Patienten-News

Wurzelbehandlung: vom Angstthema zur Normalität

Einer, der die Entwicklung des Bereiches Wurzelbehandlung (Endodontologie) in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde seit sehr vielen Jahren nicht nur begleitet, sondern auch entscheidend geprägt hat, ist Prof. Dr. Michael Hülsmann, früher Universität Göttingen und nach wie vor wissenschaftlich tätig. Zur Eröffnung eines von ihm geleiteten fachlichen Curriculums wies er laut Bericht einer Zahnärzte-Zeitung darauf hin, dass aus dem ehemaligen Angstthema „Wurzelbehandlung" inzwischen ein Angebot der Zahnärzteschaft geworden ist, das von Patienten sogar gezielt nachgefragt wird. Aufgrund der enormen Weiterentwicklungen in der Zahnmedizin können Patienten, denen ein Zahnverlust droht, heute nach entsprechender Überprüfung der Voraussetzungen mit entscheiden, ob der eigene Zahn erhalten werden soll, ob er gezogen und durch ein Implantat ersetzt oder die Zahnlücke anderweitig „überbrückt" wird. Eine „normale" Wurzelbehandlung kann heute in sehr vielen Zahnarztpraxen mit sehr erfreulichen Ergebnissen erfolgen – für kompliziertere Fälle stehen mittlerweile auch spezialisierte Praxen und Zentren zur Verfügung, die mit sehr aufwändiger Technik auch herausfordernde Situationen angehen können.

Kaufunktionsstörungen: vielfältige Auswirkungen

Vielen Menschen sind Kaufunktionsstörungen wie „Zähne zusammenpressen" oder „Knirschen" bekannt. Die Zahnärztinnen und Zahnärzte, zumal die mit entsprechender Spezialisierung, kennen natürlich noch viele weitere, beispielsweise Kiefergelenkstörungen, die ein Mundöffnen kaum noch ermöglichen. Oder auch Mund-/Gesichts-Muskel-Probleme, die zu Einschränkungen führen. Dass solche Kaufunktionsstörungen Auswirkungen auf den ganzen Körper haben können, ist eher wenigen Menschen bewusst, und auch die Zahnärzteschaft lernt hier immer noch hinzu. Kürzlich bei einem Fach-Kongress in Süddeutschland für das ganze Praxisteam stand genau dieses Thema auf der Vortrags-Agenda: Was passiert eigentlich im Körper, wenn der Mund sich nicht regelkonform bewegt, sondern die Bewegungen aus der natürlichen Bewegungs-Ordnung fallen und Knochen, Muskeln und Zähne anders miteinander arbeiten als vorgesehen? Deutlich wurde, dass es vielfältige und unterschiedliche Konsequenzen im ganzen Körper gibt, die neurophysiologisch gesteuert werden, das heißt einfach gesagt: Das Gehirn merkt, dass etwas aus der Bahn ist, und gibt diese Störungssignale über die Nerven an entsprechende Bereiche des Körpers ab. Es ist also möglich, dass eine ungesunde Körperhaltung allein daher kommt, dass die Kaufunktion im Mund nicht natürlich funktioniert.

 

Schwangere: besonderer Zustand auch im Mund

Bei einer Fachveranstaltung für Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Mitarbeitende im Praxisteam im Sommer dieses Jahres in Stuttgart standen auch Schwangere als Patientinnen im Blickpunkt. Aufgrund hormoneller Veränderungen im Körper sind auch im Mundgebiet Veränderungen zu sehen und im Blick zu behalten, die ohne Beobachtung zu unerwünschten Entwicklungen führen können. Beispielsweise kann die Mundschleimhaut stark anschwellen und dies zu Blutungen führen. Auch das Zahnbett ist durch die Veränderungen im Abwehrsystem bei vielen Schwangeren nicht mehr so gut gegen Parodontitis-Keime geschützt – selbst dann, wenn es zuvor diesbezüglich keinerlei Probleme gab. Empfehlenswert sei insofern eine zahnärztliche Kontrolluntersuchung schon bei der Schwangerschafts-Planung, um gut aufgestellt in diese nicht nur hormonell besondere Zeit zu gehen. Es sei sinnvoll, noch sehr im Anfang befindliche kleine Entzündungsherde frühzeitig zu behandeln und zu heilen. Auch während der Schwangerschaft sollte man die Angebote der Zahnarztpraxis nutzen und sich je nach Verlauf zeigen lassen, worauf besonders zu achten ist. So kann ein Schwangerschafts-Erbrechen aufgrund des Säure-Kontaktes den Zahnschmelz angreifen – hier können entsprechende zahnmedizinische Hilfsmittel die Zahn-Belastung mildern.

Geistige Behinderung: spezielles Gesundheitsportal

Aus Anlass der zurückliegenden „Special Olympics" im Juni in Berlin, der größten inklusiven Sportveranstaltung Deutschlands im laufenden Jahr, hat die Bundeszahnärztekammer auf die besonderen Bedarfe von Menschen mit nicht zuletzt geistiger Behinderung hingewiesen. Verbunden mit Special Olympics ist das Angebot „Healthy Athletes", das jeweils passend zu den Herausforderungen in gleich sieben Disziplinen Beratungen und Informationen zielgruppengerecht übermittelt. Unter diesen medizinischen Themen ist mit „Special Smiles" auch ein Angebot rund um die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, das seit dem Jahr 2010 seitens der Bundeszahnärztekammer unterstützt wird, angeschlossen sind hier auch viele regionale Landeszahnärztekammern. Im Zentrum steht eine adäquate zahnmedizinische Versorgung für Menschen mit Behinderung/en. Ein barrierefreier Zugang zur Gesundheitsversorgung sei nicht zuletzt für Menschen mit geistiger Behinderung sehr wichtig, betonte Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, ehemaliger Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und künftiger Botschafter für den Bereich Healthy Athletes der Special Olympics. Die Website „gesundheit-leicht-verstehen.de" von Special Olympics Deutschland bietet eine solche Möglichkeit für Betroffene mit eingeschränkten Lese- und Sprachfähigkeiten.

Zahncreme-Test: aktueller Test

Unregelmäßig, aber vergleichsweise häufig widmet sich das Wissenschaftler-Team der Stiftung Warentest den aktuell verfügbaren Zahncremes – auch für die Juli-Ausgabe 2022 ist wieder eine aktuelle Übersicht erschienen. Was konstant über die vielen Jahre an Prüfmaßnahmen grundsätzlich für Abwertungen bei der Punktzahl sorgt: wenn Zahncremes kein Fluorid enthalten. Von den aktuell getesteten 31 Pasten schützen vier nicht ausreichend vor Karies, heißt es seitens der Stiftung, weil ihnen Fluorid fehlt. Ihre Bewertung lautet daher: mangelhaft. Der Inhaltsstoff sei geradezu unverzichtbar, um den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Säuren zu machen. Ohnehin sind die Inhaltsstoffe stets besonders im Blick der Tester. Während das Fluorid als notwendig für Karies-Schutz erachtet wird, gibt es andere Stoffe, die als eher kritisch erachtet werden. Beim aktuellen Test liegt der Fokus diesbezüglich auf dem Inhaltsstoff „Titandioxid". Dieser Zusatzstoff sorgt für einen weißeren Eindruck. Im Lebensmittelbereich ist er seit August 2022 EU-weit verboten. Stiftung Warentest empfiehlt, weil nicht ausgeschlossen ist, dass man einen Teil der Zahnpasta auch verschluckt, auf Zahncremes zurückzugreifen, die kein Titandioxid enthalten – von den 31 getesteten Pasten waren das 10 Produkte. Im Endergebnis erwiesen sich fünf Zahncremes als sehr gut: Sie enthielten Fluorid, aber kein Titandioxid. Zwei davon waren sogar besonders preisgünstig. Das Testergebnis ist online abrufbar unter test.de/zahnpasta.

Zähne im Alter: Wie verändert sich ihre innere Struktur?

Dass im Alter Knochen und weiches Gewebe nachlassen in ihrer Kraft und manchmal auch in ihrer Menge, aber auch in der Stärke ihrer geweblichen Substanz, ist eine gängige Erfahrung. Da möchte man meinen: Gut, dass die Zähne als härtestes Material im Körper nicht schwächeln mit den Jahren. Leider ist das nicht ganz richtig, wie Prof. Dr. Claudia Barthel-Zimmer, Expertin für Zahnwurzelerkrankungen an der Universität Düsseldorf, in einer zahnmedizinischen Zeitschrift berichtete. Denn der Zahn besteht eben nicht nur aus dem sichtbaren Zahnschmelz, der zudem im Laufe der Zeit dünner wird, weshalb sich auch seine Farbe verändert, sondern auch aus dem nicht sichtbaren Wurzelbereich. Bei älteren Menschen sei die Pulpa, das Zahninnere, sehr stark mineralisiert, also vereinfacht gesagt: gehärtet. Zudem seien die Zahnkanäle, über die der Zahn über die Anbindung an das Blutsystem ernährt wird, oft kaum zu finden.  Hinzu kommt, dass bei vielen älteren Menschen auch die Mundgelenke eher eingeschränkt mobil sind: Es fällt diesen Menschen schwer, beispielsweise für eine längere Zeit wie bei einer Wurzelbehandlung den Mund – zudem ausreichend weit – geöffnet zu halten. Auch sind manche ältere Patienten schnell erschöpft, was das oft als unbequem empfundene Sitzung auf einer Zahnbehandlungs-Einheit betrifft.  Umso sinnvoller sei es, seine Zähne gesund bis ins hohe Alter zu bringen.

Senioren-Zahnmedizin: früh genug beginnen

Auch für älter werdende Menschen gilt: Es ist selten zu früh, mit Vorbeugung anzufangen. Wer in höherem oder hohem Alter seine eigenen Zähne nutzen können möchte, muss schon lange vor dem Seniorenalter damit beginnen, jeden einzelnen Zahn zu hegen und zu pflegen. Prof. Dr. Stefan Zimmer, Universität Düsseldorf, wies kürzlich in einem Fachbeitrag in einer Zahnärzte-Zeitung darauf hin, dass Zahn- und Zahnbett-Gewebe dauerhaft gut versorgt werden müssen. Eine gute Mund-Achtsamkeit bedeute allerdings nicht nur, dass man auf das regelmäßige Zähneputzen achtet, sondern habe viel mehr Aspekte. Ein oft übersehener Punkt: die gesunde Ernährung – mit Blick auf die Zähne und den Mund. Vielen Menschen bekannt ist die Rolle von süßen Lebensmitteln und ihren Risiken hinsichtlich entstehender Karies. Schon weniger Menschen wissen, dass auch Saures süß sein kann: saure Gurken beispielsweise, die in der Regel mit viel Zucker eingelegt werden. Auch säurehaltige Lebensmittel greifen den Zahn an. Mit den zunehmenden Jahren kommen auch immer weitere Belastungen auf Zahn und Mund zu: Krankheiten, auch dauerhaft einzunehmende Medikamente, Belastungen, die das Biotop Mund aus dem Gleichgewicht bringen. Erschwerend außerdem: Die älteren Menschen haben weniger Geschmacks-Empfindungen, viele süßen daher jedes Essen intensiv nach. Es helfe nicht, so Professor Seemann, erst dann auf Mundgesundheit zu achten, wenn der Patient oder die Patientin schon hochaltrig ist und nur noch wenige eigene Zähne hat: Wer im Alter möglichst viele seiner eigenen Zähne haben möchte, muß von Anfang an dafür sorgen, dass sie gesund und fit bleiben.

Mundgeruch: Was steckt dahinter?

Eher einfach ist es festzustellen, dass man Mundgeruch hat: Entweder das hilfreiche Gegenüber bestätigt dies oder merkt es freundlich an – oder man testet es selbst. Dabei atmet man in seine Hand oder eine Tüte und durch die Nase wieder ein. Ein zuverlässiger Test ist dies allerdings nicht – die eigene Nase ist täuschbar. Sehr hilfreich und sicherer als das Befragen seines Gegenübers oder ein Selbsttest ist dagegen ein baldiger Termin in einer Zahnarztpraxis – und das aus gleich zwei Gründen: Es ist für Laien eher schwer erkennbar, was die Ursache für den Mundgeruch ist. In der Praxis dagegen kann professionell geprüft werden, ob man tatsächlich Mundgeruch hat, und zudem, woher er kommt. Eher seltener „aus dem Magen" und eher häufiger aus dem Mund – das sagt Prof. Dr. Rainer Seemann, Universität Bern, in einem Beitrag des Mundgesundheitsdienstes proDente. Haben sich erst einmal Bakterienfamilien in versteckten Gebieten zwischen den Zähnen oder in Zahnfleischtaschen oder unter einem nicht mehr perfekt sitzenden Zahnersatz angesiedelt, oder ist der Zahnbelag auf den Zähnen schon dick genug, dass sie sich dort bestens vermehren können, dann sorgen die großen Mengen „Stoffwechselausscheidungen" der Bakterien für einen üblen Geruch. Hier hilft: Zahnbeläge überall sorgfältig zu entfernen. Nicht immer reicht das, wenn andere Ursachen wie Medikamente oder Stress beispielsweise zu einem trockenen Mund und einer Konzentration nicht weggespülter Bakterien führen: Dann gibt es in der Zahnarztpraxis gute Tipps, wie man solche Belastungen und damit auch Stoffwechsel-Gerüche sowie weitere Schäden vermeiden kann.

Kinder und Sport: an Mundschutz denken

Auch wenn das Thema kein neues ist: Nach wie vor gehen, so eine große zahnärztliche Fachzeitschrift, rund ein Drittel aller Verletzungen im Mund- und Gesichtsbereich bei Kindern auf Unfälle beim Sport zurück. Betroffen sind oft die Zähne in der Front, die – abgesehen von ihrer Funktion im Mund – bei der Wirkung auf andere Menschen eine ganz besondere Rolle spielen. Insofern ist es um so wichtiger zu wissen, dass gerade in diesem Frontzahnbereich Verletzungen von Zähnen und Kiefergewebe besonders schwierig zu behandeln sind. Was bei Erwachsenen oft möglich und hilfreich ist – das Ersetzen verunfallter und nicht zu erhaltender Zähne – durch ein Implantat entfalle in der Regel bei den jungen Patienten, deren Körperwachstum noch nicht abgeschlossen ist: Implantate wachsen nicht mit. Insbesondere wenn die Kinderzähne aufgrund der Unfallschäden nicht erhalten werden können, muss an deren Stelle eine Prothese dafür sorgen, dass sich nicht alle anderen Zähne verschieben, sondern ihren natürlichen Platz behalten oder wiederfinden. Nicht nur Kieferorthopäden, so die Fachzeitschrift, empfehlen daher vorbeugende Maßnahmen: Sehr bewährt habe sich Sportmundschutz, zumal, wenn er individuell auf das entsprechende Kind hin angefertigt wird. Nicht bei jeder Sportart sei ein solcher Mundschutz relevant – aber bei allen, die Unfallrisiken mit sich bringen wie Stürze, Zusammenstöße mit Mitspielern oder Aufprallen auf Geräte.

Schlechte Zähne: alles geerbt?

Das hören Zahnärztinnen und Zahnärzte immer wieder von ihren Patienten: Sie hätten ihre schlechten Zähne geerbt, in der Familie gebe es weitere Mitglieder mit der Neigung zu Zahnschäden. Was für die Patientinnen und Patienten einfach logisch erscheint, weil ja auch weitere Gesundheitsbelastungen offenbar vererbt werden, ist für die zahnmedizinische Wissenschaft ein durchaus spannendes Thema. In der Regel geht es bei den vermutet „geerbten" schlechten Zähnen um Karies, stellte kürzlich eine deutsche Wissenschaftlergruppe fest. Dabei sei festzuhalten, so die Forscher, dass der festgestellte Kariesrückgang von immerhin rund 80 Prozent in den vergangenen 20 Jahren bei 12jährigen Kindern nicht auf eine derart rasche genetische Veränderung zurückgeführt werden könne, sondern auf vermehrte Aufmerksamkeit und besseres Mundhygieneverhalten. Hier spiele der Aspekt „vererbt" also klar und ersichtlich keine Rolle. Trotzdem ist es nicht komplett falsch, dass es geerbte Faktoren geben kann, die die Zahngesundheit beeinflussen: Es gebe Gene, so die Wissenschaftler, die für die Schmelzbildung verantwortlich sind, andere für die Leistungsmöglichkeiten des Immunsystems, wieder andere für die Fähigkeiten des Speichels, zudem gebe es Gene, die Ernährungsvorlieben weitergeben an die nächste Generation. Wie entsprechende Studien zeigen, spielt aber selbst im (vergleichsweise seltenen) Fall von genetischen Veränderungen das eigene Verhalten eine größere Rolle als die genetische Ausgangslage. Nach wie vor sei sowohl die sorgfältige Entfernung bakteriell belasteter Zahnbeläge als auch die zahnschützende Anwendung von Fluorid der Kernfaktor für Kariesvermeidung – und bei denjenigen, die Störungen geerbt hatten, erst recht.

Lokalanästhesie: Wann wieder essen?

Lokalanästhesie: Wann wieder essen?

Bei vielen Behandlungen in der Zahnarztpraxis trägt eine speziell auf die Patienten und die anstehende Behandlung ausgerichtete örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) dazu bei, dass die zahnärztlichen Maßnahmen kaum gespürt werden. Während die Behandlung längst beendet ist, hält die Narkosewirkung oft noch länger an. Auf keinen Fall soll man zu früh wieder mit dem Essen oder Trinken beginnen, warnt die Mundgesundheits-Initiative proDente: Die lokale Anästhesie blockiere für eine bestimmte Dauer die Weiterleitung von Reizen über die Nerven, heißt es. Was während der Behandlung durchaus Sinn macht, erweist sich nach der Behandlung als Faktor für eine Geduldsprobe: Erst wenn die Wirkung komplett abgebaut ist, sind die Nerven wieder in der Lage, Reize zu transportieren. Das ist bei Essen und Trinken aber sehr wichtig: Ist Nahrung zwischen den Zähnen, muss diese angemessen gekaut werden – weiß das Gehirn aber nicht, was da liegt oder ob überhaupt etwas Essbares im Mund ist, kann es die entsprechenden Signale nicht geben. Nervensignale sind auch wichtig, um sich vor zu hohem oder falschem Kaudruck zu schützen. Erhält das Gehirn keine Informationen, sind Verletzungen an der Zunge, an der Mundschleimhaut oder auch an den Zähnen möglich. Auch die Temperatur wird über die Nerven an das Gehirn weitergeleitet: Nur wenn es möglich ist, zu heiße Getränke zu erkennen, kann man sich vor Verbrühung schützen. Zwar kann es manchmal mehrere Stunden dauern, bis die Betäubung komplett abgeklungen ist: Diese Zeit sollte man zur eigenen Sicherheit aber unbedingt abwarten, so proDente.

Gutes Gefühl: Zahnpasta beliebt

Wenn sie ihre Zähne mit Zahnpasta gereinigt haben, fühlen sich viele Menschen wohl – und wenn nicht, fühlen sie sich schmutzig: Das ergab eine aktuelle Umfrage des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel (IKW). Über 90 % der Befragten gab an, dass sie täglich mindestens einmal Zahnpasta benutzen. Auch wenn der gesundheitliche Aspekt natürlich mitschwingt, ist sehr vielen der Befragten ein anderer Punkt noch wichtiger: Man wolle sich wohl fühlen, hieß es. Heute sind, was auch andere Untersuchungen bereits belegten, gepflegte Zähne fast schon ein Status-Symbol, der IKW geht sogar noch weiter: Gepflegte Zähne seien Zeichen von Kultiviertheit und Respekt vor dem Gegenüber. Rund 85 % der Befragten gab genau das auch in ihren Antworten an: Gepflegte Zähne zeigten, dass man sich um sich selbst, aber auch um andere kümmere. Mit Mundgeruch und ungepflegtem Mund möchte man andere Menschen nicht belästigen. Während bei Fragen zum Thema Mundhygieneverhalten üblicherweise der Gesundheitsaspekt und das Zähneputzen generell im Vordergrund steht, setzte der IKW einen anderen Schwerpunkt: das Wohlfühlen und die Gründe dafür. Dabei zeigte sich, dass Zahnbürste und Wasser allein kein gutes Gefühl vermittelten – erst die Zahnpasta bringe den Kick. Begrüßt wurde zudem seitens der Befragten, dass es eine große Vielfalt an Zahnpasten gebe, die dem individuellen Bedarf entgegenkämen.

