerdings zeige sich auch: Keine der bisherigen Studien berichte von einem gesundheitlichen Nachteil.

Stress: nicht auf Implantate übertragen

Es gibt verschiedene Gründe, warum man in Zeiten größerer Stress-Belastung mit seinem Zahnarzt überlegen sollte, ob es gerade eine wirklich günstige Phase für die Implantatversorgung ist oder man erst einmal aus der Phase herauskommen sollte – falls Abwarten möglich ist. Einerseits heilt das Zahnfleisch nach dem Eingriff schlechter als in stressfreien Zeiten, zum anderen neigen viele Menschen bei erhöhten Anfordrungen dazu, diesen Druck mit den Zähnen abzubauen: Sie knirschen oder pressen die Zähne mit erheblicher Kraft aufeinander. Auch hier macht es Sinn, diese Belastung im Vorfeld einer Behandlung mit dem behandelnden Zahnarzt abzuklären: Eine Überlastung ist für das gesunde Einheilen des Implantates ungünstig. Es könnten beispielsweise durch Zahnschienen Wege gefunden werden, das Implantat und seinen Aufbau zu schützen. Auf einen anderen Aspekt machte kürzlich Prof. Dr. Hans-Ludwig Graf/Leipzig aufmerksam: In einem Interview wies er darauf hin, dass auch die Seele zu einem Risiko führen kann. Stehe jemand unter großen seelischen Anspannungen oder leide unter einer psychosomatischen Erkrankung, wäre es möglich, dass er seine Schmerzen auf das Implantat überträgt – wie der Gestresste seine Belastung durch Pressen und Knirschen auf die Zähne. Patienten, die seelische Leiden auf körperliche Leiden „übertragen", sähen ihre Schmerzen als vom Implantat, dem empfundenen Fremdkörper, ausgelöst an. Tatsächlich gibt es aber keinen medizinischen Grund für diese Schmerzstörung. Im Vorfeld einer Implantatbehandlung wird daher in vielerlei Hinsicht mit dem Patienten besprochen, was im individuellen Fall zu beachten ist.

Implantologensuche: Wo finde ich eine Praxis?

Implantate setzen darf jeder Zahnarzt, der sein Studium erfolgreich abgeschlossen hat – auch wenn diese Spezialdisziplin in der universitären Ausbildung an den meisten Hochschulen nicht sehr intensiv gelehrt und erlernt wird. Daher nehmen Zahnärzte, die diese Behandlungsform auch anbieten möchten, in der Regel an Schulungen, Kursen und Curricula nach ihrem Hochschulstudium teil. Bereitgestellt werden solche Kurse von verschiedenen Anbietern, darunter auch den Herstellern von Implantaten. Diese schulen speziell zum Umgang mit ihren eigenen Produkten, denn in Form und Art können sich die Implantate im Detail deutlich unterscheiden und entsprechend anderes Vorgehen benötigen. Fortbildung in verschiedenen Stufen von Anfänger bis Experte bietet nicht zuletzt die europaweit größte implantologische Fachgesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI), die sowohl in Theorie als auch in der praktischen Anwendung die Zahnärzte schult und trainiert. Die erfolgreichen Absolventen werden zertifiziert und sind an einer entsprechenden Bestätigung ihrer Fortbildung zu erkennen. Auf der Website der DGI im Bereich „Patienten" finden sich nicht nur Hinweise für an dem Thema Interessierte, sondern auch ein Feld zum Thema „Implantologen finden".

1. Radieschen: gut gegen Entzündungen

Wenn das biologische Gleichgewicht im Mund aus dem Lot kommt und sich eine Entzündung zeigt, ist es für vorbeugende Maßnahmen zu spät: Dann muss ein Zahnarzt mit einer entsprechenden Behandlung die entstandene Entzündung eindämmen. Dass man aber ohne großen Aufwand solchen Entzündungen auch mit natürlichen Stoffen vorbeugen kann, berichtete Internistin Prof. Dr. Ingrid Kührer (Universitätsklinikum Wien) bei einer Informationsveranstaltung für Patienten zum Thema gesunde Ernährung. Demnach mache es (neben einer sorgfältigen Mundhygiene) gesundheitlich Sinn, täglich ein Radieschen zu essen bzw. langsam zu kauen, so dass die Inhaltsstoffe über den Speichel an verschiedene Stellen des Mundes getragen werden. Insbesondere die enthaltenen scharf schmeckenden Senföle wirken leicht antibiotisch, sie können neben Bakterien auch Pilze abtöten. Dabei hängt die Wirkung von der Größe des Radieschens ab: Die kleinen enthalten mehr hilfreiches Senföl als die „dicken".

Karies: Wird sie vererbt?

In der heutigen Zeit wird sowohl in Fachkreisen wie auch in der Bevölkerung viel über genetische Anlagen diskutiert: Was ist ererbt, was hat sich erst durch (ev. ungünstige) Umstände entwickelt? Viele Zahnärzte erleben, dass Patienten mit besonders vielen kariösen Zähnen behaupten, diese geerbt zu haben. Man könne daher wenig dagegen tun. Das sei eine Fehleinschätzung, stellte Präventivzahnmediziner Prof. Dr. Stefan Zimmer aus Witten-Herdecke vor einigen Wochen im Rahmen eines Pressegesprächs klar: „Vererbung spielt in Bezug auf Karies keine oder höchstens eine verschwindend geringe Rolle." Dennoch sie ein Zusammenhang mit den Eltern bzw. dem Elternhaus oft nicht von der Hand zu weisen, wenn auch in anderer Hinsicht als vermutet: „Sozusagen ‚vererbt' werden vor allem ungesunde Verhaltensmuster, die zu Karies führen." Im Blickpunkt stünden ungesunde Ernährung mit hohem und falsch genutztem Zuckerkonsum und – gerade bei diesem Ernährungsproblem – nicht genügend sorgfältige Mundhygiene. Wenn die Eltern gewöhnt sind, tagsüber ständig etwas zu naschen oder gesüßte Getränke zu sich zu nehmen und sich auch die Zähne vielleicht nur oberflächlich putzen, werden die Kinder das als „normal" erleben und voraussichtlich die gleichen schmerzhaften Zahnschäden-Erfahrung machen wie die Eltern. Es gebe, so Professor Zimmer, zwar sehr selten auch angeborene 

Zahnentwicklungsstörungen, die ein Risiko für die Zahngesundheit darstellen können, wenn sie nicht fachlich versiert gepflegt werden. In der Regel aber sind kariöse Zähne nicht geerbt, sondern aus Unwissen oder Unvermögen selbst „gemacht".

Knochenersatz: Gibt es nur einen richtigen Weg?

Aus vielen unterschiedlichen Gründen kann Knochen verloren gehen, der den natürlichen Zahn halten muss und, wenn notwendig, auch den Zahnwurzel-Ersatz, das Implantat. Dann muss bei der Planung der Implantatversorgung ein „Knochenersatz" mitberücksichtigt werden. Art und Umfang hängen dabei von der speziellen Situation bei dem individuellen Patienten ab. Für manche Menschen reicht eine kleine Menge Knochenersatzmaterial, dann wird meist auf industriell hergestellte Medizinprodukte zurückgegriffen. Bei großen Knochenverlusten ist die Lösung dieses Problems anspruchsvoller und es bieten sich verschiedene Vorgehensweisen an. Dazu gehört nicht zuletzt, anstelle von industriell 

gefertigten Medizinprodukten auf körpereigenes (Knochen-)Material zurückzugreifen, das sich durch Entnahme an anderer Stelle und entsprechende Aufbereitung gewinnen lässt. Auf die Frage, ob es hier einen richtigen und einen falschen Weg gibt, stellte Prof. Dr. Frank Schwarz, Präsident der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie), in einer Antwort auf eine Medienanfrage vor wenigen Wochen klar heraus, dass es durchaus verschiedene Wege gebe, sein Ziel zu erreichen. Wichtig sei, dass ein Verfahren unter realistischen Alltagsbedingungen zu ermöglichen ist. Aspekte wie diese und entsprechende Erfahrungen würden bei Fachkongressen unter den Kollegen intensiv diskutiert und für die praktische Anwendung in der Zahnarztpraxis übernommen.

Milchzähne: Karies nicht so schlimm?

Anders als Krokodile, bei denen Zähne mehrfach nachwachsen können, gibt es beim Menschen nur zwei Dentitionen: die Milchzähne und die „bleibenden" Zähne. Dritte Zähne gibt es dann nur noch von Zahnärzten und Zahntechnikern als „Zahnersatz". 

Untersuchungen zeigen, dass trotz aller Aufklärung noch überraschend viele Familie davon ausgehen, dass die Pflege der Milchzähne und eventuell auftretende Karies nicht so schlimm sei – die Zähne fielen ja ohnehin wieder aus. „Das ist aber grundlegend falsch", erklärte bei einer Pressekonferenz in Berlin Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Zahnklinik Witten-Herdecke. Er betonte: „In die Zeit der Milchzähne fallen die wichtigsten Entwicklungen des Kindes." Es lerne in dieser Zeit sprechen, es wachse und entwickle dabei auch seine zukünftige Gesichtsform. Dabei steuern Milchzähne genau diese Aspekte – und weitere mehr. Gehen Milchzähne dann vorzeitig verloren, könne die Sprachentwicklung und das natürliche Gesichtswachstum beeinträchtigt werden. Es sei zudem nicht so, dass die Kleinkinder keine Schmerzen durch die Karies empfänden. Bei fehlenden Milchzähnen kann die Ernährung nicht regelgerecht erfolgen, und nicht zuletzt kann der bleibende Zahn oft seinen natürlichen Platz nicht einnehmen, weil Nachbarzähne in die entstandene Zahnlücke gekippt sind und dem Nachfolger den Platz versperren. Dann sucht er sich einen neuen Weg in die Mundhöhle – eine Entwicklung, die später oft mit aufwändiger 

kieferorthopädischer Behandlung wieder korrigiert werden muss. Bis die Situation optimiert werden kann, sind Kinder nicht selten belastenden Hänseleien durch andere Kinder ausgesetzt. Es gebe also sehr viele verschiedene Gründe, so Prof. Dr. Zimmer, die Milchzähne ernst zu nehmen und für ihre Gesundheit zu sorgen.

Bevölkerung: Sind Implantate „für jeden“ hilfreich?

Zuerst einmal kommt es immer auf den persönlichen Fall und den Umstand an, warum ein Zahn verloren gegangen ist und – eventuell ­– durch Implantat-getragenen Zahnersatz ersetzt werden soll. Es gibt sehr junge Patienten, für die Implantate beispielsweise nach einem Sportunfall hilfreich sind. Im Blickpunkt steht bei dieser Frage aber zumeist der ältere und alte Patient. Je älter die Menschen werden, um so mehr müssen sich Zahnarztpraxen auf Patienten einstellen, die chronisch krank sind und / oder mehrere Krankheiten gleichzeitig haben und entsprechend verschiedene Medikamente erhalten. Je nach Erkrankung und auch Medikamenten-Einnahme, darauf verwies Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake (Universität Göttingen) kürzlich bei einer Medienanfrage, kann die Prognose bei einem chirurgischen Eingriff und damit auch einer Implantat-Behandlung ungünstiger aussehen als bei weitgehend gesunden Patienten. Aber auch bei schwieriger Ausgangslage seien heute Lösungen denkbar, wenn bestimmte Voraussetzungen vor, während und nach der Behandlung berücksichtigt werden. Dennoch gebe es besondere Erkrankungen und Medikamenten-Folgen, die hinsichtlich einer geplanten implantologischen Versorgung kritisch zu sehen seien. Durch entsprechende Fortbildungen nicht zuletzt seitens der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie) werden chirurgisch und implantologisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte für solche besonderen Herausforderungen speziell geschult.

 

Bevölkerung: Sind Implantate „für jeden“ hilfreich?