Ältere Menschen: Mangelernährung und Zahnersatz

Immer wieder hilfreich ist es, wenn alltägliche Beobachtungen aufgrund wissenschaftlicher Überprüfung zu einem fundierten Erkenntnisgewinn führen, der die gesundheitliche Situation von Menschen verbessern kann. Beispielsweise war bemerkt worden, dass es einen Zusammenhang geben könnte von mangelernährten pflegebedürftigen älteren Menschen und der Art ihres Zahnersatzes. Bestätigt wurde die Vermutung nun durch eine japanische Studie. Dabei wurde belegt, dass unpassender herausnehmbarer Zahnersatz die Möglichkeiten und die Freude an ausreichender und gesunder Ernährung bei den betroffenen älteren Menschen deutlich einschränkte. Auch betrachtet wurden bei den im Schnitt 86 Jahre alten Patienten Aspekte wie Mundtrockenheit, Zungenbelag und Mundhygiene, außerdem Mundmotorik und Schluckfunktion und weitere funktionale Bereiche. Es zeigte sich, dass die Anzahl der verbliebenen natürlichen Zähne kaum eine Rolle beim Ernährungsverhalten spielte, eine sehr große dagegen der Punkt, ob der Zahnersatz gut saß und als verlässlich erlebt wurde. Wiewohl auch weitere Faktoren im Rahmen der Pflegebedürftigkeit bei Mangelernährung eine Rolle spielen werden, so die Autoren der Studie, dürfe nicht übersehen werden, dass gut und sicher sitzender Zahnersatz deutlich zur Verbesserung der Ernährungssituation beitragen könne: Wenn Kauen Unsicherheit oder Schmerz bereitet, werde das Problem in vielen Fällen durch das Schlucken von Brei umgangen.

Gut auf dem Weg: Praxis und Umweltschutz

Das Thema „nachhaltige Zahnarztpraxis" nimmt einen immer größeren Raum in der Zahnmedizin ein und löst auch neue Entwicklungen und die Erfindung neuer Produkte aus: Was schon bei der zurückliegenden weltgrößten Dentalmesse „IDS" im Jahr 2021, die pandemiebedingt vor allem digital verlief, deutlich wurde, wird sich für die bevorstehende IDS im März 2023 an ihrem Standort Köln noch deutlicher darstellen. Darauf haben sich jetzt als Folge der Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut die Bundeszahnärztekammer, die Dentalindustrie und der Dentalhandel geeinigt. Ein spezieller Arbeitskreis entwickelt derzeit auf Nachhaltigkeit ausgerichtete konkrete Empfehlungen für die Zahnarztpraxis. Begleitet wird dieses Programm auch wissenschaftlich durch einen Fachexperten für Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin. Bereits auf dem Markt und immer mehr genutzt werden sehr verschiedene Produkte und Vorgehensweisen, die sich bereits als sinnvoll erwiesen haben: Bei der bevorstehenden Weltmesse wird noch deutlicher werden, was in Sachen Nachhaltigkeit bereits erreicht beziehungsweise noch in Vorbereitung ist.

Bluthochdruck und Parodontitis: Blick auf ältere Patientinnen

Während bereits mehrfach belegt ist, dass das Vorhandensein einer Parodontitis (entzündliche Zahnbetterkrankung) den Blutdruck beeinflussen und zu ungesund hohen Werten führen kann, wurde nun auch genauer hingeschaut, wie sich das bei einer bestimmten Gruppe an Menschen darstellt. Wissenschaftler einer US-amerikanischen Universität haben sich entsprechend mit der Frage befasst, wie sich dieser Einfluss bei postmenopausalen Frauen (Altersdurchschnitt 63 Jahre, verschiedene Gruppen von normalem Blutdruck bis Bluthochdruck) darstellt. Die über mehrere Jahre und an über 1200 Personen durchgeführte Studie zeigte, dass Frauen, die zu Studienbeginn einen gesunden Blutdruck hatten, im Laufe der Zeit steigende Werte aufwiesen und ebenfalls eine steigende Anzahl an bakteriellen Zahnbettinfektionen. Deutlich wurde sogar, welche Bakteriengruppen den höchsten Einfluss auf die ungesunde Entwicklung hatten. Wichtig ist diese Forschungsarbeit, weil für Frauen in der Menopause, wie es in dem zahnärztlichen Fachjournal hieß, das Risiko für die Entwicklung von Bluthochdruck generell deutlich höher ist als bei gleichaltrigen Männern. Das Studienergebnis besage zum derzeitigen Zeitpunkt nicht, dass dieses oder jenes Bakterium der Grund für die Bluthochdruckentwicklung ist – das könne, müsse aber nicht der Fall sein und insofern weiter untersucht werden. Klar sei aber, so das Wissenschaftler-Team, dass eine sorgfältige, die Bakterien entfernende Mundhygiene eine deutliche Rolle spiele, um Risikofaktoren für die Entwicklung von Bluthochdruck zu minimieren.

Angst vor Behandlungsschmerzen: Betäubung heute sicher

Wenn es heißt, jemand habe Angst vor dem Zahnarzt, heißt das eigentlich etwas anderes: Es handelt sich um Angst vor den Schmerzen, die eine anstehende Behandlung auslösen könnte – manchmal ist die Angst vor dem Behandlungsschmerz so groß, dass sie die bereits vorhandenen Zahnschmerzen sogar noch übersteigt. Die Zeiten, dass man Behandlungsschmerz aushalten muss, sind allerdings vorbei, und die Vielfalt an Möglichkeiten, diesen Schmerz nicht spürbar zu machen, ist sehr groß. Während in manchen Fällen sogar komplett auf Narkose-Präparate verzichtet werden kann, weil eine entsprechende zahnärztliche Hypnose bereits ausreicht, stehen für die anderen Fälle verschiedene Möglichkeiten und Betäubungsmittel-Zubereitungen zur Verfügung. Wichtig ist daher, im Vorfeld genau auf mögliche bestehende Erkrankungen, Allergien oder Medikamente einzugehen, die Auswirkungen auf die geplante örtliche oder weitergehende Narkose haben könnten – darauf verwies die Zahnärztin und Anästhesie-Spezialistin Prof. Dr. Dr. Monika Daubländer (Universität Mainz) in einem Beitrag des Mundgesundheits-Informationsdienstes proDente. Ein zentraler Wirkstoff bei Narkose-Präparaten ist das Adrenalin, das die Narkose-Wirkung verlängert und die Durchblutung im Behandlungsbereich reduziert. Da dieser Wirkstoff bei manchen Erkrankungen nicht genutzt werden darf, gehört ein klärendes Vorgespräch zur anstehenden Behandlung unter Betäubung dazu. In diesen wie auch in anderen Fällen von gesundheitlichen Vorbelastungen stehen Alternativpräparate zur Verfügung, die sich in der Praxis bewährt haben, so dass es letztlich für alle Patientengruppen ein gut geprüftes Schmerz-ausblendendes Narkosemittel gibt.

Mundgeruch: vielfach unterschätzt

Laut einer aktuellen Meldung der Bundeszahnärztekammer werden die Gründe für Mundgeruch von fast jedem zweiten Bundesbürger falsch eingeschätzt. Eine forsa-Umfrage hatte kürzlich gezeigt, dass rund 53 % der Befragten meinten, Mundgeruch stünde mit Zahnschmerzen in Verbindung – was so nicht richtig ist. Eine kleine Mehrheit allerdings antwortete korrekt: Wenn es aus dem Mund riecht, ist nicht selten eine Parodontitis, eine Zahnbettinfektion entscheidend daran beteiligt. Es sei wichtig, bei Anzeichen von Mundgeruch eine Kontrolluntersuchung in der Zahnarztpraxis vornehmen zu lassen: Es sollte raschestmöglich geklärt werden, ob der Geruch beispielsweise von einem übersehenen faulenden Ernährungsrest ausgeht oder gar von einer sich entwickelnden Parodontitis. Um die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren, wurde die digitale Aufklärung über die Website www.paro-check.de gestartet. Erfreuliche weitere Ergebnisse der forsa-Umfrage: Rund 80 % aller Befragten ordneten richtigerweise Zahnfleischbluten und freiliegende Zahnhälse als mögliche Parodontitis-Symptome ein, und über 80 % wussten, dass eine Parodontitis ungünstige Auswirkungen auf die gesamte körperliche Gesundheit haben kann. Auffällig ist, dass besonders bei jüngeren Menschen bis 30 Jahre das Wissen um Parodontitis und ihre Risiken im Vergleich zu älteren Befragten deutlich unterentwickelt ist.

Entzündung: Gibt es Alternativen zu Antibiotika?

Entzündungen in Mund sind ein Krankheitsprozess, den sicher – in der einen oder anderen Ausprägung – jeder schon einmal hatte: Zahnfleischentzündungen beispielsweise. Im Anfangsstadium kann man sie oft selbst „heilen": Putzt man häufig und sehr sorgfältig, auch wenn es vielleicht anfangs weh tut, die Zahnbeläge weg, deren bakterielle Inhalte die Entzündung auslösen und voranbringen, kann der Selbstheilungsprozess des Körpers die Entzündung meist gut in den Griff bekommen. Insofern wird auch deutlich, warum eine Zahnbettentzündung (Parodontitis) nicht selbst und zuhause behandelt werden kann: In die tieferen Taschen und Nischen gelangt keine Zahnbüste, um dort die bakteriellen Beläge zu entfernen. Der Prozess ist mit einer Zahnbürste letztlich nicht zu stoppen – auch wenn intensive Mundhygiene dafür sorgt, dass es keinen Nachschub an Entzündungskeimen gibt. Während bei der Behandlung an Ort und Stelle rund um den Zahn Tiefen-Sauberkeit mit Entfernung der infizierten Gewebe herbeigeführt wird, gibt es in entsprechenden Fällen auch den ergänzenden Weg einer medikamentösen Unterstützung: Über die Blutbahn werden antibakterielle Medikamente wie Antibiotika in das Behandlungsgebiet transportiert. Da es inzwischen immer öfter Antibiotika-Resistenzen gibt und außerdem die Darmflora belastet wird, sucht die Wissenschaft weltweit nach Alternativen. Mittlerweile zeigt sich, wie eine Zahnärzte-Zeitung kürzlich berichtete, dass die Behandlung mit Phagen (spezialisierte Viren) ein spannender Weg sein und werden kann. Auch interessant und offenbar ebenfalls wert, weiter geprüft zu werden: ein Liquid, eine Art elektrochemisch aufgeladene Salz-Wasser-Mundspül-Lösung. Im Ausland gibt es dazu bereits ermunternde Erfahrungen. Möglicherweise ist dieses Vorgehen bald auch in immer mehr Zahnarztpraxen in Deutschland zu finden.

Zahnarztbesuch: Wenn Scham davon abhält

Nicht nur Angst ist bei manchen Menschen ein Grund, eine Untersuchung in der Zahnarztpraxis zu vermeiden: Auch Scham kann ein so starkes Gefühl sein, dass man sich selbst damit schadet – darauf weist die Mundgesundheitsinitiative proDente in einer aktuellen Information hin. Betroffene sorgen sich beispielsweise, dass sie aufgrund der fortschreitenden Zerstörung von Zähnen oder Zahnfleisch seitens des Praxisteams kritisiert werden, es ist ihnen peinlich, dass sich ihre Situation so ungesund entwickelt hat. Je weiter die Betroffenen Kontrolle und Behandlung aber aufschieben, um so größer wird die Belastung: Irgendwann muss im Rahmen einer Behandlung ein Ende der Zerstörungsentwicklung gesetzt werden, um das, möglich ist, zu erhalten oder Verluste zu rekonstruieren. Wie sehr diese Menschen ihre eigene Situation und auch die mit der Zeit sich oft drastisch darstellenden Veränderungen im Mund belastet, zeigt sich auch daran, dass viele im Beisein anderer nicht mehr lachen oder sprechen. Dass ein oft auch bakteriell erkrankter Mund auch Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben kann, ist zwar vielen Betroffenen bekannt – wird aber ebenfalls verdrängt. Die Angst vor dem Zahnarztbesuch überwiegt alles. Nicht selten sind Kindheitserfahrungen der Grund. Wie die Initiative proDente mitteilt, kann auch Behandlungsangst der Eltern sich auf die Kinder übertragen. Wichtig zu wissen: Die Zahnarztpraxen kennen das Problem und sind mit passenden Behandlungskonzepten gut auf solche Patienten vorbereitet.

Tag der Zahngesundheit 2022: Kita und Grundschule im Blickpunkt

    Seit über 30 Jahren ist in Deutschland der 25. September der „Tag der Zahngesundheit". Besonders der Aspekt der Vorbeugung von Zahn- und Munderkrankungen steht dabei im Fokus, ergänzt um Mundgesundheitsthemen, die verschiedene Patientengruppen besonders betreffen. Im diesem Jahr geht es am 25. September vor allem um die Kinder in Kita und Grundschule. Hier ist das Haupt-Einsatzfeld der sogenannten „Gruppenprophylaxe": Teams aus Zahnärzten und ausgebildeten Prophylaxe-Fachkräften gehen in Kitas und Grundschulen und bringen den Kindern altersgerecht die jeweils richtigen Schritte zur Zahnpflege bei und schauen auch darauf, wie der Mundgesundheitszustand der Kinder ist. Neben den Angeboten in den Zahnarztpraxen werden auf diese Weise über die Gruppenprophylaxe auch viele solcher Kinder erreicht, die nicht über ihre Familie den Weg in die Zahnarztpraxen finden. Frühzeitig kann das Prophylaxeteam dabei unterstützen, beginnende Zahnschäden alsbald zahnärztlich behandeln zu lassen. Alljährlich werden über 4,5 Millionen Kinder in Deutschland mit dem Angebot der Gruppenprophylaxe erreicht, das sind vier von fünf Kindern insgesamt. Zum Programm gehört nicht nur das richtige Zähneputzen, sondern auch der mundgesundheitlich relevante Aspekt Ernährung sowie die Motivationsförderung, die kostenlosen Angebote zur Mundgesundheitskontrolle in der Zahnarztpraxis wahrzunehmen. Ziel ist, mit gesundem Milchgebiss in ein gesundes bleibendes Gebiss zu starten und die Zähne möglichst ein leben lang gesund zu erhalten. 

Amalgamfüllungen: aktueller Sachstand

Auf einer UN-Konferenz haben sich die beteiligten Organisationen Ende März in Bali auf weitere Empfehlungen zur Verwendung des Zahnfüllungsmaterials „Amalgam" geeinigt. Amalgam ist eine allgemeine Bezeichnung für eine Legierung, also ein Gemisch aus verschiedenen Inhaltsstoffen: Dental-Amalgam besteht beispielsweise überwiegend aus Silber, Kuper und Zinn, die über eine Beimischung von Quecksilber zu einer formbaren Masse werden und „Löcher" im Zahn insofern auch in eher versteckten Ecken ausfüllen können. Regelmäßig werden Produkte, die Quecksilberanteile enthalten, im Rahmen dieser UN-Konferenz-Reihe unter aktuellen Gesichtspunkten neu betrachtet. Mit dem Hinweis, dass es derzeit noch kein vergleichbares Alternativprodukt gibt, sprachen sich einige der beteiligten Länder aktuell gegen ein komplettes Amalgamverbot zur jetzigen Zeit aus. Vereinbart wurde daher das Vorangehen auf dem bereits gestarteten Weg einer schrittweisen Reduzierung des Amalgameinsatzes, was bedeutet: Das plastische Füllmaterial soll ab 25. Juni 2022 weltweit möglichst gar nicht mehr genutzt werden bei schwangeren und stillenden Frauen sowie bei Kindern unter 15 Jahren. Für die EU-Länder bringt dies keine Veränderung: Diese zuvor genannte Gruppe an Patienten gehört bereits seit 2018 zu dem Kreis der Menschen, die nicht mehr mit Amalgam versorgt werden soll, außer, es spricht eine individuelle Situation dafür. In den EU-Mitgliedsländern gibt es zudem eigene Konzepte zum fortschreitenden Ausstieg aus der Verwendung dieses Zahnfüllwerkstoffes.

Auszeichnung: Präventionspreise für Mundgesundheitskonzepte

Eine schöne Gelegenheit, über aktuelle Entwicklungen oder spannende Kleinprojekte im Bereich der Vorbeugung (Prävention) von Munderkrankungen zu reden, ist die Kampagne „Initiative für eine mundgesunde Zukunft in Deutschland", gestartet wurde sie von der Bundeszahnärztekammer in Zusammenarbeit mit einem renommierten Unternehmen im Bereich Mundhygiene-Produkte. Kürzlich wurden die entsprechenden Präventionspreise für das Jahr 2021 verliehen. Das erste Preisträgerteam, das an der Medizinischen Hochschule Hannover arbeitet, stellte Konzepte zur Unterstützung der Eigenverantwortung von Seniorinnen und Senioren vor und wie sie ihre häusliche Mundhygiene durch Selbstkontrolle noch optimieren können. Es zeigte sich, dass beispielsweise eine App oder ein Abakus (eine Art Rechenschieber) als Mundhygiene-Begleiter eine deutlich motivierende Rolle spielten. Mit einem spannenden Konzept hatten sich zwei Wissenschaftlerinnen des Universitätsklinikums Freiburg beworben, sie wurden mit dem zweiten Preis dafür ausgezeichnet: Ihr Projekt ist eine kultursensible Online-Plattform für mehr Mundgesundheits-Wissen und Anwenden der Kenntnisse insbesondere für Menschen auf der Flucht, Erklärvideos bieten Mundhygiene-Anleitungen in verschiedenen Sprachen mit Rücksicht auf den jeweiligen kulturellen Hintergrund. Auch ein Team aus einer Zahnarztpraxis gehört zu den Preisträgern: Das Zahnärzte-Paar erhielt den dritten Preis für seine Vorschläge, wie moderne und zukunftsorientierte Technik Menschen in Pflegebetreuung dabei unterstützen kann, kritische Mundgesundheitsentwicklungen besser zu vermeiden. Alle drei Preisträger hatten somit Lösungen entwickelt für Menschen mit körperlichen, sprachlichen oder kulturellen Hindernissen, die diesen eine Verbesserung ihrer Chancen auf mehr Mundgesundheit bieten.

Zahnverfärbungen: Rolle des Rauchens

An der Farbe der Zähne können Menschen mit geschultem Blick erkennen, welche Genussmittel genutzt werden. So ist beispielsweise das Zahnweiß bei Rauchern eher gelblich. Wichtig zu wissen: Nicht der Grundfarbton der Zähne ist betroffen, sondern es handelt sich um eine Schicht an Farbpigmenten vor allem von Nikotin und Teer auf der Zahnoberfläche. Dass sich die sichtbaren Zahnfarben von Rauchern und Nichtrauchern unterscheiden, hat jetzt auch eine wissenschaftliche Studie untermauert: Eine Gruppe italienischer Forscher hat die Farbwirkung mit Hilfe der Spektralphotometrie überprüft und kann nun auch mit Messdaten untermauern, dass und in welchem Ausmaß das Rauchen Auswirkungen auf die sichtbare Farbe der Zähne hat. Hintergrund der Forschungsarbeit war auch das Ziel, betroffenen Menschen nicht nur mit „Augenmaß", sondern auch mit fundierten Daten die optischen Folgen von Nikotin, Teer & Co nahebringen und sie insofern vielleicht noch überzeugender vom Rauchen abbringen zu können. Mit dem Rauchen aufzuhören habe, so die Forscher, dann auch positive Effekte hinsichtlich des Mundgeruches – von den allgemeingesundheitlich relevanten Effekten ganz zu schweigen. Hinsichtlich der Optik der Zähne sei bereits ein Umstieg auf nicht-nikotinfreisetzende Produkte wie beispielsweise E-Zigaretten eine erste Alternative.

Zahnvorsorgeuntersuchungen: Nachfrage steigt wieder

Wie aktuelle Daten der Kaufmännischen Krankenkasse deutlich machen, ist den Patientinnen und Patienten in Deutschland ihre Mundgesundheitskontrolle sehr wichtig.  Während es pandemiebedingt insbesondere im Jahr 2020 zu einem Nachlassen der Inanspruchnahme der kostenlosen Vorsorge gekommen war, sind bereits im ersten Halbjahr 2021 die Zahlen wieder deutlich angestiegen. Zwar war zu diesem Erhebungs-Zeitpunkt die Gesamtzahl der erfolgten Untersuchungen aus dem Vor-Pandemie-Jahr 2019 noch nicht wieder ganz erreicht, aber immerhin ist der Rückgang von 15 % auf nunmehr 5 % geschrumpft, und es steht zu erwarten, dass er zwischenzeitlich wieder ausgeglichen ist. Bei dem Blick in die Krankenkassen-Daten zeigte sich auch, dass der Anteil der Patientinnen und Patienten, die das Zahnvorsorge-Angebot im ersten Halbjahr 2021 angenommen hatten, in den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Brandenburg am höchsten lag, am Ende der Tabelle findet sich das Saarland. Im Schnitt lassen rund 25 % mehr Frauen als Männer ihre Mundgesundheits-Situation sachkundig prüfen.

Zahngold: Warum Spenden Sinn macht

Viele Patienten wissen das: Man kann sein Zahngold selbst mit nach Hause nehmen – oder man kann es spenden. Unabhängig davon muss das ehemalige Inlay oder die kleine Krone vor Weiterverwendung sorgfältig von Zahn- und Gewebe-, aber auch von Kleber-Resten befreit und desinfiziert werden. Das übernehmen bei den Zahngoldspenden entsprechend professionalisierte Unternehmen, die das „Gold" auch weiterbehandeln: In der Regel handelt es sich um eine Gold-Legierung, also Gold mit einer Beimischung anderer Metalle, die beispielsweise für Kau-Stabilität des eher weichen Goldes sorgen. Die einzelnen Bestandteile der Gold-Legierung müssen vor weiterer Nutzung also auch noch getrennt werden. Auf zwei unterschiedlichen Wegen macht solch eine durchaus aufwändige und kostspielige Wiederaufbereitung Sinn: Wird daraus letztlich wieder Zahngold, das in der Zahnbehandlung eingesetzt werden kann, ist das für die Umwelt ein Gewinn. Wie ein Bericht in einer zahnärztlichen Zeitung darstellt, entsteht bei der Gewinnung von 1 Kilogramm Primärgold deutlich über 10.000 kg CO2 – bei der Herstellung von Recyclinggold lediglich 50 kg. Der zweite Weg, mit seinem entfernten Zahngold etwas Gutes zu tun, ist dessen Spende beispielsweise an die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ), die weltweit soziale und gesundheitlich orientierte Projekte unterstützt. Hier bekommt man zudem eine Spendenquittung für das Finanzamt. In manchen Praxen wird zentral gesammelt, man kann sein Zahngold aber auch direkt spenden: Alle Infos dazu gibt es unter www.stiftung-hdz.de

Parodontitis: Therapie per Chip

Auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten einer Zahnbettentzündung (Parodontitis), die weit über ihren lokalen Ort hinaus zu riskanten Folgen im allgemeingesundheitlichen Bereich führen kann, geht die Entwicklung auch neuer Maßnahmen deutlich voran. Eine zunächst spannende Überlegung dabei ist, das berichtete eine Zahnarzt-Zeitung kürzlich: direkt im Infektionsbereich für eine Dauermedikation zu sorgen statt in gestuften Zeitintervallen. Möglich ist das mit einer Art „Gelatine-Chip", der implantiert wird und rund eine Woche lang kontinuierlich antibakterielle Wirkstoffe abgibt. Ein solches Verfahren ist als Möglichkeit der Behandlung auch in den neuen Parodontitis-Leitlinien als erwägenswert bezeichnet worden. Die bestehenden Therapiekonzepte würden demnach um einen interessanten neuen Ansatz erweitert. Andererseits müssen, ehe neue Verfahren auch in der Praxis zum üblichen Behandlungsspektrum gehören, noch einige weitere Prüfungen und Beurteilungen erfolgen – nicht zuletzt, um mögliche Nebenwirkungen zu erkennen und entsprechend reagieren zu können.

 

Gesunde Kinderzähne: Rolle der Eltern

Man mag sich einen solchen Zusammenhang schon gedacht haben – nun aber ist er auch belegt: Eine japanische Studie hat untersucht, wie sich die seelische Gesundheit der Eltern auf die Gesundheit ihrer Kinder, insbesondere auf deren Mundgesundheit auswirkt. Die japanischen Wissenschaftler wurden auf das Thema aufmerksam, weil auch in ihrem Land eine sehr große Anzahl an Kindern an frühkindlicher Karies leidet. Untersucht haben sie daher rund 80.000 Kinder im Alter bis zu drei Jahren – und auch ihren familiären Hintergrund. Es zeigte sich, dass insbesondere der psychische Gesundheitszustand der Mutter – in vielen Familien Hauptbezugsperson der Kinder – eine Rolle spielte, ob die Kleinkinder zu Zahnschäden neigten. In manchen Fällen lag eine postpartale Depression vor, die Mütter waren nach der Entbindung weder mit sich selbst noch mit ihrer familiären Umwelt im Einklang. Auch Bindungsstörungen verschiedener Art trugen dazu bei, dass die Mütter die Mundgesundheitspflege der Kinder vernachlässigten. Der Zusammenhang zeigte sich umso deutlicher, als bei Kindern mit einer besonders liebevollen und zugewandten Mutter die Mundgesundheit deutlich über dem Durchschnitt lag.

Wissenschaft: Warum die Implantologie davon profitiert

Ein Plädoyer für die Rolle der Wissenschaft in der Weiterentwicklung der Implantologie mit langjährigen Erfolgsraten und hohen Zufriedenheitsquoten hielt im März Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer (Mainz) im Editorial der Implantologie-Zeitschrift ZZI: Es sei keineswegs so, dass erfahrene Praktiker allein aufgrund ihrer häufigen Implantationen das Wissen um Vorgehen und Produkte voranbrächten, sondern erst das Zusammenspiel aus Wissenschaft und Praxis sei der Fortschritt, auf den die behandelnden Experten und Expertinnen und auch ihre Patienten und Patientinnen bauen können. Als Partner der Praxis dient die Wissenschaft mit viel Wissen rund um den Patienten (und seine individuellen Risikofaktoren), mit vertiefenden Erkenntnissen im Bereich der Biologie (Zellvorgänge und Biodynamik in Hart- und Weichgeweben) und nicht zuletzt im Bereich des Implantates selbst hinsichtlich Material, Form und stabiler Verbindung zum Abschluss, dem Zahnersatz. Über viele Jahre Forschung und Entwicklung und mit Unterstützung der Wissenschaft durch einen eigenen Sonderforschungsbereich gegen Ende des letzten Jahrhunderts sind so eine Unmenge an relevanten Puzzlesteinchen entstanden, wie es Professor Kämmerer sagte, die heute als „evidenzbasiert" die moderne Implantologie ausmachen. Nach wie vor entscheide die Absprache zwischen Patienten und ihren Zahnärzten darüber, wie die anstehende Behandlung erfolgen soll – doch liege diesen Entscheidungen eine große Menge an evidenzbasierten Empfehlungen zugrunde, die „überkommene Lehrmeinungen" ersetzen helfen und den Implantationserfolg verbessern können.

Impotenz: Zusammenhang mit Mundgesundheit möglich?

Im Rahmen der Forschungsaufgaben, die Zusammenhänge von Munderkrankungen und Gesundheitsstörungen in andern Körperbereichen erkunden, ist auch das Thema „Impotenz" (erektile Dysfunktion) immer mal wieder in den Blickpunkt geraten. Kürzlich befasst hat sich damit eine Forschungsarbeit an der University of Highlands and Island, berichtet hat eine große deutsche Zahnärzte-Zeitschrift. Grundlage war die große Verbreitung von erektilen Dysfunktionen weltweit – die Schätzungen gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren mehr als 322 Millionen Männer von dieser Funktionsstörung betroffen sein werden. Gründe für das Erektionsversagen sind in vielen Fällen biologischer Natur, beispielsweise körperliche Verletzungen, Verengungen relevanter Blutgefäße oder auch Hormonstörungen. Ebenfalls als relevant erwiesen sich seelische Probleme, die zu Depressionen oder Angst führen. Einem spezifischen Unterpunkt widmete sich jetzt diese neue Analyse, die verschiedene Studien weltweit zu der Frage verglich und auswertete, ob auch eine gestörte Mundgesundheit mit erektiler Dysfunktion in Verbindung stehen könnte. In der Tat zeigte sich, dass die Zahnbettentzündung Parodontitis ein Risikofaktor sein kann, dass es sogar einen Zusammenhang gibt zwischen der Schwere beider Gesundheitsstörungen und dass die Behandlung einer Parodontitis auch eine positive Auswirkung auf die Verbesserung der zuvor gestörten Potenz hatte. Zwar konnte der genaue Hintergrund der Verbindung der beiden Erkrankungen noch nicht geklärt werden beispielsweise zu der Frage, ob der Zusammenhang direkt vorliegt oder auf Umwegen entsteht, dennoch sei das Ergebnis deutlich genug, um diesen Aspekt bei einer ganzheitlichen Patientenbehandlung im Auge zu behalten, so der Autor der Forschungsarbeit.

Bonusheft: jetzt digital

Wer schon seit vielen Jahren sein Zahn-Bonus-Heft nutzt, in dem seit über 30 Jahren die durchgeführten Zahnvorsorge-Untersuchungen bestätigt werden und einen höheren Festzuschuss zu möglicher Zahnersatz-Versorgung ermöglichen, der weiß: Diese kleine Heftchen neigen zum Verschwinden irgendwo in den Unterlagen. Oft hat man gleich mehrere kleine Heftchen, weil man schon über viele Jahre die Vorsorgen dokumentiert und der Platz im Bonusheft für die entsprechenden Stempel limitiert ist. Mit dem Heftchen sammeln und sicher aufheben ist jetzt (bald) Schluss: Seit dem 1. Januar dieses Jahres gibt es das eBonusheft als Teil der elektronischen Patientenakte (ePA), wie die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung kürzlich berichtete – als freiwilliges Angebot. Wie bisher werden die Vorsorge-Termine abgestempelt, aber nunmehr elektronisch, und es geht auch kein Termin mehr unter, der irgendwann später nachgetragen werden muss. Wer Sorge hat, die jahrelangen „Stempel" im Papier-Bonusheft gingen vielleicht verloren, kann eine Übertragung der zurückliegenden Daten in sein eBonusheft durch einen Klick ermöglichen. Derzeit erfolgt schrittweise die Übersendung der neuen ePA seitens der Krankenkassen – wie alles funktioniert, kann man beim nächsten Zahnvorsorge-Termin testen.

Kieferschmerzen: Herzinfarkt ausschließen

Viele Menschen gehen davon aus, dass es vor allem Schmerzen im linken Arm und im Brustkorb sind, die auf einen möglichen Herzinfakt hinweisen. Dass es sehr viele weitere Indikatoren gibt, die einen bevorstehenden Zusammenbruch der Herzfunktion ankündigen können, spricht sich erst langsam herum. Erschwert wird die Etablierung solcher Erkenntnisse dadurch, dass es oft banal wirkende Schmerz- oder Störungszustände sind, die auch bei vielen anderen Erkrankungen eine Rolle spielen können – oder einfach eine vorübergehende Unpässlichkeit darstellen. Wie die American Heart Association, die renommierte amerikanische Fachgesellschaft für Herzerkrankungen, vor wenigen Wochen berichtete, sind auch Schmerzen im Kiefer ein mögliches Zeichen für einen sich ankündigenden Herzinfarkt. Der Schmerz sitzt nicht ursächlich dort, sondern er ist Folge der ausstrahlenden Belastungen aus dem Oberbauch und der Herzregion. Patienten, die neben anderen Schmerz- und Unwohlseins-Anzeichen wie Übelkeit, Benommenheit, Kurzatmigkeit auch Kieferschmerzen verspüren, sollten dies auf jeden Fall in einer Klinik abklären lassen. Zwar erweisen sich rund 95 % aller Verdachtsfälle auf Herzinfarkt als nicht Herz-relevant und sind mit einer anderen Erkrankung oder Störung in Verbindung zu bringen – für die verbleibenden 5 % kann die klinische Abklärung aber über Leben oder Tod entscheiden, insofern sollten Patienten nicht selbst „diagnostizieren", sondern fachärztliche Hilfe nutzen.

Speichelproben bei Corona-Tests: Marker auch für andere Keime

Eine Wissenschaftler-Gruppe aus New Jersey/USA interessierte die Frage, ob Speicheltests, wie man sie zur Covid-19-Identifikation nutzt, vielleicht noch mehr könnten als nur diese eine Antwort zu geben. Wie beispielsweise wäre es, wenn man die Proben durch Konservierungsstoffe länger auswertbar machen könnte? Insbesondere die Belastung der Lunge mit Keimen, die über den Atemweg dort hineingebracht werden, hat die Forscher interessiert, dabei ging es auch darum, wie Bakterien und andere Erreger aus dem Mund, das Corona-Virus und in der Lunge vorhandene spezifische Keime miteinander agieren. Während Speicheltests ohne spezielle Konservierungsstoffe nach kurzer Zeit nicht mehr aussagefähig waren, wie es mit dem Mikrobiom in der Lunge aussieht nach der Luftaustausch zwischen Mund und Atemorgan, gaben die Testkits mit Konservierungsmitteln auch noch Tage später ein recht genaues Bild ab. Damit zeigte sich, dass solche Kits nicht nur zu Identifikation von SARS-CoV-2-Viren taugen, sondern auch Mundkeime und Lungen-Mikrobiome erfassen und somit dazu beitragen können, die Interaktion der Corona-Viren mit der Lunge besser zu verstehen und vielleicht auch gezielter eingreifen zu können, um schwerwiegende Gesundheitsbelastungen in den Atemwegsorganen zu vermeiden.

Frauen: mehr Autoimmunerkrankungen, mehr Risiken

Statistisch gesehen sind deutlich mehr Frauen von Autoimmunerkrankungen betroffen als Männer: In solchen Fällen hält das Abwehrsystem körpereigene Zellen für Fremdkörper und zerstört sie. Ein gestörtes Abwehrsystem ist – je nach Ausprägung – insofern auch eine Herausforderung, wenn tatsächliche Fremdkörper wie Implantate einheilen, sich also dauerhaft mit den Zellen des Körpers verbinden sollen. Hier kann es vorkommen, berichtete die auf Innere Medizin spezialisierte Prof. Dr. Elisabeth Märker-Hermann (Wiesbaden) kürzlich bei einem großen Implantologenkongress, dass sich schon sehr bald nach dem Einsetzen des Implantates eine Abstoß-Reaktion des Körpers zeigt. Dies werde insbesondere bei Autoimmunerkrankungen wie der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn, aber auch bei der ebenfalls chronisch-entzündlichen Drüsenerkrankung Morbus Sjögren beobachtet. Nicht selten sind die Autoimmunerkrankungen auch mit allergischen Prozessen verbunden. Belegt sind, so die Wissenschaftlerin, enge Verbindungen und sich gegenseitig ungünstig befördernde Zusammenhänge von rheumatoider Arthritis und Parodontitis. Eine gestörte Körperabwehr ist auch ein relevanter Aspekt bei Periimplantitis, der Entzündung des Gewebes rund um das eingesetzte Implantat.

Kreidezähne: Rätsel endlich gelöst?

Seit sehr vielen Jahren ist ein Kernthema der zahnärztlichen Wissenschaft die Frage, was genau Ursache ist für die Zahnfehlbildung „Kreidezähne" – und damit die Antwort darauf, wie man sie verhindern und auch, wie man sie am besten behandeln kann. Zumindest dem Ziel, diese Entwicklungsstörung, die in der Fachwelt MIH / Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation genannt wird, besser zu verstehen, sind chilenische Wissenschaftler jetzt näher gekommen: Wie eine zahnärztliche Zeitschrift vor Kurzem berichtete, steht hier vor allem das Protein Albumin im Zentrum. Wenn sich im Mutterleib das Kind und auch seine Zähne entwickeln, kommen sie mit vielerlei Stoffen in Kontakt. Albumin ist ein natürlicher Bestandteil von Blut und auch der Gewebeflüssigkeit in dem Bereich, in dem sich die Zähne entwickeln. Wie die Studie zeigt, gibt es eine Schmelzbildungsstörung, wenn der wachsende Zahn direkt mit dem Albumin in Kontakt kommt: Die Zahnschmelzkristalle werden sozusagen fixiert und können nicht weiter mitwachsen. So interessant diese neue Erkenntnis ist, die vieles erklärt, ist sie aber nach wie vor nicht die eine richtige Antwort auf die Ursache-Wirkung-Frage, denn bei einer MIH sind nie alle Zähne eines Kindes von den weißen Flecken und der gestörten Schmelzbildung betroffen, und die betroffenen Zähne liegen auch selten alle direkt nebeneinander. Insofern ist zwar ein weiterer wichtiger Problempunkt entschlüsselt, die Grundfrage aber nach wie vor noch unbeantwortet.

Zahnbürste: Welche Rolle spielt die Geometrie der Bürstenbüschel?

Eine kürzlich in der internationalen Wissenschafts-Zeitschrift „Nature" veröffentlichte Labor-Studie widmete sich der Frage, ob die Anordnung, also die Geometrie der Zahnbürstenbüschel eine Rolle spiele beim Abrieb von Zahnoberflächenmaterial. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass diese Büschel sehr unterschiedlich angeordnet sein können – vor allem untersucht wurden solche mit gekreuzten Büscheln und andere mit eher paralleler Büschel-Anordnung. Ebenfalls untersucht wurde, ob es einen Unterschied im Abrieb macht, ob die Büschel eher „weich" oder „mittelhart" waren. Getestet wurden alle Zahnbürsten mit unterschiedlich abrasiven (Oberflächen mechanisch angreifenden) Zahnreinigungspasten. Dabei zeigte sich, dass die über Kreuz stehenden Büschel das Zahnmaterial am besten schonte, während die parallel stehenden Büschel stärkeren Abrieb verursachten – und das ganz unterschiedlich von der Frage, ob sie eher weich oder mittelhart waren und auch, mit welcher Art Reinigungspaste geputzt worden war. Einen Unterschied in dieser „Gekreuzt-Gruppe" gab es allerdings auch: Die weichen Bürstenbüschel führten zu mehr Abrieb als die mittelharten. Wer empfindliche Zahnoberflächen hat, für den könnten insofern mittelharte Zahnbürsten mit gekreuzten Büscheln die schonendste Lösung sein.

Parodontitis: Stand der Implantatversorgung heute

Während in den ersten Jahren der dentalen Implantologie noch sehr gezögert wurde, in das entzündete und teilweise aufgelöste Gewebe eines Parodontitis-Patienten ein Implantat zu setzen, haben sich die Erkenntnisse und Verfahren mittlerweile deutlich weiterentwickelt. Nicht zuletzt stellt sich der Bedarf nach Wissen und Risikoabschätzung auch dadurch, dass ein sehr großer Teil der Bevölkerung an Parodontitis in unterschiedlichen Stadien erkrankt ist – ihnen wäre eine Zahnersatzversorgung, die der natürlichen Situation im Mund am nächsten kommt, vorenthalten geblieben. Dass Implantate heute für Parodontal-Patienten fast schon Standard sind, geht auch auf die erhebliche wissenschaftliche Arbeit der DGI, der Deutschen Gesellschaft für Implantologie, im Austausch mit der Fachgesellschaft für Parodontologie zurück. Wie beim gemeinsamen Kongress der beiden Fachgesellschaften Ende 2021 festgehalten wurde, tragen dentale Implantate auch bei solchen mundgesundheitlich eingeschränkten Patienten zu einer geschlossenen Zahnreihe und damit zur Minderung von Belastungen durch ungleich verteilten Kaudruck bei. Das befreie Kiefer und Gewebe von zusätzlichem Stress. Selbstverständlich und notwendig sei, so Referent Dr. Philipp Leander Keeve (Hameln), neben der patientenindividuellen Behandlungsplanung auch ein entsprechend individualisiertes Nachsorgeprogramm, insbesondere dann, wenn die Parodontitis sich als sehr aggressiv darstellt. Mögliche Komplikationen seien aufgrund von Grunderkrankungen und ungünstigen biologischen Entwicklung im Mund-Kiefer-Bereich leider nie ganz ausschließbar.

Mundgesundheit in Europa: aktuelle Studie

Das Wissen, wie andere Länder hinsichtlich der Vorbeugung und Behandlung von Zahnerkrankungen vorgehen, ist nicht nur statistisch von Interesse: Zeigen die Daten, dass beispielsweise Kinder in einem Land eine deutlich bessere Zahn- und Mundgesundheit aufweisen, kann dies eine Vorbildfunktion haben für andere Länder. Eine solche europa-bezogene Mundgesundheitsübersicht hat Anfang des Jahres 2022 das wissenschaftliche „Institut der Deutschen Zahnärzte / IDZ" veröffentlicht. Geprüft wurde anhand der Daten in Spanien, in Belgien und den Niederlanden, in Deutschland und Dänemark auch, ob sich die Übernahme der Behandlungskosten für spezielle zahnärztliche Behandlungsverfahren auf die Mundgesundheit der Patienten auswirkt. Das Ergebnis: In fast jeder Altersgruppe gab es ein Land, in dem sich die Mundgesundheit als führend erweist. Spitzenreiter bei der Mundgesundheit der 5-7-Jährigen ist demnach Dänemark, bei der Gruppe der 12- bis 14-Jährigen ist es Deutschland, bei den 35- bis 44-Jährigen führen die Niederlande und bei den 65- bis 74-Jährigen Belgien und auch hier die Niederlande. Nur: Abhängig vom Sozialsystem sind diese Ergebnisse offensichtlich nicht. In den oft an der Spitze oder direkt dahinter liegenden Niederlanden werden nur sehr wenige zahnmedizinische Leistungen öffentlich bezahlt, in Spanien, das ebenfalls oft im Spitzen-Bereich liegt, ebenfalls nicht. In Dänemark gibt es Kostenübernahmen für einzelne Behandlungsarten für Erwachsene und Senioren. Nur in Deutschland und Belgien gibt es ein ausgeprägtes Kostenübernahme-System – was, wie sich zeigte, aber keinen Einfluss darauf hatte, wie gut die Mundgesundheit in der jeweiligen Altersklasse im Vergleich der Länder und Systeme abschnitt.