Zuerst einmal kommt es immer auf den persönlichen Fall und den Umstand an, warum ein Zahn verloren gegangen ist und – eventuell ­– durch Implantat-getragenen Zahnersatz ersetzt werden soll. Es gibt sehr junge Patienten, für die Implantate beispielsweise nach einem Sportunfall hilfreich sind. Im Blickpunkt steht bei dieser Frage aber zumeist der ältere und alte Patient. Je älter die Menschen werden, um so mehr müssen sich Zahnarztpraxen auf Patienten einstellen, die chronisch krank sind und / oder mehrere Krankheiten gleichzeitig haben und entsprechend verschiedene Medikamente erhalten. Je nach Erkrankung und auch Medikamenten-Einnahme, darauf verwies Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake (Universität Göttingen) kürzlich bei einer Medienanfrage, kann die Prognose bei einem chirurgischen Eingriff und damit auch einer Implantat-Behandlung ungünstiger aussehen als bei weitgehend gesunden Patienten. Aber auch bei schwieriger Ausgangslage seien heute Lösungen denkbar, wenn bestimmte Voraussetzungen vor, während und nach der Behandlung berücksichtigt werden. Dennoch gebe es besondere Erkrankungen und Medikamenten-Folgen, die hinsichtlich einer geplanten implantologischen Versorgung kritisch zu sehen seien. Durch entsprechende Fortbildungen nicht zuletzt seitens der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie) werden chirurgisch und implantologisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte für solche besonderen Herausforderungen speziell geschult.

Bevölkerung: Sind Implantate „für jeden“ hilfreich?

Zuerst einmal kommt es immer auf den persönlichen Fall und den Umstand an, warum ein Zahn verloren gegangen ist und – eventuell ­– durch Implantat-getragenen Zahnersatz ersetzt werden soll. Es gibt sehr junge Patienten, für die Implantate beispielsweise nach einem Sportunfall hilfreich sind. Im Blickpunkt steht bei dieser Frage aber zumeist der ältere und alte Patient. Je älter die Menschen werden, um so mehr müssen sich Zahnarztpraxen auf Patienten einstellen, die chronisch krank sind und / oder mehrere Krankheiten gleichzeitig haben und entsprechend verschiedene Medikamente erhalten. Je nach Erkrankung und auch Medikamenten-Einnahme, darauf verwies Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake (Universität Göttingen) kürzlich bei einer Medienanfrage, kann die Prognose bei einem chirurgischen Eingriff und damit auch einer Implantat-Behandlung ungünstiger aussehen als bei weitgehend gesunden Patienten. Aber auch bei schwieriger Ausgangslage seien heute Lösungen denkbar, wenn bestimmte Voraussetzungen vor, während und nach der Behandlung berücksichtigt werden. Dennoch gebe es besondere Erkrankungen und Medikamenten-Folgen, die hinsichtlich einer geplanten implantologischen Versorgung kritisch zu sehen seien. Durch entsprechende Fortbildungen nicht zuletzt seitens der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie) werden chirurgisch und implantologisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte für solche besonderen Herausforderungen speziell geschult.

Schwangerschaft: Ist Zahnverlust normal?

Der Volksmund sagt: Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn. Ob das richtig oder falsch ist, erklärte Prof. Dr. Stefan Zimmer (Universität Witten-Herdcke) bei einer Presseveranstaltung in Berlin. Sein Resümee: Der Volksmund hat sowohl recht als auch unrecht. Unrecht hat er insofern, als Zahnverlust in der Schwangerschaft keineswegs „normal" ist. Das Zahnfleisch, ist hormonell bedingt in dieser Zeit etwas lockerer und empfindlicher. Bakterien haben es  leichter, sich festzusetzen, zu verstecken und zu Gewebereizungen und Erkrankungen zu führen. Wenn eine schwangere Frau schon vorher eine – zumal unentdeckte – Parodontitis (Zahnbettentzündung) hatte, kann sie in der Zeit der Schwangerschaft deutlich schneller voranschreiten. Das kann dann tatsächlich bis zu Zahnverlust führen. Weshalb der Volksmund unrecht hat: Es ist nicht die Schwangerschaft, die zum Zahnverlust führt, sondern die Entzündungsentwicklung im Zahnbett und die spezifische Plaque. Wird die Mundhygiene sorgfältig betrieben und werden die Bereiche im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung regelmäßig kontrolliert und gepflegt, ist ein Zahnverlust in der Regel vermeidbar. Studien haben gezeigt, dass mit der Schwangerschaft in Verbindung gebrachter Zahnverlust vor allem bei solchen Patientinnen beobachtet wurde, die sich nicht um eine sorgfältige Mundhygiene bemühten oder sich mit schwangerschaftsbedingten Veränderungen (häufiges Erbrechen etc.) nicht an ihre Zahnarztpraxis wandten. Die Zahnärzteschaft und ihre Teams sind auch in diesem Bereich gut ausgebildet und können vielfältige Hilfestellungen bieten.

Zahnersatz: Auch das WANN ist wichtig

Obwohl immer mehr Menschen auch im fortgeschrittenen Alter noch natürliche Zähne haben, gibt es doch zahlreiche Patienten, die gänzlich zahnlos sind. Ein gut sitzender Zahnersatz stellt bei wenig Verankerungsmöglichkeiten die Zahnärzte und Zahntechniker aber vor größere Herausforderungen. In einem Interview wies Prof. Dr. Günter Dhom aus  Ludwigshafen, ehemaliger Präsident der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie), jetzt darauf hin, dass der Zeitpunkt der Behandlung und die persönliche Situation des Patienten eine gewichtige Rolle bei der Entscheidung für das Zahnersatz-Verfahren spielt. Technisch stünden verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl, wenn die Prothese festsitzend auf einem Implantat verankert werden soll. Ob der Zahnersatz nun durch Steg-, Teleskop-, Kugelkopf- oder sogenannte Locatoren-Technik oder andere Maßnahmen im Kiefer verankert wird, müsse mit Blick auf den Zeitpunkt im Leben des Patienten und seine Lebensphase 

entschieden werden. Die Voraussetzungen für einen auch aus Sicht des Patienten guten Behandlungserfolg hängen davon ab, wie alt der Patient ist, ob er fit und vital ist und sich noch gut selbst versorgen kann oder bereits jetzt oder absehbar auf fremde Hilfe angewiesen ist. Für einen chronisch erkrankten Patienten kann die Auswahl an Verfahren anders ausgehen als für einen Gesunden, der auch großen Wert auf das Aussehen legt. Zahnärzte beachten bei der Auswahl zudem die mögliche Restbezahnung im Gegenkiefer und stimmen die fachlichen Aspekte mit den persönlichen Wünschen der Patienten ab.

Zähneputzen: Sind zwei Minuten genug?

Nicht zuletzt in der Werbung wird „2 x täglich Zähneputzen" propagiert – eine Pauschalierung, gegen die sich Präventivzahnmediziner Prof. Dr. Stefan Zimmer (Universität Witten-Herdecke) entschieden wehrt. Aus Anlass des diesjährigen Tages der Zahngesundheit wies er darauf hin, dass die richtige Anzahl und auch die richtige Putzdauer nur individuell festgelegt werden kann. Jemand, der insgesamt gesund ist und gut die Zahnbürste führen kann, erreicht in kürzerer Zeit eine plaquefreiere Zahnreihe als Menschen, die entweder die Zahnbürste kaum richtig halten können oder auch krank sind und belastende Medikamente nehmen müssen. Auch die oft angegebene durchschnittliche Putzdauer ist nicht in Stein gemeißelt: Sie habe früher drei Minuten betragen, so Zimmer, und sei nun auf zwei Minuten abgesenkt worden – seit elektrische Zahnbürsten aus den USA auf den deutschen Markt kommen mit auf zwei Minuten voreingestelltem Timer. Studien hätten gezeigt, dass selbst nach fünf Minuten sorgfältiger Putzdauer noch keineswegs bei jedem Patienten der größte Teil der Zahnbeläge entfernt waren – bei manchen Menschen auch nach zehn Minuten nicht, bei anderen war war zwei Minuten alles weitgehend gereinigt. Sein Tipp: Mit Plaqueanfärbetabletten aus der Apotheke kann jeder selbst testen, wie gut und wie schnell man seine eigenen Zähne rundum sauber bekommt.

„Low Carb“ gegen Zahnbetterkrankungen

Eine Ernährung, die entzündungshemmende Nährstoffe enthält, wirkt sich positiv auf Entzündungen des Zahnfleisches und des Zahnbetts aus. Das zeigt eine Pilot-Studie an der Universität Freiburg. An der Studie nahmen 15 Testpersonen teil, die unter einer Zahnfleisch- oder Zahnbettentzündung litten. Zehn Teilnehmer wurden für sechs Wochen auf eine kohlenhydratarme („Low Carb") Diät gesetzt. Sie aßen stattdessen vermehrt Nahrungsmittel, die Omega-3-Fettsäuren, die Vitamine C und D, Antioxidantien und Ballaststoffe enthielten, also viel Gemüse, Salat und Obst, Fisch und Fleisch. Die restlichen fünf ernährten sich nach ihren normalen Gewohnheiten. Die tägliche Zahnreinigung wurde von allen Teilnehmern fortgeführt, nur Interdentalbürsten und Zahnseide waren verboten. Nach Ablauf der sechs Wochen zeigte sich bei denjenigen, welche sich entzündungshemmend ernährten, eine signifikante Verbesserung der Entzündungen im Vergleich zu den Testpersonen, die nichts an ihren Ernährungsgewohnheiten geändert hatten. Außerdem hatten die erhöhte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffen den Plaque-Index verbessert.

Quelle: An oral health optimized diet can reduce gingival and periodontal inflammation in humans Woelber etal.BMCOralHealth

(2017) 17:28  DOI 10.1186/s12903-016-0257-1

http://download.springer.com/static/pdf/647/art%253A10.1186%252Fs12903-016-0257-1.pdf?originUrl=http%3A%2F%2Fbmcoralhealth.biomedcentral.com%2Farticle%2F10.1186%2Fs12903-016-0257-1&token2=exp=1475244060~acl=%2Fstatic%2Fpdf%2F647%2Fart%25253A10.1186%25252Fs12903-016-0257-1.pdf*~hmac=0ad1fbc54bd7bc5d856fc408c989226432d4a4493d0fca6a607c06761d26c0bc

Stiftung Warentest: Guter Kariesschutz muss nicht teuer sein

Die Mehrzahl der 32 Universalzahnpasten, welche die Stiftung Warentest unlängst untersuchte, schützen zuverlässig vor Karies. Darunter sind drei sehr gute, besonders preisgünstige vom Discounter, Drogeriemarkt bzw. Supermarkt. Befriedigend sind elf Produkte. Nur drei Pasten sind mangelhaft, wie die Stiftung in der September-Ausgabe der Zeitschrift test berichtet. Die fünf Spitzenreiter im Test bieten eine optimale Kariesprophylaxe und entfernen auch Verfärbungen zuverlässig. Sie enthalten – wie die meisten Zahnpasten im Test – Zink, das gegen Bakterien wirkt und damit vor Plaque, Zahnstein, Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch schützt. Allerdings hält die Stiftung Zink in handelsüblichen Konzentrationen nur in Pasten für Erwachsene für sinnvoll. Die getesteten Zahnpasten mit Zink sind deshalb für Kinder und Jugendliche nicht geeignet. Viele von ihnen enthalten aber keinen entsprechenden Hinweis. Die drei mangelhaften Zahnpasten enthalten kein Fluorid obwohl dessen Wirksamkeit in der Kariesprophylaxe klar belegt ist.

www.test.de/zahnpasta

Quelle: Stiftung Warentest
https://www.test.de/presse/pressemitteilungen/Universalzahnpasta-Sehr-guter-Kariesschutz-muss-nicht-teuer-sein-5060933-0/

Diabetes: Einmal im Jahr zum Zahnfleisch-Check

Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Zahnbetterkrankungen (Parodontitis). Darum ist ein jährlicher Check wichtig, bei dem der Zahnarzt den sogenannten Parodontalen Screening Index (PSI) erhebt. Der Arzt untersucht das Zahnfleisch mit einer kleinen Spezial-Sonde. Diese wird vorsichtig am Zahn entlang in die Zahnfleischtasche eingeführt. Dies geschieht bei jedem Zahn an verschiedenen Stellen. Geprüft wird so die Sondierungstiefe, die Blutungsneigung des Zahnfleisches und die Rauigkeiten der Zahnoberfläche. Die möglichen Befunde werden zu Codewerten zusammengefasst, die Aufschluss über den Zustand des Zahnfleisches geben.

Eine Parodontitis bei Diabetikern erfordert eine intensive Betreuung mit kurzen Abständen zwischen Kontrolluntersuchungen und eine sorgfältige Behandlung mit einer engmaschigen Erhaltungstherapie (UPT).

Quelle: http://www.zwp-online.info/de/fachgebiete/dentalhygiene/parodontologie/auswirkungen-der-assoziation-zwischen-parodontitis-und-diabetes-der-patientenberatung

Zahnfehlstellungen durch Schnuller: Form und Dauer entscheiden

Schnuller sind ein Beruhigungsmittel für Babys. Allerdings kann das Nuckeln Fehlstellungen der Zähne fördern. Eine von ihnen ist der so genannte frontal offene Biss. Dabei werden die Kieferknochen durch regelmäßigen Druck so verformt, dass die Schneidezähne nicht mehr aufeinandertreffen. Lispeln und andere Sprechstörungen sind die Folge. Wie eine Studie an der Universität Witten/Herdecke zeigt, spielt die Form des Schnullers dabei die entscheidende Rolle. Die Zahnärzte hatten 121 Kindern untersucht, die in drei Gruppen aufgeteilt worden waren. Bei Gruppe Nummer eins benutzten die Eltern einen konventionellen Sauger, in der zweiten Gruppe kam einen speziell geformter Sauger zum Einsatz und in der dritten Gruppe verzichteten die Eltern generell auf den Einsatz eines Schnullers. Nach zwei Jahren konnten die Zahnmediziner beachtliche Unterschiede zwischen den Gruppen feststellen. Die Hälfte der Kinder mit herkömmlichen Schnullern hatte einen frontal offenen Biss entwickelt, während bei den Nutzern des Spezialschnullers weniger als sieben Prozent diese Zahnfehlstellung aufwiesen. Kinder ohne Schnuller-Gebrauch hatten auch keine Fehlstellungen. Die Wissenschaftler fanden noch einen weiteren Risikofaktor: Je mehr Zeit am Tag das Kind den Schnuller im Mund hatte, desto größer war das Risiko für einen offenen Biss. Kinder mit offenem Biss nuckelten täglich rund vier Stunden, Kinder ohne Zahnfehlstellungen durchschnittlich nur 1,3 Stunden.        

Quelle: J Clin Pediatr Dent. 2016;40(4):328-33. doi: 10.17796/1053-4628-40.4.328.
Anterior Open Bite In 27 Months Old Children after Use of a Novel Pacifier - A Cohort Study.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Journal+of+Clinical+Pediatric+Dentistry+(2016%3B40(4)%3A328-33)

Mundgesundheit ist neues Unterrichtsfach in Rheinland-Pfalz

Die Abc-Schützen in Rheinland-Pfalz haben ab dem neuen Schuljahr ein neues Unterrichtsfach: Zahngesundheit. Zweimal jährlich werden die 575 Schulzahnärzte des Bundeslandes die Grundschulen besuchen und jeweils zwei Stunden Unterricht pro Schuljahr und Klasse geben. Wie putze ich die Zähne richtig? Welche Lebensmittel tun den Zähnen gut? Welche schaden ihnen? Altersgerecht und spielerisch erklärt der Zahnarzt den Schülern, worauf es bei der richtigen Zahnpflege ankommt und wie sie ihre Zähne gesund erhalten. Ergänzt wird der Prophylaxeunterricht in den ersten Klassen durch eine zahnärztliche Untersuchung in der Schule. In den zweiten bis vierten Klassen werden die Kinder zur Untersuchung an den Hauszahnarzt verwiesen. Dass sich die Aufklärungsarbeit der Jugendzahnpflege auszahlt, zeigen Untersuchungen: Nahezu zwei Drittel der Erstklässler haben heute ein naturgesundes Gebiss. Vor zwanzig Jahren hatte lediglich ein gutes Drittel der Abc-Schützen kariesfreie Zähne.

Hilfe bei „verkalktem“ Zahnkanal

Nach einem Zahnunfall kann der betroffene Zahn mit einer „Verkalkung" des Nervs reagieren. Dann ist die Behandlung selbst in Spezialistenhand und mit Operationsmikroskop schwer. Ein neues Verfahren, entwickelt am Zahnunfallzentrum der Uniklinik Würzburg, kann die Behandlung wesentlich erleichtern. Wissenschaftler des Zentrums haben in Kooperation mit Schweizer Kollegen ein neuartiges Verfahren zur schablonengestützten Navigation im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung „verkalkter" Zähne entwickelt. Die neue Methode – „Guided Endodontics" – kann Unfallopfern die Entfernung geschädigter Zähne ersparen.

Die 3D-Daten einer dreidimensionalen Röntgenschichtaufnahme der Zahnregion sowie ein optischer Scan der Zähne werden vor der Behandlung im Computer übereinander gelagert und dienen als Grundlage für die virtuelle Planung einer sogenannten Bohrschablone. Diese wird in einem 3D-Drucker erstellt. Mit Hilfe dieser Bohrschablone kann der verkalkte Wurzelkanal unter maximaler Schonung der Zahnhartsubstanz geöffnet und behandelt werden.

Parodontitis ist in Deutschland die häufigste Erkrankung im Mundbereich

Mehr als die Hälfte der jüngeren Erwachsenen leiden unter Parodontitis, zehn Prozent haben eine schwere Parodontitis. In diesen Fällen beträgt die sogenannte Sondierungstiefe der Zahnfleischtaschen, die der Zahnarzt bei einer Untersuchung messen kann, mehr als 6 Millimeter. Bei den schweren Parodontalerkrankungen liegt Deutschland gemeinsam mit Frankreich damit auf dem zweiten Platz hinter Japan, wo lediglich vier Prozent der Bevölkerung unter schweren Parodontalerkrankungen leiden. Bei der moderaten Parodontitis – die Sondierungstiefe der Zahnfleischtaschen beträgt in diesen Fällen vier bis fünf Millimeter – nimmt der Wert bei den jüngeren Erwachsenen dann allerdings rapide zu: Betroffen sind in dieser Altersgruppe 48 Prozent. Hier liegt  Deutschland im internationalen Vergleich im hinteren Drittel. Bei den jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige) liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf einem hinteren Platz: In dieser Altersgruppe haben 25 Prozent der Patienten eine schwere und 51 Prozent eine moderate Parodontitis.

Kinder haben in Deutschland seltener Karies als in anderen Ländern

International liegt Deutschland beim Vergleich der Karies bei Kindern vorn: Kinder im Alter von 12 Jahren haben hierzulande eine deutlich geringere Karieserfahrung als Kinder in anderen Ländern. Bei jüngeren Erwachsenen (35- bis 44-Jährige) nimmt Deutschland einen guten Mittelplatz ein. Geht es um die Kariesbelastung  der jüngeren Senioren (65- bis 74- Jährige) teilt sich Deutschland einen der vorderen Plätze mit den USA. International zählt Deutschland mit deutlich weniger Karieserfahrungen als in den meisten anderen vergleichbaren Ländern also zu den Spitzenreitern. Dies ist umso mehr eine positive Nachricht, da Karies als die weltweit häufigste Krankheit gilt. Global leiden mehr als 2,4 Milliarden Menschen an unbehandelter Karies.  

Patienten übernehmen Verantwortung für ihre Mundgesundheit

Wie die aktuelle Mundgesundheitsstudie 2016 belegt, ist die Zahn- und Mundgesundheit den befragten Menschen in Deutschland sehr wichtig. Die meisten Bürger wissen, dass gesunde Zähne auch das Ergebnis ihres eigenen Handelns sind: Immerhin zwischen 70 und 85 Prozent der Befragten sind – je nach Altersgruppe – davon überzeugt, viel oder sehr viel für die Gesundheit der eigenen Zähne tun zu können. Dazu gehören auch Mundgesundheits-Checkups: Mehr als drei von vier Befragten gaben an, den Zahnarzt regelmäßig zur Kontrolle aufzusuchen. Bei Kindern dienen 82 Prozent der Zahnarzt-Kontakte der Routinekontrolle, bei Erwachsenen beträgt dieser Anteil 72 Prozent und bei Senioren sogar bei 90 Prozent.   

Mundgesundheit verbessert – Zuwachs bei Implantatversorgung

Laut der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie hat sich die Zahn- und Mundgesundheit der Bevölkerung in allen Bereichen und über alle sozialen Schichten hinweg weiter verbessert, was die Bedeutung der zahnärztlichen Prävention spricht. Die steigende Anzahl eigener Zähne bis ins hohe Alter ermöglicht immer mehr Patienten, sich für einen festsitzenden Zahnersatz wie Brücken, Kronen oder Implantate zu entscheiden. Zum Thema Implantate vermelden die Forscher, dass heute zehnmal mehr Patienten Implantate tragen als noch im Jahr 1997. Damals hatte es in der Stichprobe der Epidemiologen nur zehn Implantatträger gegeben, was einem Anteil von 0,7 Prozent der Patienten mit Zahnersatz entsprach. In der folgenden Mundgesundheitsstudie 2005 war dieser Anteil  auf 2,6 Prozent gestiegen. In der neuesten Untersuchung liegt der Anteil bei 7 Prozent,  in der Gruppe der 65-74-Jährigen haben sogar 8,1% implantatgetragenen Zahnersatz. 

Ötzi hatte Zahnprobleme

Dass die Ötzi genannte Mumie aus dem Eis neben anderen vielfältigen Gesundheitsproblemen auch kranke Zähne hatte, berichteten Wissenschaftler bei einem Kongress zum 25-jährigen Jubiläum von Ötzis Entdeckung. Forscher vom Zentrum für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich (UZH) haben gemeinsam mit ausländischen Kollegen den „Mann aus dem Eis untersucht". Ötzi hatte alle Zahnprobleme, unter denen auch moderne Menschen leiden: Er litt an einer Entzündung des Zahnhalteapparats (Paradontitis), hatte ausgeprägte Karies sowie eine wahrscheinlich unfallbedingte Verletzung eines Frontzahns. Wie der Zahnarzt Roger Seiler vom Zentrum für Evolutionäre Medizin der UZH sagte, sei der Schwund des Zahnhalteapparates schon immer eine sehr häufige Erkrankung, wie Schädelfunde aus der Steinzeit oder die Untersuchung ägyptischer Mumien zeigten.     

Eine Mundspüllösung mit Flourid schützt Kinderzähne

Schon im Kindesalter kann eine flouridhaltige Mundspüllösung gegen Karies schützen.  Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler, die zahlreiche klinische Studien mit mehr als 15.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 14 Jahren in einer Übersichtsstudie analysiert haben. Die Untersuchung bestätigt, dass die regelmäßige Anwendung einer fluoridhaltiger Mundspülung Karies bei Kindern und Jugendlichen reduzieren kann. Kinder, die täglich eine solche Spüllösung verwendeten hatten im Durchschnitt  27 Prozent weniger kariöse, gefüllte oder fehlende Zähne.      

Keine Sofortbelastung eines Implantates bei Diabetikern

Ist die Zuckerkrankheit (Diabetes) gut eingestellt, spricht nichts gegen eine Implantation. Allerdings raten Experten der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) bei Diabetikern von einer Sofortbelastung der künstlichen Zahnwurzeln ab. Eine Sofortbelastung ist zwar in bestimmten Fällen möglich, aber bei Zuckerkranken ist die Stabilität eines Implantats im Knochen in den ersten Wochen häufig geringer als bei Gesunden. Die Titanwurzel sollte daher erst nach ihrer vollständigen Einheilung im Knochen belastet werden, rät die DGI. Dies ist in den meisten Fällen binnen acht bis zwölf Wochen der Fall. Diese Zeitspanne kann mit Hilfe eines Provisoriums überbrückt werden, das die Belastung des Implantats verhindert.    