Implantationen: Visionen und Kooperationen

Zu einem spannenden Austausch über Visionen in der Implantologie und der Notwendigkeit interdisziplinärer, also fachübergreifender Zusammenarbeit von Ärzten, Zahnärzten und Medizintechnik hatte im vergangenen November ein Fachkongress eingeladen, der von der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) ausgerichtet wurde: Mit eingeladen für den interdisziplinären Blick auf nachhaltige Implantologie waren fachlich nahestehende weitere wissenschaftliche Fachgesellschaften wie beispielsweise zur Parodontologie, Prothetik, dentaler Ästhetik und Innerer Medizin. So haben sich Schnittstellen gezeigt, die erst durch den Austausch und Blick auf bestimmte Herausforderungen deutlich geworden waren. Nicht zuletzt gestiegene Bedürfnisse von Patienten nach ästhetischen Implantatlösungen, wie sie mit keramischen Implantaten erreichbar sind, gäben der Nachfrage und auch der Forschung einen deutlichen Schub, hieß es bei der Pressekonferenz zur Tagung. Auch Visionen prägten die Weiterentwicklung in diesem Fach und zeigten auf, was alles erreichbar sein und für die Patienten weitere Innovationen bringen könnte. So wurde nicht ausgeschlossen, dass Implantate, die fest im Knochen und Zahnbett integriert sind, auch eine Art „Medikamententräger" und „Status-Botschafter" sein könnten und kontinuierlich – durch Sensoren gesteuert – sowohl diagnostische als auch therapeutische Unterstützung bieten.

Seltene Erkrankungen: Anzeichen auch im Mund

Rund vier Millionen Bundesbürger leiden an sogenannten „seltenen Erkrankungen", das bedeutet: Weniger als 5 von 10.000 Menschen sind von ihr betroffen. Die meisten dieser Erkrankungen sind erblich bedingt. Viele sind chronisch, und nicht immer gibt es eine große Anzahl an gut wirksamen Medikamenten und Behandlungsverfahren. Jede sechste „seltene Erkrankung" zeigt sich auch durch Veränderungen im Mund. Weil solche Gesundheitsstörungen so selten sind, werden sie oft erst nach Jahren erkannt, wie kürzlich Dr. Romy Ermler, Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer, in einer Patienteninformation sagte. Manche dieser seltenen Erkrankungen zeigen sich besonders bei Kindern, beispielsweise in einer Anomalie der Zähne oder einer unnatürlichen Zahnform. Auch die Zahnfarbe kann ungewöhnlich sein, der Zahnschmelz und nicht zuletzt die Anzahl der Zähne im Mund insgesamt sowie Art und Zeitpunkt des Erscheinens der zweiten Zähne könnten ein Hinweis sein. Aufmerksam werden sollte man, wenn die Zähne eine ungewöhnlich spitze Form haben. Ein weiteres Signal sind ungewöhnlich früh ausfallende Zähne, weil der sie haltende Knochen nicht ausreichend stabil ist. Für weitere seltene Erkrankungen gibt es genaue Beobachtungen, wie sie sich im Mund, aber auch in Gesichtsbereich darstellen. Sowohl seitens der Hausarzt- als auch seitens der Zahnarztpraxis kann im Falle der Vermutung einer seltenen Erkrankung an eine entsprechend spezialisierte Abteilung einer Universitätszahnklinik zur weiteren Abklärung überwiesen werden.

Loch im Zahn: verschiedene Zahnfüllungen möglich

Dass ein Loch im Zahn, eine tiefer gehende Karies, behandelt werden muss, steht außer Zweifel: Durch die zerstörten Bereiche können Bakterien sonst leicht in das Zahninnere eindringen und den Zahnnerv und die umgebenden Gefäße und Gewebe infizieren. Eine solche Wurzelentzündung zerstört den „Lebensnerv" eines Zahnes, und er droht verloren zu gehen. Insofern ist völlig berechtigt, dass bei einer Mundgesundheits-Kontrolluntersuchung die Gesundheit der Zähne und deren stark schützende Umhüllung, der Zahnschmelz, besonders genau inspiziert wird. Je nach vorgefundener Schädigung des Zahnes kommen ganz verschiedene Möglichkeiten in Betracht, den Schaden zu beheben und die Funktionstüchtigkeit wieder herzustellen. Wie der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente kürzlich mitteilte, spielt auch die Lage des geschädigten Zahnes im Mund eine Rolle bei der Auswahl der Zahn-Füll-Materialien: Bei Zähnen in der sichtbaren Frontreihe wird oft zahnfarbenes Komposit verwendet, eine Art Kunststoff-Füllung mit beigemischten winzigen Glas- und Keramikteilchen für mehr Stabilität. Die Kaufestigkeit von Komposit reicht nicht ganz an die des Klassikers für den Backenzahnbereich, Amalgam, heran, ist aber heute auch schon recht gut weiterentwickelt. Neben solchen „weichen" Füllungen, die erst im Zahn erhärten, gibt es auch individuell vorgefertigte feste Einlagen (Inlays) aus verschiedenen Materialien, von Kunststoff über Keramik bis zu Geld. So unterschiedlich Größe, Lage und Tiefe einer Karies sein können, so verschieden sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Insofern ist es immer die Entscheidung von Zahnärzten und Patienten, was im jeweiligen Fall der beste Weg ist.

Zahnmedizin: höheres Alter – mehr Zähne

Dass sehr erfreuliche Entwicklungen trotzdem zu einer Herausforderung werden können, berichtete Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas (Universität Mainz) vor einigen Wochen beim Fachkongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) in Wiesbaden. Der erfreuliche Aspekt sei, dass die Menschen immer älter werden und dabei auch immer öfter zahlreiche eigene Zähne behalten haben. Vollprothesen werden als Zahnersatz-Lösung immer seltener. Dennoch gibt es den Verlust einzelner Zähne oder mancher Zahngruppen, der behandelt werden muss. Da insbesondere in höherem Alter oft die Allgemeingesundheit reduziert ist, aber auch das Vermögen des Körpers, umfangreichere Behandlungen gut zu verarbeiten, stellten, so der Referent, diese älteren und alten Patienten an die Behandlungsplanung und die Behandlungsschritte höhere Anforderungen. Einerseits müssen Folgen von Erkrankungen und Medikamenten auf den Heilungsprozess beachtet werden, andererseits sollten die Behandlungsverfahren auch weniger belastend ausgerichtet werden. Hier seien, so weitere Vorträge bei dem genannten Kongress, minimal-invasive Verfahren im chirurgischen Bereich sehr hilfreich, ebenso aber auch quasi mitwachsende Zahnersatz-Lösungen, die sich an die sich verändernden Rahmenbedingungen im Mund anpassen.

Sprechstörung: Zahnfehlstellung im Blickpunkt

Eine Sprechstörung wie Lispeln kann verschiedene Gründe haben. In der Hauptsache ist aber die Biologie schuld, wie der Zahngesundheitsdienst „proDente" im März berichtete.

Dabei stehen Zahnfehlstellungen klar im Blickpunkt, aber auch eine nicht altersgerechte Mund- und Zungen-Bewegung. Während die Muskulatur bei natürlich ausgebildetem Gebiss zu einer ausgeglichenen Bewegung von Zunge, Kiefergelenk und Wangenmuskulatur führt, findet bei zu früh herausgefallenen oder entfernten Zähnen, an deren Stelle die Zweiten nicht gleich nachkommen, die Zunge eine Lücke zum Vordringen zu den Lippen. Sprachlich zeigt sich ein solches „Fehlverhalten" der Zunge in Lispeln, das „s" kann dann meist nicht normal ausgesprochen werden. Neben solchen Fällen, wo die natürliche Zungen- und Zahnbewegung aufgrund verloren gegangener Zähne gestört ist („erworbene Fehlstellung"), gibt es auch Kinder, die eine solche Fehlfunktion durch eine angeborene Anomalie zeigen: Bei ihnen stehen die Ober- und Unterkiefer nicht in austariertem Abstand zueinander, einer der Kiefer ist zu weit vorgeschoben. Eine solche Fehl-Stellung kann allerdings ebenfalls erworben sein, wenn das Kind durch das anhaltende Lutschen – insbesondere am harten Daumen ­– den noch wachsenden Oberkiefer immer wieder nach vorne drückt. Wird dies zu spät entdeckt und nicht verhindert, ist meist eine Korrektur der Kieferposition durch kieferorthopädische Maßnahmen notwendig und in manchen Fällen auch eine logopädische Behandlung: Die betroffenen Kinder müssen das Sprechen manchmal ganz neu lernen.

Gastritis: Gleiche Bakterien wie im Mund

Inzwischen bestätigen immer mehr Studien und Erfahrungsberichte aus den Praxen die engen Zusammenhänge von allgemeingesundheitlichen Störungen und der Mund-Infektionserkrankung Parodontitis: In der Regel zeigen sich solche Bakterien, wie man sie rund um die entzündeten Stellen im Parodont, dem Zahnbett, findet, auch an anderen Stellen im Körper. Mal gelangen diese Keime über die Blutbahn in andere Organe, oder sie wandern über das Schlucken von Nahrung und Flüssigkeiten in die Verdauungsbereiche. Wie Mikrobiologin Prof. Dr. Christa Eder (Wien) vor kurzem in einer zahnärztlichen Zeitschrift darstellte, gilt diese enge Verbindung auch für den Fall einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung). Zusammen mit dem Speichel gelangen nicht nur frisch aufgenommene Bakterien, Viren und Pilze in den Magen, sondern auch solche, die der Speichel aus dem Entzündungsbereich der Parodontalerkrankung aufgenommen hat. Auch umgekehrt ist die enge Direktverbindung über die Speiseröhre nicht unproblematisch: Im Falle eines Refluxes („Aufstoßen") gelangen Bakterien aus dem Magen in den Mund und sorgen hier für eine Störung des bakteriellen Gleichgewichtes. Zu den am häufigsten sich – hier wie dort – störend auswirkenden Bakterien gehört die Gruppe der Helicobacter pylori, die als Haupt-Versucher der Magenschleimhautentzündung gilt. Die enge bakterielle Verbindung Zähne-Magen ist keine neue Entwicklung: Spuren dieses Keimes zeigen sich bereits an den Zähnen vorgeschichtlicher Menschen.

Implantologie: Immer weniger Kontraindikationen

Mit fortschreitendem Wissen zu Möglichkeiten und Grenzen der zahnärztlichen Implantologie, aber auch mit der Entwicklung neuer Implantate und Begleit-Techniken geht die Anzahl der Gründe, die gegen eine Implantation sprechen („Kontraindikationen"), immer weiter zurück. Insofern wenig erstaunlich, dass damit auch die Anzahl der gesetzten Implantate ständig steigt, wie kürzlich beim Jahreskongress der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) dargestellt wurde. Aktuell gehe man von rund 1,3 Millionen inserierter Zahnimplantate in Deutschland aus, hieß es beim Kongress. Das bedeute allerdings nicht, so Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Kongresspräsident der Tagung, dass es nicht nach wie vor Patienten mit medizinischen Problemsituationen gibt, für die ein Implantat nur mit komplexen Behandlungsschritten oder in Einzelfällen auch gar nicht in Betracht kommt. Geschätzt sei jeder vierte Patient über 25 Jahre, der eine Zahnarztpraxis aufsuche, aus verschiedensten Gründen ein Risikopatient. Die moderne Implantologie sei und bleibe daher erfolgreich, wenn sie die Patienten als Ganzes sieht und damit auch den gesundheitlichen Gesamtzustand beachtet ­­– und je nach Patient auch mit weiteren Ärzten und Zahnärzten gemeinsam das Behandlungskonzept entwickelt.

Moderne Zahnmedizin: für Ältere immer schonender

Moderne Zahnmedizin: für Ältere immer schonender

 

Wissenschaftliche Erkenntnisse führen nicht selten auch zu mehr Respekt vor der Biologie, aber auch der Psyche und der Lebensqualität der Patienten. Ein Beispiel dafür lieferte die Tagung der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) vor wenigen Wochen. Hier berichteten Fachreferenten über einen neuen Ansatz in der Behandlung älterer, alter und hochbetagter Patienten: Diese seien durch Technik-intensive zahnmedizinische Behandlungsverfahren oft mehr belastet als das Ergebnis ihre Lebensqualität optimiere. Die inzwischen bekannten Erkenntnisse entsprechender Studien zeigten beispielsweise, dass man nicht jeden Wurzelrest, der nach der Zerstörung eines Zahnes noch im Kieferknochen steckt, auch operativ entfernen muss: Es könne reichen, diesen sorgfältig abzudecken und dem Patienten eine aufwändige Behandlung zu ersparen. Auch nicht jede Karies müsse im hohen Alter und bei krankheitsbedingter Belastung sorgfältig entfernt werden: Wie mittlerweile zahlreiche Studien zeigten, könne es Sinn machen, diese quasi im Zahn „einzuschließen", vor Zufuhr an Luft und Flüssigkeit und auch weiteren Bakterien zu schützen, so dass sich die Karies nicht weiter entwickeln kann. Dem Thema „Zahnmedizin für vulnerable Gruppen" widmet sich mittlerweile eine eigene Fachgesellschaft, die DGZMB / Deutsche Gesellschaft Zahnmedizin für Menschen mit Behinderung oder besonderem medizinischem Unterstützungsbedarf, die Partnerin des DGZ-Kongresses war.

Loben hilft: Zähneputzen der Kinder

Es gibt Studien, die könnte man für überflüssig halten, weil eigentlich jeder weiß, was die Forscher herausgefunden haben, in diesem Fall: Loben hilft Kindern, sich gesund zu verhalten. Dennoch sind solche Untersuchungen nicht ohne Grund wertvoll – wie in diesem Fall einer Studie an der Yale-Universität in den USA zum Zahnputzverhalten von dreijährigen Kindern und wie sich das begleitende Reden der Eltern darauf auswirkt. Heraus kamen dabei Details, die zeigen, dass Reden und Lob sehr unterschiedlich wirken können. Beispielsweise putzten Kinder ihre Zähne deutlich länger und aufmerksamer, wenn sie einfach nur gelobt wurden für ihr Verhalten. Gab es „fachliche Hinweise" wie Aufforderungen, die Zahnbürste anders zu halten oder auch die Zahninnenflächen zu säubern, war Putzdauer und Putz-Intensität deutlich weniger ausgeprägt. Auf Zeit und Qualität des Zahnputzens hatten auch Faktoren wie Stress der Eltern, die Grundstimmung zwischen Eltern und Kind und auch der Müdigkeitsgrad des Kindes Einfluss – aber deutlich weniger als erwartet. Was den Wissenschaftlern aus Yale auch wichtig war: Sie wollten anhand dieses Beispiels auch testen, wie Kinder am besten Ausdauer lernen, etwas, was sie für ihr ganzes Leben benötigen. Dass dies am besten mit Aufmunterung und Lob erreichbar ist, bestärkt darin, dass das offensichtlich tatsächlich der richtige Weg ist.

Anatomie: neuer Muskel am Kiefer entdeckt

Man könnte meinen, in der heutigen Zeit gibt es nichts mehr im Körper, über das nicht bereits endlos viele Fachartikel erschienen sind. Dennoch gibt es immer mal wieder Überraschungen. Vor wenigen Wochen beispielsweise, als ein Schweizer Forscherteam über einen kleinen Muskel im Kieferbereich berichtete, genauer: über eine muskuläre dritte und tief liegende weitere Ebene unter dem großen Masseter-Muskel, der beispielsweise die Kieferbewegungen steuert. Bislang war man von nur zwei Muskel-Schichten ausgegangen. Die neue Entdeckung erklärt die Abläufe bei Mundöffnung und Mundschließung, aber auch bei der Steuerung des Unterkiefers noch deutlicher als man dies bislang schon wusste. Eigentlich ist es allein dieser neu entdeckte eigenständige Muskel, der den Unterkiefer wieder nach oben, Richtung Ohr, zieht. Mit diesem nun fundiert belegtem Wissen ist nicht nur die Zahnmedizin um eine Erkenntnis reicher, sondern auch um das Verstehen von Problemen, wenn Menschen ihren Kiefer nicht ausreichend weit öffnen oder natürlich bewegen können. Der neue Muskel könnte also ein Weg werden, solche Störungen noch gezielter zu behandeln.

Spucke: spannend und wichtig

In einer wissenschaftlich ausgerichteten zahnmedizinischen Zeitschrift hat ein Fachbeitrag jüngst zusammengestellt, weshalb Speichel („Spucke") ein sowohl hochspannendes als auch wichtiges Thema ist. Manchen Menschen wird die wertvolle Rolle des Speichels erst bewusst, wenn sie vor großem Publikum eine Rede halten sollen und ihnen stressbedingt „die Spucke weg bleibt". Andere, zumal ältere Menschen erleben dieses unangenehme Gefühl dauerhaft, Mundtrockenheit ist aus verschiedenen Gründen bei vielen von ihnen ein Begleiter des Alterungsprozesses. Rund ein bis anderthalb Liter Speichel produziert ein gesunder Mensch täglich – ob mehr oder weniger, ist von Stress, Gerüchen, Gefühlen, Krankheiten oder Alltagsumständen abhängig. Bis auf 1 % besteht die „Spucke" vor allem aus Wasser – aber dieses eine Prozent hat es in sich: Verdauungsenzyme, Eiweißstoffe, Elektrolyte, immunologisch wirksame Stoffe. Neben der Befeuchtung des Mundes, was für Kauen und Schlucken notwendig ist, sorgt der Speichel für Infektionsschutz, er repariert oberflächliche Auflösungen des Zahnschmelzes und neutralisiert die Säure aus den Lebensmitteln. Dafür, dass es dem Speichel und seiner Produktion gut geht und der Mund nicht austrocknet, können Menschen selbst einiges beitragen: Ungünstig ist Atmen durch den offenen Mund, Schnarchen, zu wenig Trinken, zuviel Alkohol sowie Cannabis und anderes aus dem Bereich Rauschmittel. Aber auch eine Vielzahl an Medikamenten sowie eine Hormonumstellung wie in den Wechseljahren greifen in die gesunde Speichelproduktion ein. Hinnehmen sollte man solche Störungen nicht, denn sie können vielfältige Folgen nach sich ziehen – und Lösungen gibt es in den meisten Fällen auch: in der hauszahnärztlichen Praxis.

#ErnährungswendeAnpacken: Die Zahnärzte machen mit

Unter dem Hashtag #ErnährungswendeAnpacken! haben sich mittlerweile mehr als 15 Organisationen und Fachverbände aus dem Bereich Gesundheit, Ernährung, Umwelt und Soziales zusammengeschlossen mit dem Ziel, bei der Bundesregierung das Einsetzen einer Arbeitsgruppe „Zukunftskommission Ernährung" zu erreichen. Mit dabei ist inzwischen auch die Bundeszahnärztekammer als Dachorganisation der Zahnärzteschaft in Deutschland, die sich bereits seit Jahrzehnten beispielsweise für Zuckerreduzierung in der Ernährung engagiert, vor dem Missbrauch von Babyfläschchen zum Dauernuckeln (zumal bei säurehaltigem Inhalt) warnt und den Zusammenhang von gesunder Ernährung und Mundgesundheit in vielfältigen Studien belegt hat. Am derzeitigen Ernährungssystem gebe es viel zu optimieren, so die Organisationsgemeinschaft, unsere Ernährung sei ebenso ungesund wie unsozial und zudem sowohl klima- als auch umweltschädlich.

Umweltschutz: die Praxen machen mit

Zu Jahresbeginn erinnerte eine große zahnärztliche Fachzeitschrift daran, dass sich der Weltzahnärzteverband FDI vor bereits vier Jahren für Nachhaltigkeit in der Zahnmedizin ausgesprochen hatte – insbesondere mit dem Blick auf Technik und Produkte im Praxisalltag. Einige Schritte in die richtige Richtung sind bereits erfolgreich getan – andere müssten noch folgen. Beispielsweise habe sich schon in vielen Praxen der Verzicht auf Einwegmaterialien durchgesetzt. Auch konnte moderne Technik für einen geringeren Strom- und Wasserverbrauch sorgen. Ebenfalls auf gutem Weg: die Reduzierung des Einsatzes von Papier. Was eine aktuelle Studie aber auch zeigte: Rund zwei Drittel am CO2-Fußabdruck einer Zahnarztpraxis fällt nicht in der Praxis an, sondern durch den Pendelverkehr der Mitarbeiter zum und vom Arbeitsplatz. Nur ein Drittel betrifft den Praxisbetrieb selbst – davon zur Hälfe den Energieverbrauch und zur anderen Hälfe den Bereich Technik und Verbrauchsmaterialien. Für den letzten Punkt hat die Dentalindustrie in Deutschland mit der Bundeszahnärztekammer das Ziel „mehr Umweltfreundlichkeit" verabredet – bei Beibehaltung der Funktionssicherheit. Leichter erreichbar sind Einsparungen beispielsweise bei Verpackungsmaterialien und beim Reduzieren von Abfall. Auch lange Transportwege für Einmalprodukte belasteten die Umwelt. Wettbewerbe wie „die grüne Praxis" förderten die Entwicklung und unterstützten die Motivation.