Medikamente als Risikofaktoren einer Implantttherapie

Bestimmte Medikamente gelten als Risikofaktoren für eine Implantat-Therapie. Zu diesen Substanzen gehören etwa Bisphosphonate und bestimmte Anti-Hormone, welche den Östrogen-Rezeptor im Gewebe blockieren. Die Medikamente werden in geringen Dosen bei Osteoporose eingesetzt und in können in höherer Dosierung bei Krebspatienten die Bildung von Metastasen in den Knochen hemmen und Knochenschmerzen lindern. Während oder nach einer Behandlung mit solchen Arzneimitteln können in seltenen Fällen schwere Schädigungen des Kieferknochens (Kiefernekrose) auftreten, die schwer zu behandeln sind. Dosis und Dauer der Therapie, die Art der Darreichung (intravenös oder Tabletten) sowie das jeweilige Medikament beeinflussen das Risiko. Auch eine Entzündung des Zahnbetts (Parodontitis), Druckstellen von Prothesen sowie zahnärztliche oder kieferchirurgische Eingriffe spielen eine Rolle. Gleichwohl sei eine implantologische Behandlung auch unter diesen Umständen möglich, betonten Experten der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) unlängst auf einer Fachtagung der Gesellschaft. Jedoch müsse bei der Therapie-Entscheidung das Risiko einer Kiefernekrose gegen den Nutzen der Behandlung individuell abgewogen werden. Um Zahnärztinnen und Zahnärzten die Entscheidung zu erleichtern erarbeiten die Experten der DGI zur Zeit gemeinsam mit Experten anderer Fachrichtungen eine Leitlinie, die auf der Basis der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse das bestmögliche Vorgehen beschreibt.      

Zahnwurzel-Entzündung erhöhte Risiko für koronare Herzerkrankung

Eine Entzündung an der Spitze einer Zahnwurzel erhöht das Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit). Diesen Zusammenhang konnten finnische Wissenschaftler auch dann feststellen, wenn die Entzündung – im Fachjargon apikale Parodontitis genannt – keine Symptome verursachte. Die Entzündung wird von Bakterien verursacht, die bei einer Entzündung des Zahnmarks durch den Wurzelkanal oder über tiefe Zahnfleischtaschen bis zur Wurzelspitze vordringen.

Bei ihrer Studie hatten die Forscher die Herzkranzgefäße von 500 Patienten untersucht, die im Schnitt 62 Jahre alt waren. Nur ein Drittel der Patienten hatte gesunde Herzkranzgefäße. Bei der nachfolgenden röntgenologischen Untersuchung der Zähne entdeckten die Wissenschaftler bei 58 Prozent der Patienten Entzündungsherde. Besonders deutlich war der Zusammenhang zwischen unbehandelten Entzündungen und akuten Erkrankungen der Herzkranzgefäße.

Grüne Smoothies gegen Zahnfleischentzündung

Nitrate, die in grünen Salaten und Gemüse enthalten sind,  scheinen eine positive Wirkung auf Zahnfleischentzündungen zu haben. Das belegt eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Würzburg. Das Team um Yvonne Jockel-Schneider teilte 44 Patientinnen und Patienten, die unter chronischen Zahnfleischentzündungen litten, nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Beide Gruppen tranken täglich 100 Milliliter eines Salatsaftgetränks. Allerdings erhielt nur eine der beiden Gruppen den normalen Saft. Die Probanden der „Plazebo-Gruppe" tranken einen Saft, dem die Wissenschaftler zuvor das darin enthaltene Nitrat entzogen hatten. Wie die Untersuchung der Mundgesundheit vor dem Beginn der „grünen Therapie" und  nach einer zweiwöchigen Behandlung zeigte, hatten sich die Entzündungszeichen in der Gruppe, die den normalen nitrathaltigen Saft getrunken hatte, statistisch signifikant gebessert. Solche Säfte könnten, so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler, die zahnärztlichen Behandlung bei chronischen Zahnfleischentzündungen sinnvoll ergänzen.

Vorbeugung: Senioren profitieren von guter Mundhygiene

EIne gute Mundhygiene, hilft Senioren dabei, einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen und Beeinträchtigungen vorzubeugen. Inzwischen belegt eine Fülle von Untersuchungen, dass es einen Zusammenhang zwischen Zahnverlust und Gesundheit gibt. Bei einer Studie werteten US-Forscher Fragebögen von mehr als 60.000 Seniorinnen und Senioren aus. Das Fazit: Menschen, die viele Zähne verloren hatten, waren auch gesundheitlich stärker beeinträchtigt als andere. Brasilianische Forscher kamen bei einer Auswertung mehrer Studien zu dem Schluss, dass Menschen, die weniger als 20 Zähne im Mund hatten, auch ein höheres Demenzrisiko hatten als Menschen, die mehr als 20 Zähne hatten. Dies belegt, so die Forscher, dass eine gute Mundhygiene nicht nur die Zähne, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit erhalten kann.

Jugendliche Nachteulen haben erhöhtes Kariesrisiko

Wenn Jugendliche spät zu Bett gehen und am Morgen entsprechend müde sind, hat dies auch negative Auswirkungen auf die Zahngesundheit. Dies belegt eine Studie schwedischer und norwegischer Forscher. Die Wissenschaftler untersuchten bei knapp 200 Jugendlichen den Zusammenhang zwischen Schlaf-Wach-Rhythmus und Mundgesundheit, wobei auch das Ernährungs- und Mundhygiene-Verhalten erfasst wurde.

Jugendliche, die eher zu den Frühaufstehern, den Lerchen, gehörten und Teenager mit einem eher neutralen Schlaf-Wach-Rhythmus berichteten, dass sie am Morgen frühstücken und zwei Mal täglich die Zähne putzen würden. Demgegenüber verzichteten die Nachteulen häufiger auf das Frühstück und nahmen es auch mit der Mundhygiene nicht so genau – sie hatten daher ein vierfach höheres Kariesrisiko als die Lerchen.

Periimplantitis: Zusammenhänge und Vorgehen im Fokus der Wissenschaft

Auch wenn die zahnmedizinische Wissenschaft mittlerweile viele Faktoren kennt, die zu der Entwicklung einer Periimplantitis (einer Entzündung des Gewebes im Bereich des  Implantates) führen können, sind längst nicht alle Zusammenhänge eindeutig geklärt. Wie ein Kongress für Wissenschaftler und Praktiker im Bereich der Implantologie vor einigen Wochen in Polen zeigte, gibt es noch viele Fragen, für die überzeugende Antworten fehlen. Während einige der Zahnärzte die Hauptursache im Biofilm sehen, dem Gemisch aus Bakterien und anderen Substanzen im Mund, sehen andere ihn zwar auch als relevant an – aber nur dann, wenn weitere Umstände in der Gesundheit des Patienten mit hineinspielen, chronische Erkrankungen beispielsweise. Unter dem Strich wurde deutlich, dass Biofilm auf jeden Fall eine große Rolle spielt und regelmäßig beobachtet werden sollte. Sobald sich erste Anzeichen einer oberflächlichen Zahnfleischentzündung (Mukositis) an der Implantatstelle zeigen, sollte behandelt werden, um ein Wandern der pathogenen (krankmachenden) Keime entlang des Implantates in Richtung Kieferknochen zu verhindern. Zudem müsse die Allgemeingesundheit des Patienten, vor allem sein Immunsystem beachtet werden. Für Patienten heißt das, dass sie bei ersten Anzeichen von Rötung oder Druckschmerz ihren Zahnarzt informieren sollten – je früher eine Behandlung ansetzen kann, desto größer die Chance, dass das Implantat die Infektion gut übersteht.

Starkes Übergewicht: Folgen für die Mundgesundheit?

Im vergangenen Jahr widmete sich ein Kongress von Kinderzahnärzten und Kieferorthopäden der Frage, ob starkes Übergewicht (Adipositas) bei Kindern Folgen für die Mundgesundheit haben kann – und wenn, welche Konsequenzen die Zahnärzte, aber auch die Patienten daraus ziehen sollten. Die Inhalte des Kongresses sind in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski (Berlin) in einem Ratgeber für Eltern und Praxen zusammengefasst und kürzlich veröffentlicht worden (www.ikg-onlinde/Shop). Unter anderem zeigte sich, dass stark übergewichtige Kinder schneller „reifen" als normalgewichtige: Für eine kieferorthopädische Behandlung, die das biologische Körperwachstum für die Behandlung nutzt, ist daher ein früherer Start nötig. Fettgewebe im Körper wirkt wie eine „Hormonfabrik" – es beeinflusst über diesen Weg nicht zuletzt das Immunsystem und die Heilungsvorgänge. Zahnfleischentzündungen können daher bei adipösen Kindern schlechter ausheilen. Zudem führt die gestörte Speichelproduktion zu einem erhöhten Risiko für Karies. Ein großes Problem für diese Kinder: Nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch viele Arztpraxen sind, zeigt eine aktuelle Studie, über Ursachen, Abläufe und Folgen einer Adipositas nicht auf dem aktuellen Wissensstand und folgen in ihren Empfehlungen eher Vorurteilen. Der Herausgeber, die gemeinnützige Initiative Kiefergesundheit, hat daher auch eine Übersicht über neue Erkenntnisse aus dem Bereich der Wissenschaft und erfahrener Fachorganisationen zusammengestellt.

"Sauer macht lustig": Schäden für die Zähne

Besonders an warmen Tagen tun erfrischende Säfte und Smoothies gut – nur nicht den Zähnen, wie die aktuelle Ausgabe des „ZahnRat", der Patientenzeitschrift eines Verbundes von Landeszahnärztekammern, zeigt. Zucker und Fruchtsäuren, so die zitierten Zahnärzte, greifen den Zahnschmelz direkt an und können auf Dauer zu Zahnerosion führen. Gemeint damit ist die Ausspülung von kleinsten Bestandteilen aus dem Zahnschmelz, der dadurch seine Schutzfunktion verliert. Wann ein Getränk „sauer" sei, könne man am sogenannten ph-Wert erkennen: Je niedriger dieser liege, desto saurer sei das Getränk. Speichel habe einen ph-Wert von 6 bis 7, Kaffee und Kräutertee einen Wert rund um 5 pH, Cola, Apfel- und Orangensaft zeigen einen Wert zwischen 3 und 4 und Zitronensaft liegt bei 2 pH. Zitonensäure ist ein wesentlicher Bestandteil von Cola und vielen Limonaden, auch manchen Eistee-Produkten. Nicht nur die Früchte, sondern auch deren Säfte schaden dem Zahnschmelz, die Zahnärzte raten, Fruchtsäfte lieber zum Essen zu trinken oder sie zu verdünnen. Auch die Dauer des Kontaktes zwischen Säure und Zahnschmelz spielt eine Rolle: Man trinkt besser den Saft oder die Cola gleich aus als über kleine Abstände verteilt am Tag. Pausen zwischen der Säurebelastung ermöglichen dem Speichel, erste kleine Schäden wieder zu reparieren – diesen Prozess kann man mit Speichel-anregenden Zahnpflegekaugummis noch unterstützen. Hilfreich nach Obst oder Saft sind zudem, so der ZahnRat, Mundspülungen mit Wasser oder, noch besser, mit Milch: Milchprodukte haben einen ph-Wert von 6 und Inhaltsstoffe, die auch im Zahnschmelz vorkommen, und einen schützenden Effekt. Wer öfter erosive Ernährung oder Getränke zu sich nehme, tue gut daran, den Zahnschmelz durch direkt aufgetragene Fluorid-Gele zu stärken.