Antibiotika-Resistenz: auch ein Thema für die Zahnmedizin

Auch im Bereich des Mundes spielen Infektionen und entsprechende Therapeutika, die diese Entzündungen zurückdrängen sollen, eine Rolle. Einerseits werden solche Arzneimittel eingesetzt, um bereits bestehende Infektionen auch „von innen" zu behandeln. Andererseits werden in entsprechenden Fällen Antibiotika auch prophylaktisch gegeben, um bei anstehenden invasiveren Eingriffen in Kieferknochen und Gewebe Infektionen vorzubeugen und damit – nur beispielsweise – Patienten mit Herzklappen vor den durch den Blutkreislauf herumwandernden Keimen aus dem Mund zu schützen. Ein Vorgehen, das nachvollziehbar und sinnvoll erscheint – aber auch eines, das ebenso viele Chancen wie Risiken birgt: Die Anzahl resistenter Keime, auch im Bereich der mundtypischen Bakterien, wächst ständig. Wie eine aktuelle Studie einer weltweit arbeitenden Fachgesellschaft für Antibiotika-Resistenzen ergab, hätten allein im Jahr 2019 mehrere hunderttausend Todesfälle vermieden werden können, wenn man die Erkrankten hätte sachgerecht medikamentös therapieren können – was nicht möglich war, weil die entsprechenden Krankheitsverursacher resistent gegen Antibiotika waren. Insbesondere Lungenentzündungen werden immer kritischer, da hier besonders häufig resistente Keime vorzufinden sind. Die Aussichten der genannten Fachgesellschaft für die Zukunft sind eher dramatisch. Schon heute zeigen sich auch bei Infektionen im Zahngewebe (Parodont) erste resistente Bakteriengruppen. Die moderne Zahnmedizin empfiehlt entsprechend, vor Einsatz eines Antibiotikums, das nachweislich eine gute Wirkung hätte, abzuwägen, ob es nicht auch andere Wege zur Reduzierung der Keimbelastung gibt – weltweit müsse gemeinsam dafür gekämpft werden, den sehr gut wirkenden Antibiotika ihre Kraft zu erhalten und nicht durch zu große Verbreitung und sich dadurch entwickelnde Resistenzen zu nehmen.

Hüftgelenk? Zahnpflege schützt

Dass die Zahnärzteschaft immer wieder auf die Risiken hinweist, die sich durch die Mundgewebe-Infektion Parodontitis für die allgemeingesundheitliche Lage des Körpers ergeben, ist eher erwartbar – dass, wie jüngst, aber auch andere Fachgesellschaften die Parodontitis als Risikofaktor sehen und bewerten, beweist, dass die Zahnärzteschaft mit den Warnungen richtig liegt. Nachdem bereits in zurückliegenden Zeiten unter anderem weltweit renommierte kardiologische Verbände auf die kritischen Folgen für Herzinfektionen verwiesen hatten und Diabetes-Fachverbände dies für die „Zuckerkrankheit" ebenfalls bestätigten, hat nun auch die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik die Parodontitis in den Blickpunkt genommen. Hintergrund ist eine in Großbritannien jüngst erschienene Studie an rund 9500 Endoprothetik-Patienten: Diese hatte ergeben, dass Bakterien aus der Mundhöhle beispielsweise auch Bereiche mit einer „neuen Hüfte" oder einem „neuen Knie" infizieren können. Insofern ist nachvollziehbar, dass die Fachgesellschaft für Gelenkersatz-Medizin dazu aufruft, die sorgfältige Zahnpflege und regelmäßige Mundhygiene unbedingt ernst zu nehmen.

Parodontitis-Patienten: erhöhte Corona-Risiken

Schon kurz nach Auftreten der ersten Covid-Erkrankungen hatte sich gezeigt, dass der Mund als Eingangsbereich zum Körper eine besondere Rolle bei der Infektion mit dem Sars-Cov-2-Erreger spielt: Nicht nur fanden die Viren hier einen schnellen und direkten Zugang zu den Atemwegen, sondern die Zellen der Mundschleimhaut, aber auch Infektionsstellen rund um den Zahn trugen die Viren in viele verschiedene Bereiche des gesamten Körpers. Dass es sich bei Corona nicht vorrangig um eine Atemwegs-Infektion handelt, hat sich recht bald gezeigt: Betroffen und oft nachhaltig in ihrer Funktion gestört sind sehr viele verschiedene Bereiche und Strukturen im gesamten Körper. Inzwischen werden auch erste Beobachtungsstudien zum weiteren Verlauf und Verhalten der Viren im Körper – in Verbindung mit dem Mund – publiziert, und damit werden die Zusammenhänge sogar noch deutlicher. So hat sich beispielsweise bei mehreren Studien gezeigt, dass Menschen, die zu den Parodontitis-Patienten zählen, im Falle einer Covid-Erkrankung ein signifikant höheres Risiko für einen Verlauf mit Komplikationen haben als Patienten ohne diese chronisch-entzündliche Munderkrankung. Wie eine dieser Studien ergab, war der Anteil an Patienten in intensivmedizinischer Behandlung oder gar mit Beatmungsbedarf bei Parodontitis-Erkrankten sogar dreifach höher als bei den Patienten mit parodontal gesundem Gewebe. Ungünstigerweise zeigte sich zugleich, dass eine Covid-Infektion auch die bestehende Parodontitis weiter verschlimmerte.


 

Jahr 2022: Schlafschienen nun Kassenleistung

Für viele Menschen ist das eine sehr gute Nachricht zum Start in das Jahr 2022: Die „Unterkieferprotrusionsschiene", landläufig „Schlafschiene" genannt, ist seit dem 1. Januar dieses Jahres Kassenleistung. Das bedeutet: Die Krankenkassen erachten das Verfahren als erfolgreich genug, um in den Katalog der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen zu werden. Davor steht eine intensive und oft langjährige Prüfung, denn immerhin ist es das eingezahlte Geld aller Kassenmitglieder, das in die Behandlung investiert wird, und dann muss diese Ausgabe auch gerechtfertigt und belegt sein. Nach vielen Jahren der Diskussion, Studien und des Verhandelns hat die „Schlafschiene" nun die Prüfung bestanden und steht den Patienten als Kassenleistung zur Verfügung. Genutzt wird diese Schiene beispielsweise bei nächtlichen Atmungsstörungen, insbesondere bei Atmungs-Aussetzern (obstruktive Schlafapnoe), um die beiden Kiefer so zu positionieren, dass – beispielsweise – in der Entspannungsphase des Schlafes die Zunge nicht in den Mund rollt und störend den Atemfluss blockiert. Unbehandelt kann eine Schlafapnoe zu Tagesschläfrigkeit, Konzentrationsschwäche und zu Unfällen am Arbeitsplatz oder im Straßenverkehr führen. Zudem kann sich durch die anhaltende Schlafstörung Bluthochdruck entwickeln, der zu einem Infarkt von Herz oder Hirn führen kann. Bei der Behandlung der Schlafapnoe arbeiten Ärzte und Zahnärzte zusammen – mit der „Schlafschiene" steht nun ein weiterer Weg zur Verfügung, die Situation für die betroffenen Patienten auch durch Kostenübernahme zu verbessern.

 

Karies: Bildung allein schützt nicht

Wie eine Auswertung einer Vielzahl weltweit erstellter Studien zum Thema Zahnverschleiß und sozialer Hintergrund gezeigt hat, ist der Bildungsstatus der Eltern allein kein Garant für die Zahngesundheit ihrer Kinder. Die Frage, inwiefern die soziale Situation einer Familie in Zusammenhang steht mit der Mundgesundheit der Kinder, hat eine Gemeinschaftsarbeit unter Leitung eines Forschungsinstitutes in Singapur kürzlich bearbeitet und im Ergebnis insofern beantwortet, als das tatsächliche Ernährungsverhalten der Kinder ausschlaggebend für den Gesundheitszustand der Zähne ist. Es zeigte sich, dass – je nach Welt-Region – Kinder aus wohlhabenderen Familien möglicherweise sogar gefährdeter sind als Kinder aus vergleichbar ärmeren Verhältnissen. In manchen Gegenden der Welt haben nur Kinder aus reicherem Hause Zugang zu einer Vielzahl an stark gesüßten Lebensmittelprodukten, beispielsweise Energy-Drinks, Fertigsäfte und allerlei Brausegetränke. In solchen Gegenden hatten oft Eltern mit gehobenem Sozialstatus zwar ein geringeres Zahnverschleiß-Risiko als Eltern mit geringerem Sozialniveau – auch, weil sie besseren Zugang zu Zahnarztpraxen mit entsprechenden Präventions- und Behandlungsangeboten haben. Allerdings: Das erlebte man nicht bei den Kindern der Bessergestellten, die aufgrund der ungesunden Ernährung unerwartet deutlichen Zahnverschleiß aufwiesen. In vielen der untersuchten Studien war die zahngesundheitliche Situation der Kinder aus Familien mit höherem kaum besser als die von Kindern aus niedrigerem Status, deren Zahnschäden ebenfalls vor allem auf ungesunde Ernährung und nicht ausreichende Mundhygiene zurückzuführen waren sowie auf herausfordernde Faktoren wie Stress, seelische Belastungen und nicht Erreichbarkeit kontinuierlicher zahnärztlicher Betreuung.

Demenz: Herausforderung auch für die Mundgesundheit

Rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland gelten als an Demenz erkrankt, einem neurologischen Krankheitsbild mit verschiedenen Ausprägungen. Wie ein kürzlich veröffentlichter Artikel in einer zahnmedizinischen Fachzeitschrift zeigt, führen die mentalen Einschränkungen auch zu verschiedenen Risiken für Zähne und Gewebe: Beispielsweise können an Demenz Erkrankte nur noch schwer riechen und schmecken, bevorzugen also besonders stark gesüßte und gesalzene Lebensmittel. Ohne eine sehr sorgfältige und kontinuierliche Mundpflege, die viele dieser Patienten selbst nicht mehr leisten können, gehen viele Zähne an Karies verloren. Zahnverlust bis hin zu kompletter Zahnlosigkeit tritt bei solchen Betroffenen häufiger auf als bei gleichaltrigen Nicht-Erkrankten. Aufgrund nicht selten unzureichender Mundhygiene haben demente Menschen häufiger als gesunde eine Zahnbettentzündung (Parodontitis), die durch die über die Blutbahn gestreuten Parodontitis-Bakterien außerdem möglicherweise sogar eine schneller voranschreitende Demenz erleiden: Der Abbau des geistigen Leistungsvermögens war der Studie zufolge bei Vorhandensein einer Parodontitis um das sechsfach beschleunigt. In Fortbildungen werden Zahnärzte und ihre Teams entsprechend geschult, demente Patientinnen und Patienten ihrem gesundheitlichen Zustand entsprechend zu behandeln.

Brokkoli & Co: warum manche ihn nicht mögen

Es ist nicht immer eine Frage von Erziehung oder familiärer Kochtradition, wenn manche Menschen das eine oder andere Lebensmittel nicht mögen. Es kann auch am eigenen Mikrobiom liegen, wie australische Forscher jetzt zum Thema Abneigung gegen Kohlgemüse herausgefunden haben. Nicht nur bei Kindern, auch bei Erwachsenen können Enzyme, wie sie bestimmte Kohl-Arten enthalten, in Verbindung mit Speichel (genauer: den enthaltenen Bakterien) zu unangenehmen Gerüchen führen. Die Wissenschaftler entdeckten bei Familien, in denen weitgehend alle zusammenlebenden Mitglieder die gleiche Kohl-Abneigung hatten, ein gemeinsames Mikrobiom, also eine „Bakteriengroßfamilie" in bei allen vergleichbarer Zusammensetzung. In Familien mit solcherart spezifischem Mikrobiom erlebten die Eltern und Kinder manche Kohlsorten als „nach Fäulnis schmeckend". Was aber auch bei der Studie entdeckt wurde: Offenbar kann man sich im Laufe seines Lebens an manchen Kohlgeschmack doch noch gewöhnen – ob es daran liegt, dass das Mikrobiom sich verändert, ist noch offen.

Weiße Implantate: Wie steht es um die Keramik?

Ein Thema, das nicht nur viele Patienten interessiert, sondern auch die zahnmedizinische Wissenschaft, Praxis und auch die Zahntechnik: Wie gut sind mittlerweile die Dentalimplantate aus Keramik – nähern sich ihre Erfolge immer mehr denjenigen der Implantate aus dem Klassiker-Werkstoff Titan an? Wie der zurückliegende Kongress der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie/DGI zeigte, sind die „weißen Implantate" hier auf einem guten Weg. Prof. Dr. Stefan Wolfart (Universität Aachen) sagte sogar, die mittlerweile vorliegenden Ergebnisse zeigten, dass Keramikimplantate inzwischen auch routinemäßig zur Anwendung kommen können. Dabei ist aber zu beachten, dass es verschiedene Keramikarten gibt, die in der Zahnmedizin genutzt werden, und sich die von Professor Wolfart genannten guten Ergebnisse auf Dentalimplantate aus dem Werkstoff Zirkonoxid beziehen. Was die Abutments betrifft, also die Verbindungsteile zwischen Zahnimplantat und Zahnkrone, erweisen sich solche aus Zirkonoxid auch im Seitenzahnbereich als belastbar, was ihr Einsatzspektrum deutlich erweitert. Bislang war man hier aufgrund des hohen Kaudrucks eher zurückhaltend. Auch bei den Zahnkronen aus speziellen Keramiken gibt es bereits gute Erfolge. Noch weiter untersucht werden größere einteilige Brücken-Lösungen, hier ist die Datenlage noch zu schwach, so der Wissenschaftler.  

Herzinfarkt: Schmerzen auch im Kiefer

Viele Menschen verbinden Herzinfarkt insbesondere mit Schmerzen im linken Arm – das ist nicht falsch, jedenfalls nicht in jedem Falle falsch, aber auf jeden Fall zu kurz gedacht. Die Symptome können sehr vielfältig sein und – das bringt diese Vielfalt mit sich – auch auf andere Krankheiten oder Gesundheitsstörungen hinweisen. Kalter Schweiß auf der Oberlippe, Übelkeit, Schmerzen im Brustbereich und viele andere Entwicklungen: Ein Herzinfarkt kann zu vielen Störungen führen, die man gemeinhin nicht mit einer solch lebensbedrohlichen Entwicklung in Verbindung bringt. Nun ist zu dieser Liste ein weiterer Punkt hinzugekommen: der Kiefer. Wie die American Heart Association in einer neuen Leitlinie jetzt festgehalten hat, kann auch der Kiefer zu den Bereichen gehören, in die die Schmerzen aus der Herzregion ausstrahlen. Bislang bereits hatte man beispielsweise auf Nacken, Arme und Schultern verwiesen. Nun ist auch die Mundregion verstärkt in den Blick geraten. Wie eine Studie zeigt, sind diese Signale in nur 5 % aller Fälle auch tatsächlich Begleiterscheinungen eines Herzinfarktes – in den anderen Fällen waren andere Gründe für die Schmerzen verantwortlich. Worauf dennoch zu achten ist: Insbesondere bei Frauen sind solche eher „unspezifischen Schmerzen" weit öfter tatsächlich mit einem Herzinfarkt verbunden als bei Männern. Insofern sind Symptome wie die genannten – neben den klassischen – immer sicherheitshalber klinisch abzuklären.

Übergewicht: Folgen für das Zahnbett

Starkes Übergewicht wie Adipositas/Fettleibigkeit hat weit mehr Auswirkungen im Körper als viele Menschen sich das vorstellen. Unbekannt ist oft, dass das ungesunde Plus an Körperfett auch zu chronischen Entzündungen führen kann, und: dass solche Entzündungen beispielsweise sogar Knochen schädigen und zerstören können. Zahnärzte erleben dies in entsprechenden Fällen bei Zahnbettentzündungen (Parodontitis): Die Tasche im Kieferknochen, in der der Zahn sitzt und in der er festgehalten wird von entsprechenden Fasern, verliert aufgrund der Entzündung an Stabilität und der Zahn selbst zunehmend an Halt, bis er schließlich ganz herausfällt. Das ist ein bei allen Parodontitis-Patienten weitgehend vergleichbar ablaufender Prozess. Bei adipösen Patienten dagegen kommt erschwerend hinzu, dass die Neigung zu Entzündungsprozessen chronisch ist und sich insofern leichter als bei Nicht-Betroffenen eine massive Parodontitis entwickeln kann. Wie Studien der Universität Buffalo zeigen, ist das Zusammenspiel aus Fett und Entzündungsfaktoren sogar noch deutlich komplexer und findet sich sogar bei Ernährungsstudien: In einer Vergleichsuntersuchung zeigten Mäuse mit einer fettreichen Diät im Vergleich zu anderen Mäusen mit fettarmer Kost deutlich mehr Entzündungen und Knochenschädigungen. Die knochenbildenden Zellen waren gehemmt, die knochenzerstörenden nicht. Die Erkenntnisse um die Auswirkungen von Fettzellen auf den Stoffwechsel nicht zuletzt der Knochen, aber auch anderer Gewebe bringt letztlich auch die zahnmedizinische Wissenschaft weiter, die auf vielen Ebenen nach Wegen zur Prävention von Parodontitis forscht.

Reflux: Säureschäden im Mund

Bei manchen Menschen kommt Reflux hin und wieder mal vor: Dann fließt Magensäure den Verdauungsweg nach oben und hinterlässt ein scharf brennendes Gefühl. Bei anderen Menschen ist das Säure-Problem dagegen eher ein häufiger Regelfall. Dann hat das auch kritische Folgen für Rachen, Mund und Zähne, wie die österreichische Mikrobiologin DDr. Christa Eder in einem Fachbeitrag in einer zahnärztlichen Zeitung darstellte. Gereizt werden in solchen Fällen oft auch die Stimmbänder, die Rachenschleimhaut, es kann zu Husten- und Schluckproblemen kommen. Meist gelangt die scharfe Magensäure auch in den Mund und greift hier sowohl die Zähne als auch die Mundschleimhaut an. Einer Untersuchung zufolge erleidet rund jeder 3. Reflux-Patient messbare Verluste an Zahnschmelz, Zahnzement und Dentin. Diese Bereiche verlieren dabei ihren Schutz vor Karies, zumal sie auch nicht auf die Regenerationsfähigkeit des Speichels bauen können, der ansonsten leichte Schmelzschäden wieder auszugleichen vermag: Der Speichel selbst ist aufgrund des durch den Reflux veränderten pH-Wertes zu Reparaturleistungen nicht mehr imstande. Auch seine Funktion als Schutzfilm über Zähnen, Zunge und Mundschleimhaut ist gestört. Meist sind Reflux und seine Folgen im Mund nicht von einer ärztlichen Disziplin allein zu stoppen: Hausarzt/Internist und Zahnarzt sollten am besten zusammenarbeiten, so die Wissenschaftlerin, um die sich gegenseitig weiter befördernde Entwicklung zu stoppen. Was sich schon gezeigt hat, und auch hier spielt die Zusammenarbeit eine förderliche Rolle: Medikamente gegen Reflux können auch die Intensität einer Parodontitis reduzieren.

Implantologie: Frühversagen wegen Autoimmunerkrankung

In der Regel haben moderne Implantate eine sehr lange „Liegezeit", das heißt: Einmal gut platziert gesetzt und in das Gewebe eingeheilt kann man, bei entsprechender Pflege, viele Jahre auf ihre stabile Mitarbeit in der Zahnreihe bauen.  Aber auch bei bester Pflege lassen sich biologische Risiken nicht ganz ausschalten, die zu einem vorzeitigen Zahnverlust beitragen können. Zu solchen potentiellen Risiken gehören beispielsweise Autoimmunerkrankungen. Unter solchen leiden statistisch gesehen deutlich mehr Frauen als Männer. Morbus Crohn und vergleichbare andere chronisch-entzündliche Erkrankungen verändern die Immunantwort auf Herausforderungen, wie sie eine Implantation eines Fremdstoffes – in diesem Fall eines Implantates – darstellt. Das berichtete Prof. Dr. Elisabeth Märker-Hermann beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie/DGI vor wenigen Wochen. Aufgrund einer komplexen Folge von Reaktionen bei solchen Veranlagungen richtet sich das körpereigene Abwehrsystem gegen den Fremdkörper: Statt dass Zellen sich ansiedeln, die den Fremdkörper mit dem umliegenden Kieferknochen und dem Zahnbettgewebe verbinden, werden alle biologischen Schritte zum nachhaltigen Einheilen torpediert. Vorhersagbar ist eine solche Abstoßreaktion aber nicht in jedem Fall – bei entsprechender Vorerkrankung müssen Planung und Aufklärung allerdings besonders intensiv die möglichen Folgen im Blick haben.

Zahnzwischenräume: Plaque-Risiko-Stelle

Wenn man sich eine Zahnreihe anschaut, sieht man in der Regel die Zahnvorderseiten, manchmal auch die Kauflächen. Was man oft nicht wahrnimmt, ist, dass es zwischen den Zähnen einen mehr oder weniger breiten Bereich gibt: die Zahnzwischenräume. Was man sich aber gut vorstellen kann: Hier ist Zahnbelag oft gut geschützt vor einer reinigenden Zahnbürste. Kein Wunder also, dass es mittlerweile eine ganze Reihe an „Zahnzwischenraumreinigungshilfen" gibt, die die versteckten Zahnbeläge sorgfältig entfernen können. Denn Karies gibt es nicht nur an den sichtbaren Stellen der Zähne: Da, wo man nicht so leicht hinsieht, ist eine entstandene Karies auch nicht so leicht zu behandeln. Wie ein Fachbeitrag in einem zahnärztlichen Journal nun berichtete, ist die Reinigung der Zahnzwischenräume von Kindheit an wichtig – und endet auch in höherem Alter nicht, wenn es nur noch wenige eigene natürliche Zähne gibt: In dieser Lebensphase liegen zudem oft schon einige Stellen der Zahnwurzeln frei und damit Bereiche, die nicht so gut durch harten Zahnschmelz geschützt sind. Gerade dann ist eine sorgfältige Zahnzwischenraum-Pflege besonders notwendig, da die empfindlicheren Zahnwurzel-Bereiche noch leichter von kariesfördernden Bakterien angegriffen werden können. Ältere Patientinnen und Patienten, die noch selbst für ihre Mundhygiene sorgen können, sollten den Umgang mit Zahnseide, oder, weil oft leichter zu handhaben: mit Zahnzwischenraumbürstchen kennen oder lernen. Wenn bereits Pflege notwendig ist, solle darauf geachtet werden, dass bei der Mundreinigung auch die Zahnzwischenräume gesäubert werden. Es gilt, Karies bis weit ins hohe Alter hinein vorzubeugen – denn dann ist eine eventuell notwendige Zahnbehandlung meist aufwändiger und belastender als in jüngeren Jahren.

Schlafmedizin: auch an Zähne denken

Man mag nicht auf den ersten Blick darauf kommen, dass „Zähne" beim Thema Schlafen eine relevante Rolle spielen: Wenn man aber wahrnimmt, dass es zu diesem Thema sogar eine eigene wissenschaftliche Fachgesellschaft gibt, die Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Schlafmedizin/DGZS, dann wird schon deutlich, dass dies ein größeres wissenschaftliches und praktisches Aufgabengebiet ist. Kürzlich befasste sich diese DGZS mit dem Thema nächtliches Atmen – und mit Situationen in Mund, die den notwendigen Luftaustausch behindern. Einen aktuellen Anlass für die Befassung mit dem Thema gab es auch: Die sogenannten Unterkieferprotrussionsschienen (UPS) sind inzwischen in bestimmten Fällen erstattungsfähig. Diese Schienen, die durch kontrollierte Führung des Unterkiefers dafür sorgen, dass die Atemwege in nächtlicher Entspannungsphase frei bleiben, haben offenbar genug Wirksamkeit bewiesen, dass sie nun auch von den Krankenkassen bezahlt werden. Solche auch „Anti-Schnarch-Schienen" genannten Geräte können auch Leben retten: Nächtliche Atemaussetzer bergen ein deutliches Risiko bis hin zu Schlaganfällen. Ein wichtiges Anliegen der Wissenschaftler: Die Schienen-Behandlung müsse fachgerecht erfolgen. „Selbstangepasste" vorgefertigte Schienen seien keine Option. Da insbesondere schwere oder komplizierte atembezogene Schlafstörungen interdisziplinär begleitet werden sollten, seien in solchen Fällen spezialisierte Zentren eine sinnvolle Anlaufstelle.

Mumienforschung: Nachrichten über Zahnstein

Vielleicht dienen die gewonnen Erkenntnisse der Mumienforscher an der Universität von Trient in Italien nicht sofort der weiteren Optimierung der Zahn- und Mundgesundheit oder ihrer Pflege – auf jeden Fall vertiefen die Studien zum rund 8.500 bis 3000 Jahre alten Zahnstein der Mumien aus italienischen Gräberfeldern aber den Erkenntnisgewinn. Ein Blickpunkt aktuellen Studie galt dabei der Zusammensetzung des Zahnbelages und der Frage, ob sich hier im Vergleich zu heute erheblich etwas verändert hat – und falls ja, was das bedeutet. Zunächst jedoch stellte man fest, dass der damals vertretene Hauptkeim in der Plaque („Methanobrevibacter") auch heute noch, wenn auch nicht in ebenso überragender Anzahl, im Zahnbelag vorhanden ist. Verglichen wurden die eigenen Erkenntnisse zudem mit Forschungsergebnissen zu Zahnbelag bei Neandertalern. Letztlich wurden, wie eine zahnärztliche Zeitung berichtete, über 100 Zahnsteinproben aus rund 50.000 Jahren, acht Ländern und drei Kontinenten untersucht. Ein spannendes Ergebnis: Während Methanobrevibacter-Keime, die in größerer Artenvielfalt vorkamen, in den ältesten Plaque-Proben bis ins Spätmittelalter kaum verändert existierten, gibt es dann einen Bruch: Es entstand eine neue Keim-Variante ganz ohne weitere Untergruppen, die älteren Varianten waren nun nicht mehr existent. Auch im Verdauungstrakt war das bei anderen Studien schon aufgefallen: Vor rund 5000 Jahren kam es offenbar zu einem großen Artensterben im Bereich der im Körper vorhandenen Bakterien. Die Forscher gehen davon aus, dass die Entwicklung und Weiterentwicklung von Technik, Industrialisierung und medizinischen Verfahren starken Einfluss auf das Mikrobiom, die Gemeinschaft der Keime im Körper, hatte – und hat.

Implantate: ständiges Update

Wichtig ist, dass die Forschung rund um medizinische Verfahren immer weiter geht. Mal ist es eine neue Technik, die andere Einsichten ermöglicht – beispielsweise hat die Entwicklung von dreidimensionalen „Bildern" anstelle von zweidimensionalen Röntgenbildern ermöglicht, die Lage rund um einen Behandlungsbereich noch realistischer erkennen zu können. Oder neue Erkenntnisse in der Biologie ermöglichen neue medizinische Vorgehensweisen. Mindestens so wichtig wie die Wissenschaft selbst ist aber auch, sie in einem größeren Kreis zu prüfen und für die Nutzung im Handlungsalltag zu bewerten. Genau dies leistet für den Bereich dentale Implantate die DGI, die wissenschaftliche Fachgesellschaft „Deutsche Gesellschaft für Implantologie". Regelmäßig – nach meist längerer Vorarbeit mit Sichten neuer wissenschaftlicher Veröffentlichungen – kommen Experten aus der Wissenschaft und von ganz verschiedenen Universitäten sowie erfahrene Praktiker aus den meistspezialisierten Zahnarztpraxen zusammen, um sich über die neueren fachlichen Errungenschaften auszutauschen und die Empfehlungen in sogenannte „Leitlinien" einzubringen, die den Anwendern als Grundlage für Entscheidungen dienen. Eine solche Leitlinienkonferenz der DGI hat auch vor ein paar Wochen wieder stattgefunden – hier ging es beispielsweise um Aspekte wie Periimplantitis, Implantate bei besonderen Ausgangslagen im Zahnbestand, bei Diabetikern und Patienten mit knochenstabilitäts-relevanten Medikamenten. Von diesen Expertentreffen bekommen Patienten in der Regel gar nichts mit – von der Verbesserung ihrer Behandlung in ihrer Zahnarztpraxis allerdings durchaus.

Lippenstift: Was man so mit isst...

Nicht wenige Frauen, die gern und viel Lippenstift nutzen, haben sich schon gefragt, wieviel davon zum Beispiel beim Essen und Trinken mit aufgenommen wird: Ist das viel, schadet das? Dieser Frage widmete sich jüngst auch das Magazin „test" der Stiftung Warentest. Untersucht wurden verschiedene Lippenstiftprodukte einer speziellen Farbgebung, in diesem Fall: Rosenholztöne. Zuerst einmal hat das Test-Team errechnet, wie viel Lippenstift bei täglicher Nutzung pro Jahr „mitgegessen" wird: Bis zu fünf Lippenstifte seien es, so die Tester, und insofern sei es schon relevant, ob die Stifte möglicherweise schädliche Inhaltsstoffe haben. Im Ergebnis war keiner der geprüften Lippenstifte ganz schadstofffrei, insofern gab es auch kein Produkt, das mit gut oder sehr gut benotet wurde. Am Preis jedenfalls kann man die Qualität nicht festmachen – unter den beiden, die ein Mangelhaft erhielten aufgrund belasteter Zusammensetzung, war eines aus der eher preiswerten Klasse und das andere aus dem hochpreisigen Couture-Bereich. Die beiden besten aus dem Kreis der anderen Produkte, die alle mit befriedigend bewertet wurden, waren ein Produkt eines Naturkosmetik-Herstellers und eines des größten weltweit verbreiteten Kosmetikunternehmens. Als problematisch gelten Bestandteile wie Erdöle, synthetische Kohlenwasserstoffe und das „Sonnenschutzmittel" Titandioxid. Vor der Lippenstift-Anwendung gewarnt werden musste allerdings nicht: Derzeit bewegt sich die Risiko-Einschätzung noch auf niedrigem Niveau, und die Inhaltsstoffe sind nicht verboten.

Wurzelbehandlung: Ja – trotz Ängsten?

Zum Thema Wurzelbehandlung sind nach wie vor in der Bevölkerung viele schmerz-assoziierte Vorurteile präsent – in der Regel stammen sie aus „alten Zeiten", in denen an die nachhaltigen und vergleichsweise eher sanften Verfahren von heute noch gar nicht zu denken war. Gewandelt hat sich aber nicht nur die Technik und die wissenschaftliche Erkenntnis, sondern auch das Wertebild zur Bedeutung der körpereigenen Materialien gegenüber dem Einsatz von Fremdstoffen als Ersatzprodukt. Das wird besonders an einer Studie Göttinger Wissenschaftler deutlich, die Patienten nach einer Wurzelbehandlung fragten, ob sie diese – trotz mancher unterschiedlich intensiv erlittenen Schmerzen – noch einmal durchführen lassen würden. Das Ergebnis, über das ein zahnmedizinisches Fachmagazin berichtete, zeigt: Fast 90 % aller Befragten würden sich trotz aller Belastungen erneut für eine Wurzelbehandlung entscheiden. Der möglichst lange Erhalt des natürlichen Gewebes wurde ebenso gut bewertet wie die Aspekte Kosten, Aussehen und natürliche Kaufähigkeit. Die Wissenschaftler empfehlen aufgrund der Rückmeldungen, für eine Wurzelbehandlung nicht zuletzt auf diese Behandlungsform besonders ausgerichtete Praxen aufzusuchen.

Fluorid: „unentbehrliches Arzneimittel“

Während hierzulande die Diskussion oft zwischen den Meinungspolen hin und her läuft – Fluorid ist gut, Fluorid ist schlecht – hat jetzt die WHO ein klares Wort gesprochen: Die Weltgesundheitsorganisation hat zahnmedizinische Produkte mit Fluorid in ihre Liste der „unentbehrlichen Arzneimittel" aufgenommen. Das ist eine sehr klare Haltung. Auch, was die Relevanz betrifft: In den letzten Jahren galt Fluorid, eine Art Salz, eher als ein Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralstoffe. Nun wird Fluorid als Medikament bewertet. Wie aktuell eine Fachzeitschrift berichtet, ist nicht zuletzt sein Einsatzgebiet als Schutz vor Karies schwerwiegend und relevant genug für diese Umklassifizierung. Die Eingruppierung in den Bereich „unentbehrliches Arzneimittel" bedeutet: Die WHO sieht das Produkt als so sinnvoll an, dass alle Menschen stets Zugang zu Fluorid (und den anderen in dieser Rubrik gelisteten Stoffen) haben und alle Regierungen sicherstellen sollen, dass der Bevölkerung Verfügbarkeit und erschwingliche Kosten ermöglicht werden. Der Welt-Zahnärzte-Verband FDI unterstützt das WHO-Vorgehen: Diese neue Vorgabe könnte die Chance, dass mehr Menschen als bisher von der weltweit verbreitetsten Erkrankung verschont bleiben, verbessern. Gut sei, dass die WHO damit auch Munderkrankungen als Erkrankungen anerkennt und deren Vorbeugung unterstützt.

Studie: Zahnseide – Ja oder Nein?

Zahnseide gehört zu den Mundhygiene-Hilfsmitteln, die bei manchen Menschen auf Ablehnung stoßen: Die Handhabung sei zu kompliziert. Insofern ist es interessant, dass sich eine Studie (North Carolina, USA) kürzlich der Frage widmete, ob Zahnseide denn auch tatsächlich wirklich relevant für Hygiene und Mundgesundheit ist. Im Blickpunkt der Wissenschaftler standen vor allem Auswirkungen auf Zahngesundheit und Zahnbettgesundheit, insbesondere mit Blick auf die Mundgesundheit der älteren Bevölkerung: Ihr Gewebe reagiert anfälliger auf Belastungen.
Es zeigte sich, dass ältere Menschen eher seltener Zahnseide nutzen als jüngere, und von den Nicht-Anwendern nutzten weniger Menschen die regelmäßigen Kontrolltermine bei ihrem Zahnarzt. Deutlich wurde, dass vor allem Frauen und Menschen mit höherem Bildungsgrad Zahnseide in ihr Mundhygiene-Ritual einbezogen.
Die über 5 Jahre laufende Studie, die auch weitere Entwicklungen berücksichtigen konnte, legte klar einen Zusammenhang zwischen Zahnseide-Nutzung und deutlich besser Mundgesundheit dar. Zahnseide-Nutzer neigten zudem deutlich seltener zu Zahnverlust als die Vergleichsgruppe. Die Wissenschaftler empfehlen den Praxen, so früh wie möglich Zahnseide als festen Bestandteil in die Mundhygiene-Instruktionen mit aufzunehmen, und den Patienten, sie fest in ihr persönliches Zahnputz-Ritual zu integrieren.

Implantate: Gibt es eine Titanallergie?

Es ist keineswegs so, dass Wissenschaft und Praxis in der Zahnmedizin Beobachtungen und Erfahrungen von Patienten mit Materialien oder Behandlungsschritten nicht ernst nehmen: Auch wenn nicht jede „Befindlichkeit" eine fachliche Prüfung beispielsweise durch eine Studie nach sich zieht, gibt es doch immer wieder sehr ernst zu nehmende Hinweise wie beispielsweise zu Verträglichkeiten. In den implantologisch tätigen Praxen hören die Teams manchmal (wenn auch sehr selten), dass ihre Patienten meinen, eine „Titan-Allergie" zu haben. Titan ist das nach wie vor häufigste, zudem am besten erforschten Material für Zahn-Implantate. Ende September dieses Jahres hat sich eine Wissenschaftlergruppe in der DGI, der Fachgesellschaft für Implantologie, zu genauso einem Punkt ausgetauscht: Was passiert im Körper, wenn Patienten meinen, eine Titan-Allergie zu haben? Die Moderatorin der Expertenrunde, Dr. Lena-Katharina Müller (Universität Mainz) berichtete darüber kürzlich in einer Zahnärztezeitung. Deutlich wurde: Eine klassische Allergie auf Titan gibt es nicht, eine Titan-Unverträglichkeit kann aber sehr wohl vorkommen. Grund: Während das Implantat selbst aus reinem Titan besteht, handelt es sich bei der Tragekonstruktion für die Zahnkrone aber um einen Materialmix für die bedarfsgerechte Stabilität. Es kann insofern, so die Wissenschaftlerin, tatsächlich auf manche Inhaltsstoffe einer solchen Legierung allergisch reagiert werden. Eine Werkstoff-Allergie ist leicht zu testen und bei entsprechend bekannten Allergiepatienten im Vorfeld der Behandlung sinnvoll. Schwieriger ist es mit einer „Unverträglichkeit", passende Tests gibt es nicht, insofern bleiben eine gute Anamnese und Befunderhebung wichtig. Da manche Symptome, die Patienten ihrem Implantat zuweisen, bekannt sind für eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen, sollte – so die Wissenschaftlerin – eine Explantation erst dann erfolgen, wenn keine anderen möglichen Ursachen in Frage kommen. Alternativ kann bei entsprechender Ausgangslage beim Patienten bei der Implantation auch auf eine Implantat-Alternative aus Keramik zurückgegriffen werden.

Studie: sauber – aber nicht rein

Nicht nur Zahnärzte erleben immer wieder, dass Patienten von regelmäßiger und sorgfältiger Mundhygiene berichten – und trotzdem sind die Zähne nicht wirklich sauber und neigen zu Schäden. Auch Patienten selbst erleben manchmal Zahnbelag-Folgen wie Mundgeruch, obwohl sie doch gerade erst Zähne geputzt hatten. Solche Erfahrungen hat ein Forscherteam zum Anlass genommen, sich der Frage zu widmen, warum guter Wille bei der Zahnpflege allein nicht reicht. In manchen Familien werden die Zähne täglich mehrfach geputzt – und trotzdem sind sie nicht sauber. Woher kommt das? Die Gießen-Marburger Forschungsgruppe prüfte daher, inwieweit die Probanden die klassischen Mundhygiene-Empfehlungen überhaupt umsetzen konnten: Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen, Zahnzwischenräume – und nicht zuletzt Wischen statt Schrubben. Es zeigte sich, dass die Kinder die Innenflächen deutlich zu kurz reinigten und die Außenflächen eher schrubbten als sie sanft wischend zu reinigen. Nur: Die Fähigkeiten ihrer Eltern erwiesen sich als kaum besser: Fast jede dritte Zahnbelag-Messstelle am Zahnfleischrand war auch nach dem Zähneputzen nicht wirklich sauber. Der Zusammenhang von Zahnputzverhalten der Eltern und dem der Kinder erwies sich als überdeutlich. Die Wissenschaftler empfehlen, so eine Fachzeitschrift, auch die Eltern in entsprechende Prophylaxe-Schulungen mit einzubeziehen.

„Kreidezähne“: Antibiotika in der Diskussion

Bereits seit vielen Jahren wird intensiv nach der Ursache der sogenannten „Kreidezähne" gesucht – fachlich: MIH / Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation. Das bedeutet, dass der Zahnschmelz der Kinder nicht stabil „gewachsen" ist und bröckelt. Die Ursache scheint von innen und nicht von außen zu kommen – so weit sind sich die Wissenschaftler heute einig. Insofern gilt der Frage, was „von innen" für die Schmelzstörung verantwortlich sein könnte, die derzeit intensivste wissenschaftliche Arbeit. Wie der „BARMER Zahnreport" vor einiger Zeit aufgrund vorgefundener statistischer Zusammenhänge darstellte, könnten Antibiotika-Gaben in der Wachstumszeit der Kinder zu solchen Zahn-Entwicklungsstörungen führen. Diesem Gedanken folgen derzeit mehrere Forschungsteams – aber auch Kinder- und Jugendärzte, die kürzlich darauf hinwiesen, so eine zahnärztliche Fachzeitschrift, dass daraus keine Umkehrschlüsse gezogen werden dürfen, nun gar keine Antibiotika mehr zu verordnen: Nach wie vor gebe es schwere und die Entwicklung des Kindes belastende Erkrankungen, die dringend der Antibiotika-Therapie bedürfen. Wichtig sei aber, diese auch nur dann einzusetzen, wenn Abwarten und Alternativen keine wirkliche Option sind. Nicht zuletzt die Erkenntnisse rund um die „Kreidezähne" machten deutlich, dass mit noch mehr Verantwortung als bisher schon solche Medikamente eingesetzt werden sollten.

Parodontitis: Allgemeingesundheit immer wichtiger

Mit den zunehmenden Erkenntnissen rund um die Zusammenhänge von Parodontitis und Allgemeingesundheit verändert sich nicht nur der Blick auf die Auswirkungen, die die bakterielle Zahnbettentzündung auf die Allgemeingesundheit hat: Hier sind bereits viele enge Verbindungen zu Diabetes, Herzerkrankungen und Stoffwechselstörungen bekannt und gut dokumentiert. Mehr und mehr richtet sich der Blick der zahnmedizinischen Wissenschaft nun aber auch auf die umgekehrte Fragestellung: Wie ist der Allgemein-Gesundheitszustand eines Patienten, der eine Parodontitis entwickelt? Warum kann sich die Parodontitis bei diesem Patienten entwickeln, und muss man diesen Patienten anders behandeln als andere? Entsprechendes Wissen hat großen Einfluss auf die Ausbreitung von Zahnbettentzündungen in der Bevölkerung, aber auch auf die Entwicklung einer passgenaueren Therapie. Dass das Geschehen rund um die Parodontitis nicht nur im Mund eine Rolle spielt, sondern alles zusammen betrachtet werden muss, machte vor wenigen Wochen Prof. Dr. Moritz Krebschull aus dem Entwicklerteam der neuen Parodontitis-Leitlinie in einem Fachzeitungs-Interview deutlich. Beispielsweise zeige dieser Denkansatz, dass eine Therapie auf zwei Wegen statt einem erfolgen sollte – einerseits hinsichtlich der Situation im Mund, andererseits aber auch hinsichtlich der allgemeingesundheitlichen Risikofaktoren.