Moderne Implantologie: mehr Biologie, mehr Technik

Während in den Entwicklungsjahren der Implantologie vor rund einem halben Jahrhundert vor allem technische Fragen insbesondere zur besten Form des Implantates im Zentrum standen, ist die Implantologie heute nicht nur im Zentrum der Medizin angekommen, sondern erweist sich durch seine komplexen Fragestellungen auch als Innovationsbeschleuniger in biologisch-medizinischem Wissen ebenso wie in der Medizintechnik. Das zeigte sich jüngst erneut bei einem Implantologen-Weltkongress in Krakau. Dabei wird durch Zellforschung immer deutlicher, wie das Gewebe auf den Fremdkörper Implantat reagiert und welche Angebote das Behandlungsvorgehen und das Implantat selbst den Zellen machen müssen, damit sie sich anlagern und dem Implantat Halt geben. Dabei, zeigt die Biologie, spielt der Reihenfolge eine Rolle, welche Zellenart zuerst „andockt" und welche andere Zellfamilien sich daran anschließen müssen, damit nachher ein gesundes Gewebe entsteht. Während auf der einen Seite die Technik voranschreitet und beispielsweise Diagnosen auch bei komplizierten Situationen ermöglicht oder auch Implantate mit noch besser Bauteilen zur Verfügung stellt, wird auf der anderen Seite immer deutlicher, dass der eigentliche Faktor für eine erfolgreiche Implantatversorgung das Gewebe am Implantat-Platz ist: Ist es ausreichend dick und gesund und wird es schonend behandelt, hat das Implantat beste Startbedingungen für einen oft jahrzehntelangen Behandlungserfolg.

Zahnfehlstellung: Wann ist der beste Termin für eine Korrektur?

Grundsätzlich können Zahn- und Kieferfehlstellungen eine Vielzahl von Problemen nach sich ziehen. Wie Prof. Dr. Peter Proff, Universität Regensburg, vor Kurzem in einem Zeitschrift-Interview sagte, können beispielsweise der Schluckvorgang, die Atmung, die Kaufunktion, das Sprechen oder auch das Abbeißen betroffen sein. Studien zeigen, dass Kinder mit dauerhaft offenem Mund mehr zu Atemwegsinfektionen neigen und auch zu Karies aufgrund des trockenen Mundes. Wann für eine Korrektur des ungünstigen Zustandes der beste Zeitpunkt ist, ließe sich nicht pauschal sagen, so der Experte. Eine kieferorthopädische Behandlung könne bereits kurz nach der Geburt notwendig sein, wenn eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte behandelt werden muss. Auch in höherem und hohen Lebensalter sind Korrekturen noch möglich. Am sinnvollsten sind Behandlungsmaßnahmen zum einen sehr früh, wenn sie Spätfolgen vermeiden helfen – also beispielsweise bei vorzeitigem Milchzahnverlust und drohender Störung des Platzbedarfes der nachkommenden bleibenden Zähne. Zum anderen gilt die Phase des Wechselgebisses als klassischer Behandlungszeitraum, weil hier der natürliche Wachstumsschub des Körpers und der Knochen ausgenutzt werden kann. Dennoch, so Professor Proff, kann man nicht von einem „besten Termin" sprechen: Der richtige Zeitpunkt hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und muss „nach sorgfältiger individueller Untersuchung durch eine Fachzahnärztin oder einen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie entschieden werden."

Zahnbelag & Co: der „Biofilm“

Während man früher von dem Zusammenhang ausging, dass länger bestehender Zahnbelag Karies verursacht, sieht die moderne Zahnmedizin den Prozess heute ganzheitlicher: Wissenschaftlicher, Zahnärzte und ihre auf Prophylaxe spezialisierten Teams sprechen heute von Biofilm. Dahinter steht die erweiterte Sicht auf den Mund und seine Vielzahl an Bakterienfamilien und Keimen und der Blick darauf, ob sich das „Biotop Mundhöhle" in einem guten Gleichgewicht aus gesunden und weniger gesunden Bakterien befindet. Das Gleichgewicht kommt beispielsweise dann aus dem Lot, wenn die „guten Bakterien" die „bösen Bakterien" (pathogene Keime) nicht mehr in Schach halten können. Das passiert beispielsweise dann, wenn Zahnbelag vorhanden ist, in dem sich die pathogenen Bakterien verstecken können: Hier sind sie nicht nur vor Abwehrzellen des Immunsystems geschützt, sondern auch vor Antibiotika. Sie finden reichlich Nahrung und geben Stoffe ab, die den Zahnschmelz zerstören und Karies verursachen, auch das Zahnfleisch wird gereizt und kann sich ebenso entzünden wie das Zahnbett. Über kleinste Wunden, so die aktuelle Forschung, können pathogene Keime in die Blutbahn geraten und zu Organen geschwemmt werden, wo sie möglicherweise zum Entzündungsgeschehen beitragen. In der modernen Zahnmedizin spricht man daher vom „Biofilm-Management", wenn es darum geht, die Bakterienkolonien unter Kontrolle zu halten und Zähne und Zahnfleisch vor Erkrankungen zu schützen.

Zahnimplantate: Schutz für die natürlichen Zähne

Junge und ältere bzw. alte Menschen haben meist unterschiedliche Gründe für die Versorgung mit einem implantatgetragenen Zahnersatz: Bei jungen Leuten muss meist ein Einzelzahn ersetzt werden, der beispielsweise wegen eines Unfalls verloren ging. Bei älteren Menschen spielt Zahnverlust aufgrund von Zahnbettentzündungen oder Abbau von Knochen und Zahnbettgewebe die größte Rolle. Implantate werden, zeigt eine Studie an der Universität Göttingen, bei diesen Patienten aber nicht nur zum Ausgleich der verloren gegangenen Zähne gesetzt, sondern nicht selten auch, um gleichzeitig das Zahnbett rund um die noch erhaltenen natürliche Zähne zu stabilisieren und vor weiterem Abbau zu schützen. Da sich Gewebe wie Knochen, Muskeln, Haltegewebe mit der Zeit zurückbildet, wenn es nicht belastet wird, gibt der implantatgetragene Zahnersatz gesunde Signale für den Gewebeerhalt bzw. die Regeneration. Mit einem gesunden stabilen Zahnbett steigt die Chance auf eine lange Lebensdauer der natürlichen eigenen Zähne. Sorgen bereiten manchen Älteren bei der Frage „Implantat – Ja oder Nein" ihr allgemeiner Gesundheitszustand. Die Studie zeigte aber, dass die älteren Teilnehmer trotz Erkrankungen wie Herzschwäche, Bluthochdruck oder Diabetes kein bedeutend größeres Risiko hatten, das gesetzte Implantat wieder zu verlieren – zeigte sich kein negativer Einfluss der Implantation auf die Allgemeinerkrankungen.

Zahnverfärbung: nur unschön oder Krankheits-Zeichen?

In Zeiten wie heute, wo „weiße Zähne" als schön und Zeichen für Gesundheit und kraftvolle Energie gesehen werden, erleben manche Menschen Zahnverfärbungen als belastend. Während es früher „normal" war, dass Zähne im Laufe des Lebens grau oder gelblich werden und Pigmenteinlagerungen von den Spuren des Lebens und seiner Genüsse berichten, sieht man heute viele ältere und auch alte Menschen, die vergleichsweise jugendlich wirkende „weiße" Zähne haben. In der Regel sind Zahnverfärbungen kein Zeichen einer Erkrankung, sondern kommen von Zahnstein und Farbstoffen, wie sie beispielsweise in Tee, Rotwein, Wein etc. enthalten sind. Auch manche Medikamente können zu Verfärbungen führen. Kleinste Teile dieser Farbstoffe lagern sich auf den Zähnen ab und setzen sich dort fest – in der Regel sind sie durch normales Zähneputzen nicht zu entfernen. Vor einem Bleaching (Bleichen) der Zähne sollte daher zuerst der Pigment-Zahnbelag entfernt werden: Erst dann zeigt sich der natürliche Farbton der Zähne und damit die Grundlage für eine eventuelle Aufhellung. Anders liegt der Fall, wenn die Verfärbung „von innen" kommt, sagte Prof. Dr. Wolfgang Buchalla, Uniklinikum Regensburg, in einem Beitrag für eine Zeitschrift: Auch Karies oder Zahnwurzelerkrankungen können Zahnverfärbungen verursachen und sind daher ernstzunehmende Signale. Sie zeigen sich allerdings zumeist nur an einzelnen Zähnen. Am besten bespricht man mit seinem Zahnarzt, welche Ursache die störenden Farbveränderungen haben und wie man, falls gewünscht, am schonendsten Abhilfe schafft.

Kontrollbesuch beim Zahnarzt: wie oft ist normal?

In Ratgebern werden zumeist halbjährliche Besuche in der Zahnarztpraxis empfohlen, um den Mund auf Gesundheit oder erste Anzeichen einer Erkrankung hin zu untersuchen – und früh eingreifen zu können, ehe sich größere Schäden entwickeln. Der halbjährliche Rhythmus ist allerdings keine Regel: Es gibt viele Patienten, die ganz andere zeitliche Spannen benötigen. Der ideale Abstand zwischen zwei Kontrollbesuchen ist daher immer der „individuell" richtige. Für einige wenige Menschen mit sehr wenigen Risiken für Zahn- oder Zahnfleischschäden und sehr guter Mundhygiene kann auch ein einmaliger Kontrolltermin im Jahr ausreichend sein – für einen anderen, der ebenfalls sehr gute Mundhygiene betreibt, aber nicht, weil er beispielsweise aufgrund von Erkrankungen, durch Medikamentennutzung oder auch durch Veranlagung ein höheres Munderkrankungsrisiko hat. „Für Patienten mit Zahn-Implantaten gibt es keine feste Regel", sagt DGI-Pressesprecher Prof. Dr. Germán Gómez-Román. Die Intervalle richten sich nach dem Zeitpunkt der Implantation (anfangs häufiger, später seltener), dem Aufwand der Implantation (Augmentation oder nicht) und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Mundes und des Patienten: „Ein Patient mit beispielsweise einem Diabetes und entsprechenden Einheilungsbelastungen wird öfter in die Praxis zur Kontrolle gehen müssen als ein gesunder Mensch." Mundgesundheitsvorsorge sei immer individuell, so Professor Gómez-Román.

Forschung: Sicherheit der Implantate weiter verbessern

Medizinische Implantate wie zu Beispiel ein neues Kniegelenk ebenso wie zahnmedizinische Implantate stehen seit Jahren im Fokus der Wissenschaft: Sie haben betroffenen Menschen viel Lebensqualität zurückgebracht. Dennoch gibt es, statistisch gesehen, Einzelfälle, wo sich rund um solche Implantate Entzündungen entwickeln – aus den verschiedensten Gründen. Ein Weg, solche Entzündungen zu vermeiden oder zu reduzieren, könnten, so zeigen aktuelle Forschungsberichte, entsprechende Oberflächenbehandlungen sein. Dabei geht es um den schwierigen Spagat, einerseits erwünschte Zellen zur „Anlagerung" einzuladen, damit das Implantat fest mit dem Körper verwächst, andererseits unerwünschte Zellen und Keime abzuwehren. Ein Orthopädie-Wissenschaftlerteam an der Universität Jena setzt, so eine aktuelle Studie, große Hoffnung in die Beschichtung künstlicher Hüft- und Kniegelenke mit einem speziellen Antibiotikum. Dieses muss nach wenigen Tagen komplett abgebaut sein, um nicht einer Antibiotikaresistenz Vorschub zu leisten. Erst dann werden die darunterliegenden „Poren" des Gelenkersatzes frei für die Zellen, die die stabile Verbindung mit dem Körper schaffen sollen. Das Verfahren ist noch in der Erprobung. Ob eine antibiotische Beschichtung auch für zahnmedizinische Implantate ein sinnvoller Weg ist, ist eher fraglich: Die Mundhöhle ist „offen" und kein steriler Raum – daher wird in der Zahnmedizin meist im Vorfeld der Operation eine mögliche Infektion mit oraler Antibiotikagabe „abgeschirmt".