Kieferorthopädie: Was passiert in der Zellbiologie?

Was im Kiefer passiert, wenn durch ausgeübten Druck auf die Zähne ein Zahn von seinem Platz ein Stück weiter an die geplante Ziel-Position wandert, wussten die Fachzahnärzte für Kieferorthopädie aufgrund ihres langjährigen spezifischen Aufbaustudiengangs schon immer. Mit weiter voranschreitender Untersuchungstechnik wird aus dem Wissen, wie und dass es funktioniert, auch ein Wissen, wie genau es funktioniert. Für eine wissenschaftliche Arbeit zu diesem „wie genau" ist kürzlich Prof. Dr. Anna-Christin Konermann, Universität Bonn, von der kieferorthopädischen Fachgesellschaft DGKFO (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) mit einem hochwertigen Preis ausgezeichnet worden. Sie hatte die Prozesse mit Blick auf zellbiologische Vorgänge untersucht. Ihr Fokus lag dabei auf der Reaktion bestimmter Zellbereiche, die von den Zahnbewegungen berührt werden. Die Arbeit machte deutlich, wie sich die Zellen und das Zahngewebe vor den Überlastungen durch den kieferorthopädischen Druck schützen. Einerseits kann man mit den Erkenntnissen also besser erkennen, wie man mögliche Überlastungs-Schäden verhindern kann – andererseits bieten sie aber vielleicht auch Potential für ganz neue kieferorthopädische Verfahren. Die wissenschaftliche Arbeitsgruppe um Professorin Konermann wird das Studienthema weiter vertiefen.

Plaque: Zusammensetzung relevant

Mit den vertieften Möglichkeiten der moderner werdenden Forschung stellen sich auch manche bisherigen Themen neu dar, Beispiel: der Zahnbelag, fachlich „die Plaque". Über sehr viele Jahre ging man davon aus, dass „die Plaque" kariogen ist, heißt: den Zahnschmelz schädigt. In der Plaque vorkommende Bakterien haben einen Stoffwechsel, und die ausgeschiedenen Säuren lösen die marmorartige obere Zahnschicht auf. Das ist nach wie vor nicht falsch, jedenfalls nicht ganz falsch: Auch heute ist der Zahnbelag der relevante Faktor beim Kariesgeschehen. Ist er regelmäßig entfernt, haben die Zähne eine sehr gute Chance, gesund zu bleiben. Nur sieht man die Plaque selbst heute mit etwas differenzierenden Augen: Wie Dr. Lutz Laurisch, Präventionszahnmediziner, kürzlich in einer zahnärztlichen Fachzeitung berichtete, interessieren sich die Wissenschaftler inzwischen vor allem für die Zusammensetzung des Zahnbelags, darunter für die Frage, wie hoch der Anteil an säurebildenden Keimen ist. Um die Zusammensetzung zu bestimmen, biete sich eine Speicheldiagnostik an, sagte der Zahnmediziner. Entsprechende Ergebnisse bilden die Grundlage für eine Kariesprophylaxe, die über die rein mechanische Entfernung des Zahnbelags hinausgeht. Je nach Ergebnis könne eine vertieft diagnosebasierte individualisierte Prophylaxe für den Patienten entwickelt werden.

Kinder: zu viel Zucker, zu ungesunde Ernährung

Ernährung spielt nicht nur für die Allgemeingesundheit eine große Rolle, sondern sowohl direkt als auch indirekt für die Mundgesundheit. Insbesondere Kinder in der Wachstumsphase benötigen daher eine Ernährung, die die natürlichen Entwicklungsprozesse in der richtigen Richtung unterstützen. Leider ist das in Deutschland nicht wirklich Alltag: Wie eine Studie von Foodwatch und der Deutschen Allianz ergab, haben trotz vielfacher Hinweise von Wissenschaft und Kinder(zahn)medizin rund 85 Prozent aller Kinderprodukte einen überhöhten Anteil an Zucker. Auch enthalten diese Produkte zu viel Salz und zu viel Fett. Nach den Richtlinien der WHO sollten solche Produkte nicht für Kinder angeboten werden. Die Bundeszahnärztekammer beispielsweise hatte bereits im Jahr 2018 konkrete Forderungen für Kindernahrungsmittel erarbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt, darunter beispielsweise die Aufforderung, nicht zuletzt hinsichtlich des Zuckergehaltes der Produkte eine für Laien verständliche Kennzeichnung aufzubringen. Grundsätzlich müsse der Zuckergehalt in Kindernahrungsmitteln erheblich gesenkt werden. Es sei bedauerlich, so die Bundeszahnärztekammer aktuell, dass der Appell an einen freiwilligen Zuckerverzicht und ausreichende Kennzeichnung bislang nicht gefruchtet habe.

Pandemie: mehr Bruxismus durch Stress?

Wer in den Zeiten der Pandemie nach „Zähneknirschen" oder dem Fachbegriff „Bruxismus" googelt, wird feststellen, dass Informationen dazu sehr oft abgefragt werden. Türkische Wissenschaftler haben das Suchverhalten gezielt überprüft und sich der Frage angenommen, welche Rolle Zahn- und Kiefer-Fehlbelastungen in der Pandemie spielen. Zwischen Mai und Oktober 2020 wurden Begriffe wie „Zähneknirschen" demnach 25 mal häufiger in das Suchfester eingegeben als im Vergleichszeitraum 2016 bis 2019. Verwundert war die Wissenschaftler-Gruppe nicht, denn diese herausfordernde Zeit führte bei vielen Menschen zu erheblichem Stress, und der Zusammenhang von Stress und Knirschen ist vielen Betroffenen auch bewusst. Die wirtschaftliche und/oder psychische Belastung sei für viele Menschen enorm gewesen, so das Forscherteam, zudem habe offenbar auch der Alkoholkonsum zugenommen, der seinerseits zu Fehlbelastungen des Kausystems führen könne. Die erhöhte Suchanfrage sei allerdings kein Beleg dafür, dass Knirschen und Zähne pressen auch tatsächlich zugenommen habe – aber ein Indikator dafür, dass die Menschen sich stark unter Stress fühlten.

Wurzelbehandlung: Ja – trotz Ängsten?

Zum Thema Wurzelbehandlung sind nach wie vor in der Bevölkerung viele schmerz-assoziierte Vorurteile präsent – in der Regel stammen sie aus „alten Zeiten", in denen an die nachhaltigen und vergleichsweise eher sanften Verfahren von heute noch gar nicht zu denken war. Gewandelt hat sich aber nicht nur die Technik und die wissenschaftliche Erkenntnis, sondern auch das Wertebild zur Bedeutung der körpereigenen Materialien gegenüber dem Einsatz von Fremdstoffen als Ersatzprodukt. Das wird besonders an einer Studie Göttinger Wissenschaftler deutlich, die Patienten nach einer Wurzelbehandlung fragten, ob sie diese – trotz mancher unterschiedlich intensiv erlittenen Schmerzen – noch einmal durchführen lassen würden. Das Ergebnis, über das ein zahnmedizinisches Fachmagazin berichtete, zeigt: Fast 90 % aller Befragten würden sich trotz aller Belastungen erneut für eine Wurzelbehandlung entscheiden. Der möglichst lange Erhalt des natürlichen Gewebes wurde ebenso gut bewertet wie die Aspekte Kosten, Aussehen und natürliche Kaufähigkeit. Die Wissenschaftler empfehlen aufgrund der Rückmeldungen, für eine Wurzelbehandlung nicht zuletzt auf diese Behandlungsform besonders ausgerichtete Praxen aufzusuchen.

Implantate: Werden sie Kassenleitung?

Viele Patienten, die vor einer Zahnersatzversorgung stehen, sehen sich auch mit Kostenaspekten konfrontiert: Was bleibt nachher unter dem Strich auf der Rechnung übrig, das selbst bezahlt werden muss? Was übernimmt die gesetzliche Krankenkasse (GKV) und was nicht? Die Frage, ob die GKV nicht auch Kosten für eine Implantatversorgung übernehmen sollte, wird schon diskutiert, seit es die ersten Zahnimplantate gibt – und bisher immer verneint. Auch ganz aktuell gibt es hierzu eine klare Position: Kosten für Zahnimplantate dürfen in aller Regel nicht von der Solidargemeinschaft, der GKV, erstattet werden, so das kürzlich ergangene Urteil des Bundessozialgerichtes in Kassel. Bisher hat keine Klage auf Anerkennung einer vorliegenden Ausnahmevoraussetzung dazu geführt, dass Implantate als Form der Zahnersatzversorgung neu in den Leistungskatalog der GKV übernommen wurden. Das Gericht stellte sogar fest, dass im Fall einer Unverträglichkeit konventioneller Zahnersatzversorgung kein Anspruch auf die Erstattung der Kosten für eine Implantatbehandlung bestehe, das Gesetz mute den Bürgerinnen und Bürgern sogar dezidiert Zahnlosigkeit zu. Das sei hart, so der Richter, aber bestehende Gesetzeslage.

Parodontitis: Wer ist besonders gefährdet?

Wie bei den meisten Erkrankungen ist es auch bei der Parodontitis, der Zahnbettentzündung, so, dass nicht alle Menschen das gleiche Risiko haben, eine solche Gesundheitsstörung zu entwickeln. Diesen Gedanken haben sich kürzlich US-amerikanische Forscher gewidmet und die Fragestellung in einer Studie beantwortet. Zuerst einmal wurde deutlich, dass die Gingivitis, die Zahnfleischentzündung, ein wichtiger Marker ist: Wer leichter eine schwere Gingivitis entwickelt, hat auch ein größeres Risiko für eine Parodontitis. Grund für die unterschiedlich starken Reaktionen auf bakterielle Belastungen ist einerseits eine andere Ausgangslage bei der bakteriellen Zusammensetzung in den Zahnbelägen (eine biologische Gemeinschaft) und andererseits in der Kombination der Abwehrwehr-Stoffe, die beginnende Entzündungen in den Griff bekommen sollen. Wie sich zeigte, haben Menschen eine unterschiedliche Neigung, riskante Zahnbeläge zu entwickeln, und sie zeigen ein unterschiedlich aufgestelltes Immunsystem, um Entzündungen abzuwehren. Bei manchen Menschen entwickelt sich riskante Plaque sehr langsam und ihr Immunsystem kann hier gut gegensteuern. Bei anderen Menschen mit anderer Disposition ist es genau umgekehrt. Relevant ist das Wissen insofern, als nicht alle potentiellen Parodontitis-Patienten das gleiche Risiko des Fortschreitens haben und manche Patienten eine schnellere Intervention benötigen, als andere.

Weiche Nahrung: praktisch, aber folgenreich?

Weiche Nahrung erfordert wenig Kauaufwand und ist, in manchem Lebensalter und bei entsprechender Kaufähigkeit, fast der einzige Weg, über den Mund ausreichend Ernährung zu sich zu nehmen. Mit dem Ergebnis, dass genau dadurch Einschränkungen der Kaufunktion entwickelt werden können. Das jedenfalls legt eine japanische Studie nahe, die sich mit der Frage befasst, was das Gehirn lernt, wenn insbesondere in der Wachstumsphase von Mund- und Gesicht vor allem weiche Nahrung aufgenommen wird. Deutlich wurde: Das Gehirn wird falsch beeinflusst. Im Tierversuch zeigte sich, dass nach wochenlanger weicher Kost gegenüber harter Kost, die zum Kauen anregt, die Tiere der erstgenannten Gruppe eine verkleinerte Mundöffnung aufwiesen, die Mund-/Kiefermuskulatur anders funktionierte und die Kiefergelenke belastet waren. Deutlich wurde, dass die Kiefermuskulatur weniger spezifische Fasern enthielt. Auf der Hand liegt insofern, dass feste Nahrung und notwendiges ausreichendes Kauen einen erheblichen Einfluss hat auf das gesunde Wachstum und Funktionieren des Mundes und damit für die natürliche Aufnahme lebenswichtiger Nährstoffe.

Kluge Deutsche? Bei Mundhygiene eher weniger.

Ein renommiertes Marktforschungsunternehmen hat vor einiger Zeit in Deutschland, Frankreich, Spanien, Russland und Großbritannien Menschen zu Wissen rund um die Zusammenhänge von Mundgesundheit und Allgemeingesundheit befragt und die Ergebnisse der Studie nun vorgestellt. Während in Deutschland nicht einmal zwei von drei Befragten die Bedeutung der Mundgesundheit für die Allgemeingesundheit bekannt waren, lagen die Werte hier für die meisten der anderen Länder bei deutlich über 80 Prozent. Nicht einmal jedem zweiten Deutschen ist bewusst, dass eine sorgsame Mundhygiene das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich reduzieren kann – auch hier sind die Spanier und die Franzosen besser informiert. Gerade mal ein Drittel der in Deutschland Befragten wusste, welche Rolle Mundhygiene bei einer gesunden Schwangerschaft spielt – einer der international niedrigsten Werte. Und besonders eindrucksvoll: Im weltweiten Vergleich zweifelten an meisten die Deutschen (15 %) an einem wissenschaftlich belegten Verhältnis von Ursache und Wirkung. Was sich aber überall zeigte: Wissen steigert die Eigenverantwortung. Je mehr die Befragten über Zusammenhänge von Mundgesundheit und Allgemeingesundheit wussten, desto häufiger nutzen sie auch die Angebote der Zahnarztpraxis.

Warum Zahnmedizin studieren? Studie erhielt Preis

Mit dem Hirschfeld-Tiburtius-Preis des Verbandes der Zahnärztinnen (VDZÄ-Dentista) wurde kürzlich eine Dissertation am Universitätsklinikum Ulm ausgezeichnet: Grundlage für Preisvergabe sind Forschungsarbeiten, die geschlechterspezifische Aspekte rund um die Zahnmedizin und damit Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung zum Inhalt haben. Die in diesem Jahr ausgezeichnete Arbeit von Dr. Sandra Tanyeri widmete sich dem Aspekt der Motivation zur Aufnahme eines Zahnmedizinstudiums – und zwar im internationalen Vergleich von Deutschland, Finnland und der Türkei. Es zeigte sich, dass der in Deutschland festgestellte hohe Anteil an weiblichen Zahnärzten (derzeit deutlich über 50 Prozent) auch international ein vergleichbarer Trend ist.  Der hohe Anteil an Zahnärztinnen beeinflusse die Haltung zur Berufswahl und auch zur Berufsausübung, so die Dissertation. In Deutschland zeige sich bei Zahnärztinnen eine hohe Neigung zu präventiven und nicht-chirurgischen Behandlungsverfahren, während operative Eingriffe eher eine männliche Domäne seien. Überraschend sei, die Autorin, dass dies in Finnland und der Türkei ähnlich deutlich zu sehen sei. Auch klassische Rollenmuster wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf waren in den verglichenen Ländern vergleichbar. Die Möglichkeiten, Aspekte wie „Menschen helfen", aber auch persönliche Bedürfnisse wie Familie und Berufsausübung gut einteilen zu können, führten in allen drei Ländern zur Entscheidung für die Zahnmedizin. Konsequenz, so der Verband, sei, dass für chirurgische Verfahren mehr motivierende Fort- und Weiterbildung notwendig sei.

„LKG“: eine der häufigsten angeborenen Fehlbildung

Wie ein Artikel in einer großen deutschen Fachzeitschrift darstellt, gehört die LKG zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen: LKG steht für Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Man geht davon aus, dass ungefähr 15 Prozent aller angeborenen Fehlbildungen diese Entwicklungsstörung im Gesicht betreffen. Ein Wissenschaftler-Team der Universität Bonn hat sich des Themas angenommen, um herauszufinden, warum diese Fehlbildung so häufig ist – und damit auch, wie man diese Fehlbildung vielleicht vermeiden kann. Bereits deutlich ist, dass die Erbanlagen rund 90 Prozent an der Entwicklung einer LKG ausmachen – wobei die Sache insofern kompliziert wird, dass es nicht nur ein Gen ist, das dafür verantwortlich zeichnet, sondern eine Reihe von Erbanlagen zusammenkommen müssen. Das Ergebnis der Untersuchung an der Universität Bonn bringt die Erkenntnisse insoweit weiter, als nun spezielle Risikogruppen unter den Erbanlagen identifiziert werden konnten, die zu einer LKG-Entwicklung beitragen können. Eine Klärung und damit auch mögliche Lösung ist aber noch in weiter Ferne: Die Prozesse rund um die Erbanlagen, die „Bauplanungen" der Proteine, ihre Rolle und das Zusammenspiel spezifischer Faktoren erfordert noch erhebliche weitere Forschungsarbeit. Trotzdem sind die Erkenntnisse deutlich weiterführend: DNA-Bereiche und Genmutationen, die für Fehlbildungen im Gesicht verantwortlich sind, konnten weiter eingekreist werden.

Vermeidbar: Zahnlosigkeit im Alter

Wie Prof. Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, gegenüber der Presse vor einigen Tagen verdeutlichte, ist es heute möglich, Zahnlosigkeit im Alter zu vermeiden. Während früher auf Fotos oder Gemälden alte Menschen an eingefallenem Kiefer und einem eingezogenen Mund erkennbar waren, ist es heute nicht selten, dass auch in sehr hohem Alter noch mit vielen eigenen Zähnen gelächelt werden kann. Wichtig sei, dass bereits im Anfangsstadium eine sich entwickelnde Parodontitis behandelt wird – so kann das Zahnbett, der Zahnhalteapparat stabil bleiben und Zahnausfall verhindert werden. Während sich bei jüngeren Menschen die Karies oft auf der Zahnfläche zeigt, bei Backenzähnen auch auf der Kaufläche, sind bei älteren Menschen mit natürlichen Zähnen aufgrund des biologischen Rückgangs von Knochen und Zahnfleisch oft die empfindlichen Zahnhälse oder teilweise ungeschützt stehende Zahnwurzeln betroffen – auch hier lässt sich durch regelmäßige zahnärztliche Betreuung und gute häusliche Mundhygiene eine Schädigung der Zähne gut eindämmen oder vermeiden. Manche älteren Patientinnen und Patienten seien zwar an ihre Zahnbürste gewöhnt, aber noch nicht an den regelmäßigen Einsatz von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen: Hier sei es Aufgabe der Praxis, die Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen für die große Chance zu begeistern, auch in höherem und hohem Alter noch mit eigenen Zähnen „kraftvoll zubeißen" zu können.

Medikamente: Folgen für die Mundgesundheit

Kaum ein Mensch, der nicht das eine oder andere Medikament im Haus hat – je nach Gesundheitszustand ist es oft auch eine ganze Sammlung. In der Regel werden diese Medikamente für körperliche Beschwerden oder Krankheiten eingesetzt. Kaum ein Nutzer fragt sich allerdings, was diese Medikamente für Auswirkungen auf die Mundgesundheit haben. Genau diese Frage aber stellte sich kürzlich eine US-amerikanische Forschergruppe. Sie prüfte die Patientenunterlagen von über 11.000 Personen über 18 Jahre hinsichtlich der Einnahme von Arzneimitteln. Dabei stellten sie fest, dass mehr als jeder zweite Patient mindestens ein Medikament regelmäßig einnimmt, unter den jüngeren Menschen im Alter 18 – 24 Jahre waren es 12 Prozent, in der Folgealtersgruppe 25 – 34 Jahre schon 20 Prozent. Bei dieser jüngeren und jungen Altersgruppe handelte es sich am häufigsten um Antidepressionsmedikamente und Opioide, also stark schmerzlindernde und beruhigende Produkte. Beide Arzneimittel haben als sehr häufige Nebenwirkung Mundtrockenheit, die keine Bagatelle ist: Eine gestörte Mundfeuchtigkeit befördert Karies und Zahnfleischentzündungen. Die älteren Patienten nutzen vorwiegend Medikamente gegen Bluthochdruck, Diabetes und hohen Cholesterinspiegel. Während Zahnärzte davon ausgehen, dass bei älteren Patienten mit Medikamenteneinnahme und entsprechenden Nebenwirkungen zu rechnen ist, würde häufig übersehen, so die Forscher, dass auch jüngere und junge Patienten entsprechend befragt werden sollten, um unerwünschte Nebenwirkungen bei der Behandlung berücksichtigen zu können. Vor einer zahnärztlichen Behandlung sollten Patienten überprüfen, ob ihr hinterlegter Anamnesebogen noch aktuell ist.

Implantat geplant: Hilfen fürs Einheilen

Um zu verstehen, warum bei einer künstlichen Zahnwurzel, dem Implantat, manches anders sein muss als es bei der natürlichen Zahnwurzel war, muss sich vorstellen, wie beispielweise die eines Backenzahnes aussieht: Oft gibt es sogar vier Wurzelspitzen, die den Zahn, zusammen mit entsprechend vielen Haltefasern, im Kieferknochen fest verankern. Das Implantat dagegen ist quasi „einbeinig". Ist der frühere Zahn entfernt, ist die Lücke im Kieferknochen meist größer als der Platzbedarf des Implantates – zumal, wenn durch die Erkrankung des Zahnbettes das umliegende Gewebe auch schon entzündet war und sich aufgelöst hat. Das macht deutlich, dass an der Insertionsstelle, wo das Implantat stabil stehen soll, „Füllstoffe" (Augmentate) benötigt werden, um den überzähligen Raum auszufüllen und dem Implantat eine Stütze zu geben. Wie eine große Fachzeitschrift kürzlich berichtete, schreiten auch hier die Entwicklungs- und Erkenntnisprozesse erheblich voran, denn der Körper darf die Augmentate ja nicht abstoßen. Das Implantat muss sich zudem mit dem Augmentationsmaterial verbinden und über verschiedene Zellen mit dem Körper zusammenwachsen. Solche Augmentate gibt es in verschiedenen Materialgruppen, aus tierischen Zellen bis hin zu künstlich hergestellten Produkten. Wenn es möglich ist, nutzt das Behandlungsteam bevorzugt „autogenes" Füllmaterial, das dem Körper des Patienten entnommen wurde und meist besonders gut vom Kieferknochen angenommen wird. Noch eher neu ist Knochenersatzmaterial aus körpereigenem Dentin, einem natürlichen Bestandteil des Zahnes. Was gerade für den individuellen Fall der beste Weg ist, erfährt der Patient durch sein spezialisiertes Praxisteam.

Gender: ein Thema für die Zahnmedizin?

Die Frage, ob Gender-Aspekte in der Zahnmedizin relevant sind, ist längst beantwortet: Seit mehr als zehn Jahren gibt es in Deutschland eine eigene wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich geschlechterspezifischen Aspekten in der Zahnmedizin widmet. Dabei geht es anders als in der „soziologischen" Gender-Debatte nicht um „Sternchen" oder weitere sprachbezogene Ansätze, sondern vor allem um handfeste medizinische und biologische Unterschiede. Was anfangs nicht nur die schon etwas ältere Gender-Medizin verwunderte, dass nämlich solche Unterschiede auch in der Zahnmedizin relevant sind, ist längst zum gemeinsamen Wissens-Gemeingut geworden: Wie ein vor Kurzem erschienenes Fachbuch der Ulmer Wissenschaftlerin Prof. Dr. Margit-Ann Geibel aufzeigt, sind geschlechtsspezifische Besonderheiten von deutlicher Relevanz und die Sachkenntnis darüber ein unlösbarer Teil der evidenzbasierten Zahnmedizin. Nicht ohne Grund hat die Vereinigung der Medizinstudenten kürzlich die Aufnahme von Gender-Aspekten in Studium und Lehre eingefordert. Allein die unterschiedlichen hormonellen Faktoren von Männern und Frauen und der dadurch unterschiedliche Wundheilungsprozess sowie die unterschiedliche Wirkung von Medikamenten machen eine geschlechtersensible Betrachtung bei Diagnose und Therapie relevant.

Kieferprobleme: Schiene, Yoga oder Gymnastik?

Forscher einer New Yorker Universität haben 125 weibliche Patienten mit schmerzhaften Problemen im Kiefergelenk und in den benachbarten Muskeln zu ihren Erfahrungen mit der vorgenommenen nicht-medikamentösen Behandlung befragt. Dabei wollten die Wissenschaftler erfahren, welche Verfahren die Patientinnen nutzten und wie sie deren Erfolg bewerteten. Wie ein Fachjournal berichtete, wurden die oft von starken Schmerzen geplagten Frauen unterschiedlich therapiert: Fast 60 Prozent erhielten ein orales Gerät wie beispielsweise eine spezialisierte Schiene, 54 Prozent physiotherapeutische Maßnahmen und 34 Prozent lernten Kieferübungen, die sie zuhause machen konnten. 20 Prozent wurden mit Akupunkturverfahren behandelt, 18 Prozent von einem Chiropraktiker „eingerenkt", bei 14 Prozent gab es Injektionen in sogenannte Triggerpunkte, 7 Prozent machten Gymnastik- oder Yoga-Übungen, 6 Prozent erlebten Meditations- oder Atmungs-Therapie, und die meisten nutzen im Schnitt etwas über zwei Verfahren parallel. Wiewohl nicht leicht zuzuordnen war bei den Kombinationsverfahren, was den weiblichen Patienten letztlich die beste Hilfe brachte, gab es bei der subjektiven Befragung doch eine Überraschung für die Wissenschaftler: 84 Prozent der Patientinnen berichteten, dass Selbsthilfemaßnahmen von Yoga über Gymnastik, Mediation und Wärmekompressen bis hin zu Massagen die beste Schmerzlinderung erreichten – gegenüber nur 64 Prozent, die eine spezifische Aufbiss-Schiene als überlegen erachteten.

Implantate: gleich – oder später?

Wer sich als Patient mit dem Thema Zahnimplantate erstmals befasst, könnte den Eindruck gewinnen: Es ist immer der gleiche Ablauf. An den Platz, an dem bislang die natürliche Zahnwurzel stand, wird nun die künstliche Zahnwurzel, das Implantat gesetzt. Das ist insoweit auch richtig – aber sehr verkürzt, denn je nach Ausgangssituation gibt es, wie gerade ein Fachjournal darstellte, insgesamt sogar vier recht unterschiedliche Vorgehensweisen: die Sofortimplantation, die Frühimplantation nach Ausheilung des Weichgewebes, die Frühimplantation nach Regeneration des Hartgewebes und die Spätimplantation. Zwischen Sofortimplantation und Spätimplantation können gut und gern mehr als 16 Wochen Zeit liegen. Das sind Zeitfenster, die die Zahnärzte nicht nach den Wünschen der Patienten ausrichten können, sondern sie richten sich nach der Biologie: Das Implantat soll ja gut und stabil einheilen und möglichst sehr viele Jahre halten – und dafür braucht es eine biologisch stabile Voraussetzung. Da die Patienten aber eine möglichst rasche Versorgung bevorzugen, wird im Bereich Sofortimplantation auch besonders viel geforscht. Wer vor einer Behandlung steht, wird von seinem Praxisteam daher entsprechend zu verschiedenen Möglichkeiten der Verbesserung der Ausgangslage der Implantatstelle informiert.

Covid-19: Wie zeigt sie sich im Mund?

Die Fachzeitschrift „Zahnärztliche Mitteilungen" hat kürzlich eine Übersicht veröffentlicht mit Hinweisen darauf, wo und wie sich Covid-19 im Mund zeigt. Ausgewertet hat eine brasilianische Studie bisher Daten von fast 85.000 Patienten (40 % davon aus Europa), die Studie wird kontinuierlich fortgesetzt. Nach den bisherigen Ergebnissen leiden die Patienten vor allem unter zwei mundbezogenen Problemen: Geschmacksstörungen und Mundgeruch. Geschmacksstörungen unterschiedlicher Art zeigten sich bei rund 40 % der Erkrankten. Noch wichtiger halten die Wissenschaftler das Symptom Mundtrockenheit, das auch noch häufiger vorkam, nämlich bei 43 % der untersuchten Patienten. Nach Einschätzung der Forscher könnte Mundtrockenheit, die bereits in sehr frühem Stadium bemerkt wird, sogar ein Marker für eine mögliche Covid-19-Erkrankung sein, zumindest sollte man, wenn man unter Mundtrockenheit leidet und vielleicht weitere auf eine Infektion hindeutende Symptome zeigt, auf das Vorhandensein einer Covid-19-Erkrankung testen. Zu den weiteren Symptomen, die die Wissenschaftler entdeckten, gehörten Mundgeruch und unterschiedliche Veränderungen an der Mundschleimhaut. Fundiert aussagekräftige Daten zu den Mundschleimhautschädigungen fehlen dazu aber noch.

Schlaf-Apnoe: Manchmal geht nur eine OP

Für die Behandlung einer Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer, die weit riskanter sind als reines Schnarchen), gibt es mittlerweile verschiedene Möglichkeiten: Sie reichen von kleinen Geräten, die die Zungenposition optimieren, um ein Zurückrutschen in den Rachen und damit Atemeinschränkungen zu verhindern, bis hin zu aufwändigen Operationen. Dass eine Schlafapnoe unbedingt behandelt werden muss, ist inzwischen auch der Öffentlichkeit bewusst, denn die Folgen behindern nicht nur den Arbeitsalltag, sondern können auch lebensgefährlich werden. Verständlich ist, dass viele Betroffene es lieber mit einer Schiene oder einer anderen Atemhilfe versuchen, manche benötigen auch eine erhebliche Gewichtsreduktion, bei anderen reicht der Verzicht auf gefäßrelevante Genussmittel wie Rauchen und Alkohol. Es gibt aber auch Fälle, wo das alles nicht ausreicht oder nicht umsetzbar ist. Besonders in schweren Fällen kann es notwendig sein, eine grundsätzliche Veränderung des Mund-Gaumen-Bereiches zu erreichen. Die DGMKG, die Fachgesellschaft für  Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen, hat kürzlich darauf hingewiesen, dass solche Eingriffe, die die hinteren Luftwege öffnen, oft auch einen dauerhaften Therapieerfolg ermöglichen, der Atemmasken und andere Hilfsmittel überflüssig macht. Betroffene sollten diese Behandlungsmöglichkeit daher nicht von vorneherein ausschließen.

Weit verbreitet: Herpes simplex-Virus

Bekannt ist das Virus namens Herpes-simplex vor allem durch seine sichtbaren Spuren an den Lippen: Bläschen mit sehr unangenehmen Schmerzen und Begleiterscheinungen, die nicht immer leicht ausheilen. Rund 80 % der Bevölkerung tragen diese Viren in sich, aber nur bei einem Teil, geschätzt 20 %, kommt es auch zu einem sichtbaren Ausbruch der Infektion. Eher neu ist die Erkenntnis, über die der wissenschaftliche Springer Verlag gerade berichtete: Offensichtlich gibt es eine Verbindung zwischen dem Vorhandensein von Herpes-simplex-Typ-1-Antikörpern und der Entwicklung einer Alzheimer-Demenz. Wie die zitierten Studien zeigen, ist ein bestimmtes Protein der Nervenfasern der anschiebende Faktor. Bestätigt wird die Vermutung auch durch das häufige Vorhandensein von Lippen-Herpes bei entsprechenden Patienten mit Alzheimer-Demenz. Die Wissenschaftler regen an, bei entsprechenden Anzeichen von Virusbelastung durch Herpes-simplex eine prophylaktische Impfung vorzunehmen (Herpes-Zoster, Windpocken): So könnte voraussichtlich das Risiko einer Alzheimer-Demenz reduziert werden, entsprechende Tests geben Anlass zu der Vermutung, dass das gelingen könnte.

Tag der Zahngesundheit: „Zündstoff“ im Fokus

Alljährlich weist der „Tag der Zahngesundheit" in Deutschland – immer am 25. September – auf aktuelle Themen hin, die mehr in den Blickpunkt der Bevölkerung rücken sollten. In diesem Jahr geht es um „Zündstoff". Gemeint ist damit einerseits ein Erkenntnis-Zündstoff: Millionen Menschen in Deutschland haben bereits deutliche Anzeichen einer Parodontitis, die man selbst anfangs aber gar nicht bemerkt – und die im fortgeschrittenen Stadium nur schwer zu behandeln und heilen sind, nicht selten dauerhaft zu Gewebe- und Zahnverlust führen. Und zweitens geht es ums Biologische: Parodontitis bedeutet Zahnbettentzündung, und „Zündstoff" einer solchen Entzündung sind spezifische Mund-Bakterien, die sich zu stark ausbreiten konnten und „Taschen" rund um den Zahn geschaffen haben, in denen sie auch von der besten Hauszahnbürste nicht mehr gefunden werden. Die Bakterien führen zum Absterben von Gewebezellen, auch denen, die für den Halt des Zahnes im Kieferknochen zuständig sind.
Zündstoff ist das Thema aber, drittens, auch, weil die Keime nicht im Mund bleiben, sondern über die Blutbahn an viele Organe und in weitere Körperbereiche gelangen und da „zünden", also Entzündungen auslösen können. Ein wichtiges Thema also, das der diesjährige Tag der Zahngesundheit beleuchtet – und das seine Wichtigkeit für alle Tage im Jahr behält.

Parodontitis: der Patient als Partner

Wenn sich das Zahnbett entzündet, eine Parodontitis entsteht, merkt man das als Patient oft sehr lange gar nicht – es kann einige Jahre dauern, bis man eines Tages feststellt: Da hat sich etwas entwickelt, was sofort gestoppt werden muss! Je früher man diesen Moment nutzt, um so sinnvoller, weil eine Parodontitis-Behandlung, zumal in fortgeschrittenem Stadium, ein recht aufwändiger und oft auch langwieriger Prozess ist. Und einer, den man auf jeden Fall angehen sollte, denn ohne medizinisches Eingreifen sind nicht nur erhebliche Schäden an Zähnen und Zahngewebe und Kieferknochen zu erwarten, sondern auch riskante Infektionen an verschiedenen Stellen im Körper: Die krankmachenden Bakterien aus dem Mund finden sich beispielsweise in Herz, Lunge und Gefäßen. Was die Behandlung so anspruchsvoll macht, ist, dass sie nicht mit einem Praxisbesuch erledigt ist und der Patient ein größeres Aufgabenbuch hat, was er alles selbst umstellen und in seinem Alltag optimieren muss. Für jeden Patienten muss ein eigenes, die jeweiligen Risikoumstände einbeziehendes Behandlungsprogramm entwickelt werden, auch für den Patienten selbst und seine häusliche Prophylaxe. Seine Mitarbeit hat einen entscheidenden Anteil daran, ob und wie schnell die Behandlung weitgehend abgeschlossen werden kann. Auch danach ist seine Motivation ein Kernfaktor: Eine lebenslange Kontrolle der Mundgesundheit und intensive Mundhygiene sind ebenso unumgänglich wie überaus lohnenswert.

Zahnfarbe: Kann man was tun?

Für manche Menschen ist Schönheit verbunden mit fast schon leuchtend weißen Zähnen – ein Farbton, der in der Natur überhaupt nicht vorkommt. Normal sind, das betonte kürzlich ein entsprechender Fachbeitrag in einer größeren Zeitschrift, eher gelbliche oder ins Graue gehende Grundfarben. So wie die Hautfarbe „weiß" je nach genetischem Hintergrund unterschiedlich aussieht, sind auch „weiße Zähne" nicht alle gleichermaßen weiß. Hinzu kommen Faktoren, die die Zahnfarbe verändern oder abdunkeln: Wird mit zunehmendem Alter der Zahnschmelz etwas dünner, schimmert mehr gelbliches Zahnbein hindurch. Trinkt man oft pigmentreiche Getränke, lagern sich Farbstoffe als Schicht auf dem Zahn ab und verdunkeln ihn. Auch manche Medikamente und auch antibakterielle Spüllösungen können zu Ablagerungen führen. Der erste Schritt zu helleren Zähnen ergibt sich dabei fast von selbst: In der Zahnarztpraxis werden neben der gesundheitlich betonten Entfernung von Zahnbelägen und möglicherweise Zahnstein die aufgelagerten Pigmente zahnschmelzschonend wegpoliert: Professionelle Zahnreinigung (PZR) heißt das Angebot. Zudem gibt es eine Vielzahl an Aufhellungsmöglichkeiten, die man aber nicht selbst ausprobieren sollte, weil manche auch die Zähne schädigen oder das Zahnfleisch angreifen. Was im eigenen Fall Sinn macht oder auch nicht, und ob der gewünschte Zahnfarbton erreichbar ist und wenn ja, wie oder wie nicht: Auch das erfährt man in seiner Zahnarztpraxis.

Zahnschmerzen: zum Zahnarzt – oder?

Erstaunlicherweise gehen nur zwei von drei Menschen, die Zahnschmerzen haben, zum zuständigen „Facharzt", ihrem Zahnarzt – das zeigt eine repräsentative Umfrage eines deutschen Meinungsforschungsinstitutes, über das eine renommiere deutsche Zahnärzte-Zeitschrift berichtete. Demnach geht zudem jeder dritte Bundesbürger davon aus, dass er keine Probleme mit Zähnen und Zahnfleisch hat oder bekommen könnte. Vier von zehn Menschen schließen für sich aus, dass jemals eine Wurzelbehandlung notwendig werden könnte. Rund jeder Zweite meint, Zahnverlust oder eine Zahnreparatur aufgrund eines Unfalls sei für die eigene Person nicht zu erwarten. Kosmetische Korrekturen halten 85 Prozent der Befragten für überflüssig. Und was machen die Menschen, die bei Zahnschmerzen nicht an Zahnarztbesuch denken? Neun Prozent warten einfach ab, was erfahrungsgemäß in den seltensten Fällen gut geht. 13 Prozent helfen sich zumindest erst einmal mit Schmerzmitteln. Manche andere spülen beispielsweise mit Kamillentee. Eher an die Zahnarztpraxis denken vor allem ältere über 55 Jahre: Von ihnen meldet sich jeder Dritte bei Zahnschmerzen bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt.

Wechseljahre: auch Mundschleimhaut-Folgen

Ebenso wie sich die Schwangerschaft aufgrund hormoneller Veränderungen auf die Mundgesundheit auswirkt, ist dies auch bei den Wechseljahren der Fall: Während in der Schwangerschaft die Östrogen-Produktion zunimmt, fällt sie in der Zeit des Klimakteriums ab. Hormonveränderungen führen im Körper zu vielfältigen Auswirkungen, weil sie ein starkes Steuerungs-Instrument sind vom Herz-Kreislauf-System bis hin zur Gewichtsentwicklung und nicht nur in Bereichen, die die Frauen selber spüren wie Veränderungen im Bereich der Schleimhäute. Eine sinkende Hormonproduktion hat insofern auch Folgen für eine Veränderung der Mundschleimhaut: Sie kann austrocknen und schmerzempfindlich werden. Hinzu kommt, dass eine verminderte Durchfeuchtung und ein Rückgang der Speichelproduktion auch die natürliche Zahnreinigung reduziert und sich leichter Zahnbeläge festsetzen. Auch sind mit fortschreitendem Alter manchmal Dauer-Medikationen notwendig: Unter den Arzneimitteln gibt es viele, die ihrerseits zu Mundaustrocknung führen können. Solche und weitere Entwicklungen, so eine Zahnärzte-Zeitschrift, sollten nicht klaglos hingenommen werden, sondern zu einem Zahnarztbesuch führen, um einerseits die Symptome zu lindern und andererseits sich entwickelnde Krankheiten und Abbauprozesse zu behandeln.

Milchzahnkaries: Prophylaxe statt Narkose

Während die Zahngesundheit bei Kindern im Wechselgebissalter und mit bereits ersten bleibenden Zähnen in den letzten Jahrzehnten ganz erheblich gestiegen ist und ein Kariesrückgang von rund 80 Prozent erreicht werden konnte, bleiben die Milchzähne die „Sorgenkinder" der Zahnmedizin. Aufgrund der erschwerten Kooperationsmöglichkeit und nach wie vor oft ungesunden Ernährung der Kleinkinder standen in vielen Fällen fast komplett zerstörter Milchzahnsubstanz nur Behandlungen unter Vollnarkose zur Verfügung: Einerseits war nur so die Möglichkeit gegeben, die umfangreiche Zahn-Behandlung durchzuführen, andererseits – und hier setzten kürzlich Wissenschaftler der Universität Greifswald an – bietet der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen/GKV auch nur diesen Weg als den üblichen an. Was bedeutet: Vorbeugende Maßnahmen werden mit Kostenübernahmen seitens der GKV nicht unterstützt. Zusammen mit einigen Kassenzahnärztlichen Vereinigungen entwickelten die Wissenschaftler daher ein Programm, vor und nach der Behandlung unter Narkose Intensiv-Prophylaxe-Sitzungen anzubieten und letztlich die Kinder in Regel-Präventions-Programme einzugliedern. Es zeigte sich, dass die Mundgesundheit der betroffenen Kinder im Test-Zeitraum deutlich zugenommen hatte, die Kariesentwicklung eindrucksvoll zurückging und das Angebot auf gute Akzeptanz stieß. Zudem lagen die Zusatzkosten für diese Intensiv-Prophylaxe-Maßnahme im Rahmen der Kosten für eine einzelne Füllung unter Narkose. Ob die Kassen das Angebot übernehmen, ist noch nicht bekannt.

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