Zahnungsbeschwerden: viele Hilfen für die Kleinen

Die meisten jungen Eltern kennen das: Nach einigen Wochen beginnt das Kind unruhig zu werden, weinerlich, bekommt vielleicht auch Fieber, ist „knatschig", vielleicht hat es auch Hautauschlag oder Durchfall. Diese und weitere Symptome begleiten meist das „Zahnen". Kinderzahnärztin Ulrike Uhlmann hat in einem Fachbericht aufgelistet, welche milden Hilfsmittel das Kind beim Zahnungsprozess – neben elterlicher Wärme und Zuneigung – unterstützen können. Schon ehe der erste Zahn sich zeigt, kann das Zahnfleisch durch leichte Massage unterstützt werden, was das Kind zudem auf die spätere regelmäßige Mundpflege vorbereitet. In Apotheken stehen für Zahnungsbeschwerden einige homöopathische Mittel zur Verfügung – von Globuli über Tropfen bis Zäpfchen. Es sollte beachtet werden, ob das Kind eventuell gegen Inhaltsstoffe allergisch reagieren könnte. Das Betupfen mit Kamillentee wird als nützlich beschrieben, es findet sich auch in vielen sogenannten Zahnungs-Gels und Tinkturen. Die Produkte sollten zuckerfrei sein. Manches Produkt darf nur außen, auf der Wange über der betroffenen Stelle, angewandt werden. Das alte Hausmittel „Veilchenwurz", auf dem gekaut wird, tue den zahnenden Kindern gut, ebenso beispielsweise eine gekühlte Möhre. Bei Beißringen, die ebenfalls gekühlt werden können, sei auf Schadstofffreiheit zu achten. In selteneren Fällen können nur schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen – hier müsse darauf geachtet werden, ab welchem Lebensmonat sie eingesetzt werden dürfen. Weniger sinnvoll seien Lidocain-haltige Spezialprodukte: In der wissenschaftlichen Literatur werden ernsthafte medizinische Zwischenfälle berichtet. 

Zahnbehandlung: Vorteile und Risiken der Sedierung

In eher seltenen Fällen wird vor einer Zahnbehandlung statt einer Lokalanästhesie eine „beruhigende Narkose" eingeleitet, die „Sedierung". Grund für eine solche Medikamentengabe, die die Behandlung „wie im Schlaf" erscheinen lässt, können körperliche oder psychische Erkrankungen sein, bei denen eine lokale Anästhesie nicht zu einer ausreichenden Schmerzfreiheit und Entspannung führt. Eine „beruhigende Sedierung" ist für den Organismus etwas weniger belastend als eine „Vollnarkose" und entspannt zudem über die Schmerzfreiheit hinaus – besonders für krankhaft ängstliche Patienten kann das hilfreich sein.  Bisher kennt man solche „Sedierung" vor allem aus der Allgemeinmedizin, beispielsweise bei einer Darmspiegelung wird diese beruhigende Form der Schmerzausschaltung oft angewendet. Eine klassische Vollnarkose ist – je nach Dauer und Intensität – ein größerer Aufwand für den Organismus mit erhöhten Risiken. Was so gut klingt, hat, wie ein aktueller Beitrag in einem Fachjournal zeigt, aber durchaus auch Nebenwirkungen: Anders als bei einer Lokalanästhesie werden die Reflexe im Mund mit ausgeschaltet. Manche Patienten reagieren anders als erwartet auf solche Medikamente, und vor allem bei älteren Menschen ist es schwer abzusehen, ob die Sedierung die erwünschte Wirkung hat. Ärzte und Zahnärzte sowie ihre Behandlungsteams werden daher gezielt schult, um die Wirkung überwachen zu können. Patienten, die aufgrund von Angst vor der Behandlung lieber „schlafen" wollen, während der Zahnarzt arbeitet, sollten wissen, so der Fachbeitrag, dass eine Sedierung eine Hilfe sein kann – aber auch Risiken mit sich bringt, die Laien nicht abschätzen können. Es müsse genau abgewogen werden, ob eine solche Belastung „angemessen" ist oder vielleicht doch eine Lokalanästhesie ohne begleitende Sedierung versucht werden sollte.

Mundhygiene: Alte Ziele, neue Produkte

Auch wenn die Wissenschaft heute erheblich mehr Details rund um das Geschehen im Mund kennt als früher, hat sich an den alten Empfehlungen nichts geändert: Nach wie vor geht nichts über das Zähneputzen. Versuche, beispielsweise über spezifische Tabletten mit „konkurrierenden Bazillen" den bakteriellen Zahnbelag zu beseitigen, waren bislang nicht erfolgreich genug, um Zahnbürste & Co ins Abseits zu stellen. Prof. Dr. Wolfgang Buchalla vom Uniklinikum Regensburg sagte kürzlich in einem Interview: „Zahnbeläge sind nichts anderes als ein dicker Rasen voll mit Bakterien, ein „Biofilm", in dem bei Zufuhr von Zucker Säuren gebildet werden, die den Zahn auflösen." Für die sorgfältige Reinigung der Zähne und der weiteren Mundbereiche finden sich heute eine Vielzahl an Bürsten für die flächigen Bereiche und auch eine große Auswahl an Reinigungshilfen für die Zahnzwischenräume – von unterschiedlichen Zahnseiden über größenvariable Zahnzwischenraumbürsten bis hin zu „Sticks" für den schnellen Bedarf. Auch für die Reinigung rund um den implantatgestützten Zahn sind heute viele Hilfsmittel erhältlich. Nicht zuletzt ist auch der Markt der Zahnpasten erheblich gewachsen. Professor Buchalla weist darauf hin, dass bei der Auswahl auf das Vorhandensein von Fluorid geachtet werden müsse – ein Kriterium, das kürzlich auch „Ökotest" als ausschlaggebend für eine gute Benotung nannte. Der wichtigste Rat allerdings ist ebenfalls einer der ältesten: Mundpflege muss immer nach individuellem Bedarf ausgerichtet werden.

Mundgeruch: Viele Ursachen

Mundgeruch kann viele unterschiedliche Ursachen haben: Einerseits können sie – und das ist weit überwiegend der Fall – im Mund selbst liegen. Nicht ausreichende Mundhygiene wäre hier beispielsweise zu nennen, eine fortgeschrittene Karies, entzündete Zahntaschen, schlecht geputzte Prothesen oder auch Gase, die sich unter einem nicht mehr korrekt sitzenden Zahnersatz bilden. Zwar meinen viele Patienten, der Mundgeruch käme aus dem Magen, das ist aber nur sehr selten der Fall. Dennoch kann Ernährung eine Rolle spielen. Bekannt ist Mundgeruch bei Menschen, die nach einer speziellen einseitigen Diät leben (z.B. Atkins). Aber auch viel Kaffee, Alkohol und Fleischverzehr können zu unangenehmem Atem führen – bei Fleisch insbesondere dann, wenn Faserreste zwischen den Zähnen verbleiben und „faulen". Stress und Rauchen kann Mundgeruch auslösen, aber auch reduzierter Speichelfluss beispielsweise als Nebenwirkung von Medikamenten. Auch wer zu wenig trinkt, kann schlecht riechenden Atem bekommen, ebenso Menschen mit Mandelentzündung der Nasennebenhöhlenentzündung. Die Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin empfahl in einer aktuellen Publikation das frühzeitige Aufsuchen eines Zahnarztes, der die richtige Diagnose stellt und individuelle Lösungen entwickelt. Ist die Behandlung erfolgreich abgeschlossen, könnten natürliche Stoffe wie Pfefferminz den Atem verbessern – sie vorher zu nutzen, um Mundgeruch zu überlagern, sei riskant, weil die Ursachensuche sich damit unnötig verzögere.

Klarer Trend: Mehr Zahnerhalt, mehr Minimalinvasivität

Die Zahnmedizin hat in den letzten Jahren viele Entwicklungen erlebt, die sie insbesondere mit Blick auf die Verträglichkeit für den Patienten und den Erhalt der Mundgesundheit weitergebracht haben – der Bedarf nach „Ersatz" steht ersthinter der Aufgabe „Erhalt der natürlichen Gewebe". Nach der flächendeckenden Einführung der „Prophylaxe" vor rund 25 Jahren ist der neue Trend die möglichst minimalinvasive und gewebeschonende, aber auch nachhaltig erfolgreiche Behandlung. Dies ermöglichen einerseits neue Erkenntnisse über die Biologie, andererseits aber auch neue Techniken und neue Produkte. Was sich bei einem Kongress Ende Mai in Bad Ischgl zeigte, ist die Lernkurve bei den Zahnärzten, die mit den neuen Verfahren erfolgreich arbeiten, sehr groß: Die in jedem einzelnen Bereich der Zahnmedizin enorm fortschreitenden Innovationen an Wissen bedürfen in gleicher Weise einer Intensivierung an Können. Sowohl für Wurzelbehandlungen und Parodontalbehandlungen als auch für die Implantation gibt es heute sogenannte „Konzepte", die eine Art Behandlungs-Empfehlung für bestimmte Aufgaben bei der Mundgesundheit enthalten. Der Kongress machte deutlich, dass diese Entwicklung dazu führt, dass immer Spezialisierung in der Zahnarztlandschaft notwendig ist: Im besten Fall koordiniert der Hauszahnarzt bei komplizierten oder umfangreicheren Behandlungen die Zusammenarbeit mit Spezialisten. Solche Netzwerke, die sich in Expertise ergänzen, entstehen in Deutschland inzwischen immer öfter.

Klarer Trend: Mehr Zahnerhalt, mehr Minimalinvasivität

Die Zahnmedizin hat in den letzten Jahren viele Entwicklungen erlebt, die sie insbesondere mit Blick auf die Verträglichkeit für den Patienten und den Erhalt der Mundgesundheit weitergebracht haben – der Bedarf nach „Ersatz" steht ersthinter der Aufgabe „Erhalt der natürlichen Gewebe". Nach der flächendeckenden Einführung der „Prophylaxe" vor rund 25 Jahren ist der neue Trend die möglichst minimalinvasive und gewebeschonende, aber auch nachhaltig erfolgreiche Behandlung. Dies ermöglichen einerseits neue Erkenntnisse über die Biologie, andererseits aber auch neue Techniken und neue Produkte. Was sich bei einem Kongress Ende Mai in Bad Ischgl zeigte, ist die Lernkurve bei den Zahnärzten, die mit den neuen Verfahren erfolgreich arbeiten, sehr groß: Die in jedem einzelnen Bereich der Zahnmedizin enorm fortschreitenden Innovationen an Wissen bedürfen in gleicher Weise einer Intensivierung an Können. Sowohl für Wurzelbehandlungen und Parodontalbehandlungen als auch für die Implantation gibt es heute sogenannte „Konzepte", die eine Art Behandlungs-Empfehlung für bestimmte Aufgaben bei der Mundgesundheit enthalten. Der Kongress machte deutlich, dass diese Entwicklung dazu führt, dass immer Spezialisierung in der Zahnarztlandschaft notwendig ist: Im besten Fall koordiniert der Hauszahnarzt bei komplizierten oder umfangreicheren Behandlungen die Zusammenarbeit mit Spezialisten. Solche Netzwerke, die sich in Expertise ergänzen, entstehen in Deutschland inzwischen immer öfter.

Patient oder Patientin - ist das relevant?

In der Medizin gibt es mittlerweile viele Studien, die zeigen, dass Frauen und Männer in manchen Situationen einer anderen Behandlung bedürfen – und manchmal andere Medikamente brauchen. Grund: Sie haben eine unterschiedliche Verteilung von Muskelmasse, hormonell eine andere Situation, einen in vieler Hinsicht anderen Stoffwechsel und ein spezifisch funktionierendes Immunsystem. Erst seit wenigen Jahren hat auch die Zahnmedizin begonnen, Unterschiede zwischen Patienten und Patientinnen zu untersuchen und daraus erste Hinweise für die Behandlung in Zahnarztpraxen gewonnen. Nicht zuletzt in höherem Lebensalter spielt der biologische Unterschied eine deutliche Rolle, sagte Privatdozentin Dr. Dr. Christiane Gleissner/Friedberg vor ein paar Wochen bei einem Symposium in Berlin: Bei Frauen kann es bei der Anzahl der verlorenen Zähne eine Rolle spielen, ob sie ihren Hormonverlust medikamentös ausgleichen oder nicht – bei Männern spielt der Hormonstatus keine Rolle. Frauen generell seien von mehr Karies, Zahnverlust und damit auch Zahnlosigkeit sowie Kiefergelenkerkrankungen betroffen als Männer – diese wiederum hätten mehr Zahnwurzel-Karies, Säureschäden am Zahnschmelz, Mundschleimhautveränderungen und auch Mundkrebs-Erkrankungen.

Zahnersatz - auch bei Parodontitis möglich?

Wie die gesunden Zähne stehen auch die Ersatz-Zähne in enger Verbindung mit dem Zahnfleisch: Ist es gesund, ist das für Zahn und Zahnersatz in der Regel unproblematisch. Ist es krank, entzündet, zurückgebildet, sieht das schon anders aus. Im Erwachsenenalter ist eine Parodontitis (chronische fortschreitende Zahnbettentzündung) eine der Hauptursachen für Zahnverlust. Kein Wunder also, wenn sich Experten auch beim Thema Zahnersatz fragen, ob die Verbindung gesund ist. Einerseits kann ungünstiger Zahnersatz für eine Belastung des Zahnbettes sorgen, andererseits kann ein ungesundes Zahnbett den Behandlungserfolg mit einer Prothese gefährden. Heute analysiert man sehr genau, berichtete Dr. Daniel Pagel M.Sc./Berlin bei einem Kongress in der Hauptstadt, ob die Situation zu behandeln und zu retten ist, ehe man einen Zahn zieht, der an seinem Platz nur noch wenig Überlebenschancen hätte. Mit profunder Erfahrung in der parodontologen Behandlung könnten heute Zahnärzte auch schwer geschädigte Zähne erhalten und so Zahnersatz vermeiden. Ist der Zahn nicht zu retten, steht heute hochwertiger Zahnersatz zur Verfügung, der auch bei vorgeschädigtem Zahnbett sehr gute Ergebnisse zeigt. Wichtig sei, sehr rasch eine Entscheidung zu treffen zwischen Erhalt des gefährdeten Zahnes – oder Ersatz durch Implantat/Prothetik: Fortschreitende Defekte im Knochen und Weichgewebe müssten verhindert werden.

Karies - einfach im Zahn lassen?

Über einen interessanten Ansatz in der Kariesbehandlung berichtete Privatdozent Dr. Falk Schwendicke/Charité kürzlich bei einem Symposium in Berlin: Warum sollte man die Karies nicht einfach im Zahn belassen und dort sozusagen „versiegeln"? Der Gedanke dahinter: Karies entsteht durch den Stoffwechsel von Bakterien, die für ihre Existenz einen steten Nahrungszufluss brauchen. Fällt dieser aus, sterben sie mit der Zeit ab und die Karies stoppt. Versiegelung und sogenannte Infiltration erfüllen diese Ausgabe. Der Ansatz dieses Verfahrens beruht auf dem Ziel einer minimalinvasiven Behandlung: Statt die kariöse Stelle herauszubohren und damit in die Nähe der Zahnpulpa mit den lebenserhaltenden Gefäßen des Zahnes zu kommen, wird der Bereich einfach „ausgeschaltet". Bereits seit einigen Jahren sammeln Zahnärzte in der Praxis mit diesem Vorgehen Erfahrungen und berichten von eindrucksvollen Erfolgen. Um sich als etabliertes Verfahren durchzusetzen, fehlt es allerdings noch an wissenschaftlichen Studien, die den Langzeiteffekt untersuchen. Die gegenwärtigen Erfolge seien allerdings ermutigend, so der Referent.

Zahnimplantate brauchen eine intensive Nachbetreuung

Künstliche Zahnkronen bekommen keine Karies, und eine künstliche Zahnwurzel aus Titan kann sich nicht entzünden. Man könnte also meinen, dass Zahnimplantate Pflegefehler eher verzeihen als die eigenen Zähne. Doch das ist falsch. Zahnimplantate brauchen sogar eine intensivere Betreuung als natürliche Zähne. Die Implantattherapie ist also nicht zu Ende, sobald der Zahnarzt den endgültigen Zahnersatz eingegliedert hat. „Eine systematische Nachsorge in der zahnärztlichen Praxis ist – neben einer guten häuslichen Mundhygiene  – ein entscheidender Bestandteil der Implantattherapie", betonen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Implantologie.

Rauchen verändert die Mundflora

Ein US-amerikanisches Forscherteam hat bei 1200 erwachsenen Rauchern und Nichtrauchern die Zusammensetzung der Mundflora untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass sich die Zusammensetzung der Mundflora zwischen Rauchern und Nichtrauchern deutlich unterscheidet. Mehr als 150 verschiedene Bakterienspezies kamen im Mund von Rauchern in erhöhten Mengen vor, darunter etwa Streptococcus-Bakterien, die Zahnkaries fördern. 70 andere Arten waren dagegen seltener anzutreffen, wie zum Beispiel verschiedene Proteobacteria-Spezies, die unter anderem beim Abbau verschiedener toxischer Stoffe helfen.

Knochenqualität entscheidet über den Erfolg einer Implantation

Der Erfolg einer Implantation hängt vor allem von der Qualität des Knochens ab, der die künstliche Zahnwurzel aufnimmt. Je mehr Knochen vorhanden ist, desto besser. „Misst der Kieferkamm weniger als acht Millimeter Höhe und fünf Millimeter Breite, muss der Zahnarzt das Knochenvolumen durch eine spezielle Technik aufbauen, die „Augmentation", betonen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. Kleinere Defekte füllen Zahnärzte bei der Implantation mit Knochenspänen auf, die beim Vorbereiten des Implantatbetts anfallen. Bei größeren Defekten transplantieren sie patienteneigenes Gewebe aus den hinteren Abschnitten des Ober- und Unterkiefers. Die verpflanzten Knochenstücke werden mit kleinen Schrauben am Kieferknochen befestigt oder als klein gemahlene Späne auf den vorhandenen Knochen aufgelagert. Ebenso kommen Knochenersatzmaterialien alleine oder in Kombination mit Eigenknochen zum Einsatz. Bei sehr großen Knochendefekten können Verpflanzungen etwa aus dem Beckenknochen nötig sein. Experten untersuchen darum intensiv, wie tragfähig kürzere Implantate sind. Implantate mit einer Länge von vier bis sechs Millimetern werden bereits in bestimmten Kieferabschnitten eingesetzt, da sie den Knochenaufbau überflüssig und Eingriffe schonender machen. Bisherige Langzeitbeobachtungen zeigen keinen Unterschied bei den Therapieergebnissen.

Zahnschmelz ist in der Haut entstanden

Wann in der Evolution des Lebens ist der Zahnschmelz entstanden? Und wo im Körper von Lebewesen ist er zum ersten Mal gebildet worden? Wissenschaftler von der Unversität von Uppsala in Schweden haben zusammen mit chinesischen Forschern darauf überraschende Antwort gefunden. Wie das Team in der internationalen Fachzeitschrift Nature berichtet, ist der Zahnschmelz in der schuppigen Haut von Knochenfischen entstanden, die vor 400 Millionen Jahren lebten. Der durchscheinend weiße, schimmernde Zahnschmelz, die härteste Substanz des Körpers, besteht aus Hydroxylapatit. Er enthält Verbindungen von Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium daneben sind Proteine und Fette am Aufbau beteiligt. Die Forscher untersuchten zwei fossile Fischspezies, Psarolepis aus China und Andreolepis aus Schweden. Bei ihnen waren die Schuppen und schuppenartige Hautzähnchen am Kopf mit Zahnschmelz bedeckt, nicht aber die Zähne. Bei Andreolepis waren nur die Schuppen mit Zahnschmelz überzogen. Wie die Forscher schreiben, ist das Fehlen von Zahnschmelz bei so alten Fischarten kein Anzeichen einer Spezialisierung, sondern bedeutet, dass diese Lebewesen noch sehr primitiv waren. Die zahnschmelzartige Substanz, welche die Schuppen dieser Fische als irisierend glänzender Überzug bedeckt, nennen die Forscher Ganoin. Es wird in der Lederhaut der Fische gebildet.

Passivrauchen und Zahnkaries im Milchgebiss

Wenn in einem Haushalt geraucht wird, haben Kleinkinder, die im Alter von vier Monaten dem Rauch ausgesetzt sind, ein doppelt so hohes Kariesrisiko als Babys, die in Nichtraucher-Haushalten aufwachsen. Das haben japanische Wissenschaftler herausgefunden, die in der Stadt Kobe die Mundgesundheitsdaten von über 76.000 Kindern auswerteten, die zwischen 2004 und 2010 an regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen hatten. Zwar kann diese Untersuchung nicht sicher beweisen, dass es tatsächlich das Passivrauchen ist, dass die Zahnkaries im Milchgebiss verursacht. So kann etwa nicht ausgeschlossen werden, dass andere Faktoren, welche die Mundgesundheit im Kindesalter beeinflussen, in Raucherhaushalten häufiger sind als bei nichtrauchenden Eltern. Gleichwohl empfehlen die Wissenschaftler, durch geeignete Maßnahmen das Passivrauchen weiter zu reduzieren.

Sofortimplantation - wann ist sie sinnvoll

„Eine Sofortimplantation unmittelbar nach der Zahnextraktion oder eine verzögerte Sofortimplantation binnen sechs Wochen bergen ein geringfügig höheres Komplikationsrisiko als eine Spätimplantation. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit eines guten ästhetischen Ergebnisses deutlich höher." Zu diesem Fazit kam die Cochrane-Organisation bereits 2010. Inzwischen gibt es mehr als 3000 Veröffentlichungen zu diesem Thema. „Die Sofortimplantation behindert nicht die Regeneration des Zahnfaches, die knöchernen Strukturen und das Weichgewebe bleiben erhalten", betonten Experten bei einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie in Münster. Allerdings gebe es auch Risiken, die man beachten müsse. Dazu gehört etwa dünnes Zahnfleisch. Auch die anatomische Struktur des Zahnfachs kann die optimale Positionierung des Implantats erschweren und dessen Primärstabilität einschränken. Doch auch die Vorteile seien eindeutig, wie die Spezialisten betonen: „Kein zweiter Eingriff, ein minimal invasives Verfahren, der sofortige Lückenschluss, die Stützung der Weichgewebe und vor allem der Erhalt von Kontur und Struktur." Das Fazit: Notwendig ist in jedem Fall die Risikoanalyse, ob eine Sofortimplantation möglich ist, sowie die Vorbehandlung von Zahnbettentzündungen. Wenn die Indikation korrekt gestellt wird, gebe es, so die Experten, keine erhöhte Verlustquote aber eine hohe Akzeptanz und Zufriedenheit der Patienten.

Hilfe gegen Geschmacklosigkeit

Ältere Menschen leiden häufig unter einer Beeinträchtigung ihres Geschmacksempfindens. Verursacht wird dies nicht unbedingt durch den Verlust jener „Geschmacksknospen" genannten zwiebelförmigen Strukturen in der Mundschleimhaut, welche die Sinneszellen des Geschmackssinnes tragen. Häufiger geht der Verlust des Schmeckens mit einer Beeinträchtigung des Geruchssinnes einher. Während die Wahrnehmung von süß und sauer oft nur gering beeinträchtigt ist, schwindet oft die Wahrnehmung von bitter und salzig. Ausgelöst werden können Geschmacksveränderungen durch Veränderungen und Erkrankungen in der Mundhöhle wie Karies oder Parodontitis. Aber auch Mundtrockenheit, bestimmte Medikamente und Infektionen spielen eine Rolle.

Die Behandlung von Erkrankungen in der Mundhöhle und eine konsequente Mundhygiene kann die Beschwerden lindern. Ebenso kann es sinnvoll sein, mit dem Hausarzt zu klären, ob eine medikamentöse Therapie, die das Schmecken beeinträchtigt, umgestellt werden kann. Der Einsatz von Kräutern und Gewürzen beim Kochen wirkt ebenfalls als Geschmacksverstärker. 

Mundhygiene in der Schwangerschaft

Hebammen sind wichtige Ratgeber für werdende und junge Mütter. Sie können auch dazu beitragen, dass Schwangere auf ihre Mundgesundheit und jene des Nachwuchses achten. Das belegt eine aktuelle Umfrage von Wissenschaftlern bei deutschen Hebammen. Die meisten machen die Mütter auf die gefährlichen Folgen unbehandelter Zahnfleischentzündungen aufmerksam. Werden diese nicht behandelt, können sie in eine Zahnbettentzündung (Parodontitis) übergehen. Dies erhöht das Risiko einer Frühgeburt in Verbindung mit geringem Geburtsgewicht des Kindes. Darum riet jede zweite Hebamme zu einem vorsorglichen Zahnarztbesuch in der Schwangerschaft und mehr als 60 Prozent informierten darüber, dass schon der erste Zahn nach seinem Durchbruch geputzt werden muss. Die Wissenschaftler von der Universität Jena, die die Umfrage gestartet hatten, empfehlen das Wissen der Hebammen zum Thema Mundgesundheit auszubauen und stärker zu nutzen. 

Zähneputzen üben

Nichts geht über gute Vorbilder. Kinder sollten zwar möglichst früh ihre Zähne selbst putzen, doch bis zum Ende der Grundschulzeit müssen die Eltern das Ergebnis kontrollieren und im Zweifel nachputzen. Erst dann sitzt das Gelernte. Und am besten ist es, wenn Eltern und Kinder gemeinsam die Mundhygiene betreiben. 

Zahnimplantate: Alter ist keine Kontraindikation

Auch Senioren im sehr fortgeschrittenen Alter profitieren noch von einer Versorgung mit Zahnimplantaten. Das belegt eine Untersuchung von Zahnmedizinern an der Universität in Genf. Sie behandelten insgesamt 19 Patientinnen und Patienten zwischen 80 und 90 Jahren mit jeweils zwei Implantaten und untersuchten die Patienten im Verlauf der nächsten fünf Jahre regelmäßig. Fazit: Nach fünf Jahren waren 94 Prozent der Implantate noch stabil im Knochen verankert. Auch der Zustand der Gewebe um die künstlichen Zahnwurzeln herum war akzeptabel. „Weder das Alter noch eine eingeschränkte Alltagskompetenz sind Gegenanzeigen für eine Implantatversorgung", schlussfolgern die Experten. Sie empfehlen aber eine enge zahnmedizinische Überwachung der Patienten.

Hilfe gegen den schlechten Atem

Die Hälfte der Bundesbürger gibt bei Umfragen an, zumindest gelegentlich unter Mundgeruch zu leiden. Ein unangenehmer Mundgeruch (Halitosis) kann verschiedene Ursachen haben. Viele Menschen geben an, dass sie morgens nach dem Aufstehen einen schlechten Atem haben. Die Ursache ist ein geringerer Speichelfluss in der Nacht. Zähneputzen beseitigt dieses Problem. Auch bestimmte Lebensmittel – Knoblauch oder Kohl – und nicht zuletzt Rauchen und Alkohol können Mundgeruch verursachen. Auch bestimmte Medikamente, vor allem, wenn sie die Speichelproduktion beeinträchtigen, können Mundgeruch begünstigen.

In 90 Prozent der Fälle entsteht der Mundgeruch im Mund-Nasen-Rachenraum. Wenn organisches Material in der Mundhöhle von Bakterien abgebaut wird, entstehen dabei übelriechende flüchtige Schwefelverbindungen. Die ursächlichen Mikroorganismen besiedeln die Zungenoberfläche und befinden sich in Zahnbelägen. Auch eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) oder Zahnbettentzündung (Parodontitis) kann Mundgeruch verursachen. Eine zahnmedizinische Behandlung der Ursachen, eine professionelle Zahnreinigung sowie eine gute Mundhygiene mit Einsatz eines Zungenschabers und geeigneten Mundspüllösungen kann das Übel in den meisten Fällen beseitigen.

Schlecht eingestellter Diabetes fördert Zahnverlust

Jeder zweite Zahn bei Menschen jenseits des 40. Lebensjahres geht durch Zahnbettentzündungen (Parodontitis) verloren. Ein wichtiger Risikofaktor ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Experten sind sich inzwischen sicher, dass ein ungenügend behandelter Diabetes mit einem vermehrten Zahnverlust verbunden ist. Ein wichtiger Diabetes-Marker ist der sogenannte HbA1c-Wert. Er gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der letzten vier bis zwölf Wochen und wird daher umgangssprachlich auch als Langzeit-Blutzucker oder Blutzuckergedächtnis bezeichnet. Bei Gesunden liegt der Wert zwischen vier und sechs Prozent. Bei Werten über sechs Prozent besteht der Verdacht auf Diabetes. Die Behandlung der Zuckerkrankheit hat das Ziel, diesen Wert unter sieben bis acht Prozent zu halten. Steigt der Wert über diese kritische Marge, hat dies Auswirkungen auf die Mundgesundheit: Bei einem HbA1c-Wert über acht Prozent sind bei bei jedem vierten Diabetiker bereits Zähne verloren gegangen. Steigt dieser Wert über zehn, verzeichnen die Forscher bereits bei einem Drittel der betroffenen Diabetiker verlorene Zähne. Diabetes macht lange Zeit keine Beschwerden. Deshalb bleibt er oft viele Jahre unentdeckt. Darum dient die ärztliche Kontrolle des Blutzuckers etwa im Rahmen der kostenlosen Check up 35-Vorsorgeuntersuchung auch der Mundgesundheit.

Kariesbakterien erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall

Es besteht eine Beziehung zwischen bakteriellen Infektionen der Mundhöhle und dem Auftreten von Schlaganfällen. Das haben Experten bei verschiedenen Untersuchungen beobachtet. Nun haben japanische Wissenschaftler bei 100 Schlaganfallpatienten die Mundflora genauer untersucht. Resultat: Eine bestimmte genetische Variante des Karieserregers Streptococcus mutans kann das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen, der Folge einer Gehirnblutung ist. (Ein Schlaganfall kann sowohl durch eine Blutung als auch durch die Verstopfung eines Blutgefäßes verursacht werden.) Die Forscher haben auch Hinweise, die den Einfluss des Karieserregers erklären können: Gelangt das Bakterium in die Blutbahn zum Gehirn, fördert es Prozesse, die vorgeschädigte Blutgefäße zum Platzen bringen.

Fünf einfache Maßnahmen gegen Zahnbettentzündungen

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 20 bis 30 Millionen Menschen an Entzündungen des Zahnbetts (Parodontitis), davon acht Millionen an schweren Formen dieser Erkrankung. Die Parodontitis beginnt im Verborgenen und schleichend. Patienten bemerken sie erst dann, wenn sie schon fortgeschritten ist. Es blutet beim Zähneputzen, das Zahnfleisch ist geschwollen. Dabei kann man der Parodontitis vorbeugen, betonen Experten. Fünf Schritte genügen, erklärt die europäische Vereinigung der Parodontologen:

1. Zähne und Zahnfleisch zwei- bis dreimal täglich mit Zahnpasta putzen

2. Die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen einmal täglich reinigen

3. Falls vom Zahnarzt empfohlen: mit Mundwasser spülen

4. Alle drei Monate die Zahnbürste wechseln

5. Zweimal im Jahr zum Check zum Zahnarzt

Diagnostik in der 3. Dimension

Neue Verfahren verbessern die Diagnostik vor einer Implantation – die entscheidende Voraussetzung für schonendere Eingriffe. Bei unkomplizierten Fällen ist eine Röntgen-Panoramaaufnahme ausreichend. Moderne digitale Röntgengeräte liefern gestochen scharfe Bilder mit einer um bis zu 90 Prozent geringeren Strahlenbelastung. Der Zahnarzt hat die digitale Aufnahme binnen weniger Minuten auf dem Bildschirm.

Die Dentale Volumentomographie (DVT) liefert – der Computertomographie ähnlich, aber mit einer geringeren Strahlenbelastung – hunderte von Schnittaufnahmen, aus denen der Computer dreidimensionale Datensätze erzeugt. Diese geben dreidimensionale Einblicke in die Strukturen des Kieferknochens. Eine große Zahl klinischer Studien belegt den Nutzen dieser Technik. Vor allem Patienten mit massivem Abbau des Kieferknochens und komplizierten anatomischen Verhältnissen profitieren davon. Am Computerbildschirm kann der Zahnarzt auf Basis der 3-D-Datensätzen besser abschätzen, ob Knochen aufgebaut werden muss, und er kann die Behandlung exakt planen. Per Mausklick wählt er aus verschiedenen Implantattypen den geeigneten aus und simuliert den Eingriff. Nicht zuletzt kann auch die prothetische Versorgung auf Basis dieser Datensätze mit Computerhilfe geplant werden.  

Abnehmbarer Zahnersatz auf Implantaten

„Ich möchte in ein Restaurant gehen, die Karte studieren und alles essen, was ich will und mich nicht fragen, was ich essen kann", solche Sätze hören Implantologen sehr häufig von genervten Trägern konventioneller Zahnprothesen. Implantatgetragener Zahnersatz sitzt hingegen immer fest im Mund. Gleichwohl kann er auch so konstruiert werden, dass er dennoch herausnehmbar bleibt. Trotzdem entfällt dann im Oberkiefer die lästige Gaumenplatte und im Unterkiefer kann eine implantatgetragene Prothese beim festen Kauen nicht mehr wackeln. „Bei der Wahl einer implantatgetragenen Versorgung – herausnehmbar oder festsitzend – geht es nicht nur um den zahnmedizinischen Befund, sondern auch um die Wahrnehmung und die Wünsche des Patienten", betonten Experten auf einer Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie in Münster. „Die Erfolgsraten einer festsitzenden Versorgung im zahnlosen Kiefer sind gut", so die DGI-Experten. Abnehmbarer, implantatgetragener Zahnersatz ist im Vergleich zu festsitzenden Konstruktionen jedoch meistens die kostengünstigere Lösung aber dennoch deutlich stabiler als eine herkömmliche Vollprothese

Rauchstopp: Radikal ist besser als ausschleichen

Am 31.Mai ist Weltnichtrauchertag – ein Anlass für Raucher, nicht nur etwas für Herz-, Lunge- und Kreislauf, sondern auch für Ihre Mundgesundheit zu tun. Denn Rauchen erhöht auch das Risiko für Zahnbettentzündungen (Parodontitis). Die Rauchentwöhnung klappt am besten radikal. Das belegt jetzt eine neue Untersuchung aus Groß Britannien. Die Forscher hatten bei 670 Rauchern den Effekt der schrittweisen Reduktion des Nikotinkonsums verglichen mit dem sofortigen Rauchstopp. Resultat: In der Gruppe der Raucher, die von einem auf den anderen Tag auf den Glimmstängel verzichtet hatten, waren vier Wochen nach dem Ausstieg noch knapp die Hälfte abstinent. Bei den Ausschleichern waren hingegen nur 39 Prozent noch abstinent. Der Vorteil des sofortigen Rauchstopps war auch nach sechs Monaten noch nachweisbar.  

Erste Hilfe nach Zahnunfall

Spielen, sporteln, stolpern, stürzen – es passiert ganz schnell, dass ein Zahn abbricht oder gar ganz ausgeschlagen wird. Knapp ein Drittel aller Jungen zwischen 7 und 14 Jahren und jedes fünfte Mädchen in dieser Altersgruppe erleidet ein Frontzahntrauma. Zumeist betroffen sind die oberen mittleren Schneidezähne. Dann zählt jede Minute. Wenn der Zahn „nur" wackelt, nicht weiter daran rühren und sofort zum Zahnarzt. Ist ein Stück der Zahnkrone abgebrochen oder der ganze Zahn ausgeschlagen, diese auch bei Verschmutzung nicht reinigen. Den ausgeschlagenen Zahn nicht an der Wurzel anfassen. In Apotheken gibt es die Zahnrettungsbox, die auch in Schulen sowie in Sportvereinen oft vorhanden ist. Spätestens nach 20 Minuten sollte der Zahn im speziellen Nährmedium der Box liegen. Ist keine Rettungsbox verfügbar, tuen es auch kalte H-Milch, Speichel oder eine isotone Kochsalzlösung. Auf gar keinen Fall den Zahn in Wasser legen oder trocken transportieren – und dann gleich zum Zahnarzt.

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